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© pexels/kelie churchman

Das Zusam­men­spiel von Kör­per und Geist

Ciara Burns über­querte im Ruder­boot den Atlan­tik und sam­melte dabei wis­sen­schaft­li­che Daten über den eige­nen Kör­per. Nun wur­den die wis­sen­schaft­li­chen Aus­wer­tun­gen der Ergeb­nisse publiziert.

42 Tage war Ciara Burns unter­wegs, als sie im Jahr 2021 als Teil eines zwölf­köp­fi­gen Teams quer über den Atlan­tik ruderte. Von Anfang an war klar: Sowohl kör­per­lich als auch men­tal muss man bei so einem Vor­ha­ben an die äußers­ten Belas­tungs­gren­zen gehen. Eine Situa­tion, die nicht nur aus sport­li­cher, son­dern auch aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht rele­vant ist.

Die Stu­den­tin der TU Wien sam­melte wäh­rend der gesam­ten Reise Mess­da­ten, regis­trierte etwa mit spe­zi­el­len Sen­so­ren ihre Herz­fre­quenz und führte Auf­zeich­nun­gen über ihr sub­jek­ti­ves Wohl­be­fin­den. Nun ist die Aus­wer­tung der Daten abge­schlos­sen, die Ergeb­nisse wur­den ver­öf­fent­licht und dar­aus lässt sich für ähn­li­che Extrem­sport­pro­jekte ler­nen. Ein geson­der­ter Fokus betrifft dabei das enge Zusam­men­spiel zwi­schen Kör­per und Psyche.

Wie varia­bel ist der Herzschlag?
„Wich­tig für uns ist vor allem die Varia­bi­li­tät der Herz­fre­quenz. Aus ihr kann man auf den all­ge­mei­nen Fit­ness­zu­stand schlie­ßen, auf Schlaf­qua­li­tät und dar­auf, wie gut sich jemand wäh­rend des Schlafs rege­ne­rie­ren kann“, sagt Euge­ni­jus Kani­usas, der an der TU Wien die For­schungs­gruppe „Bio­me­di­cal Sens­ing“ lei­tet und das Pro­jekt wis­sen­schaft­lich beglei­tet hat.

Im Nor­mal­fall ist die Herz­fre­quenz in Wach­pha­sen gleich­mä­ßi­ger, in Schlaf­pha­sen vari­iert sie stär­ker. Ein gro­ßer Unter­schied in der Herz­fre­quenz­va­ria­bi­li­tät zwi­schen Schlaf­pha­sen und Wach­pha­sen deu­tet dar­auf hin, dass sich der Kör­per wäh­rend des Schlafs gut rege­ne­riert. Gleicht sich die Varia­bi­li­tät in Schlaf- und Wach­pha­sen an, ist das ein Zei­chen dafür, dass die kör­per­ei­ge­nen Regu­lie­rungs- und Rege­ne­ra­ti­ons­me­cha­nis­men nicht mehr opti­mal funktionieren.

Drei Stun­den rudern, drei Stun­den Ruhe
Beim Bewerb legte sich das Ruder­team einen sehr unge­wöhn­li­chen Schlaf­rhyth­mus zurecht: Rund um die Uhr war immer eine Hälfte des Teams mit Rudern beschäf­tigt, die andere schlief. Alle drei Stun­den wech­selte man sich ab. Diese Stra­te­gie hatte sich schon vor­her bei ähn­li­chen Pro­jek­ten bewährt. Wie kommt nun der Kör­per mit die­sem unna­tür­li­chen Rhyth­mus zurecht?

„Es gab drei Pha­sen, in denen es beson­ders her­aus­for­dernd war“, sagt Ciara Burns. „Zu Beginn natür­lich, wenn man sich an die Anstren­gung und den neuen Rhyth­mus erst gewöh­nen muss. Dann etwa in der Mitte der Reise, als mir bewusst wurde, wie groß der Atlan­tik in Wahr­heit ist, und wie lange die zweite Hälfte noch dau­ern wird. Und ganz am Ende war es dann noch ein­mal schwie­rig, als das Ziel zwar schon nah, aber noch nicht so wirk­lich greif­bar war.“

Der Kör­per begibt sich in eine Art Schutzmodus
Diese drei Pro­bl­em­pha­sen las­sen sich auch an den Daten erken­nen: Die Schlaf­qua­li­tät ging jeweils zurück. Das zeigt deut­lich, dass die psy­chi­sche Ver­fas­sung eng mit mess­ba­ren, phy­sio­lo­gi­schen Para­me­tern in Bezie­hung steht. Es gibt aber auch eine Ent­wick­lung über die gesamte Reise hin­weg, wo die Fähig­keit zur Rege­ne­ra­tion wäh­rend der Schlaf­pha­sen suk­zes­sive schlech­ter wurde und der Kör­per es nicht mehr so gut schafft, zwi­schen Wach- und Schlaf­pha­sen umzuschalten. 

„Der Kör­per scheint hier in eine Art Schutz­mo­dus über­zu­ge­hen, um das Herz vor Über­las­tung zu schüt­zen. Der Herz­schlag wird im Durch­schnitt lang­sa­mer, die Akti­vi­tät des para­sym­pa­thi­schen Ner­ven­sys­tems, das eine wich­tige Rolle bei der Steue­rung der inne­ren Organe spielt, nimmt zu“, erläu­tert Euge­ni­jus Kani­usas von der TU Wien.

Autor: red/czaak
14.11.2023

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