Schlechte Stimmung statt Zuversicht

Trotz Andeutungen einer Konjunkturbelebung herrscht bei heimischen CEOs immer noch Pessimismus. Makroökonomische Unsicherheiten und Cyberrisiken sowie Kosten und generelle Inflation als aktuell größte Bedrohungen, so Studie von PwC.
Vorsicht statt Aufbruchsstimmung bei österreichischen CEOs. Diese blicken nach den Herausforderungen der vergangenen Jahre deutlich pessimistischer in die Zukunft als ihre internationalen Kollegen. Nur ein Viertel erwartet ein Wirtschaftswachstum. Global sind es mit 61 Prozent mehr als doppelt so viele. Besonders auffällig ist das gedämpfte Vertrauen in die eigene Geschäftsentwicklung.
Lediglich 12 Prozent der österreichischen Führungskräfte sind zuversichtlich, ihre Umsätze in den kommenden zwölf Monaten steigern zu können. Weltweit liegt dieser Wert bei 30 Prozent. Diese Ergebnisse zeigt eine Studie der Berater von PwC (Anm. 29. Global CEO Survey), für die Angaben zufolge im Zeitraum Oktober und November 2025 weltweit 4.454 CEOs aus 95 Ländern befragt wurden, darunter 34 aus Österreich.
Kurzfristige Herausforderungen sorgen für Zeitmangel
Die Ursachen für die gedämpfte Stimmung sind vielfältig : Makroökonomische Unsicherheiten (24 Prozent), Cyberrisiken (24) und Kosten bzw. Inflation (18 Prozent) beschäftigen österreichische Führungskräfte am meisten. „Die CEOs müssen sich auf die Bewältigung dieser Herausforderungen konzentrieren. 56 Prozent der österreichischen Führungskräfte verbringen die meiste Zeit mit dem Lösen kurzfristiger Probleme, Strategie und langfristige Planung kommt viel zu kurz“, so PwC in einer Aussendung.„CEOs müssen sich bewusst Freiräume für Zukunftsfragen schaffen. Durch Delegation, durch effizientere Prozesse und vor allem durch den klugen Einsatz von künstlicher Intelligenz“, sagt Rudolf Krickl, CEO von PwC Österreich. „Wer jetzt in Innovation investiert, statt nur zu reagieren, sichert sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile.“ Der KI-Einsatz österreichischer Unternehmen ist allerdings stark ausbaufähig. Nur knapp zwei von zehn heimischen CEOs (18 Prozent) haben durch KI-Einsatz höhere Umsätze erzielt. Die Mehrheit experimentiert und nutzt KI noch nicht als strategischen Hebel für neue Wertschöpfung.
Es geht um den sinnvollen Einsatz von KI
Dieser Handlungsdruck ist Führungskräften bewusst. 68 Prozent der österreichischen CEOs beschäftigt die zentrale Frage, ob sie ihr Unternehmen schnell genug transformieren können, um mit technologischen Entwicklungen und KI Schritt zu halten. Unternehmen, die Innovationen vorantreiben, profitieren jedoch deutlich : So geben 29 Prozent der CEOs in Österreich an, bereits bis zu 20 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Produkten und Dienstleistungen zu generieren, die in den letzten drei Jahren neu eingeführt wurden.
„Künstliche Intelligenz ist in aller Munde – doch es scheitert oft an der Umsetzung. Die entscheidende Herausforderung liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer strategischen Skalierung“, betont Rudolf Krickl. „Echte Transformation bedeutet, Abläufe grundlegend zu überdenken“, so Krickl.
USA und Deutschland bei Investitionen an erster Stelle, Indien holt auf
Mehr als die Hälfte der CEOs weltweit plant im kommenden Jahr im Ausland zu investieren, in Österreich sind es knapp 40 Prozent. Bei der Wahl der Zukunftsmärkte setzen österreichische Führungskräfte weiterhin auf die USA und Deutschland (jeweils 24 Prozent), obwohl der Zugang zum US-Markt durch Zölle und Handelsbarrieren zunehmend erschwert wird. Im globalen Vergleich dominieren die USA mit 35 Prozent, gefolgt von Indien sowie Großbritannien und Deutschland (jeweils 13 Prozent).
Die Bedeutung von Indien steigt aktuell stark an. Bislang sehen zwar erst 6 Prozent der österreichischen CEOs den südasiatischen Markt als Investitionsziel vor (Anm. global : 13 Prozent), doch der Anteil verdoppelt sich Jahr für Jahr. China liegt als Investitionsziel mit nur 3 Prozent deutlich dahinter (global : 10 Prozent). Diese asiatischen Standorte werden im Kontext mit Innovation und Investment-Kosten in Zeiten wachsender Handelskonflikte zum strategischen Vorteil. (red/rucz, red/cc)
KI treibt die internationalen Börsen

Nvidia, Apple und Alphabet Ende 2025 als höchstbewertete Unternehmen der Welt. Top 100 steigern Börsenwert um 23 Prozent auf 54 Billionen US-Dollar. Acht US-Companies unter Top 10. Asiatische Betriebe mit stärkstem Wertzuwachs. Nur mehr 17 europäische Unternehmen unter Top 100.
Trotz schwieriger geopolitischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen haben die größten Unternehmen der Welt im Laufe des Jahres 2025 weiter massiv an Wert gewonnen. Der Börsenwert der 100 wertvollsten börsennotierten Unternehmen stieg seit Ende vergangenen Jahres um 23 Prozent oder zehn Billionen US-Dollar auf den neuen Rekordwert von 54 Billionen US-Dollar.
Asiatische Unternehmen verzeichnen vergleichsweise den stärksten Wertzuwachs, deren Börsenwert steigerte sich um 27 Prozent. US-Konzerne konnten ihren Wert um 23 Prozent steigern, die europäischen um 20 Prozent. Trotz dieses asiatischen Aufholprozesses, dominieren nach wie vor US-Companies das Ranking. Von den weltweit 100 wertvollsten Unternehmen haben 60 ihren Sitz in den USA, zwei weniger als zu Jahresbeginn. Unter den Top-10 finden sich acht US-Unternehmen, die ersten sieben Plätze werden von US-Konzernen belegt.
Nur mehr 17 Europäische Unternehmen unter den Top 100
Das wertvollste Unternehmen der Welt war zum Jahresende 2025 der Chipkonzern NVIDIA, dessen Marktkapitalisierung im Jahresverlauf um 38 Prozent auf 4,5 Billionen US-Dollar gestiegen ist. Damit ist NVIDIA fast doppelt so viel wert wie alle DAX 40 Unternehmen zusammen. Deren kumulierter Börsenwert lag zum Jahresende bei 2,5 Billionen US-Dollar. Das und die folgenden Zahlen sind die Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsorganisation EY.
Die Zahl der europäischen Unternehmen unter den Top 100 sank im vergangenen Jahr von 18 auf 17. Die Zahl der asiatischen Betriebe stieg von 17 auf 19. Noch deutlicher wird die US-Dominanz an den Weltbörsen, wenn man nicht die Zahl der Unternehmen, sondern ihren Börsenwert betrachtet : Von der gesamten Marktkapitalisierung der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt entfallen 76 Prozent bzw. 41,5 Billionen US-Dollar auf nordamerikanische Unternehmen.
Der KI-Boom treibt die Märkte und Europa bleibt Zuschauer
Vergleichsweise nur 15 Prozent oder 8 Milliarden US-Dollar entfallen auf asiatische Unternehmen und nur acht Prozent oder 4,4 Billionen US-Dollar auf europäische Unternehmen. Deutschland ist mit drei Unternehmen im Top-100-Ranking vertreten. SAP, mit einem Börsenwert von 285 Milliarden US-Dollar auf Rang 45, Siemens mit 218 Milliarden US-Dollar auf Rang 73 und die Allianz Versicherung mit 174 Milliarden US-Dollar auf Rang 98.
„Die KI-Begeisterung und skalierbare Geschäftsmodelle haben weltweit deutliche Kursanstiege ausgelöst. Der wirtschaftliche Nutzen konzentriert sich jedoch vor allem auf Unternehmen in den USA und Asien“, sagt Gunther Reimoser von EY Österreich. „Europa nimmt im globalen KI-Wettlauf derzeit lediglich eine Nebenposition ein und läuft Gefahr, bei einer zentralen Zukunftstechnologie den Anschluss zu verlieren“, warnt Reimoser. Er verweist auf strukturelle Ursachen wie eine wenig ausgeprägte Risikokapitalkultur und das Fehlen eines integrierten europäischen Kapitalmarkts und das „bremse Investitionen, Innovation und Wachstum“.
Die Bedeutung klassischer Industrieunternehmen sinkt
Der Niedergang Europas spiegelt sich auch im Ranking der wertvollsten Unternehmen. Ende 2023 waren noch alle deutschen Autokonzerne unter den 300 teuersten Unternehmen der Welt vertreten, derzeit schafft es hingegen keiner mehr in diese Liste. Der wertvollste Autokonzern der Welt ist der US-Autobauer Tesla auf Rang neun mit einem Börsenwert von 1,5 Billionen US-Dollar (Anm. zur Jahresmitte 2025). Die deutschen Autohersteller Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen kommen zusammen auf einen Börsenwert von 197 Milliarden US-Dollar und belegen die Ränge 327, 329 und 364. Der gemeinsame Börsenwert von Mercedes, BMW und VW stieg im Jahresverlauf aber immerhin um 30 Prozent.
Deutlich nach oben ging es hingegen im Jahr 2025 insbesondere für zwei deutsche Unternehmen. Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall konnte sich im Ranking von Platz 660 auf Platz 252 verbessern und den Börsenwert auf 84 Milliarden US-Dollar verdreifachen. Und Siemens Energy kletterte im Ranking von Rang 474 auf Rang 167, der Börsenwert hat sich im Jahresverlauf um 193 Prozent auf 121 Milliarden US-Dollar erhöht. (red/cc)
Fachkräftemangel bleibt betrieblicher Risikofaktor

Sechs von zehn Unternehmen betrachten Fachkräftemangel als ersten Risikofaktor für das eigene Wachstum. Größte Rekrutierungsschwierigkeiten hat Industrie. Künstliche Intelligenz kann immer öfter Abhilfe schaffen.
Der heimische Mittelstand steht auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten mehrheitlich für Resilienz und Innovation und mit Unterstützung digitaler Dienste dann für neue Wertschöpfung. Trotzdem gibt es auch hier Faktoren, die Wachstum bremsen und dazu gehört der Fachkräftemangel. Sechs von zehn Unternehmen zählen dieses Thema zu den größten Gefahren, ebenso wie wirtschaftlicher Abschwung (59 Prozent), hohe Energiepreise (56) und Inflation (63 Prozent).
Knapp drei Viertel der mittelständischen Betriebe haben nach eigenen Angaben weiterhin Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Besonders akut ist der Fachkräftemangel derzeit in der Industrie (85 Prozent) und im Bereich Immobilien und Baugewerbe (71). Auch kleinere Unternehmen mit einem Umsatz von unter zehn Millionen Euro tun sich schwer (rund 40 Prozent).
Aufwärtstrend mit positiven Beschäftigungssignalen
„Auch wenn die große Mehrheit immer noch Schwierigkeiten hat, geeignetes Fachpersonal zu finden, zeigt sich ein Aufwärtstrend mit positiven Beschäftigungssignalen. Verhaltener Optimismus lautet die Devise – auch wenn bei jedem zweiten mittelständischen Betrieb aktuell Stellen unbesetzt sind“, sagt Erich Lehner von EY Österreich. Basis für die Daten ist das seit 2008 regelmäßig erhobene EY-Mittelstandbarometer mit Befragung von Betrieben zwischen 30 und 2.000 Mitarbeitenden.
Unbesetzte Stellen gibt es aktuell bei der Hälfte der befragten Unternehmen. Besonders hoch bei den Dienstleistern (inkl. Finanz) sowie Soziales, Wissenschaft und Bildung. Am geringsten ist der Anteil an vakanten Stellen im Sektor Transport/Verkehr/Energie. Fast jedes vierte Unternehmen mit freien Stellen, hat Vakanzen im Bereich der Produktion, 17 Prozent im Bereich Marketing, Vertrieb und Kundendienst. Am seltensten sind unbesetzte Stellen in den Bereichen Finanzen sowie Geschäftsführung/Vorstand.
Ambivalente Situation bei neuen Stellen und bei Stellenabbau
Auch wenn die Zahlen zeigen, dass es viele unbesetzte Stellen zu füllen gibt, plant ein Viertel der mittelständischen Betriebe in den kommenden Monaten zusätzliche Stellen zu schaffen. Gleichzeitig wollen nur noch 13 Prozent der befragten Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl reduzieren, deutlich weniger als zuletzt.
Für die kommenden sechs Monate dürfte damit die Beschäftigungsdynamik im Mittelstand spürbar stärker ausfallen als in den vergangenen zwei Jahren, vor allem der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung plant, neue Positionen zu schaffen. Im Gegenteil dazu möchte ein Viertel der Mittelständler aus der Sparte Immobilien & Baugewerbe Positionen streichen.
Weitere Verschärfung erwartet und Umsatzeinbußen als Auswirkung
Der Fachkräftemangel wird die österreichischen Mittelständler aber noch länger beschäftigen : 74 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschärfung in den kommenden Jahren. Besonders pessimistisch sind aktuell Unternehmen aus dem Bereich Transport/Verkehr/Energie (84 Prozent), am wenigsten pessimistisch sind Finanz- und andere Dienstleister (61 Prozent).
Vier von zehn der befragten mittelständischen Unternehmen geben an, infolge des Fachkräftemangels Umsatzeinbußen zu verzeichnen bzw. nicht alle Umsatzpotenziale realisieren zu können. 14 Prozent davon sogar erheblich, doppelt so viele wie im Vorjahr. Besonders betroffen sind Finanz- und andere Dienstleister und der Bereich Transport/Verkehr/Energie (zusammen knapp über 40 Prozent).
Stark gestiegene Rekrutierungskosten und keine Bereitschaft für Vollzeit
Zu schaffen machen dem heimischen Mittelstand teilweise stark gestiegene Such- und Rekrutierungskosten : Bei 45 Prozent der Unternehmen sind in den vergangenen fünf Jahren diese Kosten gestiegen, bei nur vier Prozent sind sie gesunken. Im Durchschnitt gab es einen Kostenzuwachs um rund neun Prozent, vor allem im Tourismus.
Als wichtigsten Grund für den Fachkräftemangel in österreichischen Unternehmen machen die befragten Betriebe die mangelnde Bereitschaft aus, in Vollzeit zu arbeiten. Zweitwichtigster Grund ist eine unzureichende Ausbildung und Qualifikation der Bewerbenden. Nur jeder sechste Betrieb nennt als einen wichtigen Grund für den aktuellen Fachkräftemangel eine unzureichende Unterstützung seitens der Regierung.
Erwartungen an Politik und KI als Chance
Die mittelständischen Betriebe stellen auch Anforderungen an die Politik. Jeder zweite Befragte wünscht sich von der Regierung eine Bildungsförderung für qualifizierte Fachkräfte, rund ein Drittel erwartet sich eine verstärkte staatliche Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen. Eine gezielte Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften wird von gut jedem vierten Mittelständler gefordert.
Die große Mehrheit der befragten Mittelständler (70 Prozent) sieht keine Möglichkeiten, KI im eigenen Unternehmen so einzusetzen, dass es die Auswirkungen des Fachkräftemangels abmildert. Jedes zehnte Unternehmen setzt KI hierfür allerdings bereits ein und weitere 20 Prozent halten den Einsatz von KI in diesem Bereich für wirksam. Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von KI zum Zwecke der Abmilderung des Fachkräftemangels bei Finanz- und anderen Dienstleistern, gefolgt vom Tourismus.
Regionale Unterschiede deutlich
Der Blick in die Bundesländer zeigt, dass etwa in Tirol vier von zehn Unternehmen die Stellen auszuweiten möchten und dafür auch viel Geld in die Hand nehmen. Unternehmen in Tirol verzeichnen den höchsten durchschnittlichen Anstieg der Such- und Rekrutierungskosten, Unternehmen im Burgenland und in Wien sowie Vorarlberg den geringsten. Vom Fachkräftemangel aktuell am stärksten betroffen ist Kärnten. Am leichtesten ist die Recruitinglage derzeit für die Steiermark und Wien.
Im Burgenland sind die wenigsten Arbeitsplätze zu besetzen. Die meisten Streichungen sind in Vorarlberg und dem Burgenland geplant. Damit sind diese beiden Bundesländer die einzigen in ganz Österreich mit negativer Beschäftigungsprognose. Die Unzufriedenheit mit den Regierungsmaßnahmen ist besonders weit verbreitet in der Steiermark (51 Prozent) und in Oberösterreich (41), in Wien ist nur ein Viertel negativ gestimmt. (red/rucz)
Rascher Handlungsbedarf

