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Der Mann, der kein Leben hat

Roland Dürin­ger : „Ent­we­der du hast ein Leben und küm­merst dich als ein Ich mit einem Namen um die­ses Leben und betreust es wie ein frem­des Ding, das nichts mit dir zu tun hat, du lebst aber nicht ; oder du lebst ein­fach“, sagt der Schau­spie­ler, der sagt, dass er kein Kaba­ret­tist ist.

eco­nomy : Bist du schon ein­mal den Tesla Roads­ter gefah­ren, das schnellste Elek­tro­auto der Welt ?
Roland Dürin­ger : Nein, man hat es mir zwar oft ange­bo­ten, ich habe das aber ver­wei­gert. Ers­tens, weil er mir optisch über­haupt nicht gefällt und wie zusam­men­ge­bas­telt aus­schaut, und zwei­tens, weil das nicht der Sinn sein kann, mit Elek­tro­mo­bi­li­tät den glei­chen Schwach­sinn, den wir bis­her gemacht haben, jetzt elek­trisch zu machen. Ein Auto um 90.000 Euro kann nicht die Zukunft sein. Wenn wir Elek­tro­au­tos wol­len, brau­chen wir kleine Fahr­zeuge und nicht Pres­ti­ge­ob­jekte. Es wird bei der gan­zen The­ma­tik eines ver­ges­sen : dass wir im kol­lek­ti­ven Wahn­sinn unse­rer Zeit ver­su­chen, unsere bis­he­rige Form der Mobi­li­tät zu erhal­ten, nur eben jetzt mit Strom.

Wie sollte dei­ner Ansicht nach die Ent­wick­lung ausschauen ?
Wir müs­sen uns in Zukunft über­le­gen, wie wir weni­ger fah­ren ; und nicht, womit wir genauso schnell und viel wie bis­her fah­ren, nur ohne schlech­tes Gewis­sen zu haben. Wir müss­ten unsere Städte und Land­schaf­ten und die ganze Infra­struk­tur so umbauen, dass wir uns über­haupt weni­ger mit einem Fahr­zeug bewe­gen müs­sen. Aber wir haben das alles in den letz­ten Jahr­zehn­ten zer­stört – gut funk­tio­nie­rende Infra­struk­tu­ren, wie es sie lange Zeit gege­ben hat. Ich bin im zehn­ten Wie­ner Bezirk auf­ge­wach­sen und dort ein­kau­fen gegan­gen. Ich konnte alle Besor­gun­gen mit einem Weg von nicht mehr als 100 Metern erle­di­gen – zu Fuß. Das ist auch Mobi­li­tät, nur gilt das heute nicht mehr als solche.

Was hat sich dei­ner Wahr­neh­mung nach am meis­ten verändert ?
Ich fahre seit 25 Jah­ren in Öster­reich auf Tour. Frü­her konnte ich erken­nen, ob ich in Tirol oder im Bur­gen­land bin, weil die Ort­schaf­ten anders aus­ge­schaut haben. Heute ist es egal, wo ich von der Auto­bahn run­ter­fahre, es kommt immer das Glei­che : Kreis­ver­kehr mit Auto­händ­ler und Tank­stelle, Bau­markt, Super­markt. In den Ort­schaf­ten gibt es dann ver­kehrs­be­ru­higte Zonen, aber die Autos fah­ren trotz­dem durch. Und die Geschäfte in den Orts­ker­nen ster­ben aus. Man ist also gezwun­gen, mit einem Fahr­zeug mobil zu sein. Und das ist unser Dilemma, noch dazu, wo uns die Res­source Erdöl aus­geht, mit der wir ohne­hin schon genug Dreck gemacht haben.

Aber gerade des­we­gen muss doch der Elek­tro­mo­bi­li­tät die Zukunft gehören.
Die Elek­tro­mo­bi­li­tät wird auf jeden Fall kom­men. Ich bin da eh ein Vor­rei­ter ; ich habe Elek­tro­mo­tor­rä­der zu Hause, Fahr­rä­der mit Elek­tro­zu­satz­an­trieb, und ich hatte schon Hybrid­au­tos. Das Pro­blem ist aber noch immer : Ben­zin­auto bedeu­tet, hin zur Tank­stelle, zwei Minu­ten tan­ken und wei­ter­fah­ren ; Elek­tro­auto bedeu­tet, zwei Stun­den an die Steck­dose anste­cken. Es kann aber auch die Mög­lich­keit geben : eine Norm für Akkus, hin­fah­ren, Akku raus, Akku rein, wei­ter­fah­ren. Das geht genauso ein­fach, wie man Bat­te­rien in irgend­ei­nem Elek­tro­ge­rät wech­selt. Dann wäre das Elek­tro­auto nicht nur gleich­wer­tig, son­dern sogar besser.

