Ambivalente Entwicklungen bei Geburten

Institut für Demographie der ÖAW entwickelt neues Geburtenbarometer für umfassende Analysen zur Fertilität in Österreich. Immer mehr Frauen wollen kinderlos bleiben, Zwei-Kind-Familien häufigstes Modell, Trend zu später Mutterschaft, ältere Väter mit jüngeren Partnerinnen.
Das neue Geburtenbarometer des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ermöglicht vielfältige und umfassende Analysen von aktuellen Daten zur Fertilität in Österreich. Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse, dass immer mehr Frauen kinderlos bleiben wollen, und Zwei-Kind-Familien das häufigste Modell bleiben. Mit dem Alter werden die Partnerinnen von Vätern jünger.
In fast allen europäischen Ländern sinkt die Geburtenrate seit Jahren, und die Erholung, die manche Demographen nach dem pandemiebedingten Einbruch erwartet hatten, blieb aus. Die Gründe für diese Entwicklung werden ebenso vom neuen Geburtenbarometer des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beleuchtet, das ab sofort online zu finden ist (siehe Link).
Von der Pandemie zur Inflation und andere Ursachen für beschleunigten Geburtenrückgang
„Überraschenderweise führte die Pandemie zunächst nicht zu einem dauerhaften Rückgang der Geburtenraten“, sagt Kryštof Zeman, der das Forschungsteam am Institut für Demographie der ÖAW koordiniert. Doch zwischen 2022 und 2024 waren steigende Inflation und wirtschaftliche Belastungen sowie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine Gründe für sinkende Fertilitätsraten.
Dieser Rückgang war besonders ausgeprägt bei jüngeren Frauen, vor allem unter 25 Jahren, und bei Frauen mit zwei oder mehr Kindern. Der Indikator „Durchschnittliche Perioden-Parität“ (Period Average Parity/PAP), ein Fertilitätsindikator, der nicht nur die Altersstruktur der Frauen, sondern auch ihre Kinderzahl berücksichtigt, sank in Österreich von 1,7 Kindern pro Frau im Jahr 2016 auf 1,6 zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 und weiter unter 1,5 im Jahr 2024.
Das Durchschnittsalter steigt kontinuierlich
Fortgesetzt hat sich auch ein langfristiger Strukturwandel : Das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt stieg zwischen 1984 und 2024 um sechs Jahre und liegt nun bei exakt 30 Jahren. Das Gesamtdurchschnittsalter der Mütter bei allen Geburten – also neben Erstgeburten auch beim zweiten oder dritten Kind – stabilisierte sich zuletzt bei 31,2 Jahren, nachdem der Trend zu späterer Mutterschaft bereits in den frühen 1970er-Jahren eingesetzt hatte. Während 1984 noch fast zehn Prozent der Babys von Teenager-Müttern geboren wurden, betrug der Anteil 2024 nur noch 1 Prozent.
Die Kinderlosigkeit liegt in Österreich im europäischen Vergleich relativ hoch. Unter den im Jahr 1980 geborenen Frauen waren 19 Prozent kinderlos. Tendenz steigend. „Laut unserer Prognose wird dieser Anteil bei Frauen, die nach 1990 geboren wurden, über 25 Prozent steigen“, sagt Zeman. Gleichzeitig bleibt die Zwei-Kind-Familie das mit Abstand häufigste Modell. Fast 40 Prozent der Frauen haben zwei Kinder. Dieser Anteil ist unter Frauen, die zwischen 1950 und 1980 geboren wurden, bemerkenswert stabil geblieben und verdeutlicht die große Bedeutung der Zwei-Kind-Norm.
Der Rückgang des Kinderwunsches in Zahlen
Analysiert wurde von den Forschern auch das Thema Kinderwunsch. 18 Prozent der 20- bis 29-jährigen Frauen wollen kinderlos bleiben. Mitte der 1980er-Jahre lag dieser Anteil noch bei lediglich sechs Prozent. „Da ein Teil der Frauen ungewollt kinderlos bleibt, etwa aus gesundheitlichen Gründen, ist anzunehmen, dass die Kinderlosigkeit in Zukunft noch höher sein wird“, erklärt Caroline Berghammer, Demographin bei der ÖAW und Co-Autorin.
Die durchschnittlich gewünschte Kinderzahl ist im Laufe der Zeit gesunken und liegt inzwischen unter zwei Kindern pro Frau. So wünschten sich Frauen im Alter von 30 bis 39 Jahren im Jahr 2021 durchschnittlich 1,6 Kinder. 2012 waren es noch 1,8 und 1986 sogar 2,1 Kinder.
Väter werden älter und die Daten werden genauer
Das Geburtenbarometer liefert auch (vergleichsweise immer mehr) Daten zu Vätern von Neugeborenen in Österreich. Zwar sind diese nicht vollständig, aber sie werden immer besser : 2015 fehlten die Angaben zum Vater bei fast 6 Prozent der Lebendgeburten, in den letzten Jahren lag dieser Anteil nur noch bei 1 Prozent. Väter sind im Schnitt etwa drei Jahre älter als Mütter.
2024 betrug das durchschnittliche Alter bei der Geburt 34,2 Jahre für Männer und 31,2 Jahre für Frauen. Der Altersunterschied zwischen Müttern und Vätern variiert allerdings je nach Alter : „Während junge Eltern bis 30 meist ähnlich alt sind, wird die Alterslücke ab diesem Punkt größer : 40-jährige Väter haben im Schnitt Partnerinnen, die 35 Jahre alt sind“, sagt Zeman.
Das Geburtenbarometer des Instituts für Demographie der ÖAW
Das Geburtenbarometer des Instituts für Demographie der ÖAW beobachtet und analysiert die Fertilität in Österreich auf Basis von Daten der Statistik Austria. Acht Kapitel geben einen Überblick über die Fertilität in Perioden- und Kohorten-Perspektive, das Timing der Fertilität, die Fertilität von Migranten und die Fertilität von Männern.
Ebenso erhoben und analysiert wurden die Fertilität während Corona, das Thema Kinderwunsch sowie das Geburtenbarometer Wien. Die aktuelle Ausgabe auf Basis des Datenstandes 2024 wurde von Kryštof Zeman, Tomáš Sobotka, Richard Gisser, Maria Winkler-Dworak, Caroline Berghammer und Bernhard Riederer verfasst, so die Österreichische Akademie der Wissenschaften in einer Aussendung. (red/laucz)
Steine als Klimaschützer

Mit Hilfe von Wasser können bestimmte Mineralien schädliches CO2 aus der Atmosphäre holen und rasch in festes Carbonat umwandeln. Die TU Wien konnte diesen mineralogischen Mechanismus nun nachweisen.
Steine können Kohlendioxid binden – und das weitaus schneller als bisher bekannt und angenommen. Bis dato wurden langwierige und entsprechend langsame Prozesse für die Umwandlung von CO2 in Karbonatgestein verantwortlich gemacht. Die Bindung von (industriell) entstandenem CO2 würde demnach Jahrhunderte dauern.
Ein altbekannter, jahrhundertelang dauernder Prozess
Beobachtungen und theoretische Berechnungen deuteten aber auch auf einen viel schnelleren Weg von CO2 zu Karbonat hin, und das soll durch die Vermittlung von Wasser passieren, das hier dann ähnlich wie ein Katalysator agiert. Forscher der TU Wien haben diesen Mechanismus nun erstmals mit bildgebenden Verfahren auf atomarer Skala nachgewiesen.
Für die Transformation von Kohlendioxid zu Gestein wurden lange Zeit zwei wesentliche Schritte ausgemacht : Einerseits muss sich das CO2 in Wasser lösen und geladene Teilchen bilden, andererseits muss sich das Gestein (Anm. etwa Silikat im Boden) teilweise auflösen. Daraus kann sich dann ein neues Material bilden, der Kohlenstoff (CO2) aus dem Kohlendioxid wird somit dauerhaft ins Gestein eingebaut.
CO2 kann direkt ins Gestein eingebaut werden
„Das ist allerdings ein sehr träger Prozess. Auf diese Weise lässt sich nicht erklären, dass in der Natur diese Art von Karbonatgestein oft sehr schnell entsteht. Tests mit industrieller CO2-Injektion in den Boden zeigen, dass 60 Prozent des Kohlenstoffs schon innerhalb von zwei Jahren in Mineralien gebunden werden können“, erläutert Giada Franceschi, vom Institut für Angewandte Physik der TU Wien. „Wenn sich dafür zuerst Ionen aus dem Gestein lösen müssten, würde das bis zu Jahrhunderten dauern“, ergänzt Franceschi, die das Projekt mit Ulrike Diebold leitet.Allerdings wurde schon seit längerer Zeit spekuliert, ob es nicht einen direkteren Weg für Kohlendioxid-Einbau in bestimmte Materialien geben könnte : Bei Anwesenheit von Wassermolekülen an der Mineral-Oberfläche, so die Vermutung, könnte CO2 direkt ins Gestein eingebaut werden, ohne dass vorher das Mineral aufgelöst werden muss und ohne den Umweg über gelöste Ionen, deren Bildung chemisch eher träge ist.
Chemische Prozesse auf atomarer Skala
Wasser ist unter natürlichen Bedingungen rund um diese Mineralien fast immer vorhanden.Mit dem Mineral Wollastonit konnte das Team an der TU Wien nun zeigen, dass dieser alternative Weg tatsächlich existiert. Möglich wurde das durch hochauflösende Rasterkraftmikroskopie : Die chemischen Prozesse ließen sich auf atomarer Skala direkt beobachten.
Damit wurde nun erstmals der entscheidende Mechanismus nachgewiesen, der rasche CO2-Abscheidung nicht nur an Wollastonit ermöglicht, sondern höchstwahrscheinlich auch an anderen, ähnlichen Mineralien. „Wenn wir in Zukunft CO2 aus der Atmosphäre holen und dauerhaft für unbegrenzte Zeit speichern wollen, dann müssen wir es in festes Gestein umwandeln“, sagt Ulrike Diebold vom Institut für Angewandte Physik der TU Wien „Unsere Messungen zeigen, welche Effekte auf atomarer Skala sich dafür einsetzen lassen. (red/cc)Die Zeit hinterlässt Spuren

