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Das Wis­sen, das Sein und das Nichts

Über die Gren­zen des Wis­sens wird seit Jahr­hun­der­ten in der abend­län­di­schen Phi­lo­so­phie nach­ge­grü­belt. Die Lösung die­ser Frage ver­si­ckert irgendwo zwi­schen Quan­ten­phy­sik und Tran­szen­denz, und wir wis­sen noch immer nicht, warum wir sind und was die Wirk­lich­keit tat­säch­lich ist.

Die stärks­ten Super­com­pu­ter die­ser Welt kön­nen rech­nen wie nie zuvor und alle mög­li­chen irdi­schen und kos­mi­schen Simu­la­tio­nen dar­stel­len ‑— doch sie wis­sen auch keine Frage auf die wesent­li­chen Pro­blem­stel­lun­gen der Mensch­heit : Woher kom­men wir, wohin gehen wir, gibt es Gott und was liegt hin­ter dem Universum ?
Dem Wis­sen der Mensch­heit sind Gren­zen gesetzt, Gren­zen, die sich weder mit Berech­nun­gen der Phy­sik, mit Erwä­gun­gen der Phi­lo­so­phie oder mit der Logik der Mathe­ma­tik über­schrei­ten lassen.
Die Pro­ble­ma­tik der Gren­zen des Wis­sens geht ins 19. Jahr­hun­dert zurück. In sei­ner Rede „Über die Gren­zen des Natur­er­ken­nens“ (1872) hatte der Phy­si­ker und Medi­zi­ner Emil Hein­rich Du Bois-Rey­mond die Behaup­tung auf­ge­stellt, dass weder die meta­phy­si­sche Frage nach dem „Wesen“ von Mate­rie und Kraft noch der Begriff „Bewusst­sein“ wis­sen­schaft­lich voll­stän­dig geklärt wer­den kann. Seine The­sen lös­ten einen wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen­streit aus, den „Ignora­bimusstreit“. Du Bois-Rey­mond nannte die Ele­men­tar­be­griffe der Mecha­nik, Mate­rie und Kraft, bezeich­nete jedoch die Frage nach dem Bewusst­sein als „Rät­sel“ und ver­hängte über sie den Bann­spruch „Igno­ra­mus et Igno­rabi­mus“ („Wir wis­sen nicht und wer­den nicht wissen“).

Das Welt­rät­sel
Diese Dar­stel­lung wurde als Welt­rät­sel-Dis­kus­sion in aller­höchs­ten Phi­lo­so­phen- und Phy­si­ker­krei­sen her­nach eif­rigst dis­ku­tiert, etwa von Ernst Mach oder von Kurt Gödel. Mit der Quan­ten­theo­rie von Nils Bohr wurde die Wis­sens­dis­kus­sion aller­dings gehö­rig erwei­tert. Die Quan­ten­theo­rie bricht radi­kal mit Prin­zi­pien, die bis dahin für die Phy­sik gal­ten. Die Phy­sik, die seit jeher das Ziel einer mög­lichst voll­stän­di­gen Erklä­rung, Objek­ti­vie­rung und Angabe von Ursa­chen unab­hän­gig von unse­rem Ein­griff ins Gesche­hen ver­folgte, muss sich im Rah­men der Quan­ten­me­cha­nik „mit einer unvoll­stän­di­gen Erklä­rung des Sys­tem­ver­hal­tens“ zufrie­den geben.
Was über die Gren­zen der Phy­sik hin­aus geht, wird mit dem Begriff der Meta­phy­sik beschrie­ben. Ihr wer­den alle Mensch­heits­fra­gen zuge­ord­net, die mit Logik, Empi­rie und prak­ti­schem Wis­sen nicht mehr erklär­bar sind.
Die klas­si­sche Meta­phy­sik behan­delt „letzte Fra­gen“ wie etwa : Gibt es einen letz­ten Sinn, warum die Welt über­haupt exis­tiert ? Gibt es einen Gott oder Göt­ter und wenn ja, was kön­nen wir dar­über wis­sen ? Gibt es einen grund­le­gen­den Unter­schied zwi­schen Geist und Mate­rie ? Besitzt der Mensch eine unsterb­li­che Seele ? Ver­än­dert sich alles oder gibt es auch Dinge und Zusam­men­hänge, die bei allem Wech­sel der Erschei­nun­gen immer gleich bleiben ?
Mar­tin Heid­eg­ger stellte die Grund­fra­gen, die die Gren­zen des Wis­sens bloß­le­gen : „Warum ist über­haupt Sei­en­des und nicht viel­mehr Nichts?“ und „Was ist die Wirk­lich­keit des Wirklichen?“
Die Fra­gen der Meta­phy­sik umfas­sen also die Berei­che Sein und Nichts, Wer­den und Ver­ge­hen, Wirk­lich­keit und Mög­lich­keit, Frei­heit und Not­wen­dig­keit, Geist und Natur, Seele und Mate­rie, Zeit­lich­keit und Ewig­keit. Lau­ter Dinge, für die sich keine befrie­di­gen­den Ant­wor­ten fin­den las­sen, die jen­seits der Gren­zen des Wis­sens lie­gen, die sich nicht im klas­si­schen Sinne erfor­schen lassen.

Unsinn als Folgerung
Lud­wig Witt­gen­stein fand, es sei die Spra­che, die der Erkennt­nis ent­ge­gen­stehe. Er führte einen „Kampf gegen die Ver­he­xung des Ver­stan­des durch die Mit­tel unse­rer Spra­che“. Wenn alles durch die Spra­che aus­ge­drückt sei, dann werde es am Ende als unsin­nig erkannt.
Ein zen­tra­les Pro­blem, das die Gren­zen des Wis­sens sprengt, ist die Suche nach dem Got­tes­be­weis. Die Suche an sich ist schon eine Wis­sens­er­wei­te­rung, denn sie steht im kras­sen Wider­spruch zu jeder Form eines reli­giö­sen Irra­tio­na­lis­mus, der jede ratio­nale Dis­kus­sion über Gott ablehnt. Phi­lo­so­phen von Aris­to­te­les bis Kant, von Tho­mas von Aquin bis David Hume haben sich am Got­tes­be­weis oder Nicht-Beweis abge­müht. Letz­ten Endes ver­san­det diese Phi­lo­so­phie aber in wenig schlüs­si­gen Pos­tu­la­ten aus den Berei­chen der Moral, Kau­sa­li­tät, der Teleo­lo­gie und der Transzendenz.

Autor:
27.08.2010

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