Die Schere öffnet sich weiter

Zwischen vier und eintausendzweihundertfünfzig Euro kosten Baugründe in Niederösterreich. Günstige Lagen befinden sich im nördlichen Waldviertel. Hochpreisige Gebiete sind Krems und Langenzersdorf. Die höchsten Preise gibt es in Mödling, Klosterneuburg und Oberwaltersdorf.
Wie viel Häuslbauer in Niederösterreich aktuell für bautaugliche Grundstücke zahlen müssen hat neuerlich der Niederösterreichische Wirtschaftspressedienst analysiert. Auf Basis einer fundierten österreichweiten Erhebung im Wirtschaftsmagazin Gewinn, wurde wiederum die genaue Situation in Österreichs größtem Bundesland erhoben.
Im Ergebnis zeigt sich, dass Suchende für ein möglichst erschwingliches Grundstück im nördlichen Waldviertel fündig werden. Gerade einmal vier Euro kostet der Quadratmeter Baugrund für ein neues Haus in Ludweis-Aigen im Bezirk Waidhofen an der Thaya. Schon seit Jahren bietet diese Marktgemeinde in ganz Niederösterreich die niedrigsten Grundstückspreise.
Fundierte Analyse gemeinsam mit TU Wien
Sehr wohlfeilen Boden findet man im Waldviertel auch in der Gemeinde Langschlag mit fünf Euro pro Quadratmeter. Acht Euro zahlt man in Waldhausen, jeweils neun Euro in Eggern, Eisgarn, Grafenschlag, Haugschlag und Japons. Die teuerste Gemeinde des Waldviertels beim Grunderwerb ist die Stadt Krems in den Lagen Weinzierl, Mitterau und Am Steindl mit bis zu 700 Euro pro Quadratmeter. Die Wachau-Gemeinden Weißenkirchen mit 350 Euro und Dürnstein mit 285 Euro folgen hier.
Die genannten Zahlen über die zurzeit auf dem Markt gehandelten Grundstückspreise gehen aus Preisangaben von Gemeinden und Maklern, echten Kaufpreisdaten aus den Grundbüchern sowie statistischen Berechnungen der Technischen Universität Wien hervor. Veröffentlicht wurden sie im aktuellen Wirtschaftsmagazin „Gewinn“. Der NÖ Wirtschaftspressedienst hat die für das Bundesland Niederösterreich markantesten Ergebnisse der Studie analysiert.
Breite Range im Wienviertel, günstige Preise im Mostviertel
Die Schere zwischen billigen und teuren Grundstücken geht auch im Weinviertel weit auseinander. In den nördlich gelegenen Kommunen Großkrut, Hadres, Hardegg, Stronsdorf und Weitersfeld zahlt man für einen Quadratmeter Baugrund jeweils nur zehn Euro. Hingegen finden sich die teuersten Gemeinden für Grundkäufer im Bezirk Korneuburg : Hier führen Langenzersdorf und Gerasdorf mit ex aequo 900 Euro pro Quadratmeter das Ranking an, gefolgt von Bisamberg mit 850 Euro, Hagenbrunn mit 800 und der Stadt Korneuburg mit 700 Euro.
Im Mostviertel erstreckt sich die Bandbreite der Grundstückspreise von 20 und 25 Euro pro Quadratmeter, die in den Pielachtal-Gemeinden Puchenstuben und Schwarzenbach an der Pielach bezahlt werden, bis zu 300 Euro in der Bezirkshauptstadt Amstetten. Dort ist es im Zentrum, in der Parksiedlung und am Kreuzberg am teuersten. In Waidhofen/Ybbs sind bis zu 250 Euro zu bezahlen.
Stadt Tulln legt massiv zu, Gebiet Wiener Neustadt im Mittelfeld
Im Zentralraum regelrecht explodiert sind die Grundstückspreise in der Stadt Tulln und am Seegrund in Atzenbrugg, wo man für einen Quadratmeter Baugrund mittlerweile jeweils bis zu 600 Euro aufbringen muss. Interessant auch die Ergebnisse aus der NÖ Landeshauptstadt St. Pölten. Hier kann man einen Quadratmeter Baugrund um 150 Euro am billigsten im Stadtteil Harland kaufen. Am Eisberg und am Kupferbrunnberg hingegen geht das Preisband bis zu 450 Euro hinauf.
Im Industrieviertel kostet ein Quadratmeter Baugrund 19 Euro im Gemeindegebiet von Schwarzenbach in der Buckligen Welt. Hingegen werden in der Stadt Wiener Neustadt im Ungarviertel schon bis zu 460 Euro verlangt. Am Flugfeld sind es maximal 300 Euro.
Perchtoldsdorf, Klosterneuburg, Mödling und Baden
Das exklusivste bzw. teuerste Pflaster Niederösterreichs findet man erwartungsgemäß im südlichen und westlichen „Speckgürtel“ der Bundeshauptstadt Wien. Im Wohnpark Fontana in Oberwaltersdorf müssen Käufer für einen Quadratmeter Baugrund an die 1.250 Euro bezahlen. Das ist der NÖ-Höchstpreis. Knapp heran kommen Perchtoldsdorf, Klosterneuburg und Mödling mit jeweils 1.200 Euro.
Am Seegrund in Leopoldsdorf im Bezirk Bruck/Leitha sind ebenso bis zu 1.150 Euro aufzubringen, in der Klosterneuburger Katastralgemeinde Weidling, in Maria Enzersdorf, in der Hinterbrühl sowie in Baden-Mitterberg jeweils 1.100 Euro. In den Villengebieten von Mödling, in den Lagen Ölberg und Buchenberg in Klosterneuburg sowie in Baden (Zentrum, Weikersdorf, Baden-West) werden jeweils 1.000 Euro verlangt. (NÖ-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Österreicher forcieren erneuerbare Energien

Sanierungsoffensive der Bundesregierung wirkt. 31.600 Haushalte steigen im ersten Quartal auf erneuerbare Wärme um. Ein Schritt in Richtung nachhaltiges Heizen sind etwa Wärmepumpen.
Die Sanierungsoffensive des Bundes wirkt : Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten beenden immer mehr Haushalte in Österreich ihre Abhängigkeit von Öl und Gas und setzen mit dem sogenannten „Kesseltausch“ auf umwelt- und klimafreundliche Heizsysteme.
Die Entwicklung im ersten Quartal 2026 bestätigt den eingeschlagenen Kurs : Im Rahmen der Förderschiene „Kesseltausch“ wurden im ersten Quartal 2026 rund 15.600 Registrierungen und Anträge eingebracht. Mit diesen Projekten lösen sich knapp 31.600 Haushalte in Österreich von der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten und werden künftig aus erneuerbaren Energieträgern versorgt.
Raumwärme und Warmwasser verursachen ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs
„Wir unterstützen die Menschen beim Umstieg auf erneuerbare Wärme und stärken damit die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Gleichzeitig leistet der Kesseltausch einen sinnvollen und wirksamen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur regionalen Wertschöpfung“, sagt Norbert Totschnig, Umweltminister.
Raumwärme und Warmwasser verursachen rund ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Österreich, wobei in privaten Haushalten noch etwa 34 Prozent auf fossile Energieträger entfallen. Um die Dekarbonisierung im Gebäudebestand voranzutreiben, spielen gezielte Fördermaßnahmen eine zentrale Rolle.
Check-Liste für Hausbesitzer
Für viele österreichische Hausbesitzer ist etwa auch eine Wärmepumpe der nächste Schritt in Richtung nachhaltige Energienutzung bzw. Heizen. Experten empfehlen vor Anschaffung einen Test, ob das Wohnobjekt überhaupt geeignet ist. „Ein einfacher und schneller Selbsttest kann hier Abhilfe schaffen“, so Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik.
Das Unternehmen hat eine Check-List zusammengefasst, wo Hausbesitzer prüfen können, ob ihr Gebäude wärmepumpenfit ist. Ein einfacher Praxistest ist der sogenannte „55-Grad-Check“ der Vorlauftemperatur oder die Überprüfung der Dämmung. Als Faustregel für eine Wärmepumpentauglichkeit gilt hier ein Wert von 120 kWh/m2 pro Jahr.
Überschaubare Optimierungen
Ebenfalls empfohlen wird die Überprüfung des bestehenden Heizsystems, ob alle Räume gleichmäßig warm werden, und ob Heizkörper auch bei niedriger Temperatur warm werden. Wärmepumpen harmonieren besonders gut mit Flächenheizsystemen wie Fußboden- oder Wandheizung, da diese auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden können.
Passen die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe, dann gilt es noch den Platzbedarf und Lärmschutz zu prüfen sowie Bandbreite und Geräte für die nötige Stromversorgung einer Wärmepumpe. Auch wenn nicht alle Parameter des Gebäudechecks positiv bewertet werden, genügen kleinere Anpassungen, um eine Wärmepumpe effizient betreiben zu können.
Reduktion von Treibhausgasen
Das kann sein der Tausch der Heizkörper, die Teilsanierung der Gebäudehülle oder Dachdämmung, das Einstellen der Heizungsanlage oder die hybride Nutzung mit bestehendem Gas- oder Ölkessel. „Selbst ältere Häuser lassen sich mit überschaubaren Optimierungen wärmepumpenfit machen. Der Gebäudecheck gibt eine erste Einschätzung, welche Bereiche man sich vor einer Installation genauer anschauen sollte“, so Kloboucnik von WOLF Klima- und Heiztechnik.
Sanierungen und entsprechende Adaptierungen der Energieversorgung sind generell wichtige Schritte zur Reduktion von Treibhausgasen. „Die Sanierungsoffensive der Bundesregierung trägt nicht nur zur Reduktion von Treibhausgasen bei, sondern setzt auch wichtige Impulse für die Wirtschaft und verbessert die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von Energieimporten aus unsicheren Weltregionen deutlich reduziert“ unterstreicht Norbert Totschnig, Umweltminister.(red/cc)
Trotz Unsicherheit mehr Investments

2026 will in Deutschland jede/r fünfte Selbständige trotz schwieriger wirtschaftlicher und geopolitischer Lage mehr investieren. Im Vergleich zum vierten Quartal 2025 hat sich der Wert nun weiter erhöht. Im Vergleich zur übrigen Wirtschaft liegt er zurück.
21 Prozent der Selbständigen planen, dieses Jahr ihre Investitionen zu erhöhen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des deutschen ifo Instituts. Im November 2025 hatten nur 18 Prozent der Befragten vor, im Jahr 2026 mehr zu investieren. „Die Investitionsbereitschaft legt leicht zu, doch für einen nachhaltigen Aufschwung brauchen Selbständige verlässliche und planbare Rahmenbedingungen“, sagt Katrin Demmelhuber, Expertin beim Münchner ifo-Instituts.
Investitionspläne der Selbständigen hinter übriger Wirtschaft
Knapp die Hälfte der Einpersonen-Unternehmer:innen (EPU) und Kleinstunternehmen (47 Prozent) plant, in diesem Jahr im gleichen Umfang zu investieren wie im Vorjahr. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die vorhaben, ihre Investitionen 2026 zu kürzen, von 36 auf 32 Prozent gesunken. „Trotz der leichten Verbesserung bleiben die Investitionspläne der Selbständigen hinter der übrigen deutschen Wirtschaft zurück“, so Demmelhuber. Dort planen aktuell über 28 Prozent der Unternehmen, ihre Investitionstätigkeit auszuweiten.Probleme bei Einschätzung der künftigen Geschäftsentwicklung
Während sich die Investitionsbereitschaft also leicht verbessert hat, zeigt sich beim Geschäftsklima ein anderes Bild : Anders als die Investitionserwartungen haben sich die Geschäftserwartungen der Selbständigen im März stark eingetrübt. Sie sanken von minus 15 auf minus 26 Punkte. Die Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften ließ wiederum ebenso etwas nach. Gleichzeitig nahm die Unsicherheit unter den EPUs und Kleinstunternehmen zu. Aktuell haben 36 Prozent Schwierigkeiten, ihre künftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen (nach 32 Prozent im Vormonat).Die schwierige Rolle der Banken im Wirtschaftskreislauf
Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass geplante Investitionen tatsächlich umgesetzt werden, ist die Finanzierung. Dabei spielt der Kreditzugang eine wichtige Rolle : Im Vergleich zum vorhergehenden Quartal ging hier der Anteil der Selbständigen, die Schwierigkeiten meldeten, deutlich zurück (von rund 48 Prozent auf knapp 35 Prozent). Auch in der Gesamtwirtschaft nahm diese Quote ab. Der Anteil der Befragten, die überhaupt Kreditverhandlungen führen, blieb bei den Selbständigen mit zehn Prozent eher gering und wesentlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft mit 26 Prozent, so die Erhebungen des ifo-Instituts. (red/cc)Das Einkommen von Bürgermeistern in Niederösterreich

