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© pexels/gustavo fring

Corona und das Thema Familienplanung

Viele Exper­ten erwar­te­ten wäh­rend der Covid-Pan­de­mie einen Baby­boom. Doch das trat nicht ein. Die Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten unter­suchte nun Kin­der­wunsch und Fami­li­en­pla­nung rund um die Corona-Jahre.

Nach dem ers­ten Früh­jahrs-Lock­down durch die Corona-Pan­de­mie erwar­te­ten viele einen ent­spre­chen­den Baby­boom. Es kam bekannt­lich anders. Wie sich Corona auf die Fami­li­en­pla­nung im Land aus­ge­wirkt hat, hat nun eine aktu­elle Stu­die der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) erho­ben. Fast alle Befrag­ten wol­len an ihren Fami­li­en­plä­nen fest­hal­ten, und Frauen ver­rin­ger­ten ihren Kin­der­wunsch ten­den­zi­ell häu­fi­ger als Män­ner, so die Ergebnisse.

War nun die Pan­de­mie genau der rich­tige Zeit­punkt, um ein Kind in die Welt zu set­zen – oder der fal­sche ? Wäh­rend viele nach dem ers­ten Lock­down einen Gebur­ten­zu­wachs pro­phe­zei­ten, blieb die Zahl der Gebur­ten in den meis­ten mit­tel­eu­ro­päi­schen Län­dern weit­ge­hend sta­bil. Inwie­fern hat Corona die Men­schen in Öster­reich in der mit­tel- und lang­fris­ti­gen Fami­li­en­pla­nung ver­un­si­chert ? Diese Frage erhebt eine aktu­elle Stu­die der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW), die jetzt im inter­na­tio­na­len Jour­nal Popu­la­tion and Deve­lo­p­ment Review publi­ziert wurde.

Pan­de­mie hat beschei­dene Aus­wir­kun­gen aufs Kinderkriegen
Basie­rend auf dem öster­rei­chi­schen Mikro­zen­sus, Anga­ben zufolge der größ­ten regel­mä­ßig durch­ge­führ­ten Erhe­bung in Öster­reich, unter­such­ten For­scher vom Insti­tut für Demo­gra­phie der ÖAW den selbst ein­ge­schätz­ten Ein­fluss der Pan­de­mie auf die Fami­li­en­pla­nung. Der Fokus rich­tete sich auf Frauen im Alter von 20 – 45 Jah­ren und auf Män­ner zwi­schen 20 und 50 Jah­ren. Mit­tels einer reprä­sen­ta­ti­ven Umfrage im Herbst 2021 ging der Blick ins­be­son­dere auf jene, die ihre Fami­li­en­pla­nung vor der Pan­de­mie noch nicht abge­schlos­sen hatten.

In den Ergeb­nis­sen zeigt sich, nur wenige haben ihre Fami­li­en­pla­nung auf­grund der Pan­de­mie geän­dert. Für 92 Pro­zent der Befrag­ten war Corona kein Grund das Kin­der­krie­gen zu über­den­ken. Rund sechs Pro­zent wol­len aller­dings weni­ger oder erst spä­ter Kin­der. Ände­run­gen des Zeit­punkts waren hier häu­fi­ger als Ände­run­gen der Kin­der­zahl. Umge­kehrt gab ein Pro­zent an, auf­grund der Pan­de­mie nun frü­her oder mehr Kin­der bekom­men zu wol­len, ein Pro­zent wollte sich nicht genauer äußern.

Frauen ändern ihre Fami­li­en­pläne eher als Männer
„Die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie sind nicht gleich­mä­ßig ver­teilt, son­dern bestimmte demo­gra­fi­sche Grup­pen ändern ihre all­ge­mei­nen Fami­li­en­pläne eher als andere“, sagt Isa­bella Buber-Enn­ser, Demo­gra­phin an der ÖAW. Wei­tere Details : Frauen haben ihre Fami­li­en­pläne auf­grund der Pan­de­mie häu­fi­ger nega­tiv ver­än­dert : Rund acht Pro­zent gegen­über fünf Pro­zent bei den Män­nern. Zudem haben ältere Befragte ihren Kin­der­wunsch öfter revi­diert als 20- bis 30-Jäh­rige. Bei Befrag­ten mit einem oder meh­re­ren Kin­dern gerie­ten die Fami­li­en­pläne häu­fi­ger ins Wan­ken als bei Kinderlosen.

„Die­ses Ergeb­nis könnte die Tat­sa­che wider­spie­geln, dass die zusätz­li­che Belas­tung durch die Kin­der­be­treu­ung wäh­rend der Schlie­ßung von Schu­len und Kin­der­gär­ten über­pro­por­tio­nal von Frauen getra­gen wurde“, ergänzt Bern­hard Rie­de­rer, Co-Autor der Stu­die. Lang­fris­tig sei zwar zu erwar­ten, dass sich die von den Befrag­ten ange­ge­be­nen Ver­än­de­run­gen leicht nega­tiv auf die Gebur­ten­ra­ten aus­wir­ken. „Einige pla­nen weni­ger Kin­der und die­je­ni­gen, die das Kin­der­krie­gen auf­schie­ben, bekom­men am Ende mög­li­cher­weise keine wei­te­ren Kin­der“, resü­mie­ren die ÖAW-Experten.

Autor: red/mich
05.05.2023

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