Nur teilweise Weitergabe der Tankrabatte

In Deutschland geben die Ölkonzerne die Tankrabatte bisher nur teilweise weiter. Ifo-Institut entwickelt eigenen Tankrabatt-Tracker für Überprüfung und Analyse.
Der seit Anfang Mai geltende Tankrabatt der deutschen Bundesregierung kommt nur teilweise an den Zapfsäulen an. Das zeigen aktuelle Berechnungen des ifo-Instituts, das für genaue Analysen einen sogenannten Tankrabatt-Tracker entwickelt hat. „Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten drei Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 4 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin waren es durchschnittlich 12 Cent von den 17 Cent Steuersenkung“, sagt Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft.
Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte laut ifo-Institut damit zusammenhängen, dass Deutschland Diesel importiert. Was am Wochenende getankt wurde, unterlag vermutlich noch der vollen Steuer. „Auch wenn die Politik kurzfristig einen günstigeren Benzinpreis an den Zapfsäulen erzielt hat, werden hiermit die falschen Anreize gesetzt“, kritisiert ifo-Experte Neumeier. Angesichts der aktuellen Verknappung des Angebots trägt diese Maßnahme nicht dazu bei, weniger Diesel und Benzin zu verbrauchen. Der Rabatt sei zudem wenig zielgenau, da Menschen mit höherem Einkommen tendenziell höhere Spritausgaben haben und daher stärker profitieren.
Transparenz über tägliche Aktualisierung und dazu Vergleiche mit anderen Ländern
„Mit dem Tankrabatt-Tracker wollen wir Transparenz schaffen und die Öffentlichkeit darüber informieren, ob das von der Politik definierte Ziel, die Bürger finanziell zu entlasten, tatsächlich eingehalten wird“, sagt David Gstrein. Er hat den Tankrabatt-Tracker zusammen mit Christian Gréus, Florian Neumeier, Ramona Schmid und Stefan Smutny entwickelt. Ob die Ölkonzerne die Steuersenkung langfristig an die Konsumenten weitergeben, wird die Preisentwicklung in den kommenden Wochen zeigen. Der Tankrabatt-Tracker vergleicht die Kraftstoffpreise in Deutschland mit denen in Frankreich vor und nach dem 1. Mai auf Basis eines wissenschaftlichen Ansatzes.Durch diese Berechnungen soll sich zeigen, ob und in welchem Umfang der Tankrabatt an die Autofahrer*innen weitergeben wird. Die Ergebnisse werden an jedem Werktag auf Basis der Spritpreise vom Vortrag aktualisiert. „Damit kann jeder interessierte Bürger Tag für Tag nachvollziehen, ob der Tankrabatt die versprochene Wirkung entfaltet und die Spritpreise senkt“, so das ifo-Institut. Auf der ifo-Webseite finden sich auch Informationen zu den verwendeten Daten und zu den Methoden, die die Wissenschaftler für ihre Auswertung nutzen. (red/cc)
Abwanderungstendenzen

Stagnierende Geschäftslagen, weiter hohe Kosten bei Energie, Löhnen oder Material sowie ausgeprägte Konsumflaute prägen aktuelle Wirtschaftssituation. Rund 17 Prozent der Betriebe überlegen Standort oder Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Kritik an Maßnahmen der Bundesregierung bei Industriestrategie.
Die aktuelle Geschäftslage der heimischen Unternehmen ist weiterhin überaus schwierig, auch eine Veränderung in Richtung Aufschwung wird nicht erwartet. Nur 48 Prozent der Betriebe bewerten ihre gegenwärtige wirtschaftliche Situation mit „sehr gut“ oder „gut“. Jedes sechste Unternehmen (17 Prozent) darüber nun nach, zumindest einzelne Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Und mit der „Industriestrategie Österreich 2035“ der Bundesregierung sind nur sechs Prozent zufrieden.
„Es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mittelfeld abzurutschen“
Das geht aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervor. Als größte Herausforderungen nennen die Befragten das hohe Kostenniveau, die geringe Nachfrage und den Fachkräftemangel. „Österreichs Wirtschaft ist seit einigen Jahren von einer Erosion geprägt. Ein Aufschwung wird von den Unternehmen für unser Hochpreisland kaum erwartet, denn eine Krise jagt die nächste und es scheint kein Ende in Sicht“, so Ricardo-José Vybiral, CEO KSV1870 Holding AG.
„Aktuell befeuert die Perspektivlosigkeit seitens der Betriebe Exitszenarien und es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mittelfeld abzurutschen“, betont Vybiral. Laut aktueller KSV1870 Umfrage sind lediglich 48 Prozent der Unternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Nur jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) erwartet für heuer eine entscheidende Verbesserung. Während 85 Prozent der Finanz- und Versicherungsdienstleister die Situation positiv bewerten, sind es im Bereich Gastronomie/Beherbergung nur 35 Prozent.
Insbesondere Industrieproduktion sowie Bau/Immobilien und Telekom/IT diskutieren Verlagerung ins Ausland
Die vergangenen Jahre sind zu einer Belastungsprobe für viele heimische Unternehmen geworden. Vor allem die hohen Kosten, die bestehende Konsumflaute und die schwierige Personalsuche machen den Betrieben zu schaffen. Gelingt es den politischen Entscheidungsträgern nicht, die Unternehmen wesentlich zu entlasten, besteht in naher Zukunft die Gefahr einer Abwanderungsbewegung und der Verlust von Arbeitsplätzen.
„Angesichts der schon jetzt hohen Zahl an arbeitssuchenden Menschen, sollte dieses Schreckgespenst besser in der Kiste bleiben“, so Vybiral. Insbesondere in der Industrie bzw. in der Warenproduktion sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen und im Bereich Telekommunikation/IT gibt es überdurchschnittlich viele Unternehmen, die über einen solchen Schritt nachdenken.
Erzielte Umsätze verfehlen Wirkung und Kosten fressen etwaige Gewinne
Die Umsatzentwicklung hat sich laut Austrian Business Check im Vorjahr sehr unterschiedlich dargestellt. Während 33 Prozent der Betriebe von einer rückläufigen Entwicklung sprechen und weitere 23 Prozent eine maximal gleichbleibende Umsatzentwicklung vorweisen können, haben sich bei 44 Prozent die Umsätze erhöht – u.a. bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern und im Gesundheits- und Sozialwesen.
Doch selbst Letztere mussten angesichts des enormen Kostendrucks im Vergleich zu früher Gewinneinbußen hinnehmen, weshalb das Umsatzplus zum Teil auch wieder verpufft ist. „Getrieben von einem hohen Kostenniveau wird es immer schwieriger, Gewinne zu erzielen und ein Geschäftsjahr positiv abzuschließen“, so Vybiral. Zudem fällt die Prognose für das Jahr 2026 ernüchternd aus : Lediglich 27 Prozent der Betriebe erwarten, dass sich ihre Umsätze gegenüber dem Vorjahr verbessern werden.
Betreffend Auftragslage 2025 spricht nur ein Drittel von Anstieg
Im Vergleich zum Jahr 2024 hat sich auch die Zahl der Aufträge im Vorjahr sehr unterschiedlich entwickelt. Während 36 Prozent von einem Anstieg sprechen, verzeichnen 31 Prozent ein gleichbleibendes Ergebnis. Bei weiteren 33 Prozent hat sich die Auftragslage rückläufig entwickelt. Erfreulich ist, dass neben den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (66 Prozent) auch Betriebe der Warenproduktion (48) einen Anstieg verzeichnet haben – eine Branche, die in den vergangenen Jahren häufig mit einer schwierigen Auftragslage zu kämpfen hatte.
Dem gegenüber steht etwa der Handel, in dem 40 Prozent der Unternehmen von einer rückläufigen Entwicklung sprechen. Hier scheint die Konsumflaute anhaltende Spuren zu hinterlassen. Etwas besser als im Vorjahr präsentiert sich die Auftragslage seit Jahresbeginn in Österreich : Immerhin 43 Prozent der Betriebe sind im Moment zufrieden – dabei sticht Oberösterreich (54 Prozent) hervor. Gänzlich anders ist die Lage in Kärnten, wo 36 Prozent von einer rückläufigen Entwicklung sprechen. Das Bundesland ist damit Schlusslicht.
Industriestrategie Österreich 2035 durchgefallen
Im Rahmen der Umfrage wurden die Industrieunternehmen auch gefragt, wie sie die Anfang des Jahres seitens der Bundesregierung vorgestellte Industriestrategie einstufen. Das Ergebnis : Nur sechs Prozent sind mit ihr zufrieden, während jeweils 47 Prozent mit „mittelmäßig“ bzw. „unzufrieden“ geantwortet haben. Am häufigsten fehlen den Unternehmen ein konkreter Plan zur Kostensenkung und nachhaltige Maßnahmen zur Entbürokratisierung.
„Für Österreichs Industrieunternehmen ist der vorgelegte Plan zu unkonkret. Er enthält keine ausreichenden Maßnahmen, wie es gelingen soll, die Industrie langfristig auf die Überholspur zu bringen“, so Vybiral. Tendenziell positiver werden hingegen die kürzlich abgeschlossenen Freihandelsabkommen, wie etwa das EU-Mercosur-Abkommen oder das EU-Indien-Abkommen gesehen. Immerhin 36 Prozent sehen in diesem Zusammenhang einen positiven Einfluss auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung im Land. (red/czaak)
Materialknappheit in Industrie steigt rasant

Konflikt im Nahen Osten und Einschränkungen im Schiffsverkehr in Straße von Hormus beeinträchtigen zunehmend Lieferketten sowie Versorgung mit Vorprodukten und Endproduktionen. Materialmangel geht quer durch alle Branchen.
Die Versorgung mit Vorprodukten in der Industrie hat sich deutlich verschlechtert. Im April berichteten 14 Prozent der Unternehmen in der Industrie von Engpässen bei der Beschaffung von Materialien, nach rund sechs Prozent im Januar. Das ergab eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts. „Die Lieferketten geraten spürbar unter Druck. Der Konflikt im Nahen Osten und die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wirken sich zunehmend auf die Versorgung mit Vorprodukten aus“, erläutert Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.
Chemische Industrie und Kunststoffwaren und Maschinenbau besonders stark betroffen
Die Zunahme der Engpässe zeigt sich vor allem in Branchen, die stark von ölbasierten und energieintensiven Vorprodukten abhängig sind. In der chemischen Industrie berichteten 31 (!) Prozent der Unternehmen von Materialmangel. Auch bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren ist der Anteil auf 23 Prozent deutlich gestiegen. Weitere wichtige Industriezweige sind ebenfalls betroffen : Im Maschinenbau stieg der Anteil auf 15 Prozent und bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen auf 17 Prozent.Auch die Automobilindustrie meldet wieder häufiger Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie stark die Industrie von globalen Rohstoff- und Energielieferungen abhängt“, so Wohlrabe. Rund ein Fünftel des globalen Ölangebots wird über die Straße von Hormus abgewickelt. Gerade bei petrochemischen Vorprodukten können sich Störungen sehr schnell in der gesamten Wertschöpfungskette bemerkbar machen, so die ifo-Experten. (red/cc)
Geringere Anzahl und mehr Volumen