Unbemerkte Gewebereaktionen beeinflussen den Zustand von Brustimplantaten bis hin zu Entzündungen. Komplikationen resultieren nicht nur aus mechanischen Ursachen, sondern auch aus biologischen Prozessen. Neue Studie der Karl Landsteiner Privatuni soll klinische Praxis unterstützen.
Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Komplikationen bei Brustimplantaten häufig nicht allein auf mechanische Ursachen zurückgehen, sondern auch mit biologischen Prozessen zusammenhängen. Diese entwickeln sich über längere Zeit unbemerkt im Gewebe. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass mikrobielle Kontamination und Entzündungen im Gewebe rund um das Implantat mit höheren Komplikationsraten, insbesondere mit sogenannten Implantatrupturen, verbunden sind.
Die prospektive Analyse der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems) umfasste über 600 Proben von 125 Implantatrevisionen bei knapp 100 Patientinnen. Arbeit und Ergebnisse sollen nun helfen, die Ursachen eines Implantatversagens genauer zu verstehen. Für die KL Krems unterstreichen die Ergebnisse, dass nicht nur erkennbare Schäden beachtet werden sollten, sondern auch unterschwellige entzündliche Veränderungen, die die Sicherheit von Implantaten langfristig beeinflussen könnten.
Nach Brustkrebsoperationen und zur kosmetischen Brustvergrößerung
Brustimplantate werden häufig sowohl nach Brustkrebsoperationen als auch zur kosmetischen Brustvergrößerung eingesetzt. Auch bei Eingriffen nach etablierten Standards kann es Jahre später zu Komplikationen wie beispielsweise Verhärtungen des Narbengewebes um das Implantat (Kapselfiborse), Rupturen oder Schmerzen kommen. Inwieweit bakterielle Verunreinigungen oder chronische Reizung des Gewebes dabei eine Rolle spielen, war bisher aber unbekannt.Die KL Krems untersuchte daher nun Implantatkapseln und das umliegende Gewebe mittels der Kombination von mikrobiologischen Tests und mikroskopischen Gewebsanalysen. „Wir wollten besser verstehen, ob Komplikationen ausschließlich durch Materialermüdung und mechanische Belastung entstehen oder ob Entzündungen eine wichtigere Rolle spielen könnten als bisher angenommen“, sagt Celina Kerschbaumer, Erstautorin der Studie an der Klinischen Abteilung für Rekonstruktive Chirurgie am Uniklinik St. Pölten, einem Lehr- und Forschungsstandort der KL Krems.
Entscheidender Einfluss auf Haltbarkeit und Sicherheit
„Die Studie zeigt deutlich, dass Implantate nicht nur unter technischen Gesichtspunkten betrachtet werden dürfen. Subtile, langfristige Entzündungsprozesse können einen entscheidenden Einfluss auf Haltbarkeit und Sicherheit haben“, unterstreicht auch Klaus Schrögendorfer, Primar dieser Abteilung, die klinische Relevanz. Insgesamt wurden 631 Proben aus 125 Implantatrevisionen bei 97 Patientinnen untersucht. Das Team wies bei 27 der 125 operativ behandelten Implantate mikrobielle Kontaminationen nach, während 58 Implantate histologische Entzündungszeichen zeigten.
Implantate mit solchen Entzündungszeichen wiesen deutlich höhere Komplikationsraten auf als Implantate ohne diese Befunde. Das zeigte sich sowohl in der Gesamtkohorte als auch in beiden untersuchten Patientengruppen (Anm. nach Krebsoperationen und nach kosmetischer Brustvergrößerung). In der Gesamtgruppe traten Komplikationen bei 65 Prozent der Implantate mit Entzündung auf, verglichen mit 21 Prozent der Implantate ohne Entzündung. Vor allem Implantatrupturen kamen bei vorhandener Entzündung signifikant häufiger vor. Die Daten zeigten außerdem, dass kontaminierte Implantate häufiger entzündliche Gewebeveränderungen aufwiesen als nicht kontaminierte.
Der Einsatzzeitraum eines Implantats
Ein genauerer Blick auf die nachgewiesenen Bakterien zeigte, dass sogenannte grampositive Arten überwogen. Am häufigsten fanden sich Bakterien, die typischerweise auf der Haut vorkommen (Anm. Staphylococcus epidermidis und lugdunensis). „Nicht jede bakterielle Spur verursacht automatisch Probleme, umgekehrt kann schon eine geringe Kontamination entzündliche Prozesse aufrechterhalten, die das Gewebe und möglicherweise auch das Implantat im Lauf der Zeit schwächen“, so die Forscher der KL Krems.
Ein zweiter relevanter Faktor in der Studie war die Dauer, die ein Implantat bereits eingesetzt war. Patientinnen mit kosmetischen Implantaten trugen diese signifikant länger als Brustkrebspatientinnen und wiesen zugleich signifikant häufiger Entzündungen auf. Das spricht dafür, dass eine lange Implantatliegedauer selbst chronische, niedriggradige Gewebereaktionen fördern könnte, und das auch ohne nachweisbare mikrobielle Kontamination. Mögliche Ursachen sind mechanische Reibung und die allmähliche Freisetzung kleinster Silikonpartikel aus alternden Implantathüllen.
Implantate widerstandsfähig, biologisch aber nicht unbegrenzt neutral„Implantate sind sehr widerstandsfähig, biologisch aber nicht unbegrenzt neutral“, sagt Tonatiuh Flores, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. „Je besser wir diese langsamen Prozesse verstehen, desto gezielter können wir Prävention, Nachsorge und den chirurgischen Umgang mit Implantaten weiter verbessern“, ergänzt Flores.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Komplikationen bei Brustimplantaten nicht nur technisch, sondern auch biologisch verstanden werden müssen. Sorgfältige chirurgische Hygiene, konsequente Nachsorge und ein langfristiger Blick auf entzündliche Veränderungen könnten daher ebenso wichtig sein wie die technischen Eigenschaften des Implantats selbst. „Dass die KL Krems an der Schnittstelle von Plastischer Chirurgie, Pathologie und Mikrobiologie forscht, entspricht ihrem Schwerpunkt auf interdisziplinären Themen mit hoher gesundheitspolitischer Relevanz“, so die KL Krems in einer Aussendung. (red/cc)Robotik für Arbeitsmaschinen

Von robuster 3D-Wahrnehmung über sichere Bewegungsregelung bis zu verifizierbarer Sicherheit und Entscheidungslogik als relevante Schlüsselbausteine für autonome Maschinen. AIT sowie TU Wien und Tufts University zeigen bei ICRA in Wien mehrere hochkarätige Projekte,
Das Austrian Institute of Technology (AIT) präsentiert gemeinsam mit der TU Wien und der Tufts University sechs hochkarätige wissenschaftliche Beiträge auf der ICRA 2026 in Wien. Die gewohnt hochkarätig besetzte internationale Konferenz für Robotik und Automation (International Conference on Robotics and Automation/ICRA) mit über 10.000 internationalen Spitzenforschern findet heuer von 1. bis 5. Juni erstmals in der Messe Wien statt.
Monoton oder gefährliche Arbeiten in Produktionen, auf Baustellen oder in Wald und Logistik
Die Arbeiten von AIT und TU Wien und Tufts Uni adressieren zentrale Bausteine für autonome Arbeitsmaschinen und das erstreckt sich von robuster 3D-Wahrnehmung mit LiDAR über sichere Bewegungsplanung und ‑regelung bis hin zu verifizierbarer Sicherheit und Entscheidungslogik. Mit diesen innovativen Projekten und der Präsentation stärkt das AIT seine internationale Sichtbarkeit in Robotik und Automatisierung von Arbeitsmaschinen.
Ob in der Produktion, auf der Baustelle, im Wald oder in der Logistik : Viele Tätigkeiten sind schwer, monoton oder gefährlich. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit – und in vielen Bereichen wird qualifiziertes Personal knapper. Autonome Arbeitsmaschinen können hier gezielt entlasten : Sie unterstützen die jeweiligen Anwender, steigern die Präzision wiederkehrender Abläufe, reduzieren Stillstände und ermöglichen einen sicheren Betrieb, alles auch unter anspruchsvollen Outdoor-Bedingungen.
Praxistaugliche Automatisierung im realen Einsatz
Doch wie werden Bagger, Krane und Gabelstapler zu effizienten und sicheren Robotern im Feld ? Autonomie entsteht nicht durch einzelne „smarte“ Komponenten, sondern nur, wenn sie von Anfang an ganzheitlich in der Maschinenentwicklung mitgedacht wird. Dafür braucht es eine durchgängige Robotik-Architektur, die den gesamten Autonomieprozess abdeckt : von Wahrnehmung mit geeigneter Sensorik über Bewegungsplanung (Navigation und Pfadplanung) und Bewegungsregelung bis hin zu verifizierbarer Sicherheit und Entscheidungslogik. Erst wenn diese Kette auch unter wechselnden Umweltbedingungen zuverlässig zusammenspielt, wird Automatisierung im realen Einsatz praxistauglich.
Genau hier setzt auch die Robotik-Forschung am Austrian Institute of Technology an – in Kooperation mit der TU Wien und der Tufts University. Die Partner bündeln ihre Arbeiten in sechs wissenschaftlichen Beiträgen, die auf der ICRA 2026 präsentiert werden. Im Einzelnen geht es bei den sechs Beiträgen um folgende Punkte : Das sind die robuste 3D-Wahrnehmung von Objekten, weiters das präzise Platzieren von schweren Bauteilen mittels eines Krans, dann Sicherheit im Feld bei der autonomen Holzverladung durch einen Kran sowie die Fragen wie robotische Systeme flexibel lernen und sicher bleiben und wie Roboter aus wiederkehrenden Abläufen lernen und effizienter werden.
Robotik live auch beim Festival der Roboter am 30. und 31. Mai am Karlsplatz in Wien
Ergänzend werden auch Themen behandelt wie zuverlässige Autonomie auch bei langen Aufgabenketten sowieLösungen für Baustelle, Logistik, Forst- und Landwirtschaft. Mit den ICRA-Beiträgen unterstreicht das AIT seine Rolle in der Automatisierung von Arbeitsmaschinen – mit Fokus auf praxistaugliche Lösungen für Bauwirtschaft, Logistik sowie Forst- und Landwirtschaft. Im Zentrum stehen Technologien, die sich in realen Umgebungen bewähren, und das robust gegenüber Störungen, sicher im Betrieb und effizient in der Ausführung.
Diese Forschungsergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung der autonomen Maschinen im AIT Large-Scale Robotics Lab ein – mit dem Ziel, Autonomie kontinuierlich sicherer und leistungsfähiger zu machen. Ergänzend zur Präsentation auf der ICRA zeigt das AIT Robotikforschung auch beim Festival der Roboter am 30. – 31. Mai am Karlsplatz in Wien. Ein Fokus betrifft etwa Livepräsentationen von autonomen Arbeitsmaschinen sowie praktische Entwicklungen und Anwendungsfelder autonomer Maschinen. (red/laucz)
Die Verstärkung des Stachels

