
Buchtipp
Wie Städte ticken.
Das Leben des 21. Jahrhunderts ist ein Leben in Städten. Um zu verstehen, wie eine Stadt „tickt“, welche Ideen in ihr generiert, welche realisiert und akzeptiert werden, muss man sie als Organismus betrachten, der einen Charakter ausbildet und über eine eigene „Gefühlsstruktur“ verfügt. Martina Löw nimmt in
ihrem Buch die Stadt als Erkenntnisgegenstand ernst und entfaltet im Anschluss an raumtheoretische Überlegungen die These, dass sich urbane Entwicklungen nur dann hinreichend erklären und effektiv beeinflussen lassen, wenn man die „Eigenlogik“ von Städten begreift. Sie seziert „Gefühlsstrukturen“. Darüber zu debattieren, wie sich Städte unterscheiden, Sätze wie „Seit ich aus … weggezogen bin, vermisse ich …“ oder „… ist so eine optimistische Stadt, ganz anders als …“, sei heutzutage ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Dann beginnt die Diskussion. Sie kreist im Kern um die Frage, wie Städte zu charakterisieren sind, und bestätigt, was alle wissen und was sich in der Kommunikation verfestigt : Städte unterscheiden sich fundamental. Das Buch schließt mit einem Blick auf Ratings, Rankings und Typenbildungen sowie einem Plädoyer für Forschung als Grundlagenbildung, jedoch auch als fundierte Unterstützung für Stadtentwicklung. Ein Plädoyer, darüber zu streiten, wie „lokale Gefühlsstruktur“ konzeptionell gefasst werden kann.
Martina Löw :
„Soziologie der Städte“
Suhrkamp, 2008, 23,50 Euro
ISBN : 978−3−518−58503−0