Unterstützung für schwerkranke Kinder und ihre Familien

Kinderkrebs Sozialhilfe, Sterntalerhof, Licht ins Dunkel oder aktuell die Unterstützung für den Lichtblickhof. IT-Distributor Omega engagiert sich regelmäßig für unterschiedliche Sozialprojekte mit einem Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche.
Der österreichische IT-Distributor Omega unterstützt seit über zwei Jahrzehnten soziale Einrichtungen, darunter etwa das St. Anna Kinderspital, den Sterntalerhof, Debra Austria, Licht ins Dunkel oder Mission Hoffnung. Basis für die Sammlungen ist jeweils ein Charity Golf Cup im Golfclub Fontana, wo in Summe bereits mehr als 70.000 Euro für diese sozialen Projekte zusammenkamen.
Aktuell hieß es nun beim 23. Omega Charity Golf Cup erneut „Abschlagen für den guten Zweck“. Rund 80 Kunden, Herstellerpartner und langjährige Wegbegleiter des österreichischen IT-Distributors nutzten den Tag für Austausch und soziales Engagement. Mit dabei waren etwa Ex-Skirennfahrer Christian Mayer, „Guten Morgen Österreich“-Moderatorin Eva Pölzl sowie Hauben- und TV-Koch Robert Letz.
Verantwortung als Teil der Unternehmenskultur
„Der Charity Golf Cup steht seit über zwanzig Jahren für die Verbindung von Partnerschaft, persönlichem Austausch und gesellschaftlicher Verantwortung. Es freut uns besonders, dass wir mit dem Lichtblickhof eine Organisation unterstützen dürfen, die betroffenen Kindern und Familien neue Kraft und Lebensfreude schenkt“, betont Gastgeber Martin Eckbauer, Managing Director Omega.
Sponsoren und Teilnehmer sammelten diesmal insgesamt 7.200 Euro für den Lichtblickhof, der mit tiergestützter Therapie schwerkranke Kinder, Jugendliche und Familien in herausfordernden Lebenssituationen begleitet. Einen wesentlichen Beitrag leistete dabei abermals die ERSTE Bank, stellvertretend für langjährige Partner, die das soziale Engagement von Omega kontinuierlich mittragen. Andere Partner waren oder sind HP, SMS/Evoko, Dell, LG, Logitech oder Apple.
Ökonomie und Ökologie
Gesellschaftliches Engagement ist für Omega fest in der Unternehmenskultur verankert, ebenso wie langfristige Partnerschaften, regionale Wertschöpfung und nachhaltiges Wirtschaften. Eine hauseigene Photovoltaikanlage (150 kWp Leistung, Anm.) deckt einen großen Teil des Eigenstrombedarfs ab, inklusive Ladung der firmeneigenen E‑Fahrzeugflotte.
Damit wird ökologische mit wirtschaftlicher Verantwortung veschränkt und diesem Prinzip folgt auch die Logistik. Omega beliefert seine österreichischen Kunden bevorzugt aus den österreichischen Lagerstandorten Wien und Hohenzell und nicht aus dem benachbarten Ausland. Damit sind 93 Prozent aller heimischen Sendungen auf kürzeren Wegen unterwegs und das spare nicht nur CO₂, sondern auch Energiekosten, ein Effekt, der sich bei steigenden Treibstoffpreisen zusehends bemerkbar macht.
„Unternehmerischer Erfolg bedeutet für uns auch, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Der Charity Golf Cup ist dafür jedes Jahr eine wertvolle Plattform – für den guten Zweck ebenso wie für den Zusammenhalt in unserem Netzwerk“, so Martin Eckbauer, Managing Director Omega. Die Omega Handelsgesellschaft gilt als größter österreichischer IT-Distributor in heimischem Besitz. Das eigentümergeführte Unternehmen beliefert seit über 30 Jahren den Fachhandel in ganz Zentraleuropa mit IT-Produkten aller namhaften Hersteller sowie umfangreichen Services in Finanzierung, Logistik und technischer Individualisierung. Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte Omega Angaben zufolge einen Umsatz von 274 Millionen Euro. (red/cc)
Im Sinne des Planeten und seiner Menschen

Die Vienna Fashion Week ist aus. Economy hat letzten Freitag als modische Höhepunkte die Arbeiten von Roee und Plural und vor allem Show und Engagement von Saubermacher und Label „Fröhlich“ gesehen. Hier war neben Mode auch Innovation und (wirklich) nachhaltige Kreislaufwirtschaft Thema. Einen unprofessionellen Auftritt von Nicolas Dudek gab es auch. Ein Bericht von Hannah Czaak und Alejandro Antonio „Chino“ Diaz Rodriguez (Fotos).
Die VIENNA FASHION WEEK ist ein Fixpunkt im internationalen Veranstaltungsreigen an Modeevents und letzte Woche im Wiener Museumsquartier über die Bühne gegangen. Samstag war großer Abschlussevent, economy war schon Freitag vor Ort. Primärer Hintergrund war das neue Engagement von Saubermacher, das nun die Themen Textilrecycling mit Innovation und qualitätsvoller wie schicker Mode verbindet. Nach Saubermacher mit dem Label „FRÖHLICH“ folgten noch die Designer und Labels Roee und Plural sowie die Personality-Show Nicolas Dudek.
Saubermacher sammelt Altkleidung und macht daraus mit Partnerbetrieben neue Textilstoffe, getrennt gesammelt, sortiert, recyclet, versponnen und gewebt. Als Partner der FASHIONWEEK präsentierte das Unternehmen Materialien, die Entstehungsprozesse und die modischen Endprodukte erstmals öffentlich. Im Rahmen des Auftritts wurden auch alle einzelnen Stationen der neuen Wertschöpfungskette beim Panels „Mode endet nicht. Sie beginnt neu.“ erläutert.

Hannah Czaak in Versace Vintage und Alejandro Antonio „Chino“ Diaz Rodriguez in Yamamoto Vintage und Vintage-Kombination Alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette müssen ihren Beitrag leisten
Am Laufsteg zeigte dann in Beisein von Saubermacher-Gründer Hans Roth die Designerin Gabriele Rigby mit ihrem Label „FRÖHLICH“, wie aus textilem Kreislaufdenken neue Mode entsteht. „Kleidung soll sich gut anfühlen, bequem und alltagstauglich sein. Gleichzeitig ist es mir wichtig, vorhandene Ressourcen sinnvoll zu nutzen, anstatt laufend neue zu verbrauchen“, sagt Gabriele Rigby. „Recyclingstoffe vereinen genau diese Eigenschaften. Sie sind weich, angenehm zu tragen und lassen sich sehr gut verarbeiten“, ergänzt Rigby vom Label FRÖHLICH.

FRÖHLICH presented by Saubermacher mit Lilian Klebow und Designerin Gabriele Rigby und Model © Saubermacher/Sabine Klimpt Ausgangsbasis für diese (vergleichsweise einmal wirklich nachhaltige) Innovation ist die Verschränkung der Bereiche Abfallwirtschaft, Produktion, Design und eben Nachhaltigkeit. Technische Lösungen für eine kreislauffähige Mode sind bereits vorhanden. „Entscheidend ist jetzt, Voraussetzungen zu schaffen, damit ein funktionierender Markt entstehen kann. Dafür brauchen Unternehmen eine ambitionierte und die Kreislaufwirtschaft fördernde Regulierung mit Planungssicherheit und verlässlichen Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb“, sagt Andreas Opelt, CEO Saubermacher. „Gleichzeitig müssen alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette ihren Beitrag leisten – von Herstellern über Designer bis hin zum Recycling“, betont Opelt.
13 Millionen Tonnen Textilabfälle und klare Spielregeln für mehr Investitionssicherheit
Der Handlungsbedarf ist groß: 2025 fielen laut Boston Consulting Group in Europa über 13 (!) Millionen Tonnen Post-Consumer-Textilabfälle an. Das sind etwa 25 Kilogramm pro Person. Gleichzeitig stammt derzeit weniger als ein Prozent des globalen Fasermarktes aus Faser-zu-Faser-Recycling. Die Lücke zwischen verfügbaren Alttextilien und ihrem Einsatz als Rohstoff für neue Textilien ist damit weiterhin enorm.
Für die Skalierung von Textilrecycling braucht es verlässliche Spielregeln. Viele dafür notwendige Schritte – recyclinggerechtes Produktdesign, eine erweiterte Herstellerverantwortung, der Ausbau von Sortier- und Recyclingkapazitäten – sind in der EU-Textilstrategie bereits angelegt. Diese EU-Textilstrategie sieht unter anderem vor, dass bis 2030 alle in der EU auf den Markt gebrachten Textilien langlebig, reparierbar und recycelbar – und, dass diese auch zu einem großen Teil aus recycelten Fasern hergestellt werden.„Es braucht Entsorgungsbetriebe, die uns Recyclingbetrieben sortierte und aufbereitete Alttextilien zur Verfügung stellen“
„So wie andere Unternehmen ihre Zulieferbetriebe haben, braucht es das auch im Bereich des Textilrecyclings: Entsorgungsunternehmen, die uns Recyclingbetrieben sortierte und aufbereitete Alttextilien zur Verfügung stellen, die wir dann zu neuen Fasern verarbeiten können“, so Tércio Pinto von Refibertech. „Auf EU-Ebene sind die notwendigen Gesetze bereits vorhanden – nationale Regierungen müssen diese nun rasch umsetzen, sodass neue Bestrebungen im Bereich Textilrecycling aktiv gefördert werden“, unterstreicht Pinto von Refibertech.

v.l.n.r.: Lilian Klebow (Schauspielerin und Aktivistin), Nunu Kaller (THINK kallerful), Tércio Pinto (Refibertech), Hans Roth (Gründer Saubermacher), Gabriele Rigby (Modelabel FRÖHLICH), Andreas Opelt (CEO Saubermacher) © Saubermacher/Sabine Klimpt Entscheidend ist nun die Umsetzung bei allen Beteiligten. Einmal sind die Hersteller gefordert, textile Recyclingfähigkeit bereits bei Design, Materialwahl und Produktentwicklung zu berücksichtigen. Handel und Konsumenten spielen eine wichtige Rolle bei Rückgabe, Sammlung und bewussten Konsumentscheidungen. Die Recyclingwirtschaft wiederum muss geeignete Sortier- und Aufbereitungslösungen für jene Textilien bereitstellen, die nicht mehr weiterverwendet werden können. Und parallel braucht es die angesprochene Investitionssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen, damit frühzeitig handelnde Unternehmen daraus keinen Nachteil haben.
Saubermacher als Gamechanger oder ein Pionier aus Österreich im Kampf um eine saubere Modewelt
Saubermacher arbeitet mit Partnern aus Forschung, Handel, Textilproduktion und Recycling daran, Lücken im textilen Kreislauf zu schließen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Materialsortierung: Erst wenn Zusammensetzung und Farbe zuverlässig erkannt sind, lässt sich der passende Recyclingweg bestimmen. Erkenntnisse aus laufenden Projekten fließen etwa in die Planung einer Materialsortieranlage im Großraum Graz ein. Dort sollen nicht mehr nutzbare Textilien künftig automatisiert nach Material und Farbe getrennt und gezielt für unterschiedliche Recyclingwege vorbereitet werden.
Ziel ist es, aus einzelnen Projekten belastbare Strukturen für größere Mengen zu entwickeln. „Derzeit wird weniger als ein Prozent der Altkleidung tatsächlich recycelt. Die große Herausforderung ist dabei nicht der Recyclingprozess selbst, sondern die Sortierung der Altkleidung nach ihrer Materialzusammensetzung und genau da setzt Saubermacher an“, sagt Nunu Kaller, Textilexpertin und Fair Fashion Aktivistin, THINK kallerful. „Die Projekte und Pläne von Saubermacher können in Europa ein echter Gamechanger sein. Schön, wenn ein Pionier im Kampf um eine saubere Modewelt aus Österreich kommt!“, so Nunu Kaller von THINK kallerful.
Roee & Plural in einer Show
Nach Saubermacher und „FRÖHLICH“ folgten dann noch die Designer Roee & Plural und als Schlußpunkt Nicolas Dudek. Die Vision von Roee ist eigenen Angaben zufolge „High-End-Designs jederzeit und jeder/n zugänglich zu machen“. Als Leitsatz der Kollektion gilt die Würdigung der menschlichen Vielseitigkeit, unabhängig von Größe, Form und Statur. Angaben von der Website zufolge werden in umweltfreundlichen Verfahren biologisch abbaubare oder recyclete Öko-Textilien hergestellt, frei von schädlichen Chemikalien und Pestiziden. Die Schau von „Roee“ war toll und professionell gemacht, von der Musik über die Models bis zur gezeigten Mode.

Mode und Models der tollen Schau von Roee und Plural © Alejandro Antonio „Chino“ Diaz Rodriguez Das Label Plural wurde 2015 von Magdalena Brunner gegründet, quer eingestiegen über die Architektur zur Mode. „Minimalismus und Nachhaltigkeit im Leben ließen das Label zu einem nachhaltigen, veganen und minimalistisch urbanen Label heranwachsen“, so die eigene Beschreibung. Nachhaltigkeit bedeutet dabei laut Website: „Wir achten bei der Wahl unserer Stoffe auf Qualität, Tragekomfort, Gütesiegel, Herkunftsland sowie faire Produktionsbedingungen und wir verzichten bewusst auf tierische Materialien.“ Auch die Schau von „Plural“ war professionell gemacht und toll anzuschauen.
Ein unprofessioneller Auftritt von Nicolas Dudek
Nach Roee & Plural sollte dann als abschließender Höhepunkt der Designer Nicolas Dudek (20) folgen, bekannt für seinen Einsatz von Tüll und laut Website bzw. Instagram, spezialisiert auf – Zitat: „dramatische, voluminöse Designs, auch mit langen Schleppen“. Dudek legt eigenen Angaben zufolge „großen Wert auf Models mit unterschiedlichsten Hintergründen“. Und: „Go Big or Go Home“ als sein dort auch lesbares Motto soll seinen – Zitat: „mutigen Ansatz spiegeln, in der Mode perfekt zu sein.“

Mode und Models von Nicolas Dudek © Alejandro Antonio „Chino“ Diaz Rodriguez Dudeks Auftritt auf der Vienna Fashion Week war weit entfernt von „perfekt“, er bestand mehrheitlich aus einem eingespielten Video mit Nicolas Dudek als Inhalt und am Laufsteg dann Dudek-live mit langatmigen, teilweise, äh, sehr kindlichen Erzählungen zu – richtig: Nicolas Dudek. Plus Erwähnung, dass der unverzichtbare Papa im Publikum sitzt und die ebenso unverzichtbare Mama das aber immer noch nicht schafft und daher hinter der Bühne sitzt. Ah ja, Dudek-Mode wurde dann doch auch noch gezeigt. Die ist in der Tat schön anzusehen. (Hannah Czaak, red/czaak)
„Der Schoß ist fruchtbar noch“