Neue gesetzliche NIS‑2 Regularien gültig. Rund 4.000 Betriebe sind direkt adressiert und dazu große Zahl an Zulieferfirmen. Fachverband UBIT rät zur schnellen Umsetzung und unterstützt insbesondere KMU bei allen Maßnahmen.
Mit mehr als einjähriger Verspätung hat Österreich letzten Dezember ein zeitgemäßes Gesetz zu Netz- und Informationssystemsicherheit (NIS) beschlossen. Mit diesen neuen NIS‑2 Regularien wird der Kreis der betroffenen Unternehmen ab 2026 deutlich größer, und parallel steigen auch die Anforderungen an Kleine- und Mittelständische Unternehmen (KMU), Stichwort Lieferketten.
Klare Mindeststandards für Cybersicherheit und Meldepflichten
„Für viele Betriebe beginnt jetzt ein entscheidender Countdown : Rund neun Monate bleiben voraussichtlich Zeit, um die notwendigen Maßnahmen zu planen und umzusetzen“, so Rüdiger Linhart vom Fachverband Unternehmensberatung und IT der Wirtschaftskammer (UBIT). Das Gesetz legt klare Mindeststandards für Cybersicherheit und Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen fest und soll die Resilienz gegenüber Cyberangriffen erhöhen.
Neben den rund 4.000 direkt betroffenen mittleren und großen Unternehmen werden auch zahlreiche KMU als Zulieferer in die Verantwortung genommen. In Wien ist der Großteil der Unternehmen direkt wie indirekt betroffen. “Vor allem Kleinunternehmen müssen die nächsten Monate gemeinsam mit ihren IT-Experten nutzen, um die neuen Anforderungen zu erfüllen, die sich nun in der Lieferkette durch die NIS-2-Richtline ergeben”, betont Linhart.
Geschäftsführer tragen persönliche Verantwortung für Umsetzung
Der UBIT-Verband hat auf seiner Website alle relevanten Informationen zusammengefasst (siehe Link). Die gesetzliche NIS‑2 Richtlinie verlangt keine Einzelmaßnahmen, sondern ganzheitliche Prozesse, die organisatorische und technische Aspekte verbinden. Mit NIS‑2 wird zudem klargestellt : Cybersecurity ist Führungsaufgabe. Geschäftsführer tragen künftig persönliche Verantwortung für die Umsetzung. KMU müssen sich daher verstärkt mit Risikomanagement, Meldepflichten und Sorgfalt in der Lieferkette auseinandersetzen.
Ebenso entscheidend ist die Einbindung aller Beschäftigten – nur mit ausreichender Bereitschaft und Schulung kann Sicherheit im Unternehmen nachhaltig verankert werden. „NIS‑2 ist ein konkreter Handlungsauftrag. Wer früh handelt, schützt sein Unternehmen, stärkt die eigene Wettbewerbsfähigkeit und profitiert auch vom Vertrauen bei Kunden und Partnern“, unterstreicht Linhart vom UBIT-Verband.
Die digitale Zukunftsfähigkeit jedes einzelnen Unternehmens
Die UBIT-Experten unterstützen insbesondere KMU, die Anforderungen effizient und praxisnah umzusetzen. Konkret betrifft das Themen wie die sogenannte Gap Analyse bestehender Sicherheitsmaßnahmen, das Einrichten von Meldeprozessen für Sicherheitsvorfälle, Überprüfen und Absichern der Lieferketten und die wichtigen Schulungen für Geschäftsführung und Mitarbeitende zu Verantwortlichkeiten und Cyberrisiken.
NIS‑2 ist mehr als eine gesetzliche Verpflichtung. Es geht um die digitale Zukunftsfähigkeit jedes einzelnen Unternehmens und um die Resilienz Österreichs als verlässlicher Wirtschaftsstandort. Europaweit soll das Gesetz die Cybersicherheit und digitale Souveränität stärken und Unternehmen besser gegen steigende Bedrohungen aus dem Cyberraum wappnen.
Klare und einheitliche und praxistaugliche Vorgaben seitens Behörde
Die UBIT Wien beschäftigt sich in einem eigenen Arbeitskreis mit IT-Security und informiert ihre Mitglieder laufend über aktuelle Entwicklungen, Schulungsangebote und praktische Unterstützung. Die neue NIS-Behörde müsse vor allem klare, einheitliche und praxistaugliche Vorgaben liefern und dabei darauf achten, KMU nicht mit unnötiger Bürokratie zu belasten.
Die Behörde muss hier unterstützend wirken, damit die Betriebe die komplexen NIS-2-Anforderungen rechtssicher umsetzen können“, ergänzt Rüdiger Linhart, Berufsgruppensprecher IT vom Fachverband Unternehmensberatung und IT der Wirtschaftskammer (UBIT). (red/cc)
Aus Industriebetrieben werden Dienstleister

Dienstleistungen als zunehmendes Geschäftsfeld für Industrie und regionale Auswirkungen von US-Zöllen sowie Geschäftserwartungen 2026 und KI-Nutzung am Arbeitsplatz. Umfassende Ifo-Analyse zu Standort-Faktoren und Trends in Wirtschaft Deutschlands.
Deutschland hat seine erst kürzlich nach Grönland gesandten Soldaten nur einen Tag nach deren Ankunft wieder zurückgeholt. Beobachter glauben einen Grund gefunden zu haben in den parallel vom präsidialen US-Zoll-Zuchtmeister Donald Trump geäußerten Androhungen von Straf-Zöllen gegen die Unterstützer von Grönlands Unabhängigkeit.
Das deutsche ifo-Institut hat sich kurz zuvor in einer umfangreichen Anaylse die regionalen Auswirkungen von US-Zöllen angesehen. Als Ergebnis zeigt sich, dass die 15 %-igen US-Strafzoll-Zuschläge den Industriestandorten in Süddeutschland am stärksten schaden würden. „Das Nord-Süd-Gefälle ist deutlich : Während Potsdam sogar einen leichten Zugewinn verzeichnet, drohen Industriestandorten wie Salzgitter, Dingolfing-Landau, Wolfsburg und Ingolstadt empfindliche Einbußen“, sagt Marcel Thum, Leiter der ifo Niederlassung Dresden.
Gravierende Verluste im verarbeitenden Gewerbe
Besonders stark betroffen sind Regionen mit hohem Industrieanteil, etwa in der Automobil- und Metallerzeugung. Am höchsten sind die Wertschöpfungsverluste für die Orte Salzgitter (minus 1,16 Prozent), Dingolfing-Landau (minus 1,08 Prozent), Wolfsburg („VW-Stadt“, minus 1,06 Prozent), Böblingen (minus 1,05 Prozent) und Ingolstadt („AUDI-Stadt“, minus 0,98 Prozent). Leichte positive Wertschöpfungseffekte gibt es für Potsdam (plus 0,23 Prozent), den Main-Taunus-Kreis (plus 0,22 Prozent), Cottbus (plus 0,18 Prozent) und Bonn (plus 0,17 Prozent).
Die regionalen Unterschiede sind vor allem auf die Wirtschaftsstruktur vor Ort zurückzuführen. „Während Dienstleister vielerorts tendenziell profitieren und Marktanteile gewinnen können, sind in einzelnen Regionen die Verluste im Verarbeitenden Gewerbe gravierend“, ergänzt Robert Lehmann von der ifo Niederlassung Dresden. „Insgesamt könnten die Zölle mittelfristig zu einer Verschiebung der Wirtschaftsaktivität von Industrie zu Dienstleistungen führen“, erläutert der ifo-Experte.Industrieunternehmen werden immer mehr zu Dienstleistern
Generell zeigt sich, dass deutsche Industrieunternehmen immer mehr Umsatz mit Dienstleistungen machen. Das ifo-Institut hat aktuell auch hierzu eine eigene Studie erstellt. „Im Jahr 2024 haben Industrieunternehmen bereits rund 166 Milliarden Euro mit produktbegleitenden Dienstleistungen umgesetzt, wie Beratung, Montage oder Wartung. Damit übertrafen sie etwa den Umsatz des gesamten Gastgewerbes in Deutschland, der bei rund 138 Milliarden Euro lag“, sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturforscher beim ifo-Institut.
Unter den Industrieunternehmen macht der Maschinenbau mit einem Anteil von über 13 Prozent überdurchschnittlich viel Umsatz mit produktbegleitenden Dienstleistungen, gefolgt vom Fahrzeugbau (sieben Prozent) und der Elektroindustrie (sieben Prozent). In den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel oder im Textil- und Bekleidungsgewerbe spielen produktbegleitende Dienstleistungen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt hat der Umsatzanteil der produktbegleitenden Dienstleistungen in den vergangenen zehn Jahren in allen Industriezweigen zugenommen.Industriebetriebe mit Innovationstätigkeit haben höheren Dienstleistungsanteil am Umsatz
Zudem haben Industrieunternehmen mit Innnovationstätigkeit einen höheren Dienstleistungsanteil am Umsatz. Unternehmen mit Forschung und Entwicklung (F&E) kamen auf durchschnittlich knapp acht Prozent. Setzen sie Künstliche Intelligenz (KI) ein, lag der Anteil bei fast neun Prozent. „Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen der Innovationstätigkeit eines Unternehmens und seinem Umsatz mit produktbegleitenden Dienstleistungen“, ergänzt Stefan Sauer vom ifo-Institut.
Die ifo-Studie selbst beruht auf einer gesonderten Erhebung vom Juli 2025 als Teil der regelmäßigen ifo Konjunkturumfragen. 1.680 Unternehmen nahmen laut ifo-Institut an der Umfrage teil, die damit repräsentativ für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland sind. Gefragt wurde nach der prozentualen Aufteilung der Umsätze für das Jahr 2024 nach Umsatz mit der Herstellung von Waren bzw. ihrem Verkauf, weiters nach dem Umsatz mit produktbegleitenden Dienstleistungen sowie Umsatz mit sonstigen Tätigkeiten.Jedes vierte Unternehmen rechnet 2026 mit schlechteren Geschäften
Erhoben hat das ifo-Institut auch wieder die aktuellen Erwartungen der deutschen Wirtschaft an das Jahr 2026. Rund 26 Prozent der Unternehmen erwarten 2026 eine Verschlechterung ihrer Geschäfte. 59 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit keiner Veränderung. Und 15 Prozent erwarten bzw. hoffen auf eine Verbesserung. „Die Unternehmen bleiben sehr zurückhaltend – von Aufbruchstimmung ist weit und breit nichts zu sehen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.
Die Skepsis erstreckt sich quer über alle Branchen. Industriebetriebe erwarten zu 55 Prozent eine unveränderte Lage für 2026, 27 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften, 18 Prozent mit einer Verbesserung. Positiv fällt der Bereich der elektrischen Ausrüstungen auf, in dem der Anteil der optimistischen Unternehmen (27 Prozent) den der pessimistischen Unternehmen (13 Prozent) übertrifft.Die Problembranchen Handel und Bau
Bei den Dienstleistungsunternehmen zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier erwarten 63 Prozent eine stabile Lage, 23 Prozent eine ungünstige Entwicklung, 14 Prozent erwarten und hoffen auf eine Verbesserung. Besonders viele pessimistische Einschätzungen kommen aus dem Handel. Hier erwarten fast 33 Prozent eine Verschlechterung.
Auch im Baugewerbe ist der Ausblick verhalten. 33 Prozent der Betriebe rechnen mit einer ungünstigeren Lage, knapp 57 Prozent erwarten 2026 keine Veränderung und nur 10 Prozent erwarten bzw. hoffen auf bessere Geschäfte. „Die Zahlen sind insofern überraschend, als die Branche eigentlich auf das angekündigte Infrastrukturpaket hoffen könnte. Euphorie scheint dies noch nicht auszulösen“, sagt Wohlrabe.Nur jeder fünfte Beschäftigte nutzt KI regelmäßig
In einer eigenen Studie analysiert hat das ifo-Institut auch die Verwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) direkt am Arbeitsplatz und hier gibt nur jede/r fünfte Beschäftigte eine regelmäßige Nutzung an. In Summe haben rund 64 Prozent KI bereits eingesetzt, die meisten nutzen sie jedoch nur gelegentlich. „Zudem wurde die KI-Hauptanwendung nur bei etwa einem Drittel der Nutzenden auch vom Unternehmen eingeführt. Zwei Drittel nutzen KI demnach also eigeninitiativ“, sagt Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft.
Die individuelle Nutzung konzentriert sich stark auf leicht zugängliche Text‑Tools (Anm. ChatGPT oder Übersetzer), die einfach verfügbar sind und geringe Einstiegskosten haben. Diese werden von über 80 Prozent der KI-Nutzenden verwendet. Die formelle arbeitgebergesteuerte Nutzung von KI-Tools konzentriert sich auf komplexere oder kostspieligere Anwendungen (Anm. etwa diagnostische Tools, Sprach- oder Bildverarbeitung). „Die Beschäftigten berichten, dass die betriebliche Einführung von KI mit einer höheren Nutzungshäufigkeit, mehr Weiterbildungsangeboten, mehr KI-basierter Supervision und final dann mit höheren Produktivitätsgewinnen einhergeht“, sagt Schlenker.Repräsentative Studie mit fast 10.000 Interviews
Die Ergebnisse basieren auf Auswertungen der zweiten Befragung zur Verbreitung und Auswirkungen von Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung (Anm. DiWaBe 2.0). Das ifo Institut hat die Analyse gemeinsam mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführt.Die Umfrage umfasst rund 9.800 Interviews und ist repräsentativ für die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. „Die Ergebnisse zeigen Korrelationen und Zusammenhänge, keine kausalen Effekte“, erläutert Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft. (red/rucz, red/czaak)
Dringender Handlungsbedarf bei Start-Ups