Bleibt noch die Frage zu klä­ren, wo all der zusätz­li­che Strom her­kom­men soll.
Na klar, und dazu kommt noch, dass viele Men­schen das Auto nicht ein­fach nur als Fort­be­we­gungs­mit­tel benut­zen. So ein Auto muss heut­zu­tage so eini­ges kön­nen ; alles muss elek­trisch funk­tio­nie­ren, man hat Kli­ma­an­lage, Auto­ma­tik und Hifi-Anlage. Das alles braucht zusätz­li­che Ener­gie. Und dann eben die Frage, wo der Strom her­kommt. Wir machen mit den Elek­tro­fahr­zeu­gen dort, wo wir fah­ren, kei­nen Dreck, aber wir machen ihn woan­ders, näm­lich bei der Erzeu­gung des Stroms. In ein paar Jahr­zehn­ten wer­den wir über­wie­gend mit Elek­tro­au­tos fah­ren, aber das ergibt natür­lich nur dann Sinn, wenn wir den Strom dafür mit erneu­er­ba­ren Ener­gien wie zum Bei­spiel der Wind­ener­gie erzeugen.

Wie emp­fin­dest du das, wenn du in einer Gegend mit vie­len Wind­rä­dern unter­wegs bist ?
Man kann Wind­rä­der als etwas sehen, was in der Land­schaft stö­rend wirkt, oder als Wesen aus einer ande­ren Welt, als Wind­geis­ter, die sehr ener­gie­voll sind. Ich finde sie im posi­ti­ven Sinn gespens­tisch. Wenn sich diese rie­si­gen Roto­ren im Wind bewe­gen, hat das fast etwas Mys­ti­sches. So ein Wind­park ist für mich wie eine moderne Kult­stätte. Wenn ich die­ses rote Licht in der Mitte auf­blin­ken sehe, dann sehe ich immer so Rie­sen­we­sen mit einem roten Auge, aber eben von Men­schen gemachte Wesen – Wind­rie­sen gleich­sam. Wind­ener­gie hat ja etwas sehr Natur­ver­bun­de­nes, weil der Wind eines der Natur­ele­mente ist wie Was­ser, Feuer oder Erde.

Du fin­dest sie also nicht stö­rend in der Landschaft ?
Ich weiß, es gibt Leute, die sich über die Wind­rä­der auf­re­gen, weil die angeb­lich das Land­schafts­bild zusam­men­hauen. Für mich ist aber die gesamte Gestal­tung unse­rer Land­schaft frag­wür­dig. Wer bei Loos­dorf auf der West­au­to­bahn oder im nörd­li­chen Bur­gen­land unter­wegs ist und sich dar­über auf­regt, dass die Wind­rä­der häss­lich sind und nicht in die Natur pas­sen, der hat vor­her nicht geschaut. Weil dort rundum nichts Natür­li­ches ist. Das ist eine land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che, die nichts mit Natur zu tun hat. Unsere Vor­stel­lung, Äcker und Wie­sen und Ähn­li­ches seien Natur, ist falsch. Sobald der Mensch das Land zu bewirt­schaf­ten anfängt, ist es nicht mehr Natur‑, son­dern Kul­tur­land­schaft, und Wind­rä­der sind eben auch Kultur.

Hast du da ein neues Umwelt­be­wusst­sein ent­wi­ckelt, oder hast du das schon immer so gesehen ?
Das hat sich im Lauf mei­nes Lebens ver­än­dert, wie sich viele Dinge im Lauf eines Lebens ver­än­dern, wenn man es zulässt. Für mich hat sich sehr viel ver­än­dert, seit ich auf dem Land lebe. Ich bin in Wien auf­ge­wach­sen und dann Anfang der 90er Jahre aufs Land gezo­gen. Da hat man einen ande­ren Bezug zu Umwelt und Natur, ganz ein­fach weil man in einer ande­ren Umwelt lebt. In der Stadt sieht man kei­nen Ster­nen­him­mel, man kriegt die Jah­res­zei­ten nicht so rich­tig mit und auch nicht den Tages­ab­lauf, weil es in der Stadt immer hell ist. Auf dem Land schaust du dir die Natur mit ande­ren Augen an, und du bekommst viel direk­ter mit, wie du der Natur Scha­den zufügst.

