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© Pexels.com/Gustavo Fring

Das psy­chi­sche Wohl­erge­hen von Kindern

Die Uni­ver­si­täts­kli­nik Inns­bruck unter­sucht Lebens­qua­li­tät und Bedro­hungs­er­le­ben von Kin­dern in beson­ders betrof­fe­nen Corona-Gebie­ten. Ziel ist ein brei­ter ein­setz­ba­res Früh­erken­nungs­in­stru­ment von Belas­tungs­sym­pto­men. Die zweite Befra­gungs­runde ist soeben gestartet.

In Tirol steht das psy­chi­sche Wohl­erge­hen von Kin­dern im Alter von 3 bis 12 Jah­ren im Fokus einer Stu­die. Das Pro­jekt läuft zwei Jahre, nun gibt es erste Ein­bli­cke in die Ergeb­nisse. Die Aus­wer­tung der ers­ten Befra­gungs­runde zeigt die Ein­schrän­kung der Lebens­qua­li­tät und das Bedro­hungs­er­le­ben von Kin­dern in Tiro­ler Hot­spot­re­gio­nen. „Noch muss kein Alarm geschla­gen, aber wei­ter­hin genau hin­ge­schaut wer­den“, sagen die Exper­tin­nen der Uni­ver­si­täts­kli­nik Inns­bruck. Seit 14. Dezem­ber läuft die zweite Befra­gungs­runde des vom Land Tirol geför­der­ten For­schungs­pro­jek­tes mit einer Lauf­zeit von 24 Monaten. 

Ziel für die aus­füh­rende Univ. Kli­nik für Psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie und Psy­cho­so­ma­tik im Kin­des- und Jugend­al­ter ist die lang­fris­tige Erfas­sung von Angst‑, Stress- und Trau­ma­sym­pto­men sowie der Lebens­qua­li­tät der 3 bis 12-jäh­ri­gen Kin­der. In regel­mä­ßi­gen Abstän­den wer­den Kin­der und Eltern befragt. 220 Kin­der und 438 Eltern aus beson­ders betrof­fe­nen Nord- und Süd­ti­ro­ler Regio­nen gaben bereits im Juni 2020 Aus­kunft und das inklu­dierte auch die Zeit der Qua­ran­täne im März. 

Sprech­stunde und Hot­line in Hall für stark belas­tete Kin­der und deren Eltern
„Ziel ist es, ein Früh­erken­nungs­in­stru­ment von Belas­tungs­sym­pto­men zu ent­wi­ckeln, dass in der Schule und im Kin­der­gar­ten ein­ge­setzt wer­den kann“, erklärt Kath­rin Seve­cke, Lei­te­rin der Stu­die und Pri­ma­ria der Abtei­lung für Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie und Psy­cho­so­ma­tik am Lan­des­kran­ken­haus (LKH) Hall. Die ers­ten Aus­wer­tun­gen haben nun bereits zur Wei­ter­ent­wick­lung von Ent­las­tungs- und Unter­stüt­zungs­maß­nah­men bei­getra­gen, etwa eine Spe­zi­al­sprech­stunde und Tele­fon­hot­line in Hall für stark belas­tete Kin­der und deren Eltern, die par­al­lel zur zwei­ten Befra­gungs­runde per 14. Dezem­ber startet.
 
Zu die­ser zwei­ten Befra­gungs­runde (Anm. per Online­be­fra­gung; siehe Link) wer­den neben den Teil­neh­me­rIn­nen der ers­ten Runde auch wei­tere inter­es­sierte Kin­der und ihre Eltern aus Nord- und Süd­ti­rol ein­ge­la­den. Neu ein­ge­führt wurde ein Ampel­sys­tem. Nach der Befra­gung zeigt den Kin­dern ein Smi­ley an, wie belas­tet sie sind. „Bei den Eltern gibt es eine Ampel. Zeigt diese gelb oder rot, heißt das, bitte nehmt Kon­takt mit uns auf“, erklärt Sil­via Exen­ber­ger, Kli­ni­sche und Gesund­heits­psy­cho­lo­gin sowie wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin der Studie.
 
Ein­schrän­kung der Lebens­qua­li­tät ins­be­son­dere durch feh­lende soziale Kontakte
Die Aus­wer­tung der ers­ten Erhe­bung zeigt in Bezug auf Trau­ma­ti­sie­rung und Angst­emp­fin­den noch keine signi­fi­kan­ten Auf­fäl­lig­kei­ten. „Das ist ein ers­ter guter Befund, aber wir müs­sen jetzt genau hin­schauen, wie sich die­ser Wert ent­wi­ckelt“, so Kath­rin Seve­cke. Deut­li­che Aus­wir­kun­gen haben die Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Covid-19-Pan­de­mie auf die Lebens­qua­li­tät der Kin­der laut Anga­ben der Eltern. 

„Durch die Qua­ran­täne haben die Kin­der stark an Lebens­qua­li­tät ver­lo­ren. Nach dem Ende der Qua­ran­täne hat sich gezeigt, dass dies zu 80 Pro­zent durch feh­lende soziale Kon­takte zustande kommt“, erklärt Seve­cke. Auch die Kin­der beto­nen, dass sie sehr unter dem Ver­lust ihrer Freunde wäh­rend der ers­ten Qua­ran­täne im März 2020 gelit­ten haben. Aller­dings seien auch posi­tive Ver­än­de­run­gen bemerkt wor­den. So seien Kin­der aus Sicht ihrer Eltern selb­stän­di­ger und ent­schleu­nigt worden.
 
Mäd­chen sind besorgter 
In Bezug auf das Bedro­hungs­er­le­ben erge­ben sich deut­li­che Unter­schiede zwi­schen Mäd­chen und Buben. „Wir haben hier bei­spiels­weise gefragt, ob die Kin­der sehr besorgt waren, dass ein Fami­li­en­mit­glied erkran­ken könnte“, erklärt Sil­via Exen­ber­ger. „Hier hat sich gezeigt, dass 62 Pro­zent der Mäd­chen dies sehr stark erlebt haben, aller­dings nur 52 Pro­zent der Jun­gen.“ Auch haben Müt­ter ihre Söhne dies­be­züg­lich bes­ser ein­ge­schätzt, als ihre Töch­ter. Das heißt, Mäd­chen haben ein inten­si­ve­res Bedro­hungs­er­le­ben und damit ver­bun­den auch mehr Trauma- und Angst­sym­ptome. Müt­tern falle das jedoch weni­ger auf und daher „müs­sen wir hier genau hin­schauen“, betont Exenberger. 

Regio­nale Auf­fäl­lig­kei­ten zwi­schen Nord- und Süd­ti­rol gab es keine. „Wir müs­sen jetzt die Ergeb­nisse nach der zwei­ten Welle abwar­ten“, resü­miert Kli­nik­di­rek­to­rin Kath­rin Seve­cke. „Die Belas­tung wird sich vor­aus­sicht­lich erst nach die­ser Befra­gungs­runde zei­gen. Die­ser zweite Lock-Down geht viel­mehr an das Sys­tem und die Ner­ven.“ Die Exper­tin­nen hof­fen jeden­falls auf eine große Betei­li­gung an der zwei­ten Befragungsrunde.

Autor: red/mich/cc
15.12.2020

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