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„Das ist sicher­heits­tech­ni­sches Harakiri“

Trotz schwie­ri­ger Rah­men­be­din­gun­gen berich­ten hei­mi­sche Unter­neh­men von posi­ti­ver Geschäfts­ent­wick­lung, so aktu­elle KSV-Ana­lyse. Preis­er­hö­hun­gen for­dern har­tes Kos­ten­ma­nage­ment. Gerin­ger Fokus auf Nach­hal­tig­keit und Sicherheit.

Im Rah­men der vom Kre­dit­schutz­ver­band 1870 regel­mä­ßig durch­ge­führ­ten Befra­gung Öster­rei­chi­scher Betriebe zur Geschäfts­lage, bewer­ten aktu­ell 54 Pro­zent die eigene Geschäfts­si­tua­tion als „sehr gut“ oder „gut“. Zuset­zen tun den hei­mi­schen Betrie­ben die stei­gen­den Ener­gie­kos­ten, die Preis­er­hö­hun­gen bei Lie­fe­ran­ten und die gene­relle Infla­tion. Dem gegen­über steht ein har­tes Kos­ten­ma­nage­ment sowie inten­sive Kon­trol­len von betrieb­li­chen Pro­zes­sen und Wertschöpfung.

Um das Thema Sicher­heit bzw. Cyber-Secu­rity küm­mert sich aktu­ell nur jedes fünfte Unter­neh­men und nur ein Drit­tel sieht sich bei Nach­hal­tig­keit auf Kurs – und das, obwohl auf die Betriebe neue Berichts­pflich­ten zukom­men oder wie bei den neuen NIS-Regu­la­rien (Anm. Netz-Infor­ma­ti­ons-Sicher­heits-Gesetz) bereits gül­tig sind. Das sind Ergeb­nisse des aktu­el­len Aus­trian Busi­ness Checks des KSV1870, an dem Anga­ben zufolge rund 1.300 Betriebe teil­ge­nom­men haben. 

Sech­zig Pro­zent der Unter­neh­men vom Arbeits­kräf­te­man­gel betroffen
Die Geschäfts­lage ist in Summe posi­tiv, aber nicht über­all gleich. Ins­be­son­dere im Han­del ist die Lage her­aus­for­dernd, hier bewer­ten ledig­lich 37 Pro­zent ihre der­zei­tige Situa­tion mit „sehr gut“ oder „gut“. Umge­kehrt ist im Bereich Gas­tro­no­mie & Beher­ber­gung ein regel­rech­ter Auf­schwung von 38 auf 65 Pro­zent zu ver­zeich­nen. Der posi­tive Trend zeigt sich auch bei den Umsät­zen : Bei 55 Pro­zent haben sich 2022 die Umsätze ver­bes­sert und auch für das heu­rige Jahr rech­nen vorab 33 Pro­zent mit einer Verbesserung.

Ähn­lich gestal­tet sich die Ent­wick­lung bei der Pro­dukt­nach­frage, wo 55 Pro­zent diese als „sehr gut“ oder „gut“ bezeich­nen. Trotz all­ge­mein posi­ti­ver Pro­gno­sen für das rest­li­che Jahr, sind Betriebe vor­sich­tig : 36 Pro­zent erwar­ten eine stär­kere Nach­frage – im Vor­jahr waren es noch 49 Pro­zent. „Fast 60 Pro­zent sind vom Arbeits­kräf­te­man­gel betrof­fen. Das führt zu stei­gen­den Kos­ten, um Mit­ar­bei­ter zu hal­ten und zu Umsatz­ein­bu­ßen, da Auf­träge abge­lehnt wer­den“, so Ricardo-José Vybi­ral, Vor­stand der KSV1870 Hol­ding AG, der ins­be­son­dere das Thema der „Attrak­ti­vie­rung der Voll­zeit­ar­beit“ als essen­zi­ell ansieht. 

Gro­ßer Auf­hol­be­darf beim Thema Cyber-Security
Wie der Aus­trian Busi­ness Check vom KSV1870 noch zeigt, pfle­gen 35 Pro­zent der hei­mi­schen Betriebe Geschäfts­be­zie­hun­gen mit Unter­neh­men der kri­ti­schen Infra­struk­tur. Bei einem Drit­tel davon macht der Umsatz mit der kri­ti­schen Infra­struk­tur zwi­schen 51 und 100 Pro­zent des Gesamt­um­sat­zes aus. Für sie wird das Inkraft­tre­ten der EU-NIS2-Richt­li­nie im Herbst 2024 erfolgs­ent­schei­dend. Denn bis dahin müs­sen sowohl Betriebe der kri­ti­schen Infra­struk­tur als auch deren Geschäfts­part­ner nach­weis­lich aus­rei­chende Maß­nah­men zum Schutz vor Cyber-Atta­cken imple­men­tiert haben. Andern­falls dro­hen Stra­fen oder es gibt keine Geschäfte. 

„Wenn sich die Unter­neh­men nicht recht­zei­tig um die Imple­men­tie­rung ent­spre­chen­der Sicher­heits­maß­nah­men küm­mern, könnte die Nicht­er­fül­lung der neuen Richt­li­nie für zehn Pro­zent das Aus bedeu­ten. Hier brennt der Hut lich­ter­loh“, betont Vybi­ral. Aktu­ell fokus­sie­ren jedoch nur 21 Pro­zent der Unter­neh­men auf ihre Cyber-Sicher­heit. „Bei rund 60.000 Delik­ten von Inter­net­kri­mi­na­li­tät allein im Vor­jahr, ist das ein sicher­heits­tech­ni­sches Hara­kiri“, so Ricardo-José Vybi­ral. 15 Pro­zent igno­rie­ren das Thema über­haupt, das sei im Hin­blick auf die neue NIS-Richt­li­nie „eine mitt­lere Kata­stro­phe“, so Vybiral.

Bei ESG ste­hen Unter­neh­men erst am Anfang
Ähn­lich wie in Sachen Cyber-Secu­rity ver­hal­ten sich viele Unter­neh­men in punkto Nach­hal­tig­keit. Wie die aktu­elle KSV1870 Umfrage zeigt, stellt der Bereich Envi­ron­men­tal, Social und Gover­nance (ESG) den Groß­teil der Betriebe vor mas­sive Her­aus­for­de­run­gen. Laut eige­nen Anga­ben ver­fü­gen ledig­lich 14 Pro­zent über eine bereits voll­stän­dig umge­setzte Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie. Wei­tere 18 Pro­zent befin­den sich immer­hin in der Planungsphase. 

Beson­ders nach­denk­lich stimmt hin­ge­gen, dass jeder fünfte Betrieb hier den eige­nen Hand­lungs­be­darf erkannt hat, jedoch keine Stra­te­gie in Pla­nung oder gar in Umset­zung hat. „Unab­hän­gig davon, dass viele Betriebe in den kom­men­den Jah­ren ihre ‚grü­nen Akti­vi­tä­ten‘ offen­le­gen müs­sen, wird ESG ein Umden­ken für die gesamte Wirt­schaft bedeu­ten“, unter­streicht Ricardo-José Vybi­ral, Vor­stand der KSV1870 Hol­ding AG. „Frü­her oder spä­ter wird das Thema der Nach­hal­tig­keit auch ein zen­tra­ler Eck­pfei­ler in Finan­zie­rungs­fra­gen oder bei der Kre­dit­ver­gabe sein.“

Autor: red/czaak
01.05.2023

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