Brechts „Arturo Ui“ von 11 Regisseur:innen am Landestheater St. Pölten zum Start der neuen Intendanz von Patricia Nickel-Dönicke ist inhaltlich ein aktuell passendes Stück und operativ ein wagemutiger Schritt. Final siegen große Schauspielkunst und Bühnenbild gegen die kleine Bühnenfläche und die vielen Handlungsstränge. Ein kommentierender Bericht von der Première mit Publikumsreaktionen von Christian Czaak.
Bertolt Brecht. Arturo Ui. Viele Handlungsstränge. 11 Regisseur:innen. Chicago und dessen Vorort Cicero bzw. Deutschland und Österreich. St. Pölten in Niederösterreich. Landestheater. Rund 80 m² Spielfläche. Particia Nickel-Dönicke hätte sich ihren Antritt als künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich in St. Pölten leichter machen können. Sie macht es aber den Regisseur:innen, dem Ensemble, den Bühnenbildnern und final dem Publikum und sich selbst nicht leicht und dokumentiert mit diesem gewählten Start ihre Sichtweise eines zeitgenössisch modernen Theaters. Hier ist jedes Stück ein Gesamtkunstwerk, mit aktiver Einbindung des Publikums. Viel Erfolg und Glück damit im niederösterreichischen St. Pölten gleich an dieser Stelle, auch im Kontext mit den später angeführten Publikumsreaktionen der älteren Generation.
Die Theaterphilosophie der neuen Intendantin
Diese Haltung bzw. Theaterphilosophie liegt in ihrer Studienzeit begründet. Nickel-Dönicke, 1979 in Potsdam in der damaligen DDR geboren, studiert zunächst Neue Deutsche Literatur, Medien und Politikwissenschaften und dann Dramaturgie bei Hans-Thies Lehmann an der Goethe-Universität in Frankfurt (D), wo sie mit einem Master-of-Arts abschließt. Lehmann entwickelte in den 1990er-Jahren einen neuen bzw. post-dramatischen Ansatz („Postdramatisches Theater“, Verlag der Autoren, Frankfurt 1999), der sich von eindimensionalen Charakteren bzw. Figuren löst und bei Aufführungen auch den geschriebenen Text als nur eines von mehreren gleichberechtigten Ausdrucks-Mitteln ansieht.
Körper, Bewegung, Musik, Licht, Raum, Bilder, Video, Sprache und Geräusche können ebenso wichtig oder gar noch wichtiger sein. Lehmanns Theater geht es nicht darum einen Text möglichst originalgetreu auf die Bühne zu bringen, sein Theater ist ein eigenständiges Ereignis. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei auch die Interaktion zwischen Schauspieler und Publikum, das aktiv in Szenen eingebunden werden soll. Theater kann so mit Konventionen brechen, irritieren und die Wahrnehmung zwischen Fiktion und Realität verschieben. Lehmann beschäftigte sich auch mit der Frage nach politischem Theater, wo das Politische auch in der Aufführung selbst liegen kann.
Neue Elemente und die Geschichte des Brecht-Stücks
All diese Elemente finden sich in der Theater-Philosophie von Patricia Nickel-Dönicke. Und alle diese Elemente decken ab bzw. verwenden auch die 11 Regisseur:innen und das Bühnenbild (Wolfgang Menardi) beim aktuellen Arturo Ui in St. Pölten. Eingespielter Ton/Audio, Video (Bert Zander), Licht sowie fixe Bühnenelemente wie eine riesige Diskokugel aus den 1980er-Jahren, ein Musik-Wurlitzer, mehrere Österreich-Fahnen an den Wänden, ein großer gekreuzigter Jesus, ein Autowrack mit Anhänger (und St. Pöltner Kennzeichen) sind eigene Aussagen oder verstärken die schauspielerischen und textlichen Darstellungen. Ein zentrales und durchgehendes und vor allem ankommendes Element ist auch die (Ganz)Körpersprache der Akteure und die (gesprochene) Sprache selbst.
Brechts Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ spielt im Chicago der 1930er-Jahre und erzählt vom Aufstieg des Gangsters Arturo Ui. Es geht um einen sogenannten Karfioltrust als Zusammenschluss von Gemüsehändlern, der in einer wirtschaftlichen Krise steckt. Für staatliche Unterstützung bestechen die Unternehmer den Politiker Dogsborough. Als der Betrug bekannt zu werden droht, nutzt Arturo Ui die Situation für sich – als verführender Unterstützer den Unternehmern gegenüber, mit Gewalt und Mord gegenüber Dogsborough und anderen. Unterstützt wird Ui dabei besonders von seinem Vertrauten und Leibwächter Ernesto Roma und vom Kommunikationsstrategen Givola.
Angst, Korruption, Eigennutz und das Schweigen vieler Menschen
Ui lernt parallel aber auch von einem Schauspieler, wie er durch Sprache, Gestik und Haltung überzeugender wirken kann. Er will Einfluss und Wirkungsfeld auf Chicagos Nachbarstadt Cicero ausweiten und ermordet den sich ihm widersetzenden Dullfeet. Final kontrolliert Ui beide Städte und kündigt weitere Eroberungen an. Die zentrale Aussage des Brecht-Stücks ist, dass Angst, auch Existenzangst, sowie Korruption, Eigennutz und das Schweigen vieler Menschen Arturo Uis Aufstieg ermöglichen. Unvermeidbar war Uis Aufstieg aber nicht.
Brecht (1898 bis 1956) warnt mit dem Stück vor der Unterschätzung von Diktatoren und diesen keinen Widerstand entgegenzusetzen. Chicago steht für Deutschland und Cicero für Österreich. Arturo Ui ist Adolf Hitler, Ernesto Roma ist Ernst Röhm (SA-Führer), Dogsborough steht auch für die Politik und für Paul von Hindenburg (damaliger Deutscher Reichspräsident), ebenso Dullfeet, dieser steht für Engelbert Dollfuß (ehemaliger Österreichischer Bundeskanzler). Der im Stück ebenfalls vorkommende und auch durch Ernesto Roma verursachte Brand eines Getreidespeichers steht für den Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin 1933. Einen Tag danach ist Brecht mit Familie aus Nazi-Deutschland geflüchtet.
Passende Inhalte und Querverweise zur aktuellen politischen Situation
Thema und Inhalte der aktuellen Brecht-Inszenierung im niederösterreichischen St. Pölten passen also perfekt in die aktuelle Zeit, wo in vielen Ländern rechtsnationale wie autoritäre Parteien und Gruppierungen an der Schwelle zur Macht stehen oder sie bereits übernommen haben. Im Programmheft zur Aufführung in St. Pölten ist dem Wahlsieg der AfD im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt, dem Aufstieg und der Regierungsbeteiligung der österreichischen FPÖ in fünf Bundesländern (inklusive Niederösterreich, Anm.) und auch dem ambivalenten Verhältnis der Bundes-ÖVP zur FPÖ ein eigener Abschnitt gewidmet. Das eingangs angeführte „wagemutig“ trifft auch auf diese Anführungen in einem St. Pöltner Theaterprogramm zu.
Wie ebenso bereits angeführt sind die Inhalte des Brecht-Stücks mit mehreren speziellen Österreich-Bezügen auch im aktuellen Bühnenbild enthalten. Besonders auffallend sind die vielen Österreichfahnen an den Wänden, nachempfunden den hundert-tausenden Hakenkreuzfahnen in den Händen nahezu aller Österreicher beim Anschluss an Nazi-Deutschland. Ebenso auffallend der große Jesus am Kreuz. Für Ihren Kritiker steht er für die katholisch geprägte Doppelmoral der Österreicher:innen, besonders in ländlichen Gebieten, aber nicht nur. Das Autowrack mit Anhänger spiegelt das kriegszerstörte Deutschland mit seinem ebenso zerstörten Anhängsel Österreich.
Schauspielerische Glanzleistungen
Schauspielerisch glänzt die aktuelle Brecht-Inszenierung am Landestheater in St. Pölten. Beginnend mit den Hauptfiguren sind einmal Max Kurth und Bettina Kerl hervorzuheben. Kurth besticht durch sein eindrucksvolles Wechselspiel mit unmittelbar sich ändernder Priorisierung von Mimik und Körpergestik, Sprache und Tonalität und einer als Ganzes eingesetzten Körpersprache bzw. ‑Wirkung. Er schafft damit auch locker Auftritt und Verwandlung vom Verführer zum autoritären und gewalttätigen Despoten und wieder retour. Super auch, wie er zu Beginn den schüchternen, angsthaften Ui bzw. Hitler spielt.

Bettina Kerl und Max Kurth als doppelter Arturo Ui © Isabel Machado Rios Bettina Kerl schafft dieses Wechselspiel nicht ganz. Mimik und Gestik sowie Sprache passen, ihre Bewegungen und die gesamte Körpersprache wirken vergleichsweise aber „harmlos“, bzw. bringen die damit verbundenen Absichten als Verführer(in) und autoritäre Despotin nicht rüber. Das gilt insbesondere für eine Tanzeinlage der beiden, die eben zwischen verführerisch tänzelnd und drohendem Stechschritt wechseln sollte. Warum Arturo Ui von zwei Personen dargestellt werden muss und eine davon weiblich ist, erschließt sich mir nicht. Vielleicht will die Regie ausdrücken, dass auch Frauen autoritäre Machthaber sein können, siehe deutsche AfD oder französische Rassemblement National. Oder „Frau“ musste einfach auch die Hauptrolle spielen.
Ein Wienerisches Element und die Persiflage eines neuen Rechtsradikalen
Dem Handlungsstrang der ersten Halbzeit folgend, hat dann Dogsborough seinen ersten längeren Auftritt. Michael Scherff spielt den Charakter des älteren Unternehmers und Patriarchen(?) mit unterwürfigem Sohn (sehr gut gespielt von Mika Pavle Kuruc) in einer ebenso eindrucksvollen wie auch liebenswürdigen Art. Scherff glänzt mit einer geschliffenen Sprache, mit einer eigenen, dem (schönen) Wienerischen entlehnten Sprach-Rhythmik und ‑Musik aus exakt gesetzten Tonalitäten und Betonungen – und die verbindet er ebenso exakt abgestimmt mit Mimik und Gestik. Sehr wirkungsvoll sind zudem seine groß auf einen Bühnenvorhang übertragenen Video-Aufnahmen, was parallel zu seinem „normalen“ Auftreten in einer gleich nach der Bühne befindlichen Zuschauer-Loge passiert. Diese gesondert wirkungsvollen Übertragungen passieren auch bei anderen Szenen und Schauspielern.

Michael Scherff als Dogsborough und Mika Pavle Kuruc als sein Sohn © Isabel Machado Rios Der absolute Liebling Ihres Kritikers ist aber Ernesto Roma, vulgo Felix Thewanger. Thewanger tritt am Anfang optisch als eine Art Persiflage eines neuen Rechtsnationalen in kurzen schwarzen Hosen (Angus Young von AC/DC lässt grüßen), schwarzer Lederjacke über ein buntgeflecktes T‑Shirt und mit schwarzen Stiefeln auf (Kostüme: Michael Sieberock). Thewanger wechselt nahtlos und überaus gekonnt zwischen freundlich, liebevollem Druckmacher und gewaltbereiten Handlanger Uis. Ganz toll und besonders eindrucksvoll seine laszive sängerische Darbietung nur in weißer Unterhose mit in die Luft gestrecktem nackten Bein am Dach des Autowracks.

Felix Thewanger als lasziver Sänger und Bettina Kerl (Ui) © Isabel Machado Rios Eindringliche Szenen mit Eis und Zunge
Nach seiner Ermordung steht Thewanger dann ebenso nur in weißer Unterhose sowie mit rotumrandeten Einschusslöchern im Oberkörper und mit Dornenkrone am Kopf gemeinsam mit anderen Schauspielern im Zuschauerraum nahe der Bühne. Auch andere Protagonisten bewegen sich sozusagen interaktiv im Zuschauerraum und dazu gehört auch Arturo Ui bzw. Max Kurth. Aufgesetzt freundlich lächelnd und sich verbeugend schüttelt er die Hände mehrerer Zuschauer. Auch seine regelrecht verstörende Szene, wo er ein schon über seine Hände zerrinnendes Eis (im Stanitzel) genussvoll schleckt und dabei nach neuen Mitstreitern oder (eher) Opfer Aussicht hält ist prägend.
Apropos schlecken und Zunge. Susi Wirth spielt den Givola, ein Blumenhändler und Mitglied in Uis Gangsterbande, der für Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels steht. Givolas Rolle liegt weniger in körperlicher Gewalt als in Täuschung, Inszenierung und Manipulation. Er hilft dabei Uis Gewalt und Machtstreben nach außen anders erscheinen zu lassen und die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen. Susi Wirth spielt das in einem gesondert wirkenden anzug-burschikosen Marlene Dietrich-Look mit intensiver Mimik und körperlicher Gestik. Eindrucksvoll dabei ihre oftmals einladend ausgestreckte (und lange) Zunge und besonders eindrucksvoll, als sie mit ihrer Zunge Ui bzw. Kurth einen Silberring andient – den dieser auch mit seiner Zunge aufnimmt.

Susi Wirth als Givola © Isabel Machado Rios Viele musikalische Einlagen und Bertolt Brecht auf der Bühne
Gesondert erwähnenswert sind noch die vielen im inhaltlichen Kontext stehenden Musik- und Gesangseinlagen (Musik: Tobias Schwenke). Zu hören sind etwa „Drive“ (The Cars) oder „Every Breath You Take“ (Police). Dogsborough singt Konstantin Weckers Lied „Willy“ und adressiert damit das Thema Resignation bzw. Nazifizierung der „schweigenden Mitte“. E‑Gitarre und Elektro-Klavier sind weitere von den Schauspieler:innen selbst(!) gespielten Instrumente, die die Wirkung der Szenen verstärken und ergänzen. Auch Bertolt Brecht selbst ist Teil der Aufführung. Inszeniert von Ilario Rascher als rund einen Meter große Puppe bringt er Arturo Ui mit extern eingespielter Stimme das richtige Sprechen und eine wirkungsvolle Bewegung bei.

Emma Bahlmann, Bettina Kerl und Felix Thewanger in einer Musikeinlage © Isabel Machado Rios Beeindruckend von Auftritt, Sprache, Ausdruckskraft bzw. gesamter Bühnenpräsenz waren noch Emma Bahlmann als Clark (Mitglied in Uis Bande), Philippe Thelen in einer Doppelrolle als Dullfeet und Richter, dem er von vergleichsweise weit hinten aus dem Autowrack trotzdem eine große Präsenz verleiht. Lisa Edith Freiberger überzeugte in ihrer Darstellung der Betty Dullfeet mit einer breiten mimischen Klaviatur an Stimmungen, von euphorisch oder anmutig über ängstlich bis todtraurig. Gleich Überzeugendes gilt für Caroline Baas (Butcher) und Ines Schiller (Reedereibesitzer Sheet). Sie hat mit ihrer Mimik auch die Wirkung der von ihr geführten Brecht-Puppe verstärkt.
Die unterschiedlichen Reaktionen des Publikums
Wie hat nun das breitere Publikum auf die vielen Innovation und insbesondere auf das Stück reagiert? Ihr Kritiker hat sich nach Ende der Aufführung zu ein paar Gruppen unterschiedlichen Alters und Kleidung gesellt und deren Reaktionen gesammelt: „Ich kann absolut nichts mitnehmen, kein Zitat, keine Szene, nix“, so ein gutgekleideter Mann um die 70 zu seiner Frau. „Den Inhalt habe ich nicht verstanden, aber die Schauspieler waren gut“, so eine ca. gleich alte Dame zu ihrer Freundin.