Wie viel Bürgermeister in Österreich verdienen, hängt von vielen Faktoren ab. Der niederösterreichische Wirtschaftspressedienst hat sich Daten vom Österreichischen Gemeindebund angesehen und nun für Niederösterreich eine aktuelle Analyse erstellt.
Was Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Österreich monetär verdienen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Ein zentraler Punkt sind etwa die Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes. Ein anderer ist die Einwohnerzahl und Art der Ortschaft. Es gibt Dörfer, Marktgemeinden, Städte oder Statutarstädte, der die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister vorsteht.
Ein Schlüssel ist, dass je mehr Einwohner die Ortschaft hat, desto höher das Bürgermeistergehalt ausfällt. In Niederösterreich liegt die Spanne mit Stand Jänner 2026 zwischen 4.035 Euro und 10.200 Euro brutto pro Monat. Eventuelle Sonderzahlungen bleiben dabei unberücksichtigt. Diese Zahlen hat der NÖ Wirtschaftspressedienst einer Datenzusammenstellung des Österreichischen Gemeindebundes entnommen.
Von brutto 4.035 bis 10.200 Euro monatlich
In die höchste Gehaltsstufe bei über 20.000 Einwohner mit 10.200 Euro brutto fallen in Niederösterreich sieben Gemeinden. Das sind die drei größten Städte St. Pölten, Wiener Neustadt und Klosterneuburg sowie Krems, Baden, Mödling und Amstetten. Je nach Bevölkerungsgröße geht es dann stufenweise bergab. In Gemeinden von 15.001 bis 20.000 Einwohner erhalten die Bürgermeister:innen 8.519 Euro brutto pro Monat ; von 10.001 bis 15.000 Einwohner sind es 8.070 Euro und bei 5.001 bis 10.000 Einwohner sind es 6.837 Euro.
In den niederösterreichischen Gemeinden mit 3.501 bis 5.000 Einwohnern erhalten die Ortscheffinnen und ‑chefs über 5.940 Euro brutto pro Monat, von 2.501 bis 3.500 Einwohner über 5.380 Euro und von 1.001 bis 2.500 Einwohner über 4.707 Euro. Unter 1.000 Einwohner im Ort liegt der Bürgermeisterverdienst in Niederösterreich Angaben zufolge immer noch bei 4.035 Euro brutto und je Monat. (NOe Wirtschaftspressedienst/red)
Weiter steigender Kokainkonsum in Österreich

EU-Bericht 2025 zum abwasserbasierten Drogenmonitoring veröffentlicht. Analyse für Österreich von Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Med Uni Innsbruck zeigt gleichbleibende Trends mit Cannabis als am häufigsten konsumierte Substanz und weiter steigenden Verbrauch von Kokain.
Das abwasserbasierte Drogenmonitoring in europäischen Städten dient zur Darstellung von Vergleichen und Trends beim Drogenkonsum auch über Ländergrenzen hinweg. Auf der Basis werden sodann gesundheitspolitische Strategien erarbeitet, evaluiert und etwaig angepasst. Für den aktuellen Drogenbericht der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) wurden im Jahr 2025 europaweit die Abwässer von insgesamt 131 Städten und Regionen untersucht, darunter 18 Kläranlagen von insgesamt 190 Gemeinden in Österreich.
Narkosemittel Ketamin neu im Monitoring-Programm
Für Österreich erstellt die Analyse das Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Medizinischen Universität Innsbruck. „Österreich liefert vierzehn Prozent aller europäischen Datensätze“, berichtet Herbert Oberacher, Leiter des Abwasserlabors am GMI der Med Uni Innsbruck. Mit den 18 Regionen werden nahezu 40 Prozent der Bevölkerung erreicht. Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck sind die einwohnerstärksten Regionen. Dort werden bezogen auf die Gesamtfracht die größten Drogenmengen im Abwasser beobachtet.
Untersucht wurden die Konsummarker (Anm. Drogen bzw. deren Stoffwechselprodukte) der Suchtgifte Tetrahydrocannabinol (THC, Wirkstoff in Cannabis), Kokain und Amphetamin (Wirkstoff in Speed), weiters 3,4‑Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Wirkstoff in Ecstasy) und Methamphetamin (Wirkstoff in Crystal Meth), sowie Alkohol und Nikotin. Neu im Programm ist das Monitoring von Ketamin, ein dissoziatives Anästhetikum aus der Human- und Tiermedizin.
Regionale Unterschiede und zeitliche Trends
„Eine Einwohnerin bzw. ein Einwohner aus einer der 18 untersuchten Regionen in Österreich trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein, raucht drei bis vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund zwei Milligramm an aufputschenden Drogen“, erklärt Herbert Oberacher. „Somit werden in Österreich täglich mehrere hundert Kilogramm an verbotenen Drogen konsumiert und Umsätze in Millionenhöhe erzielt“, so seine Einschätzung.
Als besondere Stärke des abwasserbasierten Drogenmonitorings gilt die Möglichkeit des Vergleichs unterschiedlicher Regionen. So ergab die Analyse, dass der Pro-Kopf-Konsum an Alkohol und Nikotin innerhalb Österreichs relativ einheitlich ist. Bei den verbotenen Drogen bietet sich ein weniger homogenes Bild : In allen Regionen war Cannabis die dominierende Droge, wobei der Konsum im urbanen Raum höher als in ländlichen Gegenden ist. Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Cannabis verzeichnete auch im Jahr 2025 Wien.
Österreich im europäischen Mittelfeld
Unter den Stimulanzien ist Kokain die umsatzstärkste Droge. In Westösterreich wird Kokain pro Kopf in größeren Mengen konsumiert als in Ostösterreich. Kufstein verzeichnete wie schon in den vergangenen Jahren den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Bei Amphetaminen (Speed) und Methamphetamin (Crystal Meth) lässt sich wiederum ein Ost-West-Gefälle erkennen. Die größten Konsummengen bei Amphetamin ließen sich in Guntramsdorf und Ried im Innkreis nachweisen, bei Metamphetamin (Crystal Meth) führen Wien und Wiener Neustadt.
Auch der MDMA (Ecstasy) Konsum scheint in urbanen Regionen höher zu sein als im ländlichen Raum. „Obwohl in einzelnen Regionen vergleichsweise hohe Pro-Kopf-Frachten beobachtet wurden, bewegt sich der Drogenkonsum in Österreich im europäischen Vergleich insgesamt im Mittelfeld“, resümiert Oberacher. Anhand der Abwasseranalyse lassen sich auch Konsummuster erkennen : So wurden in vielen Regionen am Wochenende höhere Alkohol‑, Kokain- und MDMA-Umsätze als an Wochentagen festgestellt, was für deren Verwendung als „Partydrogen“ spricht.(red/laucz)
Überleben als Frage des Geschlechts

Bei simuliertem Herz-Kreislaufstillstand und folgender Wiederbelebung zeigen sich Nachteile bei weiblichen Puppen. Aktuelle Studie der Med Uni Innsbruck bestätigt hier internationale Studien. Frauen werden generell seltener reanimiert und haben deshalb geringere Überlebenschancen.
Bei simulierten Reanimationen nach einem Herz-Kreislaufstillstand beeinflusst das „Geschlecht“ einer Übungspuppe die Qualität deutlich. Bei einer Herzdruckmassage erzielten Ersthelfer:innen bei der männlichen Puppe im Durchschnitt 80 Punkte, bei der weiblichen nur 70 von 100 möglichen Punkten. Das sind Ergebnisse der Studie „Basic Life Support – Durchführung von kardiopulmonalen Wiederbelebungsmaßnahmen unter Berücksichtigung von Diversitätsaspekten“. Die Studie wurde mit 164 Teilnehmenden unter der Leitung des Instituts für Diversität in der Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt.
Bei Reanimation vollständige Entkleidung vorschriftsmäßig
„Die Studienteilnehmenden sollten alleine eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Dabei fanden sie einmal die herkömmliche männliche Simulationspuppe vor und einmal eine Puppe, die wir mit Perücke, BH und Silikonbrüsten präpariert haben“, erklärt Jakob Stähr, gemeinsam mit David Ortner und Fabio Rützler Diplomand an der Med Uni Innsbruck. „Bei der Wiederbelebung gibt es zwischen Mann und Frau medizinisch keinen Unterschied – gedrückt wird in der Mitte des nackten Brustkorbs, fest und schnell“, ergänzt Benjamin Treichl, Oberarzt an der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Innsbruck.
„Auch bei Frauen soll niemand aus Unsicherheit oder falscher Rücksichtnahme zögern. Es gilt : Bewusstsein und Atmung kontrollieren, wenn diese fehlen den Notruf veranlassen oder selbst absetzen und dann ohne Zögern wiederbeleben. 30 Mal Herzmassage, zwei Mal Atemspende im Wechsel“, so Treichl. Unsicherheit wurde bei der Innsbrucker Studie allerdings häufig beobachtet. „Bei der weiblichen Reanimationspuppe starteten viele Teilnehmende die Reanimation ohne die vorschriftsmäßige vollständige Entkleidung, vor allem, wie sie mit dem BH umgehen sollen, war vielen unklar. Den BH sollte man vollständig entfernen oder aufschneiden“, erläutert Fabio Rützler.
Befürchtung von Vorwürfen des sexuellen Übergriffs
„Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit internationalen Studien“, sagt Sabine Ludwig, Direktorin des Instituts für Diversität in der Medizin. Sie hat die Studie initiiert und leitet sie. Ludwig verweist auf eine Studie aus den USA, wonach Frauen eine 14 Prozent geringere Chance hatten, in der Öffentlichkeit reanimiert zu werden – und in der Folge auch verminderte Überlebenschancen. „Als ein Grund wird vermutet, dass die helfenden Personen wegen der Berührung der weiblichen Brust den Vorwurf des sexuellen Übergriffs fürchten“, erläutert Ludwig. „Auch in unserer Studie empfanden männliche und auch weibliche Teilnehmende das Freilegen der Brust bei der weiblichen Puppe als unangenehmer.“
Verglichen wurden auch die Ergebnisse von Studienteilnehmenden ohne Vorerfahrung in der Reanimation mit jenen, die etwa als Rettungssanitäter ausgebildet wurden. „Die Vorerfahrenen erzielten im Durchschnitt deutlich bessere Ergebnisse bei der Wiederbelebung als die Unerfahrenen, sowohl bei der weiblichen als auch bei der männlichen Puppe“, so David Ortner. „Aber auch jene mit Vorerfahrung zeigten einen deutlichen Leistungsabfall von der männlichen auf die weibliche Puppe“. Bei der männlichen Puppe erreichten vorerfahrene Studienteilnehmer im Durchschnitt 87 von 100 Punkten für die Herzdruckmassage, bei der weiblichen Puppe waren es nur 75 Punkte.
Herz-Kreislaufstillstand keine geschlechtsneutrale Erkrankung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen weltweit für Frauen und Männer die häufigste Todesursache dar, eine besonders folgenreiche Form ist der plötzliche Herzstillstand. „Ein Herz-Kreislaufstillstand trifft Männer und Frauen, ist aber keine geschlechtsneutrale Erkrankung“, betont Barbara Sinner, Direktorin der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Innsbruck. „Die Ursachen sind bei Frauen per se ungünstiger als bei Männern, sie liegen etwa an Herzinsuffizienz, und der initiale Rhythmus ist meist nicht-schockbar, was die Prognose deutlich verschlechtert. Genau aufgrund dieser schlechteren Startchancen müssen Frauen unbedingt und konsequent wiederbelebt werden“, betont die Intensivmedizinerin.
„Geschlechterunterschiede wurden in Erste-Hilfe-Kursen und in der Ausbildung von Fachpersonal bisher zu wenig berücksichtigt“, ortet auch Sabine Ludwig Nachholbedarf. „Wir sehen, dass es nicht reicht, nur mit männlichen Puppen zu trainieren. Mit der korrekten Handposition hatten die Teilnehmenden bei der weiblichen Puppe zum Beispiel größere Probleme, auch die Kompressionsqualität und die Drucktiefe waren mangelhaft im Vergleich zur männlichen,“ so die Expertin für Diversität in der Medizin. An der Med Uni Innsbruck werden deshalb zukünftig auch weibliche Puppen zum Einsatz kommen.
Gleiche Überlebenschancen für Frauen als gemeinsame Zielsetzung
„Die Ergebnisse der Studie der Medizinische Universität Innsbruck bestätigen, dass es bei der Wiederbelebung von Frauen Unsicherheiten gibt – selbst bei ausgebildetem Personal“, erklärt Andreas Karl, Geschäftsführer Rotes Kreuz Tirol. „Deshalb schärfen wir nach, etwa indem die weibliche Wiederbelebung explizit in die bundesweite Lehrmeinung aufgenommen wird. Zudem investieren wir in deutlich diverseres Übungsmaterial und verstärken die Aufklärung über geschlechterspezifische Herzinfarktsymptome“, so Karl. „Unser klares Ziel ist, dass Frauen im Notfall genauso rasch, selbstverständlich und in derselben Qualität wiederbelebt werden wie Männer.“
„Die Studien sind ein Weckruf : Die Medizin orientiert sich noch immer zu stark am Mann – mit spürbaren Folgen für Frauen“, sagt Cornelia Hagele, Gesundheitslandesrätin in Tirol. „Mein Dank gilt der Medizinischen Universität Innsbruck und allen Partner:innen, die konsequent handeln und Bewusstsein für weibliche Reanimationspuppen schaffen. Denn wir haben ein Ziel : gleiche Überlebenschancen für Frauen. Auch das Land Tirol setzt mit seiner Frauengesundheitsstrategie Schritte für mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Bereichen Prävention, Ausbildung und Versorgung.“ (red/laucz)
Pyjama oder Krawatte