In Europa und USA deutlich weniger Börsengänge durch Nahost-Krieg. In China steigen die IPOs. Verteidigungsindustrie, Infrastruktur und KI besonders gefragt. Weltweit größter Börsengang in Amsterdam. Wiener Börse entwickelt sich sehr gut.
Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2026 führen neue geopolitische Spannungen und der weltweite Anstieg der Energiepreise zu einem deutlichen Rückgang auf dem IPO-Markt : Die Zahl der Börsengänge schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent und lag mit 230 auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Zuletzt waren im zweiten Quartal des COVID-Jahres 2020 mit 195 IPOs weniger Börsengänge registriert worden als im abgelaufenen Quartal.
Obwohl deutlich weniger Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagten, stieg das Emissionsvolumen um 36 Prozent auf knapp 41 Milliarden US-Dollar deutlich. Während die Zahl der Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb von 500 Millionen US-Dollar von 14 auf 22 stieg, gab es deutlich weniger kleinere IPOs : Die Zahl der Börsengänge mit einem Wert von weniger als 100 Millionen US-Dollar sank von 237 auf 146, so Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY.Weltweit größter Börsengang in Amsterdam
Der weltweit größte Börsengang des ersten Quartals fand in Europa an der Amsterdamer Börse statt. Der tschechische Munitionshersteller CSG erzielte bei seiner Erstnotiz an der Amsterdamer Euronext ein Platzierungsvolumen von 4,5 Milliarden US-Dollar. Getrieben durch das deutlich gestiegene Investoreninteresse, prägten auch in Deutschland Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, das IPO-Geschehen.Von den drei Betrieben, die in Deutschland im ersten Quartal an die Börse gingen, lassen sich zwei dem Rüstungssektor zuordnen. Es sind Vincorion mit einem Volumen von 345 Millionen Euro sowie Gabler mit 134 Millionen Euro. Zusätzlich absolvierte der österreichische Kupfer-Spezialist ASTA Energy den Börsengang an der Frankfurter Börse (Anm. Emissionsvolumen von 198 Millionen Euro) und die Hamburger Arenit Industrie SE ist im Rahmen einer Privatplatzierung an den schwedischen Nasdaq First North Premier Growth Market gegangen.
Geopolitisches Umfeld belastet den Markt und die Investoren bleiben selektiv„Die erneute Eskalation im Nahen Osten hat die weltweiten IPO-Märkte spürbar unter Druck gesetzt und die Zahl der Börsengänge auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gedrückt. Wir sehen kräftig steigende Energiepreise, erhöhte Schwankungen an den Kapitalmärkten und zwischenzeitlich deutliche Kursrückgänge“, erläutert Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich. Die Expertin sieht parallel auch handelspolitische Unsicherheiten wieder in den Vordergrund rücken.
„Wir erleben eine klare Fokussierung der Investor:innen auf bestimmte Sektoren und auf Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang eine relevante Größe, stabile Geschäftsmodelle und eine überzeugende Historie vorweisen können“, so Geisler. Aus der Sicht von Geisler sind die globalen IPO-Märkte insgesamt bemerkenswert widerstandsfähig. „Branchen wie Verteidigung, Luftfahrt und Infrastruktur profitieren stark vom geopolitischen Umfeld – hier kann man fast schon von einer IPO-Hochphase sprechen“, ergänzt die EY-Expertin.
Rekordhandel und starkes internationales Wachstum an der Wiener BörseAn der Wiener Börse sorgte die volatile Marktlage für die höchsten Quartals-Aktienumsätze seit 15 Jahren. Gleichzeitig wurde das Angebot im internationalen Segment global market weiter ausgebaut. Neben der Aufnahme zahlreicher neuer internationaler Titel – darunter mehr als 30 Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 – wurden auch aktuelle Börsengänge wie jener des österreichischen Unternehmens ASTA Energy Solutions in den Handel in Wien einbezogen. Der global market umfasst aktuell rund 900 internationale Wertpapiere aus 28 Ländern.
Auch im Anleihenbereich verzeichnete die Wiener Börse breiten internationalen Zuwachs. Im ersten Quartal nutzten globale Banken, internationale Konzerne und führende Asset Manager:innen aus Europa, den USA und Asien die Wiener Börse für ihre Anleihenlistings. Über 9.800 Primärlistings in den ersten drei Monaten bedeuten ein Rekordniveau. Ein starkes Signal für den Finanzplatz setzte hier auch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) mit der Ankündigung, neue Bundesanleihen künftig nur an der Wiener Börse zu listen.
Weniger Breite und mehr Tiefe im IPO-Markt„In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit bevorzugen Investor:innen Emittenten mit klarer Profitabilität, starker Positionierung und nachvollziehbaren Wachstumsperspektiven. Die Kluft zwischen sehr gut IPO-fähigen Unternehmen und solchen mit schwächerem Profil wird daher größer“, sagt Martina Geisler von EY. Für Europa erwartet sie weitere IPOs aus dem Verteidigungs- und Infrastrukturbereich.
Die verstärkten NATO-Anstrengungen, ihre Verteidigungsausgaben in Richtung des 5 Prozent Ziels des BIP zu erhöhen würden dafür gute Voraussetzungen schaffen. Neben Aerospace & Defense bleibe auch KI ein wichtiger Treiber des Marktes. „Allerdings verschiebt sich der Fokus zunehmend weg von visionären Zukunftsbildern hin zu konkreten, skalierbaren KI-Anwendungen, vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Rechenzentren, Halbleiter und industrielle Nutzung“, analysiert Geisler.
Die internationalen Märkte und Branchen im direkten VergleichEin Blick auf die einzelnen Märkte offenbart dann die teilweise deutlichen Unterschiede. In China (einschließlich Hongkong) wurden 68 Neuemissionen (Vorjahr : 50) gezählt mit einem Gesamtwert von fast 17 Mrd. US-Dollar. Beim Volumen ergibt das ein Plus von 181 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der größte Anstieg unter allen relevanten Börsenplätzen.
Der US-Markt lag bei der Zahl der Deals im Minus (27 Deals ergeben minus 55 Prozent). Das Emissionsvolumen lag mit knapp über 10 Milliarden US-Dollar um 13 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. In Europa gingen zwar weniger Unternehmen an die Börse als im ersten Quartal 2025 (28 ergeben minus 18 Prozent). Dank des Mega-IPOs von CSG stieg aber das Platzierungsvolumen deutlich : um 48 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
Beim Blick auf die Branchen dominierten Advanced Manufacturing (42 IPOs mit 11,3 Milliarden US-Dollar) und Technology (38 IPOs mit 8,8 Milliarden US-Dollar). Und im Ranking der größten Börsengänge des ersten Quartals folgen auf CSG das US-Energieinfrastrukturunternehmen Forgent Power Solutions mit einem Emissionsvolumen von 1,7 Milliarden US-Dollar und dahinter der chinesische Fleischproduzent Muyuan Foods mit 1,4 Milliarden US-Dollar. (red/czaak)
Österreich muss weitere 4,4 Milliarden Euro einsparen

Im Kontext mit dem überschuldeten Staatshaushalt orten die Experten des Österreichischen Fiskalrats in aktueller Analyse eine Wirkung der bisherigen Sparmaßnahmen. In Richtung des Defizitzieles 2027 ist noch ein Konsolidierungsvolumen von 4,4 Mrd. Euro nötig.
Die bisherigen Konsolidierungsschritte der Österreichischen Bundesregierung zeigen Wirkung : das Budgetdefizit 2025 sinkt auf 4,2 Prozent des Brutto-Inlands-Produktes (BIP). Dieser Wert bleibt damit aber weiterhin deutlich über der maximalen Obergrenze von drei (3) Prozent. Die Experten des Österreichischen Fiskalrats halten daher weitere Rückführungsschritte für unumgänglich. Die (nahezu unveränderte) Defizitprognose für 2026 beträgt vier (4) Prozent des BIP und für 2027 werden 4,1 Prozent des BIP genannt.
„Das macht ein rasches und ambitioniertes Vorgehen nötig“, so der Fiskalrat. Da das Ausgabenwachstum weiterhin hoch bleibt, bestehe bereits 2027 eine Lücke zu den Budgetzielen der Bundesregierung (3,5 Prozent des BIP) im Umfang von 4,4 Mrd Euro. „Es braucht rasche Konsolidierungsschritte“, unterstreichen die Ökonomen. Bei der Staatsschuldenquote erwartet das Fiskalratsbüro eine Fortsetzung des rasanten Anstiegs der Quote. Diese war mit Beginn der multiplen Krisen (An. 2019/2020 Corona) von 71 auf 85 Prozent des BIP bis 2027 gestiegen.
Niedrigere Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst und weitere Rücknahme von Förderungen
Für 2026 und 2027 werden als gesamtstaatliche Budgetdefizite die Werte von 4,0 bzw. 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwartet. Damit bleibt die Einschätzung gegenüber der Herbstprognose des Fiskalrats nahezu unverändert. Ausschlaggebend dafür sind gegenläufige Entwicklungen bei Konjunktur, Inflation und Konsolidierungsmaßnahmen, die sich weitgehend ausgleichen.
Die niedrigeren Gehaltsabschlüsse für den öffentlichen Dienst und die weitere Rücknahme von Förderungen tragen zwar zur leichten Verbesserung des Budgetsaldos gegenüber 2025 bei, sind aber nicht in der Lage, die hohe Ausgabendynamik aufgrund erhöhter Inflation, dem dynamischen Anstieg der Gesundheitsausgaben und der deutlichen Erhöhung der Transfers an die EU zu durchbrechen. Eine nachhaltige und ausreichende Rückführung der Defizitquote bleibt aus.
Hohes Wachstum der Sozial- und Gesundheitsausgaben und EU-Transferzahlungen verhindern stärkeren Defizitrückgang
Bis 2027 nähert sich die Schuldenquote mit 85 Prozent des BIP ihrem historischen Höchststand, der im Zuge der Verstaatlichung von Geschäftsbanken im Rahmen des Bankenpakets erreicht wurde. Im Gegensatz zu damals ist der Anstieg der Verschuldung aber großteils nicht mit dem Erwerb von Vermögenswerten verbunden. Eine automatische Rückführung der Verschuldung ist damit ausgeschlossen. Eine Stabilisierung der Schuldenquote – dafür wären bis 2027 Defizite unter 2,5 Prozent des BIP nötig – ist derzeit außer Reichweite.
Der moderate Anstieg der Staatsausgaben im Jahr 2025 um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024 : + 9,3 Prozent) spiegelt den Rückgang der Inflation und die bisherige gesamtstaatliche Konsolidierungsanstrengung wider, die u. a. die Streichung des Klimabonus, einen deutlichen Rückgang der Subventionen, aber auch geringere Investitionen in die Schieneninfrastruktur umfasste. Das strukturell zugrundeliegende Ausgabenwachstum blieb hingegen weiterhin hoch. Hierfür waren vor allem die starke Ausgabendynamik bei sozialen Sachleistungen im Gesundheitsbereich (v. a. Ausgaben für niedergelassene Ärzte und Medikamente) und bei Pensionsausgaben verantwortlich.
Steigende Arbeitslosenzahlungen versus deutlicher Anstieg bei Sozialversicherungsbeiträgen durch hohe Lohnabschlüsse
Konjunkturbedingt stiegen auch die Arbeitslosenzahlungen deutlich an. Der Zuwachs der Staatseinnahmen schwächte sich zwar mit 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr etwas ab (2024 : +5,3 Prozent), blieb aber trotz einiger Einnahmenverzichte der Vergangenheit (z. B. ökosoziale Steuerreform) dennoch klar über dem Ausgabenzuwachs und dem BIP-Wachstum.
Die Konjunkturerholung, der deutliche Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge u. a. aufgrund der weiterhin hohen Lohn- und Gehaltsabschlüsse und die Rücknahme von Steuererleichterungen aus den Vorjahren im Zusammenhang mit der Energiekrise waren für den deutlichen Einnahmenzuwachs verantwortlich. Das Budgetdefizit ging 2025 ausgehend von 4,6 im Jahre 2024 auf 4,2 Prozent des BIP zurück. Die Schuldenquote erhöhte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 81,5 Prozent des BIP.
Makroökonomische Entwicklung unterliegt hoher geopolitischer Unsicherheit
Die sich noch Anfang 2026 abzeichnende Erholung der Konjunktur und die damit einhergehenden positiven Effekte für den Staatshaushalt durch höhere Abgabeneinnahmen und geringere Leistungen für Arbeitslosigkeit schwächen sich aufgrund der angespannten geopolitischen Lage und der jüngsten Kriegshandlungen in Nahost ab. Das Risiko einer drastischen konjunkturellen Eintrübung und damit Verschlechterung des Budgetsaldos steigt mit Fortdauer des Krieges im Iran. Als „Faustregel“ gilt : Sinkt das reale BIP um ein (1) Prozent, verschlechtert sich der Budgetsaldo um 0,5 Prozent des BIP.
Das Büro des Fiskalrates geht von Defiziten in Höhe von vier ( 4) Prozent des BIP (2026) und 4,1 Prozent des BIP (2027) aus. Daraus resultiert eine Lücke in Höhe von 0,6 Prozent des BIP zum geplanten Budgetdefizit der Bundesregierung (Anm. 3,5 Prozent des BIP) im Jahr 2027. Um diese Lücke schließen zu können, ergibt sich unter der Berücksichtigung der negativen makroökonomischen Auswirkungen einer Konsolidierung auf die Volkswirtschaft Österreichs ein Konsolidierungsbedarf in Höhe von 4,4 Mrd. Euro. Um das laufende Defizitverfahren gegen Österreich wie geplant zu beenden, ist bis 2028 darüberhinausgehend zusätzlich zu konsolidieren.
Strukturelles Ausgabenwachstum bleibt weiterhin hoch
Trotz der Wirkung bzw. dem zusätzlichen Einsetzen von langfristig wirkenden Maßnahmen des ersten Konsolidierungspakets der Bundesregierung in den Jahren 2026 und 2027 – wie moderate Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst und Einsparungen bei Verwaltungspersonal – bleibt die zugrundeliegende Dynamik der Ausgaben hoch.
Die voranschreitende Alterung der Gesellschaft, die u. a. für die steigenden Gesundheits- und Pflegeausgaben verantwortlich ist, der über die nächsten Jahre anhaltende Anstieg der Finanzierungskosten durch die Zinsnormalisierung und den laufenden Anstieg des Schuldenstandes, aber auch die deutliche Erhöhung des österreichischen EU-Beitrags im Rahmen des neuen EU-Budgetrahmens bedingen auch mittelfristig ein hohes Wachstum der Staatsausgaben.
Infrastrukturinvestitionen oder Anpassungen bei Korridorpension verschieben Konsolidierungslast in Zukunft
Zudem verschieben einige kurzfristig wirksame Maßnahmen (Aufschub von Infrastrukturinvestitionen, Anpassungen im Bereich der Korridorpension) die tatsächliche, permanent wirksame Konsolidierungslast nur in die Zukunft. Vor diesem Hintergrund ist ohne zusätzliche Konsolidierungsanstrengungen auch mittelfristig keine Rückführung der hohen Budgetdefizite zu erwarten.
Die anhaltend hohen Primärdefizite (Maastricht-Defizit ohne Zinsausgaben) und die steigenden Zinsausgaben infolge höherer Verschuldung führen trotz eines weiterhin negativen Zins-Wachstumsdifferentials zu einem laufenden Anstieg der Staatsschuldenquote. Ausgehend von 81,5 Prozent im Jahr 2025 nähert sich die Schuldenquote 2027 mit 85 Prozent des BIP ihrem historischen Höchststand aus dem Jahr 2015 (85,6 Prozent des BIP) an. „Das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um diesen Trend zu stoppen“, so der abschließende Befund aus der (gewohnt fundierten) Analyse der Experten des Österreichischen Fiskalrats. (red/czaak)
Ambivalente Lage in Österreichs Industrie

