
„Das ist ein ermutigendes Signal“
Kreditgeschäft steigt weiter kontinuierlich an. Günstigere Zinsen und Bedarf an Betriebsmittel für Investitionen als Gründe. Unternehmen generell optimistischer. Private Nachfrage zu Wohnkrediten steigt bereits länger. Banken waren und sind verhalten.
Der Frühling kommt, und dazu passend wächst auch das zarte Pflänzchen der Konjunktur weiter. Das zeigt die aktuelle Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB), die regelmäßig das Kreditgeschäft unter den führenden heimischen Banken erhebt. Zusammenfassend zeigt sich, dass vor dem Hintergrund einer leichten, sich aber fortsetzenden wirtschaftlichen Erholung die Kreditnachfrage österreichischer Unternehmen seit dem dritten Quartal 2025 wieder ansteigt.
Nötige Trendwende auch bei Sektoren mit noch keiner positiven Dynamik
„Die Trendwende bei der Kreditnachfrage der Unternehmen ist ein ermutigendes Signal. Nach einem Anstieg im dritten Quartal 2025 steigt die Nachfrage nach Krediten auch im vierten Quartal. Getragen wird das von gesunkenen Zinsen, einem höheren Bedarf an Betriebsmitteln und ersten Anzeichen einer wieder anziehenden Investitionstätigkeit“, erläutert Martin Kocher, Gouverneur der OeNB.
Kocher weiter : „Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen vorsichtig optimistisch nach vorne blicken und neue Projekte in Angriff nehmen. Für das erste Quartal 2026 erwarten die Banken eine weitere Belebung. Es ist nun entscheidend, dass sich diese positive Entwicklung möglichst rasch auf jene Sektoren ausweitet, die bislang noch keine positive Dynamik aufweisen“, unterstreicht der OeNB-Gouverneur.
Wirtschaftliche Erholung in Österreich gewinnt schrittweise an Breite
Zuvor war die Kreditnachfrage infolge der wirtschaftlichen Schwächephase seit dem dritten Quartal 2022 drei Jahre lang gesunken. Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten steigt indessen bereits seit zwei Jahren, und das hauptsächlich aufgrund der gesunkenen Zinsen. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB ihren Leitzins schrittweise von vier auf zwei Prozent gesenkt. Infolgedessen sind Kredite günstiger geworden.
„Die anhaltend steigende Nachfrage nach Wohnbaukrediten zeigt auch, dass die geldpolitischen Impulse wirken und Finanzierungen wieder leistbarer geworden sind. Insgesamt sehen wir erste konkrete Anzeichen dafür, dass die wirtschaftliche Erholung in Österreich Schritt für Schritt an Breite gewinnt – auch wenn das prognostizierte Wachstum generell weiterhin moderat ausfällt“, ergänzt Martin Kocher, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB).
Erste Anzeichen für zunehmende Investitionstätigkeit und Finanzierungsbedarf
In der Vergangenheit hat vor allem ein rückläufiger Finanzierungsbedarf der Unternehmen für Anlageinvestitionen die Kreditnachfrage gebremst. Nun gibt es aber erste Anzeichen für eine wieder zunehmende Investitionstätigkeit und dementsprechenden Finanzierungsbedarf. Die Umfrage zeigt aber auch zwei nennenswerte Ausnahmen von der allgemeinen Entwicklung.
Die Kreditnachfrage von energieintensiven Industrieunternehmen und von Unternehmen der Automobilindustrie inklusive der Zulieferindustrie ist im zweiten Halbjahr 2025 weiter gesunken. Das spiegelt die spezifischen Probleme in diesen Industriesegmenten wider und das sind primär hohe Energiepreise und eine strukturelle Schwäche der europäischen Automobilindustrie.
Banken agierten und agieren nach wie vor vorsichtig
Die angespannte Risikosituation spielt aber angebotsseitig für das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen nach wie vor eine wichtige Rolle. Als relevante Parameter gelten hier die allgemeine Wirtschaftslage und die Kreditwürdigkeit bzw. Bonität der Unternehmen. Dies hat seit Anfang 2022 zu Verschärfungen der Kreditangebotspolitik der Banken geführt.
Als Resultat für Unternehmen sind die Kreditvergabestandards in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Banken agierten und agieren angesichts des wirtschaftlichen Umfelds vorsichtiger und passen ihre Kreditkonditionen entsprechend an. Das betrifft besonders Immobilienunternehmen und dabei Gewerbeimmobilienunternehmen stärker als Wohnimmobilienunternehmen. In den kommenden Monetärstatistiken der OeNB wird sich zeigen, in welchem Ausmaß die steigende Kreditnachfrage von Unternehmen auch zu einer erhöhten Neukreditvergabe führt.
Anhaltende Erholung der Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten
Die laut Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnbaukrediten hat folglich zu einer gestiegenen Neuvergabe von Wohnbaukrediten durch die Banken geführt. Gemäß OeNB-Kreditstatistik wurden von Jänner bis November 2025 pro Monat durchschnittlich 1,4 Mrd EUR an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das entspricht einem Zuwachs von fast 50 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2024. Die gestiegene Nachfrage nach Wohnbaukrediten signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten.
Eine ähnlich expansive Kreditentwicklung wie in den Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 ist aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zum Vergleich die Jahre 2017 und 2018, vor dem großen Kreditboom : hier wurden durchschnittlich 1,5 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben, also etwas mehr als 2025 bei damals um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021, mitten im Kreditboom, betrug die Neukreditvergabe für privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd EUR pro Monat bei damals um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen, so die Berechnungen der OeNB. Nach dem Frühling kommt der Sommer, möge neben den Temperaturen auch die Wirtschaftsleistung weiter steigen. (red/czaak)