Gekommen, um zu bleiben war und ist die Heimarbeit spätestens seit der Corona-Pandemie. Chefs und Mitarbeitende debattieren seither, ob die Arbeit zu Hause genauso gut und vor allem dauergleich passiert wie im Büro. Meinungsforscher von Integral haben dazu nun im Auftrag von Immobilienrendite AG eine umfassende Studie erstellt.
Im Home-Office kann genauso gut und auch von der gleichen Dauer her gearbeitet werden wie am Firmensitz des jeweiligen Arbeitgebers. Seit Jahren diskutieren Arbeitgebende und Angestellte darüber, ob das zutrifft – oder eben nicht. Das Unternehmen Immobilienrendite wollte das genauer wissen und hat das Meinungsforschungsinstitut Integral mit einer entsprechenden Erhebung beauftragt. Letzten Februar wurden Angaben zufolge 639 heimische Berufstätige zwischen 16 und 75 befragt.
Bürojobs stehen für den läutenden Wecker, wenn es draußen noch dunkel ist oder für gut gefüllte öffentliche Verkehrsmittel und verlässliche Stauabschnitte am Fahrtweg. Danach lockt dafür dann spannender Kaffee-Klatsch mit Kolleginnen und Kollegen in der Büro-Lounge. Heimarbeiter:innen hingegen schlafen entspannt aus und rollen, sofern kein Online-Meeting ansteht, unfrisiert im Jogginganzug vor den Computer. Soweit das Klischee. Alle Jobs eignen sich allerdings nicht für dieArbeitin den eigenen vier Wänden.
Problemlösung funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office
Die Möglichkeit, zumindest zeitweise daheim zu arbeiten, hat laut der repräsentativen Integral-Umfrage im Schnitt jeder zweite Befragte. Je jünger, desto eher. Bei den 16- bis 29jährigen werken 60 Prozent zum Teil in der eigenen Wohnung. Oberösterreich und Salzburg haben bei der Digitalisierung die Nase vorn.
Hier genießen sogar 61 Prozent einen Job mit Home-Office-Anschluss. Unterschiede gibt es auch in punkto Ausbildung : Während 67 Prozent der Befragten mit Matura oder Uniabschluss „remote“ arbeiten können (Anm. primär leitende Beamte) können das 64 Prozent der Menschen in Fach- oder Hilfsarbeit mit Pflichtschule bzw. Lehre nicht.
Auf Anfragen den Job betreffend können alle reagieren. Integral fragte dann auch ab, wie Menschen ein Problem im (Home-) Office lösen. „Die Lösung eines Problems im beruflichen Kontext funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office“, so Petra Starecek, Studienleiterin bei Integral. Trotz aller Bequemlichkeit des Heim-Büros hat das echte einen Startvorteil.
Häufigkeit der Kommunikation nimmt mit Entfernung ab
Treten im Büro Probleme auf, ist die Lösung nie weit entfernt. 57 Prozent finden Hilfebei in der Nähe befindlichen Kollegen oder Vorgesetzten.Nur jede/r Fünfte bewältigt das Problem hingegen allein. Und nur 17 Prozent via Zoom- oder Teams-Meeting. Bei einer Krise ist Anwesenheit eindeutig von Vorteil. Obwohl TelefonoderE-Mail auch im Büro zum Greifen nah sind, sehen hier 45 Prozent keine adäquate Lösungsstrategie.
Thomas J. Allen, Professor am Massachusetts Institute of Technology, entdeckte schon in den 1970er Jahren, dass die Häufigkeit der Kommunikation zwischen Ingenieuren exponentiell abnimmt, je weiter sie physisch voneinander entfernt sind. Seine Forschung wurde als „Allen Curve“ berühmt und bestätigt den Wert physischer Nähe.
Kreativere Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt
„Wie auch die Integral-Umfrage zeigt, macht es einen Unterschied, wie weit jemand gehen muss. um eine/n Problemlöser:in zu finden“, sagt Mathias Mühlhofer, Vorstand Immobilienrendite. 43 Prozent fragen hier ihre direkten Sitznachbarn um Rat (und bekommen ihn). 49 Prozent sind bereit, für Hilfe ein paar Zimmer weiter zu gehen. Aber nur acht Prozent konsultieren Kollegen oder Vorgesetzte, die einige Gehminuten entfernt sitzen.
„Amazon, Google & Co. haben bewusst die Rückkehr ins Büro eingeläutet. Die großen Tech-Firmen stellten bereits fest, dass Angestellte daheim berufliche Probleme weniger effizient lösen als in einer Büro-Gemeinschaft“, erklärt Mühlhofer. „Dasselbe sehen wir bei der Zusammenarbeit in unserem Team, denn bei Projekten denken wir gerne um die Ecke. Die kreativeren Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt und nicht einsam auf dem Sofa daheim“, so Mühlhofer.
Steigende Anfragen nach Büros belegen Trend
Was aber tun im Heim-Büro, wenn der Gang zum Nachbar-Schreibtisch keine Option ist ? Laut Umfrage wählen sie die im Vergleich zum Büro nur zweitbeste Strategie zur Problemlösung. 76 Prozent rufen Kollegen oder Vorgesetzten an oder schreiben ihnen eine Nachricht. 43 Prozent suchen Hilfe in Suchmaschinen, vor allem Männer (53) und Selbständige (66 Prozent). 22 Prozent verschieben die Krisen-Bewältigung auf einen Tag im Büro und 20 Prozent versuchen es über Künstliche Intelligenz (KI).
Immerhin fünf Prozent konsultieren sogenannte Experten in den Social-Media-Communities von X, Bluesky & Co.. „Auch unsere steigenden Anfragen nach Büros zeigen deutlich, dass das Office zu einem kräftigen Comeback ansetzt“, unterstreicht Markus Augenhammer, ebenso Vorstand des Unternehmens Immobilienrendite AG. „Unsere Mieterinnen und Mieter wissen, dass Gemeinschaft nicht zu schlagen ist, wenn Kreativität und Lösungskompetenz gefragt sind.“ (red/czaak)
Das selbstverständlich anerkannte Potential

Frauen beweisen täglich ihre Kompetenz in Management und Führung von Unternehmen und Institutionen. Die Agentur Himmelhoch hat anlässlich des Weltfrauentages mehrere weibliche Stimmen aus unterschiedlichen Branchen gesammelt und sie um ihre Sichtweise zu Gleichberechtigung, Rollenverständnis und Arbeitsleben gebeten.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März geben Frauen aus verschiedenen wirtschaftlichen und institutionellen Bereichen Einblicke in ihre Erfahrungen rund um Gleichberechtigung, Rollenbilder und strukturellen Wandel im Arbeitsleben. „Ihre Statements zeigen, wo wir stehen, was sich bereits bewegt hat – und wo es noch Veränderung braucht“, so Angelika Deuretzbacher von der Kommunikationsagentur Himmelhoch in Wien.
Duale Führungskonzepte und familienfreundliche Führung
Für das Thema Technologie, Innovation und damit verbundene Dienstleistungen steht das Unternehmen Wien IT und Maria-Stephanie Banke, Bereichsleiterin Künstliche Intelligenz, Business Intelligence und Data : „Um wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen, ist eine Führungskultur, die auf Partnerschaftlichkeit und Gleichberechtigung setzt, unabdingbar. Sie fördert die Akzeptanz und Unterstützung von Elternzeit und Familienpflichten für beide Geschlechter“.
Banke weiter : „Insbesondere teilzeitarbeitende Personen können durch duale Führungskonzepte und familienfreundliche Führung eher Führungspositionen übernehmen, ohne die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu gefährden. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten und geteilte Führungsverantwortung — so wie wir es in der WienIT vorleben.“ WienIT ist Tochterunternehmen und zentraler IT & Business Partner der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Mehr als 900 Mitarbeiter:innen beraten, entwickeln und betreiben konzernweit die IT-Infrastruktur für die Wiener Linien, Wiener Lokalbahnen, Wiener Netze, Wien Energie, Bestattung & Friedhöfe, immOH!, GSWG und WIPARK.
Strukturelle Hürden überwinden und Leistungen sichtbar machen
Für den Bereich Wohnen, Bau und Immobilien steht das Unternehmen s REAL und Martina Hirsch als Geschäftsführerin : „Mit Mentoring bringen wir die Gleichberechtigung in der Immobilienbranche voran. Nachwuchstalente erhalten von ihren Mentor:innen nicht nur fachliches Wissen und praktische Erfahrung, sondern auch Zugang zu beruflichen Netzwerken. Insbesondere Frauen haben so die Chance, strukturelle Hürden zu überwinden und ihre Leistungen sichtbar zu machen“.
Hirsch weiter : „Eine Karriere in der Immobilienbranche ist sehr attraktiv und daher arbeite ich als Geschäftsführerin bei s REAL und als Vorständin im Salon Real daran, diese auch immer mehr Frauen möglich zu machen.“ s REAL unterstützt Menschen in allen Fragen rund um das Thema Immobilien. Als Vorständin des Frauennetzwerkes Salon Real setzt sich Martina Hirsch auch für die Nachwuchsförderung ein.
Wachstum durch engagierte, weibliche Mitarbeiterinnen
Eine langjährig bekannte Marke im Bereich Auto und KFZ-Handel ist das Unternehmen RAINER KFZ bzw. die RAINER-Gruppe. Stephanie Ernst verantwortet die Geschäftsführung : „Ich bin in der Automobilbranche aufgewachsen, die von vielen immer noch als männerdominierte Branche wahrgenommen wird. Bei der RAINER Gruppe ist dies schon seit Beginn an anders. Durch unsere familienfreundliche Unternehmensphilosophie liegt der Frauenanteil bei fast 50 Prozent. Unser stetiges Wachstum im KFZ-Bereich verdanken wir zu einem guten Teil unseren engagierten, weiblichen Mitarbeitern.
Ernst weiter : „Die Förderung und Weiterbildung von Mädchen und Frauen in technischen Berufen ist uns ein besonderes Anliegen. Jungen Frauen, die in unserer Branche durchstarten wollen, sind bei uns immer willkommen. Es gilt : Keine Scheu zeigen — einfach machen.“ Der Ursprung der RAINER Gruppe geht zurück ins Jahr 1959 als Inge und Burkhard Ernst das erste Autohaus in der Rainergasse im 4. Wiener Gemeindebezirk gründeten. Die heute von den Familien Ernst und Lemberger geführte Gruppe umfasst neben dem KFZ-Bereich mehrere Hotels, Immobilien , eine Hausverwaltung, Bauträger- und Projektentwicklungsbetriebe sowie eine Filmproduktion.
Talent, Leidenschaft und Führungsstärke kennen kein Geschlecht
Das Unternehmen J. Hornig Kaffeebar in Wien steht für die Produktion und den Handel von hochwertigem Kaffee. Barbara Bauer ist die Geschäftsführerin : „Die Kaffeebranche ist noch immer stark männlich geprägt – dabei braucht gutes Handwerk Vielfalt. Der Weltfrauentag erinnert daran, dass Talent, Leidenschaft und Führungsstärke kein Geschlecht kennen. Umso wichtiger sind Sichtbarkeit, gegenseitige Unterstützung und Netzwerke, die Frauen ermutigen, ihren Platz in der Branche einzunehmen und aktiv mitzugestalten.“
Barbara „Barbie“ Bauer ist seit 2017 Geschäftsführerin der J. Hornig Kaffeebar in Wien. Sie ist ausgebildete Kaffeerösterin und Barista und engagiert sich seit Jahren für mehr Gleichstellung in der Kaffeebranche. Mit der Gründung des Kollektivs „she brews collective“ für Frauen im Kaffeehandwerk schafft sie Räume für Austausch, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung in einem nach wie vor männerdominierten Umfeld.
Gebildete Mädchen treffen bessere Entscheidungen
Cornelia Wallner-Frisee wiederum ist Präsidentin der Hilfsorganisation Africa Amini Alama : „Frauen sind die stillen Kräfte, die Gemeinschaften stärken. Ihre Stärke und ihr Wissen prägen die Zukunft. Wenn Mädchen Bildung, Selbstvertrauen und die Möglichkeit bekommen, neue Wege zu gehen, profitieren nicht nur sie selbst – sondern ganze Generationen. Gebildete Mädchen treffen bessere Entscheidungen für ihre Gesundheit, ihre Familie und ihre Gemeinschaft – so prägen sie das Leben ihrer Umgebung nachhaltig“.
Die Hilfsorganisation Africa Amini Alama umfasst eine Krankenstation, Bildungs‑, Sozial- und Gesundheitsprojekte, Schulen, ein Waisenhaus und vier Wasserprojekte in Tansania. Finanziert werden die Projekte durch Spenden, eigene finanzielle Mittel, viele Helfer:innen und das nachhaltige Tourismusprojekt Africa Amini Life.
Bildung als Schlüssel für Selbstbestimmung und Chancengleichheit
Beim Industrieunternehmen S. Spitz verantwortet Stefanie Rieder den Bereich Logistik:„Die Industrie braucht Frauen. Nicht als Quote, sondern als entscheidenden Erfolgsfaktor. In der Logistik ist kein Tag wie der andere : Schnelligkeit, Veränderung, Verantwortung und konsequente Führungsarbeit prägen meinen Alltag. Bei Spitz schätze ich das Vertrauen, Entscheidungen treffen zu dürfen, die Möglichkeit, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und Rahmenbedingungen vorzufinden, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern“.
Rieder weiter : „Bildung ist für mich der Schlüssel für Selbstbestimmung und für Chancengleichheit. Nur in einem Wirtschaftsumfeld mit echter Chancengleichheit zählt Leistung anstatt klassischer Rollenbilder.“ Stefanie Rieder verantwortet als Head of Logistics die Bereiche Wareneingang, Warenausgang und Logistikoperations. Ihr Werdegang verdeutlicht, wie die Spitz Unternehmensgruppe Talente fördert und Frauen in technischen und operativen Schlüsselbereichen erfolgreich positioniert und Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schafft.
Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven und Räume für Austausch
Karoline Klezl ist Geschäftsführerin der Restaurants und Kaffeehäuser der Familie Querfeld:„Als Mutter zweier Kinder und Geschäftsführerin ist es mir wichtig, dass wir kulturelles Erbe nicht bewahren, um es zu konservieren, sondern um es weiterzudenken und für kommende Generationen relevant zu halten. Wir entwickeln unsere Restaurants und Kaffeehäuser zu offenen Orten weiter, an denen Dialog und Vielfalt Platz haben“.
Klezl weiter : „Mit der Initiative Stadtfrau schaffen wir Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven und eröffnen Räume für Austausch über Vereinbarkeit, Leadership und die Frage, wie wir die Gegenwart und Zukunft gemeinsam gestalten wollen.“ Die Familie Querfeld betreibt neben Café Landtmann, Café Mozart und Café Museum eine Reihe weiterer Gastronomiebetriebe in Wien : das Bootshaus an der Alten Donau, das Crossfield’s Australian Pub sowie Landtmann’s Original Café & Tortenshop in Alterlaa und das Gasthaus Napoleon in Kagran. (red/czaak)
Resilienzgesetz für kritische Infrastruktur