Nach zwei Jahren Rezession leichte Erholungstendenzen im vierten Quartal 2025. Umsatz und Exporte legen zu. Europa und Asien treiben Wachstum, US-Markt bricht ein. Aktuelle Krisen werden positiven Trend wieder gefährden, so aktuelle Erhebung von EY.
Nach zwei Jahren Rezession zeigte die österreichische Industrie im vierten Quartal 2025 erstmals wieder leichte Erholungstendenzen. Getragen von Unternehmen des produzierenden Bereichs wurde ein Umsatz von rund 104 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit wurde eine Serie von zehn Quartalen mit Umsatzrückgängen beendet.
Elektronik und Maschinenbau legen zu und Papierbranche verliert
„Das jüngste Umsatzplus ist ein wichtiges Signal, dass sich die industrielle Konjunktur stabilisieren könnte. Allerdings bewegen wir uns weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau – von einer nachhaltigen Trendwende kann noch keine Rede sein“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Wir erwarten zudem, dass der Konflikt mit Iran spürbare Auswirkungen auf die österreichische Industrie haben wird, insbesondere über Energiepreise, Lieferketten und das Investitionsklima. Die geopolitischen Folgen des Iran-Konflikts sind in diesen Zahlen noch nicht abgebildet“, so Preiss.
Während die Gesamtentwicklung lange Zeit rückläufig war, zeigten einzelne Branchen zuletzt deutliche Wachstumsimpulse. Besonders stark entwickelte sich im vierten Quartal die Automobilindustrie mit einem Umsatzplus von knapp 16 Prozent. Auch die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie der Maschinenbau konnten deutlich zulegen. Demgegenüber verzeichnete die Papier- und Pappeindustrie erneut einen Rückgang von sieben Prozent.
Beschäftigung weiter rückläufig und struktureller Anpassungsdruck bleibt hoch
Beim Thema Beschäftigung setzt sich der negative Abwärtstrend trotz der leichten Umsatzbelebung fort : Zum Ende des vierten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich rund eine Millionen Menschen beschäftigt. Das ist ein Rückgang von 2,2 Prozent bzw. rund 23.400 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark betroffen ist erneut die Automobilindustrie. Hier ging die Beschäftigung innerhalb eines Jahres um fast sieben Prozent zurück, was einem Abbau von mehr als 2.200 Stellen entspricht. Nur wenige Branchen konnten Arbeitsplätze aufbauen, darunter Maschinenbau (+1,2 Prozent) sowie die Chemie- und Pharmabranche (+0,4 Prozent).Langfristig zeigt sich hier aus Sicht der EY-Experten ein differenziertes Bild : Während die technologiegetriebenen Industrien seit 2019 deutliche Beschäftigungszuwächse verzeichnen konnten – etwa Elektrotechnik/Elektronik (+13 Prozent) oder Chemie/Pharma (+14) – stehen klassische Industrien wie die Automobilbranche weiterhin unter einem erheblichen Transformationsdruck.
Starke Dynamik nach oben und unten in Europa, Asien und den USA
Eine Trendwende zeigt im vierten Quartal auch die Exportentwicklung : Die Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom stiegen um knapp drei Prozent auf rund 49 Milliarden Euro. Damit wurde eine Serie von sieben Quartalen mit rückläufigen Exporten beendet. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem steigende Exporte in die Eurozone (+3,6 Prozent) sowie in asiatische Märkte (+9,8). Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine zunehmende geopolitische Fragmentierung : Die Exporte in die USA – immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt – gingen um 19 Prozent zurück, was einem Rückgang von rund 800 Millionen Euro entspricht.Bemerkenswert ist, dass sich die Exporte in 14 der 15 wichtigsten Absatzmärkte positiv entwickelten. Besonders starke Zuwächse gab es in die Schweiz, nach Italien und Deutschland. Innerhalb der Branchen zeigte sich ein breites Wachstum : Sieben von acht Industriezweigen steigerten ihre Exporte. Die Automobilindustrie sowie die Elektrotechnik- und Elektronikbranche waren die stärksten Wachstumstreiber.
Hohe Kosten, Nachfrageschwäche und globale Wettbewerbsverschiebungen
Rückläufig blieb einzig die Papierindustrie. „Die Exportzahlen zeigen, dass die internationale Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist. Gleichzeitig verdeutlicht der massive Rückgang im US-Geschäft, wie stark geopolitische Entwicklungen und Handelsbeziehungen die österreichische Industrie beeinflussen“, so Preiss. Generell betrachtet zeigen die aktuellen Zahlen ein ambivalentes Bild.
Während Umsatz und Exporte erstmals seit längerer Zeit wieder wachsen, bleibt der Beschäftigungsabbau ein klares Warnsignal. Technologiegetriebene und innovationsstarke Industrien profitieren zunehmend von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Energieeffizienz und nachhaltigen Produktionsprozessen. Klassische, energieintensive Branchen hingegen stehen weiterhin unter erheblichem Druck durch hohe Kosten, Nachfrageschwäche und globale Wettbewerbsverschiebungen.
Investitionen in Innovation und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle
„Die entscheidende Frage ist, ob die aktuellen positiven Signale in eine nachhaltige Erholung münden, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle geopolitische Lage. Dafür braucht es aber auch gezielte Investitionen in Innovation, neue Technologien und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle. Nur so kann die österreichische Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern“, unterstreicht Axel Preiss von EY.
Die Analyse basiert auf den Konjunkturdaten der EU-harmonisierten Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich, hier im speziellen auf den monatlichen Unternehmensdaten (Primärerhebung plus modellbasierte Datenergänzung). Die Analyse der Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern basiert auf der Außenhandelsstatistik (ITGS – International Trade in Goods Statistics) und erfasst Importe und Exporte beweglicher Güter inkl. elektrischem Strom, erläutert EY. (red/czaak)
Milliardengrab Elektroautos