Humorvoll philosophische und streng wissenschaftliche Einordnungen zum Stachel des Skorpions mit menschlichen Querverweisen. Neue Studie mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beleuchtet unterschiedliche Einsatzweisen und Verstärkungsmuster.
Jagd, Schutz, Selbstverteidigung sind die Einsatzgebiete für den Stachel. Die Fortpflanzung gehört nicht dazu. Beim Skorpion natürlich. Der Skorpion ressortiert zu den Spinnentieren (Anm. Arachnida), er gilt als nachtaktives „Raubtier“ mit acht Beinen, zwei Scheren und eben einem Giftstachel – den der Autor dieses Textes schon einmal „kennen lernte“.
Vorab ist der Skorpion auch ein Sternzeichen (Anm. 24. Oktober bis 22. November), das für tiefgründige Leidenschaft, Intensität und mutige Entschlossenheit steht, und zudem auch für Rachsucht oder Kompromisslosigkeit. Sein Stachel steht dann entsprechend, neben realen Funktionen, auch als Metapher für unterschiedliche Anwendungsformen der angeführten Charakterzüge.
Der Skorpion als menschlicher Aszendent
Als Aszendent, der in der zweiten menschlichen Lebenshälfte zum eigentlichen und dann charakterlich ausschlaggebenden Sternzeichen werden soll, kann er das eigentliche Sternzeichen von Menschen, bzw. dessen damit verbundene Charaktereigenschaften ausgleichen, ergänzen oder etwaig auch ersetzen.
Ist dieses eigentliche Sternzeichen der Fisch mit damit verbundenen Wesenszügen wie ausgeprägte Introvertiertheit, Sensibilität oder gar grübelhaften Abwägungstendenzen, dann können die skorpionesken Eigenschaften befreiend erfrischen und zu neuem Handlungseifer motivieren.
Bestimmte Eigenschaften im Laufe der Evolution
Zurück aber nun zum tierischen Lebewesen Skorpion, wo die Artgenossen ihren Stachel eben zur Jagd, zum Schutz und zur Selbstverteidigung einsetzen. Eine neue Studie zeigt nun, dass sich diese unterschiedlichen Einsatzszenarien direkt in der Materialstruktur und der Chemie der Stacheln widerspiegeln.
Entscheidend ist dabei nicht nur, welche metallischen Elemente eingebaut werden, sondern auch, wie die Chitinfasern im Inneren angeordnet sind. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie sich robuste und gleichzeitig leichte und langlebige Materialien entwickeln lassen – und warum sich bestimmte Eigenschaften im Laufe der Evolution in der Natur durchgesetzt haben.
Die Skorpionarten „Centruroides platnicki“ und „Nebo whitei“Für die mechanischen Untersuchungen war unter anderem ein Team vom Erich-Schmid-Institut für Materialwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beteiligt. Geleitet wurde die Studie von Helga Lichtenegger von der Uni für Bodenkultur (BOKU). Analysiert wurden zwei Skorpionarten mit unterschiedlichem Lebensstil.
Die Skorpionart „Centruroides platnicki“ nutzt den Stachel aktiv zur Jagd, während Kollege „Nebo whitei“ ihn vor allem zur Verteidigung einsetzt. „Also wird ein Stachel täglich benutzt oder täglich beansprucht und der andere nur manchmal“, erklärt Stanislav Zak vom Schmid-Institut. „Wir wollten verstehen, ob sich das auch in den Materialeigenschaften widerspiegelt“, ergänzt Megan Cordill, ebenso Mitglied im Forscherteam.
Unterschiedliche Strategien für unterschiedliche Nutzung
Die mechanischen Eigenschaften wurden mittels sogenannter Nanoindentation untersucht. Dabei kommt eine feine Diamantspitze zum Einsatz, mit der sich Objekte messen lassen, die kleiner als ein menschliches Haar sind. Mit genau kontrollierter Kraft wird die Spitze in das Material gedrückt.„Soweit wir wissen, sind wir die ersten, die Skorpionstacheln indentiert und Ergebnisse daraus gewonnen haben“, sagt Cordill. Aus der Reaktion des Materials ließ sich bestimmen, wie hart und wie steif die verschiedenen Schichten des Stachels sind. „So konnten wir nicht nur Unterschiede zwischen den beiden Arten messen, sondern auch zeigen, wie sich die Eigenschaften entlang des Stachels von der Spitze bis zur Basis verändern“, erklärt Cordill.
Häufig eingesetzter Stachel muss langlebig und verschleißfest sein
Während beim Kollegen Nebo whitei ein höherer Zinkanteil in der äußeren Schicht vorkommt, ist der Stachel von Centruroides platnicki stärker durch Mangan und Kalzium geprägt. Mangan und Kalzium tragen stärker zu Steifigkeit und Stabilität bei, während Zink nicht automatisch zu größerer Härte führt und eher mit kurzfristiger Härtung verbunden ist. Ob diese Erkenntnisse nun auch neue physische Behandlungsszenarien bei älteren humanoiden Männchen auslösen, wird sich zeigen.Bei den Skorpionen passen die Unterschiede jedenfalls genau zum Verhalten der Tiere : Ein Stachel, der häufig eingesetzt wird – etwa zur Jagd – muss vor allem langlebig und verschleißfest sein. Er darf sich nicht schnell abnutzen, sondern muss viele Einsätze überstehen. Wird der Stachel hingegen nur selten verwendet, etwa zur Verteidigung, kommt es weniger auf Dauerhaftigkeit an – dafür aber auf maximale Belastbarkeit im entscheidenden Moment. Er muss kurzfristig besonders hohen Kräften standhalten, wenn es darauf ankommt. Wiederum wäre eine humanoide Metapher zumindest denkbar.
Inspiration für neue Materialien und Vergleiche
Die skorpiontechnischen Ergebnisse zeigen dann noch, dass die mechanischen Eigenschaften nicht linear mit der Metallkonzentration zunehmen. Stattdessen scheint es ein optimales Zusammenspiel aus chemischer Zusammensetzung und Struktur zu geben – ein Hinweis darauf, wie präzise biologische Materialien angepasst sind. Für die Forschung sind solche Systeme besonders interessant.Das gilt auch für lustige Publizisten bzw. Autoren — noch dazu, wenn diese einmal von einem Skorpion gestochen wurden. Das passierte im (Ur)Regenwald von Costa Rica und bis zur einheimischen Aufklärung, dass dieser Stich jetzt nicht tödlich war, dauerte es (immerhin) eine halbe Stunde, voll mit entsprechenden Ängsten. Aber wieder retour zu den ÖAW-Forschern.
„Wir können sehr viel von der Natur lernen, wenn es um das Design von Materialien geht. Das ermöglicht uns zu sehen, wo die Funktionalitäten im Verhältnis zum mechanischen Verhalten und zum Lebensstil liegen“, sagt Cordill. „Am Beispiel der Skorpione braucht man andere Eigenschaften, wenn ein Stachel nur gelegentlich eingesetzt wird, als wenn er täglich genutzt wird“, unterstreicht Cordill. Ja, auch hier wäre ein humanoider Vergleich zulässig. (red/czaak)
Kluge Köpfe mit Mut für Neues

Innovation in Niederösterreich. Tecnet accent Innovation Award prämiert Wissenschaftsprojekte mit großem Nutzen für Gesellschaft und Wirtschaft. Aktuelle Auszeichnungen legen Fokus auf Life Sciences mit Themen Wundbehandlung und gleichzeitige Überwachung sowie Orthopädie, Krebs und Mikroplastik.
Der „tecnet accent Innovation Award“ wird vom NÖ Risikokapitalgeber tecnet equity und dem NÖ Inkubator accent sowie der Universität für Weiterbildung Krems vergeben und richtet sich an sämtliche wissenschaftlichen Einrichtungen am Campus Krems. Ziel ist es, junge Forschende frühzeitig für unternehmerisches Denken zu sensibilisieren und den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis zu fördern.
Konkrete Anwendungen für neue unternehmerische Wertschöpfung und Arbeitsplätze
Die aktuell prämierten Projekte zeigen einmal mehr die große Bandbreite und Qualität der Forschung am Standort Krems. Themen der Auszeichnungen erstrecken sich von innovativen Anwendungen in der Medizintechnik über neue Ansätze in der regenerativen Medizin bis hin zu zukunftsweisender Nanotechnologie mit vielfältigem Einsatzpotenzial.
„Innovation entsteht dort, wo kluge Köpfe den Mut haben, Neues umzusetzen. Genau diese Dynamik brauchen wir für Niederösterreich als starken Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort“, sagt Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich. „Unser Ziel ist, dass aus Forschung konkrete Anwendungen entstehen – und daraus neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze“, unterstreicht die NÖ-Landeschefin bei der Preisverleihung.
Gelenks-Knorpel mittels eines 3D-DruckersDer erste Preis ging an Youbin Zheng von der Danube Private University. Zheng hat ein spezielles Pflaster entwickelt, das man einfach auf die Haut kleben kann. Dieses Pflaster hat winzige Nadeln, die kaum zu spüren sind und ganz schmerzfrei funktionieren. Mit dem Pflaster ist es zudem möglich, Natrium-Ionen im Körper ständig zu messen – und das ohne Blut abnehmen zu müssen. Die neue Technik ist bereits patentiert und kann helfen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder Behandlungen besser zu steuern.
Der zweite Preis wurde zweimal vergeben. Zunächst an Sophie Roffeis von der Universität für Weiterbildung Krems/AC2T research. Roffeis hat mit „SparePlug“ ein neues Knorpel-Implantat entwickelt, das bei Gelenkschäden helfen soll. Dieses Implantat besteht aus Materialien, die aus dem Meer gewonnen werden und ist besonders umweltfreundlich. Prämiert wurde auch Markus Rothammer von der Universität für Weiterbildung Krems für sein Projekt „Printsicles“. Das ist ein neues Verfahren, wo Knorpel mittels eines 3D-Druckers hergestellt werden können und soll Menschen mit Gelenkproblemen bei der Heilung der geschädigten Knorpel helfen.
Bewusstsein und konkrete Perspektiven für die Umsetzung von Ideen
Der dritte Preis ging an Yolanda Salinas Soler von der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems. Ihr Team hat Nanomaschinen (Nano-Moleküle) entwickelt, die sich selbst bewegen können und sich nach einer gewissen Zeit von selbst auflösen. Zukünftig könnte das dabei helfen, Krankheiten wie Krebs gezielt zu behandeln oder auch dabei, schädliche Stoffe wie Mikroplastik aus dem Wasser zu entfernen. Die Erfindung hat also das Potenzial, sowohl für unsere Gesundheit als auch für die Umwelt nützlich zu sein.
„Unser Ziel ist es, dass sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler frühzeitig mit der wirtschaftlichen Verwertung ihrer Forschung auseinandersetzen. Der Innovation Award schafft Bewusstsein dafür und zeigt konkrete Perspektiven für die Umsetzung von Ideen auf“, ergänzt Doris Agneter, Geschäftsführerin von tecnet equity, die strategische Bedeutung des Awards. „Die eingereichten Projekte zeigen die große Innovationskraft am Campus Krems. Wir freuen uns, diese Entwicklungen mit unserer Erfahrung begleiten zu dürfen und so den Weg von der Idee zur Umsetzung zu unterstützen“, so Michael Moll, Geschäftsführer accent. (red/laucz)
Der erotische Moment

Die Alfred Kornberger Foundation eröffnet in Wiener Bäckerstrasse 9 museale Schauräume mit Schwerpunkt auf Expressionismus und Akt. Museum, Art-Shop & Galerie haben geöffnet von Di bis Fr : 11 – 18 und Sa : 10 – 13 Uhr.