Nach Cybersicherheitsvorgaben im Rahmen der neuen NIS-2-Richtlinie nun auch Start des neuen Resilienz-Gesetzes für kritische Einrichtungen. Regularien betreffen elf zentrale Sektoren. Fokus auf Absicherung gegen physische Bedrohungen und Betriebskontinuität in Krisenfällen.
Schon die geopolitischen Kriegsereignisse rund um die Ukraine schärfen das Bewusstsein für die Absicherung von kritischer Infrastruktur und ihre verantwortlichen Betreiber. Jetzt unterstreicht der Krieg im Nahen Osten die Thematik noch mehr. Strom, Trinkwasser, Krankenhäuser, Zahlungsverkehr oder digitale Netze – viele dieser systemkritischen Leistungen werden den Menschen erst dann bewusst, wenn sie ausfallen.
Umfassende Risikoanalyse des Innenministeriums
Mit dem neuen (und sogenannten) Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz (RKEG) schafft Österreich nun einen klaren gesetzlichen Rahmen, um genau solche Ausfälle zu verhindern oder ihre Auswirkungen deutlich zu reduzieren. Das bereits gültige Gesetz (Anm. seit 1.März) setzt die entsprechende EU-Richtlinie in nationales Recht um. Betroffen sind elf zentrale Sektoren : Energie, Gesundheit, Ernährung, Banken, Finanzmärkte, Transport, Raumfahrt, Trinkwasser, Abwasser, digitale Infrastruktur und die Verwaltung. Ziel ist sicherzustellen, dass diese Dienste auch in Krisensituationen weiter funktionieren.
Die nationale Strategie in Österreich definiert einen klaren Rahmen, der auf einer umfassenden Risikoanalyse des Innenministeriums basiert und regelmäßig überprüft wird. Dieses Fundament dient als einheitliche Grundlage für Österreichs strategische Resilienzplanung, bietet kritischen Einrichtungen Orientierung für ihre eigenen Risikoanalysen (§ 14) und bildet die Basis für sektorübergreifende Maßnahmen.
Unterschied zu NIS‑2 Regeln und Strafhöhen bis 500.000 Euro
Dazu gehört etwa auch die Betrachtung von Versorgungsketten oder wechselseitigen Abhängigkeiten. Naturgefahren sind ebenso berücksichtigt wie technische Störungen, absichtliche Angriffe oder internationale Abhängigkeiten. Bei Verstößen gegen das RKEG drohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bei grundlegenden Verstößen, bis zu 100.000 Euro bei Wiederholung und bis zu 500.000 Euro in schwerwiegenden Fällen.
In der öffentlichen Diskussion steht derzeit vor allem die Umsetzung der NIS2-Richtlinie im Fokus. NIS2 regelt europaweit die Cybersicherheit von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen und verpflichtet diese zu hohen IT-Sicherheitsstandards, klaren Meldepflichten und Governance-Vorgaben. Das Risikoverständnis des RKEG geht darüber jedoch deutlich hinaus. Während NIS2 primär auf digitale Risiken abzielt, betrachtet das Resilienzgesetz die Gesamtsicherheit kritischer Einrichtungen.
Enge Zusammenarbeit zwischen RKE-Behörde und Bundesamt für Cybersicherheit
Es umfasst neben Cyberbedrohungen auch physische Sicherheit, bauliche Schutzmaßnahmen, organisatorische Vorsorge, Krisenmanagement und vor allem auch die Wiederherstellungsfähigkeit. Auch die entsprechende Expertise des Personals der Einrichtungen und deren Sensibilisierung und Schulung wird thematisiert. Damit adressiert das Gesetz etwa auch Risiken durch Naturkatastrophen, Sabotage, Versorgungsengpässe oder personelle Schwachstellen.
In der Praxis müssen nun viele Unternehmen, die bereits unter NIS‑2 fallen, künftig zusätzlich die Anforderungen aus dem RKEG erfüllen. Die nationale Strategie sieht deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen der RKE-Behörde im Innenministerium und dem Bundesamt für Cybersicherheit vor. Ziel ist die Vermeidung von Doppelstrukturen und Meldeprozesse so zu gestalten, dass Unternehmen Vorfälle koordiniert an beide Stellen melden können. Damit soll Bürokratie reduziert und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht werden.
Innenministerium entscheidet per Bescheid
„Unternehmen sollten RKEG und NIS2 nicht getrennt betrachten“, sagt Gottfried Tonweber, Leiter Cybersecurity und Partner bei EY Österreich. „Beide Regelbereiche greifen ineinander. Wer Sicherheitsorganisation, Risikomanagement und Meldeprozesse integriert aufsetzt, schafft nicht nur Compliance, sondern echte Stabilität“, betont EY-Experte Tonweber.
Ob ein Unternehmen nun final als „kritische Einrichtung“ eingestuft wird, entscheidet das Innenministerium per Bescheid. Maßgeblich ist unter anderem, ob ein Ausfall erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung oder auf andere wesentliche Dienste hätte. Betroffen sind Organisationen, die zumindest einen wesentlichen Dienst erbringen, und die im Inland tätig sind und ihre Leistungen im Inland erbringen.
Einstufungen bedeuten klare Verpflichtungen
Mit der Einstufung gehen dann klare Verpflichtungen einher. Unternehmen müssen systematisch analysieren, welchen Risiken sie ausgesetzt sind, und auf dieser Basis Resilienzpläne entwickeln. Diese Pläne sollen gewährleisten, dass im Ernstfall rasch reagiert und der Betrieb möglichst schnell wiederhergestellt werden kann. Sicherheitsvorfälle, die die Erbringung eines wesentlichen Dienstes erheblich stören oder stören könnten, sind unverzüglich zu melden, spätestens innerhalb von 24 Stunden.
Eine Folgemeldung muss spätestens einen Monat nach Erstmeldung erfolgen. Für die erstmalige Risikoanalyse bleiben nach Einstufung neun Monate Zeit, für die Umsetzung eines Resilienzplans und entsprechender Maßnahmen zehn Monate. Die Risikoanalyse ist anschließend regelmäßig, mindestens alle vier Jahre, zu aktualisieren. „Die Zeiten, in denen Sicherheit als reine IT-Frage behandelt wurde, sind vorbei“, ergänzt Birgit Eglseer, Senior Managerin bei EY Österreich. „Resilienz ist eine Führungsaufgabe. Sie betrifft Strategie, Organisation, Personal und Lieferketten gleichermaßen“, betont Eglseer.
Nachhaltige Resilienz als Antwort auf eine veränderte Risikolage
Hinter dem Gesetz steht die Erkenntnis, dass kritische Infrastruktur heute stärker vernetzt und komplexer ist als je zuvor. Energieversorgung, digitale Netze, Finanzsysteme und Gesundheitswesen sind eng miteinander verbunden. Ein Ausfall in einem dieser Bereiche kann daher rasch weitreichende Folgen haben. Die nationale Strategie setzt daher auf einen risikobasierten Ansatz, der kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt wird. Spätestens alle vier Jahre erfolgt eine Evaluierung, bei Bedarf auch früher, wenn sich die Risikolage wesentlich ändert.
Für Unternehmen bedeutet das einen strukturellen Wandel. Resilienz wird nicht mehr als punktuelle Maßnahme verstanden, sondern als dauerhafte Managementaufgabe. Gleichzeitig eröffnet das Gesetz die Chance, Sicherheits- und Krisenstrukturen neu zu denken und bestehende NIS2-Programme sinnvoll zu erweitern. „Resilienz schafft Vertrauen bei Kund:innen, Partner:innen und Investor:innen. In einer zunehmend unsicheren Welt wird genau das zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, resümiert Gottfried Tonweber. „Wer seine Abhängigkeiten kennt und klare Krisenstrukturen etabliert, stärkt auch die eigene Organisation“, ergänzt Birgit Eglseer, Senior Managerin bei EY Österreich. (red/czaak)
Etablierte Kunst und junge Positionen in kuratierter Qualität

Kunstmesse WIKAM zeigt im Wiener Palais Ferstel vom 28. Februar bis 8. März zahlreiche Sonderausstellungen. Neben bekannten Namen wie Rainer, Jungwirth und Walde bei Galerie Freller oder Alfred Kornberger bei Galerie Czaak, präsentieren 26 nationale und internationale Galerien einen Schwerpunkt auf Zeitgenössische Malerei und moderne Kunst.
Die Kunstmesse WIKAM im Wiener Palais Ferstel ist seit vielen Jahren eine der führenden Kunstmessen in Österreich. Auch beim kommenden Durchgang vom 28. Februar bis zum 8. März 2026 wird ein vielseitiges Programm geboten. Basis dafür ist ein Messekonzept, das sowohl der modernen Kunst als auch Meisterwerken vergangener Jahrhunderte gewidmet ist und somit viele interessante Genres abdeckt.
26 renommierte Galerien und Kunsthändler aus Österreich, Deutschland und Spanien
26 renommierte Galerien und Kunsthändler aus Österreich, Deutschland und Spanien zeigen ausgesuchte Exponate ihres Portfolios. Das Programm erstreckt sich von Werken aus Japan, Tibet und China des 18. und 19. Jahrhunderts, antiken Teppichen, Mobiliar und exquisiten Silberobjekten namhafter Manufakturen sowie Schmuck und Kleinkunst des Jugendstils und Art Déco über Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu Zeitgenössischer Kunst in den Bereichen Malerei und Skulptur, auch diesmal wieder Schwerpunkt der Kunstmesse.
Sonderschauen mit Alfons Walde, Alfred Kornberger oder Drago Prelog und dazu Lassnig, Jungwirth oder Rainer
Ein Fixpunkt bei der WIKAM sind Sonderausstellungen, die auch diesmal von engagierten Galerien umgesetzt wird. Die Galerie Czaak zeigt eine Sonderschau „The Line“ mit Linienzeichnungen und ‑Malerei von Alfred Kornberger, Gerhard Leixl (Meisterschüler Maria Lassnig) und Ankalina Dahlem (Meisterschülerin Immendorff und Balkenhol). Kunsthandel Widder widmet sich den Aquarellen von Gottfried Salzmann, die Galerie Szaal dem Schaffen Drago Julius Prelog und Kunsthandel Freller präsentiert eine ausgewählte Retrospektive von Alfons Walde sowie Werke von Maria Lassnig, Martha Jungwirth oder Arnulf Rainer, darunter eines der berühmten Kreuz-Bilder .
Museale Qualität von Nitsch, Scheibl, Brandl über Leixl und Prachensky bis Rainer und Walde
Wie gewohnt bei Walter Freller beeindrucken die Arbeiten durch ihre museale Qualität mit einer unverwechselbaren künstlerischen Sprache, die gerade in der Gegenüberstellung eindrucksvoll zur Geltung kommt. Bei Alfons Walde gilt Freller als auch international anerkannter Experte. Die aktuelle Schau beinhaltet 15 Werke aus unterschiedlichsten Schaffensphasen, die einen facettenreichen Einblick in die Vielseitigkeit dieses bedeutenden Künstlers der österreichischen Moderne und Meisters des Tiroler Expressionismus geben.
Gewachsene Anzahl an ausstellenden Galerien mit etablierten Positionen und neuen künstlerischen Impulsen
Das diesjährige große Angebot an zeitgenössischer Kunst entstand durch die deutlich gewachsene Anzahl an ausstellenden Galerien und macht sowohl etablierte Positionen als auch neue künstlerische Impulse sichtbar. Weitere bedeutende Künstler sind etwa noch Hermann Nitsch, Hubert Scheibl, Herbert Brandl, Alfred Kornberger, Gerhard Leixl, Markus Prachensky oder Arnulf Rainer.
Interessante Einzelausstellungen von Adrian Szaal und Thitz
Ergänzend gibt es auch andere interessante Einzelausstellungen, heuer von und mit den Künstlern Adrian Szaal und Thitz. Erstmals auf der WIKAM sind dann noch Arbeiten des griechischen Skulpturenkünstlers Yanni Souvatzoglou sowie des deutschen Bildhauers Willi Siber ausgestellt, deren Kunst ebenso bereits in Museen vertreten ist. Die Galerie Lilly´s Art präsentiert von Yanni Souvatzoglou die 193 cm hohe Bronze „Looking in the Future“, bei Coloneum Antik wird das „Tafelobjekt Silber“ mit einem signierten Unikat von Willi Siber ausgestellt.
Programmvielfalt mit einer Laufzeit von neuen Tagen insbesondere auch für Besucher aus Bundesländern
„Die Kunstmesse WIKAM ist mit ihrem umfassenden Konzept ein besonderes Erlebnis. Eine epochenübergreifende Vielfalt und ein Mix an etablierten Künstler:innen mit Werken in musealer Qualität sowie junge aufstrebende Künstler:innen sind Programmschwerpunkte, die sowohl Sammler wie auch ein junges kunstinteressiertes Publikum ansprechen“, sagt Horst Szaal, Veranstalter der Kunstmesse WIKAM. „Wir möchten diese Programmvielfalt auch unseren Besuchern bestmöglich vermitteln und bieten eine Messe-Laufzeit von neun Tagen. Im Vergleich zu anderen Kurzmessen können so insbesondere auch Besucher aus den Bundesländern aus zwei Wochenenden wählen“, so Szaal.
Kunstmesse WIKAM
Kunstmesse WIKAM vom 28. Februar bis 8. März 2026 ; Palais Ferstel, Strauchgasse4 in 1010 Wien ; Öffnungszeiten täglich von 11.00 bis 19.00 Uhr, am Sonntag, den 8. März von 11.00 bis 18.00 Uhr. Tageskarten EUR 15,-, Senioren EUR 10,-, freier Eintritt für Schüler und Studierende (mit Ausweis, bis 27 Jahre) und Inhaber der NÖ-Card. Die Messe wird vom Verband der Österreichischen Antiquitäten- und Kunsthändler veranstaltet. (red/cc)
Maßnahmen gegen Abhängigkeiten von Social Media

