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Das Inter­net der Zukunft beginnt jetzt

Die Euro­päi­sche IKT-For­schung ist bereits inter­na­tio­nal füh­rend. Mehr Wert­schöp­fung und Wohl­stand sind gefragt.

Die Future-Inter­net-Kon­fe­renz in Bled (Slo­we­nien) 2008 legte den Grund­stein für eine neue, gleich­na­mige For­schungs­in­itia­tive in der Euro­päi­schen Union. Das 400 Mio. Euro schwere Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie (IKT)-Forschungsprojekt des 7. EU-Rah­men­pro­gramms soll gemein­sam mit den Euro­päi­schen Tech­no­lo­gie­platt­for­men den Anstoß geben. Viviane Reding, die zustän­dige EU-Kom­mis­sa­rin, kün­digte dazu im Februar 2009 die Schaf­fung eines Public Pri­vate Part­ner­ships zwi­schen Indus­trie und Euro­päi­scher Kom­mis­sion an. David Ken­nedy, Direk­tor der Eures­com (Euro­pean Insti­tute for Rese­arch and Stra­te­gic Stu­dies in Tele­com­mu­ni­ca­ti­ons), ist seit den Anfän­gen in die euro­päi­sche Future-Inter­net-Initia­tive involviert.

eco­nomy : Es gibt bereits zahl­rei­che For­schungs­in­itia­ti­ven. Warum noch eine neue ?
David Ken­nedy : Rich­tig, es gibt in der Tat bereits viele For­schungs­in­itia­ti­ven. Allein im Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sek­tor haben wir zusätz­lich zu den EU-geför­der­ten Pro­jek­ten meh­rere euro­päi­sche Tech­no­lo­gie­platt­for­men, den Cel­tic-Eureka-Clus­ter für Ende-zu-Ende-Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­schung und in jedem Mit­glied­staat auch noch natio­nale Pro­gramme. Die Future-Inter­net-Initia­tive unter­schei­det sich dadurch, dass sie nicht tech­no­lo­gie­zen­triert ist. Sie ori­en­tiert sich viel­mehr an gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis­sen und Pro­ble­men. Diese Initia­tive geht von unter­schied­li­chen sozia­len und öko­no­mi­schen Anwen­dungs­be­rei­chen wie zum Bei­spiel Gesund­heit, Ener­gie und Wis­sens­ge­sell­schaft aus. Im Unter­schied zum Cel­tic-Clus­ter wer­den die The­men nicht bot­tom-up, son­dern top-down defi­niert. Das ist sehr mutig, denn die The­men fest­zu­le­gen, die das Inter­net von mor­gen prä­gen sol­len, ist mit dem Risiko von Fehl­ein­schät­zun­gen verbunden.

Warum die­ser Perspektivenwechsel ?
Es wurde in den letz­ten Jah­ren sehr viel in die Tech­no­lo­gie­for­schung inves­tiert. Der wirt­schaft­li­che Effekt die­ser Inves­ti­tio­nen ist aber nicht sicht­bar genug gewor­den. Der Wert der tech­no­lo­gie­ori­en­tier­ten For­schung liegt in der Schaf­fung von tech­no­lo­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen und dem Wis­sen dar­über, was man mit den Tech­no­lo­gien machen kann. Was dann wirk­lich spä­ter damit gemacht wird, also wie diese Tech­no­lo­gien wirt­schaft­lich ver­wer­tet wer­den und in neue Pro­dukte ein­flie­ßen, ist kaum nach­voll­zieh­bar. Der öffent­li­chen Hand ist es per Gesetz nicht erlaubt, in die Pro­dukt­ent­wick­lung zu inves­tie­ren. Daher sind die wirt­schaft­li­chen Effekte von For­schungs­in­ves­ti­tio­nen für Arbeits­plätze und Wohl­stand oft kaum ermit­tel­bar. Meist las­sen sich dann nur all­ge­meine Zusam­men­hänge erken­nen. Als Bei­spiel : In den letz­ten Jah­ren wurde in Europa mas­siv in die For­schung zu mobi­ler Hard­ware und mobi­len Diens­ten inves­tiert. Heute hat Europa im Mobil­funk welt­weit Markt­füh­rer­schaft. Doch sol­che all­ge­mei­nen For­schungs­ef­fekte rei­chen nicht aus. Wir müs­sen die öko­no­mi­schen und gesell­schaft­li­chen Effekte von For­schungs­er­geb­nis­sen in Zukunft greif­ba­rer machen. Die Anwen­dungs­ori­en­tie­rung ver­spricht hier mehr als die Tech­no­lo­gie­ori­en­tie­rung. Beide Ansätze sind jedoch wich­tig und ergän­zen sich letztendlich.

Wie ist der aktu­elle Stand zum Thema Future Internet ?
Momen­tan wer­den in der EU zwei Initia­ti­ven von Wis­sen­schaft und Indus­trie vor­an­ge­trie­ben. Im Rah­men des Euro­pean Insti­tute of Tech­no­logy soll ein Knowl­dege and Inno­va­tion Cen­ter gegrün­det wer­den. Seine Auf­ga­ben wer­den vor allem in den Berei­chen stra­te­gi­sche Stu­dien und Lang­zeit­pro­jekte lie­gen. Als Gegen­part wird eine Public Pri­vate Part­ner­ship zwi­schen der euro­päi­schen Indus­trie und der Euro­päi­schen Kom­mis­sion gegrün­det. Ihre Auf­gabe wird eine stär­ker wirt­schafts­ori­en­tierte For­schung sein, mit dem Ziel, in weni­ger als fünf Jah­ren öko­no­mi­sche Effekte durch Inno­va­tio­nen zu erzielen.

Autor:
29.05.2009

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