2025 verzeichnet Österreichisches Start-Up-Ökosystem neuen Tiefpunkt. Viertes Jahr in Folge mit sinkenden Finanzierungsrunden und Investmentbeträgen, so neue Analyse von EY. Dringende Maßnahmen gegen nachhaltige Schwächung nötig.
Das Jahr 2025 markiert einen Tiefpunkt für das Start-Up-Ökosystem. Nachdem bereits in den vergangenen drei Jahren rückläufige Entwicklungen beim Finanzierungsvolumen zu verzeichnen waren, setzte sich der Abwärtstrend auch 2025 fort. Lichtblicke gab es in einzelnen Technologiefeldern wie Künstliche Intelligenz.
Während andere europäische Länder bereits 2024 erste Erholungstendenzen zeigten, ist eine vergleichbare Entwicklung in Österreich bislang ausgeblieben. Das zeigt die aktuelle Analyse des regelmäßig erhobenen Start-Up-Barometers von EY. Analysiert werden hier Finanzierungsrunden von Start-Ups mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Keine einzige Finanzierungsrunden über 100 Millionen Euro
„Nach bereits drei Jahren rückläufiger Finanzierungsaktivitäten ist 2025 ein neuer Tiefpunkt erreicht und das ist ein strukturelles Warnsignal. Ohne rasche und koordinierte Maßnahmen droht Österreich im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen“, sagt Florian Haas, Head of Start-Up bei EY Österreich.Bereits 2024 sank das Finanzierungsvolumen im dritten Jahr in Folge um 17 Prozent auf 578 Mio. Euro und das ist der niedrigste Wert seit 2020. Gleichzeitig ging die Anzahl der Finanzierungsrunden um 19 Prozent von 184 auf 151 Deals zurück. Große Finanzierungsrunden über 100 Mio. Euro blieben erstmals vollständig aus.
253 Millionen Euro Gesamtfinanzierungsvolumen ergeben Reduktion um 56 Prozent
Statt einer Stabilisierung setzte sich dieser Negativtrend nun auch 2025 weiter fort. Das Gesamtfinanzierungsvolumen betrug rund 253 Millionen Euro und hat bedeutet gegenüber 2024 eine Reduktion um (weitere) satte 56 Prozent. Die Zahl der Finanzierungsrunden blieb mit 148 und minus zwei Prozent nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (151).
Besonders betroffen ist weiterhin das Wachstumssegment. Größere Anschlussfinanzierungen sind hier nur eingeschränkt realisierbar, was die Skalierung und Internationalisierung vieler österreichischer Neugründungen (Anm. Start-Ups) und kürzlich gegründeter Unternehmen (Anm. Scale-Ups) erheblich erschwert.
Internationaler Vergleich verschärft den Befund
„Der eingeschränkte Zugang zu Wachstumskapital bremst Internationalisierung, Innovation und Beschäftigungsaufbau zunehmend aus. Damit steht auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Start-Up-Standorts auf dem Spiel“, unterstreicht Florian Haas von EY Österreich. „Jetzt entscheidet sich, ob es gelingt, die richtigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Trendumkehr zu schaffen oder ob Österreich weiter an Boden verliert“, ergänzt Experte Haas.
Der internationale Vergleich belegt den Handlungsbedarf nochmals deutlich. Während sich das europäische Start-Up-Ökosystem 2025 insgesamt wieder stabilisiert, entwickelt sich Österreich klar gegen den Trend. EU-weit stieg das Investitionsvolumen 2025 gegenüber 2024 immerhin um rund fünf Prozent auf mehr als 66 Milliarden Euro. Die Anzahl der Runden verringerte sich auch hier.
„Österreich muss jetzt vergleichbare Voraussetzungen schaffen“
Einzeln betrachtet verzeichneten 25 der 43 erfassten europäischen Länder 2025 noch einen Rückgang beim Investitionsvolumen, 17 Länder konnten bereits wieder zulegen. Mit den angeführten minus 56 Prozent gibt es in Österreich innerhalb dieses Vergleichs den stärksten Rückgang. Österreich liegt damit im unteren Drittel der europäischen Märkte.
„Die EU-weite Betrachtung zeigt, dass es in Österreich nicht an fehlendem Marktpotenzial liegt, sondern an den Rahmenbedingungen. Länder, die gezielt Wachstumskapital mobilisieren und institutionelle Investoren eingebunden haben, profitieren bereits von einer Belebung der Start-Up-Finanzierungen“ erläutert Haas von EY. „Österreich muss jetzt vergleichbare Voraussetzungen schaffen“, betont der Experte.
Durchschnittliches Finanzierungsvolumen schrumpft weiter
Ein besonders klares Signal für die angespannte Lage liefert das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Runde. Dieses sank 2025 auf rund 2,3 Millionen Euro, der niedrigste Stand seit zehn Jahren. 2024 lag das durchschnittliche Volumen noch bei 4,3 Millionen Euro, 2022 bei 7,7 Millionen Euro und im Boomjahr 2021 bei 11,6 Millionen Euro.
Die Struktur der Finanzierungsrunden verdeutlicht diese Entwicklung zusätzlich. Der überwiegende Teil der 2025 abgeschlossenen Finanzierungsrunden erzielte unter fünf Millionen Euro, nur vier Runden mehr als zehn Millionen Euro. Finanzierungen zwischen zehn und 50 Millionen Euro blieben damit eine klare Ausnahme, große Runden über 100 Millionen Euro kamen überhaupt nicht mehr vor.
Start-Ups Refurbed und enspired
Die größte Finanzierungsrunde des Jahres 2025 ging an das Unternehmen Refurbed mit rund 50 Millionen Euro. Das Wiener Scale-Up ist europaweit im Markt für generalüberholte Elektronikgeräte etabliert, die Finanzierung erfolgte als sogenannte Extension einer bestehenden Runde.
Auf dem zweiten Platz folgt enspired mit rund 15 Millionen Euro, ein Energy-Tech-Unternehmen mit Fokus auf KI-gestützte Optimierung im Stromhandel. Ebenfalls rund 15 Millionen Euro warb das 2024 gegründete Linzer Start-Up Emmi AI ein. Das Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für industrielle Produktions- und Qualitätsprozesse.
Grazer Start-Up Easelink und Innsbrucker Start-Up Hololight
Das Grazer Start-Up Easelink, ein Anbieter automatisierter Ladelösungen für Elektrofahrzeuge, belegt mit rund 11,5 Millionen Euro den dritten Platz im Ranking. Das Innsbrucker Start-Up Hololight mit seinen AR- und XR-Streaming-Lösungen für industrielle Anwendungen nahm rund 10 Millionen Euro auf, ergibt Platz vier.
Investorengruppen unterstützen also bestehende Portfoliounternehmen weiter, zeigen sich bei neuen großvolumigen Investments jedoch zurückhaltend. „Ein funktionierendes Ökosystem braucht nicht nur einzelne Leuchtturmdeals, sondern eine kritische Masse an Wachstumsfinanzierungen. Genau daran mangelt es derzeit,“ ergänzt Florian Haas, Head of Start-Up bei EY Österreich. (red/czaak) (Anm. der Redaktion : morgen erläutern wir die thematischen und geografischen Schwerpunkte bei den neuen Investments in Start-Ups)
Grande Finale

Knapp 7.000 Unternehmensinsolvenzen im Jahre 2025 ergeben plus vier Prozent im Jahresvergleich und bestätigen Prognose von KSV1870. Handel, Bau, Gastronomie und Hotellerie mit meisten Konkursen. Hohe Zahl an nicht eröffneten Verfahren sowie Energiekosten und Inflation als weitere Belastungen für Wirtschaft..
Die Wirtschafts-Experten des Kreditschutzverbandes KSV1870 haben es seit dem vergangenen Frühjahr mehrfach vorhergesagt und nun sind die Zahlen tatsächlich eingetroffen : Laut aktueller Hochrechnung mussten im Jahr 2025 in Österreich exakt 6.857 Unternehmen Insolvenz anmelden und das ergibt eine Steigerung von ebenso exakten 4,1 Prozent im Jahresvergleich.
Trotz dieses Anstiegs sind die vorläufigen Passiva im Vergleich zum Vorjahr um satte 56 Prozent auf rund 8,4 Mrd. Euro gesunken. Ausschlaggebend dafür ist die im Jahr 2025 deutlich niedrigere Anzahl an Insolvenzen mit Passiva von mehr als 200 Mio. Euro. Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter ist mit dem Wert von 21.400 um 28 Prozent gesunken.
Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor
Einen Anstieg gibt es auch bei den betroffenen Gläubigern, die Zahl von 54.400 ergibt hier ein Plus von acht Prozent. Für das Jahr 2026 prognostizieren die Wirtschaftsexperten des KSV1870 ein ähnliches Insolvenzaufkommen wie in diesem Jahr – außer, es ändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gravierend.
Weitere Analysen zeigen, dass nach einer leichten Verlangsamung des Insolvenzaufkommens während der Sommermonate im letzten Quartal des Jahres der erwartete Anstieg auf über 1.700 Fälle passierte. „Das Insolvenzaufkommen ist auch im historischen Vergleich unverändert hoch und eine Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor“, so der Befund von Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.
Hohe Zahl an mangels Kostendeckung nicht eröffneter Fälle
Götze relativiert aber auch ein wenig : „Angesichts dessen, dass in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche staatliche Förderungen beendet wurden und es zuletzt eine hohe Zahl an Neugründungen gab, ist das derzeitige Insolvenzniveau nicht völlig ausgeufert.“
Ein auf die ganze Wirtschaft ausstrahlendes Problem ist die hohe Zahl der mangels Kostendeckung nicht eröffneten Fälle. Diese ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent auf über 2.600 Fälle angewachsen und machen bereits 38 (!) Prozent aller Firmenpleiten aus. Götze verweist auf den beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden : „Diese Betriebe sind finanziell dermaßen ausgebrannt, dass sie nicht einmal die Gerichts-Kosten aufbringen können. Die Folgen sind verheerend, alle Arbeitsplätze gehen verloren und die Gläubiger sehen keinen einzigen Euro.“
Beim Thema Bonität bläst der Wirtschaft rauer Wind entgegen
Praktisch ein Dauerthema im Kontext mit den stark steigenden Wirtschaftspleiten ist die Inflation. Seit Dezember 2024 weiter deutlich gestiegen, hat sie die Kaufkraft in Österreich auch im Jahr 2025 massiv belastet. Darunter leidet nicht nur die Geschäftslage der Betriebe, sondern auch deren Umsatzentwicklung.
Ausgehend von einem recht niedrigen Niveau sprechen im Rahmen einer KSV1870 Umfrage zwei Drittel der Betriebe von rückläufigen oder stagnierenden Umsätzen im Jahresvergleich. In Verbindung mit einem hohen Kostenniveau und einer schwachen Kaufkraft manifestiert sich diese Negativentwicklung immer häufiger auch im Bereich der Bonitätsbewertung.
87 Prozent der Österreichischen Betriebe mit höherem Ausfallrisiko
Während im Jahr 2019 rund 15 Prozent aller damals aktiven Unternehmen in den beiden besten Ratingklassen vertreten waren, sind es heute nur mehr 12,6 Prozent. In weiterer Folge zeigt sich eine Verschiebung hin zu jenen Klassen mit einem höheren Ausfallrisiko. Aktuell befinden sich hier 87 Prozent aller Betriebe (84 Prozent 2019).
„Immer mehr Unternehmen gleiten aufgrund der stagnierenden Wirtschaftslage in Richtung Mittelmaß ab, wodurch auch deren Ausfallrisiko steigt“, erläutert Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding. „Aber, die Mehrheit der Betriebe steht trotz aller Widrigkeiten noch auf soliden Beinen“, so Vybiral. Die kontinuierliche Verbesserung der Eigenkapitalquoten in der jüngeren Vergangenheit belege dies.
Handel, Bau sowie Gastronomie und Beherbergung als Insolvenztreiber
Gestimmt haben die Prognosen des KSV1870 auch in Betrachtung der einzelnen Branchen. Die meisten Insolvenzen im Jahre 2025 verzeichnet der Handel, wo 1.208 Fälle plus vier Prozent ergeben. Hinter dem Handel folgt die Bauwirtschaft mit 1.089 Fällen und einem Anstieg von zwei Prozent. Auf Position drei befindet sich trotz eines knappen Minus von einem Prozent die Branchen Gastronomie und Beherbergung mit 807 Fällen.
Ergänzend sei an dieser Stelle das Grundstücks- und Wohnungswesen (458 Fälle) erwähnt, dass einen deutlichen Anstieg von 38 Prozent ausweist. Anhaltende Probleme der Bauwirtschaft wie schwache Auftragslagen, hohes Kostenniveau und fehlendes Personal reflektieren auf den gesamten Immobiliensektor. In diesem Segment lösen Insolvenzen dann oft Folgeinsolvenzen aus, was in der Konstellation mit Projektgesellschaften begründet liegt.
Weniger große Pleiten mit mehr als 200 Mio. Euro Passiva
Deutlich gesunken sind, und das trotz mehr Unternehmensinsolvenzen, sind die vorläufigen Passiva. Der KSV1870 errechnet hier 56 Prozent bzw. rund 8,4 Mrd. Euro. Ausschlaggebender Faktor dafür ist die deutlich niedrigere Zahl an Firmenpleiten mit Passiva von jeweils mehr als 200 Mio. Euro. 2024 gab es elf derartige Fälle, 2025 nur vier.
Die bis dato größte Insolvenz nach Passiva betrifft jene der SIGNA Prime Capital Invest GmbH mit einem Volumen von 870 Mio. Euro. Zudem fällt auf, dass rund die Hälfte aller Großinsolvenzen (Anm. Passiva über 10 Mio. Euro) einen direkten Bezug zu Immobilienbranche bzw. Bau‑, Grundstücks- und Wohnungswesen aufweist.
Negativtrend soll sich auch heuer fortsetzen
Wie sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im nächsten Jahr entwickeln wird, hängt nicht zuletzt von Faktoren wie der Inflations- und Kostenentwicklung ab. Zwar erwartet die Wirtschaftsforschung eine eher abschwächende Inflation und einen moderaten BIP-Zuwachs, doch wie sehr diese Faktoren tatsächlich zu einer kurz- bis mittelfristigen finanziellen Entlastung der Unternehmen führen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.
Damit sich die aktuelle Insolvenzdynamik beruhigt, bräuchte es deutlich verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Aus heutiger Sicht rechnet der KSV1870 mit einem ähnlichen Insolvenzniveau wie 2025. Neben den bereits erwähnten Faktoren könnte eine gesetzliche Anpassung im Rahmen des Gesetzespakets zur Betrugsbekämpfung 2025 wesentlichen Einfluss auf die Insolvenzentwicklung nehmen.
Ein überaus problematisches Gesetz
Im Kern würde mit dieser Novellierung ein massiver Eingriff in den seit mehr als 40 Jahre geltenden Gleichbehandlungsgrundsatz erfolgen und der Klassenkonkurs de facto wieder eingeführt werden. Hintergrund ist, dass geleistete Sozialversicherungsbeiträge sowie Abzugssteuern, wie die Lohn- und Umsatzsteuer, von der Anfechtung durch den Insolvenzverwalter ausgenommen werden würden.
Der KSV1870 hat hier bereits in einem offenen Brief an die Österreichische Bundesregierung seine massive Kritik geäußert (economy berichtete). „Rein bei den Quoten ist bei Umsetzung davon auszugehen, dass es zu weniger Gläubiger- und späteren Schuldneranträgen kommen könnten und eben die Quoten für Gläubiger geringer ausfallen“, so die Einschätzungen der Wirtschaftsexperten vom Kreditschutzverband KSV1870. (red/czaak)
„Wir liegen da zwischen Nigeria und der Mongolei“