Arbeiterkammer fordert Verbot von suchtfördernden Funktionen auf Social Media Plattformen nach aktuellen Studienergebnissen zu Addictive Design bei TikTok und Instagram. Weitere Forderung betrifft Überprüfung Altersfeststellung und Sammeln von sensiblen Daten.
Eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) hat kürzlich Apps der Social Media Plattformen TikTok und Instagram mit einem wissenschaftlich fundierten Ampel-System untersucht und bewertet (economy berichtete). Im Ergebnis zeigt sich, dass Funktionen wie „Infinite Scroll” (Anm. Endloses Scrollen), “Auto-Play“, „Streaks“ („Nutzungszwang“), „Pull-to-Refresh“, „Push-Notifications“ oder „Likes“ Bestandteile von gezielt eingesetzten manipulativen Strategien sind. Bei den jugendlichen Nutzer:innen wird damit ein Kontrollverlust mit suchtgleichen Abhängigkeiten ausgelöst.
Systematisch auf Kontrollverlust abzielende Praktiken
Experten fassen das unter dem Begriff „Addictive Design“ zusammen. „Das sind gezielt eingesetzte manipulative Strategien, die suchtähnliches Verhalten zur Folge haben“, sagte Louise Beltzung von der Abteilung Konsumentenpolitik der AK. „Erklärtes Ziel ist, die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen mit psychologischen Tricks möglichst lange an die Plattform zu binden. Diese App-Elemente sind kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell“, unterstrich Beltzung von der AK bei der Präsentation der Studie.
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie, von Dating-Apps über Fitness-Tracker bis zu Online-Shops“, ergänzt Laura Wiesböck, Studienautorin vom Institut für Höhere Studien (IHS). „Wo es um die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen als Geschäftsmodell geht, gibt es Praktiken, die systematisch auf Kontrollverlust abzielen“, betont Laura Wiesböck vom IHS (economy brachte die Zitate von Louise Beltzung und Laura Wiesböck bereits im Bericht zur Studie).
Nutzung von ID-Austria bedeutet Klarnamenpflicht und würde staatliche Überwachung ermöglichen
Alle Bemühungen, zumindest Kinder unter einem bestimmten Alter vor Addictive Design zu schützen, indem man ihnen den Zugang zu bestimmten Plattformen verweigert, scheitern ohne funktionierende Altersfeststellung. Eine weitere neue AK-Studie des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beschäftigt sich mit dem Thema Altersfeststellung. Parallel sind auf EU-Ebene Methoden in Entwicklung, die nicht die völlige Aufgabe der Privatsphäre erfordern.
„Damit wäre es möglich, nur zu teilen, dass ein:e Nutzer:in über 14 ist – mehr Information ist nicht nötig”, erklärt Fabian Fischer, Autor der Studie. Wenn es hier aber rasch gehen soll, stellt sich ebenso rasch die Frage der technischen Umsetzung. „Hier geht es nicht zuletzt auch darum, inwieweit wir uns einer Überwachung durch den Staat preisgeben. Die Nutzung etwa von ID-Austria würde eine Klarnamenpflicht einfordern und staatliche Überwachung ermöglichen“, so Fischer vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA).
Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzdebakel werden
Eine Möglichkeit wäre den Plattformen die Altersfeststellung zu überlassen. Damit könnten Jugendliche aber neuen Risiken ausgesetzt sein. Bereits jetzt werden Methoden der Altersfeststellung eingesetzt, wo Plattformen ein überschießendes Maß an hochsensiblen Daten sammeln. Das reicht von biometrischen Gesichtsanalysen über Ausweiskontrollen bis zu KI-Analysen des Online-Verhaltens.
„Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzdebakel werden. Solange es keine datenschutzkonforme Lösung gibt, muss sichergestellt werden, dass Plattformen hier nicht auf Kosten der Privatsphäre von Kindern und jungen Menschen mit eigenen Lösungen experimentieren“, warnt Louise Beltzung von der AK eindringlich vor dem Sammeln und der Verarbeitung dieser hochsensiblen Daten von Jugendlichen.
Digital Fairness Act der EU muss klare Bestimmungen enthalten
Adressiert an die Politik fordert die Arbeiterkammer strengere Regeln für digitale Plattformen und ein Verbot aller Funktionen in Richtung Addictive Design. Auch in dem für Ende 2026 avisierten Digital Fairness Act der EU müssen entsprechend klare Bestimmungen enthalten sein. Die Experten der AK haben diese Forderungen auf der wissenschaftlichen Basis von beiden Studien zusammengefasst.
An erster Stelle steht das Verbot von Infinite Scroll, Autoplay & Co.. Bestimmte Designpraktiken müssen verboten werden. Infinite Scroll darf nicht die einzige Option sein, Feeds brauchen natürliche Stopppunkte. Like- und Follower-Zahlen müssen bei Minderjährigen versteckt werden. Pull-to-Refresh und Countdown-Timer sind zumindest für Minderjährige zu verbieten. Autoplay muss standardmäßig ausgeschaltet sein.
Die Algorithmen müssen transparenter werden
Nächste Forderung ist den Nutzer:innen die Zeithoheit zurückzugeben. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, täglich eine App zu öffnen, nur um einen virtuellen „Streak“ nicht zu verlieren. „Das ist Manipulation, keine Motivation“, so die AK-Experten. Pausen von Social Media dürfen keine Strafen durch die Apps nach sich ziehen. Entsprechend sollen Streaks nur mit Pause-Funktion erlaubt werden. Weiters keine Benachrichtigungen, die Druck ausüben etwas zu verpassen. „Nutzer:innen müssen auf ihre Zeitnutzung aufmerksam gemacht werden und nach einer gewissen Zeit aktiv gewarnt oder etwaig automatisch unterbrochen werden“.
Eine weitere Forderung der AK betrifft die Algorithmen selbst. Diese müssten transparent werden. „Nutzer:innen müssen selbst und bewusst entscheiden können, welche Inhalte sie sehen wollen und welche nicht“. Das umfasst die Option, Themen dauerhaft zu blockieren, einen verpflichtenden ‘Warum sehe ich das?’-Button für Transparenz. Ergänzt werden soll das um die Möglichkeit, jegliche Personalisierung abzuschalten mit der ständigen Verfügbarkeit von chronologischen Feeds.
Jugendliche sind besonders empfänglich für Addictive Design und benötigen gesonderten Schutz
Ein gesonderter Appell betrifft den besonderen Schutz von Minderjährigen. Junge Menschen sind besonders empfänglich für Addictive Design, doch ohne verlässliche Altersfeststellung bleibt Schutz von Minderjährigen eine Illusion. Die aktuellen Methoden seien wirkungslos oder datenschutzrechtlich hochproblematisch. „Solange es keine datenschutzkonforme europäische Lösung gibt, müssen die riskantesten Praktiken für alle Nutzer:innen verboten werden“, unterstreichen die Expert:innen der Arbeiterkammer (AK).
Ein abschließender Punkt im Forderungskatalog der AK adressiert dann noch die Themen Haftung und wirksame Kontrollen. „Konsument:innen müssen Schadensersatz einfordern können. Plattformen müssen für entstehende Schäden durch Addictive Design etwa in den Bereichen Gesundheit oder Geld finanziell verantwortlich gemacht werden“, so die Arbeiterkammer (AK). (red/czaak)
Junge Süchtige als Geschäftsmodell

Gefangen zwischen Klicksucht und Kontrollverlust. Gezielte psychologische Tricks von Social Media Plattformen erzeugen digitale Abhängigkeiten und machen sie zum Geschäftsmodell. Neue Studie von Arbeiterkammer und IHS belegt Manipulationen und Gefahren insbesondere für junge Menschen. Rascher Handlungsbedarf für Politik.
Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, stöhn… Als Vater zweier Teenis, als engagierter Begleiter von Jugendlichen in Schule und Sportvereinen und final als aufmerksamer Beobachter jung-menschlicher Verhaltensformen im öffentlichen Leben ist der Kampf gegen die Vereinnahmung der Jugendlichen durch sogenannte soziale Medien zu einem wesentlichen Bestandteil in der ohnehin intensiven Auseinandersetzung des täglichen Mit- oder manchmal auch Nebeneinanders geworden.
Smart-Phones mit den darüber genutzten Angeboten von TikTok, Instagram, ChatGPT, You Tube, Netflix & Co. sind Mama, Papa, Oma, Opa, Freund:in, Berater und immer öfter auch emotional aufgeladener Lebenspartner oder gar Geliebte/r von jungen Menschen geworden ; siehe auch aktuelle KI-Studie von Saferinternet (economy berichtete). Das alles in vergleichsweise relativ kurzer Zeit, und in einer machtvollen Intensität. Im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit oder zumindest kurze Ablenkung mit wortreich argumentierten Empfehlungen zu analogen oder gar physischen Tätigkeiten gewinnen zwischen mehrheitlich und nahezu immer die Smart Phones mit ihren „sozialen“ Diensten.
Warum können sie nicht aufhören?!
Waren es bisher „nur“ die Sozialen Medien, schwappt nun mit KI und insbesondere ChatGPT bereits die nächste Welle über die ohnehin schon mit pubertären Begleiterscheinungen, Schulstress, elterlichen Vorgaben oder generell sozialem (Eigen)Druck kämpfenden Jugendlichen hinweg. Als langjährig erfahrener Familien-Psychologe und Experte in Suchtfragen drängt die Frage nach dem Grund für diese ja gleich mehrfachen Intensitäten – und insbesondere : Warum können sie nicht aufhören?! Mehrere Studien und eigene Befragungen zeigen, dass es den Jugendlichen selbst zu viel ist und sie gerne weniger scrollen, wischen und liken wollen – und anstatt lieber wieder persönliche Gespräche, Kinobesuche oder (gar) Sport.
Eine Antwort auf diese Frage gibt eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) zu sogenannten „Addictive Designs“ (Anm. abhängig machendes Design), die vom Institut für Höhere Studien (IHS) durchgeführt wurde. Applikationen (Apps) der Social Media Plattformen TikTok und Instagram wurden hier erstmals mit einem wissenschaftlich fundierten Ampel-System untersucht und bewertet und anlässlich des internationalen Saferinternet-Tags veröffentlicht. Parallel präsentierte die AK eine zweite Studie zu Technologien für die Altersfeststellung, die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erstellt wurde. Beide Studien untermauern einen raschen politischen Handlungsbedarf im Kontext mit ebenso raschen Schutzmaßnahmen.
Addictive Designs“ mit „Likes“, „Push-Notifications“, „Streaks“, “Infinite Scroll” oder “Auto-Play”
Besonders alarmierend ist das Ergebnis zur Studie Addictive Designs“: Funktionen wie „Likes“, „Push-Notifications“ oder „Streaks“ gelten als besonders riskant. Bei insgesamt 55 Kriterien erhielt TikTok 44 (!) rote Bewertungen, Instagram 40 (!). „Die gesundheitlichen Folgen dieses zwanghaften Verhaltens sind Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, psychische Belastungen. Besonders gefährdet sind Jugendliche, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet“, sagt Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Abteilung Konsumentenpolitik. „Wer Gesundheitsschutz ernst nimmt, muss eingreifen : Addictive Design gehört verboten, Jugendliche müssen geschützt werden – ohne den Jugendschutz zum Datenschutzrisiko zu machen“, betont Gabriele Zgubic von der AK.
„Endloses Scrollen (Anm. Infinite Scroll), Auto-Play, Push-Notifications sind Bestandteile eines Addictive Designs und erzeugen den Zwang zur Nutzung. Das sind gezielt eingesetzte manipulative Strategien, die suchtähnliches Verhalten zur Folge haben“, bestätigt auch Louise Beltzung von der Abteilung Konsumentenpolitik der AK. „Erklärtes Ziel ist, die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen mit psychologischen Tricks möglichst lange an die Plattform zu binden. Diese App-Elemente sind kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell“, unterstreicht Beltzung von der AK.
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie“
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie, von Dating-Apps über Fitness-Tracker bis zu Online-Shops“, ergänzt Laura Wiesböck, IHS-Studienautorin. „Wo es um die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen als Geschäftsmodell geht, gibt es Praktiken, die systematisch auf Kontrollverlust abzielen“, so Wiesböck vom IHS. AK und IHS haben die Parameter für die Studie wissenschaftlich aufgesetzt und gemeinsam mit den Studienergebnissen eine Übersicht zu den abhängig machenden Mechanismen übermittelt.
An erster Stelle das sogenannte Infinite Scroll, wo Endlosschleifen das Seitenende ersetzen. Nutzer:innen verlieren dadurch jegliches Zeitgefühl. Es gibt kein Seitenende, keine Pause und kein Signal zum Aufhören. Als nächstes „Pull-to-Refresh“, das Herunterziehen zum Aktualisieren der App, wie eine Art Hebel am Spielautomaten. Der/die Nutzer:in weiß nie, was als nächstes kommt, das weckt das Interesse. Diese Ungewissheit, kombiniert mit gelegentlichen Belohnungen in Form interessanter Inhalte, stärkt die Abhängigkeit nach demselben Prinzip, das auch Menschen stundenlang vor Slot Machines hält.
Subtiler sozialer Druck und enorme psychische Belastung
Weiters Push-Nachrichten, Likes & Co., die künstlichen, zeitlichen und sozialen Druck ausüben. Die Angst, etwas zu verpassen (engl. „Fear of Missing Out”/FOMO ) wird nicht zufällig ausgelöst, sondern systematisch ausgenutzt. Noch wirksamer wird dieses Prinzip dort, wo Plattformen soziale Beziehungen in Zahlen verwandeln. Like- und Follower-Counts sind bei Jugendlichen standardmäßig sichtbar und können psychisch belasten.
Ein „besonderes Feature“ sind dann die sogenannten Streaks, sie treiben den sozialen Druck auf die Spitze, indem sie täglichen Nutzungszwang erzeugen, ohne Pause-Funktion. Nutzer:innen berichten von Stress, selbst im Urlaub oder bei Krankheit, aus Angst, monatelange Streaks zu verlieren. Freundschaft wird zur Pflicht, jede Unterbrechung zur Strafe. Hinzu kommt subtiler sozialer Druck, etwa durch „Gesehen“-Markierungen, die sofortige Reaktionen erwarten lassen.
Funktionsweise der Algorithmen ist und bleibt intransparent
Jugendliche sind in einem Alter, in dem Selbstdarstellung entwicklungspsychologisch ohnehin eine zentrale Rolle spielt. Und hier verstärken Plattformen den Druck zur permanenten Performance. Final folgen dann noch die Algorithmen an sich. Diese optimieren die Nutzungsdauer, nicht etwa Wohlbefinden. Algorithmen entscheiden, welche Inhalte Nutzer:innen sehen – optimiert auf maximale Verweildauer statt auf Interesse oder eben Wohlbefinden. Den Nutzer:innen fehlt die Kontrolle : Sie können keine Themen ausschließen, etwa Diät-Content oder radikalisierende Inhalte.
Die Funktionsweise der Algorithmen bleibt intransparent und wird von den Plattform-Betreibern trotz oftmaliger Aufforderung auch von unterschiedlichen internationalen Behörden nicht offengelegt. Auch ein „Warum sehe ich das?“-Button existiert nicht. Stattdessen werden emotionalisierende Inhalte verstärkt – unabhängig von möglichen Folgen. So entstehen sogenannte „Rabbit Holes“, in denen Nutzer:innen in problematische Themen wie Essstörungen, Selbstverletzung oder Verschwörungsnarrative abrutschen.
Handlungsaufforderungen an Politik und Eltern sowie juristische Grundlagen
Die Experten der AK fordern nun die Politik zum sofortigen Handeln auf und sie nennen mehre Beispiele für Regularien. Die angeführten Praktiken Infinite Scroll, Autoplay & Co. müssen verboten werden. Die ebenso angeführten Streaks sollen nur mit Pause-Funktion erlaubt werden und generell keine Benachrichtigungen, die Druck erzeugen. Nutzer:innen müssen auf ihre Zeitnutzung aufmerksam gemacht werden. Algorithmen müssen transparent werden und es braucht eine Möglichkeit, jegliche Personalisierung abzuschalten. Weiters Schutz von Minderjährigen und bis es eine datenschutzkonforme europäische Lösung gibt, müssen die riskantesten Praktiken für alle Nutzer:innen verboten sein.
Als letzten Punkt dann noch Haftungs-Kriterien und wirksame Kontrollen damit Konsument:innen Schadensersatz einfordern können. Die AK-Experten geben auch Empfehlungen an Eltern und begleitende Erwachsene und das erstreckt sich von Bildschirmzeit begrenzen und altersgerechte Einstellungen vornehmen über Risiken und Regeln mit Kindern besprechen bis Benachrichtigungen stoppen sowie Apps reduzieren und generell die Nutzungszeiten prüfen und eine Vorbildfunktion einnehmen. Eine abschließende juristisch-rechtliche Forderung gibt es auch : „Die Plattformen müssen für Schäden durch Addictive Design etwa in den Bereichen Gesundheit oder Geld finanziell verantwortlich gemacht werden“, so die Experten der Arbeiterkammer (AK). (red/czaak)
Ein neuer enger Begleiter

