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Donnerstag, 11.12.2025 | 16:29

Der For­schung eine Basis geben

Daniel Weselka : „Es geht nicht um mor­gen oder nächste Woche. Es geht schlicht um die Zukunft und die Posi­tion unse­res Lan­des auf der glo­ba­len Land­karte“, erklärt der Lei­ter der Abtei­lung Natur- und For­mal­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft und Forschung.

eco­nomy : Warum ist es so wich­tig, sich mit einem Thema zu beschäf­ti­gen, das auf den ers­ten Blick nicht gerade span­nend klingl ? Die Rede ist von Forschungsinfrastruktur.
Daniel Weselka : In vier Sät­zen : weil die­ses etwas spröde Wort wesent­lich unsere Zukunft mit­be­stimmt. For­schungs­in­fra­struk­tur bestimmt die Qua­li­tät und Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Inno­va­ti­ons­sys­tems. Eine kon­kur­renz­fä­hige Infra­struk­tur­aus­stat­tung der Bil­dungs- und For­schungs­trä­ger mit ver­bind­li­chen Finan­zie­run­gen sowie regel­mä­ßi­ger, ergeb­nis- und rele­vanz­ori­en­tier­ter Eva­lua­tio­nen ist daher ohne Alter­na­tive. Inno­va­tio­nen, erst recht die oft gewünsch­ten radi­ka­len Inno­va­tio­nen, las­sen sich nicht pla­nen, aber ermöglichen.

Was bedeu­tet das für die gerade in Ent­wick­lung befind­li­che FTI-Stra­te­gie des Bundes ?

Nun, auf der stra­te­gi­schen Ebene geht es um nichts weni­ger als um die Wei­ter­ent­wick­lung der Gesell­schaft und ihrer wirt­schaft­li­chen Grund­lage. Es geht um die Mate­ria­li­sie­rung der stra­te­gi­schen Visio­nen. Das heißt um kon­krete Pro­jekte, Maschi­nen, Com­pu­ter et cetera. Also um alles, was die Men­schen, die wir aus­bil­den, brau­chen, um kon­kret arbei­ten zu kön­nen. Letzt­lich geht es natür­lich auch um Geld. Diese Wei­ter­ent­wick­lung erfor­dert einer­seits deut­lich mehr Human­res­sour­cen, die auf inter­na­tio­na­lem Spit­zen­ni­veau aus­ge­bil­det sind, und ande­rer­seits State-of-the-Art-Infra­struk­tur zur Gene­rie­rung und Umset­zung von Wis­sen. Wis­sen ist eine Vor­aus­set­zung für die Betei­li­gung am glo­ba­len Wett­be­werb, Wis­sen hat aber oft auch ein Ablauf­da­tum, daher Still­stand ist Rück­schritt. For­schungs­in­fra­struk­tur ist unmit­tel­bar ent­schei­dend für den For­schungs- und Aus­bil­dungs­stan­dard sowie für die Qua­li­tät von Uni­ver­si­tä­ten und außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen und damit auch für deren Attrak­ti­vi­tät für Spitzenkräfte.

Ist Öster­reich kein attrak­ti­ves Land für Spit­zen­for­schung und Innovation ?
In eini­gen Berei­chen bestimmt, aber statt über den Brain Drain zu jam­mern, soll­ten wir aktiv ein attrak­ti­ves Umfeld schaf­fen. Wir sehen : Dort, wo das Umfeld stimmt, haben wir die bes­ten Leute. Wir wis­sen : Es sind die Köpfe, die ent­schei­dend sind. Nicht nur in den Natur­wis­sen­schaf­ten kön­nen Stel­len nur dann mit Spit­zen­leu­ten besetzt wer­den, wenn sie eine adäquate Infra­struk­tur vor Ort vor­fin­den und Zugang zu inter­na­tio­na­len Ein­rich­tun­gen haben. In der Pra­xis heißt das, dass auch die Zweit- und Dritt­ge­reih­ten in den Ver­hand­lun­gen ent­spre­chende Inves­ti­tio­nen for­dern. Die Bes­ten tun sich das in der Regel nicht an, son­dern set­zen ein ent­spre­chen­des Arbeits­um­feld als selbst­ver­ständ­lich voraus.

