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Chi­ne­sen inves­tie­ren wie­der ver­stärkt in Europa

Nach pan­de­mie­be­ding­tem Ein­bruch erhö­hen sich Fir­men­über­nah­men 2021 wie­der mas­siv. Anzahl steigt um zwan­zig Pro­zent auf 155 und Wert ver­acht­facht sich auf über 12 Mrd. US-Dol­lar. Groß­bri­tan­nien vor Deutsch­land belieb­tes­tes Ziel, so aktu­elle Stu­die von EY.

China kommt wie­der ver­stärkt nach Europa. Das mone­täre Volu­men bei den M&A‑Deals ver­acht­fachte sich von 1,5 Mrd. auf 12,4 Mrd. US-Dol­lar und die Anzahl stieg von 132 auf 155. Die größte Inves­ti­tion war im ver­gan­ge­nen Jahr der Ver­kauf der Haus­halts­ge­räte-Sparte von Phil­ips an die Invest­ment­firma Hill­house Capi­tal mit Sitz in Hong Kong für 4,4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Die zweit­größte Trans­ak­tion war die Über­nahme des bri­ti­schen Ent­wick­ler­stu­dios Sumo Digi­tal durch Ten­cent für 1,1 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, gefolgt von der Über­nahme des däni­schen Kühl­con­tai­ner-Her­stel­lers Maersk Con­tai­ner Indus­try durch China Inter­na­tio­nal Marine Con­tai­ners (1,1 Mil­li­ar­den US-Dollar).

Restruk­tu­rie­rung wäh­rend Pandemiejahre
„Ins­ge­samt blei­ben Chi­ne­si­sche Unter­neh­men bei ihren Inves­ti­tio­nen in Europa aber noch zurück­hal­tend“, sagt Eva-Maria Berch­told, Part­ne­rin und Lei­te­rin Stra­tegy and Tran­sac­tions bei EY Öster­reich. „Die meis­ten chi­ne­si­schen Unter­neh­men, die schon im Aus­land Fir­men über­nom­men haben, haben sich in den letz­ten Jah­ren eher damit beschäf­tigt, die Restruk­tu­rie­rung in Europa vor­an­zu­trei­ben und das gilt beson­ders in den Sek­to­ren Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer und Maschi­nen­bau“, so Berchtold.

Eben­falls dämp­fend wir­ken sich nach Berch­tolds Ein­schät­zung die inzwi­schen hohen Hür­den für aus­län­di­sche Betei­li­gun­gen gerade in bestimm­ten kri­ti­schen Bran­chen sowie stei­gende Preise durch die zuneh­mende Kon­kur­renz über kapi­tal­starke Finanz­in­ves­to­ren aus. „In eini­gen Fäl­len woll­ten die chi­ne­si­schen Inter­es­sen­ten da nicht mehr mit­ge­hen. Beson­ders die bör­sen­no­tier­ten chi­ne­si­schen Unter­neh­men fürch­ten, mit teu­ren Zukäu­fen den eige­nen Akti­en­kurs unter Druck zu set­zen“, so die Exper­tin von EY.

Meis­ten Deals betref­fen klas­si­sche Industrieunternehmen
In Öster­reich hal­ten sich die Inves­to­ren aus China wei­ter­hin zurück. Wie 2020 gab es auch 2021 nur eine chi­ne­si­sche Über­nahme in Öster­reich. Der in Shang­hai bör­sen­no­tierte Spe­zia­list für Möbel­kom­po­nen­ten, Jie­cang, über­nimmt um rund 79 Mil­lio­nen Euro das Deutsch­lands­ber­ger Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men Logicdata. Das Unter­neh­men mit sei­nen rund 270 Mit­ar­bei­te­rIn­nen soll Anga­ben zufolge eigen­stän­dig blei­ben und 20 Mil­lio­nen Euro sol­len in wei­te­res Wachs­tum inves­tiert wer­den. 2019 gab es keine Über­nahme in Öster­reich, 2018 wur­den drei Unter­neh­men über­nom­men, 2017 waren es fünf. 

Die meis­ten Deals ent­fal­len nach wie vor auf klas­si­sche Indus­trie­un­ter­neh­men. 30 der 155 Trans­ak­tio­nen in Europa fan­den in die­sem Sek­tor statt. Der Trend bei der Zahl ist aller­dings rück­läu­fig : 2020 waren euro­pa­weit noch 36 Indus­trie­trans­ak­tio­nen gezählt wor­den. „Inzwi­schen sind von den Berei­chen Auto­mo­tive und Maschi­nen­bau eher Sub­sek­to­ren wie Elek­tro­mo­bi­li­tät und Auto­no­mes Fah­ren gefragt“, erläu­tert Berch­told. Auf High-Tech- oder Soft­ware­un­ter­neh­men ent­fie­len im ver­gan­ge­nen Jahr euro­pa­weit 27 Trans­ak­tio­nen (2020 : 20). 

Groß­bri­tan­nien löst Deutsch­land ab
Gestie­ge­nes Inter­esse gibt es an Spie­le­ent­wick­lern und Soft­ware­pro­gram­mie­rern, siehe als Bei­spiel das starke Enga­ge­ment von Ten­cent im ver­gan­ge­nen Jahr. Gestie­gen von 16 auf 26 Trans­ak­tio­nen ist auch die Zahl der Über­nah­men und Betei­li­gun­gen im Bereich Gesund­heit. „Pharma, Bio­tech oder Medi­zin­tech­nik gehört zuneh­mend zu wich­ti­gen Ziel­sek­to­ren chi­ne­si­scher Unter­neh­men. Hier gibt es einen gro­ßen Nach­hol­be­darf in China, ins­be­son­dere bei For­schung und Ent­wick­lung“, sagt Yin Sun, Part­ne­rin und Lei­te­rin der China Busi­ness Ser­vices bei EY Deutschland. 

Die meis­ten Trans­ak­tio­nen wur­den im Vor­jahr in Groß­bri­tan­nien ver­zeich­net. Mit 36 Über­nah­men und Betei­li­gun­gen liegt das Land knapp vor Deutsch­land (35) und deut­lich vor den dritt­plat­zier­ten Nie­der­lan­den (13). Im Vor­jahr war die Rei­hen­folge an der Spitze noch umge­kehrt : 2020 lag Deutsch­land mit 28 Trans­ak­tio­nen vor Groß­bri­tan­nien mit 21 Deals. „In dem Maß, wie sich das Inter­esse chi­ne­si­scher Inves­to­ren weg von klas­si­schen Indus­trie­un­ter­neh­men hin zu Technologie‑, Soft­ware- und Medi­en­un­ter­neh­men ent­wi­ckelt, gewinnt der Ziel­markt Groß­bri­tan­nien an Bedeu­tung“, resü­miert Eva-Maria Berch­told, Part­ne­rin und Lei­te­rin Stra­tegy and Tran­sac­tions bei EY Österreich. 

Autor: red/czaak
08.04.2022

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