Die Eröffnungsausstellung „Der erotische Moment“ mit retrospektiver Werkschau von Aktmotiven aus dem Bestand von Alfred Kornberger-Foundation und Familie.
Die Alfred Kornberger Foundation eröffnet in der Wiener Bäckerstrasse museale Schauräume mit dem Schwerpunkt auf Expressionismus und Akt in der zeitgenössischen und modernen Kunst. Im Zentrum stehen KünstlerInnen und Werke aus Österreich, in regelmäßigen Abständen werden auch internationale Positionen gezeigt.Alfred Kornberger (Wien 1933 bis 2002 Wien) war Meisterschüler an der Akademie der bildenden Künste in Wien und gilt als einer der bedeutendsten Expressionisten in der österreichischen Kunst nach 1945. Ob seiner obsessiven Auseinandersetzung mit dem weiblichen Akt und seiner zeichnerischen Qualität wird Kornberger von Kunsthistorikern und Kuratoren immer wieder auf eine Ebene mit Egon Schiele gesetzt.
Alfred Kornberger verstarb 2002 und 2016 folgte ihm seine Frau Nevenka. Der Nachlass regelte die Gründung der Alfred Kornberger Foundation und damit die weitere Aufarbeitung des in Summe rund 4.000 Werke umfassenden Œvres. Die neuen musealen Schauräume zeigen in regelmäßigen Abständen Auszüge aus Kornbergers-Werk und dazu passende Positionen anderer KünstlerInnen im Bereich Expressionismus und Akt.
Museum, Art-Shop & Galerie haben geöffnet von Di bis Fr : 11 — 18 Uhr und Sa von 10 — 13 Uhr. Alfred Kornberger Foundation ; Bäckerstrasse 9 in 1010 Wien.
„Raumfahrt bedeutet immer auch keine zweite Chance“

Regionale Innovation für internationale Satellitentechnologie. Unternehmen Space-Lock aus Niederösterreich entwickelt mechanische Lösungen für Satelliten. Das Hightechunternehmen aus Brunn am Gebirge ist auch an „SMILE“ als gemeinsames Projekt von ESA und chinesischer Akademie der Wissenschaften beteiligt.
Hochspezialisierte Technologie aus Niederösterreich ist Teil internationaler Raumfahrtmissionen und kommt nun genau dort zum Einsatz, wo Systeme unter Extrembedingungen fehlerfrei funktionieren müssen. Das Hightechunternehmen Space-Lock aus Brunn im Gebirge entwickelt mechanische Lösungen für Satelliten und ist aktuell auch an der Mission „SMILE“ (Anm. „Solar wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer“) beteiligt, einem gemeinsamen Projekt der ESA und der chinesischen Akademie der Wissenschaften.
„Niederösterreich entwickelt sich zunehmend zu einem starken Standort für Weltraumtechnologien. Gerade solche hochspezialisierten Betriebe wie Space-Lock sind ein wichtiger Motor für Wertschöpfung und Beschäftigung in Niederösterreich“, sagt Johanna Mikl-Leitner, Landeschefin (ÖVP) von Niederösterreich. „Sie schaffen qualifizierte Arbeitsplätze, stärken unsere industrielle Basis und tragen dazu bei, dass Know-how und Innovation im Land bleiben“, betonte die Landeshauptfrau anlässlich eines Betriebsbesuches von Space-Lock im Rahmen der kommenden Weltraum-Mission.
Wechselwirkungen zwischen Sonnenwind und Magnetfeld der Erde
Innovation in der Raumfahrttechnologie betrifft mittlerweile auch den Alltag von Wirtschaft und Gesellschaft und das erstreckt sich von den Themen Kommunikation über Navigation bis hin zur Energieversorgung. Dieser Kontext gilt besonders für „SMILE“: Treffen geladene Teilchen der Sonne auf das Magnetfeld der Erde, kann das Satelliten beschädigen, Navigationssysteme stören oder sogar Stromnetze beeinflussen. Genau hier setzt die Mission an : Sie soll die Wechselwirkungen zwischen Sonnenwind und Magnetfeld der Erde besser verstehen. Dafür wird ein Satellit mit wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet, die bislang nicht direkt beobachtbare Bereiche der Magnetosphäre erstmals messbar machen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei ein neuartiges Röntgenteleskop, das diese Prozesse aus dem All erfasst und wissenschaftlich auswertbar macht. Damit die empfindliche Optik den Raketenstart unbeschadet übersteht und im Orbit präzise arbeiten kann, kommt ein Haltemechanismus von Space-Lock zum Einsatz : Er fixiert zentrale Komponenten während der extremen Belastungen beim Start und gibt sie erst im All kontrolliert frei – exakt in dem Moment, in dem das Instrument seine Arbeit aufnehmen soll.
Die Grenze des technisch Machbaren
„Raumfahrt bedeutet immer : Es gibt keine zweite Chance. Unsere Systeme müssen unter extremen Bedingungen funktionieren und im entscheidenden Moment exakt das tun, wofür sie entwickelt wurden. Bei wissenschaftlichen Missionen kommen auch noch zahlreiche sehr spezifische Anforderungen hinzu“, sagt Florian Günther, Geschäftsführer von Space-Lock. „Das verschärft die Voraussetzungen weiter und bringt das Projekt häufig an die Grenze des technisch Machbaren”, betont Günther. Die Beteiligung an der SMILE-Mission unterstreiche die Position von Space-Lock „als international spezialisierter Anbieter für mechanische Freigabe- und Sicherungssysteme im Orbit“.
Die Anforderungen an die Space-Lock-Technologien sind tatsächlich extrem hoch : Die eingesetzten Mechanismen müssen starken Vibrationen beim Start standhalten, im Vakuum funktionieren und Temperaturschwankungen von ‑150°C bis zu +120° Grad Celsius aushalten. Gleichzeitig müssen sie absolut zuverlässig auslösen, wenn es die Mission erfordert. Das gilt etwa beim Freigeben oder Aktivieren wissenschaftlicher Instrumente.
Konkrete Auswirkungen auf den Alltag
Für Space-Lock ist die Beteiligung an SMILE ein weiterer Schritt in einem stark wachsenden Markt. Die zunehmende Zahl an Satelliten und die steigende Bedeutung von Weltrauminfrastruktur erhöhen auch die Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit. „Unsere Stärke liegt darin, hochspezialisierte mechanische Lösungen zu entwickeln, die unter extremen Bedingungen funktionieren – und sich gleichzeitig industriell skalieren lassen“, erklärt Günther.
Diese Space Lock-Kompetenzen kommen auch bei der „SMILE“-Mission zum Einsatz. „Wir sind Teil einer Mission, die nicht nur wissenschaftlich relevant ist, sondern auch konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag hat“, unterstreicht Florian Günther, Geschäftsführer von Space-Lock. Störungen durch Sonnenaktivität beeinflussen längst nicht mehr nur Raumfahrtmissionen, sondern auch Kommunikationssysteme, den Flugverkehr und die Energieversorgung auf der Erde. „Es ist schön, hier einen Beitrag leisten zu können“, so Günther vom niederösterreichischen Unternehmen Space-Lock. (red/czaak)
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Forscher der TU Wien können nunmehr Ionenpumpen mit sogenannter Click-to-Release Chemie verbinden. Bei heiklen medizinischen Behandlungen können damit nun auch größere Moleküle präzise im Körper freigesetzt werden.
Ein Medikament zur richtigen Zeit genau dort freizusetzen bzw. zu aktivieren, wo es im Körper gebraucht wird, ist oftmals ein ganz entscheidender Bestandteil in der medizinischen Behandlung. Bei manchen Medikamenten, etwa in der Krebstherapie, sollte der Wirkstoff eigentlich nur an einer bestimmten Stelle aktiv sein, trotzdem verteilt es sich im ganzen Körper : Die Erkrankung ist lokal, aber die Therapie erfolgt systemisch, räumlich und zeitlich unkontrolliert.
Forschern der TU Wien gelang nun ein wichtiger Schritt : sie kombinierten elektronische Ionenpumpen mit der sogenannten Click-to-Release-Chemie. Ionenpumpen können auf Knopfdruck kleine geladene Wirkstoffe gezielt abgeben, sind bisher aber auf relativ kleine Moleküle beschränkt. Mit der neuen Methode werden nun statt des Wirkstoffs eine Art kleine „chemische Scheren“ gepumpt, die am Zielort zuvor immobilisierte Wirkstoffe freisetzen. Dadurch lässt sich die präzise elektronische Steuerung der Ionenpumpen erstmals auch für ein deutlich breiteres Spektrum an Medikamenten nutzen.Ganz exakte Freisetzung von Stoffen auf Knopfdruck
Mehrere Patente wurden bereits angemeldet, nun wurde die „Iontronic Click-to-Release“-Technik auch im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ publiziert. „Wenn man einen Wirkstoff einfach schluckt oder injiziert bekommt, dann verteilt er sich im ganzen Körper. Nur ein winziger Bruchteil, manchmal nur ein Millionstel, wird dort wirksam, wo man sich die Wirkung erhofft, etwa in den Tumorzellen“, sagt Johannes Bintinger vom Institut für Angewandte Synthesechemie der TU Wien, der Leiter des Projekts.
Die im neuen Verfahren nötigen Ionenpumpen wurden an der Linköping Universität in Schweden entwickelt : kleine elektronische Geräte, die in Zukunft direkt in den Körper implantiert werden sollen, in denen eine ionenselektive Membran und angelegte elektrische Spannung dafür sorgen, dass geladene Moleküle gezielt und zeitlich präzise freigesetzt werden. Das passiert dann in direkter Umgebung des Implantats. So lässt sich die Freisetzung von Stoffen auf Knopfdruck sehr genau steuern.
Ionenpumpen nicht für jedes Molekül geeignetDie Forscher waren aber auch mit einer Problemstellung konfrontiert : „Ionenpumpen sind leider nicht für jedes Molekül geeignet. Sie können nur elektrisch geladene Moleküle freisetzen, die eine bestimmte Maximalgröße nicht überschreiten“, erklärt Sebastian Hecko (TU Wien), Erstautor der aktuellen Publikation. Für viele wichtige Medikamente, etwa für große Proteine, funktioniert diese Methode daher nicht. „Sie sind viel zu sperrig, um durch die poröse Membran der Ionenpumpe freigesetzt zu werden“, so Bintinger.
An dieser Stelle kommt der zweite Teil der Forschungsarbeit ins Spiel. Bintinger erläutert die sogenannte „Click-to-Release Chemie“, ein Konzept aus der bioorthogonalen Chemie. Das betrifft Reaktionen, die selektiv zwischen definierten Partnern ablaufen, ohne andere Moleküle im Körper zu beeinflussen. Moleküle werden über gezielt spaltbare chemische Verknüpfungen an ein lokales Depot gebunden und bleiben zunächst immobilisiert.
Funktionale Zusammenführung zweier komplementärer Technologien
„Erst ein passendes Trigger-Molekül löst diese Bindung und setzt die Moleküle am gewünschten Ort frei. Genau dieses Prinzip nutzen wir in Kombination mit der Ionenpumpe : Statt den Wirkstoff selbst zu transportieren, wird ein kleines Trigger-Molekül gepumpt, das lokal fixierte Wirkstoff-Konjugate selektiv spaltet und so Zeitpunkt und Dosis der Freisetzung präzise steuerbar macht“, erklärt Hannes Mikula von der TU Wien.
„Wir konnten nun zeigen, dass wir mit Ionenpumpen die Freisetzung solcher Trigger-Moleküle präzise elektronisch steuern können“, sagt Sebastian Hecko. „Damit können wir genau kontrollieren, wann und wie viel Wirkstoff am Zielort freigesetzt wird. Wir haben damit zwei komplementäre Technologien funktional zusammengeführt und ihre jeweiligen Vorteile kombiniert.“
Gezielte lokale Therapie statt systemischer BelastungNachdem die Medikamente auf diese Weise genau am gewünschten Ort wirksam werden, können deutlich geringere Mengen ausreichen und das verringert dann auch mögliche Nebenwirkungen erheblich. Besonders relevant ist das für Patien:innen mit lokal begrenzten Erkrankungen, die heute oft dennoch systemische Chemotherapien erhalten. „Ein einziger Tropfen kann ein Vielfaches der Medikamentenmenge beinhalten, die man für eine mehrwöchige Krebstherapie braucht“, sagt Johannes Bintinger.
„Gleichzeitig hat die elektronisch steuerbare Ionenpumpe den Vorteil, dass man optimale Kontrolle über die Freisetzung hat. Manche Medikamente wirken zum Beispiel dann am besten, wenn man sie zu einer ganz bestimmten Tageszeit freisetzt. Mit der Ionenpumpe ist das kein Problem, mit anderen Verabreichungsmethoden wie Pillen oder Infusionen wäre das praktisch unmöglich“, unterstreicht Bintinger von der TU Wien.
Überführung in konkrete therapeutische Anwendungen
Die Arbeit des Forschungsteams von TU Wien, Linköping Universität und Med Uni Graz, zeigt nun anhand von Experimenten mit lebenden Zellen, dass die neue Methode hochpräzise und zuverlässig eingesetzt werden kann. Nun sollen weitere Experimente folgen, um die Technik möglichst rasch anwendungstauglich zu machen.
Das Projekt der TU Wien wurden im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europ der Europäischen Union gefördert. „Es gibt in der Medizin viele Anwendungsmöglichkeiten dafür. Unser Ziel ist es, diese Technologie in konkrete therapeutische Anwendungen zu überführen“, so Johannes Bintinger vom Institut für Angewandte Synthesechemie der TU Wien und Leiter des Projekts. (red/cc)
Die lange Nacht der Forschung

