Grundbedürfnisse gezielter absichern

Die von Regierung beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel reicht nicht. Grundbedürfnisse der Menschen müssen zielgerichteter abgesichert werden. Bei Handelsriesen braucht es mehr Preiskontrolle plus Zurückhaltung bei Gewinnmaximierung, so Analyse des Momentum-Instituts.
Die österreichische Bundesregierung und der Nationalrat haben die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel final abgehandelt bzw. verabschiedet und kürzlich hat auch der Bundesrat zugestimmt. Damit wird nun mit 1. Juli des heurigen Jahres die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer bei Produkten wie Brot, Eier, Milch Joghurt und vielen Gemüsesorten auf 4,9 Prozent gesenkt, anstatt den bisherigen zehn (10) Prozent. Private Haushalte sollen sich dadurch ca. 100 Euro pro Jahr ersparen.
Zumindest aus der Sicht eines familienerhaltenden Kleinunternehmers ist diese Entlastung dringend nötig – und in ausgeweiteter Blickrichtung auf weitere Bevölkerungsschichten sieht das auch das Momentum-Institut so. „Erhöhte Lebensmittelpreise treffen nicht alle gleich, daher sollte die Regierung einerseits die Liste der ausgewählten Lebensmittel stärker auf die Konsummuster von einkommensärmeren Haushalten ausrichten und weiters Handelsriesen mit Kontrollen und Preisdeckeln zur Gewinnzurückhaltung bewegen“, so das Momentum-Institut.
Kurz nach Ankündigung verteuern sich plötzlich mehrere Nahrungsmittel
Das mit den Kontrollen unterstreicht der schreibende und im Schnitt zwei Mal wöchentlich Lebensmittel einkaufende Kleinunternehmer ebenso. Kurz nach Ankündigung der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel Ende Jänner verteuerten sich plötzlich mehrere Nahrungsmittel um rd. 20 (!) Prozent. Das war aber, erstens, sicher nur ein Zufall, und zweitens sind da, wie gewohnt und ebenso sicher, die phösen Lieferanten und Produzenten verantwortlich.
Genau. „Die Preisbildung bei Nahrungsmitteln beginnt bereits in den vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette wie Landwirtschaft, Verarbeitung und auf den internationalen Rohstoffmärkten. Überall hier gab es zuletzt exorbitante Kostensteigerungen. Der Lebensmittelhandel hat auf diese Erzeugungskosten keinerlei Einfluss, muss die massiven Kostensteigerungen allerdings in seine Kalkulation entsprechend einpreisen“, so der Handelsverband in einer Stellungnahme. Genau.
Kleine Entlastung kann spürbaren Unterschied machen
Eine aktuelle Berechnung des Momentum Instituts zeigt, dass eine Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel ärmere Haushalte relativ am stärksten entlastet. Das einkommensärmste Fünftel spart dadurch etwa 77 Euro im Jahr (Anm.: das sind rund 0,43 Prozent seines Jahres-Einkommens ; was daraus errechnet dann nur rund 16.000 Euro ausmacht). Beim reichsten Fünftel beträgt die Entlastung 108 Euro im Jahr ; das sind hier nur 0,11 Prozent des Einkommens, was dann vglw. ein Jahreseinkommen von rd. 108.000 Euro ergibt. Die Maßnahme nützt aber eindeutig jenen am meisten, die jeden Euro beim Einkauf zweimal umdrehen müssen, weil sie anteilig mehr für ihre Grundbedürfnisse ausgeben müsse.
Für Haushalte mit wenig Einkommen kann schon eine kleine Entlastung einen spürbaren Unterschied machen. „Aber genau deshalb muss die Maßnahme so gestaltet werden, dass sie dort wirklich ausreichend ankommt, und da sehen wir aktuell noch Luft nach oben“ so die Ökonomen vom Momentum-Institut. „Nur 18 Prozent der Lebensmittelausgaben ärmerer Haushalte entfallen auf Produkte, die sowohl auf der Regierungsliste stehen als auch überdurchschnittlich von ärmeren Haushalten gekauft werden.“
Die Liste stärker an den Lebensmitteleinkäufen von ärmeren Haushalten ausrichten
Besonders problematisch sei, dass 26 Prozent der Lebensmittelausgaben von ärmeren Haushalten auf Produkte entfallen, die von bedürftigeren Menschen überdurchschnittlich gekauft werden, laut Regierungsplan aber nicht von der Mehrwertsteuersenkung erfasst wären. 38 Prozent entfallen auf andere Lebensmittel. Wenn die Regierung die einkommensärmsten Haushalte schützen will, muss sie die Liste stärker an deren tatsächlichem Einkauf ausrichten. Es mache einen Unterschied, ob die Maßnahme am Ende wirklich bei jenen Lebensmitteln greift, die arme Haushalte besonders häufig kaufen.
„Richtet die Regierung die Liste stärker an den Lebensmitteleinkäufen von ärmeren Haushalten aus, kann die Maßnahme das ärmste Einkommensfünftel mit 0,7 Prozent Ersparnis anteilig am Einkommen fast doppelt so stark wie in der aktuell angedachten Ausgestaltung entlasten. In Eurobeträgen bedeutet das in diesem Einkommensfünftel eine Entlastung um 40 Euro mehr“, so die Momentum-Experten. Das Momentum Institut empfiehlt daher, die Liste zu überarbeiten. Entscheidend sei, welche Produkte im Alltag einkommensarmer Haushalte tatsächlich eine große Rolle spielen.
Gewinnzurückhaltung statt Mitnahmeeffekte im Handel
Eine Mehrwertsteuersenkung reicht allein aus Sicht des Momentum Instituts nicht aus. Denn diese helfe nur dann, wenn sie vollständig an die Konsumenten weitergegeben wird. Bleibt ein Teil der Senkung in den Margen des Handels hängen, wird aus einer Entlastungsmaßnahme für Haushalte ein Geschenk an Unternehmen. Die Regierung sollte nicht nur senken und dann hoffen, dass der Handel die Entlastung weitergibt. Es brauche „Kontrolle, Transparenz und vor allem eine Deckelung von Gewinnmargen bei ausgewählten Grundprodukten bei Handelsriesen“.
Besonders große Handelskonzerne, wie etwa REWE (u.a. Billa) oder Spar profitieren stark von der geplanten Kürzung der Lohnnebenkosten. Umso mehr sei jetzt Gewinnzurückhaltung gefragt. Wer durch die Lohnnebenkosten-Kürzung ohnehin entlastet wird, sollte Gewinnzurückhaltung üben. „Neben Preisdeckeln auf bestimmte Grundnahrungsmittel soll die Mehrwertsteuer-Entlastung komplett an die Kunden weitergegeben werden und nicht zur Margenaufbesserung dienen. „Gerade angesichts der vielen aktuellen Risiken und Krisen ist es entscheidend, dass die Deckung der Grundbedürfnisse leistbar bleibt“, so das Momentum Institut. (red/czaak)
„Nicht um jeden Preis“

Auftritt von Peter Thiel bei Wiener Festwochen nach eingehender Reflexion unterschiedlicher Positionen abgesagt. Nach fundierter Erörterung und Zustimmung mehrerer Gremien im Vorfeld geben verlautbarte und angedrohte Absagen anderer Künstler den Ausschlag. Ganzes Procedere final nun Art eigenes Festwochen-Stück.
Die Wiener Festwochen rund um Intendant Milo Rau und Geschäftsführerin Artemis Vakianis haben den für 7. Juni vorgesehenen Diskussionsauftritt des US-Tech-Unternehmers Peter Thiel abgesagt. Die Absage kommt jetzt eigentlich überraschend. Im Vorfeld dieser finalen Entscheidung gab es auf Grund medialer Debatten und einiger mit dem Thiel-Auftritt verbundener Absagen anderer Festwochen-Protagonisten mehrere gesonderte und öffentliche Erörterungen zu Pro und Contra des Thiel-Auftritts.
Rat der Republik und Experten und gesonderte öffentliche Debatte allesamt für Auftritt von Peter Thiel
Das Stimmungsbild im sogenannten Rat der Republik und bei einer zusätzlich im Wiener Odeon-Theater veranstalteten öffentlichen Debatte der Republik legte laut Festwochen „die Durchführung der Thiel-Veranstaltung nahe“ und auch „das einstimmig positive Statement von externen Experten:innen sprach sich für die Durchführung aus“, so die Festwochen in einer Aussendung. Die ebenso zustimmende Sichtweise von economy kann im Text „Willkommen Peter Thiel und Bravo Milo Rau!“ nachgelesen werden.
Das im Kontext mit dem Thema Cancel-Prozedere einberufene Beratungsgremium der Festwochen bestand aus Natasha Tripney (Autorin und Kritikerin in London und Belgrad, Mitglied des Programmbeirats), Monika Mokre (Politikwissenschaftlerin, Mitglied des Rats der Republik) und Matthias Pees (Intendant der Berliner Festspiele). „Diese Gesellschaft ist und muss stark genug sein, um auch polemische, spaltende, unsolidarische, extremistische, undemokratische oder verfassungswidrige Stimmen und Beiträge zu ertragen, zu erdulden, ihnen entgegenzutreten, sie aufzudecken und ihnen entgegenzuwirken“, so der finale Befund des Gremiums.
„Absagen schwächen in ihrer Gesamtheit diesjährige Festwochen in untragbarem Umfang“
Parallel waren die Wiener Festwochen mit einer zunehmenden Anzahl kritischer Stimmen und vor allem mit immer zahlreicheren politisch oder ethisch motivierten Absagen von Beteiligten am künstlerischen Programm konfrontiert und das hat dann final die Absage nach sich gezogen. „Diese Absagen schwächen in ihrer Gesamtheit die diesjährigen Festwochen in einem untragbaren Umfang, weshalb sich die Geschäftsführung entschlossen hat, die Debatte mit Peter Thiel abzusagen“, so die Festwochen.
Intendant Milo Rau verlautbarte dazu auch seine persönliche Sichtweise : „Nicht um jeden Preis : Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst. Aus meiner Verantwortung für das Gesamtprogramm musste ich mich leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend und im Rahmen der Republic of Gods (Anm. das Motto der diesjährigen Festwochen) konsequent gefunden hätte. Ein Beharren auf der Veranstaltung stünde jedoch im Widerspruch zu meiner Wertschätzung für unser künstlerisches Programm und alle daran Beteiligten“.
Breite Debatte in Medien mit Zustimmung wie auch fundierter Kritik an Absage
Die Absage wurde in mehreren Medien breit diskutiert und von den Leser:innen mehrheitlich begrüßt. Es gab aber auch fundiert kritische Stimmen gegen die Absage. Nachfolgend zwei beispielgebende Postings zum entsprechenden Bericht zur Absage aus dem Forum vom Online-Standard, wo es in kurzer Zeit über 1.000 Beiträge gab.
Standard-Poster:in „Gatze Choupette Lagerfeld“ schreibt :
„Cancel Culture ist der falsche Weg für eine offene Gesellschaft. Man muss die Positionen von Peter Thiel keineswegs teilen, um zu erkennen, dass das vorschnelle Ausladen unliebsamer Gäste unserer demokratischen Diskurskultur massiv schadet. Eine lebendige Demokratie lebt vom Austausch und der Auseinandersetzung – auch und gerade mit kontroversen Meinungen.Nur so können sich Bürgerinnen und Bürger ein eigenes, kritisches Bild machen. Mit diesem überstürzten Einknicken vor dem ersten Protest haben die Verantwortlichen der Debatte rund um die „Wokeness“ ein gefundenes Fressen geliefert. Von den Entscheidungsträgern eines so bedeutenden Kulturfestivals darf man Souveränität statt Panik erwarten. Meinungen zu canceln, nur weil Gegenwind aufkommt, ist das Gegenteil von gelebter Demokratie.“ (Zitat-Ende)
Standard-Poster:in „Haigha“ schreibt : „Peinlich, schade und überflüssig. Es ist ja nicht so, als wäre Thiel für seinen Einfluss auf diese Veranstaltung angewiesen gewesen. So ist jetzt auch die Chance auf eine öffentliche Kritik dahin“. (Zitat-Ende).
Inhaltliche Debatten und Medienberichte auch erfolgreicher Diskursbeitrag plus Wertschöpfung für Wien und Festwochen
Nun, leicht haben sich die Festwochen die Einladung von Peter Thiel und die Entscheidungsfindung zum Auftritt sicher nicht gemacht. Der Prozess und die inhaltlichen Debatten sowie die zahlreichen nationalen wie internationalen Medienberichte mit den verbundenen Sichtweisen und Diskussionen sind für sich genommen auch ein erfolgreicher Diskursbeitrag und final zu einem eigenen Festwochen-Stück geworden. Eine Art Drama, als Theater-Format gemeint, nicht in der Wortbedeutung.
Die Vielzahl an Medienberichten bringt auch zusätzliche Wertschöpfung für die Kulturstadt Wien und die Festwochen. Spannender und noch erfolgreicher im Sinne eines lebendigen und demokratiefördernden Diskurses wäre natürlich ein Live-Auftritt von Peter Thiel gewesen. Vielleicht springt ja Michel „fleh“ Fleischhacker und Servus TV ein. (red/czaak)
Willkommen Peter Thiel und Bravo Milo Rau !

