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© Pexels.com/Karolina Grabowska

Daten in US-Clouds und das Thema Unabhängigkeit

Geo­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen und US-Zoll­po­li­tik und Streit bei EU-Daten­ge­set­zen belas­ten zuneh­mend Geschäft der gro­ßen US-Clou­dan­bie­ter. Ama­zon Web Ser­vices reagiert nun mit eige­nem Cloud-Unter­neh­men für Europa.

Geo­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen wie Kriege oder die will­kür­li­che Ein­he­bung von Zöl­len, Vor­würfe im Kon­text mit behörd­li­chen Ein­fluss­nah­men beim Zugriff auf pri­vat-betrieb­li­che Daten und unter­neh­mens­po­li­ti­sche Eigen­mäch­tig­kei­ten gro­ßer US-Tech­fir­men bei der Ver­wen­dung von Daten brin­gen immer mehr Men­schen und Unter­neh­men zum Nach­den­ken, wie unab­hän­gig oder abhän­gig sie bei Lage­rung und Manage­ment ihrer eige­nen Daten eigent­lich sind.

Bei Unter­neh­men und der öffent­li­chen Ver­wal­tung mit Behör­den und Insti­tu­tio­nen betrifft diese Frage ins­be­son­dere das Daten­ma­nage­ment in und über die diver­sen Cloud-Ange­bote von US-Anbie­tern wie Ama­zon Web Ser­vice, Micro­soft mit Azure, Google oder auch Apple. „Die Markt­macht die­ser Tech-Rie­sen ist mitt­ler­weile besorg­nis­er­re­gend“, meinte kürz­lich auch das inter­na­tio­nale Bera­tungs­un­ter­neh­men EY nach einer glo­ba­len Ana­lyse von Unternehmen.

Besorg­nis­er­re­gende Markt­macht der US-Techriesen
Im deutsch­spra­chi­gen Raum haben ansäs­sige IT-Dienst­leis­ter wie die Deut­sche Tele­kom und T‑Systems als Tele­kom-Toch­ter für den Bereich Busi­ness-IT schon län­ger auf diese Ent­wick­lung reagiert und bie­ten etwa mit der Open-Tele­kom-Cloud (OTC) und Daten­hal­tung in deut­schen und öster­rei­chi­schen Rechen­zen­tren Alter­na­ti­ven. Auch CAN­COM Aus­tria (ehem. Kapsch Busi­ness­Com), A1 oder die ober­ös­ter­rei­chi­sche Faba­soft bie­ten umfas­sende Cloud-Ser­vices mit Daten­hal­tung in eige­nen Rechen­zen­tren in Österreich.

Aktu­ell hat nun der US-Anbie­ter Ama­zon Web Ser­vices (AWS) ver­laut­bart, ein eige­nes Cloud-Unter­neh­men für Europa zu grün­den und dar­über die soge­nannte AWS Euro­pean Sove­reign Cloud anzu­bie­ten. Bestand­teil ist auch ein eige­nes Secu­rity Ope­ra­ti­ons Cen­ter (SOC). Das Unter­neh­men soll extra Anga­ben zufolge von Staatsbürger:innen aus EU-Staa­ten gelei­tet wer­den und loka­len recht­li­chen Anfor­de­run­gen unter­lie­gen. Kath­rin Renz, der­zeit Vice Pre­si­den­tin der ame­ri­ka­ni­schen AWS Indus­tries, wird erste Geschäfts­füh­re­rin der Gesellschaft.

Ein­hal­tung und Prü­fung gel­ten­der Rechts­vor­schrif­ten über eige­nen Beirat
AWS will zudem „einen unab­hän­gi­gen Bei­rat für die AWS Euro­pean Sove­reign Cloud ein­rich­ten“, bestehend „aus vier Mit­glie­dern, alle Staatsbürger:innen und Wohn­sitz in der EU“, und „dar­un­ter min­des­tens ein von Ama­zon unab­hän­gi­ges Bei­rats­mit­glied“, so AWS in einer Aus­sendung. Die neue Geschäfts­füh­re­rin Kath­rin Renz wird in der Aus­sendung geson­dert her­vor­ge­ho­ben als Deut­sche Staats­bür­ge­rin aus­ge­wie­sen, und sie soll sicher­stel­len, dass die AWS Euro­pean Sove­reign Cloud allen gel­ten­den Geset­zen und Rechts­vor­schrif­ten in Deutsch­land und der EU entspricht. 

„Diese Inves­ti­tion unter­streicht unser Enga­ge­ment für Euro­pas digi­tale Zukunft. Kun­den kön­nen Inno­va­tio­nen vor­an­trei­ben und dabei ihre Anfor­de­run­gen an die digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät erfül­len“, betont Renz. In der Pres­se­aus­sendung wei­ters betont wird, dass „die Infra­struk­tur der AWS Euro­pean Sove­reign Cloud unab­hän­gig ist und es keine ope­ra­tive Kon­trolle außer­halb der EU-Gren­zen geben wird“. Aus­schließ­lich AWS Mitarbeiter:innen mit Wohn­sitz in der EU wer­den „Kon­trolle im täg­li­chen Betrieb aus­üben, ein­schließ­lich des Zugangs zu Rechen­zen­tren, des tech­ni­schen Sup­ports und des Kun­den­ser­vice für die AWS Euro­pean Sove­reign Cloud“.

Betrieb­li­che Auto­no­mie und Sicher­heit in Europa
Auch für die Absi­che­rung durch ein eige­nes Secu­rity Ope­ra­ti­ons Cen­ter gilt, dass die:der Lei­ter EU-Bürger:in mit Wohn­sitz in der EU sein wird. Um alle EU-Regu­la­rien und die Kun­den­an­for­de­run­gen im Kon­text mit einem auto­nom-unab­hän­gi­gen euro­päi­schen Daten­ma­nage­ment zu erfül­len und zu pro­to­kol­lie­ren, wird AWS auch ein soge­nann­tes Sove­reign Requi­re­ments Frame­work (SRF) installieren. 

„Das SRF ist ein umfas­sen­der Kata­log tech­ni­scher, recht­li­cher und betrieb­li­cher Sou­ve­rä­ni­täts­kon­trol­len, der auf Basis der Sou­ve­rä­ni­täts­er­war­tun­gen von Kun­den, der Anfor­de­run­gen von Regu­lie­rungs­be­hör­den in der EU, Leit­li­nien füh­ren­der Bran­chen­stan­dards und Rah­men­werke und der Bedürf­nisse von Imple­men­tie­rungs­part­nern ent­wi­ckelt wurde“, so AWS. Und : „Kun­den erhal­ten Zugang zu Prüf­be­rich­ten, wel­che die voll­stän­dige Nach­ver­folg­bar­keit der Kon­troll­ge­stal­tung und betrieb­li­chen Wirk­sam­keit gewährleisten“. 

Autor: red/czaak
09.06.2025

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