Gewinn der größten Autokonzerne sinkt 2025 um fast 60 Prozent. Nur ein von 19 Unternehmen mit Gewinnwachstum. Durchschnittsmarge halbiert sich auf unter drei Prozent. Zusätzliche Belastungen von fast 60 Milliarden Euro durch Strategiefehler.
Was als Zukunftswette begann, wird für viele Autokonzerne zunehmend zur milliardenschweren Belastung. Führende Hersteller korrigieren derzeit reihenweise ihre Elektrostrategien, mit erheblichen Folgen für ihre Bilanzen. Abschreibungen auf Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und Modellreihen summieren sich bei Herstellern in Europa und den USA inzwischen auf fast 60 Milliarden Euro.
Als Folge bricht im vergangenen Jahr der Gesamtgewinn der 19 führenden Autokonzerne weltweit um 59 Prozent ein – von 143 auf 59 Milliarden Euro. Nur das Unternehmen Geely schafft mit plus zwölf Prozent als einziger Autobetrieb ein Gewinnwachstum, vier Unternehmen rutschten sogar in die roten Zahlen. Und für das heurige Jahr zeichnen sich schon weitere Belastungen ab.
Chinesen BYD, Geely und Great Wall Motors steigern Umsatz und Absatz deutlich
Stabil entwickelte sich einzig der Umsatz der Unternehmen mit einem durchschnittlichen Plus von 0,6 Prozent. Die deutschen Autokonzerne schnitten mit einem Umsatzrückgang von 4,1 Prozent allerdings schlechter ab als die meisten Wettbewerber. Auch beim Neuwagenabsatz verzeichneten die deutschen Konzerne mit einem Rückgang von zwei Prozent eine schwächere Entwicklung als die Mehrheit der anderen Hersteller. Dies war primär einem überdurchschnittlich starken Absatzrückgang in China geschuldet.
Die drei chinesischen Unternehmen im Ranking – BYD, Geely und Great Wall Motors – konnten ihren Umsatz und Absatz mit Wachstumsraten von 9,3 beziehungsweise 16 Prozent deutlich steigern. Allerdings mussten auch die chinesischen Hersteller Einbußen bei der Profitabilität hinnehmen : ihr Gesamtgewinn sank um knapp 13 Prozent.
Bei Profitabilität Suzuki und Toyota vor Kia und BMW
Im Ranking der profitabelsten Autokonzerne der Welt lagen im vergangenen Jahr mit Suzuki und Toyota zwei japanische Unternehmen mit Margen von zehn bzw. neun Prozent vorn. Es folgen Kia (8) und BMW (7,6 Prozent). Die Durchschnittsmarge der analysierten Unternehmen schrumpfte von sieben auf drei Prozent und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Selbst im Pandemie-Jahr 2020 lag sie mit knapp vier Prozent höher.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 19 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY quartalsweise erstellt. „Die Autobranche befindet sich derzeit in einer äußerst angespannten Lage, vereinzelt mit existenziellen Risiken. In den vergangenen Jahren wurden Investitionsentscheidungen vielfach auf optimistische Annahmen zu Marktwachstum und Elektromobilität gestützt“, erklärt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.
Umfangreiche Abschreibungen auf Batteriebeteiligungen, Produktionsprojekte und Modellreihen
„Tatsächlich bleibt die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen – insbesondere in EU und USA – aber deutlich hinter den Erwartungen. In Folge passen viele Unternehmen ihre Strategien an, was zu umfangreichen Abschreibungen auf Batteriebeteiligungen, Produktionsprojekte und Modellreihen führt. Das Ergebnis ist ein massiver Rückgang der Gewinne“, so Preiss.
Fast 60 Milliarden Euro haben die analysierten Konzerne aktuell (Anm. 2025 und laufend) an Abschreibungen und Wertberichtigungen verkündet. Ford (US) rechnet aufgrund stark reduzierter Elektroauto-Pläne mit einer Belastung von 19,5 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro), bei General Motors liegt die Belastung bei knapp acht Milliarden US-Dollar (7 Milliarden Euro).
Notwendige Anpassung unrealistischer Annahmen
Stellantis bezifferte den Abschreibungsbedarf mit 22 Milliarden Euro, wobei rund 15 Milliarden Euro auf die Wende weg von Elektroautos im US-Markt entfallen. Zuletzt kündigte auch Honda eine Abschreibung von etwa 14,5 Milliarden Euro an – das Unternehmen zieht seine Elektroauto-Plänen teilweise zurück. Auch deutsche Autokonzerne sind betroffen : Porsche beziffert die Aufwendungen für das Geschäftsjahr 2025 aufgrund der strategischen Neuausrichtung mit über drei Milliarden Euro.
„Die aktuell angekündigten Abschreibungen sind nicht als Abkehr von der Elektromobilität zu verstehen, sondern vielmehr als notwendige Anpassung unrealistischer Annahmen. Es geht um eine nüchternere Bewertung von Geschwindigkeit und Umfang der Elektrifizierungsstrategien – nicht um einen grundsätzlichen Richtungswechsel“, so Preiss.
US-Zollpolitik, geopolitische Risiken und fragile Lieferketten ergeben weitere Belastungen in Milliardenhöhe
Zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe resultierten auch aus der US-Zollpolitik. Neben der strategischen Neuausrichtung belasten auch geopolitische Risiken und fragile Lieferketten die Branche erheblich. Das nun erfolgende umfassende bilanzielle Bereinigen kann jedoch eine Grundlage dafür schaffen, ab dem Geschäftsjahr 2026 wieder stabilere Margen zu erzielen. „Gleichzeitig werden laufende Kostensenkungsprogramme erst zeitverzögert ihre volle Wirkung entfalten“, so EY-Experte Preiss.
Belastungen und Handlungsdruck steigen auch für den Industriestandort Österreich spürbar. Hohe Kosten, zunehmende Regulierung und internationale Wettbewerber mit deutlich niedrigeren Produktionskosten stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen. „Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig abzusichern, braucht es gezielte strukturelle Anpassungen und verlässliche industrielle Rahmenbedingungen“, ergänzt Axel Preiss von EY. (red/czaak)
Nachhaltige Entlastung für Wettbewerbsfähigkeit

Richtige Richtung bei Treibstoff-Preisbremse — aber viel zu gering in Relation zu den bisherigen Mehreinnahmen. Frächter fordern von Bundesregierung weitere Maßnahmen gegen exorbitante Steigerung bei Kosten für Benzin und Diesel.
Österreichs Frächter rufen laut nach einer Art Gewerbediesel. Die jüngst von der Bundesregierung beschlossene Treibstoff-Preisbremse wird von der heimischen Transportwirtschaft als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet, greift aber viel zu kurz — sie genüge nicht, um die massiv steigenden Kosten im Güterbeförderungsgewerbe auch nur annähernd abzufedern, so ein Bericht des NÖ-Wirtschaftspressedienstes.
„Treibstoff ist für uns der zentrale Kostenfaktor“
„Treibstoff ist für uns der zentrale Kostenfaktor und die bisher gesetzten staatlichen Maßnahmen reichen nicht aus, um Unternehmen nachhaltig zu entlasten oder ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, appelliert Markus Fischer, Transportunternehmer aus Neunkirchen. „Daher fordert der Fachverband zusätzlich die Einführung eines Gewerbediesels durch Aussetzung des CO2-Preises auf Diesel“, ergänzt Fischer auch als Fachverbandsobmann für das Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich. „Diese Maßnahme ist effizient, treffsicher und wäre rasch wirksam“.
Die Experten im heimischen Fachverband rechnen vor, dass allein 2024 und 2025 die Mehreinnahmen aus dem Dieselverbrauch bei über 1,6 Milliarden Euro lagen. Werden auch noch die Einnahmen aus Benzin hinzugerechnet, ergibt sich ein Betrag von mehr als 2,1 Milliarden Euro, und zwar netto. Und : zu diesen Beträgen hinzu kämen noch die Einnahmen aus der Umsatzsteuer.
Steigende Transportkosten erhöhen Warenpreise und final die Inflation
Beim CO2-Preis handelt es sich um eine im Jahr 2022 neu eingeführte Steuer und somit um zusätzliche Einnahmen für das Budget. „Nun ist es an der Zeit, dass ein Teil dieser Mittel wieder an jene zurückfließt, die sie erwirtschaften“, unterstreicht Markus Fischer insbesondere als Wirtschaftsvertreter.
Ein Gewerbediesel hätte aus seiner Sicht mehrfache Wirkung : „Die Transportbranche und die Wirtschaft würden gezielt entlastet, die Versorgungskette stabilisiert und Inflation verhindert, da steigende Transportkosten sich direkt auf Warenpreise auswirken“, betont er. Der Gewerbediesel sei keine Subvention, sondern „eine sachliche Rückführung von Mehreinnahmen!“ (NOe-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Energiepreisschock belastet Konjunktur

Deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten durch Iran-Konflikt Reduktion der zuvor prognostizierten Erholung der Konjunktur. Bruttoinlandsprodukt soll heuer nur moderat steigen. Stärker steigen soll die Inflation in Deutschland.
Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die dortige Konjunktur nach einem mehrjährigen Abschwung zwar in einer Erholungsphase, erwarten aber für 2026 nur mehr eine moderate Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die aktuelle Vorhersage geht für heuer von 0,6 Prozent aus und für 2027 von 0,9 Prozent.
Expansive deutsche Finanzpolitik soll ausgleichend für Impulse sorgen
„Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Münchner ifo Instituts. Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der Institute im Jahr 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent ansteigen, im Jahr 2027 auf 2,9 Prozent.
Während die gestiegene Inflation den privaten Konsum dämpft, soll die expansive deutsche Finanzpolitik für Impulse sorgen. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz stützt insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus. Insgesamt entwickelt sich die Industrie dennoch wenig dynamisch, da deren Auslandsgeschäfte angesichts weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und fortbestehender handelspolitischer Belastungen kaum zunehmen.Mehr Arbeitsleistung von älteren Arbeitnehmern mit unterdurchschnittlicher Wochenarbeitszeit
Mittelfristig rechnen die Institute damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommt. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, trägt dazu nach Einschätzung der Institute die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei. Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitsleistung mehr und mehr von älteren Arbeitnehmern erbracht wird, die eine unterdurchschnittliche Wochenarbeitszeit haben.Diese strukturellen Veränderungen werden am Arbeitsmarkt durch konjunkturelle Faktoren überlagert. Die Institute erwarten einen leichten Rückgang der Erwerbstätigkeit im Jahr 2026 um rund 100.000 Personen, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2027 um etwa 42.000 Personen. Die Arbeitslosenquote steigt im Jahr 2026 auf 6,4 Prozent, bevor sie im Folgejahr auf 6,2 Prozent zurückgeht.
Gestärkte Arbeitsanreize und bessere Bedingungen für Investitionen und Innovationen
Die massive Neuverschuldung in Deutschland erhöht den Instituten zufolge das Defizit der öffentlichen Haushalte auf 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 und auf 4,2 Prozent im Jahr 2027. Damit steigt der Bruttoschuldenstand auf 67,2 Prozent des BIP. Die Institute bewerten diesen fiskalischen Schub als wichtigen Konjunkturtreiber. Sie weisen jedoch auf die langfristigen Risiken für die Stabilität der Staatsfinanzen und die erheblichen Konsolidierungserfordernisse zum Ende des Jahrzehnts hin.
Im weiteren Kontext mit dem Thema staatliche (Gegen)Steuerungsmaßnahmen angesichts gestiegener Energiekosten sprechen sich die Wirtschaftsforschungsinstitute gegen staatliche Eingriffe aus, die kurzfristig die Energiepreise senken. „Damit würden wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt werden“, so das ifo-Institut in einer Aussendung. Die Ökonomen plädieren stattdessen für zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen. Nach Ansicht der Institute ist eine Wachstumspolitik nötig, die regulatorisch bedingte Bremsen für private ökonomische Aktivität löst, um Potenzialreserven zu heben. „Hierzu sollten sowohl die Arbeitsanreize gestärkt wie auch die Bedingungen für Investitionen und Innovationen verbessert werden.“ (red/czaak)Kaufen oder Mietservice

Betriebe stehen bei Erwerb neuer IT-Geräte oft vor strategischer Entscheidung. Hohe Einmalinvestitionen und laufender eigener Aufwand versus planbare Gebühren, aktuelle Technologien und externe Servicierung. Regional Medien Austria AG setzen nun auf Konzept Apple-as-a-Service von CANCOM a+d IT Solutions.
Bei der Frage der technischen Ausstattung von Mitarbeitenden stehen Unternehmen zunehmend vor einer grundsätzlichen Entscheidung : kaufen oder als Service beziehen ? Ankauf bedeutet volle Kontrolle, planbare Abschreibung und weitgehende Unabhängigkeit vom Anbieter – aber auch hohe Einmalinvestitionen und Aufwand für eigene IT-Ressourcen.
Sogenannte Device as a Service-Modelle punkten mit planbaren Nutzungsgebühren, laufend aktueller Technologie und mit externer Verantwortung für den Betrieb bis zum Help Desk. Welche Variante besser ist, hängt meist von Struktur und Strategie des jeweiligen Unternehmens ab.
Kalkulierbare Kosten, minimaler Supportaufwand und eindeutig definiertes Gerätemanagement
Die Regional Medien Austria (RMA) stehen mit 120 Zeitungen und 117 Online-Portalen österreichweit für lokal-regionale Nachrichten. Das Unternehmen beschäftigt rund 650 Mitarbeitende mit Geschäftsstellen in ganz Österreich. „Mit einer Auflage von wöchentlich 3,3 Millionen Stück und einer crossmedialen Reichweite von rund 3,5 Millionen Nutzer:innen erreichen wir praktisch alle Haushalte in Österreich“, sagt Andreas Heier, Leitung Infrastruktur & Services bei den RMA Austria.
Im Zuge einer betriebssweiten Geräteneuanschaffung wurde auch das Apple-as-a-Service Konzept von CANCOM a+d IT Solutions evaluiert, das die RMA bei Gerätestandardisierung, Verwaltung und Entlastung der Mitarbeiter:innen unterstützen sollte. „Wir legten großen Wert auf klar kalkulierbare Kosten, einen minimalen Supportaufwand sowie ein eindeutig definiertes Gerätemanagement, das auch ein einfaches und schnelles Aufsetzen ermöglicht“, so Heier von den RMA Austria.
Zentrale Verwaltung
Da Apple as a Service den gesamten Geräte‑Lifecycle abdeckt – von Beschaffung und Finanzierung über Garantien, Versicherung und Tausch bis Roll-out und Roll-back –, entschied sich die RMA für das CANCOM-Konzept und für Mac und iPhone Geräte im Rahmen eines maßgeschneiderten „as a Service“-Nutzungsmodells.
„Mithilfe von Apple-as-a-Service bleiben die RMA bei einer schlanken IT, die sich auf ihre Kernkompetenzen und Weiterentwicklung konzentrieren kann. Der passgenaue Service unterstützt zudem die Produktivität der Mitarbeiter:innen“, so Christian Santeler, Workplace Solutions Expert von CANCOM a+d IT Solutions GmbH.
Auspacken und losarbeiten
Mit der Einführung eines einheitlichen Gerätestandards und der zentralen Verwaltung über die Anwendung Jamf Pro konnten die internen Prozesse deutlich verschlankt werden. Die Lösung ermöglicht das zentrale Ausrollen des Mac Clients, einschließlich rollenbasierter App‑Verteilung sowie der automatischen Bereitstellung von Netzwerk‑, Drucker- und Sicherheitseinstellungen direkt auf den Geräten.
Auf diese Weise wurde bei den Regional Medien Austria das Prinzip „Auspacken, anmelden und sofort losarbeiten“ zur gelebten Realität. „Das Apple‑as‑a‑Service‑Konzept der CANCOM a+d IT Solutions ist für mich ein Erfolgsmodell und die Basis für eine zukunftsorientierte IT“, unterstreicht Heier von den RMA Austria. (red/czaak)
Homeoffice fördert Geburtenrate