Max Kurth als diabolischer Arturo Ui © Isabel Machado Rios Ein anderer penibel gekleideter Herr mit „Pfarrer-Stehkragen-Hemd“ beschwerte sich über das – Zitat: „Nuscheln“ eines Schauspielers. Den Namen des Schauspielers nenne ich nicht, da sich dieser aus meiner Wahrnehmung gerade durch eine eindringlich klare Sprache auszeichnete. Zur Pause meinte ein hinter mir sitzender rund 60-jähriger Mann zu seinem Nachbarn: „Na ja, hoffen wir auf den zweiten Teil“. Eine Gruppe von drei Paaren, alle um die 50+, kannte sich wiederum beim Bühnengeschehen nicht aus „wer zu wem gehört“, das Ganze sei „total unübersichtlich“. Ein Paar aus dieser Gruppe verabschiedete sich dann mit den Worten: „Ab jetzt kann es nur besser werden, Pfiat eich. Ah jo, und für morgen Waidmannsheil“.
Gänzlich anders die Reaktionen des jüngeren Publikums zwischen 20 und 40+. Deren Aussagen reichten übereinstimmend von „Super Schauspieler“ und „tolles Bühnenbild“ über „wichtig, dass so ein Thema gerade jetzt behandelt wird“ oder „gut, dass Brecht auch hier gespielt wird“ bis zu „dass die Schauspieler das Publikum direkt einbinden, finde ich super“ und „Wow, ich bin echt begeistert!“.
Ein sowohl unterhaltsamer wie auch nachdenklich machender Theaterabend
Diese positive Gesamtbeurteilung ist absolut stimmig. Das war eine ganz tolle schauspielerische Leistung mit einem Bühnenbild, das trotz der Kleinheit der Bühnenfläche alle wichtigen Themen und Querverweise gut sichtbar und vor allem eindringlich (Autowrack und Anhänger, Fahnen, Jesus-Kreuz) vermittelt hat. Auch Brecht und das bzw. seine Themen passen gut in die aktuelle politische Zeit. Schwierig war teilweise den Handlungssträngen bzw. deren Wechslung zu folgen. Und leider gar nicht folgen konnte man oder zumindest Ihr Kritiker am Beginn des zweiten Teils, wo rund 15 Minuten lang mehrere Schauspieler auftraten, ihre Stimme bzw. ihr Text aber extern eingespielt wurde.
Es war mir trotz großer Konzentration unmöglich zu folgen, was wer zu wem und warum sagt. Dieser Bruch, weil danach ging es wieder mit direkt gesprochenen Auftritten weiter, war völlig unverständlich bzw. unangebracht. Unterm Strich war das ein sowohl unterhaltsamer wie auch nachdenklich machender Theaterabend. Wie angeführt ist die Botschaft des Brecht-Stücks im Kontext mit den politischen Entwicklungen fern und nahe in der Tat aktuell. Der am Schluss von mehreren im Publikumsbereich befindlichen Schauspielern eindringlich und mehrfach wiederholte Sager „Der Schoß ist fruchtbar noch“ bleibt da besonders in Erinnerung. (Christian Czaak)

Der großartige Felix Thewanger als Ernesto Roma © Isabel Machado Rios („Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Bertolt Brecht. Regie: Simon Hastreiter, Julia Hölscher, Leo Kees, Wolfgang Menardi, Michael Pietsch, Ilario Beniamino Rascher, Leonie Rohlfing, Christina Tscharyiski, lars-Ole Walburg, Anja Michaela Wohlfart, Bert Zander.
Bühne: Wolfgang Minardi. Kostüme: Michael Sieberock. Musik: Tobias Schwencke. Video: Bert Zander. Schauspiel-Team: Emma Bahlmann, Caroline Baas, Lisa Freiberger, Bettina Kerl, Max Kurth, Mika Pavle Kuruc, Michael Scherff, Ines Schiller, Philippe Thelen, Felix Thewanger, Susi Wirth und weitere Schauspieler des Stadtensembles. Weitere Aufführungen bis 27. Jänner 2027).
(Anm. der Redaktion: der Text wurde bei leider falsch geschrieben Namen und Regie-Zuordnungen nachträglich berichtigt und ergänzt – danke für die Hinweise und sorry für die Fehler)
Eine überaus beeindruckende Kunst

Aktuelle Muehl-Schau im Wiener Aktionismus Museum. Material-Bilder aus 1960er Jahren und gegenständliche Linienmalerei aus 80er-Jahren als großartige Schwerpunkte. Minutenlanger Applaus für Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder bei Preview.
Der Mensch, Künstler und Straftäter Otto Muehl (1925 bis 2013) ist aktuell besonders umstritten. Im Kontext mit der aktuellen Muehl-Personale im Wiener Aktionismus Museum (WAM) widmet sich dieser Text dem Künstler Otto Muehl und den im WAM gezeigten Werken. Den Themen Mensch, Straftäter, Zensuraufrufe einer Gruppe von ehemaligen Kommunen-Kindern, aber auch einer notwendigen gemeinsamen Zukunft widmet sich der parallel publizierte Kommentar “Es braucht einen neuen Dialog”.

Für economy das beste Bild der aktuellen Muehl-Schau im WAM: ein Materialbild mit Fingermalerei von Otto Muehl Die Themen Zerstörung und Neuordnung
Das kürzlich erweiterte Wiener Aktionismus Museum zeigt aktuell eine Einzelausstellung von Otto Muehl. Nach großen und mehrheitlich retrospektiven Ausstellungen etwa im MoMa New York und Chicago, in der Tate Modern London, im Louvre Paris, im MoMa Tokio, im mumok Wien, im MAK Wien oder im Leopold Museum Wien konzentriert sich die aktuelle WAM-Schau auf einzelne Themen-Zyklen im Zeitraum der 1960er‑, 1970er und 1980er-Jahre.
Beginnend mit den 60er Jahren werden im ersten und größten Raum des WAM die sogenannten “Material-Werke” von Otto Muehl gezeigt. Ausgehend von den eindringlichen Kriegserfahrungen des damals 17-jährigen Otto Muehl, behandeln diese Arbeiten primär das Thema Zerstörung und Neuordnung. Ein eindrucksvolles Beispiel ist eine rund drei Meter hohe Trümmer-Skulptur. Auch die daneben gezeigten Material-Bilder aus Stofffetzen, Alteisen und anderen Materialien, behandeln das Thema Zerstörung – und dann auch die Wiederzusammensetzung einer Neuordnung.
Eine künstlerische Mischform aus Bild und Relief
Diese Werke sind allesamt überaus berührend. Trotz ihrer martialischen Produktion, trotz des zerstörerischen Kontexts und ihrer Zerissenheit erscheinen insbesondere die Bilder zart, zerbrechlich, fein, fast elegant. Sie verströmen einen eigenartigen Zauber auf den Betrachter. Final schafft Muehl hier aus und mit Zerstörung (auch im physischen Produktionsprozess) eine komplett neue Ästhetik. Im Wissen ob der Historie schwankt man in der Betrachtung zwischen positiver und negativer Wirkung.
Nach Ausblendung der Historie und reiner Auseinandersetzung mit dem Werk bleibt eine positiv anmutig berührende Wirkung und Strahlkraft. Die Material-Bildern sind auch handwerklich überaus bemerkenswert. Im finale Erscheinungsbild entsteht eine künstlerische Mischform aus Bild und Relief. Einzelne der Material-Bilder haben fast einen skulpturalen Charakter. Zusammenfassend: großartige Kunst.

Eines der reliefartigen Materialbilder von Otto Muehl aus der aktuellen Schau im WAM Der bedeutendste österreichische Künstler und die Schrecken des 2. Weltkriegs
Auch Klaus Albrecht Schröder geht bei der Preview gesondert auf diesen Werk-Zyklus ein: “1960 beginnt ein Werk, das auch beispiellos ist in seinem Charakter. Für mich ist Otto Muehl der bedeutendste österreichische Künstler, der sich mit den Schrecken des 2. Weltkriegs auseinandergesetzt hat, um sodann in der künstlerischen Auseinandersetzung aus dieser Zerstörung eine ästethische Kategorie zu machen”.
Im gleichen Raum und ebenso aus den 1960er-Jahren sind dann noch pastose Malereien zu sehen, die durch ihren dynamisch expressiven Farbauftrag beeindrucken. Die Werke haben keinen Titel. In Vergleich und Kenntnis des Muehl-Œuvres könnte das große Bild einen abstrahierten Kopf in einer Art wildem Selbstporträt darstellen. Genausogut könnten aber auch andere Motive enthalten sein. Es gilt sie zu entdecken und diese Möglichkeit eigene Entdeckungen zu machen ist als Betrachter (generell) ein objektives Qualitätskriterium.
Das beste Bild der aktuellen Muehl-Ausstellung
Beide Bilder enthalten zudem einzelne Abschnitte mit ebenso wilder Finger-Malerei. Beiden Bildern ist eine große Strahlkraft bzw. Ausstrahlung gemein. Beim großen Bild gelingt das systemimmanent schon durch das Format, beim kleinen Bild durch seine Verdichtung und Dynamik im Zentrum. Auch hier bietet die abstrakte Komposition (Frei)Raum für eigene Interpretationen. Für den Betrachter ist das kleine Werk das beste, berührendste und anregendste Bild der aktuellen Schau. Es könnte übrigens locker auch ein Hauptwerk von Arnulf Rainer sein (und das große von Hermann Nitsch, nur besser).
Der nächste Programmpunkt folgt in den unteren Räumen mit zahlreichen Fotos diverser Aktionen und mit vielen Collagen. Der behandelte Zeitraum sind hier wieder bzw. weiter die 1960er-Jahre. Bei den Collagen bedient sich Muehl vom Dadaismus. Diese Kunstrichtung wurde breits während des 1. Weltkriegs in Zürich, Köln und New York gegründet. Sie kritisiert und parodiert mit Humor und Unsinn bürgerliche Werte und Ideale.

Ein großes Materialbild von Otto Muehl mit Fingermalerei in der aktuellen Schau im Wiener Aktionismus Museum Collagen als Übersetzung der Materialaktionen in die Bildfläche
Muehl erstellt aus Zeitungsausschnitten, Fotografien und Übermalungen Bildcollagen, auch großformatige Werke. Seine bisherigen Aktionstechniken wie Zereißen, Zerfetzen und final Zerstören und Neuordnen setzen sich nun in der bildhaften Collage fort. “Die aktionistischen Collagen können als Übersetzung der Materialaktionen in die Bildfläche verstanden werden. Beide unterliegen einer rigiden Ordnung, die Aktion einer strengen Partitur, die Collage einer strikten Bildkomposition”, so das WAM in einer Erläuterung.
Die Themen und Motive aus den Aktionen kommen in den Collagen in regelmässiger Form als fotografische Ausschnitte oder als Wörter vor. Ein wichtiges Element ist das Thema “Verpackung” und auch hier spiegeln sich zuvor bzw. früher umgesetzte Aktionen. “Titel wie Vertrottelte Welt oder Aufschriften wie Volksbildung zeigen den gesellschaftskritischen Charakter der Collagen”, erläutert das WAM.
Die Erfahrungen von Otto Muehl aus dem zweiten Weltkrieg
Von der zeitlichen Dramaturgie entsprechend gut kombiniert sind im Untergeschoß viele eindrucksvolle Foto-Bilder von Aktionen zu sehen. Muehl hat ganz verschiedene Aktionen gemacht und alle hatten ein Thema bzw. einen Titel. “Nahrungsmitteltest”, “Wehrertüchtigung”, “Bodybuilding” oder “Mama und Papa” sind nur einige Beispiele dieser in großer Anzahl erfolgten Aktionen.
“Es geht hier zumeist um eine Überschüttung oder Besudelung mit Waschmitteln, mit Sand, mit Pigmenten oder mit Stoffen – bis der Mensch zu Material wird und sein Gesicht bzw. seine Identität verliert”, erklärt Klaus Albrecht Schröder. Auch in diesen Aktionen spiegeln sich die Erfahrungen von Otto Muehl aus dem zweiten Weltkrieg mit seinen zahllosen Materialschlachten. “Hier zählen Menschen nicht als Individuen, sondern als Körper, die man als Material verbraucht”, so Schröder.
Verlust der Identität und Zerstörung des Individuums
Muehls-Aktionismus handle immer wieder vom Verlust der Identität und von der Zerstörung eines Individuums und das gehe einher mit seinem sehr pessimistischem anthropologischen Weltbild. “Bei ihm hat der Mensch keine Identität, er ist nur Material, mehr nicht”, betont Schröder. Otto Muehl selbst hat das 1966 so ausgedrückt: “Kunst kann nur Antwort auf die uns umgebende Wirklichkeit sein, also im weitesten Sinn politisch. Kunst ist eine ehrliche Bewältigung seiner eigenen Neurosen – und das heißt: Darstellung seiner Ängste”.
Weiteres Thema der aktuellen Muehl-Schau im WAM sind die 1980er-Jahre. Schröder hat aus dieser Zeit zwei Schwerpunkte ausgewählt. Ein Thema ist die Reaktion von Otto Muehl auf die sogenannten Neuen Wilden, eine Richtung in der damaligen Zeitgenössischen Malerei. “Muehl kehrt hier zur klassischen Malerei zurück, es ist das einzige Mal, wo er auf einen Trend reagiert”, erläutert Schröder diesen Wechsel von Muehl in eine (neo)expressive, figurative und oftmals pastose Malerei.
Das große handwerkliche Können von Otto Muehl
Vorbilder sind die deutschen Neo-Expressionisten mit Rainer Fetting an der Spitze. “Muehl erinnert hier auch an seine Frühzeit, wo er mit den Händen im Pigment wühlt”, so Schröder. Bei den Motiven wählt Muehl alltägliche Szenen, darunter Personen im Haushalt, auf der Toilette, unter der Dusche und ähnliches. Für den Betrachter punkten diese Malereien mit ihrer Dramaturgie, ihrer farblichen Komposition und vor allem mit der Strahlkraft ihrer Linien.
Diese Werke mit einem perfekt sitzenden Strich belegen einmal mehr auch das große handwerkliche Können von Otto Muehl. Diese Qualität von Strichauftrag und Strahlkraft der Linien erinnert an einen Egon Schiele, an Alfred Kornberger oder Pablo Picasso. Die dramaturgische Komposition der Farben und die expressive Dynamik sind weitere verbindende Merkmale zwischen diesen Meistern. Mit Kornberger hatte Otto Muehl übrigens 1955 die erste öffentliche Ausstellung im damaligen Messepalast (heutiges Museumsquartier).

