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© @pexels.com/Yash Lucid

Can­na­bis­stoff lin­dert Sym­ptome bei Parkinson

Inter­na­tio­nal beach­tete Stu­die der Med­Uni Inns­bruck unter­sucht erst­mals Wirk­sam­keit eines Can­na­bi­no­ids bei nicht-moto­ri­schen Par­kin­son-Sym­pto­men und erkennt nach­weis­li­che Bes­se­rung mit poten­zi­el­len the­ra­peu­ti­schen Aus­wir­kun­gen auf Motorik.

An der Inns­bru­cker Uni­ver­si­täts­kli­nik für Neu­ro­lo­gie wur­den die Aus­wir­kun­gen eines bereits gegen Che­mo­the­ra­pie-indu­zierte Übel­keit zuge­las­se­nen Can­na­bi­no­ids auf Par­kin­son­pa­ti­en­ten unter­sucht. Zu den nicht­mo­to­ri­schen Sym­pto­men (NMS) bei Par­kin­son gehö­ren Funk­ti­ons­stö­run­gen des auto­no­men Ner­ven­sys­tems (Anm. ortho­sta­ti­sche Hypo­to­nie oder Obs­ti­pa­tion), Geruchs­stö­rung, Ver­än­de­run­gen der Stim­mungs­lage, Abbau der geis­ti­gen Leis­tungs­fä­hig­keit, Wahr­neh­mungs­stö­run­gen sowie Stö­run­gen des Schlaf- oder Wach­zu­stands oder Stö­run­gen des Traum­schlafs (Anm. REM-Schlafverhaltensstörung). 

„Viele davon kön­nen die typi­schen moto­ri­schen Sym­ptome der Par­kin­son-Krank­heit um Jahre oder sogar Jahr­zehnte vor­weg­neh­men“, erklärt Klaus Seppi, Neu­ro­loge und kor­re­spon­die­ren­der Autor der Stu­die. Die Belas­tung durch NMS nimmt im All­ge­mei­nen wäh­rend des Krank­heits­ver­laufs zu. „Es gibt jedoch nur wenige Daten zur Behand­lung der NMS. Die ver­füg­ba­ren Behand­lungs­op­tio­nen sind begrenzt bzw. die Ergeb­nisse oft unbe­frie­di­gend“, beschreibt Seppi die Aus­gangs­lage zur Durch­füh­rung die­ser Studie.
 
Viele Pati­en­ten wol­len Wir­kung wissen
„Die poten­zi­elle the­ra­peu­ti­sche Wir­kung von Can­na­bi­no­iden auf Moto­rik und NMS bei Par­kin­son ist ein wich­ti­ges Thema und wird häu­fig von Pati­en­ten ange­spro­chen“, erläu­tert Marina Peball, Erst­au­torin der Stu­die. Bis zu 95 Pro­zent der Neu­ro­lo­gen vom Cen­ter of Excel­lence der Natio­nal Par­kin­son Foun­da­tion, die an einer von der der Michael‑J.- Fox-Stif­tung für Par­kin­son-For­schung unter­stütz­ten online-Umfrage zu Can­na­bis teil­nah­men, seien von Par­kin­son-Pati­en­ten um Ver­schrei­bung von medi­zi­ni­schem Mari­huana gebe­ten wor­den. Es gibt jedoch nur begrenzte Belege für ihre Anwen­dung von Can­na­bi­no­iden bei Par­kin­son, da die ver­füg­ba­ren Stu­dien ent­we­der zu klein oder unkon­trol­liert waren. 

„In unse­rer Stu­die haben wir die Wir­kung von Nabi­lon auf die kon­trol­lierte Behand­lung von NMS bei Par­kin­son ran­do­mi­siert und fun­diert kon­trol­liert bei einer hohen Zahl an Pati­en­ten unter­sucht“, so Seppi wei­ter. Zu die­sem Zweck wurde ein Ent­zugs­de­sign ver­wen­det, nach­dem alle an der Stu­die teil­ge­nom­me­nen Pati­en­ten auf Nabi­lon ein­ge­stellt wur­den. Nabi­lon ist ein syn­the­ti­sches Ana­lo­gon von Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol, der psy­cho­ak­ti­ven Kom­po­nente von Can­na­bis, mit ähn­li­chen phar­ma­ko­lo­gi­schen Eigen­schaf­ten. „Wir haben uns für Nabi­lon ent­schie­den, da des­sen Her­stel­ler AOP Orphan das Medi­ka­ment und das dazu­ge­hö­rige Pla­cebo zur Ver­fü­gung gestellt hat. Auch andere Prä­pa­rate wären infrage gekom­men“, ergänzt Seppi. 
 
Inter­na­tio­nale Beach­tung für Stu­di­en­ex­per­tise an Med Uni Innsbruck
Das Beson­dere an die­ser Stu­die ist auch, dass es die erste ran­do­mi­siert kon­trol­lierte Unter­su­chung ist, die die Wirk­sam­keit und Sicher­heit eines Can­na­bi­no­ids bei der Behand­lung von NMS bei Pati­en­ten mit Par­kin­son ermit­telt. Erwäh­nens­wert sei auch „die her­vor­ra­gende Stu­di­en­in­fra­struk­tur an der Med Uni Inns­bruck, die zu die­ser auch inter­na­tio­nal aner­kann­ten Eigen­stu­die geführt hat“, betont Wer­ner Poewe, Mit­au­tor der Stu­die und ehe­ma­li­ger Direk­tor der Uni­kli­nik für Neu­ro­lo­gie. Er lobt zudem „die aus­ge­zeich­nete Zusam­men­ar­beit mit Ein­hei­ten wie dem Kom­pe­tenz­zen­trum für Kli­ni­sche Stu­dien und den Depart­ments für Gene­tik und Phar­ma­ko­lo­gie sowie Medi­zi­ni­sche Sta­tis­tik, Infor­ma­tik und Gesund­heits­öko­no­mie am Inns­bru­cker Campus.“ 
 
„Unsere Ergeb­nisse zei­gen eine Ver­bes­se­rung der gesam­ten NMS-Belas­tung mit Nabi­lon, was sich ins­be­son­dere in einer Ver­min­de­rung der Angst­zu­stände und Schlaf­stö­run­gen wider­spie­gelt. Die Behand­lung wurde gut ver­tra­gen. Diese Stu­die ergänzt den bis­her begrenz­ten Nach­weis zur Wirk­sam­keit einer Behand­lung auf Can­na­bi­no­id­ba­sis bei Pati­en­ten mit stö­ren­den NMS bei Par­kin­son“, fas­sen die Stu­di­en­au­toren zusammen. 

Das Ergeb­nis die­ser Stu­die kann somit zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis des Werts von Can­na­bi­no­iden für die Behand­lung von NMS bei Pati­en­ten mit Par­kin­son bei­tra­gen und könnte zudem als Basis für grö­ßere und even­tu­ell zu einer Zulas­sung füh­ren­der Stu­dien die­nen, so die die Stu­di­en­au­toren der Med­Uni Inns­bruck. Die ran­do­mi­siert kon­trol­lierte Stu­die wurde auch kürz­lich im renom­mier­ten Fach­jour­nal der Ame­ri­can Neu­ro­lo­gi­cal Assosia­tion „Annals of Neu­ro­logy“ publi­ziert und hat zahl­rei­che inter­na­tio­nale Reak­tio­nen nach sich gezogen. 

Autor: red/czaak
29.09.2020

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