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Der Entre­pre­neur für Generationen

Betrach­tet man als öster­rei­chi­scher Bür­ger und Unter­neh­mer ver­gleichs­weise die Ent­wick­lung von Nie­der­ös­ter­reich, so möchte man sich Erwin Pröll als Vor­stands­chef der Öster­reich AG wün­schen und nicht als Auf­sichts­rats­prä­si­dent. Und aus nie­der­ös­ter­rei­chi­scher Sicht soll er bitte blei­ben wo er ist. 

Ein Kom­men­tar von Chris­tian Czaak. Recher­chen bei Sta­tis­tik Aus­tria, bei WIFO und beim IHS sowie die eigene Beglei­tung der stand­ort­po­li­ti­schen Akti­vi­tä­ten von Bund und Län­dern seit 1999 zei­gen, dass Nie­der­ös­ter­reich bei allen rele­van­ten Stand­ort-Fak­to­ren unan­ge­foch­te­ner Spit­zen­rei­ter ist und dabei auch den Bund mehr­heit­lich hin­ter sich lässt (siehe Bericht „Der Klassenprimus“).

Nie­der­ös­ter­reich ist anders
Erwin Pröll, gebo­ren 1946 im Wein­vier­tel und pro­mo­vier­ter Agrar­öko­nom der Uni für Boden­kul­tur tritt im März 1980 als Lan­des­rat in die NOe-Lan­des­re­gie­rung ein. 1981, vor nun­mehr 35 Jah­ren folgt die Ernen­nung als stv. Lan­des­haupt­mann und im Okto­ber 1992 über­nimmt er die allei­nige Lei­tung der Nie­der­ös­ter­reich AG. Vom Start weg enga­giert er sich für die The­men Bil­dung, Wis­sen­schaft und Inno­va­tion ebenso wie für das per­sön­li­che Lebens­um­feld jun­ger wie älte­rer Generationen.
Pröll for­ciert dabei bereits als jun­ger Lan­des­rat Umwelt­the­men und for­dert etwa eine eigene Abgabe auf umwelt­be­las­tende Treib­haus­gase wie Koh­len­di­oxid (CO2). Lange vor der Bun­des­po­li­tik führt er in Nie­der­ös­ter­reich eigene Schul­mo­delle ein wie bei­spiels­weise die Schü­ler­höchst­zahl von 25 Kin­dern pro Klasse oder ein eige­nes Pfle­ge­mo­dell zur Betreu­ung hilfs­be­dürf­ti­ger Menschen.
Aus­ge­hend von sei­ner Über­zeu­gung, scheut er bei die­sen Akti­vi­tä­ten von Beginn weg keine Kon­flikte. Sein Plan der Han­dy­mas­ten­steuer etwa sorgt für euro­pa­weite Auf­re­gung bis hin zur sei­ner­zei­ti­gen EU-Kom­mis­sa­rin Viviane Reding und mün­det schließ­lich in einer für Nie­der­ös­ter­reich akzep­ta­blen Eini­gung mit den Mobilfunkbetreibern.

Unbeug­sam gegen Widerstand
Spricht man aktu­ell mit dem Lan­des­chef über wesent­li­che Erfah­run­gen aus all die­sen Jah­ren, dann zeigt sich auch bei Mimik und Kör­per­spra­che eine spür­bare Über­zeu­gung und Hal­tung mit einem mög­li­cher­weise nur schwer ver­rück­ba­ren Antrieb. Der nach­weis­bare Erfolg gibt ihm aber ein­drucks­voll Recht. Das zeigt sich vom Start­schuss der Donau Uni Krems 1987 als Nukleus für alle wei­te­ren bil­dungs- und for­schungs­po­li­ti­schen Maß­nah­men über die lan­des­weite For­schungs­achse der Tech­no­pol-Zen­tren bis hin zum Insti­tut of Sci­ence and Tech­no­logy Aus­tria (ISTA) in Klos­ter­neu­burg und dem inter­na­tio­na­len Krebs-Zen­trum Med­Aus­tron in Wie­ner Neustadt.
Ins­be­son­dere ISTA und Med­Aus­tron bestä­ti­gen dabei den unbeug­sa­men Umset­zer Erwin Pröll. Das ISTA wurde gegen erbit­terts­ten Wider­stand von bun­des­wei­ter For­schungs­elite und Poli­tik 2009 eröff­net — und aktu­ell stellt nun bereits die zweite inter­na­tio­nale Eva­lu­ie­rung Best­no­ten aus. Am Insti­tut arbei­ten Nobel­preis­trä­ger, und mehr als 1.000 regel­mä­ßige inter­na­tio­nale Bewer­bun­gen sowie aktu­ell 36 (!) ERC-Grants (Euro­pean Rese­arch Coun­cil) bestä­ti­gen den welt­weit füh­ren­den Rang als (öster­rei­chi­sche) Forschungsinstitution.
Auch das Med­Aus­tron, ebenso bereits Modell-Ein­rich­tung von Welt­rang, wurde gegen mas­sive bun­des­po­li­ti­sche Spar­wi­der­stände erfolg­reich ver­tei­digt und dabei setzte sich Pröll sowohl gegen Par­tei­kol­le­gen und dama­li­gen Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Hahn wie auch gegen­über dem dama­li­gen Bun­des­kanz­ler Fay­mann in der Wah­rung der NOe-Lan­des­in­ter­es­sen durch. Aktu­ell spricht Pröll immer noch von dama­li­gen „gro­ßen per­sön­li­chen Anfein­dun­gen“ aber auch „vom uner­schüt­ter­li­chen Glau­ben daran“ und „von einer unglaub­li­chen Genug­tu­ung durch die Erfolge“ — und letzt­lich auch ver­söhn­lich, „weil jemand, der einen Schritt in eine unge­wisse Zukunft tut, viele Fra­ge­zei­chen um sich hat“ (siehe Inter­view „Ich habe ein­fach daran geglaubt“).