Muehl-Sammler und Galerist Philipp Konzett vor einem pastosen Werk aus der van Gogh Serie bei der WAM-Ausstellung Muehl auf einer Ebene mit Warhol, Beuys, Richter und Rauschenberg
Ebenso aus den 1980er-Jahren sind dann noch Malereien aus der “van Gogh-Serie” und abstrakte Darstellungen von Liebspaaren. Auch sie beeindrucken mit ihrer Expressivität, Farbkomposition und perfekt sitzender Pinsel- bzw. Strichführung. Weitere gezeigte Bilder betreffen dann noch das Jahr 1986, für WAM-Direktor Klaus Albrecht Schröder besonders bemerkenswert. 1985 gab es in Süd-Italien ein verheerendes Erdbeben und ein Mailänder-Kunsthändler lädt Otto Muehl neben internationale Kapazundern wie Warhol, Beuys, Richter oder Rauschenberg ein, sich mit diesem Thema künstlerisch auseinander zu setzen.
Daraus entsteht 1986 die Erdbeben-Serie.“Von einem Tag auf den anderen, von einem Augenblick auf den anderen ist nichts mehr wie es war bei einem derartigen Erdbeben. Alle hätten erwartet, dass Muehl gerade zu diesem Thema seine Raserei mit wenigen Pinselstrichen expressiv umsetzt. Aber Muehl malt diese Unordnung und völlige Instabilität in zarten, feinen Linien, in äußerster Ruhe und mit vergleichsweise ruhigen Pastellfarben”, so Schröder.
Kunst hat eine Eigenmächtigkeit, die unabhängig von Zeit und Biografie wirkt
Diese Bilder sind in der Tat bemerkenswert. Von der Perfektion und Strahlkraft der Linien und von der Farbkomposition her mit den Werken aus den oben angeführten Bildern mit Motiven aus dem Haushalt vergleichbar, vermitteln sie (trotzdem) eine große Unruhe und Gefahr. Große Kunst, insbesondere wie Muehl mit wenigen, perfekt sitzenden Strichen das regelrecht spürbare Entsetzen in den Gesichtern der Menschen darstellt.
“Kunst hat eine Eigenmächtigkeit, die unabhängig von der Zeit wirkt, unabhängig von der Biografie, das gehört zu meiner felsenfesten Überzeugung. Das mag paradox klingen, aber ich möchte daran erinnern, dass wir laufend Werke in Museen bewundern, obwohl wir nichts mit den Schöpfern gemeinsam haben. Was wir an all diesen Werken bewundern ist etwas anderes, als deswegen sie beauftragt oder als deswegen sie gemalt wurden. Grundsätzlich und egal ob wir den Künstler kennen oder nicht, interpretieren wir jedes Werk auf’s neue”, untermauerte Klaus Albrecht Schröder seine Sichtweise im Kontext der laufenden Diskussionen und Proteste.
Ein sichtlich betroffener Klaus Albrecht Schröder und minutenlanger Applaus der Kunstszene
Nach seiner Eröffnungsrede erhielt der von den Protesten und teilweise persönlich gehässigen Medienberichten sichtlich betroffene Schröder minutenlangen Applaus von der versammelten Kunstszene. Unter den Besuchern waren Mariusz Demner, Hubert Glocker, Jakob Grabmayr, Saskia Leopold, Konrad Paul Liessmann, Helmut Schwärzler und Georg Zanger sowie die Galeristen Michaela und Heimo Bachlechner, Peter Coeln, Julius Hummel, Ebi Kohlbacher, Philipp Konzett, Ursula Krinzinger, Gerhard Sommer und Claudia Suppan sowie viele nationale wie internationale Sammler.
Ebenfalls anwesend waren viele ehemalige Kommunarden und Modelle von Muehl-Bildern, die bereitwillig und freudig spannende Informationen zu Entstehung und Hintergrund von vielen Werken erläutern. Noch ausbaufähig ist das Leitsystem im neu erweiterten Wiener Aktionismus Museum und das Lektorat für die begleitenden Informationstexte. Die Kunst spricht und berührt aber auch so. Hingehen und anschauen! (red/czaak)
Europas größtes Weinfest

Niederösterreich wieder Schauplatz von Veranstaltung Weinherbst. Offene Weinkeller, Verkostungen, Picknicks oder Weinlese. Entlang der 830 km langen Weinstraße finden in über 100 niederösterreichischen Gemeinden zahlreiche Veranstaltungen statt.
Bereits zum 31. Mal geht von Ende August bis Ende November 2026 mit dem „Weinherbst Niederösterreich“ die größte weintouristische Initiative Europas in Szene. Wie schon im Vorjahr werden Tausende Gäste aus dem In- und Ausland erwartet. Auch heuer finden in den über 100 niederösterreichischen Weinherbst-Gemeinden entlang der 830 Kilometer langen Weinstraße Hunderte Veranstaltungen statt, die sich mit dem Thema Wein beschäftigen.
Aus einer kleinen Initiative, die im ersten Weinherbst im Jahr 1996 mit 214 Veranstaltungen begonnen hat, hat sich ein facettenreiches Genussprogramm entwickelt. Heute präsentiert sich der NÖ-Weinherbst als eine mehr als 100 Tage dauernde Veranstaltungsreihe, die mit Initiativen rund um den Rebensaft ein breites Publikum anspricht. Als besonderes Erfolgsgeheimnis erweist sich das ausgewogene Verhältnis zwischen dem Bewahren von Tradition und kontinuierlicher Weiterentwicklung des Angebots.
Straßenfeste und Wanderungen und Radtouren und Kunstausstellungen
Demgemäß vielfältig fällt auch das Veranstaltungsprogramm in den acht Weinbauregionen und DAC-Gebieten Niederösterreichs aus: Sturmtage, Wein- und Straßenfeste in den Kellergassen, „Hiata“-Angelobungen, Tage der offenen Kellertür, Verkostungen, Picknicks, Teilnahme an der Weinlese, gemütliche Wanderungen, genussvolle Radtouren, Erntedankfeste, Weintaufen, Jungwein-Präsentationen, wissenswerte Weinführungen, Lesungen sowie Kunstausstellungen.
Ein erster Höhepunkt im Rahmen des NÖ Weinherbst 2026 ist vom 27. August bis 27. September die Veranstaltungsreihe „Kostbares Kamptal“, wo Weinbaubetriebe aus der Region zur Degustation ihrer edlen Tropfen einladen. Besonders vielseitig gestalten sich dabei die Weinverkostungen. Beispielsweise bei den „Offenen Kellertüren“ oder am 27. September, wenn im Kaiser-Josef-Park die Langenloiser Weinchampions feierlich prämiert und das Weingut des Jahres gekürt werden. (NOe-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Kratzer am Denkmal Rangnick

Der spielerische WM-Auftritt des Nationalteams als Kollektiv war ein Armutszeugnis. Kein Selbstbewusstsein, keine Abstimmung, kein Spielwitz und keine Härte deuten insbesondere auf eine fehlerhafte oder nicht mehr existente Mental-Betreuung hin. Ein WM-Resümee von Christian Czaak.
Last-Minute Zittersieg im ersten Match gegen Jordanien. Kampflose Niederlage gegen Argentinien. Last-Second Zitterunentschieden gegen Algerien. Klassenunterschiedlicher Untergang ohne auch nur einer einzigen Chance gegen Spanien. Die Spiele der Österreichischen Fußball-Nationalmannschaft bei der aktuellen Weltmeisterschaft (WM) in den USA, Mexico und Kanada strapazierten das hitzebedingt ohnehin strapazierte Nervenkostüm von so gut wie allen Fußball-interessierten Menschen im Lande.
Das Unvermögen aus der vorhandenen Einzelqualität auch ein spielerisches Kollektiv zu schaffen
Zur Erinnerung auch noch das entscheidende Tor um die WM-Teilnahme von Michael Gregoritsch kurz vor Spielschluss im entscheidenden Match gegen Bosnien. Ergebnisse und Spielverlauf in den Auftritten des Österreichischen Nationalteams bei der Fußball-WM erfordern eine entsprechende Reaktion. Die Mehrheit der Spieler benötigen mehr Selbstbewusstsein wie Härte und das Team als Kollektiv mit dem Ball eine primär offensiv orientierte Abstimmung und Spielverständnis. Das ist insbesondere eine mentale Bringschuld des Trainer- und Betreuerteams rund um Teamboss Ralf Rangnick.
Grundsätzlich verfügt das aktuelle National-Team über auch international gesehen wirklich gute Fußballer. Nahezu alle spielen und bestehen als Stammkräfte in starken Ligen wie Deutschland, Spanien oder England. In der Einzelbetrachtung sind die Spieler technisch und läuferisch-konditionell sehr gut. Dem Trainer- und Betreuerstab rund um Teamchef Rangnick ist es zudem gelungen das Team einmal vom Kopf her als starkes Kollektiv bzw. Einheit zu formen. Zusammengefasst existiert also ein gutes und auch international absolut konkurrenzfähiges Fundament.
Österreichische Kicker müssen auch eine „Krätz’n“ können
Was der Mehrheit der Spieler und damit auch dem spielerischen Kollektiv vergleichsweise fehlt ist Selbstbewusstsein, ein davon ausgehender Mut inklusive Spielwitz und eine vertretbare physische Härte bzw. Körperlichkeit im Kampf Mann gegen Mann. Im Match gegen Argentinien war das ein zumindest mitentscheidendes Momentum. Ein Wirken als „Krätz’n“ wie Argentiniens Mac Allister & Co. muss (insbesondere) ein österreichischer Kicker ja wohl auch „drauf‘ haben“.
Schon in meiner aktiven Zeit (1968 bis 1980 Jugend-Teams bis U‑19 beim Wiener Sportclub mit mehrfachen Meisterschaftsgewinnen) gab es Anweisungen, wichtige gegnerische Spieler zu Beginn einmal „ein bissel abzuklopf’n“ und ihnen so „die Schneid‘ zu nehmen. Bei uns hat das nahezu immer gut funktioniert und in vertretbaren, nicht verletzenden Dosierungen sollte das auch in heutigen Spielstrategien enthalten sein. Ist es auch, bei der jetzigen WM haben diese Strategie etwa Argentinien in vertretbarer und Paraguay in nicht vertretbarer Form gezeigt.
Sonderlob für Schlager und Alaba und Sabitzer und das restliche Fehlverhalten
Im ÖFB-Team zeigt sich das fehlende Selbstbewusstsein neben einer entsprechend oft nervös-unsicheren Körpersprache in zahllosen Quer- und Rückpässen, die dann überwiegend überhastet gespielt werden. Nur ja keine Verantwortung, rasch und lieber weg mit der Kugel zum Kollegen. Taktik, bzw. Ball halten hin oder her, der Ballbesitz-Fußball allein kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein – und ist es im Kontext der Spielverläufe und Ergebnisse auch nicht. Was mehrheitlich auch gefehlt hat, war das ansonsten typische Pressing der Rangnick-Truppe.
Die Wirkung einer selbstbewussten Ausstrahlung hat Tormann Alexander Schlager beim abgewehrten Elfer gegen Lionel Messi gezeigt. Gegen Messi! Und David Alaba hat es u.a. mit seinem Superpass über das ganze Spielfeld auf Marko Arnautovic gezeigt, der diesen (glücklicherweise…) zum 1:0 gegen Algerien verwerten konnte. Detto Marcel Sabitzer mit seiner kontinuierlich gelebten Offensiv-Kraft. Warum nicht mehr solcher Pässe und etwaig auch mit dem sogenannten zweiten Ball als Abpraller Druck machen? Schlager und Sabitzer und Alaba hatten bei der WM dieses Selbstbewusstsein plus Mut. Sie brachten damit zumindest etwas Dominanz auf den Platz.
Vergebene Chancen gegen Argentinien und die Wirkung eines eigenen Mental-Betreuers
Ein kollektiveres Mehr an Selbstbewusstsein und Mut gepaart mit einer Prise „Killerinstinkt“ wäre insbesondere auch gegen Argentinien nach dem vergebenen Messi-Elfer wichtig bzw. nötig gewesen. Oder, wenn eben nicht selbständig vorhanden, dann eine Anweisung Rangnicks – so er es erkennt. Die Argentinier waren hier längere Zeit total verunsichert, erkennbar allein optisch an der Körpersprache und Mimik. Österreich hat das nicht bemerkt oder nicht vermocht auszunutzen. Auch die Rolle und Funktion eines Kapitäns kann in diesem Kontext hinterfragt werden.
Was eine gesonderte Mental-Betreuung bewirken kann, hat das Engagement des Mental-Experten Marc Gassert rund um die erfolgreiche Qualifikation und den Turnier-Einsatz im Rahmen der EURO 2024 gezeigt. Gassert begleitete hier das ÖFB-Team und gehörte auch während der EURO zum Betreuerstab des ÖFB-Teams. Er gilt als Experte für mentale Stärke und Motivation, ist auch Meister von Kampfsportarten wie Karate sowie gut gebuchter Vortragender bei entsprechenden Veranstaltungen und erfolgreicher Autor mehrerer Bücher mit Titeln wie „Die Kraft des Drachen“ oder „Alles ist schwer, bevor es leicht wird“.
Keine eigene Mental-Betreuung beim Österreichischen Team bei dieser WM
Peter Schöttel hatte diese eigene Mental-Betreuung damals extra betont, Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer etwa hatten sie gelobt und für gut befunden. Die Vermittlung dieser Mentalität bzw. entsprechender Sichtweisen oder ein gesondertes Augenmerk auf das Thema hätte dem Team sicher und gerade auch bei dieser WM gutgetan. Laut ÖFB-Pressestelle gab es aber bei dieser WM keinen eigenen Mental-Coach. „Die Spieler arbeiten individuell mit Mentalcoaches oder Psychologen zusammen“, so der ÖFB auf Anfrage von economy. Ein Fehler – und eigentlich unverständlich auch in Bezug auf die von Teamchef Ralf Rangnick selbst (vor)gelebte Mentalität.
Unterm Strich bleibt vor allem ein Schade, weil vom grundsätzlichen Potential her mehr möglich gewesen wäre. Unterm Strich bleibt aber auch ein Lob für einen sympathischen Auftritt, das sichtbare Bemühen und für das Überstehen der Vorrunde. Bei den medial üblichen Einzelwertungen gebührt nochmals Alexander Schlager, Marcel Sabitzer und David Alaba ein Sonderlob: Große Klasse, auch im internationalen Vergleich. Ein herzliches Sonderlob für Marko Arnautovic, wie Keith Richards bei den Stones ist, bzw. nun ja war er das emotionale und authentische Herz der Österreichischen Mannschaft. Alles Gute für die Zukunft an der Stelle.
Österreichische Momente und ehemals kleine Fußballnationen auf Augenhöhe mit großen Nationen
Erwähnenswert noch Kevin Danso, Konrad „The Machine“ Laimer, Paul Wanner und Carney Chukwuemeka, die zumindest ansatzweise spielerische oder mutige Akzente nach vorne gesetzt haben. Dazu Sasa Kalajdzic, allein schon als einziger (!) Vertreter der Österreichischen Bundesliga (Leihspieler beim Linzer LASK und nun wieder retour nach Wolverhampton/England) und natürlich für sein Last-Second-Goal, das Aufstieg und Auftritt gegen Spanien sicherte. Zu den restlichen Spielern sei nichts angeführt, das kollektive Bemühen ist schon erwähnt. Einzig vielleicht noch Florian Grillitsch für seine gewohnt perfekt sitzende Frisur. Die nötige spielerische Kritik hat Grillitsch schon von David Alaba auf dem Platz im Spiel gegen Spanien beim zweiten Gegentor erhalten…
Kritik und Lob ist diesmal aber auch im Kontext zu sehen, dass es mittlerweile de facto keine „Bloßfüßigen“, vulgo schwachen Teams mehr gibt. Das ist eine, wenn nicht die zentrale Erkenntnis dieser WM. Siehe Spiele und (leider) Ausscheiden von Teams wie Deutschland, Holland oder Brasilien. Der Fußball ist sozusagen noch internationaler geworden, Legionäre und internationale Trainer bringen und vermitteln viel Kompetenz und so spielen auch von der Einwohnerzahl her kleine Länder auf Augenhöhe mit den ehemals großen Fußball-Nationen.
Letztklassiges Paraguay und souveräne Franzosen
Von Auftritt und Umfeld her eine absolut sympathische WM, ausgenommen die „Ratz’n“ von Paraguay, letztklassig. Die zugegebenermaßen deftige Beschreibung „Ratz’n“ schließt auch die Paraguay-Politikerin Amarilla de Boccia ein, die Kylian Mbappe nach dem verlorenen Frankreich-Spiel übelst beschimpft und rassistisch beleidigt – Zitat u.a.: „Der Trottel hat nicht mal schreiben gelernt. Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen“. Umso spitzenklassiger und souveräner und sympathischer dafür die Franzosen in diesem direkten Aufeinandertreffen.
Ebenso toll Entwicklung und Team von Norwegen, auch im Vergleich zu Österreich. Und wenn wir schon bei Vergleichen sind: Toll, weil spannend wie kompetent und informativ, die Berichterstattung von Servus TV, generell und noch mehr in Relation zu ORF oder ARD und ZDF. Wechselwilligkeit zum ORF gibt es nur, wenn der überaus sympathische, weil mit dem konkurrenzlosen Wiener Schmäh‘ gesegnete und unaufgeregt sehr kompetenten fußballerischen Klartext vermittelnde Andreas Herzog mehr Sendezeit bekommt.
Von Pele, Cruyff, Rivera und Beckenbauer zu Haarland, Kane, Yamal und Musiala
Abschließend noch zu den herausragenden Spielern bei dieser WM mit einer entsprechend angebrachten Verbeugung vor Erling Haarland (Norwegen), vor Harry Kane (England), vor Cristiano Ronaldo (41 und bei Portugal), vor Lamine Yamal (18 und bei Spanien) und vor Leroy Sane (Deutschland). Sie erinnern an die damaligen Heroes in der eigenen fußballesterischen Zeit der 1970er Jahre.
Dazu gehörten insbesondere die Brasilianer Pele, Carlos Alberto, Roberto Falcao, Roberto Rivelino und Jairzinho, die Holländer Johan Cruyff, Johan Neeskens, Wim van Hanegem, Rob Rensenbrink und Johnny Rep, die Italiener Gianni Rivera, Roberto Bettega, Sandro Mazzola, Giacinto Facchetti und Luigi „Gigi“ Riva und natürlich die Deutschen Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Berti Vogts, Günter Netzer und Gerd Müller. Würdig und im Kontext, diese Legenden wieder einmal in Erinnerung zu rufen.
Ausnahmefußballkönner als Geschenk und die völkerverbindende Magie des Fußballs
In der „Ersten“ beim heimischen Wiener Sportclub spielte zu dieser Zeit übrigens auch ein Hero: Anton „Burli“ Herzog, der Vater von Andreas Herzog. Zurück zur aktuellen WM und den Heroes, wo neben einer Verbeugung oftmals auch ein „Niederknien“ angebracht ist: Vinicius Junior (Brasilien), Kylian Mbappe (Frankreich) und insbesondere Lionel „La Pulga“ Messi (39 und bei Argentinien), Fußballgott und bis dato auch zurück bis zu Pele, Beckenbauer, Cruyff & Co. bester Fußballer ever. Das „bis dato“ bezieht sich auf Mbappe, Yamal und Jamal Musiala (Deutschland), die dieses Potential auch haben.
Die angeführten Spieler der aktuellen WM und sicher auch einige mehr sind allesamt absolute Ausnahmefußballkönner, die noch dazu verlässlich wie auf Knopfdruck Tore und spielerische Gustostückerln liefern. Auch als ehemals meisterlicher Junior-Stürmer aus der Wiener Vorstadt: es ist ein Vergnügen und ein Geschenk diesen Künstlern gemeinsam zuschauen zu können und dabei einmal mehr die völkerverbindende Magie des Fußballs zu erleben. (red/czaak)
Die große Last der jungen Generation