Wirtschaft und Konjunktur in Österreich befinden sich weiter in angespannter Lage. In einem aktuellen Ranking der Standorte verschlechtert sich das Land. Ökonomen der Agenda-Austria nennen Gründe und Lösungen.
Österreichs Wirtschaft befindet sich (weiter) im Sinkflug : Im aktuellen Wettbewerbsranking der Länder-Standorte des renommierten Schweizer IMD-Instituts ist Österreich auf Platz 26 (von 69) abgerutscht. Die Arbeitslosigkeit hat die Schwelle von 400.000 überschritten, ein großer Teil der Unternehmen schreibt nach exorbitanten Kostensteigerungen bei Energie, Abgaben und Löhnen Verluste. Investitionen bleiben aus oder finden nur noch jenseits der Staatsgrenzen statt.
Schumpeters Akt der schöpferischen Zerstörung
Eine Besserung der aktuell problematischen Situation ist immer noch nicht in Sicht. Österreich stehen Jahre der ökonomischen Stagnation bevor, während Staatsschulden, Preise und Bürokratiebelastung weiter zunehmen. Warum es Österreich nicht gelingt, sein Potenzial zu heben und was sich ändern muss, haben die Agenda Austria-Ökonomen Jan Kluge und Florian Ratzinger in einer aktuellen Analyse untersucht.
Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter erkannte einst hinter der wirtschaftlichen Entwicklung den Prozess der „schöpferischen Zerstörung“: Neues entsteht hier, indem Altes verschwindet. „Österreich verhindert diesen Prozess jedoch systematisch und klammert sich am Alten beharrlich fest. So wurden Unternehmen in Krisen übermäßig gestützt und Insolvenzen künstlich niedrig gehalten“, so das Urteil der Ökonomen der Agenda Austria.
Eine Strategie für den gesamten Wirtschaftsstandort
Ein weiterer Befund betrifft Neugründungen, die angesichts des Arbeitskräftemangels, der hohen Abgabenbelastung und des drohenden Bürokratieinfarkts unattraktiv blieben. Im Ergebnis zeigt sich hier die geringste Unternehmensfluktuation in der gesamten EU. „Jetzt fällt uns unsere Mentalität auf die Füße. Das IMD-Institut führt Österreich bei „Attitudes & Values“ auf einem haarsträubenden 53. Platz, zwischen Nigeria und der Mongolei“, so ein weiterer Befund aus dem IMD-Ranking.
Um Österreich wirtschaftlich auf die Überholspur zu bringen, braucht es nicht nur die von der Regierung angekündigte Industriestrategie. Es braucht eine Strategie für den gesamten Wirtschaftsstandort, für alle Unternehmen, ob groß oder klein. Die Ökonomen der Agenda Austria definieren vier Themenbereiche, in denen es rasch mehr Anstrengung zur Veränderung braucht.Stufenweise Anhebung des Pensionsantrittsalters und deutlicher Abbau von Förderungen
Als Erstes die Staatsfinanzen, wo Österreich an Attraktivität verliert für Investoren, weil hohe Defizite, steigende Staatsausgaben und fehlende Einsparungen das Vertrauen in die Politik untergraben. Jeder Investor wisse : Das Defizit von heute ist die Steuererhöhung von morgen. Um die Lage zu stabilisieren, braucht es eine staatliche Ausgabenbremse nach dem Vorbild der Schweiz, eine stufenweise Anhebung des Pensionsantrittsalters sowie einen deutlichen Abbau von Förderungen. So entsteht eine realistische Perspektive auf niedrigere Steuern, damit sich Arbeit und Investitionen wieder lohnen.
Der zweite Ansatz betrifft das oft genannte Thema Bürokratieabbau. Österreich ersticke im Regeldickicht. Genehmigungen dauern im internationalen Vergleich extrem lange, weil sich neun Bauordnungen, komplexe Verfahren und ein wachsender Verwaltungsapparat gegenseitig blockieren. Es muss ein echter Schnitt durch überflüssige Vorschriften gehen. Sepp Schellhorn von den NEOs und Mitglied in der Bundesregierung ist hierfür zuständig und hat nach einer umfassenden Erhebung quer durch das Land nun kürzlich ein erstes Maßnahmenpaket präsentiert, weitere sollen folgen.Lösungsvorschlag beim Thema Bürokratieabbau
Als Lösungsansatz brauche es One-Stop-Shops für Genehmigungsverfahren, erleichterte Rahmenbedingungen für Start-Ups und ein in der Verfassung verankertes Verbot unnötiger Verschärfungen bei EU-Regeln (Anm. „Goldplating“). Ganz wichtig ist hier auch ein spürbarer Personalabbau in der Verwaltung. „Ohne ein Zurückfahren der Verwaltungskapazitäten gibt es keine dauerhaften Fortschritte bei der Entbürokratisierung“, so die Experten der Agenda-Austria.
Dritter Bereich ist der Arbeitsmarkt. Unternehmen finden selbst mitten in der Rezession kaum noch Mitarbeiter. Die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit sinkt, hohe Arbeitskosten belasten den Standort zusätzlich. Um die Engpässe zu lösen, brauche es ein Steuersystem, das Mehrarbeit belohnt. Als Beispiel wird die zweistufige Flat-Tax wie in Polen genannt. Aber auch sanfter Druck, wie zum Beispiel ein degressives Arbeitslosengeld, könnte helfen. Ebenso genannt als Beispiel wird Schweden, wo sich die Lohnverhandlungen an der Exportwirtschaft orientieren.Klarer Fokus auf Produktivitätssteigerungen durch Digitalisierung und Automatisierung
Zusätzlich wichtig im Kontext mit dem Thema Arbeitsmarkt wäre ein klarer Fokus auf Produktivitätssteigerungen durch Digitalisierung und Automatisierung. Denn wenn die Arbeitskosten für die Unternehmen immer stärker steigen, dann sendet der Markt ein klares Signal, dass weniger arbeitsintensiv produziert werden muss. „Diesem Trend können wir uns nicht entziehen“, unterstreichen die Ökonomen der Agenda-Austria.
Als vierter Ansatzpunkt dann das besonders wichtige Thema Energie. Trotz starker Wasserkraft gibt es in Österreich im internationalen Vergleich sehr hohe Industriestrompreise. Österreich liegt zwar mitten im europäischen Strommarkt, doch verkrustete Eigentümerstrukturen, hohe Netzkosten und zahlreiche Steuern und Abgaben sind für die hohen Energiekosten mitverantwortlich.Es braucht endlich echten Wettbewerb im Energiesektor
Als mögliche Lösungsvariante und damit hier auch endlich mehr Wettbewerb entsteht, wird die Privatisierung der staatlichen Energieversorger genannt. Auch die Aufweichung der staatlich garantierten Eigenkapitalrenditen für Netzbetreiber sowie die Streichung unnötiger Abgaben würden dafür sorgen, dass Energie für Unternehmen und Haushalte wieder leistbarer wird. „Atomkraft im Tullnerfeld und Fracking im Weinviertel haben wir ja leider schon vor langer Zeit auf dem Altar des Status quo geopfert“, meinen die Agenda-Austria Ökonomen.
Ihr abschließender Befund lautet : „Wenn wir uns weiter mit Subventionen, Kurzarbeit und Regulierung gegen die schöpferische Zerstörung stemmen wollen, dann kann das nur nach hinten losgehen“. Und : „Die Griechen haben es bewiesen. Gerade ein kleines Land ohne eigene Währung, wie Österreich, macht sich verwundbar, wenn es dringende Reformen verschläft“, ergänzen Jan Kluge und Florian Ratzinger von der Agenda-Austria. „Der Zeitpunkt zum Handeln ist spätestens jetzt“. (red/czaak)Ich will diese EU nicht mehr

Friedenspolitisches Versagen, Wirtschaftspolitisches Versagen, Demokratiepolitisches Versagen, Rechtsstaatliches Versagen. Die EU verkommt zum existenzgefährdenden Armutszeugnis. Eine Abrechnung zu aktuellen Entwicklungen am alten Kontinent von Christian Czaak.
Einmal vorweg : Ich bin kein „Rechter“. Ich bin kein „Linker“. Der folgende Text hat keine ideologischen oder parteipolitischen Hinter- oder Beweggründe, er spiegelt rein meine Sichtweise als existenziell verantwortlicher Familienvater und Kleinunternehmer im EU-Land Österreich.
Vor rund fünf Jahren noch begeisterter Europäer, hat sich meine Wertschätzung für das Projekt Europäische Union (EU) mittlerweile massiv eingetrübt und zuletzt ist nur mehr Verachtung übergeblieben. Als alleinerhaltender Vater zweier noch in Ausbildung befindlicher Teenis und als Kleinunternehmer ist Beziehung und Sichtweisen zu europäischen wie national-österreichischen Rahmenbedingungen entsprechend mehrschichtig.
Ukraine-Krieg noch in Verantwortung von US-Präsident Joe Biden
Final zeigen sich jetzt aber schön langsam existentielle Gefährdungen und die dafür verantwortlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen haben primär einmal mit der EU zu tun. Als erster Punkt das friedenspolitische Versagen im Kontext mit dem Ukraine-Krieg. Dieser Krieg ist noch der US-Administration unter bzw. eigentlich direkt dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden zu „verdanken“.
Hintergrund waren schon länger überlegte Pläne die Ukraine in die NATO (North Atlantic Treaty Organisation) aufzunehmen, im Wissen, dass Wladimir Putins Russland das strikt ablehnt. Enge Berater von Joe Biden hatten diesen mehrfach vor einer NATO-Aufnahme der Ukraine gewarnt und im Falle doch eine militärische Intervention von Putin bzw. Russland vorausgesagt.
EU verbietet vergleichsweise günstige wie rückblickend auch verlässliche Energielieferungen aus Russland
Zentrale Themen bei den US-Überlegungen waren aber auch wirtschaftliche bzw. energiepolitische Fragen. Mit den vorhandenen US-Fracking-Kapazitäten gäbe es ja bitte schön eine sichere Alternative zu Europas Abhängigkeit vom russischen Gas und das fördere dann doch wirklich auch Europas geopolitische Unabhängigkeit – weil die US-Administration ist zudem ja auch noch ein wirklich verlässlicher Partner mit Handschlagqualität.
Europa sanktioniert und verbietet also die vergleichsweise günstigen und verlässlichen russischen Energielieferungen als Reaktion auf den Ukraine-Angriff, schafft aber keinen adäquaten Ersatz dafür. Die daraus resultierende Kosten-Explosion bei Energie für Unternehmen wie Privathaushalte wird dann auch zum zentralen Faktor von mehrschichtigen Kostenerhöhungen und einer entsprechend steigenden Inflation, die Unternehmen wie Private noch zusätzlich neben den immer noch spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie belastet.
Europa finanziert den Ukraine-Krieg und die USA sichern sich die Bodenschätze
Auch Österreich „nascht“ an dieser Energie-Kostenexplosion als (Mit)Eigentümer von Energie-Konzernen oder über die Konsumsteuern gerne mit und refinanziert sich so zumindest teilweise die Ausgabenbelastungen durch die Corona-Pandemie. Unvergessen hier auch die Eigengenehmigung von einzelnen Bundesländern der einen oder anderen Sonderdividende über hunderte Millionen Euro während Bürger und Unternehmen nicht mehr wissen, wie sie ihre Energiekosten bezahlen sollen.
Seit Februar 2022, seit also nunmehr vier Jahren läuft der Ukraine-Krieg. In dieser gesamten Zeit gab es seitens der EU nicht einmal den ernsthaften Versuch einer Friedensbemühung mit Wladimir Putin. Anstatt wurde die Ukraine in einer Art US-Stellvertreter-Krieg bis dato mit fast 190 Milliarden Euro unterstützt. Davon betreffen neben Wirtschaftshilfen (rund 100) und Flüchtlingsunterstützung (17) rund 70 Milliarden Euro militärische Unterstützung und die wird primär von den USA eingekauft. Wirtschaftlich wichtige Bodenschätzte sichern sich aber die USA, die gleichzeitig ihre finanziellen und militärischen Ukraine-Hilfen massiv zurückfahren.
In Ukraine über 1.300 sogenannte „High-Level-Korruptionsverfahren“ anhängig
Jetzt folgen von der EU nochmal 90, neunzig Milliarden Euro. 90 Milliarden Euro in Zeiten, wo nahezu jeder europäische Staat budgetär und wirtschaftlich am sprichwörtlichen Boden liegt. Geht’s noch, werte EU?! GEHT‘S NOCH??!! Was mit diesen Geldern neben Waffen oder humanitärer Unterstützungen passiert oder was genau unter Wirtschaftshilfen zu verstehen ist, erfährt der vielseitig mitfinanzierende Steuerzahler nicht. Außer, wenn hie und da der nächste Korruptionsskandal in der Ukraine nach außen dringt. Korruptionsjäger wie SAPO, ANTAC oder NABU berichten dann von Fällen zwischen „ein paar Millionen“ und 100 Millionen Euro (Energoatom/“Mindichgate“).
In Summe sind in der Ukraine über 1.300 (!) sogenannte „High-Level-Korruptionsverfahren“ anhängig. Der letzte große Fall poppte direkt im Umfeld des Ukraine-Präsidenten auf, der zuvor die Korruptionsbehörden (und das Verfassungsgericht) einschränken wollte. In Umfragen von großen deutschen Medien wie etwa Der Spiegel oder Focus fordern mittlerweile fast siebzig Prozent (!) der Deutschen einen Stopp der EU-Hilfen oder strengere, unabhängige Kontrollen was mit den EU-Geldern passiert.
Ein gefährlicher und so vielseitig belastender US-Stellvertreter-Krieg
Ob die Lenker:innen der vielen seit Kriegsbeginn täglich durch die Wiener City fahrenden — neuen — Luxus-Autos mit Ukraine-Kennzeichen wie vorzugsweise Porsche Cayenne (Neupreis : 190.000 Euro), Mercedes AMG 63s (260.000), Bentley Bentayaga (330.000) oder der ebenso selbst gesehene Maybach Landaulet (750.000 Euro ) einen Teil der EU-Gelder bei uns anlegen oder einfach nur außer Landes in Sicherheit bringen, muss eine Mutmaßung bleiben.
Ich wollte und will diesen gefährlichen und so vielseitig belastenden US-Stellvertreter-Krieg nicht ! Aus meiner Sicht hatte die EU auch nie die Legitimation diesen Krieg zu führen oder zu unterstützen. „Die EU zieht Europa ohne Zustimmung in den Krieg“, meinte kürzlich auch der Slowakische Premierminister Robert Fico, ein Sozialdemokrat übrigens. Fico weiter : „In der EU darf man keine andere Meinung haben, wenn man sagt kein Geld für Waffen, dann wird man sofort als schlecht abgestempelt“.
„Die gesamte Handhabung des Ukraine-Krieges hat nichts mehr mit Demokratie zu tun“
Der Sozialdemokrat Fico stellte auch das EU-Verbot für russische Gas-Importe in Frage und kritisierte offen die Doppelmoral der EU-Politik in Sachen Energie : „Die Slowakei darf kein russisches Gas kaufen, während Russland weiterhin einer der größten Gas-Lieferanten für Länder wie Frankreich ist“. Sein finales Urteil : „Die gesamte Handhabung des Ukraine-Krieges hat nichts mehr mit Demokratie zu tun, abweichende Meinungen werden unterdrückt und alternative Ansichten als Verrat behandelt.“ Das politische System der EU sei „zutiefst dysfunktional“.
Dieses friedenspolitische und teilweise auch demokratiepolitische Versagen beeinflusst über die Themen Energie und Stimmung bzw. Unsicherheit in Unternehmen und Bevölkerung dann direkt die wirtschaftliche Entwicklung von EU und Österreich. Die massive Verteuerung von Energie mit den damit verbundenen Kostenbelastungen der Unternehmen löst quer durch alle Branchen teilweise massive Preiserhöhungen aus und treibt entsprechend auch die Inflation. Und das treibt wiederum die Lohnerhöhungen und verbundene Steuern als weitere betriebliche Kostenbelastung – und mündet dann spiraldynamisch in weitere Preis- und Inflationserhöhungen.
Europaweite Zunahme der Unternehmens-Insolvenzen in Verbindung mit Energiekosten
Die hier in den Jahren 2023 und 2024 beim Thema Lohnerhöhungen von den Gewerkschaften argumentierte Förderung von Kaufkraft und Inlandskonsum ist übrigens nicht eingetreten. Der Ukraine-Krieg drückt auf die Stimmung der Österreicher:innen und diese benötigen die Lohnerhöhungen selbst für die hohen Kosten insbesondere von Energie und Lebensmittel oder sie sparen das Geld lieber. Siehe dazu aktuelle Erhebungen etwa von der Österreichischen Nationalbank (economy berichtete).
Weiters sind die Energiekosten auch ein wirtschaftspolitischer Faktor für die hohe Steigerung der Unternehmens-Insolvenzen und damit zumindest teilweise verbunden auch für die Steigerung der Arbeitslosenzahlen. Aktuelle Studien belegen, dass 40 Prozent der österreichischen Betriebe die Energiekosten als existenzielle Bedrohung sehen. Auch in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Holland oder Irland gibt es historische Rekordwerte bei den Unternehmens-Insolvenzen und auch hier spielen die Energiekosten eine dominante Rolle.
Wo sind vergleichbare Milliarden-Beträge für europäische Wirtschaftsprogramme ?!
Warum es vor diesem Hintergrund keine vergleichbaren Milliarden-Beträge für Wirtschaftsprogramme europäischer Unternehmen oder zum Aufbau einer eigenen Energie-Infrastruktur gibt und dafür dutzende Euro-Milliarden weiter in die Ukraine fließen ist mit Ausnahme von Unterstützungen für die direkt im Kriegsgebiet befindliche Ukrainische Bevölkerung völlig unverständlich und inakzeptabel. An die Österreichische Bundesregierung mit der Bitte um Weiterleitung : Ich will das nicht mehr !
Nächster Punkt in der eingangs angeführten Versagens-Liste der EU im wirtschaftspolitischen Bereich ist die technologische Abhängigkeit von einer Handvoll US-Konzernen. Wie hier vor ein paar Tagen im Text „Europa hängt an der US-Nadel“ umfassend erläutert, gibt es ein US-Monopol auf nahezu die komplette technische Infrastruktur und Kommunikation von Unternehmen sowie parallel das gleiche US-Monopol auf die private technische Infrastruktur und Kommunikation sämtlicher EU-Bürger und damit auch der Österreicher.
Die enorme US-Abhängigkeit bei technologischen Produkten
Als ob das nicht schon allein besorgniserregend genug ist, kann die US-Administration über bereits seit 2018 bestehende gesetzliche Regularien (US-Cloud-Act) über diese IT-Dienste und sämtliche damit verbundenen Daten bestimmen – und sie etwa auch einfach einsehen oder ganz abdrehen wie im Fall des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag/NL/Europa. Beim Thema KI droht nun die nächste europäische Abhängigkeit von den USA. Hier will, will die EU nun mehrere europäische KI-Factories schaffen. Aktuell können sich europäische Staaten mit Standorten dafür bewerben.
Lächerlich, weil bis der Zuschlag erfolgt und so eine Factory dann steht und voll in Funktion ist, vergehen von jetzt weg mindestens vier bis fünf Jahre. Und dann sind die US-KI-Companies schon wieder uneinholbar weit vorne. Auch dieses Beispiel zeigt, dass seitens der EU immer nur reagiert und nie proaktiv agiert wird. Gegen die technologische Abhängigkeit bei den betrieblichen IT-Diensten und Kommunikation gäbe es genug europäische Alternativen, die EU könnte leicht einen länderübergreifenden Schulterschluss unterstützen. Das Beispiel Airbus zeigt, das so etwas erfolgreich sein kann.
Die monopolartige Dominanz einer Handvoll US-Companies
Die Abhängigkeit bei den technologischen Produkten und Diensten hat mittlerweile aber auch enorme gesellschafts- und vor allem demokratiepolitische Auswirkungen. Die monopolartige Dominanz von US-Companies wie Google oder Meta (Facebook und Instagram) bzw. Apple und wieder Google bei den App-Stores hatte und hat eine massive Veränderung bei den werblichen Auftritten von Unternehmen sowie Institutionen und Behörden zur Folge.
Über die gesamte EU verteilt gehen von den Werbebudgets mittlerweile zwei Drittel in Digital-Werbeformate von US-Konzenen – und nur mehr ein Drittel in die klassische Werbung nationaler Medien. In Deutschland sollen es aktuell bereits 50 Prozent sein, die an Google, Meta & Co. gehen. Im Bereich der mobilen App-Werbung sind es aktuell fast 90 Prozent (!). Zusammen machen allein die digitalen US-Imperialisten Google und Meta rd. 140 Milliarden Euro Umsatz in Europa, für ALLE europäischen Medienhäuser werden 123 Milliarden Euro ausgewiesen (2024).
Telematische Maschinerien als Störelement gegen eigenständiges Denken und Lernen
Das bisherige Geschäftsmodell von klassischen Medien wie Zeitungen und Magazinen oder TV und Radio erodiert immer schneller. Diese klassischen Medien sind aber gemeinsam mit Büchern eine tragende Säule einer Demokratie. Unabhängige Information, Diskurs, Kontrolle und Bildung sind ihre zentralen Funktionen bzw. Aufgaben. Das adressiert Menschen jeden Alters und insbesondere die Jugend. Hier gibt es dann auch einen sozial- wie gesundheitspolitischen Aspekt. China-Apps wie TikTok haben hohes Suchtpotential und das könnte sogar beabsichtigt sein. Ebenso, dass es bei allen Social-Media Apps keine Einsicht in die zugrunde liegenden Algorithmen gibt.
Im Kontext mit dem Verbot von „Social Media“ in Australien für unter 16-jährige und dem „Smart-Phone-Verbot“ an Österreichs Schulen schreibt der renommierte Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk in einem klasse Kommentar im Standard : „Ganz offenkundig sind telematische Maschinerien auch ein Störelement, das eigenständiges Denken, Konzentration und Lernen behindert“. Und : „Es macht einen Unterschied, ob ich Passagen aus digitalen Apps kopiere oder ob ich imstande bin, durch intensive Lektüre Verständnis und Sprache für jene Welt zu entwickeln, in der ich lebe“. Vollinhaltliche Zustimmung auch als Vater zweier schulpflichtiger Teenis.
Final geht es um die Demokratie und die Bildung der nächsten Generationen
Final geht es also um die Demokratie und um die Bildung insbesondere der nächsten Generationen werte EU. So nebenbei geht es auch um rund acht Millionen Arbeitsplätze in der europäischen Medien- und Kreativwirtschaft, davon rund 900.000 Journalist:innen (rund 6.000 in Österreich). Die ersten Internet-Medien in Europa starteten 1995, etwa der von mir damals mitgegründete und kommerziell verantwortete derStandard.at. Google gibt es in Europa seit 2001, Facebook seit 2008.
Spätestens ab 2008 beginnen dann umfangreiche Umverteilungen (Rubrikgeschäft, Kleinanzeigen) in Richtung der US-Digitalmedien. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass viele europäische und österreichische Medienhäuser nicht nur „geschlafen“ haben, sondern den US-Digitalisten bereitwillig eine Plattform in den eigenen Medien boten. Eine Ausnahme war und ist hier der Deutsche Axel Springer Verlag mit seinem Boss Matthias Döpfner, der früh und nachhaltig erfolgreich neue Internet-Geschäftsmodelle erschloss.
Keine unternehmerische Antwort und keine wirtschaftspolitische Antwort
Seit bald 20 Jahren also „schießen“ die digitalen US-Imperialisten Europas Medien sturmreif, um im aktuellen Kriegs-Jargon zu bleiben. Es gab und gibt aus Europa keine unternehmerische Antwort in Richtung einer adäquaten Suchmaschine oder einer adäquaten Social Media Plattform. Es gibt auch seitens der EU keine Initiative in diese Richtung, obwohl es schon seit Jahren dringenden wirtschafts- und gesellschafts- und demokratiepolitischen Handlungsbedarf gibt.
Was es gibt, sind gesetzliche Regularien Europas wie DSGVO oder Digital Service Act — und laufende Verstöße dagegen seitens der Amerikaner. Damit sind wir beim letzten Fehlverhalten der EU — und gemeinsam mit den weiteren 90 Milliarden an EU-Unterstützung für die Ukraine beim finalen Auslöser für diesen Kommentar : Rechtsstaatliches Versagen und die Causa Armin Wolf. Armin Wolf ist zwar ein bekannter Journalist und Anchor der Nachrichtensendung ZIB2 beim ORF, in diesem Fall aber Privatperson, ein normaler Bürger des Staates und EU-Mitgliedslandes Österreich.
Ein Bürger und eine rechtsstattliche Institution laufen gegen die Wand
Ein auf der Plattform X (ehem. Twitter) anonym auftretender Nutzer (Pseudonym Edwin Raithoffer) veröffentlichte mehrere Jahre (!) lang persönlich beleidigende, verleumderische und rufschädigende Beiträge gegen Armin Wolf. Wolf meldete diese Beiträge mehrmals an X, wo die Postings aber trotz wiederholter Beschwerden nicht gelöscht werden.
Auch die Identität des anonymen Nutzers wird nicht herausgegeben, um rechtliche Schritte gegen diesen einzuleiten. Das ändert sich auch nicht nach entsprechenden Anträgen des Straflandesgerichts Wien. Die mit der Europaniederlassung in Irland ansässige Plattform X verweist lediglich darauf, dass innerhalb der EU keine Nutzerdaten gespeichert werden — und auf bereits gescheiterte Rechtshilfeverfahren in Irland wie in den USA.
Strafrechtlich relevante Behinderung eines Straftäters und die geballte Macht der US-Konzerne
Da die Verfolgung des anonymen Trolls somit nicht möglich war, hat Armin Wolf nun mit seiner kundigen Anwältin Maria Windhager die Plattform X bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdacht auf „Begünstigung“ angezeigt. Der strafrechtliche Vorwurf (§ 299 StGB) ist, dass X durch sein Verhalten (Nicht-Löschung und ‑Datenherausgabe) die Strafverfolgung eines möglichen Straftäters behindert – und ihn damit indirekt schützt.
Im EU-Land Irland hat nicht nur X seinen Europasitz, sondern auch so gut wie alle anderen großen US-Digital- und IT-Konzerne : von Airbnb, Amazon/Amazon Web Services, Apple, Cisco und ebay über Google, IBM, LinkedIn, Meta, Microsoft und Netflix bis hin zu Oracle, PayPal, Salesforce und Zoom. Eine derartige Marktmacht bringt sicher gewisse Vorteile, etwa bei günstigeren Steuern (aktuell offiziell 12,5 Prozent Körperschaftssteuer, nach jahrelangen Vorwürfen von noch günstigeren Steuerdeals) – und allem Anschein nach auch Vorteile bei Rechtssachen.
Diese EU hat absolut dringenden Handlungsbedarf
Laut EU-Ombudsstelle hat Irland hat über seine Datenschutzbehörde DPC eine „special role“ bei grenzüberschreitenden DGSVO-Verfahren. Als praktische Folge laufen viele der großen DSGVO-Verfahren gegen US-Plattformen prozessual über Irlands DPC — mit Abstimmung im EU-Kreis der Behörden und ggf. Streitbeilegung auf Ebene des EDPB (European Data Protection Board). Final bleibt über, dass ein Bürger und eine rechtsstaatliche Institution eines EU-Mitgliedslandes gesetzlich verbrieftes nationales wie EU-Recht nicht durchsetzen kann – oder besser vielleicht, darf.
Von hinten nach vorne nun : Rechtsstaatliches Versagen, demokratiepolitisches Versagen, wirtschaftspolitisches Versagen – und als Spange insbesondere das friedenspolitische Versagen. Diese EU hat dringenden Handlungsbedarf und damit haben auch ihre Mitgliedsstaaten dringenden Handlungsbedarf. Und abschließend auch nochmal : das ist keine „rechte“, „linke“, parteipolitische oder sonstige ideologische Sichtweise, sondern die eines existenziell verantwortlichen Familienvaters und Kleinunternehmers im EU-Land Österreich. (Christian Czaak)
Verhaltener Optimismus als Jahresbilanz

