
Datenschutzregeln belasten Unternehmen
Deutsche Betriebe beklagen hohen Aufwand bei Umsetzung von Gesetzen rund um Datenschutz. Unternehmensverband Bitkom fordert Reduktion und praktische Orientierung bei Berichtspflichten sowie bessere Abstimmung zwischen EU und nationaler Gesetzgebung.
Das Thema Datenschutz verursacht immer höhere Belastungen in deutschen Unternehmen. Mit 97 Prozent klagen damit aktuell praktisch alle Unternehmen über einen hohen Aufwand. Diese Zahl hat sich nochmals gesteigert, vor einem Jahr waren es 94 Prozent. Laut eigenen Angaben müssen 44 Prozent einen sehr hohen Aufwand (2024 : 38 Prozent) für den Datenschutz betreiben und 53 Prozent einen eher hohen Aufwand.
Zudem gilt, je kleiner die Unternehmen, desto größer die Belastung : 45 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten haben einen sehr hohen Aufwand, bei jenen mit 100 bis 499 Beschäftigten sind es 42 Prozent und 38 Prozent bei Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten.
„Wir müssen die Dokumentations- und Berichtspflichten deutlich reduzieren“
Diese Zahlen sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland aus allen Branchen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Wir haben beim Datenschutz eine viel zu hohe Komplexität geschaffen, mit einer Vielzahl von Aufsichtsbehörden und unterschiedliche Auslegungen“, sagt Ralf Wintergerst, Präsident vom Bitkom-Verband. „Wir müssen die Dokumentations- und Berichtspflichten deutlich reduzieren und die technologischen Entwicklungen, etwa bei Künstlicher Intelligenz, beim Datenschutz stärker berücksichtigen“, fordert Wintergerst.
Entsprechende Ankündigungen der EU-Kommission im Zuge des sogenannten Omnibus-IV-Pakets reichen nach Ansicht des Bitkom nicht aus. So sollte bei Dokumentationspflichten wie der Pflicht zur Führung eines Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten das Risiko entscheidend sein, und nicht die Unternehmensgröße. Zudem brauche es weitere Maßnahmen wie Standard-Vorlagen, klarere Regeln für Betroffenenanfragen und eine bessere Verzahnung der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) mit neuen EU-Gesetzen.
Drohender Verlust von individuellen und gesellschaftlichen Mehrwerten
Beim Aufwand rund um das Thema Datenschutz scheint also derzeit keine Besserung in Sicht. Für 16 Prozent hat er im vergangenen Jahr stark zugenommen, für weitere 53 Prozent eher zugenommen. 30 Prozent berichten von gleichbleibendem Aufwand, aber kein Unternehmen stellt fest, dass der Aufwand zurückgeht. „Es geht nicht um eine Abschaffung des Datenschutzes. Wir müssen den Datenschutz wieder stärker an realen Gefahren als an theoretischen Risiken orientieren. Und wir müssen im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung der Wirkungen von Datenschutz immer auch den Verlust von individuellen und gesellschaftlichen Mehrwerten durch fehlende Datennutzung bedenken“, so Wintergerst.
Aktuelle Entwicklungen im deutschen und internationalen Datenschutzrecht, die Aufsichtsstruktur, aber auch Herausforderungen durch Technologien wie KI waren auch Themen der diesjährigen Bitkom Privacy Conference. Hier tauschten sich zuletzt in Berlin und online Datenschutzexperten verschiedener Datenschutzbehörden, global agierende Unternehmen und Start-Ups aus. Neben Vorträgen und Panels gab es Workshops sowie praxisorientierte Sessions mit Best Practices aus Unternehmen und Behörden. (red/czaak)