Paare im Homeoffice bekommen mehr Kinder. Haushalte mit Homeoffice haben höhere Geburtenrate als Haushalte ohne Homeoffice, so neue internationale Studie von ifo Institut und Universität Stanford.
In Haushalten mit mindestens einem Tag Homeoffice in der Woche liegt die Geburtenrate im Durchschnitt um 14 Prozent höher als in Haushalten ohne Homeoffice. Das würde bedeuten, dass eine von drei Frauen über den Lebensverlauf ein Kind mehr bekommt als Vergleichsgruppen ohne Homeoffice.
Zahl der bereits Geborenen als auch die der geplanten Kinder
Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des ifo Instituts und der Universität Stanford, wo 38 Länder untersucht wurden. „Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, ist der Effekt am größten. Das umfasst sowohl die Zahl der bereits Geborenen als auch die der geplanten Kinder“, sagt Mathias Dolls, Forscher am Münchner ifo-Institut.
Besonders stark ist der Homeoffice-Effekt in den USA : Wenn beide Partner mindestens einen Tag pro Woche im Homeoffice arbeiten, sind die Geburten pro Frau um 18 Prozent höher im Vergleich zu Paaren ohne Homeoffice. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein breiterer Zugang zu Homeoffice die Zahl der Kinder erhöht. Möglicherweise sinkt dadurch der zeitliche und organisatorische Aufwand sinkt, um Beruf und Familie zu vereinbaren“, erläutert Dolls.13.500 zusätzliche Geburten durch Anhebung der Homeoffice-Quote
Laut den ifo-Forschern könnte mehr Flexibilität durch Homeoffice dazu beitragen, dass Menschen ihre gewünschte Familiengröße eher verwirklichen können. „Eine Anhebung der Homeoffice-Quote auf das US-amerikanische Niveau könnte für 13.500 zusätzliche Geburten pro Jahr in Deutschland sorgen“, so Dolls. „Mehr Homeoffice allein kann das demografische Problem zwar nicht lösen. Es kann aber ein Baustein sein, um den Trend sinkender Geburtenraten etwas abzumildern.“
Grundlage der Studie sind Umfragedaten für 38 Länder des Global Survey of Working Arrangements. Die Analyse konzentriert sich auf Befragte im Alter von 20 bis 45 Jahren. Die Forscher erfassen dabei den Zusammenhang zwischen Homeoffice-Quoten einerseits und der tatsächlichen Geburtenziffer zwischen 2023 und 2025, den geplanten zukünftigen Kindern sowie der Geburtenrate über den gesamten Lebensverlauf andererseits. (red/cc)Entscheidend für Konkurrenzfähigkeit

Wettbewerbsrelevant. Digitalisierung gewinnt für Österreichs Mittelstand immer mehr an Bedeutung und verändert zunehmend ganze Wertschöpfungsketten. Einsatz von KI steigt sprunghaft an. Fehlendes Budget und Personal als Hürden, so neue Studie von EY.
Die digitale Transformation wird für Österreichs Mittelstand zunehmend zur entscheidenden Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Innovationskraft. Neue digitale Lösungen verändern dabei nicht nur einzelne Prozesse, sondern ganze Wertschöpfungsketten, Kundenanforderungen und Geschäftsmodelle. Themen wie Automatisierung, Cloud-Services, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz (KI) rücken in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen.
All diese Entwicklungen zeigen sich in der aktuellen Erhebung von EY, wo 82 (!) Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen digitalen Technologien eine große Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell beimessen. Im Vorjahr waren es noch zwei Drittel. 38 Prozent sehen sogar einen sehr großen Stellenwert, über doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Damit erreichen beide Werte ein Rekordniveau seit Beginn der Vergleichsdaten im Jahr 2016.Je umsatzstärker das Unternehmen, desto größer die Bedeutung der Digitalisierung
Nach einzelnen Branchen betrachtet nehmen digitale Technologien einen unterschiedlichen Stellenwert ein : Die höchste Bedeutung haben sie für Finanzdienstleister (55 Prozent), gefolgt von Tourismus und Transport/Verkehr/Energie (43). An dritter Stelle liegt die Gesundheits‑, Life-Sciences-Branche mit 39 Prozent. Unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt finden sich Handel & Konsumgüter (35), die Industrie (32), Immobilien und Baugewerbe (27) sowie Soziales/Wissenschaft/Bildung (26 Prozent).Je umsatzstärker das Unternehmen, desto größer die Bedeutung der Digitalisierung. Große Unternehmen mit über 30 Millionen Euro Umsatz sehen zu 44 Prozent einen sehr hohen Stellenwert ; jene mit 10 bis 30 Millionen Euro Umsatz zu 38 Prozent. Unter den kleineren Betrieben mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz sagt nur mehr ein Drittel, dass digitale Technologien einen hohen Stellenwert für ihr Geschäftsmodell aufweisen.
Digitalisierung final im Kern der Unternehmenssteuerung angekommen
„Digitalisierung ist im Mittelstand endgültig im Kern der Unternehmenssteuerung angekommen. Die Rekordwerte zeigen, dass viele Unternehmen nicht mehr nur über Digitalisierung sprechen, sondern sie als zentralen Hebel für Effizienz und Innovation begreifen. Gleichzeitig steigt der Druck : Wer seine Digitalisierung nicht konsequent weiterentwickelt, riskiert langfristig Wettbewerbsnachteile“, so Susanne Zach, Leiterin Data & AI bei EY Österreich. Für die Studie wurden Angaben zufolge über 500 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitende in Österreich befragt.Trotz wachsender Investitionsbereitschaft für Digitalisierung nennt ein Drittel der Unternehmen Faktoren, die verhindern, dass sie überhaupt oder stärker in die Digitalisierung investieren. Als zentrale Hürden werden dabei vor allem fehlendes Personal sowie begrenzte finanzielle Ressourcen genannt. Umgekehrt sehen zwei Drittel der Betriebe aktuell keine Investitionshemmnisse, die die Digitalisierung grundsätzlich einschränken.„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es weniger an der Einsicht mangelt – sondern vielmehr an Umsetzungsressourcen. Gerade kleinere Betriebe benötigen Unterstützung bei der Priorisierung von Projekten, beim Zugang zu Talent und bei der Umsetzung über Partnernetzwerke“, so Christoph Mayer, Technology Alliance Lead bei EY.
Nutzung von KI als Schlüsseltechnologie nimmt stark zuEin besonders dynamisches Bild zeigt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz : 43 Prozent der befragten Mittelständler nutzen bereits KI-Anwendungen im eigenen Unternehmen (2025 noch 26 Prozent). Weitere 12 Prozent planen ganz konkret, KI einzusetzen. Auffällig auch hier der deutliche Unterschied nach Unternehmensgröße : Bei Betrieben mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Mio. Euro liegt der Anteil bei 70 Prozent.
Eine interessante Entwicklung zeigt sich auch branchenbezogen : Der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung liegt bei der Entwicklung einer Digitalstrategie zurück, beim KI-Einsatz ist er mit 56 Prozent jedoch Spitzenreiter. Auch bei den Investitionsprioritäten wird KI immer relevanter : Fast bei jedem fünften Betrieb liegt der aktuelle Investitionsfokus auf KI. 16 Prozent konzentrieren sich auf Data & Analytics, nur sechs Prozent auf Metaverse. Zwei von drei Unternehmen verfolgen derzeit keinen speziellen Investitionsfokus auf einzelne digitale Technologien.
Erwartung bei Personaleinsparungen durch KI bleibt stabilWährend KI in vielen Bereichen Effizienzgewinne ermöglicht, rechnen nicht alle Unternehmen mit einem direkten Einfluss auf Beschäftigung. 24 Prozent erwarten mittel- bis langfristig Personaleinsparungen durch den Einsatz von KI-Anwendungen – ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr (26 Prozent) weitgehend stabil bleibt. Die Mehrheit (76 Prozent) geht hingegen davon aus, dass KI im eigenen Unternehmen nicht zu einem Personalabbau führen wird.
„Viele Unternehmen sehen KI weniger als Rationalisierungsinstrument, sondern vielmehr als Möglichkeit, Mitarbeitende zu entlasten und Produktivität zu steigern – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel. Damit KI wirklich wirksam wird, braucht es aber klare Verantwortlichkeiten, saubere Daten und gezielte Weiterbildung“, so Mayer von EY.
Auch die Rahmenbedingungen am Standort Österreich werden etwas besser bewertet als im Vorjahr : 40 Prozent beurteilen die Bedingungen für Digitalisierung als gut. 51 Prozent sehen sie mittel, neun Prozent schlecht. Der Anteil der positiven Bewertungen ist damit gegenüber dem Vorjahr (33 Prozent) zwar gestiegen, liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt der letzten sieben Jahre (52 Prozent). Überdurchschnittlich positiv bewerten Unternehmen in Tirol (58 Prozent), Niederösterreich (46) und Wien (44) die Rahmenbedingungen, unterdurchschnittlich schneiden Burgenland (27), Oberösterreich (31) und Vorarlberg (32 Prozent) ab.
Steigender Bedarf an personellen Kompetenzen
Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch der Bedarf an Kompetenzausbau. Den größten Schulungsbedarf sehen Unternehmen bei ihren Mitarbeitenden im Bereich Datensicherheit/Cybersecurity (29 Prozent), gefolgt von Prozessautomatisierung (20) und Digitale Tools (18 Prozent). Um diese Kompetenzlücken zu schließen, setzen viele Betriebe vor allem auf Fort- und Weiterbildungen : Fast vier von zehn Betrieben haben bereits umfassend geschult, 26 Prozent haben konkret vor, Trainings anzubieten.Gleichzeitig hat jedes fünfte Unternehmen bereits kompetente Talente aufgebaut und weitere 26 Prozent planen mit Blick auf die kommenden ein bis zwei Jahre verstärkt Neueinstellungen mit digitalem Know-how, um die internen Kapazitäten und das Tempo der Umsetzung zu erhöhen. „Damit wird deutlich : Digitalisierung wird nicht nur als technologische, sondern zunehmend auch als organisatorische und personelle Transformationsaufgabe verstanden“, unterstreichen Susanne Zach und Christoph Mayer von EY. (red/czaak)
Ein Fest für gemeinsame Innovation