Hälfte der mittelständischen Unternehmen ist mit eigener Geschäftslage zufrieden. Investitionsbereitschaft steigt zumindest verhalten. Probleme sind US-Wirtschaftspolitik, Fachkräftemangel und Bürokratie. Negative Bewertung für Standortpolitik der Bundesregierung.
Österreichs Unternehmen standen auch 2025 vor zahlreichen Herausforderungen, national sind das insbesondere eine anhaltend zaghafte Konjunktur und eine schwache Gesamtwirtschaftsleistung. Bei den mittelständischen Betrieben macht sich aber trotzdem verhaltener Optimismus breit.
Im Vergleich zum Vorjahr bewerten achtzig Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage positiver und erwarten hier zukünftig noch eine weitere Verbesserung. Die Hälfte der Betriebe ist sogar uneingeschränkt zufrieden, eine Steigerung von knapp über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Unterschiedliche Sichtweisen in den einzelnen Branchen
Die Einschätzung dieser aktuellen Geschäftslagen variiert jedoch stark nach Branche : Während im Bereich Gesundheit/Life Science 80 Prozent der befragten Unternehmen eine uneingeschränkt gute Bewertung abgeben, liegt dieser Anteil bei Industrieunternehmen bei lediglich 40 Prozent.Auch Finanz- und andere Dienstleister und der Bereich Handel und Konsumgüter bewerten die eigene Geschäftslage unterdurchschnittlich häufig als gut. Größere Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro schätzen ihre aktuelle Geschäftslage deutlich häufiger als gut ein als kleinere Unternehmen mit Jahresumsätzen von weniger als zehn Millionen Euro.
Der Blick in die Kristallkugel
Der Blick in die Zukunft ist ebenfalls positiv : 30 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der eigenen Geschäftslage, nur neun Prozent mit einer Eintrübung (2024 noch 19 Prozent). Besonders optimistisch ist weiterhin die Tourismusbranche mit 49 Prozent, das sind nahezu doppelt so viele wie im Vorjahr (27).
Ein negatives Bild zeigt der Bereich Transport, Verkehr und Energie, wo 16 Prozent mit einer Verschlechterung der eigenen Geschäftslage rechnen. Über alle Sparten hinweg bleibt Luft nach oben : Der Anteil der Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage positiv bewerten, liegt weiter deutlich unter dem Durchschnitt.Umfassende Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY
Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im August und September 2025 über 500 Verantwortliche von mittelständischen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen in Österreich befragt wurden. Das EY Mittelstandsbarometer erscheint seit 2008.
„Österreichs Unternehmen sind zäh, sie haben schon oft ihre Resilienz bewiesen. Die Zahl der Pessimist:innen ist leicht gesunken, eine gewisse Aufbruchsstimmung macht sich breit“, sagt Erich Lehner, Verantwortlicher für den Mittelstand bei EY Österreich. „Skepsis bleibt, äußere Faktoren wie Sorgen vor wirtschaftlichem Abschwung und hohe Energiepreise drücken auf das Geschäftsklima“, so Lehner.
Skeptische Konjunkturprognose, aber Investitionsaufschwung
Beim Thema Konjunktur haben sich die Erwartungen gegenüber dem Vorjahr kaum verändert : Zwar ist der Anteil der Konjunkturpessimisten von 39 Prozent auf aktuell 35 Prozent gesunken (niedrigster Wert seit Jänner 2022), allerdings ist auch der Anteil derer, die mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Österreich rechnen, gesunken : von 19 Prozent auf aktuell 16 Prozent.
Trotz Konjunkturbedenken planen Österreichs Mittelständler zu investieren : Gut jeder Sechste (18 Prozent) will verstärkt Investitionen tätigen, nur zehn Prozent planen weniger Investitionen. „Unterm Strich ist also damit zu rechnen, dass die Investitionen im österreichischen Mittelstand im kommenden Halbjahr eher steigen werden, wenn auch verhalten“, erläutert Erich Lehner von EY.Die Bewertung der heimischen Standortpolitik
„Investitionen in Ausrüstung, Maschinen oder Bauten sind ohne Frage wichtig, doch die menschliche Komponente darf nicht vergessen werden. Der Fachkräftemangel ist seit Jahren die größte Wachstumsbremse für den heimischen Mittelstand“, ergänzt Lehner.
Im Kontext mit der nationalen Standortpolitik gibt es nur von 13 Prozent der Mittelständler eine positive Bewertung, ein gutes Drittel stellt hingegen ein negatives Zeugnis aus. In allen Bundesländern überwiegen die negativen gegenüber den positiven Bewertungen, einzig der Sektor Soziales, Wissenschaft und Bildung steht der aktuellen Standortpolitik ausgeglichen gegenüber (ex aequo 20 Prozent positiv/negativ).
Weniger Bürokratie, Senkung von Lohnnebenkosten und mehr Fachkräfte
Eine besondere Belastung geht von der Bürokratie aus, weiterhin sehen sich 52 Prozent der befragten Unternehmen eingeschränkt. Am höchsten ist der Anteil der Unternehmen mit 30 Prozent im Bereich Transport, Verkehr, Energie, gefolgt von der Industrie (26) und dem Tourismus (25). Größere Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro fühlen sich häufiger sehr stark belastet als kleinere Unternehmen.
„Die Wünsche an die Politik formulieren die Mittelständler klar : Senkung von Lohnnebenkosten, Verbesserung der Verfügbarkeit von Fachkräften und Reduktion der Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen. Hier gilt es, realistische Kompromisse zu finden – vor allem, weil Politik und Wirtschaft idealerweise an einem Strang ziehen“, unterstreicht Lehner.
Die internationale Wirtschaftspolitik und die Geschäftslage in den Bundesländern
Die aktuelle Wirtschaftspolitik in den USA schlägt sich auch hierzulande nieder. Auch wenn vier von fünf Mittelständlern keine Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftspolitik in den USA auf den eigenen Betrieb bemerken, spüren 14 Prozent negative Effekte und lediglich drei Prozent positive. Am höchsten ist der belastete Anteil unter größeren Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro.
Die aktuelle Geschäftslage wird in Tirol von sechs von zehn Unternehmen als gut eingeschätzt, gefolgt von Wien und Niederösterreich mit fünf von zehn. Salzburg ist vom zweiten Platz auf Platz 4 abgerutscht. Das Schlusslicht bildet 2025 das Burgenland, wo nur 41 Prozent die Geschäftslage positiv bewerten.
Der Optimismus der Wiener und der Pessimismus der Kärntner
Der Blick in die Zukunft gestaltet sich erneut bei Wiener Unternehmen am besten, sogar noch optimistischer als im Vorjahr : 40 Prozent rechnen damit, dass sich die eigene Geschäftslage verbessern wird, gefolgt von Salzburg (33) und der Steiermark (31). Das Burgenland liegt hier mit 17 Prozent ebenfalls auf dem letzten Platz.
Zu einem Wechsel auf den Stockerlplätzen ist es auch bei den Investitionsbestrebungen gekommen : Vorarlberg (25 Prozent) sowie Tirol (22) und Salzburg (20) planen die stärksten Investitionen. Im Vorjahr führte Wien (16) das Ranking an. In Kärnten schaut es hier alles andere als rosig aus, hier ist es geplant, mehr Investitionen zu reduzieren als zu steigern.
Das Thema Mitarbeiter
Während in Gesamtösterreich ein Viertel (24 Prozent) plant, die Anstellungen zu steigern, zieht Vorarlberg an allen anderen Bundesländern vorbei : Vier von zehn Mittelständler möchten ihr Team ausbauen. Kärnten und Wien teilen sich mit je 27 Prozent Platz 2.
In Vorarlberg und dem Burgenland ist das Gegenteil der Fall : Im Ländle plant ein Viertel (23 Prozent) die Beschäftigungsverhältnisse zu reduzieren und nur 15 Prozent diese zu steigern. Im Burgenland sind noch weniger Neuanstellungen geplant. (red/czaak)
4.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze und standortrelevante Unternehmen schreiben offenen Brief an Regierung

