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„Das ist bei Face­book der pro­ble­ma­tischte Aspekt überhaupt.“

(Wien ; Video/​Text) Publi­zis­tik-Staats­preis­trä­ger, Kurt-Vor­ho­fer-Preis, Karl Ren­ner-Publi­zis­tik­preis, gestar­tet 1970 beim Trend und seit 1997 Kolum­nist beim Stan­dard. Hans Rauscher im Gespräch mit eco­nomy über unbe­kannte Genies, über teure Hirsch­horn­knöpfe und über Hände die füt­tern und trotz­dem gebis­sen werden.

Eco­nomy : Hans Rauscher, auch im inter­na­tio­na­len Kon­text einer der renom­mier­tes­ten Jour­na­lis­ten des Lan­des, Buch­au­tor, Preis­trä­ger zahl­rei­cher Aus­zeich­nun­gen. 1970 Mit­be­grün­der des Trend, Anfang der 1980er-Jahre Chef­re­dak­teur beim Kurier, seit 1997 nun Kolum­nist beim Stan­dard, 1995 Grün­dung Online-Standard.
Wie hast Du als erfah­re­ner Print-Jour­na­list die Ent­wick­lung der Online-Medien miterlebt ?
Hans Rauscher : Ich war damals ein ganz jun­ger Jour­na­list und wir sind mit dem Ossi Bron­ner und noch ein paar Ande­ren in einem Kam­merl gesessen.
Die Men­ta­li­tät in der Publi­zis­tik und in der Poli­tik war : ja der­fens den des ? Das wir zum Bei­spiel Pres­se­ge­schenke abge­lehnt haben. Der dama­lige Chef­re­dak­teur Jens Tsche­bull (Anm. Trend 1970er-Jahre) hat sogar gesagt, wir müs­sen mit dem lau­ten : „Nein danke, ich bin vom Trend“, weg gehen von einer Pressekonferenz.

Blei­ben wir bei der schwie­ri­gen Situa­tion der Medienhäuser.

Ich kenne das Genie nicht, dass die Digi­ta­li­sie­rung erkannt hat und dar­aus Geld gemacht hat. Nach mei­nem Abgang vom Kurier war ich vor 20 Jah­ren in den USA und habe mir unter ande­ren das Wall Street-Jour­nal angeschaut.
Die haben damals schon 50 Dol­lar ver­langt und die boten etwas dafür, nicht nur reine Nach­rich­ten, son­dern, pas­send zur USA und dem Wall-Street-Jour­nal : ich schaue jetzt ein­mal wie viel ich wert bin, und auf Knopf­druck stellte sich her­aus er ist jetzt 500.000 Dol­lar wert weil sich in Sekun­den­bruch­tei­len sein Port­fo­lio gerech­net hat und das konnte man mone­ta­ri­sie­ren weil es um Geld ging.
Inzwi­schen hat die New York Times 1,3 Mil­lio­nen bezahlte Online-Abos. Ok, das scheint auch zu funk­tio­nie­ren. Aber der Rest ist noch im Entwicklungsstadium.

Es gibt Stra­te­gien, etwa das deut­sche Medi­en­haus Axel Sprin­ger aber auch öster­rei­chi­sche Ver­lags­häu­ser set­zen auf den Ver­kauf von Rei­sen, von Büchern, sogar von Kunst­wer­ken. Eine Anhän­ger­schaft, andere sehen mit sol­chen Stra­te­gien die mediale Kern­marke gefährdet.
Die Zeit ver­kauft diese Rei­sen und qua­li­täts­volle Pro­dukte, das geht mei­ner Mei­nung nach. Man darf halt nicht so wie sei­ner­zeit die Gebrü­der Fell­ner (Anm. Wolf­gang und Hel­mut Fell­ner, Grün­der von „News“) ein Packerl Extra­wurst zum Pro­dukt dazu legen. Das ist es nicht.
Aber man muss alles pro­bie­ren. Vor ein oder zwei Jah­ren habe ich vom Maga­zin „Slade“ gele­sen, die haben ein gedruck­tes Pro­dukt gegrün­det um die schö­nen Anzei­gen unterzubringen.
Wenn ich mir auf dem Apple ein Inse­rat anschaue, dann ist es schön, wenn ich es mir auf einem ande­ren Kas­tel anschaue, dann ist ein qua­li­täts­vol­les Inse­rat nicht so toll.
Wer hat Erfolg ? Die Maga­zine Land­lust und Ser­vus Stadt-Land haben anschei­nend Erfolg weil sie wun­der­schöne Spe­zial-Sachen brin­gen, etwa : Wie schnitze ich einen Hirsch­horn­knopf teuer foto­gra­fiert. Ok, not my coup of tea, aber es geht anscheinend.

Vorige Woche wurde der Public-Value-Bericht des VÖZ prä­sen­tiert und hier gab es eine inter­es­sante Dis­kus­sion zwi­schen Rai­ner Nowak, Die Presse und Armin Thurn­her, Fal­ter über die Rolle der sozia­len Medien.
Wür­dest Du die sozia­len Medien als Medien bezeich­nen oder, so wie Nowak und Thurn­her, eher als Technologieplattform ?