94 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Chatbots. Sie dienen als Werkzeug, als Ratgeber und zunehmend auch als persönliche Bezugsperson. Auch hier begrüßen Jugendliche Altersgrenzen, so eine Studie von Saferinternet anlässlich des 23. Safer Internet Day.
Anlässlich des 23. internationalen Safer Internet Day am 10. Februar 2026 präsentiert Saferinternet die aktuelle Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“. Die zentrale Erkenntnis : Künstliche Intelligenz (KI) ist für Jugendliche inzwischen ein selbstverständlicher Begleiter. 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen nutzen KI-Chatbots vor allem für schulische und zunehmend auch für persönliche Themen.
ChatGPT klare Nummer eins bei Jugendlichen
Die Jugendlichen unterschätzen aber auch die Risiken, wünschen sich mehr Bildung zu KI und befürworten auch hier Altersgrenzen. Für die Studie wurden 500 österreichische Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren befragt. Zusätzlich wurden zwei vertiefende Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen durchgeführt.
Bei den Anwendungen ist ChatGPT die mit Abstand beliebteste Anwendung. 90 Prozent der Befragten nutzen sie. Vergleichbare Chatbots wie Gemini von Google (23 Prozent) oder CoPilot von Microsoft (11) sind deutlich weniger beliebt. Knapp ein Viertel der Befragten nutzt ChatGPT täglich, die älteren Befragten (30) mehr als die jüngeren (18 Prozent). Über 40 Prozent geben an, ChatGPT zumindest mehrmals pro Woche zu nutzen.
Werkzeug für die Schule und Textformulierung
Inhaltlich sehen Jugendliche KI vor allem als wichtiges Werkzeug für die Schule : Fast drei Viertel verwenden KI-Tools für schulische Zwecke und Hausaufgaben. Weiters werden KI-Tools unter anderem für das Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47 Prozent), für Erklärungen (34), zur Formulierung von Texten (27) und zum Lösen von Rechenaufgaben (20 Prozent) verwendet.
Zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen (11 bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre) zeigen sich dabei deutliche Unterschiede : Weibliche und ältere Jugendliche nutzen KI in allen Anwendungsbereichen häufiger. Im schulischen Bereich liegen weibliche Jugendliche (78 Prozent) um 10 Prozentpunkte vor den männlichen (68 Prozent).
Jugendliche fragen KI regelmäßig um Information und Rat
Nicht nur in der Schule, sondern im gesamten Alltag sind KI-Tools mittlerweile eine gefragte Anlaufstelle. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen nutzt KI regelmässig, um sich Informationen und Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche zu holen, etwa zu Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel verwendet KI-Tools, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden.
Vier von zehn Befragten empfinden es oft als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Die sofortige Verfügbarkeit von KI-Chatbots ist für Jugendliche der wichtigste Grund (59 Prozent) für deren Verwendung. Darüber hinaus schätzen sie die Zeitersparnis (43) und die unkomplizierte Nutzung (39 Prozent).
Chatbots werden zu persönlichen Bezugspersonen
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung von KI im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel sogar für romantische Gespräche. Etwa drei von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann und Trost zu spenden vermag.
Und über ein Viertel glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten. Das zeigt, wie attraktiv Chatbots für junge Menschen sind und welche Bedeutung sie im Alltag der Jugendlichen haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots. Dadurch wirken Chatbots oft empathisch und vermitteln scheinbares Verständnis.
Bewusstsein über Risiken
Mittlerweile gibt ein Viertel der Jugendlichen (25 %) an, dass es ihnen leichter fällt, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Gleichzeitig sind ihnen die möglichen Schattenseiten der KI durchaus bewusst. „Wenn man sich schon von klein auf mit Problemen an die KI wendet, könnte es einem dann schwerer fallen, mit einer echten erwachsenen Person zu kommunizieren“, so eine Teilnehmerin aus den Fokusgruppen.
KI-Tools können aber auch helfen, Gespräche mit anderen Menschen vorzubereiten und zu üben. Bereits 23 Prozent der Befragten machen davon zumindest manchmal Gebrauch. In den Fokusgruppen schildern die Jugendlichen, dass sie mithilfe von KI vor allem heikle oder konfliktbeladene Gespräche vorbereiten – etwa, um mit Lehrkräften über als unfair empfundene Bewertungen zu sprechen, mit Eltern über schlechte Noten oder mit Freundinnen und Freunden bzw. in Beziehungen über Konflikte.
Die Studie und erste Erkenntnisse
Die Studie wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet durchgeführt. Im Spätherbst 2025 nahmen 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund, teil. Zusätzlich gab es zwei Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen mit insgesamt 14 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren.
„KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI“, so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet. „KI ist für Jugendliche zum digitalen Begleiter geworden. Gerade deshalb dürfen wir sie mit den Risiken nicht alleinlassen. Wir brauchen mehr Bildung über KI, in der Schule sowie mithilfe der Digitalen Kompetenzoffensive, klare Regeln und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein“, ergänzt Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung.(red/laucz, red/cc)
Abstürze bei Social Media Nutzung

Aktueller Jugend-Internet-Monitor zeigt deutlichen Rückgang der Social-Media-Nutzung. WhatsApp vor YouTube vor Snapchat vor TikTok vor Instagram vor Pinterest. Interessante Ergebnisse auch bei Spiele-Pattformen und Streamingdiensten. KI-Nutzung steigt.
Das Pendel schlägt (endlich) in die andere Richtung aus. Welche sozialen Netzwerke nutzen Jugendliche in Österreich und gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs ? Der Jugend-Internet-Monitor der EU-Initiative Saferinternet untersucht seit elf Jahren die Nutzung von sozialen Netzwerken. Die Top 6 der beliebtesten Plattformen sind gleichgeblieben, auch in der Reihenfolge gibt es kaum Veränderungen.
Allerdings verlieren alle Plattformen an Nutzerinnen und Nutzern, während die Beliebtheit von KI-Chatbots wie ChatGPT massiv zunimmt. Die aktuelle Datenerhebung wurde mit Unterstützung der EU und der Österreichischen-Forschungsförderungs-Gesellschaft (FFG) umgesetzt und vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführt. 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren aus ganz Österreich wurden Angaben zufolge befragt.
Teils starke Verluste für alle Plattformen
Nummer eins unter den Internetplattformen österreichischer Jugendlicher bleibt auch 2026 WhatsApp, trotz generell rückläufiger Nutzung. Mit 82 Prozent Nutzung (davon 84 Prozent täglich) führt der Messenger-Dienst im Ranking, gefolgt von YouTube mit 76 Prozent (50 Prozent täglich). WhatsApp verliert im Vergleich zum Vorjahr fünf Prozentpunkte, YouTube vier.
Die Messenger-App Snapchat liegt mit 65 Prozent Nutzung (davon 85 Prozent täglich) auf dem dritten Platz. Damit landet sie nur knapp vor TikTok (64 Prozent, davon 83 Prozent täglich) und Instagram (64 Prozent, davon 77 Prozent täglich). Alle Plattformen verzeichnen deutliche Rückgänge. Snapchat und Instagram verlieren je neun Prozentpunkte, TikTok acht. Auch Microsoft Teams (31 Prozent ergeben Platz sechs) verliert vier Prozent.
Signal und Reddit bleiben gleich und Foto-App BeReal stürzt massiv ab
Abseits der großen Netzwerke ist die App-Landschaft der Jugendlichen vielfältig. 31 Prozent der Jugendlichen nutzen die digitale Pinnwand Pinterest. Die Spieleplattform Roblox nutzt knapp ein Viertel (23 Prozent) und die Kommunikationsplattform Discord knapp ein Fünftel (18 Prozent. Die Streamingplattform Twitch kommt auf 14 Prozent. Auch diese Plattformen verzeichnen Rückgänge gegenüber dem Vorjahr.
Keine Verluste hinnehmen müssen lediglich der Messenger-Dienst Signal sowie das Internetforum Reddit (jeweils 9 Prozent). Der größte Verlierer des Jahres ist BeReal : Die Instant-Foto-App, die 2024 noch von knapp einem Drittel der Befragten genutzt wurde, verliert seither kontinuierlich an Bedeutung und wird 2026 nur noch von sieben Prozent der Jugendlichen verwendet.
Nur mehr geringfügige Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Bei den beliebtesten sozialen Netzwerken fallen die geschlechtsspezifischen Unterschiede insgesamt gering aus. YouTube (Jungs : 79 Prozent, Mädchen : 73) und TikTok (Jungs : 67, Mädchen : 61 Prozent) werden zwar weiterhin etwas häufiger von Jungs genutzt.
Bei WhatsApp, Snapchat und Instagram zeigen sich 2026 hingegen keine Unterschiede mehr. Das ist ein deutlicher Wandel im Vergleich zu 2025, als Snapchat vor allem bei Mädchen klar dominierte. Microsoft Teams wird wie im Vorjahr häufiger von Mädchen (35 Prozent) als von Jungs (27) genutzt.
Die Unterschiede bei Streaming‑, Gaming- und Kommunikations-Plattformen
Deutlicher werden die Unterschiede bei Video-Streaming- bzw. Gaming-Plattformen : Discord (Jungs : 28 Prozent, Mädchen : 8 Prozent) und Twitch (Jungs : 23, Mädchen : 5) bleiben klar männlich dominiert. Die Spieleplattform Roblox nutzt ein Viertel der Jungs (25) rund ein Fünftel der Mädchen (21).
Große Unterschiede gibt es bei der Nutzung der digitalen Pinnwand Pinterest, die über die Hälfte der Mädchen (55) anspricht, aber nur acht Prozent der Jungs. Weitere deutliche Unterschiede bei Reddit (Jungs : 14, Mädchen : 3) und X (Jungs : 12 Prozent, Mädchen : 4 Prozent).
Algorithmus statt Austausch oder Kurzvideos dominieren Plattformen
Der Schwerpunkt sozialer Netzwerke hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Sich direkt mit Freundinnen und Freunden auszutauschen, über das eigene Umfeld informiert zu bleiben oder bestimmten Personen gezielt zu folgen, verlieren zunehmend an Bedeutung. Stattdessen rückt das endlose Durchscrollen von Kurzvideos in den Vordergrund. Dieses Prinzip, das vor allem TikTok geprägt hat, bestimmt inzwischen die Funktionsweise fast aller großen Social-Media-Plattformen.
Jugendliche konsumieren deren Content überwiegend passiv und lassen sich von Inhalten, die der Algorithmus vorschlägt, berieseln. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass viele von ihnen kaum mehr benennen können, welchen Content-Creatoren sie tatsächlich folgen. Der algorithmische Konsum ersetzt zunehmend das bewusste Abonnieren und Verfolgen einzelner Persönlichkeiten.
ChatGPT & Co. als die neuen Stars im digitalen Alltag Jugendlicher
Im Kontext mit der generell steigenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz hat Saferinternet diesem Thema eine zusätzliche Erhebung gewidmet. KI-Chatbots sind im Alltag von 11- bis 17-Jährigen bereits fest verankert. Bereits 94 Prozent der Jugendlichen nutzen Chatbots, was den beobachteten Rückgang der Social-Media-Nutzung zum Teil erklären dürfte. Hinzu kommt die enorme Vielfalt digitaler Angebote, da neben sozialen Netzwerken auch Streaming-Dienste wie Spotify, Netflix oder Disney+ genutzt werden.
Bei der Nutzung all dieser Anwendungen zeigt sich unter den Jugendlichen ein zunehmendes Sättigungsgefühl. Obwohl soziale Netzwerke weiterhin ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags sind, äußern viele junge Menschen zunehmende Kritik. Als störend empfunden wird die steigende Werbung, die ähnlichen Inhalte auf den verschiedenen Plattformen, weiters belastende Inhalte und Hasskommentare. (red/laucz, red/cc)
Neue Therapie bei Nierenversagen