In Deutschland fließen mehr als zwei Drittel aller Sozialausgaben in Pensionen und Gesundheit. Das Sozialbudget ist in den letzten dreißig Jahren um 60 Prozent gestiegen. Auch in Österreich steigen diese Kosten kontinuierlich.
Rund 70 Prozent des deutschen Sozialbudgets fließt in Renten- und Gesundheitsausgaben, so eine neue Studie des ifo Instituts zur Entwicklung des Sozialbudgets in Deutschland von 1992 bis 2024. „Der Sozialstaat wächst vor allem strukturell durch den demografischen Wandel. Das geschieht vor allem zu Lasten der jungen Generation“, sagt Lilly Fischer vom ifo-Institut.In Österreich betragen die Sozialausgaben (inkl. Arbeitslosengelder) für das Jahr 2024 laut Statistik Austria rund 33 Prozent des BIP und die Pensionsausgaben rund 16 Prozent, zusammen 49 Prozent.
Sozialbudgetquote steigt in Krisenjahren
Insgesamt ist das Sozialbudget in Deutschland seit 1992 preisbereinigt um knapp 60 (!) Prozent gestiegen und entspricht im Jahr 2024 rund 31 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Im Jahr 1992 entsprach das Sozialbudget noch 26 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Über 80 Prozent des Anstiegs bei den Sozialausgaben hängen mit den Funktionen Alter und Krankheit und damit der Alterung der Gesellschaft zusammen“, sagt Emilie Höslinger, Forscherin vom ifo-Institut.In Krisenjahren stieg die Sozialbudgetquote aufgrund wirtschaftlicher Schocks, in denen der Sozialstaat als automatischer Stabilisator diente. Nach den Krisenjahren folgte jeweils eine Phase der Stabilisierung. Steuerfinanzierte Förder- und Fürsorgesysteme wie Arbeitslosenunterstützung, Familienleistungen, Wohngeld oder Hilfen für Menschen mit Behinderung machen in Deutschland heute etwa 20 Prozent des Budgets aus.
Arbeitslosigkeit hinter alters- und gesundheitsbezogenen Leistungen
Die realen Ausgaben wuchsen im Zeitverlauf um fast 130 Prozent. Innerhalb der Förder- und Fürsorgesysteme sind die Ausgaben für Kinder und Jugendliche am stärksten gestiegen – um mehr als 140 Prozent. Damit trugen sie lediglich rund 17 Prozent zum Zuwachs des gesamten Sozialbudgets bei. Der Bereich Arbeitslosigkeit war im gesamten Zeitverlauf ein relevanter Ausgabenblock, tritt jedoch gegenüber den alters- und gesundheitsbezogenen Leistungen zunehmend in den Hintergrund.
Die Studie stützt sich auf Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum deutschen Sozialbudget für den Zeitraum 1992 bis 2024. Das Sozialbudget umfasst dabei neben steuerfinanzierten Transfers und Versorgungsleistungen der Sozialversicherungen auch betriebliche Leistungen wie etwa Betriebsrenten und private Leistungen wie etwa die sogenannte Riester-Rente. (red/czaak)
Kultur und Wein

In Niederösterreich startet die Veranstaltungsreihe „Kultur bei Winzerinnen“ in die siebente Saison. Auf die Gäste warten eine Vielzahl an Konzerten, Lesungen und Kabarett inmitten von Weingärten, in idyllischen Kellergassen oder direkt an den Winzerhöfen.
Die Aktion „Kultur bei Winzerinnen und Winzern“ hat mittlerweile eine stetig wachsende Fangemeinde und startet nun während der Sommermonate in die bereits siebente Saison. Die Veranstaltungsreihe ist ein Gemeinschaftsprojekt von NÖ Weinbauverband, NÖ Werbung und Kulturabteilung des Landes Niederösterreich. Den Gästen werden Konzerte, Lesungen und Kabarett inmitten von Weingärten, in idyllischen Kellergassen oder direkt am Winzerhof geboten. Inhaltlich wartet ein bunter Mix an Musik, Literatur oder Satire.
Heuer stehen vom 26. Juni bis 4. September in acht niederösterreichischen Weinbaugebieten dreißig Veranstaltungen mit Winzerinnen sowie den mitwirkenden Künstlerinnen auf dem Programm. Karten zu den Events sind direkt bei den teilnehmenden Weingütern erhältlich. Informationen zu den einzelnen Terminen bis hin zu passenden Urlaubspackages finden Interessierte unter dem beigefügten Link. (NOe-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Handlungsbedarf bei Förderungen

Große Nachfrage bei Sanierungsoffensive der Bundesregierung. Von 360 Millionen Euro Förderbudget nur mehr wenige Millionen über. Experten empfehlen rasche Einreichung und genaue Prüfung der Berechtigungen.
Seit der Neuauflage der Sanierungsoffensive der Österreichischen Bundesregierung letzten Herbst sind zwei Drittel der Anträge in Richtung Sanierungsbonus gegangen und in Richtung Kesseltausch nur rund ein Drittel. Da der Kesseltausch im Vergleich eine deutlich höhere CO2-Einsparung erzielt, wurde die Sanierungsoffensive angepasst und diese ist nur mehr für den Kesseltausch bzw. für den Austausch fossiler Heizsysteme möglich.
Von den 360 Millionen Euro Budget der Sanierungsoffensive für das heurige Jahr 2026 sind bereits mehr als 90 Prozent vergeben und nur noch wenige Millionen Euro stehen zur Verfügung. Die Nachfrage reißt nicht ab und so sollten sich die primär angesprochenen Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie von Reihenhäusern oder mehrgeschossigen Wohnanlagen bei entsprechenden Sanierungen beeilen.
Baldige Ausschöpfung des Fördertopfes
Förderfähig sind ausschließlich Bestandsgebäude. Antragsberechtigt sind Eigentümer, Bauberechtigte oder Mieter von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Eigentümer von Mehrparteienhäusern. Neubauten sind von der Förderung ausgeschlossen. Die Förderanträge können zwar offiziell noch bis zum 31. Dezember 2026 gestellt werden, die Mittel werden jedoch nach dem Prinzip „solange der Vorrat reicht“ vergeben. Experten rechnen damit, dass der Fördertopf innerhalb der nächsten Wochen vollständig ausgeschöpft sein wird.
Die Registrierung muss – vor der Beauftragung eines Fachbetriebs – erfolgen. Wer bereits einen Auftrag erteilt hat, verliert den Förderanspruch. Zudem sind ein Energieberatungsprotokoll sowie die Durchführung der Arbeiten durch einen zertifizierten Fachbetrieb Voraussetzung für die Förderung. Die Unterstützung beträgt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Investitionskosten und kann mit Landesförderungen kombiniert werden.
Nachhaltige Verbesserung von Energieeffizienz und Wert der eigenen Immobilie
„Die Erfahrung zeigt, dass attraktive Förderprogramme rasch ausgereizt werden. Das Vorgängerprogramm „Raus aus Öl und Gas“ wurde damals vollständig aufgebraucht, bevor viele Haushalte überhaupt reagiert hatten“, sagt Martin Kloboucnik, Co-CEO von Wolf Klima- und Heiztechnik. „Auch aktuell reißt die Nachfrage nicht ab. Wer bei Sanierungsentscheidungen zu lange wartet, riskiert höhere Kosten und den Verlust verfügbarer Förderungen“, so der Experte.
Der aktuelle Handlungsbedarf zeigt sich auch im Gesamtbild: Laut Umweltbundesamt liegt die jährliche Sanierungsrate in Österreich momentan bei rund 0,9 Prozent. Für die Erreichung der Klima- und Energieziele wäre jedoch eine Steigerung auf etwa 2,5 bis 3 Prozent notwendig. „Wer jetzt investiert, sichert sich nicht nur die Chance auf Fördermittel, sondern verbessert langfristig auch die Energieeffizienz und den Wert der eigenen Immobilie“, unterstreicht Martin Kloboucnik von Wolf Klima- und Heiztechnik. (red/czaak)
Grundbedürfnisse gezielter absichern

Die von Regierung beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel reicht nicht. Grundbedürfnisse der Menschen müssen zielgerichteter abgesichert werden. Bei Handelsriesen braucht es mehr Preiskontrolle plus Zurückhaltung bei Gewinnmaximierung, so Analyse des Momentum-Instituts.
Die österreichische Bundesregierung und der Nationalrat haben die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel final abgehandelt bzw. verabschiedet und kürzlich hat auch der Bundesrat zugestimmt. Damit wird nun mit 1. Juli des heurigen Jahres die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer bei Produkten wie Brot, Eier, Milch Joghurt und vielen Gemüsesorten auf 4,9 Prozent gesenkt, anstatt den bisherigen zehn (10) Prozent. Private Haushalte sollen sich dadurch ca. 100 Euro pro Jahr ersparen.
Zumindest aus der Sicht eines familienerhaltenden Kleinunternehmers ist diese Entlastung dringend nötig – und in ausgeweiteter Blickrichtung auf weitere Bevölkerungsschichten sieht das auch das Momentum-Institut so. „Erhöhte Lebensmittelpreise treffen nicht alle gleich, daher sollte die Regierung einerseits die Liste der ausgewählten Lebensmittel stärker auf die Konsummuster von einkommensärmeren Haushalten ausrichten und weiters Handelsriesen mit Kontrollen und Preisdeckeln zur Gewinnzurückhaltung bewegen“, so das Momentum-Institut.
Kurz nach Ankündigung verteuern sich plötzlich mehrere Nahrungsmittel
Das mit den Kontrollen unterstreicht der schreibende und im Schnitt zwei Mal wöchentlich Lebensmittel einkaufende Kleinunternehmer ebenso. Kurz nach Ankündigung der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel Ende Jänner verteuerten sich plötzlich mehrere Nahrungsmittel um rd. 20 (!) Prozent. Das war aber, erstens, sicher nur ein Zufall, und zweitens sind da, wie gewohnt und ebenso sicher, die phösen Lieferanten und Produzenten verantwortlich.
Genau. „Die Preisbildung bei Nahrungsmitteln beginnt bereits in den vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette wie Landwirtschaft, Verarbeitung und auf den internationalen Rohstoffmärkten. Überall hier gab es zuletzt exorbitante Kostensteigerungen. Der Lebensmittelhandel hat auf diese Erzeugungskosten keinerlei Einfluss, muss die massiven Kostensteigerungen allerdings in seine Kalkulation entsprechend einpreisen“, so der Handelsverband in einer Stellungnahme. Genau.
Kleine Entlastung kann spürbaren Unterschied machen
Eine aktuelle Berechnung des Momentum Instituts zeigt, dass eine Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel ärmere Haushalte relativ am stärksten entlastet. Das einkommensärmste Fünftel spart dadurch etwa 77 Euro im Jahr (Anm.: das sind rund 0,43 Prozent seines Jahres-Einkommens; was daraus errechnet dann nur rund 16.000 Euro ausmacht). Beim reichsten Fünftel beträgt die Entlastung 108 Euro im Jahr; das sind hier nur 0,11 Prozent des Einkommens, was dann vglw. ein Jahreseinkommen von rd. 108.000 Euro ergibt. Die Maßnahme nützt aber eindeutig jenen am meisten, die jeden Euro beim Einkauf zweimal umdrehen müssen, weil sie anteilig mehr für ihre Grundbedürfnisse ausgeben müsse.
Für Haushalte mit wenig Einkommen kann schon eine kleine Entlastung einen spürbaren Unterschied machen. „Aber genau deshalb muss die Maßnahme so gestaltet werden, dass sie dort wirklich ausreichend ankommt, und da sehen wir aktuell noch Luft nach oben“ so die Ökonomen vom Momentum-Institut. „Nur 18 Prozent der Lebensmittelausgaben ärmerer Haushalte entfallen auf Produkte, die sowohl auf der Regierungsliste stehen als auch überdurchschnittlich von ärmeren Haushalten gekauft werden.“
Die Liste stärker an den Lebensmitteleinkäufen von ärmeren Haushalten ausrichten
Besonders problematisch sei, dass 26 Prozent der Lebensmittelausgaben von ärmeren Haushalten auf Produkte entfallen, die von bedürftigeren Menschen überdurchschnittlich gekauft werden, laut Regierungsplan aber nicht von der Mehrwertsteuersenkung erfasst wären. 38 Prozent entfallen auf andere Lebensmittel. Wenn die Regierung die einkommensärmsten Haushalte schützen will, muss sie die Liste stärker an deren tatsächlichem Einkauf ausrichten. Es mache einen Unterschied, ob die Maßnahme am Ende wirklich bei jenen Lebensmitteln greift, die arme Haushalte besonders häufig kaufen.
„Richtet die Regierung die Liste stärker an den Lebensmitteleinkäufen von ärmeren Haushalten aus, kann die Maßnahme das ärmste Einkommensfünftel mit 0,7 Prozent Ersparnis anteilig am Einkommen fast doppelt so stark wie in der aktuell angedachten Ausgestaltung entlasten. In Eurobeträgen bedeutet das in diesem Einkommensfünftel eine Entlastung um 40 Euro mehr“, so die Momentum-Experten. Das Momentum Institut empfiehlt daher, die Liste zu überarbeiten. Entscheidend sei, welche Produkte im Alltag einkommensarmer Haushalte tatsächlich eine große Rolle spielen.
Gewinnzurückhaltung statt Mitnahmeeffekte im Handel
Eine Mehrwertsteuersenkung reicht allein aus Sicht des Momentum Instituts nicht aus. Denn diese helfe nur dann, wenn sie vollständig an die Konsumenten weitergegeben wird. Bleibt ein Teil der Senkung in den Margen des Handels hängen, wird aus einer Entlastungsmaßnahme für Haushalte ein Geschenk an Unternehmen. Die Regierung sollte nicht nur senken und dann hoffen, dass der Handel die Entlastung weitergibt. Es brauche „Kontrolle, Transparenz und vor allem eine Deckelung von Gewinnmargen bei ausgewählten Grundprodukten bei Handelsriesen“.
Besonders große Handelskonzerne, wie etwa REWE (u.a. Billa) oder Spar profitieren stark von der geplanten Kürzung der Lohnnebenkosten. Umso mehr sei jetzt Gewinnzurückhaltung gefragt. Wer durch die Lohnnebenkosten-Kürzung ohnehin entlastet wird, sollte Gewinnzurückhaltung üben. „Neben Preisdeckeln auf bestimmte Grundnahrungsmittel soll die Mehrwertsteuer-Entlastung komplett an die Kunden weitergegeben werden und nicht zur Margenaufbesserung dienen. „Gerade angesichts der vielen aktuellen Risiken und Krisen ist es entscheidend, dass die Deckung der Grundbedürfnisse leistbar bleibt“, so das Momentum Institut. (red/czaak)
„Nicht um jeden Preis“