Aktuelle Digital X begeistert in der Wiener Marx-Halle über 1.500 Besucher. Das von T‑Systems, Magenta, Telekom Security und Deutsche Telekom Global Business Solutions als Messekongress konzipierte Veranstaltungsformat setzt Digitale Transformation, KI und Security als Themenschwerpunkte für Key Notes, Panels, Arbeitskreise und Präsentationen von IT-Dienstleistern.
Über 1.500 Besucher:innen, über 20 Partnerunternehmen aus der IT-Branche, 6 Start-Ups und prominente Redner aus Politik, Wirtschaft und Spitzensport – sowie zukunftsweisende Technologien : Die zweite DIGITAL X in Wien verwandelte die Marx Halle am 11. März in das Zentrum für digitale Vordenker:innen und Innovationsbegeisterte.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand auch in diesem Jahr wieder der Austausch darüber, wie Unternehmen digitale Technologien konkret nutzen können, um Innovation voranzutreiben und wettbewerbsfähig zu bleiben. Economy war Gast und kann bestätigen, dass den Veranstaltern ein sympathischer und vielfältig spannender Event gelungen ist. Final wurde umfassendes wie praxisrelevantes Wissen und die Motivation vermittelt, Digitalisierung zu starten oder weiter voranzutreiben.
Innovative Technologien, praxisnahe Use-Cases und interaktive Erlebnisse liefern konkrete Impulse
„Die DIGITAL X hat eindrucksvoll gezeigt, wie Technologie und Mensch zusammenwirken, um neue Ideen greifbar zu machen. Innovative Technologien, praxisnahe Use Cases und interaktive Erlebnisse liefern konkrete Impulse für Unternehmen jeder Größe – und der direkte Austausch mit Branchenexpert:innen eröffnet zusätzlich neue Chancen für Innovation“, so Peter Lenz, Managing Director von T‑Systems Austria zu economy.
Ein besonderes Highlight der DIGITAL X war das Sport-Panel „Zwischen Leidenschaft und Algorithmus – Wie Digitalisierung den Fußball verändert“, mit ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick, Ex-ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck und Stefan Oesen, Leiter der Spielanalyse des ÖFB. Im Mittelpunkt stand die enge Verbindung zwischen Spitzensport und technologischer Innovation, die den modernen Fußball zunehmend prägt. Digitale Tools, smarte Technologien und präzise Datenanalysen haben das globale Fußballgeschäft bereits nachhaltig transformiert.
Panel zu Standortfaktor Digitalisierung und gelebter Austausch zwischen Wirtschaft, Technologie und Anwendern
Im Panel zum Standortfaktor Digitalisierung diskutierten Alexander Pröll (Staatssekretär für Digitalisierung), Patricia Neumann (CEO Siemens AG Österreich), Maimuna Mosser (Country Director Google Österreich), Andreas J. Wagner (Geschäftsführer SAP Österreich) und Thomas Kicker (CEO Magenta) darüber, wer eigentlich über Österreichs digitale Zukunft bestimmt. Übereinstimmung herrschte über die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit zwischen politischem Gestaltungswillen, technologischer Innovation und wirtschaftlichem Pioniergeist zur Stärkung des Innovationsstandortes.
„Fortschritt entsteht durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven. Darum bringen wir auf der DIGITAL X Menschen zusammen, die Digitalisierung aus allen Blickwinkeln diskutieren. Der Austausch zwischen Wirtschaft, Technologie und Praxis stärkt die Innovationskraft“, sagt Werner Kraus, CCO Business Magenta Telekom. „Das macht Österreichs größtes Digitalisierungs-Event so wertvoll für die einzelnen Unternehmen und den Wirtschaftsstandort als Gesamtes“.
Chancen und Grenzen von KIDie Keynotes von AI QUEEN und Technical Lead AI Hermann del Campo und Neurowissenschaftler und Science-Slam-Champion Henning Beck vertieften die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz aus unterschiedlichen Perspektiven. Hermann del Campo erläuterte, warum der Erfolg von KI-Projekten weniger an der Technologie selbst, sondern vielmehr an deren Umsetzung scheitert. Henning Beck widmete sich wiederum der Frage, was menschliches Denken und Kreativität so einzigartig macht – und wo Maschinenlogik ihre Grenzen findet.
Das vielfältige Programm wurde dann noch ergänzt durch 20 (!) vertiefende Masterclasses vulgo Arbeitskreise. Die Themen erstreckten sich von IoT-Konnektivität, Satelliten und Netzwerk-Agilität für Cloud-Transformation, über die wichtige Rolle der Datensouveränität bis hin zu Einblicken hinter die Kulissen eines Security Operation Centers (SOC) und der Erkenntnis, dass KI in der Abwehr von Cyberangriffen auch weiterhin menschlicher Expertise bedarf.Intelligente Bewegungsanalyse und KI-gestützter Trainingsavatar und präzises Echtzeit-Feedback als Teil digitaler Therapien
Ein zentraler Anlaufpunkt war auch die sogenannte T‑Homebase von Magenta Telekom, T‑Systems, Telekom Security und Deutsche Telekom Global Business Solutions (DTGBS). Hier konnten die Besucher neueste technologische Entwicklungen, Innovationen und Prototypen direkt erleben und ausprobieren. Präsentiert wurden unter anderem Anwendungen aus den Bereichen 5G-Campusnetze (inklusive des beliebten Bierroboters) und industrielle IoT-Lösungen samt Energiemonitoring.
Im Health Corner brachten intelligente Bewegungsanalyse, ein KI-gestützter Trainingsavatar und präzises Echtzeit-Feedback die Besucher die digitale Therapie der Zukunft näher. Ein KI-gestützter Telefonassistent nahm wiederum Anrufe entgegen, verstand die Anliegen und Aufgaben, um automatisiert Terminbuchungen, Weiterleitungen bzw. Informationsabfragen zu erledigen.
Security Fast Check von Telekom Security und der Geruchsensor von Nosi
Beim Security Fast Check von Telekom Security gab es dann noch ein interaktives Sicherheitsspiel. Ergänzt wurde die Erlebnisfläche durch thematische Zonen wie dem AI Corner, dem Connectivity Corner und der Entertainment Area mit Smart Table. Besonderes Augenmerk galt dem lebensgroßen KI-Avatar MIA, der in Echtzeit reagiert und komplexe Inhalte auf Deutsch und Englisch sympathisch vermittelt. Alle diese vielfältigen Anwendungen konnten den Mehrwert digitaler Technologien greifbar und verständlich vermitteln.
Zusätzliche Innovationen und Lösungen zeigten auch 20 Partnerunternehmen aus der IT-Branche, darunter Palo Alto Networks, Samsung oder SAP. Ergänzt wurde das Programm dann noch durch inspirierende Praxisbeispiele, wie dem Geruchssensor von Nosi. Dazu kamen sechs Start-Ups, darunter zwei internationale Jungunternehmen, die über die Tech-Boost-Initiative von Magenta mittels Cloudguthaben, Vertriebsunterstützung sowie Zugang zu Geschäftskunden unterstützt werden.Partner und Besucher bestätigten Vielfalt und besondere Dynamik der Veranstaltung
Partner und Besucher bestätigten die besondere Dynamik der Veranstaltung und betonten vor allem die inspirierende Atmosphäre, die hochkarätigen Inhalte sowie die Möglichkeit, sich mit führenden Köpfen der Digitalwirtschaft zu vernetzen. „Ich bin sehr positiv überrascht von der vielfältigen Mischung. Ich habe mir einige Informationen geholt und wichtige Kontakte geknüpft. Speziell hat mich aber die Standortvernetzung über SD-WAN interessiert, ein Thema, das wir weiterverfolgen werden“, so Wolfgang Huber, Prokurist IT & Facility Management der Kastner Firmengruppe.
„Der Mix aus Praxisbeispielen, innovativen Technologien und persönlichen Gesprächen hat den Tag zu einer echten Bereicherung gemacht. Man geht mit neuen Ideen, Kontakten und Motivation zurück ins eigene Unternehmen”, so Mario Keindl, Leiter des Datacenters von Global Blue Austria. „Das Event bringt einen wirklich weiter und man kann sehen, was in Zukunft möglich sein wird“, so Phillip Lederer, Sponsorbeauftragter von SK Rapid Wien.
„Es ist einfach immer super, die Möglichkeit zu haben Geschäftskollegen und Partner zu treffen und die ganzen Rahmenbedingungen live zu erleben“, so Markus Past, Leiter des Telekombereichs der Linz AG. Stefan Vietze, IT-Leiter des Niederösterreichisches Landesfeuerwehrverbandes lobte „den Tiefgang der Masterclasses, das umfangreiche Produktportfolio sowie die Möglichkeiten zum direkten Austausch mit Spezialisten“. „Der Tag war eine Bereicherung und hat Inspiration geliefert für viele Themen, die wir bei uns im Unternehmen mitnehmen und einbringen wollen“, betonte auch Michael Eisenkölbl, IT-Leiter bei Ströck. (red/czaak)Privatkonkurs ist mehrheitlich männlich

2025 betreffen 61 Prozent aller Schuldenregulierungsverfahren und 78 Prozent der Passiva Männer. Hintergrund oft ehemalige Selbständigkeit. Vom Alter her 41- bis 60-Jährige am häufigsten im Privatkonkurs, so neue Analyse von KSV1870. Thema dreijährige Entschuldungsdauer als Streitpunkt.
Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist im Jahr 2025 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 um knapp ein Prozent auf 8.766 Fälle leicht gesunken. Mit 61 Prozent mussten Männer deutlich häufiger den Weg in den Privatkonkurs antreten als Frauen (39 Prozent). Den größten Unterschied zwischen Mann (63) und Frau (37) gab es in Tirol, am geringsten fällt die Differenz in Kärnten (58 vs. 42 Prozent) aus. Analysiert man nur „private“ Fälle und nicht die aus einer ehemaligen Selbständigkeit, sind es 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen.
Hier liegt die Hauptursache bei beiden Geschlechtern im persönlichen Verschulden, etwa die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungskraft und ein schlechtes Konsumverhalten. Obwohl im Jahresvergleich etwas weniger Verfahren eröffnet wurden, sind die durchschnittlichen Passiva um 35 Prozent oder 40.000 Euro auf 153.000 Euro angewachsen Im Jahresvergleich zeigt sich zudem ein Anstieg des durchschnittlichen Schuldenausmaßes von rund 10.000 Euro. „Das Ausmaß der Verschuldung pro Schuldner steigt seit dem Jahr 2022 stetig“, so Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.
Zwischen 40 und 60 Jahren ist die Gefahr am größten
Ähnlich wie bei den Fallzahlen zeigt sich auch in puncto Schuldenhöhe ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während Männer mit 194.000 Euro (2024 : 138.000 Euro) über dem Durchschnitt liegen, liegen Frauen mit 86.000 Euro (2024 : 77.000 Euro) darunter. Insgesamt befindet sich das Schuldenausmaß im mehrjährigen Vergleich seit 2019 auf einem relativ konstanten Niveau ohne gröbere Veränderungen.
Wie die aktuelle KSV1870 Analyse zeigt, muss weiterhin die Gruppe der 41- bis 60-Jährigen (49 Prozent) am häufigsten den Weg in den Privatkonkurs antreten. Zudem war sie im vergangenen Jahr auch für fast zwei Drittel der Passiva verantwortlich – mit durchschnittlichen Schulden in der Höhe von 201.000 Euro, was rund 70.000 Euro über dem Wert aus dem Jahr 2024 liegt. Weitere 37 Prozent entfallen auf die 25- bis 40-Jährigen (Schulden : 97.000 Euro pro Kopf) und weitere 11 Prozent sind den Über-60-Jährigen (161.000 Euro) zuzurechnen. Die Zahl der jungen Menschen (unter 25 Jahren) in Privatkonkurs liegt bei drei Prozent (48.000 Euro) und entspricht in etwa dem Vorjahreswert.
Aus Sicht von KSV1870 keine Verlängerung der drei Jährigen Entschuldungsdauer
Bezüglich der zukünftigen Entwicklung könnte die unverändert hohe Arbeitslosigkeit in Österreich Einfluss auf die Privatkonkurse nehmen. „Insbesondere Langzeitarbeitslose könnten in Kombination mit den anhaltend hohen Kosten eher heute als morgen betroffen sein“, so Götze. Unabhängig der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen wird die diesjährige Entwicklung auch davon abhängen, wie es mit der Befristung des Tilgungsplans, der eine 3‑jährige Entschuldungsdauer für Privatpersonen vorsieht, weitergeht.
Diese Frage ist nach wie vor ungeklärt und wird seitens der österreichischen Bundesregierung in naher Zukunft zu klären sein. Ursprünglich war diese Möglichkeit seitens der EU vorrangig für ehemalige Unternehmer gedacht, der österreichische Gesetzgeber hat diese jedoch auch für Privatpersonen zugänglich gemacht – unter der Annahme, dass sich die Zahl der Privatkonkurse aufgrund der Corona-Pandemie massiv erhöhen würde. Diese Annahme ist jedoch bis heute nicht eingetreten. Der Faktor Corona als Hauptursache für einen Privatkonkurs spielt mit 0,6 Prozent unverändert keine Rolle.
Unternehmer tragen bedeutend größere volkswirtschaftliche und finanzielle Verantwortung
Wie bereits in den vergangenen Monaten mehrfach erwähnt, spricht sich der KSV1870 gegen die Verlängerung des dreijährigen Tilgungsplan für Verbraucher aus Gründen der Fairness aus. Während Unternehmer eine bedeutend größere volkswirtschaftliche und finanzielle Verantwortung tragen und auch entsprechende private Risiken eingegangen sind, werden nach wie vor rund 30 Prozent der Privatkonkurse aufgrund von übermäßigem Konsum oder der Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum verursacht.
„Eine dauerhafte Beibehaltung der Entschuldung nach drei Jahren wäre das falsche Zeichen. Nämlich, dass es relativ einfach ist, Schulden wieder loszuwerden. Damit wäre einer nochmaligen Verschuldung Tür und Tor geöffnet. Das ist ein Szenario, das weder für Schuldner noch für Gläubiger wünschenswert ist“, betont KSX-Experte Götze. Darüber hinaus hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch die Novelle im Jahr 2021 zulasten der Gläubiger ging. Seit Inkrafttreten der Novelle wurde u.a. bei den 3‑jährigen Abschöpfungen im Schnitt pro Fall um 31 Prozent weniger Geld zurückbezahlt und verteilt als bei den 5‑jährigen Abschöpfungen pro Fall im selben Zeitraum.
„Ein weiterer Affront gegenüber den Gläubigern innerhalb kurzer Zeit“
„Das entspricht in keinster Weise dem Fairnessgedanken, auf dem das österreichische Insolvenzwesen seit Jahrzehnten erfolgreich fußt. Wenn diese Regelung weiter bestehen bleibt, könnten mittelfristig noch mehr Unternehmen aufgrund von Zahlungsausfällen in finanzielle Turbulenzen geraten, als das aktuell bereits der Fall ist“, unterstreicht Götze.
Und : „Grundsätzlich sollte die Entscheidung darüber, wie der gesetzliche Rahmen zukünftig gestaltet sein wird, jedenfalls auf Basis fundierter Daten erfolgen. Ein derart weitreichendes Gesetz nur deshalb in seiner aktuellen Form beizubehalten, weil durch eine Rückkehr zur früheren Regelung die Verfahrensabwicklung etwas komplexer werden würde, ist nach dem Betrugsbekämpfungsgesetz ein weiterer Affront gegenüber den Gläubigern innerhalb kurzer Zeit“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. (red/cc)
Ein Schmäh bei Einnahmen und Milliarden Gründe für Privatisierungen