US-Unternehmer und libertärer Machttheoretiker Peter Thiel soll bei Wiener Festwochen auftreten. Kritiker wollen ihm kein Podium geben und Festwochenchef Milo Rau entwickelt Gegenstrategie. Die ganze Chose beleuchtet das kleingeistige SchrebergärtnerInnentum in Wien. Ein Kommentar von Christian Czaak.
Die peinlich-lächerliche Debatte um den Auftritt Peter Thiels bei den Wiener Festwochen offenbart einmal mehr den beschränkten Horizont des Österreichischen Kleinbürgertums. Zunehmend auch in Kultur und Medien. Die Kleinheit des Landes und seine katholisch geprägte Doppelmoral spiegeln sich im Geist seiner Menschen und in der Argumentation gegen Thiel.
Allein unternehmerische Leistung und die daraus resultierenden globalen Auswirkungen rechtfertigen Einladung
Allein die unternehmerische Leistung von Peter Thiel mit Gründung und Etablierung von mehreren global erfolgreichen Konzernen rechtfertigt seine Einladung. Die aus diesen Unternehmen resultierenden globalen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Auswirkungen rechtfertigen seine Einladung.
Die mit Thiel verbundenen Anfänge des Silicon Valley mit der imperialistisch-geopolitischen Innovationsstrategie der US-Tech-Élite rechtfertigen seine Einladung. Das mit sehr viel eigenem Geld finanzierte Investment in die Entscheidungsgewalt des mächtigsten Landes des Planeten rechtfertigt seine Einladung.
Eine Art Unternehmer-Gott, eine Art Tech-Gott und eine Art machtpolitischer Gott
Wem diese Themen noch zu entfernt vom kulturellen Kontext der Festwochen sind, dann kommen jetzt die philosophisch-weltanschaulichen Neigungen von Peter Thiel mit dem Hinweis auf „Republic of Gods“ als Motto des diesjährigen Festivals. Peter Thiel ist eine Art Unternehmer-Gott, Peter Thiel ist eine Art Tech-Gott und eine Art machtpolitischer Gott. Dazu hinterfragt und provoziert das (mittlerweile entsprechend) libertäre Individuum Peter Thiel als eine Art Teufels-Gott demokratische Gesellschaftsformen.
Diese Entwicklungen und Neigungen von ihm basieren und passieren aber in einer authentischen Art und Weise. Geboren 1967 im Sternzeichen der Waage im deutschen Frankfurt wechselt Thiels Familie die Wohnsitze zwischen Deutschland und Südafrika mit seinem Schulbesuch in Johannesburg, und den USA, wo dann 1977 Kalifornien zum festen Wohnsitz wird.
Zwei Studienabschlüsse und großzügige Unterstützung für zahlreiche Kulturprojekte und junge Wissenschaftler
Thiel schließt 1989, mit 22 Jahren, an der Stanford-University sein Philosophie-Studium mit einem Bachelor of Arts ab und dazu promoviert er 1992 ebenfalls in Stanford an der Law School als Jurist. Er arbeitet in New York für einen Bundesrichter und als Rechtsanwalt in einer Kanzlei, wechselt dann aber relativ schnell zur Credit Suisse als Wertpapierhändler.
1996 kehrt Thiel nach Kalifornien zurück und gründet sein eigenes Unternehmen Thiel Capital Management. Es folgen Investments und Gründungen von Paypal (2000 ; gemeinsam mit Elon Musk), Palantir (2003) und Facebook (2004) sowie weitere Unternehmen im Bereich FinTech, Medizin und Medien. Thiel unterstützt daneben auch zahlreiche Kultur- und Filmprojekte sowie zahlreiche junge Wissenschaftler mit großzügigen Stipendien.
„Wettbewerb ist eine Ideologie, die unsere Gesellschaft pervertiert und unser Denken zerstört“
Die Zuschreibungen „Freigeist“ oder „libertär“ tauchen schon während Thiels Studienzeit in Stanford auf. Er gründet dort etwa die – Zitat : „libertäre Campuszeitung The Stanford Review“. Thiels Haltung zur Demokratie wird wechselweise als „demokratieskeptisch“, „antidemokratisch“ oder „postdemokratisch“ beschrieben.
Er selbst bekennt sich zum sogenannten Paläolibertarismus, eine politische Philosophie, die persönliche Freiheit über staatlichen Einfluss stellt. Gleichzeitig lehnt Thiel den freien Markt ab, da „freier Wettbewerb Profite senkt“. Und : „Wettbewerb ist eine Ideologie, die unsere Gesellschaft pervertiert und unser Denken zerstört.“
Plädoyer für mehr Investitionen in Forschung
Thiel rät Firmengründern mittels innovativer Technologien Monopole aufzubauen und unterscheidet dabei zwischen „kreativen Monopolen“ und „illegalen Tyrannen oder Lieblingen von Regierungen, die keine Monopolerträge verdient hätten.“ Seine Thesen gelten als eine Art intellektueller Schild für die Techkonzerne aus dem Silicon Valley, die eine marktbeherrschende Stellung anstreben.
Thiel veröffentlicht 2012 aber auch das gemeinsam mit Garri Kasparov (Schachweltmeister, geb. 1963 in Russland) und Max Levchin (ehem. CTO Paypal, geb. 1975 in der Ukraine) geschriebene Buch „The Blueprint“, wo er eine Stagnation des technologischen Fortschritts sieht und für mehr Investitionen in Forschung plädiert, um den globalen Wohlstand zu erhöhen.
“I do no longer believe that freedom and democracy are compatible”
Sozusagen operativ politisch tätig wird Thiel erstmals 2008, wo er den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul unterstützt. 2012 unterstützt er Paul nochmals als größter Einzelspender und parallel auch die als rechts-national geltende Tea-Party. 2009 bezeichnet er in einer öffentlichen Publikation „Freiheit und Demokratie als unvereinbar“.
Peter Thiel im damaligen Originalton : „Most importantly, I do no longer believe that freedom and democracy are compatible.” Er unterstützt auch Projekte wie “Seastead“, ein antinational libertäres Vorhaben mit Siedlungen auf dem Meer eben außerhalb von Nationalstaaten. 2016 unterstützt er Donald Trumps Wahl zum US-Präsident und parallel die politische Karriere von JD Vance bis hin zum Vizepräsidenten in Trumps aktueller Amtsperiode.
Ausgeprägte Neigung zu einer Art apokalyptischen Dramaturgie
Von seiner Weltanschauung her ist Peter Thiel bekennender Christ mit einer ausgeprägten Neigung zu einer Art apokalyptischen Dramaturgie. Auf Basis biblischer Prophezeiungen verbindet er christliche Werte mit libertären wie politischen Zielen. Thiel verwendet dabei oftmals den Begriff Katechon (Anm. Auf- oder Zurückhalter) aus dem Neuen Testament. Dieses Katechon soll „Gesellschaften wehrhaft machen und Innovationen vorantreiben“, es steht auch für technischen Fortschritt. Die Tech-Nerds betrachtet Thiel als personalisierte „Aufhalter“ einer „drohenden Apokalypse und des Antichristen“.
Beobachter werfen hier nun die Frage auf, ob Thiel im Kontext mit seiner Überwachungsfirma Palantir nicht selbst der Antichrist sei. Auch Theologen fragen sich, ob Thiels Weltbild sein Handeln antreibt oder ob die Figur des Antichristen nicht ein Weg ist, seine Entscheidungen zu rechtfertigen. Final orten sie bei Thiel eine Angst, dass er mit seinem sehr großen Vermögen von Regierungen oder Regelwerken eingeschränkt oder gar beherrscht werden kann. Er fühle sich als Opfer, inszeniert einen imaginären Kampf und ladet diesen entsprechend religiös-apokalyptisch auf.
Weitere Gründe für seine Einladung und eine ganz private Bringschuld
Alle diese aufgeladenen, mehrheitlich spannenden Gegensätze und all diese Sammlung an weltanschaulich-philosophisch-religiösen Neigungen und Sichtweisen von Peter Thiel rechtfertigen noch viel mehr seine Einladung zu den Wiener Festwochen. Und dann gibt es noch eine persönliche Verbindung zwischen Peter Thiel und Wien als Stadt. 2017 hat er seinen langjährigen Partner Matt Danzeisen in Wien geheiratet. Peter Thiel hat sich also Wien als Ort und Umgebung für eine sehr private und familiär-intime Feierzeremonie ausgesucht.
Jetzt sollte Wien sich auch daran erinnern. Ebenfalls eine „Erinnerung“ wert im Kontext mit dem Auftritt von Peter Thiel und der taktisch klugen Vorbereitung und Begleitung von Milo Rau sind die zahlreichen nationalen und internationalen Presse- und Medienberichte. Daraus resultiert Wertschöpfung für Wien als Reisedestination und auch für Wien als Wirtschaftsstandort. Wien, ein libertärer, äh, liberaler und kulturell hochwertiger Standort mit einer hohen Lebensqualität und Diskursfähigkeit.
(Quellen und Recherche : Wikipedia und Wiener Festwochen ; der Text ist nach der „Pro & Contra“ — Diskussion im Odeon entstanden) (red/czaak)
Barrierefreie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Digitaler Assistent für inklusive Mobilität. Menschen mit Behinderung sollen ohne Barrieren mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Ein Mobilitätsprojekt der University of Applied Sciences St. Pölten wird von der Fritz Schöggl Privatstiftung gefördert.
Ein neues Projekt der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) untersucht, wie Menschen mit Behinderung oder körperlicher Beeinträchtigung barrierefreier mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Final soll ein Prototyp für einen digitalen Assistenten entstehen. Die Entwicklung wird von der St. Pöltner Fritz Schöggl Privatstiftung mit 150.000 Euro unterstützt.
Viele Herausforderungen im Alltag von behinderten Menschen
Das Projekt mit dem Titel „EMIU Exklusiv Mobil – Inklusiv Unterwegs“ entwickelt eine Hilfe für eine barrierearme, echtzeitnahe, individuelle Mobilitätsplanung und ‑Anwendung im Alltag. „Auch wenn im Rahmen der Mobilitätswende der öffentliche Personennahverkehr durch technische Neuerungen an Attraktivität gewonnen hat, stehen Menschen mit Behinderungen weiterhin vor verschiedenen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Alltag“, sagt Alexandra Anderluh, Projektleiterin vom Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung der USTP.
Solche Hürden sind etwa physische und bauliche Barrieren wie defekte oder fehlende Aufzüge, fehlende taktile Leitsysteme und nicht barrierefreie Haltestellen, sensorische Barrieren wie fehlende akustische oder ausschließlich visuelle Anzeigen oder unzureichende Kontraste sowie kognitive und psychische Herausforderungen bei komplexen Umstiegssituationen oder Stress bei kurzfristigen Änderungen.
Licht- und Textsignale für Hörbeeinträchtigte oder Sprachausgabe für Sehbehinderte
Im Projekt entwirft Anderluh mit ihren Kollegen einen Prototyp für einen elektronischen Assistenten, der Menschen mit Behinderung entsprechend unterstützen soll und dafür soll das bereits bestehende Assistenzsystem „Home Assistant“ passend weiterentwickelt werden.Diese bereits etablierte quelloffene Software soll öffentlich zugängliche Echtzeit-Daten etwa zu Abfahrtszeiten, Störungen, Aufzugsausfällen und Wetter zusammenfassen und leicht nutzbar darstellen.
Menschen, die den Assistenten nutzen, sollen die Darstellungen an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Dazu gehören etwa Licht- und Textsignale für Hörbeeinträchtigte oder eine Sprachausgabe für Sehbeeinträchtigte. Der Assistent soll sowohl daheim als auch unterwegs über das Smartphone dazu beitragen, sicher, stressfrei und barrierearm zum Ziel zu gelangen. In der Umsetzung wird der Prototyp dann mit beeinträchtigten Menschen getestet werden und auch Mobilitätsanbieter sollen die Möglichkeit haben ihre Services praxisrelevant zu erweitern.
Unterstützung für wichtigen Forschungsbereich
Die Förderung des ausgewählten Projekts erfolgt durch die Fritz Schöggl Privatstiftung. Fritz Schöggl (1931 – 2024) war leitender Mitarbeiter der NÖ Gebietskrankenkasse, langjähriges Mitglied des Gemeinderats und Stadtsenats sowie zentraler Gestalter des Krankenhauses und sozialer Einrichtungen. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich und den Ehrenring der Stadt. 2008 brachte er sein Vermögen in eine Privatstiftung ein, deren Vorstand nun das Forschungs- und Innovationsprojekt der USTP fördert.
„Dem Stifter Fritz Schöggl lag stets am Herzen, Menschen mit Beeinträchtigungen zu unterstützen. Dieses Projekt öffnet – im wahrsten Sinne des Wortes – Türen : Barrierefreies Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird ein Stück weiter Realität“, sagt Helmut Schebesta für die Fritz Schöggl Privatstiftung. „Das Projekt fügt sich in eine Reihe an Forschungsprojekten zum Thema inklusive Mobilität, wo unsere Forscher bereits wesentliche Kompetenz aufgebaut haben. Ich bedanke mich sehr herzlich, dass die Fritz Schöggl Privatstiftung dieses wichtige Thema und Projekt unterstützt“, freut sich Hannes Raffaseder, Geschäftsführer der USTP. (red/laucz)
Die flüggen Österreicher