Auftritt von Peter Thiel bei Wiener Festwochen nach eingehender Reflexion unterschiedlicher Positionen abgesagt. Nach fundierter Erörterung und Zustimmung mehrerer Gremien im Vorfeld geben verlautbarte und angedrohte Absagen anderer Künstler den Ausschlag. Ganzes Procedere final nun Art eigenes Festwochen-Stück.
Die Wiener Festwochen rund um Intendant Milo Rau und Geschäftsführerin Artemis Vakianis haben den für 7. Juni vorgesehenen Diskussionsauftritt des US-Tech-Unternehmers Peter Thiel abgesagt. Die Absage kommt jetzt eigentlich überraschend. Im Vorfeld dieser finalen Entscheidung gab es auf Grund medialer Debatten und einiger mit dem Thiel-Auftritt verbundener Absagen anderer Festwochen-Protagonisten mehrere gesonderte und öffentliche Erörterungen zu Pro und Contra des Thiel-Auftritts.
Rat der Republik und Experten und gesonderte öffentliche Debatte allesamt für Auftritt von Peter Thiel
Das Stimmungsbild im sogenannten Rat der Republik und bei einer zusätzlich im Wiener Odeon-Theater veranstalteten öffentlichen Debatte der Republik legte laut Festwochen „die Durchführung der Thiel-Veranstaltung nahe“ und auch „das einstimmig positive Statement von externen Experten:innen sprach sich für die Durchführung aus“, so die Festwochen in einer Aussendung. Die ebenso zustimmende Sichtweise von economy kann im Text „Willkommen Peter Thiel und Bravo Milo Rau!“ nachgelesen werden.
Das im Kontext mit dem Thema Cancel-Prozedere einberufene Beratungsgremium der Festwochen bestand aus Natasha Tripney (Autorin und Kritikerin in London und Belgrad, Mitglied des Programmbeirats), Monika Mokre (Politikwissenschaftlerin, Mitglied des Rats der Republik) und Matthias Pees (Intendant der Berliner Festspiele). „Diese Gesellschaft ist und muss stark genug sein, um auch polemische, spaltende, unsolidarische, extremistische, undemokratische oder verfassungswidrige Stimmen und Beiträge zu ertragen, zu erdulden, ihnen entgegenzutreten, sie aufzudecken und ihnen entgegenzuwirken“, so der finale Befund des Gremiums.
„Absagen schwächen in ihrer Gesamtheit diesjährige Festwochen in untragbarem Umfang“
Parallel waren die Wiener Festwochen mit einer zunehmenden Anzahl kritischer Stimmen und vor allem mit immer zahlreicheren politisch oder ethisch motivierten Absagen von Beteiligten am künstlerischen Programm konfrontiert und das hat dann final die Absage nach sich gezogen. „Diese Absagen schwächen in ihrer Gesamtheit die diesjährigen Festwochen in einem untragbaren Umfang, weshalb sich die Geschäftsführung entschlossen hat, die Debatte mit Peter Thiel abzusagen“, so die Festwochen.
Intendant Milo Rau verlautbarte dazu auch seine persönliche Sichtweise: „Nicht um jeden Preis: Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst. Aus meiner Verantwortung für das Gesamtprogramm musste ich mich leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend und im Rahmen der Republic of Gods (Anm. das Motto der diesjährigen Festwochen) konsequent gefunden hätte. Ein Beharren auf der Veranstaltung stünde jedoch im Widerspruch zu meiner Wertschätzung für unser künstlerisches Programm und alle daran Beteiligten“.
Breite Debatte in Medien mit Zustimmung wie auch fundierter Kritik an Absage
Die Absage wurde in mehreren Medien breit diskutiert und von den Leser:innen mehrheitlich begrüßt. Es gab aber auch fundiert kritische Stimmen gegen die Absage. Nachfolgend zwei beispielgebende Postings zum entsprechenden Bericht zur Absage aus dem Forum vom Online-Standard, wo es in kurzer Zeit über 1.000 Beiträge gab.
Standard-Poster:in „Gatze Choupette Lagerfeld“ schreibt:
„Cancel Culture ist der falsche Weg für eine offene Gesellschaft. Man muss die Positionen von Peter Thiel keineswegs teilen, um zu erkennen, dass das vorschnelle Ausladen unliebsamer Gäste unserer demokratischen Diskurskultur massiv schadet. Eine lebendige Demokratie lebt vom Austausch und der Auseinandersetzung – auch und gerade mit kontroversen Meinungen.Nur so können sich Bürgerinnen und Bürger ein eigenes, kritisches Bild machen. Mit diesem überstürzten Einknicken vor dem ersten Protest haben die Verantwortlichen der Debatte rund um die „Wokeness“ ein gefundenes Fressen geliefert. Von den Entscheidungsträgern eines so bedeutenden Kulturfestivals darf man Souveränität statt Panik erwarten. Meinungen zu canceln, nur weil Gegenwind aufkommt, ist das Gegenteil von gelebter Demokratie.“ (Zitat-Ende)
Standard-Poster:in „Haigha“ schreibt: „Peinlich, schade und überflüssig. Es ist ja nicht so, als wäre Thiel für seinen Einfluss auf diese Veranstaltung angewiesen gewesen. So ist jetzt auch die Chance auf eine öffentliche Kritik dahin“. (Zitat-Ende).
Inhaltliche Debatten und Medienberichte auch erfolgreicher Diskursbeitrag plus Wertschöpfung für Wien und Festwochen
Nun, leicht haben sich die Festwochen die Einladung von Peter Thiel und die Entscheidungsfindung zum Auftritt sicher nicht gemacht. Der Prozess und die inhaltlichen Debatten sowie die zahlreichen nationalen wie internationalen Medienberichte mit den verbundenen Sichtweisen und Diskussionen sind für sich genommen auch ein erfolgreicher Diskursbeitrag und final zu einem eigenen Festwochen-Stück geworden. Eine Art Drama, als Theater-Format gemeint, nicht in der Wortbedeutung.
Die Vielzahl an Medienberichten bringt auch zusätzliche Wertschöpfung für die Kulturstadt Wien und die Festwochen. Spannender und noch erfolgreicher im Sinne eines lebendigen und demokratiefördernden Diskurses wäre natürlich ein Live-Auftritt von Peter Thiel gewesen. Vielleicht springt ja Michel „fleh“ Fleischhacker und Servus TV ein. (red/czaak)
Willkommen Peter Thiel und Bravo Milo Rau!