Wie hat sich da dein eige­nes Ver­hal­ten geändert ?
Ich bin frü­her lei­den­schaft­lich gern Enduro-Ren­nen gefah­ren, bei denen man mit dem Motor­rad durch den Wald fährt. Das ist wahn­sin­nig schön. Auf einer Mistg­stät­ten Moto­cross zu fah­ren ist nicht so schön wie durch den Wald. Irgend­wann bin ich dann auf Moun­tain­bike umge­stie­gen. Heute gehe ich zu Fuß durch den Wald, da bekommt man näm­lich am meis­ten mit ; und noch mehr, wenn man ste­hen bleibt.

Wel­che Vor­züge siehst du noch im Leben auf dem Land im Gegen­satz zu dem in der Stadt ?
In der Stadt fühlt man sich siche­rer vor der bösen Natur und unbe­wusst viel­leicht vor dem Ver­hun­gern. Was aber über­haupt nicht stimmt. Weil man auf dem Land einen gro­ßen Vor­teil hat : Man kann sich im Gar­ten selbst was anpflan­zen. Was ja über weite Stre­cken der Mensch­heits­ge­schichte immer so war. Die Men­schen haben immer in einem rela­tiv klei­nen Gebiet gelebt, zumin­dest nach­dem sie sess­haft gewor­den waren. Vor­her waren sie Noma­den, das war über­haupt das Beste. Die ein­zige nor­male Art, zu leben, ist eigent­lich die als Jäger und Samm­ler und Nomade.

Wieso fin­dest du das ?
Weil es da die wenigs­ten Pro­bleme gibt. Es gibt kei­nen Krieg, denn es gehört dir nichts, also gibt es auch nichts zu ver­tei­di­gen. Spä­ter haben die Men­schen an ihrem Wohn­ort alles gehabt, was sie zum Über­le­ben gebraucht haben, vor allem natür­lich Nah­rung. Das hat sehr lange Zeit sehr gut funk­tio­niert. Noch meine Groß­el­tern zum Bei­spiel, die im Wald­vier­tel ein Wirts­haus hat­ten, hat­ten ein Schwein, eine Kuh und einen Gemü­se­gar­ten. Und das war’s. Brot hat die Oma noch sel­ber geba­cken. Man kann also auch so überleben.

Da sind wir nun auch bei dei­ner Rolle als „Der wilde Gärt­ner“. Offen­sicht­lich ist das nicht nur eine Rolle, son­dern auch pri­vat ein Anlie­gen von dir.
So ist es. Das ist ein Pro­jekt, das ich ent­wi­ckelt habe, weil es mit mir sehr viel zu tun hat. Und ich denke, das ist auch für viele andere Men­schen ein wich­ti­ges Thema.

Wie ist die Idee zu die­ser Sen­dung entstanden ?
Ich habe damit begon­nen, hin­ter mei­nem Haus ein Hügel­beet anzu­le­gen, weil mich das inter­es­siert hat. Ich hab dort Samen aus­ge­streut und war ver­blüfft, was dann dort alles gewach­sen ist ; und dass man das auch essen kann und dass das viel bes­ser schmeckt als diese dena­tu­rier­ten Nah­rungs­mit­tel, die wir sonst zu uns neh­men. Ich habe dann ein­fach wei­ter aus­pro­biert. Ich habe einen Freund, der Gärt­ner ist, den Xandl, und wie wir so dar­über nach­den­ken, wie wir den Gar­ten wei­ter gestal­ten, sind wir drauf­ge­kom­men, dass es eigent­lich keine klasse Gar­ten­sen­dung gibt. Und dann haben der Xandl und ich ein Kon­zept für eine eigene Gar­ten­sen­dung ent­wi­ckelt, und das ist jetzt Der wilde Gärtner.