Immer mehr Arbeitnehmer wollen Job wechseln. Insbesondere Generation Z betroffen. Mehr Geld, negatives Arbeitsumfeld und bessere Work-Life-Balance als Hauptgründe sowie ein aktuell begrenzter Arbeitsmarkt im Fokus einer neuen Studie von Randstad. Ermittelt wurden auch die beliebtesten Arbeitgeber.
Arbeitsmärkte und unterschiedliche Zugänge und Sichtweisen bei Arbeitsbedingungen sind national wie international immer besonders relevante Themen. In Österreich naht oder besteht bei älteren Arbeitnehmern aus der Generation der sogenannten Babyboomer (geb. bis 1964) eine Pensionierungswelle und die nachrückenden Jungen suchen vermehrt nach beruflicher Neuorientierung. Fast 30 Prozent der Generation Z (geb. 1997 bis 2012) wollen im nächsten Halbjahr den Job wechseln. Bei den Babyboomern sind es vergleichsweise nur sieben (7) Prozent.
Die tatsächlichen Jobwechsel sind jedoch insgesamt zurückgegangen, nur 11 Prozent der Befragten haben in den letzten sechs Monaten eine neue Stelle gefunden. Das sind Ergebnisse aus der neuen Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research 2026“, für die der internationale Personaldienstleister Randstad kürzlich mehr als 4.356 österreichische Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren befragt hat. Diese repräsentative Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research“ wird jährlich in 34 Märkten weltweit durchgeführt.
Die generationenbedingten Unterschiede
Im Rahmen der Studie werden auch unterschiedliche Themen abgefragt und dazu gehören etwa die Einschätzung des aktuellen Arbeitgebers im Vergleich zum Idealbild oder Gründe für Jobwechsel. Dabei zeigt sich, dass die Wechselwilligkeit trotz der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt im letzten Jahr zugenommen hat : So plant etwa jeder Fünfte (19 Prozent) mittlerweile eine Neuorientierung im nächsten Halbjahr. Dieser Wert ist ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.
In der Generation Z (1997−2012), die es aktuell wohl am schwersten hat, überhaupt einen Job zu finden, suchen sogar drei von zehn Personen (exakt 29 Prozent) nach einer neuen Herausforderung. Bei den Babyboomern (Jahrgänge bis 1964) gaben dies nur sieben Prozent an. Gleichzeitig haben in den vergangenen sechs Monaten insgesamt nur 11 Prozent der Befragten wirklich den Job gewechselt und das bedeutet einen Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr.
Die Ambivalenz zwischen Absicht und Umsetzung
„Die Absicht, den Arbeitsplatz zu wechseln, ist in Österreich nach wie vor deutlich höher als das tatsächliche Wechselverhalten. Diese Schere ist im vergangenen Jahr noch weiter auseinandergegangen“, sagt Bjørn Toonen, Managing Director von Randstad Österreich. „Das deutet darauf hin, dass der wahrgenommene Mobilitätsdruck stärker ist als die tatsächliche Mobilität“, erläutert Bjørn Toonen. Der internationale Personaldienstleister Randstad Auch hat auch heuer wieder die aktuellen Gründe für Jobwechsel eruiert.
Der mit Abstand wichtigste Grund, warum Arbeitnehmer ihr Unternehmen verlassen (würden) ist eine zu geringe Vergütung (47 Prozent). Danach folgt ein negatives Arbeitsumfeld (37), mangelndes Interesse an der Tätigkeit (32) und Bedenken hinsichtlich der Work-Life-Balance (30 Prozent). Letztere ist vor allem für jüngere Mitarbeitende wichtig. Ein Drittel von ihnen würde für eine bessere Work-Life-Balance wechseln, verglichen mit rund einem Viertel der älteren Arbeitnehmer.
Arbeitsklima bei der Arbeitgeberwahl erstmals wichtiger als Gehalt
„Mit dem demographischen Wandel verändern sich auch die Erwartungen und Werte von Arbeitskräften. Die Bedeutung eines zu geringen Gehalts als Hauptgrund für einen Jobwechsel steigt mit dem Alter, von rund 44 bei der jüngeren auf rund 52 Prozent bei der älteren Generation“, sagt Toonen. „Insgesamt zeigt sich : Mitarbeiterbindung basiert auf einem Zusammenspiel aus attraktiver Vergütung und einer positiven Alltagserfahrung. Wer die täglichen Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vernachlässigt, riskiert trotz fairer Bezahlung den Verlust von Talenten“, so Toonen.
Geld spielt also bei der Entscheidung die mit Abstand wichtigste Rolle. Bei den Kriterien für einen neuen Job ist das Gehalt jedoch erstmals nicht auf Platz 1. Wichtiger ist den Österreichern mittlerweile ein angenehmes Arbeitsklima (68 Prozent), knapp vor der Vergütung und der Jobsicherheit. „Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist der am häufigsten erwartete Faktor im Profil des idealen Arbeitgebers, doch die aktuellen Arbeitgeber schneiden hier mit 57 Prozent wesentlich schlechter ab“, betont Toonen. „Das zeigt eine signifikante Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Die „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“ (56 Prozent) sowie „interessante Aufgaben“ (52 Prozent) sind weitere wichtige Kriterien.
Die attraktivsten Arbeitgeber des Landes und Randstad
In der Studie „Employer Brand Research“ von Randstad werden jedes Jahr auch die attraktivsten Arbeitgeber des Landes erfragt. Nachdem AVL List das Ranking über die letzten drei Jahre angeführt hatte, tauscht der Grazer Automobilzulieferer dieses Jahr die Plätze mit dem Linzer Kepler Universitätsklinikum, das nach dem dritten Platz im Vorjahr heuer erstmals gewinnt. Mit Siemens Energy auf Platz 2 und Siemens auf Platz 4 landet das Industrieunternehmen gleich zweimal im Spitzenfeld. Auf Platz 5 folgt Fronius, das erstmals in der Liste der Top-Arbeitgeber aufscheint. BMW Österreich (7. Platz) und VAMED (9. Platz) konnten sich im Vergleich zum letzten Jahr leicht verbessern. Takeda (6. Platz), der Flughafen Wien (8. Platz) und Infineon (10. Platz) schaffen dieses Jahr das Comeback in die Top Ten.
Randstad Österreich ist Teil der internationalen Randstad Gruppe, ein globaler Marktführer bei Personaldienstleistungen. Das Portfolio reicht von Zeitarbeit über Personalvermittlung bis hin zu spezifischen Professional Services und HR-Lösungen wie Recruitment Process Outsourcing oder eigenen Managed Services Programmen. Das niederländische Unternehmen ist in fünf Kontinenten und 39 Ländern tätig und erwirtschaftete im Jahr 2025 Angaben zufolge mit 38.480 Mitarbeitern einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Randstad wurde 1960 gegründet und ist an der Euronext Amsterdam gelistet. (red/czaak)
Kriege und Klimawandel und Krankheit

Med Uni Innsbruck publiziert mit Post-Covid-Kinderstudie eine der umfangreichsten Erhebungen zu Belastungen junger Menschen. Rund 2.240 Eltern und Kinder und Jugendliche wurden von 2023 bis 2025 zur psychischen Gesundheit befragt. Seit 2020 mit Start der ersten Studie waren es in Summe über 6.700 Situationsanalysen.
Ende 2025 ist eine der größten Studien zur Belastung von Kindern und Jugendlichen zu Ende gegangen. Im Rahmen der Post-Covid-Kinderstudie haben in Tirol 1.562 Eltern Fragen zur psychischen Gesundheit ihrer Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren beantwortet. Auch 680 Kinder ab dem 8. Lebensjahr sind dazu befragt worden. Die vom Land Tirol finanzierte und von der Medizin Uni Innsbruck durchgeführte Forschungsarbeit zeigt, dass sich zehn Prozent der 7- bis 13-Jährigen in Tirol stark belastet fühlen. Darüber hinaus wurde auch eine Methode zur Stärkung der Resilienz positiv evaluiert.
Höchsten Belastungswerte im Kontext der Pandemie
Die Auswertung der Post-Covid-Kinderstudie liegt nun vor. Die größte Sorge bereiten den Kindern in Tirol die Kriege, der Klimawandel, Krankheiten und am wenigsten die Armut. Das sind die Ergebnisse der letzten Befragung von 262 Kindern im Rahmen der Post-Covid-Kinderstudie, die von 2023 bis 2025 zu drei Messzeitpunkten die psychische Gesundheit und Resilienz von Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren untersucht hat. „Rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Tirol fühlen sich aktuell stark belastet“, erklärt Silvia Exenberger.
Die klinische Gesundheitspsychologin hat die Post-Covid- Kinderstudie geleitet, die an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie durchgeführt wurde. Die Untersuchung ist die größte Forschungsarbeit zur Belastung von Kindern und Jugendlichen in Tirol seit 2020. „Die höchsten Belastungswerte ergaben sich im Kontext der Pandemie im Winter 2021⁄22. Im Sommer 2022 gab es eine Entspannung und im Herbst 2023 stellten wir erneut eine Erhöhung fest, möglicherweise durch die Sorge über weitere Lockdowns und neue Erkrankungswellen“, erläutert Exenberger.
Eltern und Bezugspersonen sollen entsprechend intervenieren
Danach wurden abnehmende Werte registriert und mittlerweile hat die Angst vor einem Krieg die Sorge vor Covid abgelöst. Die Experten stellten fest, dass die Sorge der Kinder und Jugendlichen um andere größer ist, als um sich selbst. „Das ist sehr typisch für Kinder“, ergänzt Kathrin Sevecke, Direktorin der Uni Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Ergebnisse der Studie seien auch ein klarer Auftrag an die Erwachsenen. „Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass Eltern und Bezugspersonen entsprechend intervenieren und die Kinder sowie Jugendlichen unterstützen“, betont Silvia Exenberger.
Eine Möglichkeit ist den Experten zufolge, die Kreativität zu fördern. „Das macht Kinder flexibler“, so Exenberger. Konkrete Tipps und Hilfestellungen, was Eltern für ihre Kinder tun können, werden auch im Rahmen des Podcasts „Frag die Medizin“ der Med Uni Innsbruck vermittelt. Aktuell läuft die Folge zum Thema „Resilienz bei Kindern — Was macht Kinder stark?“ (Anm. über die Website der Med Uni Innsbruck und auf allen gängigen Podcast-Plattformen).
Gestärkte Resilienz von Kindern und Jugendlichen
Resilienz bezeichnet dabei die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und gestärkt aus schwierigen Situationen hervorzugehen. Im Zuge der Post-Covid-Kinderstudie wurde daher auch evaluiert, wie Eltern, Pädagogen und andere erwachsene Bezugspersonen Kinder und Jugendliche stärken können. Dafür wurde das Angebot eines Resilienztrainings an alle Schulen und Kindergärten in Tirol ausgeschickt, an dem Eltern und die Pädagogen selbst teilnehmen konnten. Über 800 Teilnehmende haben dieses Angebot angenommen.
„Wir haben über die Studienergebnisse informiert, Hintergrundwissen zum Thema Resilienz vermittelt und fünf praktische Übungen zur direkten Anwendung vorgestellt“, erklärt Gesundheitspsychologin Silvia Exenberger. In der Praxis zeigte sich, dass hier die Übung „Creative Friend“ sehr geeignet ist. Diese Übung hilft, neue Perspektiven auf ein Problem zu entwickeln. Dabei stellt sich eine Person vor, eine kreative Freundin oder ein kreativer Freund würde das Problem hören und spontan Ideen vorschlagen. Aus dieser gedanklichen Perspektive entstehen oft unerwartete Lösungsansätze.
Auch im internationalen Vergleich quantitativ wie qualitativ umfassend
Die Übung zeigt, dass ein Perspektivenwechsel helfen kann, festgefahrene Denkmuster zu lösen. „Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Post-Covid-Kinderstudie. Wir konnten zeigen, dass die Resilienz der Kinder, die diese Übung gemacht haben, signifikant höher war als jene in der Kontrollgruppe“, erklärt Silvia Exenberger, klinische Gesundheitspsychologin und Leiterin der Post-Covid- Kinderstudie an der der Innsbrucker Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Die in Tirol durchgeführten Studien sind auch im internationalen Vergleich sowohl quantitativ wie auch qualitativ inhaltlich überaus umfassend. Über Initiative von Ärzten und Land Tirol wurde bereits im Juni 2020 (Anm. bereits rund sechs Monate nach Beginn von Corona) mit entsprechenden Erhebungen begonnen. Diese sogenannte Covid-19-Kinderstudie lief dann bis Dezember 2022. In diesem Zeitraum beantworteten 3.640 (!) Eltern und 846 (!) Kinder (ab 8 Jahren) die Fragen der Experten (economy berichtete).
„Psychische Gesundheit unserer Kinder hat für mich oberste Priorität“
Die zweite Welle lief dann als Post-Covid-Kinderstudie von Juni 2023 bis Dezember 2025 mit den angeführten 1.562 Eltern und 680 Kindern (ab 8 Jahren und inkl. 122 Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren). Die Themengebiete beinhalteten die Bereiche Ängste, gestörtes Sozialverhalten, Depression, Trauma bzw. Belastungssymptome und Resilienz. Das Land Tirol unterstützte beide Studienzeiträume laut Angaben mit in Summe 407.000 Euro.
„Die psychische Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen hat für mich als Gesundheitslandesrätin oberste Priorität. Tirol investiert daher gezielt in Mental-Health-Forschung – einschließlich der Post-Covid-Kinderstudie der Med Uni Innsbruck“, unterstreicht Cornelia Hagele, verantwortliche Landesrätin in Tirol. „Die Ergebnisse helfen uns, die Versorgung in Tirol zu verbessern. Neben präventiven Angeboten wie Resilienztrainings bauen wir auch die regionale Kinder- und Jugendpsychiatrie aus, etwa mit mehr stationären Plätzen und zusätzlichen Kapazitäten in Hall, Zams und St. Johann in Tirol“, so die Tiroler Landesrätin Hagele. (red/czaak)
Die Schere öffnet sich weiter