Am 24. April öffnen bei der Langen Nacht der Forschung wiederum österreichweit alle relevanten Wissenschaftseinrichtungen und forschende Unternehmen ihre Türen. In Niederösterreich tun dies bei freiem Eintritt 34 Standorte mit über 300 Stationen von mehr als hundert Institutionen.
Bei der Langen Nacht der Forschung wartet alljährlich ein vielfältiges Programm auf alle Wissenschaftsinteressierten und das gilt auch in Niederösterreich. In Asparn an der Zaya, Baden, Melk, Klosterneuburg, St. Pölten, Ybbs-Persenbeug und an den ecoplus Technopolen in Krems, Tulln, Wiener Neustadt und Wieselburg können Besucherinnen und Besucher von 17 bis 23 Uhr bei Mitmachstationen selbst Experimente durchführen, spannenden Vorträgen lauschen und viele weitere Highlights erleben.
„Die Lange Nacht der Forschung macht für alle Interessierten sichtbar, woran unsere Forschungseinrichtungen aktuell arbeiten und welche Innovationen hier entstehen. Ein wichtiges Anliegen ist es uns, jungen Menschen die Welt der Wissenschaft näherzubringen und sie für eine Karriere in Forschung und Technik zu begeistern“, erläutert Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich. „Denn nur mit Forschergeist und innovativen Ideen schaffen wir die beste Zukunft für unsere Kinder“, so die niederösterreichische Landeschefin.
Archäologen und Restauratoren sowie Science Academy und Science Center in Tulln
In Asparn an der Zaya wird die Arbeit von Archäologinnen und Archäologen gezeigt. Hier kann jede/r selbst in die Rolle von Restauratorinnen und Restauratoren schlüpfen, lernen wie das Alter archäologischer Funde bestimmt wird und was diese über das Leben in der Vergangenheit erzählen. In Baden und Melk gibt die Pädagogische Hochschule einen Einblick in ihre Forschungsprojekte. An den Stationen in Baden kann die Welt der Mathematik haptisch erforscht werden, durch Logik- und Brettspiele Computational Thinking entdeckt oder über chemische Experimente gestaunt werden. Programmieren oder Robotik sind wiederum die zentralen Themen in Melk.
„Die Lange Nacht der Forschung zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und praxisnah in Niederösterreich geforscht wird. Mit Maßnahmen wie dem Forschungsfest, der Science Academy oder dem Science Center in Tulln haben wir in den vergangenen Jahren wichtige Impulse gesetzt, um Wissenschaft für die Menschen erlebbar zu machen“, unterstreicht auch Stephan Pernkopf (ÖVP), stv. Landeshauptmann. „Genau dieses Verständnis von Offenheit und Zugänglichkeit spiegelt sich auch in den zahlreichen Stationen der Langen Nacht wider“, ergänzt Stephan Pernkopf, der in Niederösterreich auch als Landesrat das Thema Wissenschaft verantwortet.
Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg und vielfältiges Programm in St. Pölten
Am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg wartet am VISTA Science Experience Center u.a. die Führung „Meet the Scientist“. Für Kinder und Familien gibt es ein abwechslungsreiches Mitmach-Programm, bei dem experimentiert, gerätselt und spielerisch geforscht wird. Im AstroLab kann das Universum erkundet werden, dazu gibt es spannende Experimente zu Licht und Schwerkraft sowie die Möglichkeit gemeinsam ein eigenes Mini-Spektroskop zu basteln. Einen Blick in den Sternenhimmel bietet die Live-Schaltung zu Österreichs größten Spiegelteleskop am Leopold Figl – Observatorium.
In der Landeshauptstadt St. Pölten wartet dann ein vielfältiges Programm beim TechCenter der EGGER Holzwerkstoffe, am Campus St. Pölten, im Museum Niederösterreich und beim Standort der Katholischen Hochschule. Wer sich für Natur und Geschichte interessiert, sollte das Museum Niederösterreich besuchen. An der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) bringt die Wissenschaftsshow mit Elisabeth Oberzaucher von den Science Busters den Gästen Wissenschaft und Forschung auf unterhaltsame Weise näher. Zudem können Besucher im Steampunk-Mystery-Escape-Room testen, wie schnell sie die Ausbreitung eines Virus stoppen können.
Strom aus erneuerbaren Energien und Informationen zu Allergien, Bouldern und Wasserqualität
Die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien wird beim VERBUND Wasserkraftwerk Ybbs-Persenbeug beantwortet. Der Blick hinter die Kulissen zeigt, wie durch die Kraft der Donau Strom entsteht, 3D-Druck für Turbinen eingesetzt wird und Fischen der Aufstieg über das Kraftwerk erleichtert wird. Am ecoplus Technopol in Krems liegt der Fokus auf den Themen Gesundheit und Medizin.
Alle angehenden Ärztinnen und Ärzte können ihre Fähigkeiten wie Blutabnehmen oder Wunden Nähen im Skills Lab der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften trainieren. Daneben gibt es Informationen, wie Allergien entstehen, was Bouldern mit psychischer Gesundheit zu tun hat, wie ingenieurwissenschaftliche Methoden im medizinischen Bereich genutzt werden und welche Bedeutung die Qualität unseres Wassers für die Gesundheit hat.
Leistungsfähigkeit von neuen nachhaltigen Werkstoffen
Abwechslungsreiche Stationen bietet auch der ecoplus Technopol in Tulln. Themenschwerpunkte liegen hier auf Biotechnologie, Nachhaltigkeit und Klimawandel. Es werden unterschiedliche Verfahren gezeigt, wie aus vermeintlichem Abfall neue Materialien erzeugt werden, wie CO₂ selbst wiederverwendet werden kann und wie Pflanzen mit zunehmender Trockenheit umgehen.
Zudem wird bei Live-Materialtests die Leistungsfähigkeit von neuen nachhaltigen Werkstoffen auf die Probe gestellt. Luft- und Raumfahrtfans sind dann im ecoplus Technopol Wiener Neustadt richtig. Bei Diamond Aircraft Aviaticum warten Motorenmodelle, verschiedene Flugzeugtypen und das Material für den Flugzeugbau. Daneben gibt es Einblicke in die Schnittstelle von Forschung und Weltraumtechnik im ESA-Lab Austria. Studierende der FH entwickeln, fertigen und testen hier selbst Satelliten und die dafür notwendige Technologie.
Fragen zur Welt der Natur
Am ecoplus Technopol in Wieselburg werden sodann noch Fragen zur Welt der Natur behandelt. Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal präsentiert, wie Forschung im UNESCO-Weltnaturerbe aussieht. Darüber hinaus wird erklärt, wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen könnte und was digitale Technologien damit zu tun haben. Wer in den Themenbereich Wasser eintauchen möchte, kann die Stationen des Bundesamtes für Wasserwirtschaft besuchen.
Dort werden unter anderem verschiedene Bodenproben ausgestellt und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten Wasser zu speichern demonstriert. Das Land Niederösterreich hat unter dem angefügten Link das detaillierte NÖ-Veranstaltungsprogramm und alle Informationen zu den teilnehmenden Forschungseinrichtungen, Institutionen und Unternehmen zusammengefasst. (red/czaak)
Startschuss für Europacampus Hainburg

Neben ISTA Klosterneuburg, MedAustron Wiener Neustadt oder Donau Uni Krems weiteres Zentrum für Forschung und Innovation in Niederösterreich. Gemeinsam mit TU Wien und Uni of Applied Sciences St. Pölten entsteht in Hainburg grenzüberschreitende Region für relevante Zukunftskompetenzen.
Der Spatenstich für den neuen Europacampus Hainburg ist erfolgt, der Campus wird in den nächsten zwei Jahren errichtet und soll im Sommer 2028 eröffnet werden. „Der Europacampus Hainburg ist ein ganz zentrales Projekt, das im Einklang mit unserer Wirtschaftsstrategie 2030+ und unserer Hochschulstrategie 2030+ steht. Dieses Projekt unterstreicht unseren Anspruch, Niederösterreich zu einem der forschungsstärksten Standorte Europas zu machen“, sagte Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landeschefin von Niederösterreich beim gemeinsamen Festakt mit Stephan Pernkopf, Stellvertreter der Landeshauptfrau, Jens Schneider, Rektor der TU Wien und Hannes Raffaseder, Geschäftsführer der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP).
Rund 500 Studierende und rund 200 neue Arbeitsplätze in der Forschung
Am Europacampus soll künftig an zentralen Zukunftsthemen geforscht werden sowie an grünen Technologien und intelligent vernetzten Regionen. In Summe werden Angaben zufolge rund 90 bis 100 Millionen Euro in den Bau investiert, getragen von privaten Investoren. „Das Land Niederösterreich investiert 19 Millionen Euro in die Ausstattung der Forschungslabore und wird für den laufenden Betrieb finanzielle Mittel zur Verfügung stellen“, so Mikl-Leitner. Künftig werden hier rund 480 Studierende ausgebildet und es entstehen rund 200 Arbeitsplätze in der Forschung.
Der neue Europacampus Hainburg entsteht in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien und der University of Applied Sciences St. Pölten, die dem Campus durch ihre europäischen Allianzen eine europäische Dimension geben. „Wir wollen hier ein Zentrum schaffen, das über die Region hinausstrahlt. Gerade in der Forschung und Wissenschaft gilt : Je besser und intensiver die Zusammenarbeit ist, desto besser werden die Ergebnisse“, ergänzt Stephan Pernkopf (ÖVP), verantwortlicher Landesrat für Forschung und Wissenschaft.
Die TU Wien und die University of Applied Sciences St. Pölten
„Der Europacampus Hainburg steht – wie die TU Wien – für die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Wirkung. Seine starke europäische Vernetzung eröffnet neue Horizonte und macht den Campus zu einem Ausgangspunkt zukunftsweisender Entwicklungen für Europa“, so Jens Schneider, Rektor der TU Wien. „Als Koordinatorin der European University E³UDRES² bringt die USTP wichtige Erfahrungen, um den Europacampus Hainburg zu einem beispielgebenden Leuchtturm für die Universität der Zukunft machen, der die grenzüberschreitende Region maßgeblich prägen wird“, ergänzte Hannes Raffaseder, Geschäftsführer der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP).
Bei Festakt und Spatenstich ebenso anwesend waren Johannes Gumprecht, Bürgermeister von Hainburg, sowie Eduard Halmschlager als Grundeigentümer und Projektentwickler. Der Europacampus Hainburg entsteht auf dem Areal der ehemaligen Marc-Aurel-Kaserne. „Wir werden unser Bestes geben, damit wir das Projekt so rasch und perfekt wie möglich umsetzen“, betonte auch Eduard Halmschlager. „Die geplante Entwicklung des Campus Hainburg auch durch Bildungs- und Wohnbebauungen in einer nachhaltigen Nutzungsmischung ist eine positive Entwicklung für die Stadt Hainburg“. (red/cc)
Erfolg für niederösterreichische Satellitentechnologie