Das heißt also, die Exis­tenz bezie­hungs­weise der Zugang zu erst­klas­si­ger Infra­struk­tur ist wesent­lich für die Qua­li­tät sowohl des For­schungs­per­so­nals als auch der Forschungsergebnisse ?
Genau. Man kann es nicht oft genug sagen : Der wei­tere Aus­bau der natio­na­len Infra­struk­tur und der zuge­hö­ri­gen Enab­ling Tech­no­lo­gies wie Hoch­leis­tungs­rech­ner, Daten­spei­cher und ‑netze, Anla­gen zur Struk­tur­ana­lyse auf allen Ebe­nen – mikro, nano et cetera – sowie die Siche­rung des Zugangs zu inter­na­tio­na­len Spit­zen­for­schungs­ein­rich­tun­gen sind ent­schei­dend für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des For­schungs­stand­orts Österreichs.

In wel­chen Zeit­di­men­sio­nen muss man hier den­ken, und was ist das Ziel ?
Es geht nicht um mor­gen oder nächste Woche. Es geht schlicht um die Zukunft und unsere Posi­tion auf der glo­ba­len Land­karte. Man braucht auch das Rad nicht neu erfin­den. Auf Basis vor­han­de­ner Exzel­lenz und im Ein­klang mit den euro­päi­schen Ent­wick­lungs­plä­nen – der berühm­ten ESFRI Road­map – müss­ten die Inter­na­tio­na­li­sie­rung des öster­rei­chi­schen For­schungs­sys­tems als auch die adäquate Betei­li­gung am Euro­päi­schen For­schungs­raum kon­se­quent fort­ge­setzt wer­den. Hier ist ja auch schon eini­ges gesche­hen. Wir haben in eini­gen Berei­chen Spit­zen­po­si­tio­nen inne. Die gilt es zu hal­ten und bedarfs­ge­recht neue zu etablieren.

Wel­che Schritte gilt es jetzt zu setzen ?
Für das Bun­des­mi­nis­te­rium für Wis­sen­schaft und For­schung wäre die Fort­set­zung der Forschungsinfrastrukturini­tiativen I bis IV für die Uni­ver­si­tä­ten im Wett­be­werb und qua­li­täts­ge­si­chert durch Peer-Review-Ver­fah­ren wich­tig. Ebenso die Bot­tom-up-Initia­ti­ven an der euro­päi­schen Road­map auf Basis vor­han­de­ner Exzel­lenz, Schwer­punkt­set­zun­gen der Poli­tik und qua­li­täts­ge­si­chert durch euro­päi­sche Aus­wahl­ver­fah­ren. Unter Berück­sich­ti­gung der ent­spre­chen­den Ziele der Sys­te­meva­lu­ie­rung, sprich : Reduk­tion von Kom­ple­xi­tät, müs­sen keine neuen Struk­tu­ren, Platt­for­men, Kom­mis­sio­nen et cetera geschaf­fen wer­den. Son­dern der exis­tie­rende Dia­log mit den For­schern ergänzt um eine exis­tie­rende öster­reich­weite Bestands­auf­nahme könnte in eine natio­nale Road­map für For­schungs­in­fra­struk­tur umge­setzt wer­den. Diese Road­map wäre ein inte­gra­ler Bestand­teil der For­schungs­stra­te­gie des Bun­des, da sie die Ziel­set­zung – also die Bestim­mung ope­ra­tio­na­li­sier­ba­rer Teil­ziele – mit Leben erfüllt, und würde weg von Case-by-Case-Inter­ven­tio­nen zu einem zeit­ge­mä­ßen Public Manage­ment beitragen.

An Ideen man­gelt es nicht.
Ja, die Leben­dig­keit der For­schungs­szene ist wirk­lich eine Freude. Nur, was nützt die beste Idee mit den schöns­ten Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven, wenn es keine Finan­zie­rung gibt ? Genau daran wird aber jetzt gear­bei­tet. Als Ver­trau­ens­ba­sis und Per­spek­tive sei­tens der For­schungs­po­li­tik wäre das vom Wis­sen­schafts­mi­nis­ter in Alp­bach vor­ge­schla­gene For­schungs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz bes­tens geeig­net, die nach­hal­tige Bud­ge­tie­rung mit ver­bind­li­chen Quo­ten für Infrastruktur­investitionen abzusichern.

Und wie sieht es in puncto Umset­zung aus ?
Die Umset­zung der Road­map ist in ganz Europa ein schwie­ri­ges Thema, aber sie ist gleich­zei­tig die beste Medi­zin gegen eine gefähr­li­che Krank­heit : die Zukunfts­schwä­che. Ohne einen ent­spre­chen­den Stu­fen- und Inves­ti­ti­ons­plan wird es nicht gehen. Dabei wird man weder um eine Aus­wahl noch um eine Über­prü­fung der Effi­zi­enz bereits vor­han­de­ner Infra­struk­tu­ren her­um­kom­men. Ein der­ar­ti­ger Auf­bruch zu neuen The­men wäre ein abso­lu­ter Gewinn.

Autor:
18.12.2009

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