Zwischen vier und eintausendzweihundertfünfzig Euro kosten Baugründe in Niederösterreich. Günstige Lagen befinden sich im nördlichen Waldviertel. Hochpreisige Gebiete sind Krems und Langenzersdorf. Die höchsten Preise gibt es in Mödling, Klosterneuburg und Oberwaltersdorf.
Wie viel Häuslbauer in Niederösterreich aktuell für bautaugliche Grundstücke zahlen müssen hat neuerlich der Niederösterreichische Wirtschaftspressedienst analysiert. Auf Basis einer fundierten österreichweiten Erhebung im Wirtschaftsmagazin Gewinn, wurde wiederum die genaue Situation in Österreichs größtem Bundesland erhoben.
Im Ergebnis zeigt sich, dass Suchende für ein möglichst erschwingliches Grundstück im nördlichen Waldviertel fündig werden. Gerade einmal vier Euro kostet der Quadratmeter Baugrund für ein neues Haus in Ludweis-Aigen im Bezirk Waidhofen an der Thaya. Schon seit Jahren bietet diese Marktgemeinde in ganz Niederösterreich die niedrigsten Grundstückspreise.
Fundierte Analyse gemeinsam mit TU Wien
Sehr wohlfeilen Boden findet man im Waldviertel auch in der Gemeinde Langschlag mit fünf Euro pro Quadratmeter. Acht Euro zahlt man in Waldhausen, jeweils neun Euro in Eggern, Eisgarn, Grafenschlag, Haugschlag und Japons. Die teuerste Gemeinde des Waldviertels beim Grunderwerb ist die Stadt Krems in den Lagen Weinzierl, Mitterau und Am Steindl mit bis zu 700 Euro pro Quadratmeter. Die Wachau-Gemeinden Weißenkirchen mit 350 Euro und Dürnstein mit 285 Euro folgen hier.
Die genannten Zahlen über die zurzeit auf dem Markt gehandelten Grundstückspreise gehen aus Preisangaben von Gemeinden und Maklern, echten Kaufpreisdaten aus den Grundbüchern sowie statistischen Berechnungen der Technischen Universität Wien hervor. Veröffentlicht wurden sie im aktuellen Wirtschaftsmagazin „Gewinn“. Der NÖ Wirtschaftspressedienst hat die für das Bundesland Niederösterreich markantesten Ergebnisse der Studie analysiert.
Breite Range im Wienviertel, günstige Preise im Mostviertel
Die Schere zwischen billigen und teuren Grundstücken geht auch im Weinviertel weit auseinander. In den nördlich gelegenen Kommunen Großkrut, Hadres, Hardegg, Stronsdorf und Weitersfeld zahlt man für einen Quadratmeter Baugrund jeweils nur zehn Euro. Hingegen finden sich die teuersten Gemeinden für Grundkäufer im Bezirk Korneuburg : Hier führen Langenzersdorf und Gerasdorf mit ex aequo 900 Euro pro Quadratmeter das Ranking an, gefolgt von Bisamberg mit 850 Euro, Hagenbrunn mit 800 und der Stadt Korneuburg mit 700 Euro.
Im Mostviertel erstreckt sich die Bandbreite der Grundstückspreise von 20 und 25 Euro pro Quadratmeter, die in den Pielachtal-Gemeinden Puchenstuben und Schwarzenbach an der Pielach bezahlt werden, bis zu 300 Euro in der Bezirkshauptstadt Amstetten. Dort ist es im Zentrum, in der Parksiedlung und am Kreuzberg am teuersten. In Waidhofen/Ybbs sind bis zu 250 Euro zu bezahlen.
Stadt Tulln legt massiv zu, Gebiet Wiener Neustadt im Mittelfeld
Im Zentralraum regelrecht explodiert sind die Grundstückspreise in der Stadt Tulln und am Seegrund in Atzenbrugg, wo man für einen Quadratmeter Baugrund mittlerweile jeweils bis zu 600 Euro aufbringen muss. Interessant auch die Ergebnisse aus der NÖ Landeshauptstadt St. Pölten. Hier kann man einen Quadratmeter Baugrund um 150 Euro am billigsten im Stadtteil Harland kaufen. Am Eisberg und am Kupferbrunnberg hingegen geht das Preisband bis zu 450 Euro hinauf.
Im Industrieviertel kostet ein Quadratmeter Baugrund 19 Euro im Gemeindegebiet von Schwarzenbach in der Buckligen Welt. Hingegen werden in der Stadt Wiener Neustadt im Ungarviertel schon bis zu 460 Euro verlangt. Am Flugfeld sind es maximal 300 Euro.
Perchtoldsdorf, Klosterneuburg, Mödling und Baden
Das exklusivste bzw. teuerste Pflaster Niederösterreichs findet man erwartungsgemäß im südlichen und westlichen „Speckgürtel“ der Bundeshauptstadt Wien. Im Wohnpark Fontana in Oberwaltersdorf müssen Käufer für einen Quadratmeter Baugrund an die 1.250 Euro bezahlen. Das ist der NÖ-Höchstpreis. Knapp heran kommen Perchtoldsdorf, Klosterneuburg und Mödling mit jeweils 1.200 Euro.
Am Seegrund in Leopoldsdorf im Bezirk Bruck/Leitha sind ebenso bis zu 1.150 Euro aufzubringen, in der Klosterneuburger Katastralgemeinde Weidling, in Maria Enzersdorf, in der Hinterbrühl sowie in Baden-Mitterberg jeweils 1.100 Euro. In den Villengebieten von Mödling, in den Lagen Ölberg und Buchenberg in Klosterneuburg sowie in Baden (Zentrum, Weikersdorf, Baden-West) werden jeweils 1.000 Euro verlangt. (NÖ-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Österreicher forcieren erneuerbare Energien

Sanierungsoffensive der Bundesregierung wirkt. 31.600 Haushalte steigen im ersten Quartal auf erneuerbare Wärme um. Ein Schritt in Richtung nachhaltiges Heizen sind etwa Wärmepumpen.
Die Sanierungsoffensive des Bundes wirkt : Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten beenden immer mehr Haushalte in Österreich ihre Abhängigkeit von Öl und Gas und setzen mit dem sogenannten „Kesseltausch“ auf umwelt- und klimafreundliche Heizsysteme.
Die Entwicklung im ersten Quartal 2026 bestätigt den eingeschlagenen Kurs : Im Rahmen der Förderschiene „Kesseltausch“ wurden im ersten Quartal 2026 rund 15.600 Registrierungen und Anträge eingebracht. Mit diesen Projekten lösen sich knapp 31.600 Haushalte in Österreich von der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten und werden künftig aus erneuerbaren Energieträgern versorgt.
Raumwärme und Warmwasser verursachen ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs
„Wir unterstützen die Menschen beim Umstieg auf erneuerbare Wärme und stärken damit die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Gleichzeitig leistet der Kesseltausch einen sinnvollen und wirksamen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur regionalen Wertschöpfung“, sagt Norbert Totschnig, Umweltminister.
Raumwärme und Warmwasser verursachen rund ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Österreich, wobei in privaten Haushalten noch etwa 34 Prozent auf fossile Energieträger entfallen. Um die Dekarbonisierung im Gebäudebestand voranzutreiben, spielen gezielte Fördermaßnahmen eine zentrale Rolle.
Check-Liste für Hausbesitzer
Für viele österreichische Hausbesitzer ist etwa auch eine Wärmepumpe der nächste Schritt in Richtung nachhaltige Energienutzung bzw. Heizen. Experten empfehlen vor Anschaffung einen Test, ob das Wohnobjekt überhaupt geeignet ist. „Ein einfacher und schneller Selbsttest kann hier Abhilfe schaffen“, so Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik.
Das Unternehmen hat eine Check-List zusammengefasst, wo Hausbesitzer prüfen können, ob ihr Gebäude wärmepumpenfit ist. Ein einfacher Praxistest ist der sogenannte „55-Grad-Check“ der Vorlauftemperatur oder die Überprüfung der Dämmung. Als Faustregel für eine Wärmepumpentauglichkeit gilt hier ein Wert von 120 kWh/m2 pro Jahr.
Überschaubare Optimierungen
Ebenfalls empfohlen wird die Überprüfung des bestehenden Heizsystems, ob alle Räume gleichmäßig warm werden, und ob Heizkörper auch bei niedriger Temperatur warm werden. Wärmepumpen harmonieren besonders gut mit Flächenheizsystemen wie Fußboden- oder Wandheizung, da diese auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden können.
Passen die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe, dann gilt es noch den Platzbedarf und Lärmschutz zu prüfen sowie Bandbreite und Geräte für die nötige Stromversorgung einer Wärmepumpe. Auch wenn nicht alle Parameter des Gebäudechecks positiv bewertet werden, genügen kleinere Anpassungen, um eine Wärmepumpe effizient betreiben zu können.
Reduktion von Treibhausgasen
Das kann sein der Tausch der Heizkörper, die Teilsanierung der Gebäudehülle oder Dachdämmung, das Einstellen der Heizungsanlage oder die hybride Nutzung mit bestehendem Gas- oder Ölkessel. „Selbst ältere Häuser lassen sich mit überschaubaren Optimierungen wärmepumpenfit machen. Der Gebäudecheck gibt eine erste Einschätzung, welche Bereiche man sich vor einer Installation genauer anschauen sollte“, so Kloboucnik von WOLF Klima- und Heiztechnik.
Sanierungen und entsprechende Adaptierungen der Energieversorgung sind generell wichtige Schritte zur Reduktion von Treibhausgasen. „Die Sanierungsoffensive der Bundesregierung trägt nicht nur zur Reduktion von Treibhausgasen bei, sondern setzt auch wichtige Impulse für die Wirtschaft und verbessert die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von Energieimporten aus unsicheren Weltregionen deutlich reduziert“ unterstreicht Norbert Totschnig, Umweltminister.(red/cc)
Trotz Unsicherheit mehr Investments