Die Chemische Industrie kämpft schon länger mit enormen Belastungen. Nun sollen weitere hinzukommen und gleichzeitig werden (nur) dieser Branche Kompensationen verwehrt. Economy hat das nachfolgende Schreiben von standort-relevanten Chemie-Unternehmen an die Bundesregierung erreicht.
Zum besseren Verständnis des offenen Briefes an die Österreichische Bundesregierung eine kurze Erläuterung der aktuellen Situation : Auf Grund der bevorstehenden Verschärfungen bei den CO2-Reduktionszielen sowie der Tatsache, dass Angaben zufolge weder ausreichend grüner Strom noch Wasserstoff zur Verfügung stehen und die chemische Industrie von der Strompreiskompensation ausgenommen ist, fordern die Unternehmen des Chemieparks Linz dringend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.
Damit soll das Überleben der chemischen Industrie gesichert werden — bei einem gleichzeitig realistischen und erfolgreichen Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft. Economy publiziert das Schreiben 1:1 im erhaltenen Wortlaut.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrte Damen und Herren der Bundesregierung, sehr geehrte Damen und Herren des Parlaments !
Der Chemiepark Linz beheimatet acht produzierende Industrieunternehmen mit über 4.000 hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese acht Unternehmen investieren jedes Jahr bis zu 200 Millionen Euro, die überwiegend österreichischen Zulieferbetrieben zugutekommen und so zusätzliche Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichern. Der Exportanteil des Chemieparks liegt deutlich über 80 Prozent und macht den Standort zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor der Region.
Der in Österreich einzigartige Unternehmensverbund ermöglicht einen außergewöhnlich effizienten Einsatz von Energie und Rohstoffen : Die Abwärme einer Anlage dient als Energiequelle für die nächste Anlage, Rohstoffe und Hilfsmedien werden standortübergreifend geteilt. Diese Synergien sichern nicht nur unsere Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Markt, sondern leisten auch einen bedeutenden Beitrag zur CO2-Reduktion, Ressourcenschonung und zum aktiven Umweltschutz.
Energiekosten 15 Prozent über Deutschland und 300 Prozent über US-Niveau
Trotz der großen Vorteile des Anlagenverbunds in Linz belasten hohe Energiepreise und Investitionskosten für klimafreundliche Technologien, sowie strenge Umweltauflagen österreichische Unternehmen so massiv, dass diese im internationalen Wettbewerb zunehmend nicht mehr konkurrenzfähig sein können. Darüber hinaus wird die Situation durch die Insolvenz des Standortunternehmens ESIM Chemicals und Produktionsschließungen der Firmen Novoflor und Solmax weiter verschlechtert.
Die bevorstehenden strikten CO2-Reduktionsziele bedrohen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Chemieparks in zweifacher Hinsicht. Einerseits verschärfen sich die Rahmenbedingungen dramatisch : Die geplante Abschaffung der kostenlosen Emissionszuteilungen bedroht die wirtschaftliche Existenz mehrerer Unternehmen und damit den gesamten kosteneffizienten, umweltschonenden Verbund. Gleichzeitig soll die chemische Industrie in Österreich keine Strompreiskompensation erhalten – bei Energiekosten, die bereits heute 15 Prozent über deutschem und 300 Prozent über US-amerikanischem Niveau liegen.
Drohende Verschärfungen und Forderungen
Andererseits fehlen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation : Weder ausreichend grüner Strom und Wasserstoff, noch ein marktfähiges Carbon-Management-System stehen zur Verfügung. Das Festhalten an den formulierten Zielen führt zwangsläufig zu einem Paradoxon : Eine CO2-Reduktion in Österreich durch Schließung des Chemieparks während die dringend benötigten Produkte künftig aus Regionen mit niedrigeren Umweltstandards importiert werden. Dem globalen Klimaziel ist damit nicht gedient, im Gegenteil : Es verschiebt das Problem nur und verschlechtert die weltweite CO2-Bilanz.
Die Unternehmen des Chemieparks Linz fordern daher dringend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, die den erfolgreichen Übergang in eine klimafreundliche Wirtschaft ermöglichen. Konkret geht es darum, die freie Zuteilung von Emissionszertifikaten und die Strompreiskompensation für die chemische Industrie zu verlängern. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um die klimafreundliche Transformation der bestehenden Industrieanlagen zu ermöglichen und den heimischen Standort zu sichern.
Aktive Gestaltung der industriellen Transformation durch realistische Teilschritte
Darüber hinaus ist die Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen notwendig. Das Projekt „HEATLink“, bei dem ungenutzte Abwärme aus Produktionsprozessen in das Linzer Fernwärmenetz eingespeist wird, ist ein gutes Beispiel für eine volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Maßnahme. Projekte dieser Art benötigen gezielte Förderinstrumente. Während Deutschland solche Vorhaben mit klarem politischen Willen und substanzieller öffentlicher Unterstützung vorantreibt, fehlt in Österreich bislang ein vergleichbares Förderinstrument.
Es ist wichtig, die Transformation der Industrie durch realistische Teilschritte aktiv zu gestalten. Viele Produktionsschritte in der chemischen Industrie lassen sich noch nicht elektrifizieren, daher braucht es Übergangsphasen, bei denen auch Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz unterstützt werden. Die Klimaziele der EU und Österreichs müssen so gestaltet werden, dass sie den spezifischen Bedürfnissen der energieintensiven und hard-to-abate Industrie gerecht werden.
Massive Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Österreich
Das Festhalten an Klimazielen ohne Berücksichtigung ihrer praktischen Umsetzbarkeit gefährdet den Wirtschaftsstandort Österreich massiv. Deutschland hat bereits erkannt, dass ambitionierte Klimaziele nur dann sinnvoll sind, wenn sie die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie nicht untergraben. Österreich sollte diesem pragmatischen Kurs folgen – denn eine Deindustrialisierung durch unrealistische EU-Klimavorgaben schadet sowohl der heimischen Wirtschaft als auch dem globalen Klimaschutz.
Neben den hohen Energiekosten ist der bürokratische Aufwand der zweite kritische Standortfaktor. Sowohl europäische Vorgaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive und die Industrial Emissions Directive, als auch deren nationale Umsetzung müssen drastisch vereinfacht werden. Unternehmen sollten ihre knappen Ressourcen für Innovationen und Verbesserungen einsetzen können – nicht für ausufernde Berichtspflichten.
Abschließend unser Appell : Verankern Sie die chemische Industrie zentral in der österreichischen Industriestrategie. Sie liefert Vorprodukte für 96 Prozent aller Erzeugnisse und ist damit systemrelevant für den gesamten Industriestandort.
Mit freundlichen Grüßen, im Namen der Unternehmen des Chemieparks Linz
LAT Nitrogen Linz GmbH / Borealis Polyolefine GmbH / Patheon Austria GmbH & Co KG / Nufarm GmbH & Co KG / Takeda Austria / ESIM Chemicals GmbH / Aurorium Austria GmbH / Corza Medical GmbH.
Gefangen in Rezession und Inflation

Auch in Österreich werden Befindlichkeiten von Unternehmen erhoben und die sind derzeit überaus schlecht. Das aktuelle Geschäftsklima-Barometer von Creditreform belegt bei vielen Betrieben einen Personalabbau, einen historischen Tiefststand bei Investitionen und weiterhin Pessimismus bei der Umsatzentwicklung.
Die wirtschaftliche Situation im österreichischen Mittelstand bleibt weiterhin angespannt. Auch nach zwei Jahren Rezession bleibt die Erholung aus, Aufträge und damit Umsätze sinken weiter und vielerorts wird Personal abgebaut. Die Mehrheit der Unternehmen bleibt hier auch für die Zukunft pessimistisch.
40 Prozent der Betriebe berichten von Auftragsrückgängen
Diese Ergebnisse zeigt eine aktuelle Creditreform-Studie unter laut Angaben 1.400 Unternehmen. „In allen Wirtschaftssektoren überwiegt eine skeptische Grundhaltung. Eine schnelle Konjunkturerholung ist nicht zu erwarten“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform. „Der Mittelstand steckt weiterhin in der Rezession fest.“
In Betrachtung einzelner wichtiger Punkte berichten fast 40 Prozent der Betriebe von Rückgängen bei Aufträgen und nur rund 13 Prozent von einem Auftragsplus. Negativ ist auch die Bilanz bei den Umsätzen : rund ein Drittel der Betriebe (34 Prozent) verzeichnen Umsatzeinbußen, lediglich 16 Prozent ein Plus. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Entwicklung leicht verbessert, unterm Strich überwiegt aber weiter das Minus.
Personalabbau und reduzierte Investitionen durch hohe Energiepreise
„Von einer Erholung kann keine Rede sein – der Mittelstand steckt weiter fest. Auch erste Stabilisierungstendenzen reichen nicht, um den Trend zu drehen“, so Gerhard Weinhofer. „Die Unternehmen belastet insbesondere die hohen Energiepreise“. Schlecht sind auch die Erwartungen an die Zukunft : Für das kommende halbe Jahr erwarten lediglich 12 Prozent der Befragten ein Umsatzplus (Vorjahr : 14) und 28 Prozent Rückgänge.
Die Folgen der Rezession zeigen sich zudem am Arbeitsmarkt : In den letzten sechs Monaten haben knapp 30 Prozent der Unternehmen Personal abgebaut und nur 11 Prozent neue Stellen geschaffen. Besonders betroffen ist das Baugewerbe. Generell beim Personal planen nur sieben Prozent der Unternehmen Neueinstellungen. Bei den wichtigen Investitionen zeigt die schwache Konjunktur ebenso Wirkung. Nur noch 29 Prozent der Unternehmen planen aktuell Investitionen (2024 : 31 und 2023 : 43 Prozent).
Schwache Ertragslage und geringe Eigenkapitalquoten
Beleuchtet hat die Creditreform auch die Ertragslage : „Die Ertragslage im Mittelstand bleibt äußerst angespannt, die Talsohle dürfte aber mittlerweile erreicht sein“, so Weinhofer von Creditreform. Auch beim Thema steigende Gewinnen dürfte es noch dauern. Nur 11 Prozent der Unternehmen berichteten von steigenden Erträgen, 42 Prozent mussten Einbußen hinnehmen.
Auf den höchsten Stand seit sechs Jahren ist der Anteil der eigenkapitalschwachen Betriebe gestiegen. Exakt 20 Prozent der Betriebe verfügen lediglich über eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent (Vorjahr : 17). Besonders hoch ist dieser Wert im Dienstleistungssektor (26). Insgesamt verfügen weniger Unternehmen als in den Vorjahren über eine solide Eigenkapitalquote von über 30 Prozent „Die lange Wirtschaftskrise fordert ihren Tribut“, unterstreicht Gerhard Weinhofer.
Kostenbelastungen als drängendstes wirtschaftspolitisches Thema
Ein sehr relevantes Thema, wenn nicht sogar Basis für die schwierige Wirtschaftssituation sind die stark gestiegenen Preise im Energiebereich und die Inflationsbelastung generell. „Die Bekämpfung von Inflation und steigenden Preisen – insbesondere im Energiebereich – erfordert mehr politisches Engagement“, betont Weinhofer in Richtung der Wirtschafts- und Energiepolitik.
Für 70 Prozent der Unternehmen sind die Kostenbelastungen das drängendste wirtschaftspolitisches Thema. Der Fachkräftemangel rückt etwas in den Hintergrund, wichtig bleibt auch der Bürokratieabbau als dringliche Aufgabe der Regierung. „Insgesamt bewerteten 53 Prozent der Unternehmen die Wirtschaftspolitik der neuen Bundesregierung kritisch“, so Gerhard Weinhofer von der Creditreform. (red/cc)
Regionale Innovation für globale Märkte

Leobersdorfer Maschinenfabrik feiert 175-jähriges Jubiläum. Hochdruck-Kompressorsysteme des internationalen Marktführers als Fundament und Benchmarks für globale Wasserstoff- und Geothermieindustrie in Branchen wie Energie, Öl & Gas, Kunststoffverarbeitung oder Mobilitätsunternehmen.
Die Leobersdorfer Maschinenfabrik (LMF) ist einer der weltweit führenden Hersteller von Hochdruck-Kompressorsystemen. Branchen wie Energie, Petrochemie, Öl & Gas, Kunststoffverarbeitung oder Mobilitätsunternehmen setzen auf den 1850 gegründeten Vorzeigebetrieb aus dem niederösterreichischen Bezirk Baden.
Am Standort in Leobersdorf sind alle Kernprozesse zentralisiert, von der Entwicklung über die Konstruktion und Montage bis hin zu Test und Qualitätssicherung sowie After-Sales-Services. LMF exportiert mehr als 95 Prozent seiner Produktion und ist seit 2016 Teil der internationalen Kaishan Gruppe (Zhejiang, China), die dem Unternehmen globale Marktpräsenz und langfristige strategische Stabilität verleiht.
Festakt in Beisein von Niederösterreichs Landeschefin Johanna Mikl-Leitner
Im Rahmen eines Festaktes in Beisein von Niederösterreichs Landeschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Wirtschaftskammer NÖ Präsident Wolfgang Ecker (u.w.) wurde den Gästen die zentralen Stationen der direkt in Leobersdorf erfolgenden Wertschöpfungskette gezeigt. Diese erstreckt sich von der Entwicklung über Konstruktion und Montage bis hin zu umfassenden Qualitätstests für die fertigen Produkte. Mit Leistungen bis zu 6.200 kW (!) und Betriebsdrücken von bis zu 500 bar (!) zählt LMF heute zu den technologischen Benchmarks im weltweiten Maschinenbau.
„Wir haben in den letzten 175 Jahren viele Höhen und Tiefen erfolgreich gemeistert und ich bin überzeugt, dass uns das auch weiterhin gelingt. Flexibilität und der Mut, neue Wege zu beschreiten, waren und werden auch Zukunft noch entscheidender für den globalen Erfolg unseres Unternehmens sein,“ sagte David Stibi, COO, der zusammen mit Günther Ognar (CEO) und Gerhard Berger (CFO) die Geschäftsführung bei LMF bildet.
Internationale Perspektive und langfristiges Standortbekenntnis
Vor Ort bei der Jubiläums-Feier war auch Bruce Biedermann, Aufsichtsratsmitglied der Kaishan Gruppe. Für den globalen Konzern, zu dem LMF seit 2016 gehört, sei der österreichische Standort heute das wichtigste strategische Zentrum für Hochdrucktechnologie. „Die Übernahme durch Kaishan 2016 hat den Wendepunkt markiert, wo LMF von einem traditionellen Maschinenbauer zu einem zentralen Anbieter für neue Energietechnologien transformierte. LMF-Technologien tragen weltweit entscheidend zur industriellen Produktion von grünem Wasserstoff und grünem Ammoniak bei“, betonte Bruce Biedermann.
Die LMF blickt in der Tat auf eine außergewöhnliche industrielle Historie zurück : Seit der Gründung im Jahr 1850 hat sich das Unternehmen von einer mechanischen Werkstätte zu einem globalen Hochtechnologieanbieter entwickelt. Bedeutende Pioniere wie Rudolf Diesel und Viktor Kaplan waren in den frühen Jahrzehnten im Unternehmen tätig und prägten diese Entwicklung nachhaltig. Heute exportiert LMF über 95 Prozent seiner Produktion und ist in 70 Ländern rund um den Globus vertreten.
Kontinuierliche wie nachhaltige Innovation für Wachstumsmärkte
„Die Leobersdorfer Maschinenfabrik ist ein Aushängeschild niederösterreichischer Industriekompetenz. Seit 175 Jahren beweist dieses Unternehmen, wie Innovationskraft, regionale Verankerung und internationale Spitzenleistungen erfolgreich zusammenspielen können“, unterstrich auch Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich. „LMF schafft hochwertige Arbeitsplätze, stärkt den Wirtschaftsstandort und zeigt eindrucksvoll, dass Top-Technologie aus Niederösterreich weltweit gefragt ist“, so die NÖ-Landeschefin.
Ein wichtiges Thema ist dabei kontinuierliche wie nachhaltige Innovation. Mit der zunehmenden Relevanz nachhaltiger Energieträger – etwa Wasserstoff und Biomethan – und dem globalen Bedarf an sicheren, effizienten Kompressionslösungen sieht sich LMF optimal für kommende Marktphasen aufgestellt. Das Unternehmen investiert laufend in Forschung, Engineering und Prozessoptimierung und zeigt damit final, wie man auch von einem regionalen Standort rund 40 km südlich von Wien weltweit erfolgreich sein kann. (red/czaak)
Wege aus US-Abhängigkeiten