Du bist also jetzt der Ober­gärt­ner der Nation ?
Schau, meine Funk­tion ist die, Wis­sen zu ver­mit­teln. Nicht mein Wis­sen, denn ich bin ja kein Gärt­ner, son­dern das Wis­sen, das in uns allen schlum­mert, aber lei­der ver­schüt­tet ist – das Wis­sen, dass wir immer von Pflan­zen gelebt haben ; Wis­sen, das aber jetzt ver­lo­ren geht, so wie es den Gemü­se­gar­ten mei­ner Groß­el­tern nicht mehr gibt. Heut­zu­tage wis­sen die Kin­der zwar, wie eine Karotte aus­schaut, wenn sie auf dem Tisch liegt, aber sie wis­sen nicht, wo und wie eine Karotte wächst. Ob die auf einem Baum oder einem Strauch oder in der Erde wächst.

Ich war letz­tens im Super­markt und habe eine ganze Sel­le­rie­knolle, einen Zel­ler, wie man in Wien sagt, gekauft. Das junge Mäd­chen bei der Kassa hat die Knolle in die Hand genom­men und hin und her gedreht wie Ham­let den Toten­schä­del. Sie hatte keine Ahnung, was das ist.
Ja, so ist es. C’est la vie, Sel­le­rie. Und wenn ich dem mit mei­nem Pro­jekt ein biss­chen ent­ge­gen­wir­ken kann, dann bin ich schon zufrieden.

Nach wel­chem Sys­tem gärt­nerst du privat ?
Nach gar kei­nem. Wir las­sen den Gar­ten ein­fach. Es gibt ja die Per­ma­kul­tur und viele andere Sys­teme, aber wir machen das anders. Ich habe von mei­nem Nach­bar ein gro­ßes Wie­sen­grund­stück gepach­tet. Dort bin ich zuerst ein­mal mit dem Bag­ger hin­ein­ge­fah­ren und habe die Land­schaft ver­än­dert. Wir haben einen Teich ange­legt und 200 Sträu­cher und Bäume gepflanzt. Das wird jetzt immer mehr ein Wald. Und ich lasse das ein­fach so wach­sen und mache über­haupt nichts. Die Sträu­cher bie­ten immer wie­der kleine Lecke­reien wie Asperln, Els­bee­ren und ähn­li­che Früchte. Aus denen kann man feine Mar­me­lade machen oder Schnaps brennen. 

Also mehr so eine Hollodaro-Gärtnerei ?
Nein, nein, auf kei­nen Fall. Du weißt, dass bestimmte Pflan­zen einen bestimm­ten Stand­ort brau­chen, mehr Schat­ten oder feuch­ter, und damit ergibt sich schon eine Vor­gabe. Und jeder Boden ist natür­lich anders. Das Pro­blem mit den schlauen Sys­te­men aus den Gar­ten­bü­chern ist halt : Das funk­tio­niert bei die­sen Men­schen, die das schrei­ben ; weil die dort, wo sie zu Hause sind, ein bestimm­tes Klein­klima und eine spe­zi­elle Boden­be­schaf­fen­heit haben. Das kann man aber nicht so ein­fach umle­gen. Was in Süd­eng­land funk­tio­niert, kann ich nicht auf den alpi­nen Raum umle­gen ; das geht nicht. Ich muss das an mei­nem Platz aus­pro­bie­ren : Die­je­ni­gen Pflan­zen, die dort hin­ge­hö­ren, gedei­hen dort auch gut ; und die, die nicht pas­sen, ver­schwin­den mit der Zeit. Ich habe zehn Eichen gepflanzt, und nur eine hat über­lebt. Eichen gehö­ren dort also nicht hin ; im Gegen­satz zu Wei­den, die nur so Gas geben.

Aber hast du nicht auch einen Nutzgarten ?
Ich habe Hoch­beete in mei­nem Gar­ten, das ist meine pri­vate Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­tion. Da ist gute Kom­post­erde drin­nen, da steht alles in Reih und Glied, da weiß ich unge­fähr, was zusam­men­ge­hört, und mache jedes Jahr einen Frucht­wech­sel. Das ist fast wie eine kleine Land­wirt­schaft, denn da ste­hen zehn sol­cher Hoch­beete, und da kommt ein ganz schö­ner Ertrag zusam­men. Und dann gibt es den wil­den Bereich, da wach­sen Bär­lauch, Bein­well und vie­les mehr, und dann die gan­zen Bee­ren, Him­bee­ren, Brom­bee­ren, das wächst sowieso wie Unkraut. Und das ernte ich auch alles.