2026 will in Deutschland jede/r fünfte Selbständige trotz schwieriger wirtschaftlicher und geopolitischer Lage mehr investieren. Im Vergleich zum vierten Quartal 2025 hat sich der Wert nun weiter erhöht. Im Vergleich zur übrigen Wirtschaft liegt er zurück.
21 Prozent der Selbständigen planen, dieses Jahr ihre Investitionen zu erhöhen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des deutschen ifo Instituts. Im November 2025 hatten nur 18 Prozent der Befragten vor, im Jahr 2026 mehr zu investieren. „Die Investitionsbereitschaft legt leicht zu, doch für einen nachhaltigen Aufschwung brauchen Selbständige verlässliche und planbare Rahmenbedingungen“, sagt Katrin Demmelhuber, Expertin beim Münchner ifo-Instituts.
Investitionspläne der Selbständigen hinter übriger Wirtschaft
Knapp die Hälfte der Einpersonen-Unternehmer:innen (EPU) und Kleinstunternehmen (47 Prozent) plant, in diesem Jahr im gleichen Umfang zu investieren wie im Vorjahr. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die vorhaben, ihre Investitionen 2026 zu kürzen, von 36 auf 32 Prozent gesunken. „Trotz der leichten Verbesserung bleiben die Investitionspläne der Selbständigen hinter der übrigen deutschen Wirtschaft zurück“, so Demmelhuber. Dort planen aktuell über 28 Prozent der Unternehmen, ihre Investitionstätigkeit auszuweiten.Probleme bei Einschätzung der künftigen Geschäftsentwicklung
Während sich die Investitionsbereitschaft also leicht verbessert hat, zeigt sich beim Geschäftsklima ein anderes Bild : Anders als die Investitionserwartungen haben sich die Geschäftserwartungen der Selbständigen im März stark eingetrübt. Sie sanken von minus 15 auf minus 26 Punkte. Die Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften ließ wiederum ebenso etwas nach. Gleichzeitig nahm die Unsicherheit unter den EPUs und Kleinstunternehmen zu. Aktuell haben 36 Prozent Schwierigkeiten, ihre künftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen (nach 32 Prozent im Vormonat).Die schwierige Rolle der Banken im Wirtschaftskreislauf
Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass geplante Investitionen tatsächlich umgesetzt werden, ist die Finanzierung. Dabei spielt der Kreditzugang eine wichtige Rolle : Im Vergleich zum vorhergehenden Quartal ging hier der Anteil der Selbständigen, die Schwierigkeiten meldeten, deutlich zurück (von rund 48 Prozent auf knapp 35 Prozent). Auch in der Gesamtwirtschaft nahm diese Quote ab. Der Anteil der Befragten, die überhaupt Kreditverhandlungen führen, blieb bei den Selbständigen mit zehn Prozent eher gering und wesentlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft mit 26 Prozent, so die Erhebungen des ifo-Instituts. (red/cc)Das Einkommen von Bürgermeistern in Niederösterreich

Wie viel Bürgermeister in Österreich verdienen, hängt von vielen Faktoren ab. Der niederösterreichische Wirtschaftspressedienst hat sich Daten vom Österreichischen Gemeindebund angesehen und nun für Niederösterreich eine aktuelle Analyse erstellt.
Was Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Österreich monetär verdienen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Ein zentraler Punkt sind etwa die Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes. Ein anderer ist die Einwohnerzahl und Art der Ortschaft. Es gibt Dörfer, Marktgemeinden, Städte oder Statutarstädte, der die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister vorsteht.
Ein Schlüssel ist, dass je mehr Einwohner die Ortschaft hat, desto höher das Bürgermeistergehalt ausfällt. In Niederösterreich liegt die Spanne mit Stand Jänner 2026 zwischen 4.035 Euro und 10.200 Euro brutto pro Monat. Eventuelle Sonderzahlungen bleiben dabei unberücksichtigt. Diese Zahlen hat der NÖ Wirtschaftspressedienst einer Datenzusammenstellung des Österreichischen Gemeindebundes entnommen.
Von brutto 4.035 bis 10.200 Euro monatlich
In die höchste Gehaltsstufe bei über 20.000 Einwohner mit 10.200 Euro brutto fallen in Niederösterreich sieben Gemeinden. Das sind die drei größten Städte St. Pölten, Wiener Neustadt und Klosterneuburg sowie Krems, Baden, Mödling und Amstetten. Je nach Bevölkerungsgröße geht es dann stufenweise bergab. In Gemeinden von 15.001 bis 20.000 Einwohner erhalten die Bürgermeister:innen 8.519 Euro brutto pro Monat ; von 10.001 bis 15.000 Einwohner sind es 8.070 Euro und bei 5.001 bis 10.000 Einwohner sind es 6.837 Euro.
In den niederösterreichischen Gemeinden mit 3.501 bis 5.000 Einwohnern erhalten die Ortscheffinnen und ‑chefs über 5.940 Euro brutto pro Monat, von 2.501 bis 3.500 Einwohner über 5.380 Euro und von 1.001 bis 2.500 Einwohner über 4.707 Euro. Unter 1.000 Einwohner im Ort liegt der Bürgermeisterverdienst in Niederösterreich Angaben zufolge immer noch bei 4.035 Euro brutto und je Monat. (NOe Wirtschaftspressedienst/red)
Weiter steigender Kokainkonsum in Österreich

EU-Bericht 2025 zum abwasserbasierten Drogenmonitoring veröffentlicht. Analyse für Österreich von Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Med Uni Innsbruck zeigt gleichbleibende Trends mit Cannabis als am häufigsten konsumierte Substanz und weiter steigenden Verbrauch von Kokain.
Das abwasserbasierte Drogenmonitoring in europäischen Städten dient zur Darstellung von Vergleichen und Trends beim Drogenkonsum auch über Ländergrenzen hinweg. Auf der Basis werden sodann gesundheitspolitische Strategien erarbeitet, evaluiert und etwaig angepasst. Für den aktuellen Drogenbericht der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) wurden im Jahr 2025 europaweit die Abwässer von insgesamt 131 Städten und Regionen untersucht, darunter 18 Kläranlagen von insgesamt 190 Gemeinden in Österreich.
Narkosemittel Ketamin neu im Monitoring-Programm
Für Österreich erstellt die Analyse das Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Medizinischen Universität Innsbruck. „Österreich liefert vierzehn Prozent aller europäischen Datensätze“, berichtet Herbert Oberacher, Leiter des Abwasserlabors am GMI der Med Uni Innsbruck. Mit den 18 Regionen werden nahezu 40 Prozent der Bevölkerung erreicht. Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck sind die einwohnerstärksten Regionen. Dort werden bezogen auf die Gesamtfracht die größten Drogenmengen im Abwasser beobachtet.
Untersucht wurden die Konsummarker (Anm. Drogen bzw. deren Stoffwechselprodukte) der Suchtgifte Tetrahydrocannabinol (THC, Wirkstoff in Cannabis), Kokain und Amphetamin (Wirkstoff in Speed), weiters 3,4‑Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Wirkstoff in Ecstasy) und Methamphetamin (Wirkstoff in Crystal Meth), sowie Alkohol und Nikotin. Neu im Programm ist das Monitoring von Ketamin, ein dissoziatives Anästhetikum aus der Human- und Tiermedizin.
Regionale Unterschiede und zeitliche Trends
„Eine Einwohnerin bzw. ein Einwohner aus einer der 18 untersuchten Regionen in Österreich trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein, raucht drei bis vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund zwei Milligramm an aufputschenden Drogen“, erklärt Herbert Oberacher. „Somit werden in Österreich täglich mehrere hundert Kilogramm an verbotenen Drogen konsumiert und Umsätze in Millionenhöhe erzielt“, so seine Einschätzung.
Als besondere Stärke des abwasserbasierten Drogenmonitorings gilt die Möglichkeit des Vergleichs unterschiedlicher Regionen. So ergab die Analyse, dass der Pro-Kopf-Konsum an Alkohol und Nikotin innerhalb Österreichs relativ einheitlich ist. Bei den verbotenen Drogen bietet sich ein weniger homogenes Bild : In allen Regionen war Cannabis die dominierende Droge, wobei der Konsum im urbanen Raum höher als in ländlichen Gegenden ist. Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Cannabis verzeichnete auch im Jahr 2025 Wien.
Österreich im europäischen Mittelfeld
Unter den Stimulanzien ist Kokain die umsatzstärkste Droge. In Westösterreich wird Kokain pro Kopf in größeren Mengen konsumiert als in Ostösterreich. Kufstein verzeichnete wie schon in den vergangenen Jahren den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Bei Amphetaminen (Speed) und Methamphetamin (Crystal Meth) lässt sich wiederum ein Ost-West-Gefälle erkennen. Die größten Konsummengen bei Amphetamin ließen sich in Guntramsdorf und Ried im Innkreis nachweisen, bei Metamphetamin (Crystal Meth) führen Wien und Wiener Neustadt.
Auch der MDMA (Ecstasy) Konsum scheint in urbanen Regionen höher zu sein als im ländlichen Raum. „Obwohl in einzelnen Regionen vergleichsweise hohe Pro-Kopf-Frachten beobachtet wurden, bewegt sich der Drogenkonsum in Österreich im europäischen Vergleich insgesamt im Mittelfeld“, resümiert Oberacher. Anhand der Abwasseranalyse lassen sich auch Konsummuster erkennen : So wurden in vielen Regionen am Wochenende höhere Alkohol‑, Kokain- und MDMA-Umsätze als an Wochentagen festgestellt, was für deren Verwendung als „Partydrogen“ spricht.(red/laucz)
Überleben als Frage des Geschlechts

Bei simuliertem Herz-Kreislaufstillstand und folgender Wiederbelebung zeigen sich Nachteile bei weiblichen Puppen. Aktuelle Studie der Med Uni Innsbruck bestätigt hier internationale Studien. Frauen werden generell seltener reanimiert und haben deshalb geringere Überlebenschancen.
Bei simulierten Reanimationen nach einem Herz-Kreislaufstillstand beeinflusst das „Geschlecht“ einer Übungspuppe die Qualität deutlich. Bei einer Herzdruckmassage erzielten Ersthelfer:innen bei der männlichen Puppe im Durchschnitt 80 Punkte, bei der weiblichen nur 70 von 100 möglichen Punkten. Das sind Ergebnisse der Studie „Basic Life Support – Durchführung von kardiopulmonalen Wiederbelebungsmaßnahmen unter Berücksichtigung von Diversitätsaspekten“. Die Studie wurde mit 164 Teilnehmenden unter der Leitung des Instituts für Diversität in der Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt.
Bei Reanimation vollständige Entkleidung vorschriftsmäßig
„Die Studienteilnehmenden sollten alleine eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Dabei fanden sie einmal die herkömmliche männliche Simulationspuppe vor und einmal eine Puppe, die wir mit Perücke, BH und Silikonbrüsten präpariert haben“, erklärt Jakob Stähr, gemeinsam mit David Ortner und Fabio Rützler Diplomand an der Med Uni Innsbruck. „Bei der Wiederbelebung gibt es zwischen Mann und Frau medizinisch keinen Unterschied – gedrückt wird in der Mitte des nackten Brustkorbs, fest und schnell“, ergänzt Benjamin Treichl, Oberarzt an der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Innsbruck.
„Auch bei Frauen soll niemand aus Unsicherheit oder falscher Rücksichtnahme zögern. Es gilt : Bewusstsein und Atmung kontrollieren, wenn diese fehlen den Notruf veranlassen oder selbst absetzen und dann ohne Zögern wiederbeleben. 30 Mal Herzmassage, zwei Mal Atemspende im Wechsel“, so Treichl. Unsicherheit wurde bei der Innsbrucker Studie allerdings häufig beobachtet. „Bei der weiblichen Reanimationspuppe starteten viele Teilnehmende die Reanimation ohne die vorschriftsmäßige vollständige Entkleidung, vor allem, wie sie mit dem BH umgehen sollen, war vielen unklar. Den BH sollte man vollständig entfernen oder aufschneiden“, erläutert Fabio Rützler.
Befürchtung von Vorwürfen des sexuellen Übergriffs
„Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit internationalen Studien“, sagt Sabine Ludwig, Direktorin des Instituts für Diversität in der Medizin. Sie hat die Studie initiiert und leitet sie. Ludwig verweist auf eine Studie aus den USA, wonach Frauen eine 14 Prozent geringere Chance hatten, in der Öffentlichkeit reanimiert zu werden – und in der Folge auch verminderte Überlebenschancen. „Als ein Grund wird vermutet, dass die helfenden Personen wegen der Berührung der weiblichen Brust den Vorwurf des sexuellen Übergriffs fürchten“, erläutert Ludwig. „Auch in unserer Studie empfanden männliche und auch weibliche Teilnehmende das Freilegen der Brust bei der weiblichen Puppe als unangenehmer.“
Verglichen wurden auch die Ergebnisse von Studienteilnehmenden ohne Vorerfahrung in der Reanimation mit jenen, die etwa als Rettungssanitäter ausgebildet wurden. „Die Vorerfahrenen erzielten im Durchschnitt deutlich bessere Ergebnisse bei der Wiederbelebung als die Unerfahrenen, sowohl bei der weiblichen als auch bei der männlichen Puppe“, so David Ortner. „Aber auch jene mit Vorerfahrung zeigten einen deutlichen Leistungsabfall von der männlichen auf die weibliche Puppe“. Bei der männlichen Puppe erreichten vorerfahrene Studienteilnehmer im Durchschnitt 87 von 100 Punkten für die Herzdruckmassage, bei der weiblichen Puppe waren es nur 75 Punkte.
Herz-Kreislaufstillstand keine geschlechtsneutrale Erkrankung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen weltweit für Frauen und Männer die häufigste Todesursache dar, eine besonders folgenreiche Form ist der plötzliche Herzstillstand. „Ein Herz-Kreislaufstillstand trifft Männer und Frauen, ist aber keine geschlechtsneutrale Erkrankung“, betont Barbara Sinner, Direktorin der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Innsbruck. „Die Ursachen sind bei Frauen per se ungünstiger als bei Männern, sie liegen etwa an Herzinsuffizienz, und der initiale Rhythmus ist meist nicht-schockbar, was die Prognose deutlich verschlechtert. Genau aufgrund dieser schlechteren Startchancen müssen Frauen unbedingt und konsequent wiederbelebt werden“, betont die Intensivmedizinerin.
„Geschlechterunterschiede wurden in Erste-Hilfe-Kursen und in der Ausbildung von Fachpersonal bisher zu wenig berücksichtigt“, ortet auch Sabine Ludwig Nachholbedarf. „Wir sehen, dass es nicht reicht, nur mit männlichen Puppen zu trainieren. Mit der korrekten Handposition hatten die Teilnehmenden bei der weiblichen Puppe zum Beispiel größere Probleme, auch die Kompressionsqualität und die Drucktiefe waren mangelhaft im Vergleich zur männlichen,“ so die Expertin für Diversität in der Medizin. An der Med Uni Innsbruck werden deshalb zukünftig auch weibliche Puppen zum Einsatz kommen.
Gleiche Überlebenschancen für Frauen als gemeinsame Zielsetzung
„Die Ergebnisse der Studie der Medizinische Universität Innsbruck bestätigen, dass es bei der Wiederbelebung von Frauen Unsicherheiten gibt – selbst bei ausgebildetem Personal“, erklärt Andreas Karl, Geschäftsführer Rotes Kreuz Tirol. „Deshalb schärfen wir nach, etwa indem die weibliche Wiederbelebung explizit in die bundesweite Lehrmeinung aufgenommen wird. Zudem investieren wir in deutlich diverseres Übungsmaterial und verstärken die Aufklärung über geschlechterspezifische Herzinfarktsymptome“, so Karl. „Unser klares Ziel ist, dass Frauen im Notfall genauso rasch, selbstverständlich und in derselben Qualität wiederbelebt werden wie Männer.“
„Die Studien sind ein Weckruf : Die Medizin orientiert sich noch immer zu stark am Mann – mit spürbaren Folgen für Frauen“, sagt Cornelia Hagele, Gesundheitslandesrätin in Tirol. „Mein Dank gilt der Medizinischen Universität Innsbruck und allen Partner:innen, die konsequent handeln und Bewusstsein für weibliche Reanimationspuppen schaffen. Denn wir haben ein Ziel : gleiche Überlebenschancen für Frauen. Auch das Land Tirol setzt mit seiner Frauengesundheitsstrategie Schritte für mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Bereichen Prävention, Ausbildung und Versorgung.“ (red/laucz)
Pyjama oder Krawatte