Europa muss dringend seine Abhängigkeiten von US-amerikanischen Tech-Unternehmen reduzieren. Es geht nicht um eine US-freie IT, sondern um die Schaffung von adäquaten europäischen Infrastrukturen und Diensten.
Europa konnte und kann Schritt für Schritt der Abhängigkeit von russischem Gas ausweichen, bleibt aber strukturell von einer Handvoll US-Companies und deren digitalen Diensten abhängig. Betriebssysteme, Clouds, Netzwerk-Technologien und Kommunikation liegen weitgehend in der Hand weniger US-Konzerne – und die müssen gegebenenfalls behördliche Anweisungen auf Basis von US-Gesetzen wie FISA 702, Cloud-Act oder das Sanktionsrecht umsetzen.
Realistisches Zielbild bis zum Jahr 2035
Auf diesem Fundament können die USA gezielt Personen und Organisationen unter Druck setzen oder ausspähen – etwa über Sanktionen und Cloud- oder Account-Sperren wie im Falle des ICC-Juristen mit seinen Microsoft-Diensten oder nachrichtendienstliche Zugriffe, wie das abgehörte Handy von Angela Merkel gezeigt hat.
Was wäre nun ein realistisches Zielbild bis zum Jahr 2035, um diese Abhängigkeiten und Gefahren zu reduzieren – ohne Wunschdenken, aber mit Ambition ? Realistisch ist einmal keine US-freie IT. Aber, kritische Anwendungen und Dienste von Staat, Justiz, Energie, Verkehr, Gesundheit, Telekommunikation oder Forschung laufen auf souveräner europäischer Infrastruktur mit den entsprechenden Anwendungen in den Bereichen Netzwerk, Security und in allen Bereichen rund um das Thema Datenmanagement und ‑Sicherung/Speicherung via Cloud-Computing.
Nicht jede US-Technologie verbannen
Souveränität oder Unabhängigkeit bedeutet die kritischen Technologien und Dienste über europäische Anbieter zu gewährleisten oder zumindest europäisch zu kontrollieren und nicht, jede US-Technologie zu verbannen. Anbieter bei Cloud-Diensten könn(t)en sein aus Frankreich eine Orange, eine OVHcloud oder eine Scaleway, aus oder in Deutschland eine IONOS, die Open Telekom Cloud der Deutschen Telekom oder in Österreich Cloud-Dienste von einer A1 oder Faba-Soft.
All diese Anbieter können sogenannte Sovereign-Cloud-Stacks aufbauen und betreiben, Multi-Cloud-Architekturen entwerfen und kritische Workloads von US-Hyperscalern wegziehen. Als Integratoren fungieren dann etwa eine Atos (F), eine T‑Systems (D und A) oder eine CANCOM Austria (A und D, ehem. Kapsch). US-Clouds werden ergänzend, aber nicht als alleinige Basis eingesetzt.
Die vorhandenen europäischen Kompetenzen
In kritischen Netzen und Netzwerk-Architekturen, also bei Backbones, in Telko-Kernen, bei Energie- und Verkehrssteuerungen dominieren europäische Hersteller wie Nokia oder Ericsson im RAN (Radio Access Network) und IP/Optik (Anm. optische Netze auf IP-Basis etwa für 5G) und die französische Stormshield oder die deutschen Unternehmen secunet oder Rhode & Schwarz bei den nötigen Security-Themen im Bereich Firewalls und Gateways.
Beim Thema High-Performance Computing (HPC) und Chips gibt es mit Atos/Eviden, EuroHPC-Zentren und SiPearl (Prozessoren) erstmals eine ernsthafte europäische Achse. Infineon, STMicroelectronics und NXP spielen dazu im Spezialchip-Bereich eine Schlüsselfunktion. Dazu Supercomputer und sicherheitskritische Rechenzentren, die auf europäischen CPUs (zentrale Recheneinheiten, die Daten in digitale Signale umwandeln) wie SiPearl und europäischer Integration basieren. Der Massenmarkt bleibt gemischt, aber die sensiblen Bereiche werden weniger erpressbar.
Lösungen für den öffentlichen Sektor und keine Lösung für Betriebssysteme von Smart-Phones
Für die Bereiche (Büro)Kommunikation und Datenmanagement bzw. für die sogenannte (medienübergreifende) Collaboration baut dann der öffentliche Sektor einen eigenen Kollaborations-Stack auf : Nextcloud (Open Source) für Dateien und Kalender, Open-Xchange für Mail, Kontakte, Termine, weiters Collabora/Libre Office für Dokumente, Matrix/Element für Chat und Meetings. Damit lässt sich etwa ein kompletter Behörden-Stack bauen, der nicht von US-Recht abhängig ist. Generell existiert Microsoft 365 noch, ist aber nicht mehr der eine „Nabel“, an dem alles hängt.
Die Bereiche Mobile-Betriebssysteme und App-Stores bleiben auch im Jahre 2035 die Schwäche, sie werden nicht europäisch dominiert sein. Hier kann Europa vor allem regulieren und absichern, nicht ersetzen. Bei den wirklich systemrelevanten Hebeln kann Europa aber deutlich souveräner sein, es muss allerdings rasch und konsequent handeln.
Neben Technologie auch politische Frage
Keines der angeführten europäischen Tech-Unternehmen ist allein der europäische Gegenpart von Microsoft, Apple, Google & Co. Aber zusammen können sie dafür sorgen, dass einmal Behörden, Institutionen, Justiz und kritische Infrastrukturbetreiber nicht mehr komplett an US-Konzernen und US-Recht hängen.
Die dabei verbleibenden Fragen sind nicht technisch, sondern politisch : Will Europa diese Autonomie – und sind Europas Regierungen und Unternehmen bereit, dafür mehr Geld, mehr Aufwand und mehr Reibung in Kauf zu nehmen ? Ist die Antwort Nein, dann bleibt die dauerhafte, strukturelle Erpressbarkeit in nahezu ALLEN wirtschaftlichen und privaten Bereichen durch die bestehenden Abhängigkeiten von US-Tech-Konzernen und den US-Behörden. (red/rucz, red/laucz, red/cc)
„Eine zentrale Basis für Wertschöpfung“

Experten der Österreichischen Industriellenvereinigung beleuchten Wirtschaftsfaktor Digitalisierung. Netzausbau, Baukosten, Regularien und Wettbewerbsfähigkeit als Fundament für sechs zentrale Handlungsfelder. Ein Fokus gilt auch dem Thema Digitale Souveränität.
Die Industriellenvereinigung (IV) als Interessensvertretung der Österreichischen Industrie hat gemeinsam mit Vertretern der Telekombranche die aktuelle Situation und Rahmenbedingungen im Kontext mit dem Thema Digitalisierung als besonders wichtigen Faktor für den Wirtschaftsstandort Österreich analysiert und davon ausgehend mehrere Handlungsempfehlungen an die (Wirtschafts)Politik abgeleitet.
11 Milliarden Bruttowertschöpfung und 800 Millionen Investitionseffekte
„2024 hat die heimische Telekommunikationsbranche über 11 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung generiert. Das entspricht fast drei Prozent an Österreichs gesamter Bruttowertschöpfung. Mit ihren rund 75.000 Beschäftigten löst die Branche knapp 800 Millionen Euro an Investitionseffekten aus“, unterstreicht Christian Helmenstein als Chefökonom der IV die volkswirtschaftliche Bedeutung der Telekommunikationsbranche. „Da liegt mehr Potenzial drinnen. Österreich muss jetzt auf die Überholspur wechseln, sonst verlieren wir im internationalen Wettbewerb weiter an Boden“, so Helmenstein weiter.
„Österreichs Unternehmen tätigen milliardenschwere Investitionen und auch die öffentliche Hand investiert massiv in den Netzausbau, dennoch bleibt der Netzausbau von hohen Baukosten, langwierigen Genehmigungen, rechtlichen Unsicherheiten und mangelnder Koordination geprägt“, ergänzt Peter Koren, Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Damit Österreich seine Breitbandziele bis 2030 erreicht und im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückfällt, „müssen wir strukturelle Bremsklötze lösen“, sagt Koren.
Sechs zentrale Handlungsfelder
Im Kontext mit diesen Rahmenbedingungen hat die Industriellenvereinigung nun gemeinsam mit der IKT-Branche sechs zentrale Handlungsfelder definiert. Diese beinhalten eine grundlegende Evaluierung der Breitbandförderung, mehr Rechtssicherheit und konsistente Konsumentenschutzregeln, eine deutliche Entbürokratisierung und Verfahrensbeschleunigung, die rasche gesetzliche Umsetzung eines Tiefbauatlas, eine moderne, standortstärkende Frequenzpolitik sowie verlässliche Regeln für Rechtsschutz und Inhouse-Verkabelung.
Diese Maßnahmen sollen einen investitionsfreundlichen, effizienten und rechtssicheren Rahmen schaffen, der den flächendeckenden Ausbau schneller, gigabitfähiger Netze ermöglicht. Für die Telekom-Branche selbst sind die Themen Tiefbauatlas sowie Frequenzvergaben und Lizenzverlängerungen besonders zentrale Punkte.
Verpflichteter digitaler Tiefbauatlas und Unterstützung der Nachfrage für Breitbanddienste
„Ein verpflichtender digitaler Tiefbauatlas schafft echte Planbarkeit, verhindert Doppelgleisigkeiten und spart enorme Kosten. Ebenso müssen wir bei Frequenzen von der EU-Option der Verlängerung Gebrauch machen – das bringt Stabilität und stärkt die Investitionskraft der Betreiber“, erläutert Thomas Arnolder, Deputy CEO der A1 Group. Auch zu den Themen Evaluierung der Breitbandförderung sowie Rechtsschutz und Inhouse-Verkabelung gibt es Stellungnahmen aus der Branche.
„Es wurden jahrelang tausende Kilometer Glasfaserkabel verlegt, aber nur ein Fünftel davon führt auch in die Haushalte. Die öffentlichen Fördergelder sind also nicht bei den adressierten Menschen in Österreich angekommen“, sagt Thomas Kicker, CEO von Magenta Telekom. „Nachdem Milliarden öffentlicher Gelder in den Glasfaser-Bau geflossen sind, würde nun die Förderung der Nachfrage Sinn machen“, so Kicker. Der Magenta-Boss spricht sich zudem für eine Absicherung der Leitungsrechte aus, damit „Infrastrukturbetreiber durch Wartungs- und Optimierungsarbeiten die beste Konnektivität in Mehrparteienhäusern gewährleisten können“.
Digitalisierungsschub zur langfristigen Absicherung des Standortes Österreich
Eine gesonderte Wertigkeit kommt den geltenden gesetzlichen Regularien zu und auch hierzu äußern sich die Branchen-Experten. „Rückwirkende Klagen gegen durch die von der Regulierungsbehörde überprüften Tarife oder Bestandteile sowie unklare Rechtslagen gefährden die Investitionsbasis eines ganzen Sektors, sagt Rudolf Schrefl, CEO von Drei. „Wir brauchen klare Verjährungsfristen, vertragliche Rechtssicherheit und moderne, durchgängig digitalisierte Genehmigungsverfahren, die den Ausbau nicht ausbremsen“, unterstreicht Schrefl die Notwendigkeit verlässlicher Regeln.
Eine besondere Bedeutung im standortpolitischen Kontext hat auch das Thema Digitale Souveränität. Anlässlich des dazu von Deutschland und Frankreich zuletzt initiierten Gipfels in Berlin (economy berichtete) und der dabei von allen EU-Mitgliedsstaaten unterfertigten Deklaration zur Digitalen Souveränität Europas hat die IV ebenso ihre Positionen. „Digitale Souveränität ist eine zentrale Voraussetzung für Sicherheit, Resilienz, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Europas, gerade in geopolitisch turbulenten Zeiten“, sagt Christoph Neumayer, Generalsekretär der IV.
„Bei Thema Digitale Souveränität sind Investitionen in europäische Kapazitäten entscheidend“
„Ziel ist nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, selbstbestimmt zu handeln, digitale Lösungen frei zu wählen und strategische Interessen zu schützen. Gleichzeitig sind Offenheit und internationale Kooperationen essenziell, etwa mit Partnern aus den USA“, betont Neumayer. Von economy auch auf aktuelle wirtschaftspolitische Diskussionen zum Thema Abhängigkeiten von großen internationalen Tech-Companies angesprochen, erläutert der IV-Generalsekretär : „Europa ist in bestimmten Bereichen abhängig von Anbietern außerhalb der EU. Entscheidend sind daher Investitionen in europäische Kapazitäten, insbesondere bei kritischen Komponenten wie Halbleitern, KI- und Quantenchips sowie beim Ausbau moderner Gigabit-Netze“.
Und : „Initiativen wie AI Factories und AI Gigafactories bieten enormes Potenzial, um KI-Infrastrukturen am Standort zu stärken“, so Christoph Neumayer, Generalsekretär der Österreichischen Industriellenvereinigung. Unterm Strich brauche Österreich einen entschlossenen Digitalisierungsschub, um Standortqualität, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit langfristig abzusichern. „Die digitale Infrastruktur ist eine zentrale Basis für Wertschöpfung, Produktivität und technologische Entwicklung im ganzen Land.“ (red/czaak)
Die Verteilung von 937 Milliarden Euro