Akutes Nierenversagen verhindert lebenswichtige Entgiftung des Körpers. Ärzte der Med-Uni Innsbruck entwickeln für Nierenersatztherapie neues extrakorporales Blutreinigungsverfahren gegen gefährliche Übersäuerung.
Die Niere ist ein lebenswichtiges Organ, das für die Entgiftung von Stoffwechselprodukten und die Aufrechterhaltung des Säure-Basen Haushaltes verantwortlich ist. Bei einem akuten Nierenversagen passiert (auch) eine schädliche Übersäuerung des Körpers. Die Behandlung erfolgt dann mittels einer kontinuierlichen Nierenersatztherapie (Anm. Hämofiltration), ein extrakorporales Blutreinigungsverfahren, das diese Funktion bei Intensivpatienten rund um die Uhr übernimmt.
Nur 60 von 100 Intensivpatienten mit Nierenersatztherapie überleben
Allein auf der Intensivstation der Uniklinik in Innsbruck sind jährlich rund 100 kritisch kranke Patient:innen auf eine derartige kontinuierliche Nierenersatztherapie angewiesen. Mediziner um Michael Joannidis (Anm. Leiter der Gemeinsamen Einrichtung für Internistische Intensiv-und Notfallmedizin) und Fabian Perschinka, haben nun Infusionen mit geänderter Zusammensetzung getestet und sie konnten damit den wichtigen Säure-Basen-Haushalt der Patient:innen besser stabilisieren.
„Wenn die Nieren versagen, würde man innerhalb kurzer Zeit sterben. Die Nierenersatztherapie auf der Intensivstation verhindert das“, sagt Joannidis von der von Herbert Tilg geleiteten Univ.-Klinik für Innere Medizin I. Die Sterblichkeit bleibt aber trotzdem hoch. Nur etwa 60 von 100 Intensivpatienten, die mit einer Nierenersatztherapie behandelt werden müssen, überleben laut Angaben.
Bei jedem extrakorporalen Verfahren muss Blutgerinnung gehemmt werden
Vor diesem Hintergrund setzten Joannidis und Perschinka beim Projekt (und Studie) bei der Gerinnungshemmung an, die gleichzeitig den Säure-Basen Haushalt kontrolliert. Bei jedem extrakorporalen Verfahren muss die Blutgerinnung gehemmt werden, andernfalls würde bei der Nierenersatztherapie der Filter verkleben.
Vor rund 20 Jahren wurde bei dieser Nierenersatztherapie erstmals statt einer systemischen Blutverdünnung mit Heparin die sogenannte regionale Gerinnungshemmung (Anm. Antikoagulation) mit Citrat eingeführt. Seit etwa zehn Jahren wird sie im deutschsprachigen Raum großflächig eingesetzt.
Weniger basische Lösung keine Gefahr für die Patient:innen
Wichtig ist noch, dass Patient:innen keinen Basenüberschuss (Anm. Alkalose) entwickeln, was zu einer erhöhten Sterblichkeit führen kann, weil sich der Sauerstofftransport und die Aktivität der körpereigenen Proteine verändern. Besser wäre also eine weniger basische Substitutionslösung.
„Wir führen mit der neuen Methode etwas weniger Basen zu, um hier gegenzusteuern“, bestätigt Michael Joannidis von der Med Uni Innsbruck. Final konnten die Mediziner zeigen, dass die weniger basische Lösung keine Gefahr für die Patient:innen darstellt und sich der pH-Wert genauso schnell normalisiert wie mit der bisherigen Methode. Insgesamt wird nun eine bessere metabolische Kontrolle und Stabilität ermöglicht.
Hinweise auf besseres Überleben
Zusätzlich zeichnet sich ein möglicher Trend zu einer reduzierten Sterblichkeit bei jenen Proband:innen ab, die zuerst die Substitutionslösung mit weniger Bicarbonat erhielten (23 Prozent gegenüber 39 Prozent). Nun ist eine multizentrische Studie geplant, in der die Wissenschaftler überprüfen wollen, ob die bessere metabolische Kontrolle auch zu einem besseren Langzeitüberleben führt.
In der Zwischenzeit kommen die Studienergebnisse den Innsbrucker Patient:innen bereits zugute. An der internistischen Intensivstation wird für die kontinuierliche Nierenersatztherapie nun bereits die offenbar besser geeignete Infusionslösung in Kombination mit der Citrat-Antikoagulation verwendet. „Das ist jetzt unsere Hauptstrategie“, sagt Michael Joannidis (Anm. Leiter der Gemeinsamen Einrichtung für Internistische Intensiv-und Notfallmedizin). (red/rucz)
Einsparungen können auch tödlich sein