Du gehst also mit dei­nem Gar­ten sehr locker um ?
Ich habe kei­nen Gar­ten, den man her­zei­gen möchte. Der Mensch funk­tio­niert ja dann wie­der so, dass er den Gar­ten dazu benutzt, um zu zei­gen, wie gescheit er ist, was er alles kann, was er sich leis­ten kann, dass er bes­ser ist als der andere. Die gan­zen krank­haf­ten Mecha­nis­men wer­den auf den Gar­ten über­tra­gen. Das heißt, du gestal­test ein Stück Natur, indem du ihm dei­nen Wil­len auf­zwingst. Darum sage ich in mei­nem Gar­ten­ma­ga­zin : „Es ist nicht wich­tig, was Sie aus Ihrem Gar­ten machen, son­dern, was Ihr Gar­ten aus Ihnen macht.“

Spie­gelt sich in der Ent­wick­lung dei­ner Pro­gramme über die Jahre auch deine per­sön­li­che Ent­wick­lung wider ?
Natür­lich, das kann gar nicht anders sein, weil ich ja alle meine Pro­gramme sel­ber ent­wickle und schreibe. Und da kann ich immer nur Sachen aus mir selbst her­aus­ho­len. Was in mei­nem Leben gerade Thema ist, was mich beeinflusst.

Sehe ich das rich­tig, dass das immer mehr in Rich­tung Kul­tur­kri­tik geht ? Ich erin­nere mich noch gut an dein Pro­gramm „Dürin­ger ab 4,99“.
Ja, das kann man schon so sehen. Die Leute waren damals rich­tig­ge­hend scho­ckiert. Aber lus­ti­ger­weise habe ich, das war 2006, über Dinge gere­det, die dann 2008 schla­gend gewor­den sind. Ich habe den Leu­ten zu erklä­ren ver­sucht, wie das ganze Sys­tem funk­tio­niert ; dass wir eine blöde Bio­masse sind, die das tut, was andere wol­len, es aber nicht merkt. Das ist ein vor­ge­ge­be­nes Pro­gramm, das wir alle mit­fah­ren, und wobei wir noch den Ein­druck haben, glück­lich zu sein. Wenn aber die Regis­seure den Schal­ter umle­gen, ist das alles vor­bei, und dann schauen wir mit gro­ßen Augen und wun­dern uns : Was ist jetzt los ?

Und was ist jetzt los ?
Jetzt gehen diese gan­zen Lügen­ge­schich­ten wie­der los, dass die Kon­junk­tur wie­der anspringt, und all der Schmar­ren. Selbst wenn das stimmt, ist es doch so, dass alle Men­schen mit her­un­ter­ge­zo­ge­nen Mund­win­keln umher­lau­fen. Es haben aber auch wäh­rend der Krise die meis­ten Men­schen nicht tat­säch­lich weni­ger Geld gehabt – außer die, die ihr Geld ver­spe­ku­liert haben. Aber die soge­nann­ten nor­ma­len Men­schen haben in der Krise die große Panik bekom­men und mit­ge­lit­ten, obwohl dann im Weih­nachts­ge­schäft mehr ver­kauft wor­den ist als je zuvor.

Woran kran­ken also unsere Kul­tur, unsere Gesell­schaft und die Menschen ?
Ich finde, wir gehen mit uns selbst sehr, sehr schlam­pig um. Das, was wir sind, schät­zen wir offen­bar über­haupt nicht. Es geht nur um Äußer­lich­kei­ten. Ein Bei­spiel : Jemand fährt mit sei­nem Auto zur Tank­stelle, tankt das Ben­zin mit der höchs­ten Oktan­zahl, auch wenn es das Auto gar nicht braucht, in die Schei­ben­wasch­an­lage kommt das Mit­tel mit dem fri­schen Apfel­ge­ruch, Öl wird kon­trol­liert. Und dann geht die­ser Mensch in die Tank­stelle und kauft sich dort ein „Milky Way“ und ein „Red Bull“. Er lädt sich also selbst den größ­ten Dreck in sei­nen Kör­per, aber um das tote Ding vor der Tür küm­mert er sich rüh­rend. Das ist ein tota­les Miss­ver­hält­nis : Das Ding ist viel mehr wert als der Mensch. Wie wir mit uns und unse­rem Kör­per umge­hen, also, ich denk mir manch­mal : Spü­ren sich alle diese Leute nicht mehr ?