Außen­ein­schät­zung und Realverantwortung
In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung und bei Jour­na­lis­ten pola­ri­siert der Lan­des­haupt­mann. Eric Frey, Jour­na­list beim Stan­dard macht er sogar „Angst — er ist ein cha­ris­ma­ti­scher, aber will­kür­li­cher, auto­ri­tä­rer und nach­tra­gen­der Macht­mensch, der glaubt, dass sein Wille Gesetz ist“. Und Peter Rabl schrieb sei­ner­zeit beim Kurier : „Pröll führt das Land mit star­ker, gele­gent­lich bru­ta­ler Hand, aber sehr erfolg­reich mit gro­ßer per­sön­li­cher Offen­heit und Breite“.
Aus der Sicht behag­li­cher Wie­ner Redak­teurs­stu­ben mag das alles nach­voll­zieh­bar sein und der Lan­des­haupt­mann mag dabei ruhig auch ein Macht­mensch sein. Er muss letzt­end­lich dafür gerade ste­hen. Als Chef des größ­ten öster­rei­chi­schen Bun­des­lan­des hat er Ver­ant­wor­tung für rund 1,6 Mil­lio­nen Men­schen und 90.000 Betriebe mit 800.000 Erwerbs­tä­ti­gen in einem zuneh­mend rauen und wett­be­werbs­in­ten­si­ven Umfeld der inter­na­tio­na­len Standort-Politik. 

Augen zu und durch
Neben all die­sen Cha­rak­ter­zü­gen hat Erwin Pröll auch Humor und dabei nimmt er die eigene Per­son nicht aus. In sei­nem Büro hän­gen zwei bezeich­nende Fotos. Eines zeigt eine Zeich­nung des Kurier-Kari­ka­tu­ris­ten Michael Pam­mets­ber­ger : Dar­auf steckt Erwin Pröll pin­kelnd die Lan­des­gren­zen von Nie­der­ös­ter­reich ab und zwei in der Mitte ste­hende Bun­des­po­li­ti­ker mei­nen sinn­ge­mäß : „Der kann aber lang.“
Und das zweite, cha­rak­ter­lich weit­aus stim­mi­gere Bild zeigt ihn als Ski­sprin­ger hoch in der Luft — die Augen zu und ein zufrie­de­nes Lächeln im Gesicht. Die­ses Lächeln bestä­tigt die erfolg­rei­che Bewäl­ti­gung sei­ner indi­vi­du­el­len Antriebs­kraft als Ergeb­nis einer inten­si­ven per­sön­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit den eige­nen Ansprü­chen. Even­tu­ell wusste er aber nur, dass er foto­gra­fiert wird. Aber auch das wäre dann zumin­dest klug und professionell.
Die über­wie­gende Mehr­heit sei­ner Kri­ti­ker und Kom­men­ta­to­ren will, bezie­hungs­weise kann mög­li­cher­weise aber ein­fach sei­nem Blick über den Tel­ler­rand Öster­reichs hin­aus nicht auf Augen­höhe fol­gen. Das zeigt auch eine Aus­sage der Mode­ra­to­rin der NOe-Wis­sen­schafts­gala, Bar­bara Stöckl : Auf die Frage was sich Erwin Pröll noch für den For­schungs-Stand­ort Nie­der­ös­ter­reich wün­sche, ant­wor­tete die­ser über­zeugt : „Einen Nobel­preis­trä­ger der aus Nie­der­ös­ter­reich kommt.“ Dar­auf die lang­jäh­rige Lei­te­rin zahl­reich­rei­cher ORF-Wis­sen­schafts-For­mate : „Oohhch.“ „Wie süß“ hat noch gefehlt.

Autor: Christian Czaak
25.10.2016

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