Ein 16-jähriges Mädchen stirbt in einem Hotelzimmer an einer Überdosis. Die Jugendliche war in Betreuung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. Suchtkrankheiten und Drogenmissbrauch betreffen immer mehr jüngere Menschen. Parallel gibt es von der Stadt Wien massive Einsparungen bei Einrichtungen zur Suchthilfe. Eine kommentierende Erörterung mit Anstoß zu einer Debatte über medizinische Zwangsmaßnahmen von Christian Czaak.
Wenn suchtkranke Menschen zu Beginn der 1980 er Jahre in Wien ärztliche Hilfe suchten, gab es zwei Möglichkeiten. Die erste war eine stationäre Aufnahme im sogenannten Einsa-Pavillion am Steinhof auf der Baumgartner Höhe, in der Wiener Vorstadt auch „Guglhupf“ oder „Irrenhaus“ genannt. Für den bis zu acht Tagen dauernden körperlichen Entzug wurde der oder die PatientIn mit dicken Lederriemen auf eine Holzpritsche niedergeschnallt und einzig mit schweren Neuroleptika „behandelt“.
Zweite Möglichkeit war eine ambulante Behandlung mit zumindest theoretisch wirklich guten Ratschlägen in der damals einzigen Sucht- und Drogenberatungsstelle der Stadt Wien in der Borschkegasse nahe dem AKH. Bei beiden Varianten waren die Erfolgschancen gleich null. Breitere wie fundierte und vor allem niederschwellige Behandlungsangebote für die schon damals immer jünger werdenden Sucht- und Drogenkranken starteten dann ab 1985 unter Helmut Zilk (SPÖ) als Bürgermeister.
Zahlreiche vielschichtige und niederschwellige städtische Einrichtungen im Bereich der Suchthilfe
Ein gewisser Peter Hacker, aktuell Gesundheits- und Sozialstadtrat der SPÖ in Wien, wird von Zilk mit der Leitung des neuen Wiener Bürgerdienstes betraut und dazu gehörten auch Maßnahmen gegen die zu diesem Zeitpunkt offene Drogenszene am Wiener Karlsplatz. Für gutbürgerlich-katholisch geprägte Wiener Verhältnisse galt diese Drogenszene als „ausufernd“ und als untragbarer Skandal. Im Vergleich zum damaligen Züricher Platzspitz oder italienischen Großstädten war die Wiener Szene eher der umgangssprachliche Jungmädchenorden des Ursulinen-Klosters – aber natürlich trotzdem behandlungswichtig.
Vierzig Jahre später existieren nun vergleichsweise zahlreiche wie vielschichtige und vor allem auch niederschwellige städtische Einrichtungen im Bereich der Suchthilfe, die von Prävention über Behandlung bis Reintegration ehemals schwerkranker Menschen setzt. Projekte wie Ganslwirt, Jedermayr oder „Let’s End Hepatitis C In Vienna“ (@ Hans Haltmayer und Michael Gschwantler) waren dabei Meilensteine und wurden als internationale Best Practice Projekte ausgezeichnet.
Breite Proteste nach Budgeteinsparungen von bis zu 25 Prozent
Aktuell gibt es allein über die Suchthilfe Wien Hilfsprojekte bei Aufklärung, Kontrolle der Substanzen und medizinischer Hilfe oder auch mobile Sozialarbeiter, Tagesräume sowie Schlafstellen und auch die Themen Arbeitsplatz und Reintegration werden behandelt. Die Suchthilfe Wien (SHW) ist dabei eine Tochter der Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW) und nur für Teile des Wiener Sucht- und Drogenkonzepts zuständig. Zu diesem gehören auch Einrichtungen wie Dialog, Grüner Kreis, Anton Proksch Institut, Change, Contact, checkIt oder garbarage sowie weitere ambulante Hilfestellungen.
Viele dieser Einrichtungen sind nun mit teilweise massiven finanziellen Einsparungen seitens der Stadt Wien konfrontiert. Die Rede ist von Budgeteinsparungen für einzelne Organisationen von bis zu 25 (!) Prozent. Zahlreiche Betriebsräte und Mitarbeitende von Wiener Suchthilfeeinrichtungen wie etwa Anton Proksch Institut oder aus dem Netzwerk der Suchthilfe Wien haben an die verantwortlichen Peter Hacker als direkt zuständigen Stadtrat und an Michael Ludwig als Wiener Bürgermeister (ebenfalls SPÖ) offene Briefe geschrieben und Protestmaßnahmen organisiert, um auf die möglichen Folgen hinzuweisen.
Einsparungen im Suchthilfebereich verursachen langfristig höhere Kosten
„Wien war immer stolz auf seine soziale Verantwortung, doch was jetzt passiert, ist kein Sparprogramm – es ist ein sozialer Kahlschlag!“, so der Betriebsrat einer Suchthilfeeinrichtung. Von den Einsparungen bedroht sind auch Arbeitsmarkt- und Sozialintegrations-Programme für suchtkranke oder ehemals abhängige Menschen, die durch Kürzungen bei Förderungen und AMS-Kooperationen reduziert werden. Bei den Betreuungskapazitäten reduziert ein Personalabbau direkt die therapeutischen und sozialarbeiterischen Kapazitäten. Und final drohen langjährig aufgebaute Strukturen,Netzwerke und viele niedrigschwelligen Suchthilfeangebote verloren zu gehen, so die weitere Kritik der betroffenen Stellen.
Die Mitarbeitenden warnen zudem vor dem Verlust von Expertise. Viele Angebote basieren auf einem langjährig aufgebauten Vertrauensverhältnis. Ein Abbau oder gar eine Einstellung lässt sich nicht kurzfristig rückgängig machen. Für Betroffene und Angehörige kann das eine (zu) späte Hilfe bedeuten oder das Patient:innen gar nicht mehr erreicht werden. Experten verweisen auch darauf, dass Einsparungen im Suchthilfebereich langfristig höhere Kosten verursachen, etwa durch steigende Gesundheitsausgaben oder mehr Polizeieinsätze.
Anerkanntes System zur Sucht- und Drogenhilfe wird bewusst in Gefahr gebracht
„Wien verfügt seit Jahrzehnten über ein differenziertes und auch international anerkanntes System zur Sucht- und Drogenhilfe. Prävention, niederschwellige Beratung, medizinische Betreuung, Arbeitsmarktintegration und langfristige psychosoziale Begleitung greifen gut abgestimmt ineinander“, sagt die medizinische Leitung einer der angeführten Hilfseinrichtungen zu economy. „Das alles wird jetzt bewusst in Gefahr gebracht und ohnehin besonders hilfsbedürftige und oft mehrfach belastete Menschen werden im Stich gelassen“.
Die Stadt Wien betont, dass die Sparmaßnahmen für den Budgethaushalt nötig seien und parallel wird versichert, dass zentrale soziale Leistungen weiterhin aufrecht bleiben. Die Einrichtungen wissen aber nicht, wo genau diese Grenze verlaufen soll. Auch die politische Opposition und übergeordnete Sozialorganisationen fordern mehr Transparenz und vor allem eine Priorisierung nach sozialer wie medizinischer Wirkung. „Es stellt sich die Frage, ob es finanzpolitisch sinnvoll ist, bei präventiven, heilenden oder stabilisierenden Angeboten zu sparen und dann zahlt die Stadt später einen noch höheren Preis?“, so der kaufmännische Leiter einer weiteren Wiener Therapieeinrichtung.
Zahl der betroffenen jungen Menschen steigt seit vielen Jahren
Das überaus tragische Ableben des 16-jährigen Mädchen und die sieben anderen Minderjährigen, die 2025 während der Betreuung durch behördliche Einrichtungen auch ums Leben kamen, zeigen wie der aktuelle Konflikt um die Wiener Suchthilfe, wie schwierig soziale Betreuung und angemessene Budgetpolitik ist. Es geht hier nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen und ihre Unterstützung, die fast immer über Stabilität oder Absturz entscheidet. „In letzter Konsequenz kann das Ende einer Betreuung oder längere Wartezeiten auf einen Therapieplatz tödliche Folgen haben“, so ein Psychotherapeut und Sozialarbeiter zu economy.
Im Kontext mit Suchtkrankheiten und Drogenmissbrauch steigt die Zahl der betroffenen jungen Menschen seit vielen Jahren kontinuierlich an. Ebenso zunehmend ist die sogenannte Polytoxikomanie bei Jugendlichen, also die parallele Konsumation von mehreren Drogen mit der latenten Gefahr eines Atemstillstandes. Auch das Einstiegs- und generelle Konsumationsalter sinkt laufend. Suchtmediziner berichten von vielen unter 14-jährigen, die regelmäßig Alkohol trinken, Cannabis rauchen oder sogar Opiate wie Heroin nehmen. Der generelle Kokainkonsum hat sich seit 2015 verdoppelt. Junge Mädchen kommen beim Konsum oft in Hochrisikosituationen mit sodann verbundenen sexuellen Übergriffen durch ältere Männer.
Eine Debatte über medizinisch-therapeutische Zwangsmaßnahmen
Im Kontext mit all diesen Entwicklungen sollte irgendwann dann auch (zumindest) eine Debatte über medizinisch-therapeutische Zwangsmaßnahmen beginnen. Diese Debatte kann dann auch andere psychische Ausnahmesituationen adressieren. Etwa die weit und vergleichsweise mehrheitlich bei Frauen (weltweit rund 75:25 Prozent im klinischen Umfeld) verbreitete Borderline-Erkrankung. Hier kann es ebenso bedrohliche Auswirkungen geben, etwa in einem Familienverbund. In extremen Fällen passieren hier neben psychisch-traumatischen auch physische Verletzungen der eigenen, erkrankten Person und bei anderen im direkten familiären Umfeld befindlichen Personen.
Wenn kranke Menschen hier behandlungs- oder gar diagnose-uneinsichtig sind, dann bedeutet das langwierig extremste Belastungen für Kinder und (Ehe)PartnerIn. Betroffene empfinden das oft als eine Art auswegloses Gefängnis, eben weil die kranke Person keine Behandlung zulässt. Eine derartige Situation kommt auch bei Sucht- und Drogenkranken vor und auch hier gibt es oftmals direkte Betroffenheit im familiären Verbund, psychisch, physisch und final ebenso existentiell. Medizinische Zwangsmaßnahmen könnten hier Abhilfe schaffen und dafür braucht es einmal eine breite wie fundierte Erörterung.
Pro Monat zwei Mal eine Stunde Gesprächszeit für 500 Schüler:innen
Zurück „nur“ zum Thema Sucht- und Drogenkrankheit, wo auch die vorliegenden Zahlen bei Rettungseinsätzen eine deutliche Sprache vermitteln : eine für Wien verfügbare Statistik zeigt, dass die Einsätze bei unter 18-jährigen wegen Medikamenten- und Drogenmissbrauch zwischen 2018 und 2023 von 75 auf 231 gestiegen sind. Das ist eine Steigerung von über 300 Prozent in fünf Jahren. Die Drogentoten sind von 191 im Jahr 2019 auf 248 für 2023 gestiegen, macht plus 30 Prozent. Von diesen an Drogenmissbrauch verstorbenen Menschen waren 2019 noch 18 Prozent unter 25 Jahren. 2023 waren es schon 25 Prozent, macht plus 40 Prozent (jüngere Zahlen liegen noch nicht vor).
Wenn die Stadt Wien nun vor diesem Hintergrund derart umfangreiche Sparmaßnahmen setzt, dann sind Stimmen verständlich, die hier in letzter Konsequenz eine fahrlässige Gefährdung von Menschenleben sehen. Als Vater zweier Spät-Teenies und als langjähriges Mitglied im Elternverein einer Schule erlebe ich den stark steigenden Bedarf und die nicht einmal ansatzweise vorhandenen Ressourcen für die Betreuung der psychischen Probleme von Jugendlichen hautnah mit. Mit größter Mühe auf Grund des auch hier herrschenden Sparzwanges und der parallel fehlenden therapeutischen Ressourcen, gibt es heuer an der Schule statt bisher 1x 1 Stunde nun 2x 1 Stunde Gesprächszeit — pro Monat, für rund 500 Schüler:innen…
Zwei nachdenklich machende Kommentare zu einem Bericht von Der Standard
Die Sparmaßnahmen der Stadt Wien und das überaus traurig machende Ableben des jungen Mädchens wurde auch von anderen Medien behandelt. Im derStandard.at erschien dazu kürzlich ebenso ein Bericht und dazu gab es im Standard-Forum zwei sehr nachdenklich machende Leser-Kommentare. Unter dem Pseudonym „DielinkeVernunft“ schreibt ein/e LeserIn :
„Der Artikel pathologisiert jugendliche Überdosen als individuelles Scheitern, statt endlich zu benennen, dass ein kapitalistisches System Jugendliche systematisch in Prekarität, Leistungsdruck und Zukunftsangst treibt, bis Rausch vernünftiger wirkt als der nächste Tag im Hamsterrad.“
Der Kapitalismus wirft Jugendliche weg wie Ausschussware
Und weiter : „Während bürgerliche Moralpanik über Drogen inszeniert wird, bleiben Armut, Wohnungsnot, kaputte Schulen und fehlende psychosoziale Angebote unangetastet, weil sie den Profit stören würden. Die eigentliche Überdosis ist der Sozialabbau. Der Kapitalismus wirft Jugendliche weg wie Ausschussware, aber alle tun überrascht, wenn sie an Überdosen sterben.“
Und schließlich : „In Wahrheit hat schon die Boomer-Generation im Wohlstandsprojekt der Kreisky-Zeit gezeigt, dass sozialer Aufstieg, Sicherheit und echte Perspektiven möglich sind. Heute wird diese Erfahrung verraten, indem man Märkte entfesselt und Kinder im Wettbewerb verbrennen lässt, statt Schutz, Bildung und Stabilität wie in den 70 er und 80 er Jahren zu garantieren.“ (Zitat-Ende)
Ein politisches Versagen und die notwendige Erörterung von Zwangsmaßnahmen
Ein zweiter Posting-Kommentar zum Standard-Bericht von einem „hansglueck10“ wird auch sehr deutlich : „Einsparungen in Suchthilfeeinrichtungen und fehlende Therapieplätze sind keine abstrakte Budgetfrage, sondern unterlassene Hilfeleistung und sie kosten Leben. Wenn Jugendliche wie das verstorbene Mädchen bekannt vulnerabel sind, in staatlicher Obhut stehen und dennoch keine rasche Therapie, Krisenintervention und Schutz bekommen, dann ist das politisches Versagen. Wer bei Suchthilfe kürzt, nimmt Überdosierungen, Ausbeutung und Tod billigend in Kauf. (Zitat-Ende)
Als familienexistenzerhaltender Vater und kleinunternehmerischer „Mit-Radler“ in diesem „Hamsterrad“ sowie als langjähriger Kenner von psychischen Krankheiten und ihren oft verheerenden Auswirkungen auf das jeweilige (familiäre) Umfeld : beide Standard-Kommentare sind angebrachte Befunde und ebenso angebracht ist eine sachlich fundierte Erörterung medizinisch-therapeutischer Zwangsmaßnahmen in solchen Fällen. Stimmig ist auch die abschließende Forderung der Betriebsräte von Wiener Hilfseinrichtungen in ihrem Protestschreiben an die SPÖ-Stadtregierung von Wien : „Nehmen Sie die geplanten Kürzungen zurück, erhalten Sie die bewährten Strukturen und sichern Sie die Finanzierung der Suchthilfe in ausreichendem Maße!“ Andernfalls drohen uns vielleicht die Zeiten mit den Lederriemen und den Holzpritschen aus den alten Steinhof-Zeiten in den 1980 er-Jahren möchte man ergänzen. (Christian Czaak/red)
Kreislaufwirtschaft vereint Ökonomie und Nachhaltigkeit

Das Kontext-Institut analysierte die Auswirkungen von Kreislaufwirtschaft auf eine nachhaltige Modernisierung der Industrie. Richtige Transformation entscheidet über Ressourcenschonung und neue Wertschöpfung.
Teile von Österreichs Industrie stehen schon länger unter wirtschaftlichem Druck. In diesem Kontext hat sich nun das Kontext-Institut zur Untersuchung und Behandlung von Klimafragen das Thema Kreislaufwirtschaft genauer angeschaut und am Beispiel energieintensiver Branchen wie Bau und Metall umwelt- und klimapolitische Fragen mit wirtschaftlich unternehmerischen Anforderungen verknüpft. Österreichs ressourcenintensive und überwiegend lineare Wirtschaftsweise lässt große Potenziale ungenützt, so ein zentraler Befund der aktuellen Analyse.
Großes Potential für mehr Resilienz und Zukunftsfähigkeit der Industrie
Eine praxiskonforme Modellierung, die das Kontext-Institut beim Umweltbundesamt (UBA) und dem Center of Economic Analysis and Research (CESAR) in Auftrag gegeben hat, zeigt am Beispiel von energieintensiven Sektoren wie Bau und Metall, dass Kreislaufwirtschaft maßgeblich zur Modernisierung der Industrie beitragen kann. Durch die richtigen Maßnahmen werden Rohstoffe, Energie und Emissionen gespart und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wohlstand gesichert.
Kreislaufwirtschaft schone nicht nur Klima und Umwelt, sondern ermögliche auch günstigere heimische Produktion, was wiederum Resilienz und Zukunftsfähigkeit der Industrie stärkt. „Die Potenziale sind enorm. Die Umsetzung bleibt jedoch, trotz politischer Bekenntnisse, deutlich hinter den Ambitionen zurück”, sagt Katharina Rogenhofer, Vorstand vom Kontext-Institut. “Damit Kreislaufwirtschaft tatsächlich ihren vollen Mehrwert entfalten kann, muss sie eine zentrale Säule der kommenden Industriestrategie sein“, so Rogenhofer in Richtung der Bundesregierung.
8 Millionen Tonnen oder 20 Prozent weniger CO₂-Emissionen
Das modellierte Szenario zeigt, dass zirkuläre Maßnahmen im Wohnbau- und Metallsektor bis 2040 im Vergleich zu einem Weiter-wie-bisher-Szenario der Industrie erheblichen Mehrwert bringen würde. In Zahlen ausgedrückt etwa 29 Prozent geringerer Materialeinsatz im Wohnbau, 7,8 Millionen Tonnen oder 20 Prozent weniger CO₂-Emissionen und 21 TWh geringerer Einsatz fossiler Energieträger.
„Bau- und Metallsektor verantworten zusammen zwei Drittel des gesamten Ressourcenverbrauchs und damit maßgeblich den ökologischen Fußabdruck des Landes. Ihre Transformation entscheidet daher über den Erfolg einer zirkulären Wirtschaftsweise und über die Fähigkeit, industrielle Wertschöpfung mit Ressourcenschonung und Emissionsreduktion zu verbinden”, sagt Anna Pixer, Analystin und Studienautorin beim Kontext-Institut.
Priorisierung von Sanierung, Nachverdichtung und Leerstandsnutzung
Damit die modellierten Potenziale realisiert werden können, leitet die Studie konkrete politische Maßnahmen als notwendige Rahmenbedingungen ab. Im Bausektor sind die Priorisierung von Sanierung, Nachverdichtung und Leerstandsnutzung notwendig. Zudem braucht es Mindestquoten für Recyclingbaustoffe, die Gleichstellung wiederverwendbarer Bauteile und Materialien (Anm. Sekundärrohstoffe) mit Primärrohstoffen sowie klare Vorgaben für Demontierbarkeit und Materialtransparenz.
Im Metallsektor muss neben einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und der Planungssicherheit durch den Emissionshandel die Verfügbarkeit hochwertigen Schrotts entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhöht werden. Über Leitmärkte für emissionsarmen und recycelten Stahl kann die öffentliche Beschaffung gezielt Nachfrage schaffen. Ein Beispiel dafür ist etwa das EU-Projekt RecAL mit starkem Österreich-Bezug.Innovation für ressourcenschonende Industrieproduktion aus Österreich
Das vom LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen des Austrian Institute of Technology (AIT) geleitete Forschungsprojekt Recycling Technologies For Circular Aluminium (RecAL) entwickelt neue Wege, um Aluminium effizient zu recyceln. Das von HORIZON EUROPE geförderte Projekt vereint über eine digitale Plattform europaweit 19 Partnerorganisationen, von Forschungseinrichtungen über Technologieanbieter bis zur Industrie. Ziel ist eine signifikante Erhöhung von Sekundäraluminium zur nachhaltigen Verbesserung der CO₂-Bilanz. Der IT-Dienstleister CANCOM Austria ist hier Technologie-Partner und verantwortet etwa das Datenmanagement (economy berichtete).
“Wenn Österreich bei der Kreislaufwirtschaft die von der Regierung versprochene Vorreiterrolle einnehmen soll, müssen diese Maßnahmen rasch umgesetzt werden. Das beginnt mit einer grundlegenden Reform des Abfallwirtschaftsgesetzes”, sagt Rogenhofer. “Auch auf EU-Ebene, wo in den kommenden Jahren wichtige Maßnahmen, wie der Circular Economy Act, anstehen, kann Österreich mit einer aktiven Rolle dazu beitragen, dass der heimische Wirtschaftsstandort gestärkt wird“, betont Katharina Rogenhofer, Vorstand vom Kontext-Institut. (red/czaak)