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© pexels/ruiyang zhang

Chi­ne­si­sche Invest­ments in Europa rückläufig

Im Vor­jahr redu­zier­ten sich in Europa Fir­men­über­nah­men und Invest­ments aus China. Statt 155 nur 139 Trans­ak­tio­nen und statt rund 12 nur 4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar an Trans­ak­ti­ons­wert. In Öster­reich kam es nur zu einer chi­ne­si­schen Übernahme.

Ein­kau­fende Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen aus China kamen bei Fir­men­über­nah­men in Europa im ver­gan­ge­nen Jahr 2022 nur sel­ten zum Zug. Die Zahl der Trans­ak­tio­nen sank im Ver­gleich zum Jahr 2021 von 155 auf 139 und auch das Volu­men beim Wert der Betei­li­gun­gen und Über­nah­men redu­zierte sich von 12,4 auf 4,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Bei der Mehr­zahl der Über­nah­men lie­gen aller­dings keine Anga­ben zu exak­ten Kauf­prei­sen vor, so die Ergeb­nisse einer all­jähr­li­chen Stu­die von EY.

Teil­weise erheb­li­cher poli­ti­scher Wider­stand gegen­über chi­ne­si­schen Investoren
„Chi­ne­si­sche Unter­neh­men sind bei ihren Inves­ti­tio­nen in Europa ins­ge­samt zurück­hal­tend“, sagt Eva-Maria Berch­told, Part­ne­rin und Lei­te­rin der Stra­te­gie- und Trans­ak­ti­ons­be­ra­tung bei EY Öster­reich. „Ein­mal hat die Pan­de­mie und die lang­an­hal­ten­den Ein­däm­mungs­maß­nah­men in China zu mas­si­ven Beschrän­kun­gen geführt, die auch Trans­ak­tio­nen erschwert haben. Und dann sind die Expan­si­ons­maß­nah­men für viele chi­ne­si­sche Unter­neh­men seit der zwei­ten Hälfte des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts in der Prio­ri­tät stark gesunken.“

Ein wei­te­rer Fak­tor ist der teil­weise erheb­li­che Wider­stand gegen­über chi­ne­si­schen Inves­to­ren in vie­len euro­päi­schen Län­dern und das betrifft ins­be­son­dere Sek­to­ren wie kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren. Die Chi­ne­sen prü­fen daher inzwi­schen sorg­fäl­tig, ob Über­nah­me­kan­di­da­ten poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen aus­lö­sen könn­ten. Auch das belas­tete poli­ti­sche Ver­hält­nis zwi­schen den USA und China würde sich hem­mend aus­wir­ken. „Wenn Über­nah­me­kan­di­da­ten Pro­duk­ti­ons­stät­ten oder andere zen­trale Ein­rich­tun­gen in den USA haben, wer­den poten­zi­elle chi­ne­si­sche Bie­ter oft­mals gar nicht erst ein­ge­la­den“, so Berchtold. 

Weni­ger Indus­trie­be­triebe und mehr High-Tech-Unternehmen
Das Land Öster­reich ist nach wie vor kaum auf dem Schirm von Inves­to­ren aus China. Wie schon in den drei Jah­ren davor gab es auch 2022 nur einen chi­ne­si­schen Deal in Öster­reich. Der Inves­tor Jeb­sen Capi­tal, ein Betei­li­gungs­arm der Jeb­sen Group, erwarb Ende des Jah­res 2022 Anteile vom öster­rei­chi­schen Kin­der- und Jugend­rad­her­stel­ler woom. Damit sta­gnie­ren die chi­ne­si­schen Inves­ti­tio­nen in Öster­reich wei­ter­hin auf sehr nied­ri­gem Niveau. Fünf Invest­ments gab es zuletzt im Jahre 2017.

Run­ter­ge­bro­chen auf Bran­chen, gab es im ver­gan­ge­nen Jahr euro­pa­weit erst­mals mehr Über­nah­men und Betei­li­gun­gen im High-Tech-Seg­ment. Dazu gehö­ren pri­mär Soft­ware- und Halb­lei­ter-Unter­neh­men. Hier stieg die Zahl der Über­nah­men gegen den Trend von 27 auf 32. Par­al­lel sank die Zahl bei Indus­trie­un­ter­neh­men von 30 auf 25. Im Indus­trie­sek­tor wur­den mit neun Trans­ak­tio­nen die meis­ten Deals in Deutsch­land gezählt, bei Trans­ak­tio­nen im High-Tech-Bereich liegt Groß­bri­tan­nien mit sechs Deals an der Spitze – vor Frank­reich (fünf) und Deutsch­land (vier).

Ver­kauf des nie­der­län­di­schen Halb­lei­ter­her­stel­lers Ampleon als größte Transaktion
In Deutsch­land wur­den zudem beson­ders viele Trans­ak­tio­nen im Gesund­heits­be­reich gezählt, wozu neben Bio­tech-Unter­neh­men auch die Bran­chen Pharma und Medi­zin­tech­nik zäh­len. Euro­pa­weit gab es in die­sem Seg­ment 17 Trans­ak­tio­nen, von denen neun auf Deutsch­land ent­fie­len. Die meis­ten Trans­ak­tio­nen wur­den neu­er­lich in Groß­bri­tan­nien (27) ver­zeich­net, knapp vor Deutsch­land (26) und deut­lich vor Frank­reich (17).

Die euro­pa­weit größte Inves­ti­tion war 2022 der Ver­kauf des nie­der­län­di­schen Halb­lei­ter­her­stel­lers Ampleon (Anm. bis­her im Besitz eines chi­ne­si­schen Pri­vate Equity Inves­tors) an Wuxi Xichan Micro­chip Semi­con­duc­tor für knapp zwei Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Die zweit­größte Trans­ak­tion war der Ein­stieg von Ten­cent bei der Ubi­s­oft-Fami­li­en­hol­ding Guil­l­emot Brot­hers für knapp 300 Mil­lio­nen US-Dol­lar, gefolgt vom Erwerb des fran­zö­si­schen Arz­nei­mit­tel­pro­du­zen­ten Cen­exi durch den chi­ne­si­schen Phar­ma­kon­zern Fosun für 218 Mil­lio­nen US-Dollar.

Autor: red/czaak
24.02.2023

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