Unternehmen Enpulsion ist weltweiter Marktführer bei elektrischen Antriebssystemen für Mikro- und Nanosatelliten. Deutscher Investor Nordwind Growth finanziert nun mit 22,5 Millionen Euro nächste Ausbaustufe. Parallel stellt Niederösterreich neue Hochschulstrategie vor.
Enpulsion mit Sitz am Flughafen Schwechat zählt zu den weltweiten Marktführern für elektrische Antriebssysteme für Mikro- und Nanosatelliten. Mehr als 320 Systeme sind bereits im Orbit im Einsatz und kommen auf über 500 Jahre kumulierte Betriebszeit im All. Mit dem Investment des deutschen Wachstumspartners Nordwind Growth in der Höhe von 22,5 Millionen Euro startet das Unternehmen nun die nächste Phase seiner globalen Wachstumsstrategie.
Enpulsion hat seine Wurzeln an der Fachhochschule Wiener Neustadt sowie an der FOTEC Forschungs- und Technologietransfer GmbH, dem Forschungsunternehmen der FH Wiener Neustadt. Diese niederösterreichische Erfolgsgeschichte im SpaceTech-Bereich zeigt exemplarisch, wie dynamisch sich der Space-Markt entwickelt und wie man sich mit einem einzigartigen Nischenprodukt auch international erfolgreich positionieren kann.
Technologische Reife, Flight Heritage und Profitabilität
Das frische Kapital dient für den Ausbau der Produktionskapazitäten am erst vor zwei Jahre neu bezogenen Standort in Schwechat, die internationale Marktdurchdringung sowie in die Weiterentwicklung der nächsten Generation integrierter Mobilitätslösungen für Satelliten investiert. Ziel ist es, umfassende Lösungen für Bewegung, Positionierung und Manövrierfähigkeit im Orbit anzubieten – ein Bereich, der angesichts wachsender Satellitenkonstellationen und steigender sicherheitspolitischer Anforderungen zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnt.
„Der Space-Sektor tritt in eine neue Phase ein : Mobilität im Orbit wird für Wirtschaft, Sicherheit und staatliche Souveränität zu einem strategischen Infrastrukturthema“, erläutert Alexander Reissner, CEO von Enpulsion. „Enpulsion ist eines der wenigen Unternehmen weltweit, das technologische Reife, Flight Heritage und Profitabilität vereint“. Das Erfolgsbeispiel Enpulsion ist auch ein Beleg für die Entwicklung von Niederösterreich zu einem modernen Hochschul- und Forschungsstandort.
Forschungsstrategie für die nächsten Jahre
„Mit diesem Investment bekommt auch Niederösterreich als internationaler Hotspot für Space-Technologie Rückenwind. Das Investment ist ein starkes Signal für die Innovationskraft des Unternehmens und zudem ein Beweis, dass Spitzenforschung, unternehmerischer Mut und wirtschaftliche Stabilität bei uns in Niederösterreich erfolgreich zusammenspielen“, gratulierte Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich im Rahmen eines Betriebsbesuches.
Das Land hat kürzlich an der University of Applied Sciences St. Pölten die Forschungsstrategie für die nächsten Jahre präsentiert. „Vor rund 30 Jahren gab es in Niederösterreich keine Universitäten und Fachhochschulen, heute sind wir mit 15 Hochschulen, mehr als 31.000 Studierenden und etwa 8.000 Lehrenden und Forschenden regional verankert und international vernetzt“, erläutert Mikl-Leitner. „Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster Entscheidungen und Investitionen des Landes“, betonte die Niederösterreichische Landeschefin.
Hochschulpolitik ist Standortpolitik, Wirtschaftspolitik und Zukunftspolitik
Die neue Hochschulstrategie besteht aus sechs Säulen. Ein Schwerpunkt ist etwa die neue Workshopreihe „Unternehmerische Hochschulen in Niederösterreich“, wo es in Zusammenarbeit mit dem niederösterreichischen Inkubator tecnet vor allem um den Erfahrungsaustausch zwischen den Hochschulen geht und um eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Die Landeshauptfrau erwähnt hier den Europacampus Hainburg, wo durch institutionenübergreifende wie internationale Kooperationen und interdisziplinäre Forschung und Lehre vor allem Zukunftsfelder wie Grüne Technologie, Nachhaltigkeit und Entrepreneurship bearbeitet werden.
Bei der Präsentation der neuen FE-Strategie wurden auch die volkswirtschaftlichen Effekte erörtert. „Laut WIFO lösen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Studierende eine Wertschöpfung von rund 950 Millionen Euro in Niederösterreich aus. Das ist Bildung, die Wirkung zeigt“, unterstrich Mikl-Leitner. „Wissenschaft schafft Zukunft für unser Land, unsere niederösterreichischen Hochschulen sind nicht nur Ausbildungsstätten, sie sind Werkstätten der Zukunft“, ergänzte Stephan Pernkopf, Stellvertreter von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und operativ verantwortlich für die Bereiche Forschung und Bildung.
41 Millionen für eine neue FH-Offensive in Niederösterreich
Pernkopf fasst dann die sechs Leitlinien der neuen Hochschulstrategie zusammen : „Erstens wollen wir in Niederösterreich ein attraktiver Studienort sein und deshalb investieren wir in den kommenden drei Jahren im Zuge einer FH-Offensive 41 Millionen Euro in den Ausbau, wodurch die Anzahl der Studienplätze von 13.000 auf 15.000 steigen soll“. Die zweite Leitlinie lautet „Gut studieren – Zugang ermöglichen, Abschluss sichern“. „Dafür vergeben wir jährlich 1.100 Stipendien im Umfang von 2,7 Millionen Euro“, so Pernkopf. Der dritte Schwerpunkt lautet „Gelebte Internationalität“, wo pro Jahr rund 500 Auslandsaufenthalte ermöglicht werden.
Vierter Schwerpunkt ist, Niederösterreich durch Forschungsfinanzierung als starken Hochschulstandort weiter zu festigen, fünfter Punkt seien die „Hochschulen als Partner der Wirtschaft“ und sechstens sei es wichtig, „gesellschaftliche Verantwortung zu tragen und Wissen zu vermitteln“, so Pernkopf. Er nannte in diesem Zusammenhang Formate wie die Science Academy, das Science Center in Tulln oder den Wissenschaftsheurigen „Heurika“. Abschließend betonte Pernkopf auch die Bedeutung des Promotionsrechts für die Fachhochschulen für die Weiterentwicklung dieser Einrichtungen. (red/czaak)
Faszination Gehirn

Die Themen Gehirn und Gesundheit und künstliche Intelligenz. Med Uni Innsbruck veranstaltet vom 16. bis 20. März die diesjährige „Die Woche des Gehirns“. Ein Fokus gilt Gemeinsamkeiten und Unterschieden von menschlicher und künstlicher Intelligenz.
Menschen vertrauen ihre Gefühle einer Maschine an. Künstliche Intelligenz (KI) nähert sich immer mehr der menschlichen Intelligenz – oder hat diese in manchen Fällen schon überholt. Diese Entwicklungen haben auch große Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Bereits heute hilft KI bei vielen Therapien. Diese rasanten Entwicklungen unserer Zeit werfen viele Fragen auf. Sie sorgen für Euphorie und sie erzeugen Unbehagen.
In der diesjährigen Woche des Gehirns an der Medizinischen Universität Innsbruck werden vom 16. bis 20. März all diese Themengebiete aus unterschiedlichen Disziplinen erörtert. Vor- und Nachteile in Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz in der Medizin werden sachlich dargestellt und eingeordnet. Ein Fokus betrifft etwa den Einsatz von KI in der Tumordiagnostik, der Schlafforschung und der Psychologie.
Neurowissenschaftlicher Schwerpunkt in Grundlagenforschung und an Kliniken
„An der Medizinischen Universität Innsbruck verfolgen wir seit vielen Jahren einen neurowissenschaftlichen Schwerpunkt, sowohl in der Grundlagenforschung als auch an den Kliniken. Wir haben hier an der Med Uni mit der AI and Scientific Computing Faculty und an der Uni Innsbruck zahlreiche Expert:innen für Informationstechnologie und künstliche Intelligenz“, sagt Patrizia Stoitzner, Vizerektorin für Forschung und Internationales.
Das Programm beinhaltet fünf allgemeinverständliche Vorträge, wo Expert:innen der Med Uni über ihre Forschung und den aktuellen Wissensstand aus der Perspektive ihrer jeweiligen Fachbereiche sprechen. Die Vorträge finden bei freiem Eintritt von Montag bis Freitag immer ab 18:30 Uhr im Großen Hörsaal (Audimax) der Med Uni Innsbruck (Anm. Fritz-Pregl-Straße 3, 6020 Innsbruck) statt.
Signale und unsichtbare Netzwerke steuern unser Denken und Handeln als Schwerpunkt am 16. März
Am 16. März geht es um das Thema „Faszination Gehirn – Wie elektrische Signale und unsichtbare Netzwerke unser Denken und Handeln ermöglichen“. Die Neurobiologin und Medizinerin Sabine Liebscher gibt dabei Einblicke in die Arbeitsweise des Gehirns. Sie erklärt, wie Nervenzellen aufgebaut sind, wie elektrische Signale entlang von „Nervenleitungen“ laufen und wie sie in chemische Botschaften übersetzt werden.
Im Mittelpunkt des Vortrags steht, wie aus vielen Milliarden solcher Zellen große Netzwerke entstehen, die Denken, Fühlen, Erinnern und Handeln ermöglichen. Die Expertin thematisiert auch, wie sich das Gehirn im Laufe des Lebens verändert und sie greift alltägliche Fragen auf, etwa warum wir Dinge vergessen.
KI als digitaler Detektiv als Thema am 17. März
„Digitaler Detektiv und wie KI bei der Erkennung von Hirntumoren und anderen Erkrankungen unterstützen kann, darum geht es am 17. März. Innsbruck ist eines der führenden Zentren Österreichs, wenn es um „ultraschnelle“ Tumordiagnostik geht. Die Neuropathologin Adelheid Wöhrer zeigt, wie KI die Diagnosen präziser macht.
Gleichzeitig erläutert sie wie die ungewisse Wartezeit deutlich verringern werden kann. Wöhrer erklärt, was Epigenetik ist und warum sie gerade bei Hirntumoren, von denen derzeit 130 Subtypen bekannt sind, aber auch bei anderen Krebserkrankungen eine entscheidende Rolle spielt.
Am 18. März geht es um Biologische und künstliche Intelligenz
Was Biologische und künstliche Intelligenz gemeinsam haben und die Unterschiede sind dann Thema am 18. März. Es ist wohl einmalig in der Entwicklungsgeschichte des Menschen, dass eine künstliche Intelligenz als Alternative zur menschlichen Intelligenz derart großen, gesamtgesellschaftlichen Einfluss ausübt. Das hat positive und negative Folgen.
Was macht den Unterschied zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz aus ? Ist das menschliche Gehirn vielleicht sogar ein Auslaufmodell ? Der Leiter des Forschungslabors AI an der Universität Innsbruck, Jörg Lücke, diskutiert in diesem Vortrag die Unterschiede und Gemeinsamkeiten und versucht damit, die Fähigkeiten heutiger KI einzuordnen.
Veränderungen der Hirnaktivität im Schlaf im Fokus am 19. März
Am 19. März geht es Veränderungen der Hirnaktivität im Schlaf und etwaige Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Während wir schlafen, verändert sich die Hirnaktivität in charakteristischen Mustern. Diese spiegeln die Schlafstadien wider und liefern Hinweise auf Erholung, Gedächtnisprozesse und Krankheitsmechanismen. Künstliche Intelligenz ermöglicht unter anderem, Muster zu erkennen, die mit bloßem Auge schwer erfassbar sind.
In ihrem Vortrag erklären die Schlafmedizinerin Birgit Högl und der KI-Experte Matteo Cesari, wie sich KI-basierte Ansätze und bewährte schlafmedizinische Konzepte ergänzen und ein tieferes Verständnis von Schlaf eröffnen, sowie neue Perspektiven für eine bessere Schlafgesundheit eröffnen.
Wie KI-Chatbots unser Denken und Fühlen beeinflussen am 20. März
Gespräche mit der KI und wie Chatbots unser Denken und Fühlen beeinflussen sind schließlich die Themenbereiche am 20. März. Manche Menschen erzählen Chatbots Dinge, die sie keinem Menschen sagen würden. Andere lassen sich von einer KI motivieren, trösten oder bei Lebensentscheidungen begleiten. Chatbots wie ChatGPT reagieren auf unsere Worte, spiegeln unsere Gefühle und geben uns das Gefühl, gehört zu werden.
Was passiert, wenn Maschinen zu Gesprächspartnern werden – und was sagt das über uns aus ? In diesem Vortrag zeigt der Gesundheitspsychologe Stefan Höfer, wie Gespräche mit KI unser Wohlbefinden, unsere Zufriedenheit und unser Glücksempfinden beeinflussen können.
Ein kostenloses Rahmenprogramm mit Online-Meditation und 30-minütigen Impulsvorträgen zum Thema Künstliche Intelligenz ergänzt die Veranstaltung und Vortragsreihen. „Die Woche des Gehirns“ vom 16. bis 20. März 2026 im Audimax an der Med Uni Innsbruck, jeweils ab 18:30 Uhr im Großen Hörsaal. Adresse : Fritz-Pregl-Straße 3, 6020 Innsbruck ; Eintritt frei und barrierefreier Zugang. (red/rucz)
Fast nur Frauen in Elternkarenz