Gekommen, um zu bleiben war und ist die Heimarbeit spätestens seit der Corona-Pandemie. Chefs und Mitarbeitende debattieren seither, ob die Arbeit zu Hause genauso gut und vor allem dauergleich passiert wie im Büro. Meinungsforscher von Integral haben dazu nun im Auftrag von Immobilienrendite AG eine umfassende Studie erstellt.
Im Home-Office kann genauso gut und auch von der gleichen Dauer her gearbeitet werden wie am Firmensitz des jeweiligen Arbeitgebers. Seit Jahren diskutieren Arbeitgebende und Angestellte darüber, ob das zutrifft – oder eben nicht. Das Unternehmen Immobilienrendite wollte das genauer wissen und hat das Meinungsforschungsinstitut Integral mit einer entsprechenden Erhebung beauftragt. Letzten Februar wurden Angaben zufolge 639 heimische Berufstätige zwischen 16 und 75 befragt.
Bürojobs stehen für den läutenden Wecker, wenn es draußen noch dunkel ist oder für gut gefüllte öffentliche Verkehrsmittel und verlässliche Stauabschnitte am Fahrtweg. Danach lockt dafür dann spannender Kaffee-Klatsch mit Kolleginnen und Kollegen in der Büro-Lounge. Heimarbeiter:innen hingegen schlafen entspannt aus und rollen, sofern kein Online-Meeting ansteht, unfrisiert im Jogginganzug vor den Computer. Soweit das Klischee. Alle Jobs eignen sich allerdings nicht für dieArbeitin den eigenen vier Wänden.
Problemlösung funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office
Die Möglichkeit, zumindest zeitweise daheim zu arbeiten, hat laut der repräsentativen Integral-Umfrage im Schnitt jeder zweite Befragte. Je jünger, desto eher. Bei den 16- bis 29jährigen werken 60 Prozent zum Teil in der eigenen Wohnung. Oberösterreich und Salzburg haben bei der Digitalisierung die Nase vorn.
Hier genießen sogar 61 Prozent einen Job mit Home-Office-Anschluss. Unterschiede gibt es auch in punkto Ausbildung : Während 67 Prozent der Befragten mit Matura oder Uniabschluss „remote“ arbeiten können (Anm. primär leitende Beamte) können das 64 Prozent der Menschen in Fach- oder Hilfsarbeit mit Pflichtschule bzw. Lehre nicht.
Auf Anfragen den Job betreffend können alle reagieren. Integral fragte dann auch ab, wie Menschen ein Problem im (Home-) Office lösen. „Die Lösung eines Problems im beruflichen Kontext funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office“, so Petra Starecek, Studienleiterin bei Integral. Trotz aller Bequemlichkeit des Heim-Büros hat das echte einen Startvorteil.
Häufigkeit der Kommunikation nimmt mit Entfernung ab
Treten im Büro Probleme auf, ist die Lösung nie weit entfernt. 57 Prozent finden Hilfebei in der Nähe befindlichen Kollegen oder Vorgesetzten.Nur jede/r Fünfte bewältigt das Problem hingegen allein. Und nur 17 Prozent via Zoom- oder Teams-Meeting. Bei einer Krise ist Anwesenheit eindeutig von Vorteil. Obwohl TelefonoderE-Mail auch im Büro zum Greifen nah sind, sehen hier 45 Prozent keine adäquate Lösungsstrategie.
Thomas J. Allen, Professor am Massachusetts Institute of Technology, entdeckte schon in den 1970er Jahren, dass die Häufigkeit der Kommunikation zwischen Ingenieuren exponentiell abnimmt, je weiter sie physisch voneinander entfernt sind. Seine Forschung wurde als „Allen Curve“ berühmt und bestätigt den Wert physischer Nähe.
Kreativere Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt
„Wie auch die Integral-Umfrage zeigt, macht es einen Unterschied, wie weit jemand gehen muss. um eine/n Problemlöser:in zu finden“, sagt Mathias Mühlhofer, Vorstand Immobilienrendite. 43 Prozent fragen hier ihre direkten Sitznachbarn um Rat (und bekommen ihn). 49 Prozent sind bereit, für Hilfe ein paar Zimmer weiter zu gehen. Aber nur acht Prozent konsultieren Kollegen oder Vorgesetzte, die einige Gehminuten entfernt sitzen.
„Amazon, Google & Co. haben bewusst die Rückkehr ins Büro eingeläutet. Die großen Tech-Firmen stellten bereits fest, dass Angestellte daheim berufliche Probleme weniger effizient lösen als in einer Büro-Gemeinschaft“, erklärt Mühlhofer. „Dasselbe sehen wir bei der Zusammenarbeit in unserem Team, denn bei Projekten denken wir gerne um die Ecke. Die kreativeren Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt und nicht einsam auf dem Sofa daheim“, so Mühlhofer.
Steigende Anfragen nach Büros belegen Trend
Was aber tun im Heim-Büro, wenn der Gang zum Nachbar-Schreibtisch keine Option ist ? Laut Umfrage wählen sie die im Vergleich zum Büro nur zweitbeste Strategie zur Problemlösung. 76 Prozent rufen Kollegen oder Vorgesetzten an oder schreiben ihnen eine Nachricht. 43 Prozent suchen Hilfe in Suchmaschinen, vor allem Männer (53) und Selbständige (66 Prozent). 22 Prozent verschieben die Krisen-Bewältigung auf einen Tag im Büro und 20 Prozent versuchen es über Künstliche Intelligenz (KI).
Immerhin fünf Prozent konsultieren sogenannte Experten in den Social-Media-Communities von X, Bluesky & Co.. „Auch unsere steigenden Anfragen nach Büros zeigen deutlich, dass das Office zu einem kräftigen Comeback ansetzt“, unterstreicht Markus Augenhammer, ebenso Vorstand des Unternehmens Immobilienrendite AG. „Unsere Mieterinnen und Mieter wissen, dass Gemeinschaft nicht zu schlagen ist, wenn Kreativität und Lösungskompetenz gefragt sind.“ (red/czaak)
Das selbstverständlich anerkannte Potential

