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© pexels/florian haider

Der Kli­ma­wan­del und der Wasserkreislauf

Der kli­ma­ti­sche Wan­del greift mas­siv in den Was­ser­kreis­lauf des Pla­ne­ten Erde ein. Neue Ana­ly­sen zei­gen nun weit­aus emp­find­li­chere Reak­tio­nen beim Thema Abfluss­ver­hal­ten als bis­her angenommen.

Der Kli­ma­wan­del ver­än­dert die glo­bale Luft­zir­ku­la­tion und damit ver­än­dern sich in gro­ßen Tei­len der Erde auch Nie­der­schlag und Ver­duns­tung. Das beein­flusst dann auch die Was­ser­menge in den Flüs­sen. Pro­gno­sen über der­ar­tige Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels wur­den bis­her meist auf Basis phy­si­ka­li­scher Modelle berech­net, etwa auch beim Inter­go­vern­men­tal Panel on Cli­mate Change (IPCC).

Die TU Wien hat nun unter der Lei­tung von Gün­ter Blöschl (Insti­tut für Was­ser­bau und Inge­nieur­hy­dro­lo­gie) neue Daten­ana­ly­sen durch­ge­führt und die zei­gen, dass bis­he­rige Modelle sys­te­ma­tisch unter­schät­zen, wie sen­si­bel die Was­ser-Ver­füg­bar­keit auf bestimmte Klima-Para­me­ter reagiert. Eine Ana­lyse von Mess­da­ten aus welt­weit über 9.500 hydro­lo­gi­schen Ein­zugs­ge­bie­ten zeigt, dass der Kli­ma­wan­del in noch stär­ke­rem Aus­maß als bis­her erwar­tet zu loka­len Was­ser-Kri­sen füh­ren kann. Die Ergeb­nisse wur­den nun im Fach­jour­nal „Nature Water“ publiziert.

Die Ansätze bei Modell und Messdaten
„In der Kli­ma­to­lo­gie-Com­mu­nity ver­steht man heute sehr gut, wel­che Aus­wir­kun­gen der Kli­ma­wan­del auf die Atmo­sphäre hat. Wel­che Kon­se­quen­zen das aber lokal auf Flüsse und die Ver­füg­bar­keit von Was­ser haben kann, fällt aller­dings in das Gebiet der Hydro­lo­gie“, erklärt Gün­ter Blöschl vom Insti­tut für Was­ser­bau und Inge­nieur­hy­dro­lo­gie der TU Wien. Lokal lässt sich oft sehr gut erklä­ren, wie die Was­ser­ver­füg­bar­keit von äuße­ren Para­me­tern wie Nie­der­schlags­menge oder Tem­pe­ra­tur zusammenhängt. 

Die­ses Thema wird an vie­len Mess­stel­len welt­weit unter­sucht, beson­ders aus­führ­lich in Blöschls Hydro­lo­gie­la­bor in Pet­zen­kir­chen. Hier sind auf 60 Hektar Flä­che zahl­rei­che Sen­so­ren instal­liert. Glo­bale Schlüsse las­sen sich aus sol­chen Ein­zel­be­ob­ach­tun­gen jedoch nicht zie­hen: „Wie der Was­ser­haus­halt von äuße­ren Para­me­tern abhängt, ist von Ort zu Ort unter­schied­lich, auch die lokale Vege­ta­tion spielt hier eine sehr wich­tige Rolle“, so Blöschl. Ein simp­les phy­si­ka­li­sches Modell zu ent­wi­ckeln, mit dem man an allen Orten der Welt diese Zusam­men­hänge berech­nen kann, sei daher „kaum möglich“.
Reale Mes­sun­gen statt phy­si­ka­li­schen Modellen

Blöschl arbei­tete nun mit Kol­le­gen aus China, Aus­tra­lien, den USA und Saudi Ara­bien zusam­men, um eine mög­lichst große Daten­bank über hydro­lo­gi­sche Ein­zugs­ge­biete aus der gan­zen Welt auf­zu­bauen und zu ana­ly­sie­ren. Über 9.500 sol­che Gebiete wur­den ein­be­zo­gen, mit Zeit­rei­hen, die meh­rere Jahr­zehnte in die Ver­gan­gen­heit rei­chen. Die For­scher stüt­zen sich in ihren Ana­ly­sen also nicht auf phy­si­ka­li­sche Modelle, son­dern auf reale Messungen.

„Wir sehen uns an, wie stark sich die Menge des ver­füg­ba­ren Was­sers in der Ver­gan­gen­heit geän­dert hat, wenn sich äußere Bedin­gun­gen änder­ten. Wir kön­nen dadurch her­aus­fin­den, wie sen­si­tiv Ände­run­gen von Klima-Para­me­tern mit einer Ände­rung der loka­len Was­ser-Ver­füg­bar­keit zusam­men­hän­gen. Und das erlaubt uns dann auch Vor­her­sa­gen für die Zukunft, in der sich das glo­bale Klima erwärmt haben wird“, erläu­tert TU For­scher Blöschl.

Was­ser­sys­tem reagiert auf Kli­ma­wan­del sen­si­bler als gedacht
Die Ana­ly­sen bel­gen nun, dass der Zusam­men­hang von Nie­der­schlag und Was­ser­menge in den Flüs­sen ist viel sen­si­ti­ver als man bis­her dachte und das betrifft dann auch die bis­he­ri­gen Modell­be­rech­nun­gen zu den Vor­her­sa­gen beim Thema Kli­ma­wan­del. Pro­gno­se­mo­delle über die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf die Was­ser­ver­sor­gung soll­ten daher grund­le­gend über­ar­bei­tet wer­den. „Mit den jetzt ver­füg­ba­ren Mess­rei­hen sollte es nun mög­lich wer­den, auch die dahin­ter­lie­gen­den phy­si­ka­li­schen Vor­her­sa­ge­mo­delle ent­spre­chend anzu­pas­sen“, so Blöschl.

Die Ergeb­nisse des TU Wien For­schungs­teams rund um Gün­ter Blöschl vom Insti­tut für Was­ser­bau und Inge­nieur­hy­dro­lo­gie wür­den jeden­falls zei­gen, dass die Gefahr des Kli­ma­wan­dels auf die Was­ser­ver­sor­gung in vie­len Tei­len der Erde bis­her unter­schätzt wurde. Beson­ders für Afrika, Aus­tra­lien und Nord­ame­rika sagen die neuen Daten bis 2050 ein deut­lich höhe­res Risiko für Was­ser-Ver­sor­gungs­kri­sen vor­aus als bis­her angenommen.

Autor: red/mich
17.02.2023

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