Ökonomen der Agenda Austria haben sich reale Entwicklungen bei der Budgetkonsolidierung angeschaut und parallel dazu auch Relationen im Kontext mit dem Reizthema Privatisierungen. Österreich sei hier im EU-Vergleich ein absoluter Sonderfall.
In Zeiten knapper Budgethaushalte von Staaten poppen dann oft ganz rasch Ideen für neue einnahmenseitige Unterstützungen auf. Umgangssprachlich Steuern genannt trifft das auch oder aktuell gerade auf Österreich zu. „Ist das Budget knapp, sprießen Ideen für neue oder noch höhere Steuern aus dem Boden wie Unkraut und das zeigt sich in den vergangenen Wochen“, sagt Hanno Lorenz, Ökonom bei der Agenda-Austria, die zu dem Thema eine interessante Analyse erstellt hat.
Die Wirtschaftsexperten der Agenda-Austria erläutern sogar mehrere und sogar durchaus kreative Steuer-Maßnahmen. Das Spektrum reicht von höheren Grundsteuern, wie von den Gemeinden gefordert, über die von SPÖ, Grünen und Gewerkschaftern favorisierte Wiedereinführung der Erbschaftsteuer bis hin zur vollständigen Wiedereinführung der kalten Progression, wie sie einige Landespolitiker und die Arbeiterkammer gerne hätten.
Gemeinhin als schwierig bezeichnetes Wirtschaftsjahr 2025 in Wahrheit erfolgreich
Dass dabei ausgerechnet die per Gesetz vorgeschriebenen Arbeitnehmervertreter die Mehrbelastung von Arbeitnehmern fordern, sei eine österreichische Eigenheit. Die Ökonomen verweisen hier auf die Lohnsteuereinnahmen, die seit der 2022 teilweise abgeschafften kalten Progression um 20 Prozent gestiegen sind. Das sei „eine deutlich schnellere Steigerung als das Preisniveau“, so die Erhebungen der Agenda-Austria.
Interessant ist auch die Einschätzung der Experten in Bezug auf das als gemeinhin sehr schwierig bezeichnete Wirtschaftsjahr 2025. Dieses sei nämlich in Wahrheit überaus erfolgreich gewesen, zumindest für den Finanzminister. Hintergrund für diese Einschätzung ist, dass praktisch alle großen Steuern stärker wuchsen als die Inflation – und das schon seit 2019. Schwächeln tut im Vergleich allein die Körperschaftssteuer. Diese Mehreinnahmen fließen über die aliquoten Ertragsanteile im Übrigen auch an die Länder und Gemeinden.
Die Ernte vieler niedrig hängender Früchte für die Budgetkonsolidierung
„Wenn also Wiens Klimastadtrat Czernohorszky die Abschaffung der kalten Progression ohne Gegenfinanzierung als Fehler und Finanzierungsproblem für die Stadt sieht, dann ist das erstens nicht ehrlich und zweitens eine billige Ausrede, um nicht bei den Ausgaben ansetzen zu müssen“, kommentiert Hanno Lorenz, Ökonom bei der Agenda Austria.
In der weiteren Analyse ziehen die Ökonomen einen bildhaften Vergleich : Der Regierung sei es gelungen, viele niedrig hängende Früchte bei der Budgetkonsolidierung zu ernten. Angeführt werden etwa auslaufende Beihilfen, bessere Finanzierungskonditionen und die höhere Inflation. „Für die Zukunft wird es aber größere Anstrengungen bei den großen Ausgabentreibern brauchen. Sonst hören wir auch bei der nächsten Budgetrede den Schmäh von den fehlenden Einnahmen“, so Lorenz von der Agenda-Austria, der in dem Fall dann noch eine große Freude beim Finanzminister vorhersagt.
Hohe Marktkapitalisierung unter staatlicher Kontrolle
Ebenso genauer angeschaut und analysiert haben die Agenda-Austria Ökonomen das Thema Privatisierungen bzw. die Relation an Werten, die im staatlichen Besitz stehen und die im privaten Eigentum. Österreich sei hier ein europäischer Sonderfall, so die finale Einschätzung. In keinem anderen westlichen EU-Land befindet sich ein so großer Teil der börsennotierten Wirtschaft in staatlicher Hand. Rund ein Fünftel der gesamten Marktkapitalisierung wird vom Staat kontrolliert.
Das sei ein Wert, der eher an Argentinien oder China erinnert. Diese starke Rolle des österreichischen Staates ist historisch erklärbar, ökonomisch aber kaum mehr zu rechtfertigen. Die Agenda Austria-Ökonomen Jan Kluge und Dénes Kucsera haben den vergleichsweisen Sonderfall Österreich in einer aktuellen Publikation (Anm. sog. Policy-Brief) mit dem Titel : „Alles muss raus ! Österreich entdeckt die Privatisierung“ dann auch umfassend analysiert.
Verstaatlichung gegen Zugriff von Besatzungsmacht
Ausgangsbasis ist einmal ein seit Jahrzehnten existierendes Fundament, dass richtig umgesetzte Privatisierungen Effizienz, Innovationskraft und Investitionsbereitschaft erhöhen würden. Private Eigentümer hätten stärkere Anreize, Kosten zu senken, produktiver zu arbeiten und langfristig zu denken. Parallel dazu verschwinden politische Einflussnahme oder auch parteipolitische Postenvergaben. Privatisierung funktioniere aber nur dann gut, wenn sie „mit Wettbewerb und kluger Regulierung einhergeht“. Ein Ersatz mit privaten Monopolen dürfe aber nicht entstehen.
Das Team der Agenda-Austria sieht beim Thema auch historische Gründe, da der hohe Staatsanteil noch ein Erbe der Nachkriegszeit sei. Um österreichische Betriebe vor dem Zugriff der sowjetischen Besatzungsmacht zu schützen, wurden damals große Teile der Industrie verstaatlicht. Dieses Modell hat über Jahrzehnte gut funktioniert – bis in den 1980er-Jahren, als viele Staatsbetriebe in die Krise rutschten.Eine kritische Betrachtung betreffend Pro und Contra staatliche Eigentümerschaft
Eine erste große Privatisierungswelle rettete dann Unternehmen wie die Voest, Berndorf oder AT&S. In den 2000er-Jahren folgten unter anderem die Telekom Austria, die Österreichische Post und die Austrian Airlines.
Aus Sicht der Agenda-Austria Ökonomen blieb dieser Prozess aber unvollständig. Die verbliebenen staatlichen Beteiligungen wurden in der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG) gebündelt und damit faktisch „eingefroren“.Aktuell hält der Staat also weiterhin milliardenschwere Anteile an börsennotierten Unternehmen und dazu gehören der Verbund, die OMV, die Telekom oder die Casinos Austria. Damit verwaltet die ÖBAG ein Portfolio von insgesamt fast 30 Milliarden Euro. Mit diesen Daten und Zahlen erlauben sich die Agenda-Austria Ökonomen eine kritische Betrachtung betreffend Pro und Contra staatliche Eigentümerschaft mit entsprechenden Folgeschlüssen.
Für viele Beteiligungen fehlen ökonomische Rechtfertigungen
Gegen staatlichen Besitz spricht etwa, dass für viele Beteiligungen jede ökonomische Rechtfertigung fehle. Der Staat muss weder an Ölkonzernen noch an Glücksspielunternehmen beteiligt sein. Zweitens würde staatliches Eigentum die Gefahr von politischer Einflussnahme, Ineffizienz und Korruption erhöhen. Österreich schneide in internationalen Korruptionsrankings nicht zuletzt deshalb schlecht ab, „weil die Politik hierzulande außergewöhnlich großen Zugriff auf wirtschaftliche Ressourcen hat“, so die Agenda-Austria.
Im dritten Kritikpunkt wird angeführt, dass Dividenden nicht langfristig sinnvoll investiert werden, sondern häufig kurzfristig politisch genutzt würden, etwa zur Finanzierung populärer Maßnahmen. Das schwächt die Unternehmen und schade dem Standort. Der heutige Schwebezustand, wo es weder echte staatliche Steuerung noch echte Privatwirtschaft gibt, schaffe Intransparenz, verwische Verantwortung und mindere zudem noch die parlamentarische Kontrolle.
Finanzierung von Reformen im Bereich Pflegekosten und Pensionssystem
Diese „österreichische Zwitterlösung“ sei „weder effizient noch nachhaltig“, so die Ökonomen der Agenda-Austria, die dann final auch eine reale finanzielle Bewertung erstellt haben. Eine konsequente Privatisierung der ÖBAG-Beteiligungen könnte rund 25 Milliarden Euro einbringen. Dieses Geld sollte in einen Fonds münden, der es international investiert, etwa nach norwegischem Vorbild.Die Erträge könnten dann beispielsweise Reformen finanzieren, welche die stark steigenden Pflegekosten einer alternden Gesellschaft in den Griff bekommen. „Auch ein Übergang zu einem stärker kapitalgedeckten Pensionssystem würde eine Anschubfinanzierung brauchen, für die die ÖBAG-Milliarden wie gerufen kämen“, resümieren Jan Kluge und Dénes Kucsera von der Agenda-Austria. (red/czaak)
„Das ist ein ermutigendes Signal“