Frauen beweisen täglich ihre Kompetenz in Management und Führung von Unternehmen und Institutionen. Die Agentur Himmelhoch hat anlässlich des Weltfrauentages mehrere weibliche Stimmen aus unterschiedlichen Branchen gesammelt und sie um ihre Sichtweise zu Gleichberechtigung, Rollenverständnis und Arbeitsleben gebeten.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März geben Frauen aus verschiedenen wirtschaftlichen und institutionellen Bereichen Einblicke in ihre Erfahrungen rund um Gleichberechtigung, Rollenbilder und strukturellen Wandel im Arbeitsleben. „Ihre Statements zeigen, wo wir stehen, was sich bereits bewegt hat – und wo es noch Veränderung braucht“, so Angelika Deuretzbacher von der Kommunikationsagentur Himmelhoch in Wien.
Duale Führungskonzepte und familienfreundliche Führung
Für das Thema Technologie, Innovation und damit verbundene Dienstleistungen steht das Unternehmen Wien IT und Maria-Stephanie Banke, Bereichsleiterin Künstliche Intelligenz, Business Intelligence und Data : „Um wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen, ist eine Führungskultur, die auf Partnerschaftlichkeit und Gleichberechtigung setzt, unabdingbar. Sie fördert die Akzeptanz und Unterstützung von Elternzeit und Familienpflichten für beide Geschlechter“.
Banke weiter : „Insbesondere teilzeitarbeitende Personen können durch duale Führungskonzepte und familienfreundliche Führung eher Führungspositionen übernehmen, ohne die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu gefährden. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten und geteilte Führungsverantwortung — so wie wir es in der WienIT vorleben.“ WienIT ist Tochterunternehmen und zentraler IT & Business Partner der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Mehr als 900 Mitarbeiter:innen beraten, entwickeln und betreiben konzernweit die IT-Infrastruktur für die Wiener Linien, Wiener Lokalbahnen, Wiener Netze, Wien Energie, Bestattung & Friedhöfe, immOH!, GSWG und WIPARK.
Strukturelle Hürden überwinden und Leistungen sichtbar machen
Für den Bereich Wohnen, Bau und Immobilien steht das Unternehmen s REAL und Martina Hirsch als Geschäftsführerin : „Mit Mentoring bringen wir die Gleichberechtigung in der Immobilienbranche voran. Nachwuchstalente erhalten von ihren Mentor:innen nicht nur fachliches Wissen und praktische Erfahrung, sondern auch Zugang zu beruflichen Netzwerken. Insbesondere Frauen haben so die Chance, strukturelle Hürden zu überwinden und ihre Leistungen sichtbar zu machen“.
Hirsch weiter : „Eine Karriere in der Immobilienbranche ist sehr attraktiv und daher arbeite ich als Geschäftsführerin bei s REAL und als Vorständin im Salon Real daran, diese auch immer mehr Frauen möglich zu machen.“ s REAL unterstützt Menschen in allen Fragen rund um das Thema Immobilien. Als Vorständin des Frauennetzwerkes Salon Real setzt sich Martina Hirsch auch für die Nachwuchsförderung ein.
Wachstum durch engagierte, weibliche Mitarbeiterinnen
Eine langjährig bekannte Marke im Bereich Auto und KFZ-Handel ist das Unternehmen RAINER KFZ bzw. die RAINER-Gruppe. Stephanie Ernst verantwortet die Geschäftsführung : „Ich bin in der Automobilbranche aufgewachsen, die von vielen immer noch als männerdominierte Branche wahrgenommen wird. Bei der RAINER Gruppe ist dies schon seit Beginn an anders. Durch unsere familienfreundliche Unternehmensphilosophie liegt der Frauenanteil bei fast 50 Prozent. Unser stetiges Wachstum im KFZ-Bereich verdanken wir zu einem guten Teil unseren engagierten, weiblichen Mitarbeitern.
Ernst weiter : „Die Förderung und Weiterbildung von Mädchen und Frauen in technischen Berufen ist uns ein besonderes Anliegen. Jungen Frauen, die in unserer Branche durchstarten wollen, sind bei uns immer willkommen. Es gilt : Keine Scheu zeigen — einfach machen.“ Der Ursprung der RAINER Gruppe geht zurück ins Jahr 1959 als Inge und Burkhard Ernst das erste Autohaus in der Rainergasse im 4. Wiener Gemeindebezirk gründeten. Die heute von den Familien Ernst und Lemberger geführte Gruppe umfasst neben dem KFZ-Bereich mehrere Hotels, Immobilien , eine Hausverwaltung, Bauträger- und Projektentwicklungsbetriebe sowie eine Filmproduktion.
Talent, Leidenschaft und Führungsstärke kennen kein Geschlecht
Das Unternehmen J. Hornig Kaffeebar in Wien steht für die Produktion und den Handel von hochwertigem Kaffee. Barbara Bauer ist die Geschäftsführerin : „Die Kaffeebranche ist noch immer stark männlich geprägt – dabei braucht gutes Handwerk Vielfalt. Der Weltfrauentag erinnert daran, dass Talent, Leidenschaft und Führungsstärke kein Geschlecht kennen. Umso wichtiger sind Sichtbarkeit, gegenseitige Unterstützung und Netzwerke, die Frauen ermutigen, ihren Platz in der Branche einzunehmen und aktiv mitzugestalten.“
Barbara „Barbie“ Bauer ist seit 2017 Geschäftsführerin der J. Hornig Kaffeebar in Wien. Sie ist ausgebildete Kaffeerösterin und Barista und engagiert sich seit Jahren für mehr Gleichstellung in der Kaffeebranche. Mit der Gründung des Kollektivs „she brews collective“ für Frauen im Kaffeehandwerk schafft sie Räume für Austausch, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung in einem nach wie vor männerdominierten Umfeld.
Gebildete Mädchen treffen bessere Entscheidungen
Cornelia Wallner-Frisee wiederum ist Präsidentin der Hilfsorganisation Africa Amini Alama : „Frauen sind die stillen Kräfte, die Gemeinschaften stärken. Ihre Stärke und ihr Wissen prägen die Zukunft. Wenn Mädchen Bildung, Selbstvertrauen und die Möglichkeit bekommen, neue Wege zu gehen, profitieren nicht nur sie selbst – sondern ganze Generationen. Gebildete Mädchen treffen bessere Entscheidungen für ihre Gesundheit, ihre Familie und ihre Gemeinschaft – so prägen sie das Leben ihrer Umgebung nachhaltig“.
Die Hilfsorganisation Africa Amini Alama umfasst eine Krankenstation, Bildungs‑, Sozial- und Gesundheitsprojekte, Schulen, ein Waisenhaus und vier Wasserprojekte in Tansania. Finanziert werden die Projekte durch Spenden, eigene finanzielle Mittel, viele Helfer:innen und das nachhaltige Tourismusprojekt Africa Amini Life.
Bildung als Schlüssel für Selbstbestimmung und Chancengleichheit
Beim Industrieunternehmen S. Spitz verantwortet Stefanie Rieder den Bereich Logistik:„Die Industrie braucht Frauen. Nicht als Quote, sondern als entscheidenden Erfolgsfaktor. In der Logistik ist kein Tag wie der andere : Schnelligkeit, Veränderung, Verantwortung und konsequente Führungsarbeit prägen meinen Alltag. Bei Spitz schätze ich das Vertrauen, Entscheidungen treffen zu dürfen, die Möglichkeit, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und Rahmenbedingungen vorzufinden, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern“.
Rieder weiter : „Bildung ist für mich der Schlüssel für Selbstbestimmung und für Chancengleichheit. Nur in einem Wirtschaftsumfeld mit echter Chancengleichheit zählt Leistung anstatt klassischer Rollenbilder.“ Stefanie Rieder verantwortet als Head of Logistics die Bereiche Wareneingang, Warenausgang und Logistikoperations. Ihr Werdegang verdeutlicht, wie die Spitz Unternehmensgruppe Talente fördert und Frauen in technischen und operativen Schlüsselbereichen erfolgreich positioniert und Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schafft.
Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven und Räume für Austausch
Karoline Klezl ist Geschäftsführerin der Restaurants und Kaffeehäuser der Familie Querfeld:„Als Mutter zweier Kinder und Geschäftsführerin ist es mir wichtig, dass wir kulturelles Erbe nicht bewahren, um es zu konservieren, sondern um es weiterzudenken und für kommende Generationen relevant zu halten. Wir entwickeln unsere Restaurants und Kaffeehäuser zu offenen Orten weiter, an denen Dialog und Vielfalt Platz haben“.
Klezl weiter : „Mit der Initiative Stadtfrau schaffen wir Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven und eröffnen Räume für Austausch über Vereinbarkeit, Leadership und die Frage, wie wir die Gegenwart und Zukunft gemeinsam gestalten wollen.“ Die Familie Querfeld betreibt neben Café Landtmann, Café Mozart und Café Museum eine Reihe weiterer Gastronomiebetriebe in Wien : das Bootshaus an der Alten Donau, das Crossfield’s Australian Pub sowie Landtmann’s Original Café & Tortenshop in Alterlaa und das Gasthaus Napoleon in Kagran. (red/czaak)
Resilienzgesetz für kritische Infrastruktur

Nach Cybersicherheitsvorgaben im Rahmen der neuen NIS-2-Richtlinie nun auch Start des neuen Resilienz-Gesetzes für kritische Einrichtungen. Regularien betreffen elf zentrale Sektoren. Fokus auf Absicherung gegen physische Bedrohungen und Betriebskontinuität in Krisenfällen.
Schon die geopolitischen Kriegsereignisse rund um die Ukraine schärfen das Bewusstsein für die Absicherung von kritischer Infrastruktur und ihre verantwortlichen Betreiber. Jetzt unterstreicht der Krieg im Nahen Osten die Thematik noch mehr. Strom, Trinkwasser, Krankenhäuser, Zahlungsverkehr oder digitale Netze – viele dieser systemkritischen Leistungen werden den Menschen erst dann bewusst, wenn sie ausfallen.
Umfassende Risikoanalyse des Innenministeriums
Mit dem neuen (und sogenannten) Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz (RKEG) schafft Österreich nun einen klaren gesetzlichen Rahmen, um genau solche Ausfälle zu verhindern oder ihre Auswirkungen deutlich zu reduzieren. Das bereits gültige Gesetz (Anm. seit 1.März) setzt die entsprechende EU-Richtlinie in nationales Recht um. Betroffen sind elf zentrale Sektoren : Energie, Gesundheit, Ernährung, Banken, Finanzmärkte, Transport, Raumfahrt, Trinkwasser, Abwasser, digitale Infrastruktur und die Verwaltung. Ziel ist sicherzustellen, dass diese Dienste auch in Krisensituationen weiter funktionieren.
Die nationale Strategie in Österreich definiert einen klaren Rahmen, der auf einer umfassenden Risikoanalyse des Innenministeriums basiert und regelmäßig überprüft wird. Dieses Fundament dient als einheitliche Grundlage für Österreichs strategische Resilienzplanung, bietet kritischen Einrichtungen Orientierung für ihre eigenen Risikoanalysen (§ 14) und bildet die Basis für sektorübergreifende Maßnahmen.
Unterschied zu NIS‑2 Regeln und Strafhöhen bis 500.000 Euro
Dazu gehört etwa auch die Betrachtung von Versorgungsketten oder wechselseitigen Abhängigkeiten. Naturgefahren sind ebenso berücksichtigt wie technische Störungen, absichtliche Angriffe oder internationale Abhängigkeiten. Bei Verstößen gegen das RKEG drohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bei grundlegenden Verstößen, bis zu 100.000 Euro bei Wiederholung und bis zu 500.000 Euro in schwerwiegenden Fällen.
In der öffentlichen Diskussion steht derzeit vor allem die Umsetzung der NIS2-Richtlinie im Fokus. NIS2 regelt europaweit die Cybersicherheit von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen und verpflichtet diese zu hohen IT-Sicherheitsstandards, klaren Meldepflichten und Governance-Vorgaben. Das Risikoverständnis des RKEG geht darüber jedoch deutlich hinaus. Während NIS2 primär auf digitale Risiken abzielt, betrachtet das Resilienzgesetz die Gesamtsicherheit kritischer Einrichtungen.
Enge Zusammenarbeit zwischen RKE-Behörde und Bundesamt für Cybersicherheit
Es umfasst neben Cyberbedrohungen auch physische Sicherheit, bauliche Schutzmaßnahmen, organisatorische Vorsorge, Krisenmanagement und vor allem auch die Wiederherstellungsfähigkeit. Auch die entsprechende Expertise des Personals der Einrichtungen und deren Sensibilisierung und Schulung wird thematisiert. Damit adressiert das Gesetz etwa auch Risiken durch Naturkatastrophen, Sabotage, Versorgungsengpässe oder personelle Schwachstellen.
In der Praxis müssen nun viele Unternehmen, die bereits unter NIS‑2 fallen, künftig zusätzlich die Anforderungen aus dem RKEG erfüllen. Die nationale Strategie sieht deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen der RKE-Behörde im Innenministerium und dem Bundesamt für Cybersicherheit vor. Ziel ist die Vermeidung von Doppelstrukturen und Meldeprozesse so zu gestalten, dass Unternehmen Vorfälle koordiniert an beide Stellen melden können. Damit soll Bürokratie reduziert und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht werden.
Innenministerium entscheidet per Bescheid
„Unternehmen sollten RKEG und NIS2 nicht getrennt betrachten“, sagt Gottfried Tonweber, Leiter Cybersecurity und Partner bei EY Österreich. „Beide Regelbereiche greifen ineinander. Wer Sicherheitsorganisation, Risikomanagement und Meldeprozesse integriert aufsetzt, schafft nicht nur Compliance, sondern echte Stabilität“, betont EY-Experte Tonweber.
Ob ein Unternehmen nun final als „kritische Einrichtung“ eingestuft wird, entscheidet das Innenministerium per Bescheid. Maßgeblich ist unter anderem, ob ein Ausfall erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung oder auf andere wesentliche Dienste hätte. Betroffen sind Organisationen, die zumindest einen wesentlichen Dienst erbringen, und die im Inland tätig sind und ihre Leistungen im Inland erbringen.
Einstufungen bedeuten klare Verpflichtungen
Mit der Einstufung gehen dann klare Verpflichtungen einher. Unternehmen müssen systematisch analysieren, welchen Risiken sie ausgesetzt sind, und auf dieser Basis Resilienzpläne entwickeln. Diese Pläne sollen gewährleisten, dass im Ernstfall rasch reagiert und der Betrieb möglichst schnell wiederhergestellt werden kann. Sicherheitsvorfälle, die die Erbringung eines wesentlichen Dienstes erheblich stören oder stören könnten, sind unverzüglich zu melden, spätestens innerhalb von 24 Stunden.
Eine Folgemeldung muss spätestens einen Monat nach Erstmeldung erfolgen. Für die erstmalige Risikoanalyse bleiben nach Einstufung neun Monate Zeit, für die Umsetzung eines Resilienzplans und entsprechender Maßnahmen zehn Monate. Die Risikoanalyse ist anschließend regelmäßig, mindestens alle vier Jahre, zu aktualisieren. „Die Zeiten, in denen Sicherheit als reine IT-Frage behandelt wurde, sind vorbei“, ergänzt Birgit Eglseer, Senior Managerin bei EY Österreich. „Resilienz ist eine Führungsaufgabe. Sie betrifft Strategie, Organisation, Personal und Lieferketten gleichermaßen“, betont Eglseer.
Nachhaltige Resilienz als Antwort auf eine veränderte Risikolage
Hinter dem Gesetz steht die Erkenntnis, dass kritische Infrastruktur heute stärker vernetzt und komplexer ist als je zuvor. Energieversorgung, digitale Netze, Finanzsysteme und Gesundheitswesen sind eng miteinander verbunden. Ein Ausfall in einem dieser Bereiche kann daher rasch weitreichende Folgen haben. Die nationale Strategie setzt daher auf einen risikobasierten Ansatz, der kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt wird. Spätestens alle vier Jahre erfolgt eine Evaluierung, bei Bedarf auch früher, wenn sich die Risikolage wesentlich ändert.
Für Unternehmen bedeutet das einen strukturellen Wandel. Resilienz wird nicht mehr als punktuelle Maßnahme verstanden, sondern als dauerhafte Managementaufgabe. Gleichzeitig eröffnet das Gesetz die Chance, Sicherheits- und Krisenstrukturen neu zu denken und bestehende NIS2-Programme sinnvoll zu erweitern. „Resilienz schafft Vertrauen bei Kund:innen, Partner:innen und Investor:innen. In einer zunehmend unsicheren Welt wird genau das zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, resümiert Gottfried Tonweber. „Wer seine Abhängigkeiten kennt und klare Krisenstrukturen etabliert, stärkt auch die eigene Organisation“, ergänzt Birgit Eglseer, Senior Managerin bei EY Österreich. (red/czaak)
Etablierte Kunst und junge Positionen in kuratierter Qualität