Die Erwerbsverläufe von Müttern und Vätern nach der Geburt. Die Rolle der Qualifikation und die Bedeutung des Geschlechts. Eine neue Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beleuchtet das Thema Elternkarenz auf mehreren Ebenen.
Berufliche Karieren nach der Geburt des ersten Kindes. Unterschiedliche Erwerbsverläufe bei Vätern und Müttern nach der Geburt von Kindern und das Ausbildungsniveau mit gemessenen Kompetenzen als zusätzliches Kriterium. Forscher:innen des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) haben einen umfassende Befund zum Arbeitsmarktverhalten österreichischer Eltern rund um die Geburt des ersten Kindes erhoben.
Die aktuelle Analyse der ÖAW stützt sich auf eine neuartige Verknüpfung österreichischer Registerdaten, darunter Geburtenregister und tägliche Erwerbsverläufe zwischen 2009 und 2022, mit standardisierten Kompetenztests aus einem OECD-Programm (Anm. Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC)). Die Stichprobe umfasst 5.130 in Österreich lebende Personen der Geburtsjahrgänge 1942 bis 1997. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachjournal Comparative Population Studies veröffentlicht.Mütter durchschnittlich 416 Tage in Karenz, Väter neun Tage
Ein Ergebnis zeigt, dass Mütter durchschnittlich 416 Tage nach der ersten Geburt bezahlte Elternkarenz in Anspruch nehmen. Väter bleiben lediglich neun Tage zu Hause. Und viele Mütter bleiben dann noch über die Dauer der bezahlten Karenz hinaus zu Hause. Diese Unterschiede bestehen unabhängig davon, ob Eltern über hohe oder niedrige berufliche Kompetenzen verfügen. Zwar kommen hoch qualifizierte Frauen etwas schneller in den Arbeitsmarkt zurück als geringer qualifizierte, doch auch für sie ist Elternschaft meist mit langen Erwerbsunterbrechungen und einem Wiedereinstieg in Teilzeit verbunden.
„Geringer qualifizierte Mütter bleiben besonders lange außerhalb des Arbeitsmarkts, während hoch qualifizierte Mütter häufiger Bildungskarenz nutzten und ihre Erwerbsabwesenheit damit verlängern“, erläutert Sonja Spitzer, Demographin bei der ÖAW und Co-Autorin der aktuellen Studie. Für Väter bleibt der Übergang zur Elternschaft im Vergleich weitgehend ohne arbeitsmarkttechnische Konsequenzen. Auch Kompetenzunterschiede spielen bei ihnen nur eine geringe Rolle.Nötige Debatte über Neuverteilung von Care-Arbeit und über Väterbeteiligung in frühkindlicher Betreuung
Beim Thema Qualifikation zeigt sich, dass auch hoch qualifizierte Männer nur selten Elternkarenz in Anspruch nehmen. Die beobachteten Muster zeigen sich konsistent über verschiedene soziale Gruppen hinweg, unabhängig von Bildungsniveau, Migrationshintergrund oder Wohnort, so weitere Ergebnisse der Studie. Bei den Karenzregelungen an sich bieten großzügige Auslegungen einerseits finanzielle Absicherung und Flexibilität, andererseits bzw. parallel können aber zugleich traditionelle Arbeitsteilungen verfestigen.
„Oft wird vorgeschlagen, die Folgen des demographischen Wandels und den Fachkräftemangel über eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen zu lösen, dabei wird jedoch übersehen, dass großzügige Karenzregelungen allein nicht ausreichen, solange gesellschaftliche Normen Mütter für lange Zeit aus dem Beruf drängen“, ergänzt Claudia Reiter, Forscherin bei der ÖAW und Leiterin der Studie. „Wir müssen über eine Neuverteilung von Care-Arbeit, über Väterbeteiligung und über frühkindliche Betreuung sprechen.“ (red/czaak)
Langzeit-Speicher für das Informationszeitalter

Ein QR-Code auf einer Fläche von knapp zwei Quadratmikrometer. Mit dem kleinsten jemals produzierten QR-Code schaffen es TU Wien und Partner Cerabyte in Guinness-Buch der Rekorde. Die Entwicklung soll langfristige und energiearme Speicherungen von Daten ermöglichen.
Klein kann groß bedeuten. Ein Forschungsteam der TU Wien hat gemeinsam mit dem Speichertechnologie-Unternehmen Cerabyte einen etwa von Verpackungen bekannten QR-Code entwickelt. Im Vergleich ist dieser aber nur mit dem Elektronenmikroskop erkennbar. Sein Maß beträgt exakt 1,98 Quadratmikrometer. Damit das Wort „Meter“ am Ende der Maßeinheit nicht in die Irre führt : Ein Quadratmikrometer beträgt 0,000001 mm². Der Rekord wurde nun geprüft und offiziell ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.
Keramische Materialien können Jahrtausende überdauern
Hintergrund oder Sinn dieser Entwicklung ist das große Potenzial für die langfristige Speicherung von Daten : Herkömmliche magnetische oder elektrische Datenspeicher haben oft nur eine Lebensdauer von einigen Jahren. Wenn allerdings Information Bit für Bit in keramische Materialien eingeschrieben wird, dann können diese Jahrhunderte oder gar Jahrtausende überdauern.„Strukturen im Mikrometer-Bereich sind heute nichts Ungewöhnliches, sogar Muster aus einzelnen Atomen lassen sich heute herstellen. Dabei entsteht aber noch kein stabiler, lesbarer Code“, erläutert Paul Mayrhofer vom Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie der TU Wien. Einzelne Atome können aber diffundieren, sie wandern auf andere Plätze, Lücken werden aufgefüllt, die gespeicherte Information geht verloren. „Wir haben jetzt einen winzigen, aber stabilen und wiederholt auslesbaren QR-Code erzeugt“, so Mayrhofer.
Materialien auch unter Extrembedingungen stabil und haltbar
Entscheidend bei dieser Entwicklung ist die Wahl des passenden Materials. „Wir forschen an keramischen Dünnfilmen, wie man sie etwa auch für die Beschichtung von Hochleistungs-Werkzeugen braucht“, erklären Erwin Peck und Balint Hajas, Studierende vom TU-Team. „Hier müssen Materialien auch unter Extrembedingungen stabil und haltbar bleiben und genau das ist die ideale Basis für die Speicherung von Daten“, so die Forscher.
In der Herstellung wurde der QR-Code mit fokussierten Ionenstrahlen in eine dünne keramische Schicht gefräst. Die einzelnen Bildpunkte sind dabei nur 49 Nanometer groß (Anm. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters). Der Code ist somit unsichtbar, seine Details sind mit sichtbarem Licht physikalisch nicht aufzulösen. Erst mit dem Elektronenmikroskop zeigte sich, dass der QR-Code tatsächlich zuverlässig ausgelesen werden kann.Mehr als 2 Terabyte an Daten auf einer A4-Seite
Bemerkenswert ist die Speicherkapazität dieser Methode : Auf der Fläche einer A4-Seite könnte man auf diese Weise mehr als 2 Terabyte an Daten unterbringen und im Gegensatz zu herkömmlichen Speichern sind solche Keramik-Speicher ohne Energiebedarf fast unbegrenzt haltbar, so die Forscher der TU Wien.Bekannte magnetische und elektronische Datenträger verlieren Informationen oft schon nach wenigen Jahren. Ohne ständige Energiezufuhr, Kühlung und regelmäßige Migration würden also die Spuren unserer Zeit irgendwann verblassen. Frühere Kulturen setzten sich möglicherweise auch mit diesem Thema auseinander, sie meißelten ihr Wissen in Stein und diese Botschaften überdauerten Jahrtausende.
Realistischer Weg zu einer klimafreundlicheren Datenzukunft
„Mit keramischen Speichermedien verfolgen wir einen ähnlichen Ansatz wie alte Kulturen“, sagt Alexander Kirnbauer, Senior Scientist der TU Wien „Wir schreiben Informationen in stabile, inert reagierende Materialien, die dann auch zukünftigen Generationen noch vollständig zugänglich bleiben“, so Kirnbauer. Wichtig ist zudem, dass diese Daten ohne Energiezufuhr haltbar bleiben — im Gegensatz zu heutigen Datencentern, die enorme Mengen an Energie benötigen und somit auch zum umweltbelastenden CO2-Ausstoß beitragen.„Wir wollen nun auch andere Materialien verwenden, die Schreibgeschwindigkeit erhöhen und skalierbare Herstellungsverfahren entwickeln, damit keramische Datenspeicher nicht nur im Labor, sondern auch in der Industrie eingesetzt werden können“, ergänzt Alexander Kirnbauer von der TU Wien. „Diese Forschung eröffnet einen realistischen Weg zu einer klimafreundlicheren Datenzukunft, wo Informationen dauerhaft, sicher und mit minimalem Energieeinsatz gespeichert werden können“. (red/laucz, red/cc)
Von Smartphones und Wearables zur Diagnose