Kreditgeschäft steigt weiter kontinuierlich an. Günstigere Zinsen und Bedarf an Betriebsmittel für Investitionen als Gründe. Unternehmen generell optimistischer. Private Nachfrage zu Wohnkrediten steigt bereits länger. Banken waren und sind verhalten.
Der Frühling kommt, und dazu passend wächst auch das zarte Pflänzchen der Konjunktur weiter. Das zeigt die aktuelle Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB), die regelmäßig das Kreditgeschäft unter den führenden heimischen Banken erhebt. Zusammenfassend zeigt sich, dass vor dem Hintergrund einer leichten, sich aber fortsetzenden wirtschaftlichen Erholung die Kreditnachfrage österreichischer Unternehmen seit dem dritten Quartal 2025 wieder ansteigt.
Nötige Trendwende auch bei Sektoren mit noch keiner positiven Dynamik
„Die Trendwende bei der Kreditnachfrage der Unternehmen ist ein ermutigendes Signal. Nach einem Anstieg im dritten Quartal 2025 steigt die Nachfrage nach Krediten auch im vierten Quartal. Getragen wird das von gesunkenen Zinsen, einem höheren Bedarf an Betriebsmitteln und ersten Anzeichen einer wieder anziehenden Investitionstätigkeit“, erläutert Martin Kocher, Gouverneur der OeNB.
Kocher weiter : „Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen vorsichtig optimistisch nach vorne blicken und neue Projekte in Angriff nehmen. Für das erste Quartal 2026 erwarten die Banken eine weitere Belebung. Es ist nun entscheidend, dass sich diese positive Entwicklung möglichst rasch auf jene Sektoren ausweitet, die bislang noch keine positive Dynamik aufweisen“, unterstreicht der OeNB-Gouverneur.
Wirtschaftliche Erholung in Österreich gewinnt schrittweise an Breite
Zuvor war die Kreditnachfrage infolge der wirtschaftlichen Schwächephase seit dem dritten Quartal 2022 drei Jahre lang gesunken. Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten steigt indessen bereits seit zwei Jahren, und das hauptsächlich aufgrund der gesunkenen Zinsen. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB ihren Leitzins schrittweise von vier auf zwei Prozent gesenkt. Infolgedessen sind Kredite günstiger geworden.
„Die anhaltend steigende Nachfrage nach Wohnbaukrediten zeigt auch, dass die geldpolitischen Impulse wirken und Finanzierungen wieder leistbarer geworden sind. Insgesamt sehen wir erste konkrete Anzeichen dafür, dass die wirtschaftliche Erholung in Österreich Schritt für Schritt an Breite gewinnt – auch wenn das prognostizierte Wachstum generell weiterhin moderat ausfällt“, ergänzt Martin Kocher, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB).
Erste Anzeichen für zunehmende Investitionstätigkeit und Finanzierungsbedarf
In der Vergangenheit hat vor allem ein rückläufiger Finanzierungsbedarf der Unternehmen für Anlageinvestitionen die Kreditnachfrage gebremst. Nun gibt es aber erste Anzeichen für eine wieder zunehmende Investitionstätigkeit und dementsprechenden Finanzierungsbedarf. Die Umfrage zeigt aber auch zwei nennenswerte Ausnahmen von der allgemeinen Entwicklung.
Die Kreditnachfrage von energieintensiven Industrieunternehmen und von Unternehmen der Automobilindustrie inklusive der Zulieferindustrie ist im zweiten Halbjahr 2025 weiter gesunken. Das spiegelt die spezifischen Probleme in diesen Industriesegmenten wider und das sind primär hohe Energiepreise und eine strukturelle Schwäche der europäischen Automobilindustrie.
Banken agierten und agieren nach wie vor vorsichtig
Die angespannte Risikosituation spielt aber angebotsseitig für das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen nach wie vor eine wichtige Rolle. Als relevante Parameter gelten hier die allgemeine Wirtschaftslage und die Kreditwürdigkeit bzw. Bonität der Unternehmen. Dies hat seit Anfang 2022 zu Verschärfungen der Kreditangebotspolitik der Banken geführt.
Als Resultat für Unternehmen sind die Kreditvergabestandards in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Banken agierten und agieren angesichts des wirtschaftlichen Umfelds vorsichtiger und passen ihre Kreditkonditionen entsprechend an. Das betrifft besonders Immobilienunternehmen und dabei Gewerbeimmobilienunternehmen stärker als Wohnimmobilienunternehmen. In den kommenden Monetärstatistiken der OeNB wird sich zeigen, in welchem Ausmaß die steigende Kreditnachfrage von Unternehmen auch zu einer erhöhten Neukreditvergabe führt.
Anhaltende Erholung der Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten
Die laut Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnbaukrediten hat folglich zu einer gestiegenen Neuvergabe von Wohnbaukrediten durch die Banken geführt. Gemäß OeNB-Kreditstatistik wurden von Jänner bis November 2025 pro Monat durchschnittlich 1,4 Mrd EUR an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das entspricht einem Zuwachs von fast 50 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2024. Die gestiegene Nachfrage nach Wohnbaukrediten signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten.
Eine ähnlich expansive Kreditentwicklung wie in den Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 ist aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zum Vergleich die Jahre 2017 und 2018, vor dem großen Kreditboom : hier wurden durchschnittlich 1,5 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben, also etwas mehr als 2025 bei damals um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021, mitten im Kreditboom, betrug die Neukreditvergabe für privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd EUR pro Monat bei damals um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen, so die Berechnungen der OeNB. Nach dem Frühling kommt der Sommer, möge neben den Temperaturen auch die Wirtschaftsleistung weiter steigen. (red/czaak)
Vertrauen als messbarer Wirtschaftsfaktor

Security und insbesondere Cybersecurity wird für Unternehmen immer mehr zum strategischen Erfolgsfaktor. Unterstützt mit KI und Automation gibt es positive Auswirkungen auf Kundenvertrauen, Markenstärke und neue Wertschöpfung. Eine internationale Studie zeigt nun auch messbare Steigerungen beim Wachstum.
Cybersicherheit entwickelt sich von der reinen Abwehrmaßnahme zum strategischen Erfolgsfaktor. Unternehmen, die das Thema frühzeitig in Transformations‑, Technologie- oder Marktexpansionsinitiativen einbinden, schaffen eine nachhaltige Erhöhung der Wertschöpfung. Bei großen Industriebetrieben oder internationalen Konzernen trägt die Cybersecurity-Funktion bereits bis zu 20 Prozent des Werts von strategischen Projekten bei, an denen sie aktiv beteiligt ist, so eine neue internationale Studie von EY.
Trotz dieser Entwicklung werden nur 13 Prozent der Chief Information Security Officers (CISOs) in frühen Phasen von Entscheidungsprozessen eingebunden. „Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass viele Unternehmen das Potenzial von Cybersecurity noch immer unterschätzen und dadurch Chancen auf Wertschöpfung, Vertrauen und Wettbewerbsfähigkeit verpassen“, so Gottfried Tonweber, Leiter Cybersecurity bei EY Österreich. „Cybersecurity ist heute ein integraler Bestandteil unternehmerischer Wertschöpfung, Vertrauen wird zu einem messbaren Wirtschaftsfaktor“, betont Tonweber.
Cybersecurity schafft neue betriebliche Wertschöpfung
Die EY-Studie belege, dass Cybersecurity-Teams einen erheblichen Beitrag zu den Erfolgen von Digitalisierungs- und Innovationsprojekten leisten. Besonders hohe Wertschöpfung entsteht dort, wo Cyberfunktionen von Anfang an in die strategische Planung eingebunden werden. Das gilt bei der Entwicklung neuer Produkte, dem Eintritt in neue Märkte oder der Einführung neuer Technologien. Bei den in der Studie befragten 550 Unternehmen waren Cybersecurity-Teams in über der Hälfte aller Technologie- und Innovationsprojekte sowie bei knapp der Hälfte der Projekte zur Verbesserung der Kundenerfahrung aktiv beteiligt.
„Die Zeiten, in denen Cybersecurity nur als Kostenfaktor oder regulatorische Pflicht gesehen wurde, sind vorbei“, sagt Bernhard Zacherl, Direktor Cybersecurity bei EY Österreich. „Wer Cyberstrategien intelligent mit Geschäftszielen verknüpft, steigert die Innovationsgeschwindigkeit und kann zudem auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) schneller, sicherer und vertrauenswürdiger einsetzen“, so Zacherl.
„Secure Creators“ sind Vorreiter bei Vertrauen und Wachstum
EY unterscheidet in der Studie zwischen sogenannten „Secure Creators“, das sind Unternehmen mit integrierten Cyberstrategien, und weniger entwickelten „Prone Enterprises“. Secure Creators sind durchgängig erfolgreicher : Sie erzielen eine um 16 Prozentpunkte höhere Markenvertrauensrate, verbessern die Kundenzufriedenheit signifikant und sind doppelt so häufig zufrieden mit der unternehmensweiten Zusammenarbeit.Diese Unternehmen verankern Cybersicherheit nicht als isolierte Abteilung, sondern als Katalysator für Innovation, Geschwindigkeit und Kundennähe. „Besonders in wachstumsorientierten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Energie oder Telekommunikation trägt Cybersicherheit wesentlich dazu bei, neue digitale Geschäftsmodelle sicher und regelkonform umzusetzen“, so Gottfried Tonweber von EY Österreich.
KI und Automatisierung steigern Effizienz und Innovationskraft
Neben der strategischen Integration von Cybersecurity, wird auch ein vernetzter Einsatz von KI und Automatisierung immer relevanter. Laut der EY-Studie erzielen Organisationen, die ihre Cyberlandschaft vereinfachen und automatisieren, jährliche Kosteneinsparungen von durchschnittlich 1,7 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig verkürzen sich Erkennungs- und Reaktionszeiten auf Bedrohungen im Mittel um 28 Prozent.
Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen investieren die durch Automatisierung freiwerdenden Mittel gezielt in Innovation, KI-Integration und Produktentwicklung. Damit wird Cybersicherheit auch zunehmend zum Motor der digitalen Transformation. „Wir sehen, dass führende Unternehmen ihre Cyber-Architekturen konsequent vereinfachen und damit Raum für Innovation schaffen. Gerade im Kontext von KI ist Sicherheit nicht der Bremsklotz, sondern der Beschleuniger und das Fundament für Vertrauen und Skalierbarkeit“, unterstreicht Gottfried Tonweber Leiter Cybersecurity EY Österreich.
Handlungsbedarf : CISOs müssen früher eingebunden werden
Trotz dieser Erkenntnisse zeigt die Studie, dass fast 60 Prozent der Cyberverantwortlichen noch immer nicht bei strategischen Entscheidungen konsultiert werden. Besonders bei Projekten rund um Cloud-Migration, M&A oder Produktentwicklung werden Sicherheitsfragen oft erst im Nachhinein adressiert, ein Fehler, der Zeit, Geld und Vertrauen koste.
„Cybersecurity sollte in jeder unternehmerischen Initiative von Beginn an mitgedacht werden, nicht erst, wenn ein Problem auftritt. Frühzeitige Einbindung bedeutet schnellere Umsetzung, höhere Kundenzufriedenheit und bessere Governance. Das ist gelebte unternehmerische Verantwortung im digitalen Zeitalter“, resümiert Bernhard Zacherl, Direktor Cybersecurity bei EY Österreich. (red/cc)