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© pexels/anne

Dehn­bare Lebens­dauer für Textilien

Beim Tra­gen bequem, beim Recy­cling höchst unan­ge­nehm. Der Werk­stoff Ela­s­tan macht die Wie­der­ver­wen­dung von Tex­ti­lien schwie­rig. Die TU Wien hat dage­gen nun eine neue Stra­te­gie entwickelt.

Klei­dung ist viel zu schade, um sie ein­fach zu ent­sor­gen und zu ver­bren­nen. Ab 2025 sol­len in der gan­zen EU Alt­tex­ti­lien gesam­melt und recy­celt wer­den. Um mit der sodann anfal­len­den rie­si­gen Menge an Tex­ti­lien effi­zi­ent und umwelt­ge­recht umzu­ge­hen, sind ver­bes­serte Recy­cling­ver­fah­ren drin­gend notwendig.

Schwie­rig ist das Recy­cling von Misch­tex­ti­lien – und ganz beson­ders, wenn Ela­s­tan ent­hal­ten ist. Die TU Wien hat dafür nun Metho­den ent­wi­ckelt, mit denen man Ela­s­tan nicht nur bes­ser und umwelt­freund­li­cher als bis­her detek­tie­ren kann, son­dern es dann auch noch auf scho­nende Weise abtren­nen kann, um par­al­lel andere Fasern unbe­schä­digt zurück­zu­ge­win­nen. Ent­schei­dend dabei ist es, die pas­sen­den Lösungs­mit­tel zu finden.

Ela­s­tan als Maschinenkiller
„Viele Mate­ria­lien, die wir zur Her­stel­lung von Klei­dung ver­wen­den, sind als rei­nes Mate­rial pro­blem­los recy­clier­bar, etwa Baum­wolle, Poly­es­ter oder Poly­amid“, erklärt Ema­nuel Boschmeier vom Insti­tut für Ver­fah­rens­tech­nik, Umwelt­tech­nik und tech­ni­sche Bio­wis­sen­schaf­ten der TU Wien. Boschmeier arbei­tet aktu­ell an einer Dis­ser­ta­tion zu die­sem Thema. 

„Doch Ela­s­tan, selbst wenn es nur in gerin­gen Men­gen bei­gemischt ist, macht das bis­her übli­che Recy­cling mit her­kömm­li­chen Metho­den unmög­lich“, erklärt Boschmeier. Ela­s­tan ist der­art dehn­bar, dass die Reiß­ma­schi­nen, mit denen Tex­ti­lien übli­cher­weise vor dem Recy­cling zer­klei­nert wer­den, nicht damit zurecht­kom­men. Die Folge sind Ver­schmut­zun­gen, Ver­stop­fun­gen und Ver­klum­pun­gen in den Maschinen.

Zuver­läs­sig detektieren
Es braucht daher in einem ers­ten Schritt eine zuver­läs­sige und schnelle Methode, um den Elas­t­an­ge­halt in Tex­ti­lien über­haupt zuver­läs­sig zu mes­sen. Eine sol­che Methode gab es aber bis dato nicht. „Die übli­chen Test­me­tho­den arbei­ten mit Lösungs­mit­teln, die als gesund­heits­schä­di­gend ein­ge­stuft wer­den, außer­dem sind sie äußerst zeit­in­ten­siv“, erläu­tert TU-Experte Boschmeier. 

An der TU Wien wurde nun im Labor von Vasi­liki-Maria Archo­dou­laki ein neu­ar­tige Detek­ti­ons­me­thode ent­wi­ckelt (Anm. „Ela­s­tan Quan­ti­fi­ca­tion Tool“), um ein­mal den tat­säch­li­chen Bestand von Ela­s­tan in einem Klei­dungs­stück zu mes­sen. Die Detek­ti­ons­me­thode basiert auf der Spek­tro­sko­pie im mitt­le­ren Infra­rot, wel­che gemein­sam mit For­schungs­kol­le­gen Bern­hard Lendl für die Fra­ge­stel­lung opti­miert wurde.

Fasern sor­ten­rein trennen
Der nächste Schritt war eine Methode, um Ela­s­tan von ande­ren Fasern zu tren­nen und nach zahl­rei­chen Ver­su­chen stie­ßen die TU-For­scher auf ein unge­fähr­li­ches Lösungs­mit­tel, das ganz selek­tiv das Ela­s­tan ent­fernt, und die wie­der­ver­wend­ba­ren Fasern intakt lässt. Die Methode wurde bereits zum Patent ange­mel­det. Mate­ria­lien wie Poly­es­ter oder Poly­amid kann mit der Methode fast voll­stän­dig zurück­ge­win­nen und sogar das Lösungs­mit­tel selbst kann zurück­ge­won­nen und wei­ter­ver­wen­det wer­den, so die TU Wien in einer Aussendung.

Die For­schungs­ar­beit wurde als Teil des EU-Pro­jekts SCIRT (Sys­tem Cir­cu­la­rity and Inno­va­tive Recy­cling of Tex­ti­les) durch­ge­führt. Ema­nuel Boschmeier erhielt für seine Ergeb­nisse den INI-Award für Inno­va­tion und Nach­hal­tig­keit im Inge­nieur­we­sen. Die Aus­zeich­nung wird vom Öster­rei­chi­schen Inge­nieur- und Archi­tek­ten­ver­ein (ÖIAV) und der Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung (IV) vergeben. 

Autor: red/mich
19.12.2023

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