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© Pexels.com/Matthias Zomer

Das Thema Tech­nik in frau­en­do­mi­nier­ten Berufen

Ein­zel­han­del und mobile Pflege sind Berufs­fel­der, in denen vor allem Frauen arbei­ten. Neben der Zusam­men­ar­beit mit Men­schen prägt auch der Umgang mit Tech­nik die Arbeit, so die The­men eines neuen For­schungs­pro­jekts an der TU-Wien. 

Die Digi­ta­li­sie­rung hat nicht nur neue Berufs­fel­der her­vor­ge­bracht, sie hat auch bestehende Tätig­kei­ten ver­än­dert und diese Ent­wick­lung gilt bran­chen­über­grei­fend für Unter­neh­men jeder Grö­ßen­ord­nung. Janis Lena Meiß­ner vom For­schungs­be­reich Human Com­pu­ter Inter­ac­tion an der TU-Wien hat nun gemein­sam mit Exper­tIn­nen aus Sozial- und Raum­for­schung das Thema Tech­no­lo­gie in frau­en­do­mi­nier­ten Dienst­leis­tungs­be­ru­fen aus einer femi­nis­ti­schen Per­spek­tive untersucht. 

Das Smart­phone als zen­tra­ler Helfer
Frauen arbei­ten häu­fig in weni­ger gut bezahl­ten Dienst­leis­tungs­be­ru­fen. Viele die­ser Berufe sind jedoch sys­tem­re­le­vant und das hat die Corona-Pan­de­mie nun neu­er­lich unter­mau­ert. Die Her­aus­for­de­run­gen der weib­li­chen Arbeit­neh­me­rin­nen in Ein­zel­han­del und mobi­ler Pflege sind dabei oft tech­ni­scher Natur und auf diese Aspekte fokus­siert sich die For­schungs­ar­beit von Janis Lena Meiß­ner (TU Wien), Edel­traud Hasel­stei­ner (Urba­nity), Nadja Berg­mann und Nico­las Pret­ter­ho­fer (L&R Social Rese­arch). Das Pro­jekt wird von der AK Wien geför­dert, Ziel ist zumin­dest eine poli­ti­sche Debatte. 

„Indem wir die ver­bor­gene tech­ni­sche Dimen­sion in den all­täg­li­chen Bemü­hun­gen von Ver­kaufs­per­so­nal und mobi­len Heim­hil­fen in den Vor­der­grund rücken, kön­nen diese Berufe womög­lich auf­ge­wer­tet wer­den“, so Janis Lena Meiß­ner. „Die zen­trale Rolle des Smart­phones in Ein­zel­han­del und mobi­ler Pflege bleibt oft ver­bor­gen. Es dient nicht nur der Kom­mu­ni­ka­tion, son­dern auch der Doku­men­ta­tion von Pro­zes­sen, etwa Bar­codes, die wert­volle Details für Kun­den lie­fern und für mobile Pfle­ge­kräfte ist es ein Navi­ga­ti­ons­ge­rät, um opti­male Rou­ten zu Kun­den oder auch Apo­the­ken zu fin­den“, so das Projektteam. 

Corona ver­än­dert Dienstleistungsberufe
Da die Stu­die wäh­rend der Corona-Pan­de­mie durch­ge­führt wurde, stie­ßen die For­sche­rin­nen auch auf pan­de­mie­be­dingt her­vor­ge­ru­fene Tech­nik, etwa Team­mee­tings, die nun digi­tal abge­hal­ten wer­den. Dies betrifft interne Bespre­chun­gen ebenso wie Kun­den­ge­sprä­che. Gerade im Ein­zel­han­del müs­sen Ange­stellte schnell auf das sich ändernde Kon­su­men­ten­ver­hal­ten reagie­ren. Die Kun­den zah­len bei­spiels­weise zuneh­mend bar­geld­los, was Wis­sen über die Kar­ten­le­se­ge­räte vor­aus­setzt. Mit­ar­bei­ter im Ein­zel­han­del muss­ten also in kür­zes­ter Zeit Exper­ten für tech­ni­sche Neue­run­gen werden.

„Inter­es­sant ist auch das Thema PCR-Gur­gel-Tests. In Dro­ge­rie­märk­ten muss­ten Mit­ar­bei­te­rIn­nen die Test-Aus­gabe über­neh­men und wur­den dadurch plötz­lich zu Ansprech­part­nern für Kun­dIn­nen, was etwa auch Unter­stüt­zung bei der Online-Regis­trie­rung betraf. In der mobi­len Pflege eröff­nete das Gur­gel-Test-Pro­gramm wie­derum die Mög­lich­keit, Zeit und Res­sour­cen zu spa­ren“, erläu­tert Janis Lena Meiß­ner. „Gerade für medi­zi­ni­sche Ange­stellte, die sich regel­mä­ßig tes­ten müs­sen, ist dies eine Erleichterung.“ 

Pro­ble­ma­tisch ist auch das Thema Fort­bil­dung, das auf­grund der Pan­de­mie nur ein­ge­schränkt und pri­mär digi­ta­li­siert pas­siert. „Dies erschwert nicht nur die per­sön­li­che Ent­wick­lung der Mit­ar­bei­te­rIn­nen, son­dern ver­rin­gert auch den sozia­len Aus­tausch unter­ein­an­der. Beson­ders in der mobi­len Pflege birgt dies das Risiko, die Über­sicht zu ver­lie­ren, mit wem man eigent­lich zusam­men­ar­bei­tet und somit die Anbin­dung zum Team zu ver­lie­ren“, so Meißner. 

Auf­wer­tung frau­en­do­mi­nier­ter Berufsfelder
Um die Arbeits­be­din­gun­gen für Frauen nun nach­hal­tig zu ver­bes­sern, iden­ti­fi­zie­ren die For­schen­den drei Ansatz­punkte. Es müsse eine sozio­kul­tu­relle Auf­wer­tung der Jobs geben, indem über die teil­weise ver­al­te­ten Vor­stel­lun­gen frau­en­do­mi­nier­ter Berufs­fel­der auf­ge­klärt wird. Die Vor­ur­teile, dass diese Berufe wenig oder gar keine Kom­pe­tenz bedür­fen, sind maß­geb­lich für die schlechte gesell­schaft­li­che Bewer­tung. „Dies gelingt uns am bes­ten, indem jeder Arbeits­an­teil mit einem Markt­wert sicht­bar wird und dazu gehört auch der pro­duk­tive Umgang mit Tech­nik“, unter­streicht Meißner. 

Eine wei­tere Art der Berufs­auf­wer­tung könnte dadurch geleis­tet wer­den, dass die Beschäf­tig­ten aktiv und trans­pa­rent in die Gestal­tung von tech­ni­schen Pro­zes­sen der Arbeits­or­ga­ni­sa­tion invol­viert wer­den. Gestei­ger­tes Selbst­be­wusst­sein als digi­tal kom­pe­tente Arbeits­kraft könnte dazu bei­tra­gen, dass sich Arbeit­neh­me­rIn­nen stär­ker orga­ni­sie­ren und dann etwa auch fai­rere Arbeits­be­din­gun­gen mit­ver­han­deln. Als drit­ten Punkt nen­nen die For­schen­den die for­male Auf­wer­tung der Arbeit, die durch Kol­lek­tiv­ver­träge unter ande­rem an der Bezah­lung ansetzt. 

Autor: red/mich
11.01.2022

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