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Den gesell­schaft­li­chen Stoff­wech­sel reduzieren

Die Welt­be­völ­ke­rung ver­braucht jähr­lich 68 Mil­li­ar­den Ton­nen Mate­ria­lien. Ein Pro­jekt des Wis­sen­schafts­fonds FWF soll rea­lis­ti­sche Pro­gno­sen des glo­ba­len Res­sour­cen­ver­brauchs erlauben.

In die­sem wird ein Modell ent­wi­ckelt, das es erlaubt, glo­bale Mate­ri­al­flüsse vom Auf­kom­men bis zur Ent­sor­gung und Wie­der­ver­wer­tung im Zusam­men­hang mit Mate­ri­al­be­stän­den zu ermit­teln — von der Res­sour­cen­ent­nahme bis hin zu den resul­tie­ren­den Abfäl­len und Emissionen.
Große Men­gen von Mate­rial und Ener­gie ste­cken in so all­täg­li­chen Gerä­ten wie Espres­so­ma­schine, Was­ser­ko­cher oder Haar­fön. „Der stei­gende glo­bale Res­sour­cen­ver­brauch führt unse­ren Pla­ne­ten an die Gren­zen der Belast­bar­keit. Um dras­ti­sche Fol­gen für die Lebens­qua­li­tät zu ver­mei­den, sind tief­grei­fende umwelt- und wirt­schafts­po­li­ti­sche Maß­nah­men erfor­der­lich, die den gesell­schaft­li­chen Stoff­wech­sel deut­lich ver­rin­gern”, sagt Fri­do­lin Kraus­mann vom Insti­tut für Soziale Öko­lo­gie an der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Klagenfurt.
Ein bedeu­ten­der Fak­tor, näm­lich die Mate­ri­al­be­stände, die bereits in Infra­struk­tu­ren, Gebäu­den und lang­le­bi­gen Gütern gebun­den sind, wurde bis­lang ver­nach­läs­sigt. Es fehl­ten schlicht die Daten. Ein Pro­jekt des Wis­sen­schafts­fonds FWF lie­fert nun erst­mals eine umfas­sende Abschät­zung die­ser glo­ba­len Mate­ri­al­be­stände. Dadurch kön­nen auch deren lang­fris­tige Wir­kun­gen auf die Res­sour­cen­flüsse model­liert werden.

Fos­sil­zeit­al­ter
Das Pro­jekt wirft einen wei­ten Blick zurück : „In der agra­ri­schen Gesell­schaft war die Son­nen­en­er­gie die ener­ge­ti­sche Basis. Mitte des 18. Jahr­hun­derts wurde die Sonne durch fos­sile Ener­gie­trä­ger wie Kohle und spä­ter Erdöl abge­löst“, sagt Kraus­mann. „Und nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat sich infolge von Mas­sen­pro­duk­tion und dem weg­wer­f­ori­en­tier­ten Kon­sum der Gesamt­ver­brauch an Res­sour­cen dann ver­dop­pelt und verdreifacht.“
Das Pro­jekt unter­sucht für ver­schie­dene Welt­re­gio­nen, wie sich diese Ver­än­de­run­gen im Res­sour­cen­ver­brauch in den Mate­ri­al­be­stän­den nie­der­schla­gen und wie diese Bestände wie­derum den zukünf­ti­gen Res­sour­cen­ver­brauch beein­flus­sen. Das Pro­jekt erfasst glo­bal sowie für elf Welt­re­gio­nen sämt­li­che Mate­ri­al­be­stände und ‑flüsse von 1900 bis 2010. Dabei wird zwi­schen 65 Mate­ri­al­grup­pen differenziert.
Das Modell ermög­licht es, den zu erwar­ten­den Mate­ri­al­be­stand und das Abfall­auf­kom­men zu einem defi­nier­ten Zeit­punkt zu berech­nen und damit auch das Recy­cling­po­ten­zial fest­zu­stel­len. Kraus­mann ent­wirft so bis 2050 rei­chende Stoff­wech­sel­sze­na­rien. Diese Erkennt­nisse hel­fen poli­ti­schen Akteu­ren, um plau­si­ble Reduk­ti­ons­ziele fest­zu­le­gen und eine nach­hal­tige Res­sour­cen­nut­zung zu planen. 

Autor: red/stem
18.11.2015

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