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Der Kre­dit klemmt, die Kon­junk­tur auch

Unter­neh­men kla­gen über eine Kre­dit­klemme, den­noch steigt die Kre­dit­ver­gabe der Ban­ken. Grund des Para­do­xons : Geld von der Börse ist aus­ge­trock­net, die Gro­ßen wei­chen auf Ban­ken aus, die Klei­nen blei­ben über.

Es gibt eine Kre­dit­klemme. Es gibt doch keine Kre­dit­klemme. Seit Mona­ten kla­gen Unter­neh­mer, dass sie keine Kre­dite bekom­men, Kre­dit­li­nien gekürzt, hohe Sicher­hei­ten gefor­dert, Kre­dit­be­din­gun­gen ver­schärft wer­den (siehe Inter­view auf den Sei­ten 4 und 5).
Doch die öster­rei­chi­schen Ban­ken wei­sen eine Kre­dit­klemme weit von sich. Eine Sta­tis­tik der Oes­ter­rei­chi­schen Natio­nal­bank scheint den Ban­ken auf den ers­ten Blick recht zu geben : Kre­dite für Unter­neh­men stie­gen 2008 um 7,3 Pro­zent – das ist mehr als 2007, wo sie um 6,5 Pro­zent zuge­legt hat­ten. Nach den letz­ten ver­füg­ba­ren Daten für Februar 2009 betrug das Kre­dit­wachs­tum noch immer 6,9 Prozent. 

Bör­sen­klemme
Doch ein neuer Bericht der Natio­nal­bank zeigt, dass die von Unter­neh­men „gefühlte“ Kre­dit­klemme tat­säch­lich exis­tiert. Kor­rek­ter­weise sollte sie wohl „Finan­zie­rungs­klemme“ – oder viel­leicht „Bör­sen­klemme“ – hei­ßen. Die Unter­neh­men haben der­zeit einen Finan­zie­rungs­eng­pass, weil andere Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten wie Akti­en­emis­sio­nen oder die Bege­bung von Unter­neh­mens­an­lei­hen auf­grund der Finanz­krise im Vor­jahr gegen null ten­dier­ten. 2007 hat­ten sich die Unter­neh­men (ohne Finanz­in­sti­tute) noch 8,4 Mrd. Euro an der Wie­ner Börse geholt, 2008 waren es nur mehr 0,4 Mrd. Euro. Unter­neh­men, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren viel­fäl­tige Mög­lich­kei­ten der Fremd­fi­nan­zie­rung genutzt hat­ten, waren 2008 plötz­lich wie­der auf Bank­kre­dite ange­wie­sen, weil die Bör­sen ein­ge­bro­chen waren. Doch die Bör­sen waren ein­ge­bro­chen, weil welt­weit die Ban­ken ange­sichts faul gewor­de­ner Cre­dit Default Swaps und ande­rer fan­ta­sie­vol­ler Finanz­in­stru­mente von Krise zu Krise
torkelten.