US-Unternehmer und libertärer Machttheoretiker Peter Thiel soll bei Wiener Festwochen auftreten. Kritiker wollen ihm kein Podium geben und Festwochenchef Milo Rau entwickelt Gegenstrategie. Die ganze Chose beleuchtet das kleingeistige SchrebergärtnerInnentum in Wien. Ein Kommentar von Christian Czaak.
Die peinlich-lächerliche Debatte um den Auftritt Peter Thiels bei den Wiener Festwochen offenbart einmal mehr den beschränkten Horizont des Österreichischen Kleinbürgertums. Zunehmend auch in Kultur und Medien. Die Kleinheit des Landes und seine katholisch geprägte Doppelmoral spiegeln sich im Geist seiner Menschen und in der Argumentation gegen Thiel.
Allein unternehmerische Leistung und die daraus resultierenden globalen Auswirkungen rechtfertigen Einladung
Allein die unternehmerische Leistung von Peter Thiel mit Gründung und Etablierung von mehreren global erfolgreichen Konzernen rechtfertigt seine Einladung. Die aus diesen Unternehmen resultierenden globalen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Auswirkungen rechtfertigen seine Einladung.
Die mit Thiel verbundenen Anfänge des Silicon Valley mit der imperialistisch-geopolitischen Innovationsstrategie der US-Tech-Élite rechtfertigen seine Einladung. Das mit sehr viel eigenem Geld finanzierte Investment in die Entscheidungsgewalt des mächtigsten Landes des Planeten rechtfertigt seine Einladung.
Eine Art Unternehmer-Gott, eine Art Tech-Gott und eine Art machtpolitischer Gott
Wem diese Themen noch zu entfernt vom kulturellen Kontext der Festwochen sind, dann kommen jetzt die philosophisch-weltanschaulichen Neigungen von Peter Thiel mit dem Hinweis auf „Republic of Gods“ als Motto des diesjährigen Festivals. Peter Thiel ist eine Art Unternehmer-Gott, Peter Thiel ist eine Art Tech-Gott und eine Art machtpolitischer Gott. Dazu hinterfragt und provoziert das (mittlerweile entsprechend) libertäre Individuum Peter Thiel als eine Art Teufels-Gott demokratische Gesellschaftsformen.
Diese Entwicklungen und Neigungen von ihm basieren und passieren aber in einer authentischen Art und Weise. Geboren 1967 im Sternzeichen der Waage im deutschen Frankfurt wechselt Thiels Familie die Wohnsitze zwischen Deutschland und Südafrika mit seinem Schulbesuch in Johannesburg, und den USA, wo dann 1977 Kalifornien zum festen Wohnsitz wird.
Zwei Studienabschlüsse und großzügige Unterstützung für zahlreiche Kulturprojekte und junge Wissenschaftler
Thiel schließt 1989, mit 22 Jahren, an der Stanford-University sein Philosophie-Studium mit einem Bachelor of Arts ab und dazu promoviert er 1992 ebenfalls in Stanford an der Law School als Jurist. Er arbeitet in New York für einen Bundesrichter und als Rechtsanwalt in einer Kanzlei, wechselt dann aber relativ schnell zur Credit Suisse als Wertpapierhändler.
1996 kehrt Thiel nach Kalifornien zurück und gründet sein eigenes Unternehmen Thiel Capital Management. Es folgen Investments und Gründungen von Paypal (2000; gemeinsam mit Elon Musk), Palantir (2003) und Facebook (2004) sowie weitere Unternehmen im Bereich FinTech, Medizin und Medien. Thiel unterstützt daneben auch zahlreiche Kultur- und Filmprojekte sowie zahlreiche junge Wissenschaftler mit großzügigen Stipendien.
„Wettbewerb ist eine Ideologie, die unsere Gesellschaft pervertiert und unser Denken zerstört“
Die Zuschreibungen „Freigeist“ oder „libertär“ tauchen schon während Thiels Studienzeit in Stanford auf. Er gründet dort etwa die – Zitat: „libertäre Campuszeitung The Stanford Review“. Thiels Haltung zur Demokratie wird wechselweise als „demokratieskeptisch“, „antidemokratisch“ oder „postdemokratisch“ beschrieben.
Er selbst bekennt sich zum sogenannten Paläolibertarismus, eine politische Philosophie, die persönliche Freiheit über staatlichen Einfluss stellt. Gleichzeitig lehnt Thiel den freien Markt ab, da „freier Wettbewerb Profite senkt“. Und: „Wettbewerb ist eine Ideologie, die unsere Gesellschaft pervertiert und unser Denken zerstört.“
Plädoyer für mehr Investitionen in Forschung
Thiel rät Firmengründern mittels innovativer Technologien Monopole aufzubauen und unterscheidet dabei zwischen „kreativen Monopolen“ und „illegalen Tyrannen oder Lieblingen von Regierungen, die keine Monopolerträge verdient hätten.“ Seine Thesen gelten als eine Art intellektueller Schild für die Techkonzerne aus dem Silicon Valley, die eine marktbeherrschende Stellung anstreben.
Thiel veröffentlicht 2012 aber auch das gemeinsam mit Garri Kasparov (Schachweltmeister, geb. 1963 in Russland) und Max Levchin (ehem. CTO Paypal, geb. 1975 in der Ukraine) geschriebene Buch „The Blueprint“, wo er eine Stagnation des technologischen Fortschritts sieht und für mehr Investitionen in Forschung plädiert, um den globalen Wohlstand zu erhöhen.
“I do no longer believe that freedom and democracy are compatible”
Sozusagen operativ politisch tätig wird Thiel erstmals 2008, wo er den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul unterstützt. 2012 unterstützt er Paul nochmals als größter Einzelspender und parallel auch die als rechts-national geltende Tea-Party. 2009 bezeichnet er in einer öffentlichen Publikation „Freiheit und Demokratie als unvereinbar“.
Peter Thiel im damaligen Originalton: „Most importantly, I do no longer believe that freedom and democracy are compatible.” Er unterstützt auch Projekte wie “Seastead“, ein antinational libertäres Vorhaben mit Siedlungen auf dem Meer eben außerhalb von Nationalstaaten. 2016 unterstützt er Donald Trumps Wahl zum US-Präsident und parallel die politische Karriere von JD Vance bis hin zum Vizepräsidenten in Trumps aktueller Amtsperiode.
Ausgeprägte Neigung zu einer Art apokalyptischen Dramaturgie
Von seiner Weltanschauung her ist Peter Thiel bekennender Christ mit einer ausgeprägten Neigung zu einer Art apokalyptischen Dramaturgie. Auf Basis biblischer Prophezeiungen verbindet er christliche Werte mit libertären wie politischen Zielen. Thiel verwendet dabei oftmals den Begriff Katechon (Anm. Auf- oder Zurückhalter) aus dem Neuen Testament. Dieses Katechon soll „Gesellschaften wehrhaft machen und Innovationen vorantreiben“, es steht auch für technischen Fortschritt. Die Tech-Nerds betrachtet Thiel als personalisierte „Aufhalter“ einer „drohenden Apokalypse und des Antichristen“.
Beobachter werfen hier nun die Frage auf, ob Thiel im Kontext mit seiner Überwachungsfirma Palantir nicht selbst der Antichrist sei. Auch Theologen fragen sich, ob Thiels Weltbild sein Handeln antreibt oder ob die Figur des Antichristen nicht ein Weg ist, seine Entscheidungen zu rechtfertigen. Final orten sie bei Thiel eine Angst, dass er mit seinem sehr großen Vermögen von Regierungen oder Regelwerken eingeschränkt oder gar beherrscht werden kann. Er fühle sich als Opfer, inszeniert einen imaginären Kampf und ladet diesen entsprechend religiös-apokalyptisch auf.
Weitere Gründe für seine Einladung und eine ganz private Bringschuld
Alle diese aufgeladenen, mehrheitlich spannenden Gegensätze und all diese Sammlung an weltanschaulich-philosophisch-religiösen Neigungen und Sichtweisen von Peter Thiel rechtfertigen noch viel mehr seine Einladung zu den Wiener Festwochen. Und dann gibt es noch eine persönliche Verbindung zwischen Peter Thiel und Wien als Stadt. 2017 hat er seinen langjährigen Partner Matt Danzeisen in Wien geheiratet. Peter Thiel hat sich also Wien als Ort und Umgebung für eine sehr private und familiär-intime Feierzeremonie ausgesucht.
Jetzt sollte Wien sich auch daran erinnern. Ebenfalls eine „Erinnerung“ wert im Kontext mit dem Auftritt von Peter Thiel und der taktisch klugen Vorbereitung und Begleitung von Milo Rau sind die zahlreichen nationalen und internationalen Presse- und Medienberichte. Daraus resultiert Wertschöpfung für Wien als Reisedestination und auch für Wien als Wirtschaftsstandort. Wien, ein libertärer, äh, liberaler und kulturell hochwertiger Standort mit einer hohen Lebensqualität und Diskursfähigkeit.
(Quellen und Recherche: Wikipedia und Wiener Festwochen; der Text ist nach der „Pro & Contra“ – Diskussion im Odeon entstanden) (red/czaak)
Barrierefreie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Digitaler Assistent für inklusive Mobilität. Menschen mit Behinderung sollen ohne Barrieren mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Ein Mobilitätsprojekt der University of Applied Sciences St. Pölten wird von der Fritz Schöggl Privatstiftung gefördert.
Ein neues Projekt der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) untersucht, wie Menschen mit Behinderung oder körperlicher Beeinträchtigung barrierefreier mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Final soll ein Prototyp für einen digitalen Assistenten entstehen. Die Entwicklung wird von der St. Pöltner Fritz Schöggl Privatstiftung mit 150.000 Euro unterstützt.
Viele Herausforderungen im Alltag von behinderten Menschen
Das Projekt mit dem Titel „EMIU Exklusiv Mobil – Inklusiv Unterwegs“ entwickelt eine Hilfe für eine barrierearme, echtzeitnahe, individuelle Mobilitätsplanung und ‑Anwendung im Alltag. „Auch wenn im Rahmen der Mobilitätswende der öffentliche Personennahverkehr durch technische Neuerungen an Attraktivität gewonnen hat, stehen Menschen mit Behinderungen weiterhin vor verschiedenen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Alltag“, sagt Alexandra Anderluh, Projektleiterin vom Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung der USTP.
Solche Hürden sind etwa physische und bauliche Barrieren wie defekte oder fehlende Aufzüge, fehlende taktile Leitsysteme und nicht barrierefreie Haltestellen, sensorische Barrieren wie fehlende akustische oder ausschließlich visuelle Anzeigen oder unzureichende Kontraste sowie kognitive und psychische Herausforderungen bei komplexen Umstiegssituationen oder Stress bei kurzfristigen Änderungen.
Licht- und Textsignale für Hörbeeinträchtigte oder Sprachausgabe für Sehbehinderte
Im Projekt entwirft Anderluh mit ihren Kollegen einen Prototyp für einen elektronischen Assistenten, der Menschen mit Behinderung entsprechend unterstützen soll und dafür soll das bereits bestehende Assistenzsystem „Home Assistant“ passend weiterentwickelt werden.Diese bereits etablierte quelloffene Software soll öffentlich zugängliche Echtzeit-Daten etwa zu Abfahrtszeiten, Störungen, Aufzugsausfällen und Wetter zusammenfassen und leicht nutzbar darstellen.
Menschen, die den Assistenten nutzen, sollen die Darstellungen an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Dazu gehören etwa Licht- und Textsignale für Hörbeeinträchtigte oder eine Sprachausgabe für Sehbeeinträchtigte. Der Assistent soll sowohl daheim als auch unterwegs über das Smartphone dazu beitragen, sicher, stressfrei und barrierearm zum Ziel zu gelangen. In der Umsetzung wird der Prototyp dann mit beeinträchtigten Menschen getestet werden und auch Mobilitätsanbieter sollen die Möglichkeit haben ihre Services praxisrelevant zu erweitern.
Unterstützung für wichtigen Forschungsbereich
Die Förderung des ausgewählten Projekts erfolgt durch die Fritz Schöggl Privatstiftung. Fritz Schöggl (1931–2024) war leitender Mitarbeiter der NÖ Gebietskrankenkasse, langjähriges Mitglied des Gemeinderats und Stadtsenats sowie zentraler Gestalter des Krankenhauses und sozialer Einrichtungen. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich und den Ehrenring der Stadt. 2008 brachte er sein Vermögen in eine Privatstiftung ein, deren Vorstand nun das Forschungs- und Innovationsprojekt der USTP fördert.
„Dem Stifter Fritz Schöggl lag stets am Herzen, Menschen mit Beeinträchtigungen zu unterstützen. Dieses Projekt öffnet – im wahrsten Sinne des Wortes – Türen: Barrierefreies Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird ein Stück weiter Realität“, sagt Helmut Schebesta für die Fritz Schöggl Privatstiftung. „Das Projekt fügt sich in eine Reihe an Forschungsprojekten zum Thema inklusive Mobilität, wo unsere Forscher bereits wesentliche Kompetenz aufgebaut haben. Ich bedanke mich sehr herzlich, dass die Fritz Schöggl Privatstiftung dieses wichtige Thema und Projekt unterstützt“, freut sich Hannes Raffaseder, Geschäftsführer der USTP. (red/laucz)
Die flüggen Österreicher

Immer mehr Arbeitnehmer wollen Job wechseln. Insbesondere Generation Z betroffen. Mehr Geld, negatives Arbeitsumfeld und bessere Work-Life-Balance als Hauptgründe sowie ein aktuell begrenzter Arbeitsmarkt im Fokus einer neuen Studie von Randstad. Ermittelt wurden auch die beliebtesten Arbeitgeber.
Arbeitsmärkte und unterschiedliche Zugänge und Sichtweisen bei Arbeitsbedingungen sind national wie international immer besonders relevante Themen. In Österreich naht oder besteht bei älteren Arbeitnehmern aus der Generation der sogenannten Babyboomer (geb. bis 1964) eine Pensionierungswelle und die nachrückenden Jungen suchen vermehrt nach beruflicher Neuorientierung. Fast 30 Prozent der Generation Z (geb. 1997 bis 2012) wollen im nächsten Halbjahr den Job wechseln. Bei den Babyboomern sind es vergleichsweise nur sieben (7) Prozent.
Die tatsächlichen Jobwechsel sind jedoch insgesamt zurückgegangen, nur 11 Prozent der Befragten haben in den letzten sechs Monaten eine neue Stelle gefunden. Das sind Ergebnisse aus der neuen Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research 2026“, für die der internationale Personaldienstleister Randstad kürzlich mehr als 4.356 österreichische Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren befragt hat. Diese repräsentative Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research“ wird jährlich in 34 Märkten weltweit durchgeführt.
Die generationenbedingten Unterschiede
Im Rahmen der Studie werden auch unterschiedliche Themen abgefragt und dazu gehören etwa die Einschätzung des aktuellen Arbeitgebers im Vergleich zum Idealbild oder Gründe für Jobwechsel. Dabei zeigt sich, dass die Wechselwilligkeit trotz der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt im letzten Jahr zugenommen hat: So plant etwa jeder Fünfte (19 Prozent) mittlerweile eine Neuorientierung im nächsten Halbjahr. Dieser Wert ist ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.
In der Generation Z (1997–2012), die es aktuell wohl am schwersten hat, überhaupt einen Job zu finden, suchen sogar drei von zehn Personen (exakt 29 Prozent) nach einer neuen Herausforderung. Bei den Babyboomern (Jahrgänge bis 1964) gaben dies nur sieben Prozent an. Gleichzeitig haben in den vergangenen sechs Monaten insgesamt nur 11 Prozent der Befragten wirklich den Job gewechselt und das bedeutet einen Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr.
Die Ambivalenz zwischen Absicht und Umsetzung
„Die Absicht, den Arbeitsplatz zu wechseln, ist in Österreich nach wie vor deutlich höher als das tatsächliche Wechselverhalten. Diese Schere ist im vergangenen Jahr noch weiter auseinandergegangen“, sagt Bjørn Toonen, Managing Director von Randstad Österreich. „Das deutet darauf hin, dass der wahrgenommene Mobilitätsdruck stärker ist als die tatsächliche Mobilität“, erläutert Bjørn Toonen. Der internationale Personaldienstleister Randstad Auch hat auch heuer wieder die aktuellen Gründe für Jobwechsel eruiert.
Der mit Abstand wichtigste Grund, warum Arbeitnehmer ihr Unternehmen verlassen (würden) ist eine zu geringe Vergütung (47 Prozent). Danach folgt ein negatives Arbeitsumfeld (37), mangelndes Interesse an der Tätigkeit (32) und Bedenken hinsichtlich der Work-Life-Balance (30 Prozent). Letztere ist vor allem für jüngere Mitarbeitende wichtig. Ein Drittel von ihnen würde für eine bessere Work-Life-Balance wechseln, verglichen mit rund einem Viertel der älteren Arbeitnehmer.
Arbeitsklima bei der Arbeitgeberwahl erstmals wichtiger als Gehalt
„Mit dem demographischen Wandel verändern sich auch die Erwartungen und Werte von Arbeitskräften. Die Bedeutung eines zu geringen Gehalts als Hauptgrund für einen Jobwechsel steigt mit dem Alter, von rund 44 bei der jüngeren auf rund 52 Prozent bei der älteren Generation“, sagt Toonen. „Insgesamt zeigt sich: Mitarbeiterbindung basiert auf einem Zusammenspiel aus attraktiver Vergütung und einer positiven Alltagserfahrung. Wer die täglichen Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vernachlässigt, riskiert trotz fairer Bezahlung den Verlust von Talenten“, so Toonen.
Geld spielt also bei der Entscheidung die mit Abstand wichtigste Rolle. Bei den Kriterien für einen neuen Job ist das Gehalt jedoch erstmals nicht auf Platz 1. Wichtiger ist den Österreichern mittlerweile ein angenehmes Arbeitsklima (68 Prozent), knapp vor der Vergütung und der Jobsicherheit. „Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist der am häufigsten erwartete Faktor im Profil des idealen Arbeitgebers, doch die aktuellen Arbeitgeber schneiden hier mit 57 Prozent wesentlich schlechter ab“, betont Toonen. „Das zeigt eine signifikante Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Die „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“ (56 Prozent) sowie „interessante Aufgaben“ (52 Prozent) sind weitere wichtige Kriterien.
Die attraktivsten Arbeitgeber des Landes und Randstad
In der Studie „Employer Brand Research“ von Randstad werden jedes Jahr auch die attraktivsten Arbeitgeber des Landes erfragt. Nachdem AVL List das Ranking über die letzten drei Jahre angeführt hatte, tauscht der Grazer Automobilzulieferer dieses Jahr die Plätze mit dem Linzer Kepler Universitätsklinikum, das nach dem dritten Platz im Vorjahr heuer erstmals gewinnt. Mit Siemens Energy auf Platz 2 und Siemens auf Platz 4 landet das Industrieunternehmen gleich zweimal im Spitzenfeld. Auf Platz 5 folgt Fronius, das erstmals in der Liste der Top-Arbeitgeber aufscheint. BMW Österreich (7. Platz) und VAMED (9. Platz) konnten sich im Vergleich zum letzten Jahr leicht verbessern. Takeda (6. Platz), der Flughafen Wien (8. Platz) und Infineon (10. Platz) schaffen dieses Jahr das Comeback in die Top Ten.
Randstad Österreich ist Teil der internationalen Randstad Gruppe, ein globaler Marktführer bei Personaldienstleistungen. Das Portfolio reicht von Zeitarbeit über Personalvermittlung bis hin zu spezifischen Professional Services und HR-Lösungen wie Recruitment Process Outsourcing oder eigenen Managed Services Programmen. Das niederländische Unternehmen ist in fünf Kontinenten und 39 Ländern tätig und erwirtschaftete im Jahr 2025 Angaben zufolge mit 38.480 Mitarbeitern einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Randstad wurde 1960 gegründet und ist an der Euronext Amsterdam gelistet. (red/czaak)
Kriege und Klimawandel und Krankheit