Das sind Medien gewor­den mit denen wir auch kon­kur­rie­ren, da gibt es lei­der kein Weg­schauen. Und wenn Stra­che auf sei­ner Face­book-Seite 450.000 Fol­lower hat, dann hat er die.
Dann ist das kein Medium im klas­si­schen Sinn, aber es hat sehr viel mit Öffent­lich­keit zu tun.
Natür­lich hat gerade Face­book die Ein­stel­lun­gen ver­stärkt weil du sozu­sa­gen nur erfährst was du ohne­hin schon denkst und das ist wahr­schein­lich auch der pro­ble­ma­tischte Aspekt überhaupt.
Ich würde da jetzt keine groß­ar­tige defi­ni­to­ri­sche Debatte füh­ren und sagen, wir sind ein Medium weil wir erschei­nen regel­mä­ßig und wir haben gewisse Kri­te­rien. Schon, aber das Andere ist auch ein Medium der Volksbeeinflussung.

Ist es ein Part­ner­me­dium ? Die Frage in dem Kon­text, als Thurn­her Anhän­ger des abge­schlos­se­nen Rau­mes ist, und Nowak wie­derum zusätz­li­che Kanäle sieht für die klas­si­sche Zeitung.
Das würde ich so sehen wie Nowak. Ich selbst habe zwar einen Twit­ter und einen Face­book-Account aber ich habe noch nie was drauf geschrie­ben weil ich ein­fach keine Zeit habe.
Aber : ich nutze Twit­ter und teil­weise auch Face­book von Ande­ren weil es ein Ver­lin­kungs­me­dium ist und weil viele Infor­ma­tio­nen zum Teil auch dort zu fin­den sind.
Umge­kehrt schi­cken wir (Anm. Der Stan­dard) unsere Sachen über Twit­ter und Face­book hin­aus und erhö­hen damit unsere Reich­weite, das ist durch­aus etwas was man nut­zen soll und muss.
Der Stan­dard ist eine links­li­be­rale Zei­tung und hat eine Reich­weite von rund 400.000 Leser und Online hat der Stan­dard mehr als 2 Mil­lio­nen unter­schied­li­che Besu­cher (Anm. laut ÖWA aktu­ell rund 4,5 Mil­lio­nen Cli­ents) und ein Groß­teil davon gehört ganz sicher nicht zur klas­si­schen Kli­en­tel des Stan­dard son­dern sie gehen dort­hin weil das eine sehr gute Web­site ist und Dis­kus­sion zulässt.
Wir haben ent­spre­chend über Online einen Ein­fluss oder Anspruch weit über die klas­si­sche Kern­kli­en­tel des Stan­dard hin­aus und das ist ein Rie­sen­glück und etwas, was etli­che der Print­kol­le­gen nicht sehen oder sehen wol­len. Für die ist das eine böse, feind­li­che Welt und ich habe halt gesagt nein, das ist eine neue Möglichkeit.

Qua­li­ta­tive Print­me­dien sind unver­zicht­bar für die Demo­kra­tie. Im Rah­men der vor­hin erwähn­ten VÖZ-Dis­kus­sion hat der deut­sche Ver­fas­sungs­recht­ler Udo die Fabio das Ver­hält­nis öffent­li­che Unter­stüt­zung ORF ver­sus Print­me­dien kri­tisch hinterfragt.
Ich schreib etwa ein­mal pro Woche einem oder zwei Pos­tern die sagen, „ihr seids ja alle gekauft durch die Pres­se­för­de­rung“ zurück : ich lade sie auf mei­nen Anteil der Pres­se­för­de­rung auf einen Kaf­fee ein, das wird sich viel­leicht gerade noch ausgehen.
Es wird nie befrie­di­gend sein aber es gehört wie­der jus­tiert. Ers­tens ein­mal erhöht, weil die Sum­men in Rela­tion run­ter gegan­gen sind und es gehö­ren Qua­li­täts­kri­te­rien eingezogen.
Die Ali­men­tie­rung durch die Öffent­lich­keit, nicht durch den Staat, durch die Öffent­lich­keit, ist ver­tret­bar. Es wird nur die Zei­tun­gen, die kein Markt­mo­dell haben nicht retten.
Und über die Sub­ven­tio­nie­rung durch Inse­rate : ich schlag etwa das „Öster­reich“ auf und Jö, ich wusste gar nicht, dass die ÖBB Schie­nen hat oder toll, es gibt Parks in Wien. Das ist aber nett von der Gemeinde Wien, dass sie mir das mitteilt.
Das kann sich nur end­lich ein­mal ver­än­dern wenn einer drauf­kommt, dass die Hand die füt­tert trotz­dem gebis­sen wird. (red/​czaak)

(Anm. der Redak­tion : Hans Rauscher und eco­nomy-Redak­teur Chris­tian Czaak ken­nen ein­an­der seit 1997 aus gemein­sa­men Stan­dard-Zei­ten. Das daher resul­tie­rende Du-Wort wurde auch beim Inter­view beibehalten.)

Autor: red/czaak
20.12.2016

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