Digital Phenotyping oder das ungenutzte Potenzial digitaler Technologien bei Schizophrenie und anderen Krankheiten. Forscher der Med Uni Innsbruck zeigen Einsatzmöglichkeiten von Smartphones und Wearables mit vergleichsweise weitaus stimmigeren Ergebnissen bei Vorhersage und Diagnostik.
In der modernen Psychiatrie ist die Diagnose und Behandlung von Schizophrenie-Spektrum-Störungen (SSD) mit großen Herausforderungen verbunden. Diagnosen basieren oft auf subjektiven und in Relation oftmals nur kurzen klinischen Gesprächen bzw. Momentaufnahmen, während Symptome im Alltag der Betroffenen stark schwanken können.
Erste systematische Analyse dieser Art
Eine umfassende Studie unter der Leitung von Johannes Passecker am Institut für Systemische Neurowissenschaften der Medizinischen Universität Innsbruck beleuchtet nun, wie das sogenannte „Digital Phenotyping“ (Anm. digitale Vermessung des Verhaltens durch Smartphones und Fitness-Tracker) diese Lücke schließen kann und wie diese Smartphones und Wearables die Diagnostik und Vorhersage speziell bei Schizophrenie-Störungen revolutionieren könnten.
Die Studie beleuchtet aber auch, wo die aktuellen Grenzen liegen. Die im renommierten Fachjournal Digital Medicine veröffentlichte Arbeit ist die erste systematische Analyse dieser Art. Das Forschungsteam am Institut für Systemische Neurowissenschaften (Direktorin : Sabine Liebscher) untersuchte Daten aus zwei Jahrzehnten, um zu verstehen, ob digitale Spuren tatsächlich dabei helfen können, Diagnosen zu stellen oder psychotische Rückfälle vorherzusagen.
Objektive Daten statt subjektiver Momentaufnahmen
Das „Digital Phenotyping“ nutzt Daten, die Menschen täglich generieren. Dazu gehören aktive Eingaben auf dem Smartphone wie etwa kognitive Spiele oder Stimmungstagebücher sowie passive Daten von Sensoren wie Bewegungsmuster, Schlafqualität oder Sprachanalysen. Das Team der Med Uni Innsbruck analysierte Angaben zufolge 142 Studien mit über 6.000 Teilnehmenden.
Ein Ergebnis zeigt, dass digitale Messungen Patient:innen mit SSD deutlich von gesunden Kontrollgruppen unterscheiden können. Besonders hervorzuheben sind dabei digitale kognitive Tests, die die stärkste Aussagekraft zeigten, gefolgt von Daten zu Verhalten und körperlicher Aktivität, die oft über Wearables gemessen wurden.
Digitale Ergebnisse stimmten oft nur bedingt mit traditionellen Fragebögen überein
Diese objektiven digitalen Daten stimmten oft nur bedingt mit den traditionellen klinischen Fragebögen überein. Laut den Forschern ist dies ein Hinweis, dass digitale Technologien nicht einfach nur bestehende Tests kopieren, sondern neue Aspekte der Erkrankung erfassen, die eventuell im klinischen Gespräch oder in Fragebögen verborgen bleiben könnten.
„Die Diagnose psychischer Erkrankungen gleicht heute oft einer Momentaufnahme. Digitale Technologien ermöglichen uns hingegen, einen besseren kontinuierlichen Verlauf des Gesundheitszustandes zu sehen“, so Johannes Passecker vom Studienteam. „Unsere Studie zeigt deutlich, dass wir durch Smartphones und Wearables objektive Marker für kognitive Leistung und Verhaltensmuster erhalten können, die im klinischen Alltag bisher weitgehend fehlen“, betont Passecker.
Vielversprechende Vorhersagen und die Notwendigkeit von wissenschaftlichen Standards
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie lag auf der Vorhersage von psychotischen Rückfällen. Auch hier sind die Ergebnisse vielversprechend. Einige Modelle erreichten eine Genauigkeit von bis zu 80 Prozent, was einer hohen Vorhersagekraft entspricht. „Unsere Analyse zeigt eine enorme Bandbreite in der Qualität der Studien. Aber : wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von einzelnen Erfolgsmeldungen blenden lassen, solange die wissenschaftliche Basis so heterogen ist“, ergänzt Passecker.
Um das volle Potenzial der digitalen Medizin für Menschen mit Schizophrenie zu nutzen, fordert das Innsbrucker Team standardisierte Berichtsrichtlinien und umfangreichere Langzeitstudien. „Nur so können aus vielversprechenden Forschungsdaten verlässliche medizinische Anwendungen werden, die Patient:innen weltweit zugutekommen“, resümiert Johannes Passecker stellvertretend für das Studien-Team am Institut für Systemische Neurowissenschaften der Medizinischen Universität Innsbruck. (red/czaak)
Ein möglichst ewiges Leben

Menschen hadern seit jeher mit der Vergänglichkeit des oder zumindest eines Lebens. Früher wurde der Jungbrunnen gesucht, heute investieren Milliardäre in die Kontrolle des Alterns und Autokraten lassen medizinische Wundermittel erproben. Eine Historikerin der ÖAW ordnet nun die Sehnsucht nach der Verlängerung des irdischen Daseins ein.
Das sogenannte Longevity ist schon länger eine Art Trend. Libertäre Tech-Milliardäre wie Peter Thiel (58) investieren in die Kontrolle des Alterns, Autokraten wie Wladimir Wladimirowitsch Putin (73) lassen medizinische Mittel entwickeln und sich medizinisch abschirmen. Und schon Hippokrates (geb. 460 vor Christus) empfahl laut Überlieferungen Maßhalten, Bewegung und eine bewusste Ernährung auch unter Verwendung von Heilpflanzen für ein möglichst langes Leben.
Eine der berühmtesten Erzählungen des alten Orients
Die Sehnsucht nach einer Verlängerung des Lebens oder besser des irdischen Daseins ist sehr oder thematisch besser passend sogar mehr als uralt. Die Historikerin Daniela Angetter-Pfeiffer vom Austrian Center for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) forscht zu diesem Thema und liefert nun eine historische Einordnung des Hypes um Longevity, vulgo Langlebigkeit. „Der Wunsch nach Langlebigkeit ist so alt wie die Menschheit selbst“, sagt Daniela Angetter-Pfeiffer. So weit, so epochal – die Erkenntnis.
Eines der frühesten Zeugnisse findet sich im Gilgamesch-Epos, einer der ältesten schriftlichen Dichtungen der Welt. Es ist in Babylonien entstanden und zeitlich etwa zwischen 2100 – 1600 v. Chr. anzusetzen. Darin sucht der Held Gilgamesch, König der Summerer, ein Kraut des ewigen Lebens – und verliert es wieder. Auch religiöse Texte greifen das Motiv früh auf. In der Bibel werden Gestalten wie Methusalem oder Noah mit Lebensspannen von mehreren Jahrhunderten beschrieben.
Frühen Vorstellungen von Langlebigkeit waren religiös und mythisch geprägt
Langes Leben galt früher zumeist als Belohnung für Gehorsam gegenüber Gott. „In den Büchern Mose ist immer wieder davon die Rede, dass man lange lebt, wenn man die Gebote einhält“, so Angetter-Pfeiffer. In diesem Kontext war Unsterblichkeit also weniger ein realistisches Ziel als ein moralisches oder spirituelles Ideal.
Diese frühen Vorstellungen von Langlebigkeit waren vor allem religiös und mythisch geprägt. Neben biblischen Verheißungen gab es den sagenhaften Jungbrunnen, die Suche nach einem Ort, an dem Alter und Krankheit verschwinden. Allerdings soll es nicht darum gegangen sein, Alter und Tod zu leugnen : „Longevity war immer eine Art Lebenskunst. Schon in der Antike ging es weniger darum, das Leben zu verlängern, als Körper und Geist stabil zu halten“, so die ÖAW-Historikerin.
Thema beschäftigt Menschen aller Schichten
Dazu wurden erstaunlich „praktische“ Konzepte entwickelt. Der griechische Arzt Hippokrates empfahl Maßhalten, Bewegung und eine bewusste Ernährung. Heilpflanzen spielten ebenso eine Rolle wie Fastenzeiten, was später im Christentum fest verankert wurde. „Man wusste, dass man das Altern nicht besiegen kann, sondern nur verlangsamen“, so Angetter-Pfeiffer. Das Denken war also da, dass der Mensch selbst etwas zu Gesundheit und langem Leben beitragen kann.
Daniela Angetter-Pfeiffer untersuchte auch, ob ein langes Leben früher nur den Mächtigen vorbehalten war und verneint das : „Das Thema hat Menschen aller Schichten beschäftigt“. Zwar konnten sich nur Gebildete die Schriften von Philosophen wie Aristoteles, Platon oder Seneca leisten, die Mäßigung und Selbstdisziplin predigten. Doch der Wunsch, nicht krank zu werden und möglichst gesund zu altern, sei universell gewesen. Die bäuerliche Bevölkerung konnte keine medizinischen Schriften lesen, aber sie kannte Heilkräuter, Fastenzeiten und die Bedeutung eines maßvollen Lebens. Das sei durch Erfahrung und Tradition überliefert worden.
Völlerei und Abführmittel und Seifenwasser als wechselnde Versprechen der Epochen
Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Bindungen und geistige Aktivität zieht sich trotz aller Unterschiede wie ein roter Faden durch die Geschichte. Gewechselt haben die Methoden, oft auch ins Skurrile. Hippokrates empfahl etwa nur eine Mahlzeit pro Tag, möglichst fettreich. Bei Völlerei setzte er auf Abführmittel, um den Körper zu „reinigen“. Noch im 18. Jahrhundert rieten Ärzte, ein Glas Seifenwasser zu trinken, um innerlich zu „entfetten“.
Im 19. Jahrhundert kamen Naturheilverfahren wie die vom deutschen Priester Sebastian Kneipp entwickelte Kneipp-Therapie hinzu, dann Hygiene, Impfungen und schließlich die moderne Medizin. Der große Unterschied zu früher bestehe heute darin, dass Alterungsprozesse mess- und quantifizierbar geworden sind. Biomarker, epigenetische Uhren und personalisierte Medizin sind einige dieser Methoden.
Der Traum vom Sieg über den Tod und altern ist ein unvermeidlicher Prozess
„Was früher als allgemeine Widerstandskraft galt, nennen wir heute metabolische, immunologische oder neuronale Resilienz, also die Fähigkeit des Körpers, sich an Belastungen, Stress und Umwelteinflüsse anzupassen“, so die ÖAW-Forscherin Angetter-Pfeiffer. Auch ein funktionierender Stoffwechsel, eine gesunde Darm-Hirn-Achse, Bewegung sowie ausgewogene Ernährung und Mäßigung gehören dazu.
Angetter-Pfeiffer hat auch die Frage untersucht, ob es je eine Epoche gab, in der Menschen wirklich glaubten, den Tod bald besiegen zu können. „Eigentlich nicht. Seit der Antike war klar, dass Altern ein unvermeidlicher Prozess ist. Selbst in Zeiten großer medizinischer Fortschritte habe niemand ernsthaft angenommen, der Tod lasse sich abschaffen“.
Kryosauna, Biohacking, Plasmatransfusionen als neue Verpackung eines alten Traums
Auch der heutige Tech-Optimismus sei daher eher nur eine neue Verpackung eines alten Traums. Während Start-Ups Altern als „technisches Problem“ definieren, bleibt die Grundfrage dieselbe wie vor 4.000 Jahren in Mesopotamien : Wie kann der Mensch dem Verfall entkommen ? Vielleicht liegt die nüchternste Antwort ebenfalls in der Geschichte. Longevity, so Angetter-Pfeiffer, sei „kein Versprechen auf Unsterblichkeit, sondern der Versuch, die Jahre, die wir haben, möglichst gesund zu leben.“
Also : Kryosauna, Biohacking, Plasmatransfusionen junger Spender und die via Social Media verbreiteten Siegeszüge gegen Alter und Tod von Tech-Millionären wie Bryan Johnson sind modern-aktuelle Formen im Streben nach einem möglichst langen irdischen Dasein. „Die Sehnsucht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden“, resümiert Historikerin Daniela Angetter-Pfeiffer vom Austrian Center for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). (red/czaak)