Med Uni Innsbruck publiziert mit Post-Covid-Kinderstudie eine der umfangreichsten Erhebungen zu Belastungen junger Menschen. Rund 2.240 Eltern und Kinder und Jugendliche wurden von 2023 bis 2025 zur psychischen Gesundheit befragt. Seit 2020 mit Start der ersten Studie waren es in Summe über 6.700 Situationsanalysen.
Ende 2025 ist eine der größten Studien zur Belastung von Kindern und Jugendlichen zu Ende gegangen. Im Rahmen der Post-Covid-Kinderstudie haben in Tirol 1.562 Eltern Fragen zur psychischen Gesundheit ihrer Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren beantwortet. Auch 680 Kinder ab dem 8. Lebensjahr sind dazu befragt worden. Die vom Land Tirol finanzierte und von der Medizin Uni Innsbruck durchgeführte Forschungsarbeit zeigt, dass sich zehn Prozent der 7- bis 13-Jährigen in Tirol stark belastet fühlen. Darüber hinaus wurde auch eine Methode zur Stärkung der Resilienz positiv evaluiert.
Höchsten Belastungswerte im Kontext der Pandemie
Die Auswertung der Post-Covid-Kinderstudie liegt nun vor. Die größte Sorge bereiten den Kindern in Tirol die Kriege, der Klimawandel, Krankheiten und am wenigsten die Armut. Das sind die Ergebnisse der letzten Befragung von 262 Kindern im Rahmen der Post-Covid-Kinderstudie, die von 2023 bis 2025 zu drei Messzeitpunkten die psychische Gesundheit und Resilienz von Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren untersucht hat. „Rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Tirol fühlen sich aktuell stark belastet“, erklärt Silvia Exenberger.
Die klinische Gesundheitspsychologin hat die Post-Covid- Kinderstudie geleitet, die an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie durchgeführt wurde. Die Untersuchung ist die größte Forschungsarbeit zur Belastung von Kindern und Jugendlichen in Tirol seit 2020. „Die höchsten Belastungswerte ergaben sich im Kontext der Pandemie im Winter 2021/22. Im Sommer 2022 gab es eine Entspannung und im Herbst 2023 stellten wir erneut eine Erhöhung fest, möglicherweise durch die Sorge über weitere Lockdowns und neue Erkrankungswellen“, erläutert Exenberger.
Eltern und Bezugspersonen sollen entsprechend intervenieren
Danach wurden abnehmende Werte registriert und mittlerweile hat die Angst vor einem Krieg die Sorge vor Covid abgelöst. Die Experten stellten fest, dass die Sorge der Kinder und Jugendlichen um andere größer ist, als um sich selbst. „Das ist sehr typisch für Kinder“, ergänzt Kathrin Sevecke, Direktorin der Uni Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Ergebnisse der Studie seien auch ein klarer Auftrag an die Erwachsenen. „Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass Eltern und Bezugspersonen entsprechend intervenieren und die Kinder sowie Jugendlichen unterstützen“, betont Silvia Exenberger.
Eine Möglichkeit ist den Experten zufolge, die Kreativität zu fördern. „Das macht Kinder flexibler“, so Exenberger. Konkrete Tipps und Hilfestellungen, was Eltern für ihre Kinder tun können, werden auch im Rahmen des Podcasts „Frag die Medizin“ der Med Uni Innsbruck vermittelt. Aktuell läuft die Folge zum Thema „Resilienz bei Kindern – Was macht Kinder stark?“ (Anm. über die Website der Med Uni Innsbruck und auf allen gängigen Podcast-Plattformen).
Gestärkte Resilienz von Kindern und Jugendlichen
Resilienz bezeichnet dabei die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und gestärkt aus schwierigen Situationen hervorzugehen. Im Zuge der Post-Covid-Kinderstudie wurde daher auch evaluiert, wie Eltern, Pädagogen und andere erwachsene Bezugspersonen Kinder und Jugendliche stärken können. Dafür wurde das Angebot eines Resilienztrainings an alle Schulen und Kindergärten in Tirol ausgeschickt, an dem Eltern und die Pädagogen selbst teilnehmen konnten. Über 800 Teilnehmende haben dieses Angebot angenommen.
„Wir haben über die Studienergebnisse informiert, Hintergrundwissen zum Thema Resilienz vermittelt und fünf praktische Übungen zur direkten Anwendung vorgestellt“, erklärt Gesundheitspsychologin Silvia Exenberger. In der Praxis zeigte sich, dass hier die Übung „Creative Friend“ sehr geeignet ist. Diese Übung hilft, neue Perspektiven auf ein Problem zu entwickeln. Dabei stellt sich eine Person vor, eine kreative Freundin oder ein kreativer Freund würde das Problem hören und spontan Ideen vorschlagen. Aus dieser gedanklichen Perspektive entstehen oft unerwartete Lösungsansätze.
Auch im internationalen Vergleich quantitativ wie qualitativ umfassend
Die Übung zeigt, dass ein Perspektivenwechsel helfen kann, festgefahrene Denkmuster zu lösen. „Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Post-Covid-Kinderstudie. Wir konnten zeigen, dass die Resilienz der Kinder, die diese Übung gemacht haben, signifikant höher war als jene in der Kontrollgruppe“, erklärt Silvia Exenberger, klinische Gesundheitspsychologin und Leiterin der Post-Covid- Kinderstudie an der der Innsbrucker Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Die in Tirol durchgeführten Studien sind auch im internationalen Vergleich sowohl quantitativ wie auch qualitativ inhaltlich überaus umfassend. Über Initiative von Ärzten und Land Tirol wurde bereits im Juni 2020 (Anm. bereits rund sechs Monate nach Beginn von Corona) mit entsprechenden Erhebungen begonnen. Diese sogenannte Covid-19-Kinderstudie lief dann bis Dezember 2022. In diesem Zeitraum beantworteten 3.640 (!) Eltern und 846 (!) Kinder (ab 8 Jahren) die Fragen der Experten (economy berichtete).
„Psychische Gesundheit unserer Kinder hat für mich oberste Priorität“
Die zweite Welle lief dann als Post-Covid-Kinderstudie von Juni 2023 bis Dezember 2025 mit den angeführten 1.562 Eltern und 680 Kindern (ab 8 Jahren und inkl. 122 Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren). Die Themengebiete beinhalteten die Bereiche Ängste, gestörtes Sozialverhalten, Depression, Trauma bzw. Belastungssymptome und Resilienz. Das Land Tirol unterstützte beide Studienzeiträume laut Angaben mit in Summe 407.000 Euro.
„Die psychische Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen hat für mich als Gesundheitslandesrätin oberste Priorität. Tirol investiert daher gezielt in Mental-Health-Forschung – einschließlich der Post-Covid-Kinderstudie der Med Uni Innsbruck“, unterstreicht Cornelia Hagele, verantwortliche Landesrätin in Tirol. „Die Ergebnisse helfen uns, die Versorgung in Tirol zu verbessern. Neben präventiven Angeboten wie Resilienztrainings bauen wir auch die regionale Kinder- und Jugendpsychiatrie aus, etwa mit mehr stationären Plätzen und zusätzlichen Kapazitäten in Hall, Zams und St. Johann in Tirol“, so die Tiroler Landesrätin Hagele. (red/czaak)
Die Schere öffnet sich weiter

Zwischen vier und eintausendzweihundertfünfzig Euro kosten Baugründe in Niederösterreich. Günstige Lagen befinden sich im nördlichen Waldviertel. Hochpreisige Gebiete sind Krems und Langenzersdorf. Die höchsten Preise gibt es in Mödling, Klosterneuburg und Oberwaltersdorf.
Wie viel Häuslbauer in Niederösterreich aktuell für bautaugliche Grundstücke zahlen müssen hat neuerlich der Niederösterreichische Wirtschaftspressedienst analysiert. Auf Basis einer fundierten österreichweiten Erhebung im Wirtschaftsmagazin Gewinn, wurde wiederum die genaue Situation in Österreichs größtem Bundesland erhoben.
Im Ergebnis zeigt sich, dass Suchende für ein möglichst erschwingliches Grundstück im nördlichen Waldviertel fündig werden. Gerade einmal vier Euro kostet der Quadratmeter Baugrund für ein neues Haus in Ludweis-Aigen im Bezirk Waidhofen an der Thaya. Schon seit Jahren bietet diese Marktgemeinde in ganz Niederösterreich die niedrigsten Grundstückspreise.
Fundierte Analyse gemeinsam mit TU Wien
Sehr wohlfeilen Boden findet man im Waldviertel auch in der Gemeinde Langschlag mit fünf Euro pro Quadratmeter. Acht Euro zahlt man in Waldhausen, jeweils neun Euro in Eggern, Eisgarn, Grafenschlag, Haugschlag und Japons. Die teuerste Gemeinde des Waldviertels beim Grunderwerb ist die Stadt Krems in den Lagen Weinzierl, Mitterau und Am Steindl mit bis zu 700 Euro pro Quadratmeter. Die Wachau-Gemeinden Weißenkirchen mit 350 Euro und Dürnstein mit 285 Euro folgen hier.
Die genannten Zahlen über die zurzeit auf dem Markt gehandelten Grundstückspreise gehen aus Preisangaben von Gemeinden und Maklern, echten Kaufpreisdaten aus den Grundbüchern sowie statistischen Berechnungen der Technischen Universität Wien hervor. Veröffentlicht wurden sie im aktuellen Wirtschaftsmagazin „Gewinn“. Der NÖ Wirtschaftspressedienst hat die für das Bundesland Niederösterreich markantesten Ergebnisse der Studie analysiert.
Breite Range im Wienviertel, günstige Preise im Mostviertel
Die Schere zwischen billigen und teuren Grundstücken geht auch im Weinviertel weit auseinander. In den nördlich gelegenen Kommunen Großkrut, Hadres, Hardegg, Stronsdorf und Weitersfeld zahlt man für einen Quadratmeter Baugrund jeweils nur zehn Euro. Hingegen finden sich die teuersten Gemeinden für Grundkäufer im Bezirk Korneuburg: Hier führen Langenzersdorf und Gerasdorf mit ex aequo 900 Euro pro Quadratmeter das Ranking an, gefolgt von Bisamberg mit 850 Euro, Hagenbrunn mit 800 und der Stadt Korneuburg mit 700 Euro.
Im Mostviertel erstreckt sich die Bandbreite der Grundstückspreise von 20 und 25 Euro pro Quadratmeter, die in den Pielachtal-Gemeinden Puchenstuben und Schwarzenbach an der Pielach bezahlt werden, bis zu 300 Euro in der Bezirkshauptstadt Amstetten. Dort ist es im Zentrum, in der Parksiedlung und am Kreuzberg am teuersten. In Waidhofen/Ybbs sind bis zu 250 Euro zu bezahlen.
Stadt Tulln legt massiv zu, Gebiet Wiener Neustadt im Mittelfeld
Im Zentralraum regelrecht explodiert sind die Grundstückspreise in der Stadt Tulln und am Seegrund in Atzenbrugg, wo man für einen Quadratmeter Baugrund mittlerweile jeweils bis zu 600 Euro aufbringen muss. Interessant auch die Ergebnisse aus der NÖ Landeshauptstadt St. Pölten. Hier kann man einen Quadratmeter Baugrund um 150 Euro am billigsten im Stadtteil Harland kaufen. Am Eisberg und am Kupferbrunnberg hingegen geht das Preisband bis zu 450 Euro hinauf.
Im Industrieviertel kostet ein Quadratmeter Baugrund 19 Euro im Gemeindegebiet von Schwarzenbach in der Buckligen Welt. Hingegen werden in der Stadt Wiener Neustadt im Ungarviertel schon bis zu 460 Euro verlangt. Am Flugfeld sind es maximal 300 Euro.
Perchtoldsdorf, Klosterneuburg, Mödling und Baden
Das exklusivste bzw. teuerste Pflaster Niederösterreichs findet man erwartungsgemäß im südlichen und westlichen „Speckgürtel“ der Bundeshauptstadt Wien. Im Wohnpark Fontana in Oberwaltersdorf müssen Käufer für einen Quadratmeter Baugrund an die 1.250 Euro bezahlen. Das ist der NÖ-Höchstpreis. Knapp heran kommen Perchtoldsdorf, Klosterneuburg und Mödling mit jeweils 1.200 Euro.
Am Seegrund in Leopoldsdorf im Bezirk Bruck/Leitha sind ebenso bis zu 1.150 Euro aufzubringen, in der Klosterneuburger Katastralgemeinde Weidling, in Maria Enzersdorf, in der Hinterbrühl sowie in Baden-Mitterberg jeweils 1.100 Euro. In den Villengebieten von Mödling, in den Lagen Ölberg und Buchenberg in Klosterneuburg sowie in Baden (Zentrum, Weikersdorf, Baden-West) werden jeweils 1.000 Euro verlangt. (NÖ-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Österreicher forcieren erneuerbare Energien

Sanierungsoffensive der Bundesregierung wirkt. 31.600 Haushalte steigen im ersten Quartal auf erneuerbare Wärme um. Ein Schritt in Richtung nachhaltiges Heizen sind etwa Wärmepumpen.
Die Sanierungsoffensive des Bundes wirkt: Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten beenden immer mehr Haushalte in Österreich ihre Abhängigkeit von Öl und Gas und setzen mit dem sogenannten „Kesseltausch“ auf umwelt- und klimafreundliche Heizsysteme.
Die Entwicklung im ersten Quartal 2026 bestätigt den eingeschlagenen Kurs: Im Rahmen der Förderschiene „Kesseltausch“ wurden im ersten Quartal 2026 rund 15.600 Registrierungen und Anträge eingebracht. Mit diesen Projekten lösen sich knapp 31.600 Haushalte in Österreich von der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten und werden künftig aus erneuerbaren Energieträgern versorgt.
Raumwärme und Warmwasser verursachen ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs
„Wir unterstützen die Menschen beim Umstieg auf erneuerbare Wärme und stärken damit die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Gleichzeitig leistet der Kesseltausch einen sinnvollen und wirksamen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur regionalen Wertschöpfung“, sagt Norbert Totschnig, Umweltminister.
Raumwärme und Warmwasser verursachen rund ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Österreich, wobei in privaten Haushalten noch etwa 34 Prozent auf fossile Energieträger entfallen. Um die Dekarbonisierung im Gebäudebestand voranzutreiben, spielen gezielte Fördermaßnahmen eine zentrale Rolle.
Check-Liste für Hausbesitzer
Für viele österreichische Hausbesitzer ist etwa auch eine Wärmepumpe der nächste Schritt in Richtung nachhaltige Energienutzung bzw. Heizen. Experten empfehlen vor Anschaffung einen Test, ob das Wohnobjekt überhaupt geeignet ist. „Ein einfacher und schneller Selbsttest kann hier Abhilfe schaffen“, so Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik.
Das Unternehmen hat eine Check-List zusammengefasst, wo Hausbesitzer prüfen können, ob ihr Gebäude wärmepumpenfit ist. Ein einfacher Praxistest ist der sogenannte „55-Grad-Check“ der Vorlauftemperatur oder die Überprüfung der Dämmung. Als Faustregel für eine Wärmepumpentauglichkeit gilt hier ein Wert von 120 kWh/m2 pro Jahr.
Überschaubare Optimierungen
Ebenfalls empfohlen wird die Überprüfung des bestehenden Heizsystems, ob alle Räume gleichmäßig warm werden, und ob Heizkörper auch bei niedriger Temperatur warm werden. Wärmepumpen harmonieren besonders gut mit Flächenheizsystemen wie Fußboden- oder Wandheizung, da diese auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden können.
Passen die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe, dann gilt es noch den Platzbedarf und Lärmschutz zu prüfen sowie Bandbreite und Geräte für die nötige Stromversorgung einer Wärmepumpe. Auch wenn nicht alle Parameter des Gebäudechecks positiv bewertet werden, genügen kleinere Anpassungen, um eine Wärmepumpe effizient betreiben zu können.
Reduktion von Treibhausgasen
Das kann sein der Tausch der Heizkörper, die Teilsanierung der Gebäudehülle oder Dachdämmung, das Einstellen der Heizungsanlage oder die hybride Nutzung mit bestehendem Gas- oder Ölkessel. „Selbst ältere Häuser lassen sich mit überschaubaren Optimierungen wärmepumpenfit machen. Der Gebäudecheck gibt eine erste Einschätzung, welche Bereiche man sich vor einer Installation genauer anschauen sollte“, so Kloboucnik von WOLF Klima- und Heiztechnik.
Sanierungen und entsprechende Adaptierungen der Energieversorgung sind generell wichtige Schritte zur Reduktion von Treibhausgasen. „Die Sanierungsoffensive der Bundesregierung trägt nicht nur zur Reduktion von Treibhausgasen bei, sondern setzt auch wichtige Impulse für die Wirtschaft und verbessert die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von Energieimporten aus unsicheren Weltregionen deutlich reduziert“ unterstreicht Norbert Totschnig, Umweltminister.(red/cc)