Liquiditätsklemme

Als nach dem Zusam­men­bruch der US-Invest­ment-Bank Leh­man Brot­hers Mitte Sep­tem­ber 2008 die große Ver­trau­ens­krise unter den Ban­ken aus­ge­bro­chen war und der Kre­dit­markt dar­auf­hin fast zum Erlie­gen kam, schnür­ten Regie­run­gen in aller Welt Ban­ken­pa­kete und Kon­junk­tur­pa­kete son­der Zahl.
Die öster­rei­chi­sche Regie­rung kün­digte im Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res an, mit einer „Mit­tel­stands­mil­li­arde“ den Finan­zie­rungs­nö­ten der klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men gegen­zu­steu­ern. Eines der Instru­mente dazu sollte die staat­li­che För­der­agen­tur Aus­tria Wirt­schafts­ser­vice (AWS) sein, deren diverse För­der­instru­mente – etwa zins­güns­tige ERP-Kre­dite und staat­li­che Kre­dit­ga­ran­tien – erwei­tert wur­den. Das För­der­vo­lu­men der AWS sollte um 100 Pro­zent auf 1,8 Mrd. Euro stei­gen, die Anzahl der För­der­fälle von 5300 auf rund 9700 erhöht werden.
Das hat alle Sei­ten erfreut. Für etwas Auf­re­gung hat aller­dings gesorgt, dass das AWS künf­tig Kre­dite auch eigen­stän­dig ver­ge­ben kön­nen soll statt aus­schließ­lich in Zusam­men­ar­beit mit Ban­ken. Auch wenn der Betrag von 200 Mio. Euro jähr­lich, den das AWS an Kre­di­ten aus­schüt­ten soll, ange­sichts des gesam­ten Kre­dit­vo­lu­mens von 135 Mrd. Euro von Ban­ken an (nicht­fi­nan­zi­elle) Unter­neh­men ein Klacks ist. Und diese Direkt­kre­dite noch lange nicht flie­ßen. Denn erst muss die Finanz­markt­auf­sicht die Bank­kon­zes­sion gewäh­ren, und dann muss sich AWS bei der Euro­päi­schen Inves­ti­ti­ons­bank refi­nan­zie­ren. Den­noch agier­ten man­che Ban­ken anfangs so, als ob die För­der­agen­tur eine echte Kon­kur­renz wäre : „Wer bei uns kei­nen Kre­dit bekommt, rennt nun zum AWS“, läs­terte ein Banker.
Was von AWS-Geschäfts­füh­rer Johann Moser sogar bestä­tigt wird. „In der Anfangs­phase war das so“, sagt Moser. „Wenn ein neues Instru­ment ange­kün­digt wird, sagen sich die Leute : ‚Das pro­biere ich aus.‘ Doch die Pro­jekte, die bei Ban­ken nichts gekriegt haben, krie­gen auch bei uns nichts. Wir prü­fen sehr genau.“

Nach­fra­ge­klemme
Einen gro­ßen Zulauf ver­zeich­net das AWS bei Mikro­kre­di­ten von 10.000 bis 30.000 Euro. Mit 50 Mio. Euro ist die­ses Kre­dit­pro­gramm für kleine Unter­neh­men dotiert. Drei Monate nach dem Start lie­gen bereits Anträge für 6,5 Mio. Euro vor.
Für die Finan­zie­rung von Groß­pro­jek­ten gehe das Inter­esse aber zurück. Moser führt das auf die Pro­bleme im Real­sek­tor zurück, die immer offen­sicht­li­cher wer­den. „Ein geschei­ter Unter­neh­mer inves­tiert nicht wegen der För­de­rung, son­dern weil er einen Markt hat. Wenn der Markt aber bis zu 40, 50 Pro­zent ein­bricht, dann wer­den viele geplante Inves­ti­tio­nen nicht getä­tigt, son­dern ver­scho­ben.“ Moser rech­net damit, dass das bei vie­len grö­ße­ren ERP-Kre­di­ten der Fall sein könnte.
Hat nun also das AWS genug Geld zur Kre­dit­ge­wäh­rung, oder könnte man mehr brau­chen ? „Wir haben eine zusätz­li­che Mil­li­arde, die wir unter die Leute brin­gen kön­nen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das alles schaf­fen“, sagt Moser. 

Kon­junk­tur­klemme
An den Kon­junk­tur­maß­nah­men der Regie­rung fin­det Moser im Prin­zip vie­les gut. Doch er würde nicht das ganze Geld in den Finanz­sek­tor pum­pen. „Es ist schon rich­tig, dass der Blut­kreis­lauf auf­recht­erhal­ten wer­den muss. Doch man hat das Gefühl, dass zu viel Geld in die Besei­ti­gung der Blut­ver­gif­tung gepumpt wird.“
Kon­junk­tur­po­li­ti­sche Maß­nah­men wie etwa die ther­mi­sche Sanie­rung von Gebäu­den seien jetzt drin­gend not­wen­dig. Und wür­den immer noch zu wenig geför­dert. 100 Mio. Euro stellt die Regie­rung dafür pro Jahr an För­de­rung zur Ver­fü­gung. Eine Mil­li­arde jähr­lich wäre allein für Wien erfor­der­lich, haben die Grü­nen errechnet.
www.oenb.at/de/img/kreditbericht_060409_tcm14-99535.pdf

hello world!
Autor:
24.04.2009

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