Kunstmesse WIKAM zeigt im Wiener Palais Ferstel vom 28. Februar bis 8. März zahlreiche Sonderausstellungen. Neben bekannten Namen wie Rainer, Jungwirth und Walde bei Galerie Freller oder Alfred Kornberger bei Galerie Czaak, präsentieren 26 nationale und internationale Galerien einen Schwerpunkt auf Zeitgenössische Malerei und moderne Kunst.
Die Kunstmesse WIKAM im Wiener Palais Ferstel ist seit vielen Jahren eine der führenden Kunstmessen in Österreich. Auch beim kommenden Durchgang vom 28. Februar bis zum 8. März 2026 wird ein vielseitiges Programm geboten. Basis dafür ist ein Messekonzept, das sowohl der modernen Kunst als auch Meisterwerken vergangener Jahrhunderte gewidmet ist und somit viele interessante Genres abdeckt.
26 renommierte Galerien und Kunsthändler aus Österreich, Deutschland und Spanien
26 renommierte Galerien und Kunsthändler aus Österreich, Deutschland und Spanien zeigen ausgesuchte Exponate ihres Portfolios. Das Programm erstreckt sich von Werken aus Japan, Tibet und China des 18. und 19. Jahrhunderts, antiken Teppichen, Mobiliar und exquisiten Silberobjekten namhafter Manufakturen sowie Schmuck und Kleinkunst des Jugendstils und Art Déco über Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu Zeitgenössischer Kunst in den Bereichen Malerei und Skulptur, auch diesmal wieder Schwerpunkt der Kunstmesse.
Sonderschauen mit Alfons Walde, Alfred Kornberger oder Drago Prelog und dazu Lassnig, Jungwirth oder Rainer
Ein Fixpunkt bei der WIKAM sind Sonderausstellungen, die auch diesmal von engagierten Galerien umgesetzt wird. Die Galerie Czaak zeigt eine Sonderschau „The Line“ mit Linienzeichnungen und ‑Malerei von Alfred Kornberger, Gerhard Leixl (Meisterschüler Maria Lassnig) und Ankalina Dahlem (Meisterschülerin Immendorff und Balkenhol). Kunsthandel Widder widmet sich den Aquarellen von Gottfried Salzmann, die Galerie Szaal dem Schaffen Drago Julius Prelog und Kunsthandel Freller präsentiert eine ausgewählte Retrospektive von Alfons Walde sowie Werke von Maria Lassnig, Martha Jungwirth oder Arnulf Rainer, darunter eines der berühmten Kreuz-Bilder .
Museale Qualität von Nitsch, Scheibl, Brandl über Leixl und Prachensky bis Rainer und Walde
Wie gewohnt bei Walter Freller beeindrucken die Arbeiten durch ihre museale Qualität mit einer unverwechselbaren künstlerischen Sprache, die gerade in der Gegenüberstellung eindrucksvoll zur Geltung kommt. Bei Alfons Walde gilt Freller als auch international anerkannter Experte. Die aktuelle Schau beinhaltet 15 Werke aus unterschiedlichsten Schaffensphasen, die einen facettenreichen Einblick in die Vielseitigkeit dieses bedeutenden Künstlers der österreichischen Moderne und Meisters des Tiroler Expressionismus geben.
Gewachsene Anzahl an ausstellenden Galerien mit etablierten Positionen und neuen künstlerischen Impulsen
Das diesjährige große Angebot an zeitgenössischer Kunst entstand durch die deutlich gewachsene Anzahl an ausstellenden Galerien und macht sowohl etablierte Positionen als auch neue künstlerische Impulse sichtbar. Weitere bedeutende Künstler sind etwa noch Hermann Nitsch, Hubert Scheibl, Herbert Brandl, Alfred Kornberger, Gerhard Leixl, Markus Prachensky oder Arnulf Rainer.
Interessante Einzelausstellungen von Adrian Szaal und Thitz
Ergänzend gibt es auch andere interessante Einzelausstellungen, heuer von und mit den Künstlern Adrian Szaal und Thitz. Erstmals auf der WIKAM sind dann noch Arbeiten des griechischen Skulpturenkünstlers Yanni Souvatzoglou sowie des deutschen Bildhauers Willi Siber ausgestellt, deren Kunst ebenso bereits in Museen vertreten ist. Die Galerie Lilly´s Art präsentiert von Yanni Souvatzoglou die 193 cm hohe Bronze „Looking in the Future“, bei Coloneum Antik wird das „Tafelobjekt Silber“ mit einem signierten Unikat von Willi Siber ausgestellt.
Programmvielfalt mit einer Laufzeit von neuen Tagen insbesondere auch für Besucher aus Bundesländern
„Die Kunstmesse WIKAM ist mit ihrem umfassenden Konzept ein besonderes Erlebnis. Eine epochenübergreifende Vielfalt und ein Mix an etablierten Künstler:innen mit Werken in musealer Qualität sowie junge aufstrebende Künstler:innen sind Programmschwerpunkte, die sowohl Sammler wie auch ein junges kunstinteressiertes Publikum ansprechen“, sagt Horst Szaal, Veranstalter der Kunstmesse WIKAM. „Wir möchten diese Programmvielfalt auch unseren Besuchern bestmöglich vermitteln und bieten eine Messe-Laufzeit von neun Tagen. Im Vergleich zu anderen Kurzmessen können so insbesondere auch Besucher aus den Bundesländern aus zwei Wochenenden wählen“, so Szaal.
Kunstmesse WIKAM
Kunstmesse WIKAM vom 28. Februar bis 8. März 2026 ; Palais Ferstel, Strauchgasse4 in 1010 Wien ; Öffnungszeiten täglich von 11.00 bis 19.00 Uhr, am Sonntag, den 8. März von 11.00 bis 18.00 Uhr. Tageskarten EUR 15,-, Senioren EUR 10,-, freier Eintritt für Schüler und Studierende (mit Ausweis, bis 27 Jahre) und Inhaber der NÖ-Card. Die Messe wird vom Verband der Österreichischen Antiquitäten- und Kunsthändler veranstaltet. (red/cc)
Maßnahmen gegen Abhängigkeiten von Social Media

Arbeiterkammer fordert Verbot von suchtfördernden Funktionen auf Social Media Plattformen nach aktuellen Studienergebnissen zu Addictive Design bei TikTok und Instagram. Weitere Forderung betrifft Überprüfung Altersfeststellung und Sammeln von sensiblen Daten.
Eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) hat kürzlich Apps der Social Media Plattformen TikTok und Instagram mit einem wissenschaftlich fundierten Ampel-System untersucht und bewertet (economy berichtete). Im Ergebnis zeigt sich, dass Funktionen wie „Infinite Scroll” (Anm. Endloses Scrollen), “Auto-Play“, „Streaks“ („Nutzungszwang“), „Pull-to-Refresh“, „Push-Notifications“ oder „Likes“ Bestandteile von gezielt eingesetzten manipulativen Strategien sind. Bei den jugendlichen Nutzer:innen wird damit ein Kontrollverlust mit suchtgleichen Abhängigkeiten ausgelöst.
Systematisch auf Kontrollverlust abzielende Praktiken
Experten fassen das unter dem Begriff „Addictive Design“ zusammen. „Das sind gezielt eingesetzte manipulative Strategien, die suchtähnliches Verhalten zur Folge haben“, sagte Louise Beltzung von der Abteilung Konsumentenpolitik der AK. „Erklärtes Ziel ist, die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen mit psychologischen Tricks möglichst lange an die Plattform zu binden. Diese App-Elemente sind kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell“, unterstrich Beltzung von der AK bei der Präsentation der Studie.
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie, von Dating-Apps über Fitness-Tracker bis zu Online-Shops“, ergänzt Laura Wiesböck, Studienautorin vom Institut für Höhere Studien (IHS). „Wo es um die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen als Geschäftsmodell geht, gibt es Praktiken, die systematisch auf Kontrollverlust abzielen“, betont Laura Wiesböck vom IHS (economy brachte die Zitate von Louise Beltzung und Laura Wiesböck bereits im Bericht zur Studie).
Nutzung von ID-Austria bedeutet Klarnamenpflicht und würde staatliche Überwachung ermöglichen
Alle Bemühungen, zumindest Kinder unter einem bestimmten Alter vor Addictive Design zu schützen, indem man ihnen den Zugang zu bestimmten Plattformen verweigert, scheitern ohne funktionierende Altersfeststellung. Eine weitere neue AK-Studie des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beschäftigt sich mit dem Thema Altersfeststellung. Parallel sind auf EU-Ebene Methoden in Entwicklung, die nicht die völlige Aufgabe der Privatsphäre erfordern.
„Damit wäre es möglich, nur zu teilen, dass ein:e Nutzer:in über 14 ist – mehr Information ist nicht nötig”, erklärt Fabian Fischer, Autor der Studie. Wenn es hier aber rasch gehen soll, stellt sich ebenso rasch die Frage der technischen Umsetzung. „Hier geht es nicht zuletzt auch darum, inwieweit wir uns einer Überwachung durch den Staat preisgeben. Die Nutzung etwa von ID-Austria würde eine Klarnamenpflicht einfordern und staatliche Überwachung ermöglichen“, so Fischer vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA).
Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzdebakel werden
Eine Möglichkeit wäre den Plattformen die Altersfeststellung zu überlassen. Damit könnten Jugendliche aber neuen Risiken ausgesetzt sein. Bereits jetzt werden Methoden der Altersfeststellung eingesetzt, wo Plattformen ein überschießendes Maß an hochsensiblen Daten sammeln. Das reicht von biometrischen Gesichtsanalysen über Ausweiskontrollen bis zu KI-Analysen des Online-Verhaltens.
„Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzdebakel werden. Solange es keine datenschutzkonforme Lösung gibt, muss sichergestellt werden, dass Plattformen hier nicht auf Kosten der Privatsphäre von Kindern und jungen Menschen mit eigenen Lösungen experimentieren“, warnt Louise Beltzung von der AK eindringlich vor dem Sammeln und der Verarbeitung dieser hochsensiblen Daten von Jugendlichen.
Digital Fairness Act der EU muss klare Bestimmungen enthalten
Adressiert an die Politik fordert die Arbeiterkammer strengere Regeln für digitale Plattformen und ein Verbot aller Funktionen in Richtung Addictive Design. Auch in dem für Ende 2026 avisierten Digital Fairness Act der EU müssen entsprechend klare Bestimmungen enthalten sein. Die Experten der AK haben diese Forderungen auf der wissenschaftlichen Basis von beiden Studien zusammengefasst.
An erster Stelle steht das Verbot von Infinite Scroll, Autoplay & Co.. Bestimmte Designpraktiken müssen verboten werden. Infinite Scroll darf nicht die einzige Option sein, Feeds brauchen natürliche Stopppunkte. Like- und Follower-Zahlen müssen bei Minderjährigen versteckt werden. Pull-to-Refresh und Countdown-Timer sind zumindest für Minderjährige zu verbieten. Autoplay muss standardmäßig ausgeschaltet sein.
Die Algorithmen müssen transparenter werden
Nächste Forderung ist den Nutzer:innen die Zeithoheit zurückzugeben. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, täglich eine App zu öffnen, nur um einen virtuellen „Streak“ nicht zu verlieren. „Das ist Manipulation, keine Motivation“, so die AK-Experten. Pausen von Social Media dürfen keine Strafen durch die Apps nach sich ziehen. Entsprechend sollen Streaks nur mit Pause-Funktion erlaubt werden. Weiters keine Benachrichtigungen, die Druck ausüben etwas zu verpassen. „Nutzer:innen müssen auf ihre Zeitnutzung aufmerksam gemacht werden und nach einer gewissen Zeit aktiv gewarnt oder etwaig automatisch unterbrochen werden“.
Eine weitere Forderung der AK betrifft die Algorithmen selbst. Diese müssten transparent werden. „Nutzer:innen müssen selbst und bewusst entscheiden können, welche Inhalte sie sehen wollen und welche nicht“. Das umfasst die Option, Themen dauerhaft zu blockieren, einen verpflichtenden ‘Warum sehe ich das?’-Button für Transparenz. Ergänzt werden soll das um die Möglichkeit, jegliche Personalisierung abzuschalten mit der ständigen Verfügbarkeit von chronologischen Feeds.
Jugendliche sind besonders empfänglich für Addictive Design und benötigen gesonderten Schutz
Ein gesonderter Appell betrifft den besonderen Schutz von Minderjährigen. Junge Menschen sind besonders empfänglich für Addictive Design, doch ohne verlässliche Altersfeststellung bleibt Schutz von Minderjährigen eine Illusion. Die aktuellen Methoden seien wirkungslos oder datenschutzrechtlich hochproblematisch. „Solange es keine datenschutzkonforme europäische Lösung gibt, müssen die riskantesten Praktiken für alle Nutzer:innen verboten werden“, unterstreichen die Expert:innen der Arbeiterkammer (AK).
Ein abschließender Punkt im Forderungskatalog der AK adressiert dann noch die Themen Haftung und wirksame Kontrollen. „Konsument:innen müssen Schadensersatz einfordern können. Plattformen müssen für entstehende Schäden durch Addictive Design etwa in den Bereichen Gesundheit oder Geld finanziell verantwortlich gemacht werden“, so die Arbeiterkammer (AK). (red/czaak)