Finanzielles Vermögen der Öster-Reicher auf neuem Rekordstand. Im Rahmen der Finanzzahlen für 2024 hat die Österreichische Nationalbank genaue Aufteilungen wie Besitzstände erhoben und auch das Thema Schulden analysiert.
Wie kürzlich berichtet, hat die Österreichische Nationalbank (OeNB) die aktuellen Finanzzahlen der österreichischen Haushalte für 2024 veröffentlicht und dabei auch einzelne Kennziffern und Entwicklungen herausgearbeitet. „Noch nie zuvor hatte der österreichische Haushaltssektor so viel Geld übrig, um es anzulegen“, lautete eine der zentralen Aussagen bei der OeNB-Pressekonferenz.
Investments in Finanzprodukte als weiterer Höchstwert
Wie schauen nun bei den Österreicher:innen die einzelnen Schwerpunkte beim Thema Geld und Vermögen aus ? Grundsätzlich ist 2024 einmal das nettoverfügbare Einkommen des österreichischen Haushaltssektors um fast acht Prozent auf rund 290 Milliarden Euro gestiegen, das Gesamtvermögen eben auf rund 937 Milliarden Euro. Den größten Anteil davon machen (Spar)Einlagen aus (36 Prozent), gefolgt von Beteiligungen an GmbHs, Privatstiftungen u.ä. (24) und Wertpapieren (21 Prozent).
Knapp 30 Milliarden Euro wurden 2024 in Finanzprodukte investiert – ebenso ein historischer Höchstwert. Auch im ersten Halbjahr 2025 beträgt die Geldvermögensbildung bereits 14 Mrd. EUR. Laut OeNB soll sich dieser Trend fortsetzen. Während im Jahr 2024 noch der Aufbau von Einlagen die Geldvermögensbildung dominierte, überwiegen im 1. Halbjahr 2025 die Nettozukäufe von Wertpapieren.
Veränderung beim Verhältnis zwischen täglich fälligen (Spar)Einlagen und gebundenen Einlagen
Vom gesamten Einlagenbestand (Anm. 334 Mrd. EUR) entfallen mit Juni 2025 der Wert von 63 Prozent oder 209 Mrd. EUR auf täglich fällige Einlagen und 37 Prozent oder 125 Mrd. EUR auf gebundene Einlagen. In den Jahren 2022 und 2023 reagierten die Haushalte auf das steigende Zinsniveau, indem sie gebundene Einlagen in erheblichem Ausmaß aufbauten und gleichzeitig täglich fällige Einlagen reduzierten.
Seit dem Rückgang des Zinsniveaus zeigt sich ein gegenläufiger Trend : Im ersten Halbjahr 2025 ist bereits ein Abbau von gebundenen Einlagen zu beobachten. Zum Ende der Nullzinsphase Mitte 2022 entfielen 30 Prozent oder rund 91 Mrd. EUR des Einlagenbestandes auf gebundene Einlagen. Bis Ende 2024 stieg dieser Anteil auf 39 Prozent oder 128 Mrd. EUR bevor er im Juni 2025 wieder leicht auf 37 Prozent oder 125 Mrd. EUR zurückging, so die Erhebungen der OeNB.
Gesonderte Betrachtung der Entwicklung seit der Corona-Pandemie
Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 stiegen die Nettozukäufe von Wertpapieren deutlich, was zu einer strukturellen Veränderung des Investmentportfolios privater Investor:innen führte. Der Wertpapierbestand stieg seither um etwa 50 Prozent (!) und erreichte im Juni 2025 mit 197 Mrd. EUR einen neuen Höchststand. Investmentfonds machten im Juni 2025 mit 108 Mrd. EUR oder 55 Prozent den größten Anteil der Wertpapierbestände im Portefeuille der Haushalte aus. Es folgten börsennotierte Aktien in Höhe von exakt 50 Mrd. EUR (25 Prozent) und verzinsliche Wertpapiere mit 39 Mrd. EUR (20 Prozent).
Mit Beginn der Zinswende im Jahr 2022 setzte eine steigende Nachfrage privater Haushalte nach verzinslichen Wertpapieren ein. Auf Zukäufe in Höhe von 6,7 Mrd. EUR im Jahr 2023 folgte ein ähnlich starker Forderungsaufbau von 6,4 Mrd EUR im Jahr 2024. Zuvor waren Anleihen über nahezu ein Jahrzehnt hinweg per Saldo abgebaut worden. Im ersten Halbjahr 2025 dominierten wieder Investmentfondsanteile mit vier Mrd. EUR die Veranlagung privater Haushalte in Wertpapiere. Das Aktienvermögen der Haushalte wird überwiegend durch internationale Titel geprägt und machen 72 Prozent des Gesamtbestandes aus.
Die Besitzer der Vermögensstände
Ebenfalls genau erhoben von der OeNB wurde, wer nun Besitzer dieser Vermögen ist. Die Kernaussage hier : Ein großer Teil der Haushalte besitzt nur wenig, während das Vermögen im oberen Bereich der Verteilung konzentriert ist. Für rund ein Viertel der Haushalte liegt das Nettovermögen unter 20.000 Euro, für etwa 40 Prozent unter 50.000 Euro. Erst ab der Mitte steigen die Werte deutlich, und werden steiler. Der Median (Anm. die Mitte der Verteilung) liegt seit 2021 praktisch unverändert bei rund 125.000 Euro.
Der Durchschnitt liegt mit über 330.000 Euro allerdings viel höher, weil wenige Haushalte sehr große Vermögen besitzen. Absolut betrachtet blieb das Nettovermögen seit 2021 in der unteren Hälfte nahezu unverändert, während es im oberen Bereich deutlich stieg. „Die relative Ungleichheit bleibt dabei stabil, die absoluten Vermögensabstände wachsen weiter und das, da Vermögensgewinne im Wesentlichen bei Haushalten mit hohem Immobilien- oder Unternehmensvermögen ankommen“, so eine weitere Erkenntnis der Experten der Österreichischen Nationalbank (OeNB).
Analyse der Verschuldung von Österreichs Haushalten
Ebenfalls analysiert von der OeNB wurde das Thema Verschuldung. Von den Österreichischen Haushalten ist weniger als ein Drittel verschuldet. Die Hälfte davon entfallen auf unbesicherte Schulden (z.B. Konsumentenkredite), rund 40 Prozent auf besicherte Kredite (z.B. Hypothekarkredite im Kontext mit Wohn-Immobilien). Beide Kreditformen parallel nutzen nur wenige. Trotz der höheren Verbreitung unbesicherter Schulden entfällt der größte Teil des gesamten Schuldenvolumens (90 Prozent) auf besicherte Kredite, weil Immobilienfinanzierungen deutlich höhere Darlehensbeträge aufweisen.
Die besicherten Schulden liegen überwiegend bei einkommensstarken Haushalten : 2023 entfielen 45 Prozent der Hypothekarkreditnehmer auf die oberste Einkommensschicht. Diese Konzentration ist über die letzten zehn Jahre überaus stabil geblieben. In den einkommensärmeren Schichten ist (Teil-)Eigentum nahezu nicht vorhanden, hier überwiegt klar die Miete als Wohnform, während nur ein kleiner Teil der Haushalte unentgeltlich wohnt, etwa, wenn Haushalte in einer Wohnung von Angehörigen wohnen oder nach einer Schenkung weiterhin im eigenen Heim leben. Da das Hauptwohnsitz-Eigentum die wichtigste Vermögenskomponente österreichischer Haushalte darstellt, trägt dies zu Vermögensunterschieden bei.
Geringere Gesamtschulden als im Euro-Raum
Insgesamt sind die Finanzverpflichtungen der österreichischen Haushalte seit 2022 um zwei Prozent gesunken. Ausschlaggebend dafür waren ungünstigere Finanzierungsbedingungen wegen gestiegener Zinsen. Im Juni 2025 lag die Verschuldung bei 217 Mrd. EUR, ein geringer Wert im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Sie beträgt in Österreich 23 Prozent des Finanzvermögens und im Euroraum 26 Prozent. Die Verschuldung des Haushaltssektors hängt auch von strukturellen Gegebenheiten eines Landes ab, etwa von der Ausprägung des Miet- oder Eigentumsmarktes bei Wohnimmobilien.
Nach geringerer Finanzierungsdynamik im Umfeld steigender Zinsen nahm nun aktuell die Kreditverschuldung erstmals seit Mitte des Jahres 2023 wieder zu und lag im 3. Quartal 2025 bei +0,5 Prozent. Während bis zum Jahr 2022 noch jährliche Wachstumsraten von bis zu sechs Prozent erzielt wurden, entwickelten sich insbesondere die volumenstarken Wohnbaukredite in den Jahren 2023 und 2024 rückläufig. „Bei Konsumkrediten hingegen ist seit Beginn des Jahres 2024 wieder ein leicht positives Wachstum zu beobachten“, so die diesbezügliche Analyse von den Experten der Österreichischen Nationalbank (OeNB). (red/czaak)
Ambivalente Wiederbelebung der Autobranche

Nachhaltiger Aufwärtstrend am Neuwagenmarkt der EU. 20 von 27 Ländern verzeichnen steigende Neuzulassungen. Auch deutsche Autobauer gewinnen Marktanteile. Situation bei E‑Autos schwierig.
Der Absatz von Neuwagen liegt im bisherigen Jahresverlauf weiterhin über dem Niveau des Vorjahres. Im Oktober betrug der Wert im Vergleich zum Vorjahresmonat knapp sechs Prozent plus. Von den 27 EU-Ländern verzeichneten 20 im Oktober steigende Neuzulassungen. In Österreich stiegen die Neuzulassungen um elf Prozent, im bisherigen Jahresverlauf um 12,5 Prozent.
Im Vergleich zum Zeitraum vor der Corona-Pandemie liegt das Absatzniveau aber immer noch deutlich darunter. Im Jahr 2019 wurden im Zeitraum Jänner bis Oktober in der EU 18 Prozent mehr Neuwagen zugelassen als im laufenden Jahr. In absoluten Zahlen bedeutet das fast zwei Millionen Pkw, so eine aktuelle Analyse von EY.
„Der europäische Neuwagenmarkt zeigt zwar wieder eine leichte Aufwärtsbewegung, doch man darf nicht vergessen, wie tief das Ausgangsniveau zuletzt war“, erklärt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Von einer echten, breit getragenen Erholung kann keine Rede sein und angesichts der weiterhin anspruchsvollen Rahmenbedingungen bleibt die Nachfrage verhalten“, so Preiss.
Unternehmen wie Privatpersonen zögern und Renault, BMW und Volkswagen wachsen stark
Die Experten bei EY sehen die Steigerung auch in Verbindung mit einem Ersatzbedarf, der nach Jahren mit sehr niedrigen Verkaufszahlen zwar enorm gestiegen sei, trotzdem würden Unternehmen wie Privatpersonen beim Neuwagenkauf zögern. Die Gründe dafür sind „eine schwache Konjunktur, hohe Preise, politische Unsicherheiten und wachsende Sorgen rund um Beschäftigung und Einkommen“, erläutert Axel Preiss. Eine Folgewirkung ist auch ein zunehmendes Durchschnittsalter der Fahrzeuge.
Relevante Veränderungen gibt es bei den Marktanteilen der einzelnen Auto-Konzerne. Im bisherigen Jahresverlauf konnten vor allem Renault, BMW und Volkswagen überdurchschnittlich stark wachsen und Marktanteile gewinnen, während insbesondere Stellantis (Anm. Opel, Peugeot, Citroen, Chrysler, Fiat, Alfa Romeo, Jeep, Maserati u.w.), Toyota, Hyundai und Tesla Marktanteile abgegeben haben. Insgesamt legten die Pkw-Neuzulassungen der drei deutschen Autokonzerne heuer um 4,9 Prozent zu. Ihr gemeinsamer Marktanteil stieg damit von 38,4 auf 39,7 Prozent. Der Gesamtmarkt stieg um 1,4 Prozent.
EU-weiter Absatzrückgang mit deutlichen Marktanteilsverlusten für Tesla
Der Elektroauto-Pionier Tesla verzeichnete im Oktober einen deutlichen EU-weiten Absatzrückgang und Marktanteilsverluste. Nachdem das Absatzminus im September nur 19 Prozent betragen hatte, weitete es sich im Oktober auf 48 Prozent aus. Der Tesla-Anteil am Elektro-Markt schrumpfte im Vergleich zum Vorjahresmonat von neun auf drei Prozent.
Weiterhin deutlich zweistellig und wie schon in den Vormonaten stieg der Absatz von Elektroautos. EU-weit sind es 39 Prozent, 20 von 27 EU-Ländern verzeichneten steigende Neuzulassungen von Elektroautos. Ihr Marktanteil stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat von 14,4 auf 18,9 Prozent. In Österreich stiegen die Neuzulassungen von Elektroautos im Oktober um 29 Prozent, der Marktanteil kletterte von 18,2 auf 21,1 Prozent.
Hohe staatliche Förderungen und Rabatte und wenig Gewinn bei E‑Autos
Im bisherigen Jahresverlauf ist der Absatz von Elektroautos im Vergleich zum Vorjahreszeitraum EU-weit um 26 Prozent gewachsen – allerdings war 2024 ein sehr schwaches Jahr für die E‑Mobilität. Für den Zwei-Jahres-Zeitraum von 2023 bis 2025 ergibt sich nur eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von neun Prozent.
„Die hohen Wachstumsraten im Elektrosegment vermitteln ein trügerisches Bild – tatsächlich bleibt die Entwicklung weit hinter den Erwartungen früherer Jahre zurück“, betont Axel Preiss von EY. „Der aktuelle Absatz ist zudem durch staatliche Förderungen und durch teils erhebliche Rabatte der Hersteller teuer erkauft. E‑Modelle würden regelrecht in den Markt gedrückt und kaum Gewinne erzielt“.
EU-Regel für Zulassung von emissionsfreien Neuwagen muss sich anpassen
Bezüglich der Zukunft von E‑Autos meint Auto-Experte Preiss : „Der Elektroantrieb wird weiter Marktanteile gewinnen, doch selbst bei einem jährlichen Wachstum von 20 Prozent wäre ein 50-Prozent-Anteil erst etwa 2032 realistisch. Vor diesem Hintergrund wird sich die EU-Regel, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen, an die Realität anpassen müssen“.
„Wir sehen vielerorts eine Rückbesinnung auf den Verbrennungsmotor – insbesondere in Form von Hybridlösungen. Die Zukunft wird deutlich technologieoffener ausfallen, als es die politische Debatte lange vermuten ließ“, sagt Preiss. „Am Ende bestätigt sich eine alte Erkenntnis : Der Markt findet die Lösungen, die den Bedürfnissen der Menschen wirklich entsprechen – vorausgesetzt, Unternehmen werden nicht durch ideologische Vorgaben daran gehindert“.
Neue E‑Modelle im Premiumsegment und preisgünstige E‑Autos
Axel Preiss rechnet auch im kommenden Jahr ist mit einem moderaten Anstieg der Elektroauto-Verkäufe. „Zum einen werden neue Modelle im Premiumsegment mit 800-Volt-Technologie und sehr kurzen Ladezeiten für Schub sorgen – besonders attraktiv für Dienstwagenfahrer, die etwa in Deutschland durch steuerliche Vorteile eine zentrale Zielgruppe darstellen“. Und dann verweist der EY-Experte auf neue, preislich niedrigere E‑Modelle für zusätzliche Käufergruppen.
Aktuell ist in Westeuropa ein neu auf den Markt gekommenes Elektro-Einstiegsmodell der Bestseller : Der Skoda Elroq, der seit diesem Jahr ausgeliefert wird, lag im Oktober in den zwölf einsehbaren westeuropäischen Ländern mit knapp 9.200 Neuzulassungen auf dem ersten Platz. Dahinter liegt der ebenfalls neu auf den Markt gekommene Renault R5 mit knapp 7.000 Neuzulassungen, zwei Drittel davon in Frankreich.
Spitzenwerte für E‑Autos von VW und generell niedrige E‑Marktanteile in Ost- und Südosteuropa
Auf den Rängen drei bis fünf platzieren sich drei Modelle von Volkswagen : Der VW ID.4/5, der VW ID.7 und der VW ID.3. Als Elektro-Musterknaben erwiesen sich auch im Oktober vor allem die Länder in Nordeuropa und die Benelux-Länder. In vielen anderen EU-Ländern sind Elektroautos hingegen nach wie vor ein Nischenprodukt : In immerhin 13 EU-Ländern lag der Elektro- Marktanteil im Oktober unter zehn Prozent.
Besonders niedrig ist der Marktanteil von Elektroautos weiterhin in den ost- und südosteuropäischen Ländern. In Kroatien lag er im Oktober etwa bei vier Prozent, in der Slowakei, Italien und Tschechien bei jeweils fünf Prozent. Insgesamt stieg der Marktanteil von Elektroautos in den ost- und südosteuropäischen Ländern im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat von 4,6 auf 7,8 Prozent.
Höchste Marktanteile von E‑Autos in Skandinavien und starke Zunahme von Plug-in-Hybriden
Großer Beliebtheit erfreuen sich E‑Autos in den skandinavischen Ländern. Norwegen wies im Oktober mit 97 Prozent den mit Abstand höchsten Marktanteil von Elektroautos in Europa aus. Dahinter folgen Dänemark mit 72 Prozent, die Niederlande (40) sowie Schweden und Finnland (jeweils 36 Prozent). In den skandinavischen Ländern insgesamt stieg der E‑Marktanteil im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat von 43 auf 58 Prozent.
Noch stärker als bei Elektroautos stiegen die Neuzulassungen bei Plug-in-Hybriden, die EU-weit sogar um 43 Prozent zulegten, der Marktanteil stieg von 6,8 auf 10,3 Prozent. In Österreich lag das Wachstum bei 50 Prozent, der Marktanteil stieg von 8,2 auf elf Prozent. Die höchsten Marktanteile erzielten Plug-in-Hybride im Oktober in Schweden (30 Prozent) und den Niederlanden (21). Der kombinierte Marktanteil beider elektrischen Antriebsarten (BEV und PHEV) war in Dänemark (72), Schweden (66 Prozent) am höchsten unter allen EU-Ländern. (red/czaak)