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BIG BANG und BIG DATA — dem Urknall auf der Spur

ASTRON und IBM erfor­schen EXAS­CALE SYSTEME.

Das nie­der­län­di­sche Insti­tut für Radio­as­tro­no­mie ASTRON und IBM lan­cie­ren ein fünf­jäh­ri­ges For­schungs­pro­jekt, um extrem leis­tungs­fä­hige und ener­gie­ef­fi­zi­ente neue Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gien für das Square Kilo­me­ter Array-Tele­skop (SKA) zu erfor­schen. Das der­zeit von einem inter­na­tio­na­len Kon­sor­tium geplante SKA-Tele­skop wird nach sei­ner Fer­tig­stel­lung im Jahre 2024 das welt­weit grösste und emp­find­lichste Radio­te­le­skop sein. Es soll Ant­wor­ten auf einige grund­le­gende Fra­gen zur Ent­ste­hung von Gala­xien, schwar­zer Mate­rie und dem „Big Bang“ – dem Urknall – liefern.

Gigan­ti­sche Datenvolumina
Mit Tau­sen­den von Ein­zel­te­le­sko­pen, deren Flä­che zusam­men einen Qua­drat­ki­lo­me­ter ergibt, stellt das SKA ein Radio­te­le­skop der Super­la­tive dar. Auch in punkto Daten­ver­ar­bei­tung erreicht das gigan­ti­sche Tele­skop neue Grös­sen­ord­nun­gen. Laut Schät­zun­gen wer­den an einem Tag rund ein Exa­byte – das sind 1 Mil­li­arde mal 1 Mil­li­arde Bytes – an Funk­si­gna­len aufgenommen.

„Neh­men Sie den täg­li­chen, welt­wei­ten Daten­ver­kehr im Inter­net und mul­ti­pli­zie­ren Sie ihn mit zwei*, dann errei­chen Sie die Grös­sen­ord­nung an Daten, die das SKA-Tele­skop an einem Tag gene­rie­ren wird. Das ist ‘Big Data’ im Extrem­fall,“ erklärt IBM For­scher Ton Eng­ber­sen. Die Ana­lyse eines sol­chen Daten­vo­lu­mens erfor­dert Hoch­leis­tungs­sys­teme und Über­tra­gungs­netze mit einer Kapa­zi­tät, die weit über die aktu­el­len State-of-the-art-Lösun­gen hin­aus­ge­hen. Man spricht dabei von so genann­ten Exas­cale Sys­te­men – Com­pu­ter, die in der Lage sind, das 100-fache an Daten zu ver­ar­bei­ten als die der­zeit schnells­ten Rechner.

DOME-Pro­jekt
Um diese ein­zig­ar­tige Her­aus­for­de­rung zu lösen, haben ASTRON und IBM Rese­arch – Zürich das DOME-Pro­jekt ins Leben geru­fen. Das For­schungs­vor­ha­ben mit einem Gesamt­fi­nan­zie­rungs­rah­men von 32,9 Mil­lio­nen Euro wurde benannt nach dem zweit­höchs­ten Berg der Schweiz (Dom, 4545 m) und den cha­rak­te­ris­ti­schen Kup­peln von Radio­te­le­sko­pen, die im Eng­li­schen „dome“ heis­sen. Im eigens für das Pro­jekt geschaf­fe­nen „ASTRON & IBM Cen­ter for Exas­cale Tech­no­logy“ im nie­der­län­di­schen Dren­the wird ein inter­dis­zi­pli­nä­res Team von Wis­sen­schaft­lern bei­der Insti­tu­tio­nen mass­ge­bende Zukunfts­tech­no­lo­gien und hoch­ef­fi­zi­ente Exas­cale-Sys­tem­ar­chi­tek­tu­ren erfor­schen, die das Ver­ar­bei­ten, Spei­chern und Ana­ly­sie­ren sol­cher rie­si­gen Daten­men­gen ermöglichen.

„Grosse For­schungs­in­fra­struk­tu­ren wie das SKA erfor­dern extrem leis­tungs­fä­hige Daten­ver­ar­bei­tungs­sys­teme, um die immense Daten­menge auch effi­zi­ent ana­ly­sie­ren zu kön­nen. Der ein­zige sinn­volle Weg, um sol­che Sys­teme zu rea­li­sie­ren, ist es, ihren Ener­gie­ver­brauch dras­tisch zu redu­zie­ren. Mit DOME haben wir die Chance, umfas­sende neue Ansätze für ‘grü­nes Super­com­pu­ting’ zu ent­wi­ckeln und vor­an­zu­brin­gen. Das wird sich letzt­lich auch auf die gesamte Gesell­schaft posi­tiv aus­wir­ken“, sagt Marco de Vos, Direk­tor von ASTRON.

Inno­va­tive Technologien

Zu den Tech­no­lo­gien, die in DOME erforscht wer­den, zäh­len spe­zia­li­sierte Beschleu­ni­ger-Pro­zes­so­ren, 3‑dimensional gesta­pelte Chips für ener­gie­ef­fi­zi­en­tes Com­pu­ting, neue opti­sche Daten­über­tra­gungs­tech­no­lo­gien und Sili­zium-Nano­pho­to­nik für die Über­tra­gung sehr gros­ser Daten­men­gen sowie Hoch­leis­tungs­spei­cher­sys­teme, neue Magnet­band­spei­cher­sys­teme und fort­schritt­li­che Memory-Tech­no­lo­gien für die Opti­mie­rung der Daten­spei­che­rung und ‑archi­vie­rung.

Ein zen­tra­ler Schwer­punkt der For­schungs­ar­beit sind com­pu­ter­ba­sierte Model­lie­run­gen. Um ein grund­le­gen­des Design der IT-Infra­struk­tur für das SKA mit rea­lis­ti­schen Annah­men ent­wer­fen zu kön­nen, wer­den aus­ge­klü­gelte Metho­den für die Model­lie­rung und Opti­mie­rung von kom­ple­xen IT-Sys­te­men zum Ein­satz kom­men. Die Metho­den wur­den bei IBM Rese­arch – Zürich ent­wi­ckelt und bereits mehr­fach in der Pra­xis ange­wen­det. Die Basis für die Simu­la­tio­nen der SKA-Infra­struk­tur bil­det eine Ana­lyse des bestehen­den Sys­tems für das LOFAR-Tele­skop, das ASTRON in den Nie­der­lan­den betreibt.

Wis­sen­schaft und Wirtschaft

Die­ses spe­zi­elle Radio­te­le­skop zählt zu den so genann­ten „Pfad­fin­der-Tech­no­lo­gien“, die als weg­wei­send für das weit­aus grös­sere und kom­ple­xere SKA gel­ten. Ton Eng­ber­sen unter­streicht : „Mit DOME star­ten wir eines der daten­in­ten­sivs­ten wis­sen­schaft­li­chen Pro­jekte, die jemals geplant wur­den. Die Erkennt­nisse und tech­no­lo­gi­schen Inno­va­tio­nen, die dar­aus resul­tie­ren, wer­den auf viele andere Anwen­dun­gen in Wis­sen­schaft und Wirt­schaft – weit über die Radio­as­tro­no­mie hin­aus – ‘abstrah­len’ und von gros­ser Rele­vanz sein.“

Das DOME-Pro­jekt wird mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung der Pro­vinz Dren­the und dem nie­der­län­di­schen Minis­te­rium für Wirt­schaft, Land­wirt­schaft und Inno­va­tion durchgeführt.

Autor:
05.04.2012

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