Ernäh­rung ist dir offen­sicht­lich ein gro­ßes Anliegen.
Allein was wir an Nah­rungs­mit­teln in uns hin­ein­stop­fen, die noch immer Lebens­mit­tel hei­ßen, aber keine Lebens-Mit­tel sind ! In all den ver­pack­ten Sachen im Super­markt ist kein Leben drin­nen. Die Sachen sind kom­plett dena­tu­riert, und alles, was in ihnen ein­mal leben­dig war, wurde her­aus­ge­fil­tert. Darum ist die Super­mark­kost auch so gut ver­dau­lich. Das ist das Absurde, dass Leute, die sich von dena­tu­rier­ter Nah­rung ernäh­ren, keine Ver­dau­ungs­pro­bleme haben – außer sie essen dann ein­mal gesunde Sachen. Wenn sie Voll­korn­brot oder einen Apfel essen, ist es aus, weil das ihr Kör­per nicht mehr ver­ar­bei­ten kann.

Noch mal zurück zur Reak­tion dei­nes Publi­kums : Wenn deine Pro­gramme kri­ti­scher wer­den, ohne die berühm­ten Schen­kel­klop­fer, wie nimmt das Publi­kum das auf ?

Es ist genau das pas­siert, was ich mir erwar­tet habe. Man­che Men­schen sind nicht mehr gekom­men. Aber die, die übrig geblie­ben sind, die sind die Essenz – die Men­schen näm­lich, die ich gern im Publi­kum haben will. Meine Agen­tur hat am Anfang die Panik gehabt, dass die Leute davon­lau­fen wer­den. Ich habe aber gesagt : „Lasst sie nur davon­lau­fen.“ Das ist jetzt etwa vier, fünf Jahre her, und heute spiele ich in aus­ver­kauf­ten Sälen wie vor­her. Nur wis­sen die Leute heute, was auf sie zukommt, und ich kann es mir leis­ten, auf der Bühne gewisse Sachen zu sagen, ohne dass die Leute scho­ckiert sind. Sie sagen eher : „Eigent­lich eh klar, dass er das jetzt sagt, weil wir wis­sen eh, wie er tickt.“

Von wegen Essenz : Was ist die Bot­schaft in dei­nem neuen Pro­gramm „ICH­Ein­le­ben“, und was will uns das durch­ge­stri­chene ICH sagen ?
Es gibt ein ein­zi­ges Thema, mit dem jeder was zu tun hat, das nie­man­den aus­schließt, und das ist das Leben. Eben „ein Leben“, denn jeder glaubt, dass er ein Leben hat, aber eben nur eines. Und das ist mei­ner Mei­nung nach der große Feh­ler. Die Men­schen haben Angst, ihr Leben zu ver­lie­ren. Und das kann nicht sein. Stell dir vor, du oder ich wür­den unser Leben ver­lie­ren. Aber wenn ich etwas ver­liere, dann bin ich ja noch immer da. Das heißt, du kannst dein Leben nicht ver­lie­ren, weil du kein Leben hast, son­dern dein Leben bist. Und die­ses „ein Leben haben“ oder „ein Leben sein“, das macht einen gewal­ti­gen Unter­schied. Das ist so wie Musik anhö­ren oder Musik sel­ber machen – das ist etwas grund­le­gend ande­res. Wenn du ein Instru­ment spielst, schwingt dein gan­zer Kör­per mit und du emp­fin­dest die Musik ganz anders.

Und wie willst du das auf der Bühne vermitteln ?
Na, genauso ist es ja beim Leben : Ent­we­der du hast ein Leben und küm­merst dich als ein Ich mit einem Namen um die­ses Leben und betreust es wie ein frem­des Ding, das nichts mit dir zu tun hat, du lebst aber nicht ; oder du lebst ein­fach. Und das ist das, was ich in mei­nem neuen Pro­gramm machen werde : Ich werde unse­ren Ursprung suchen und unser Leben in Ver­hält­nis zu dem eines Nean­der­ta­lers stel­len. Letz­te­rer stell­ver­tre­tend für alle indi­ge­nen Völ­ker und für alle Natur­völ­ker, die es jemals gege­ben hat. Der Nean­der­ta­ler hat ein­fach gelebt, der hat nie über „sein Leben“ nachgedacht.

Meinst du ein vor­be­wuss­tes Leben, denn Bewusst­sein hat ja viel mit dem „Ich“ zu tun ?
Eben nicht. Bewusst­sein hat eben nichts mit dem Ich zu tun. Bewusst­sein ist etwas, was immer da ist. Es gibt eine Phase in unse­rem Leben, an die wir uns nicht erin­nern kön­nen. Wir kön­nen uns nicht an die Zeit unse­rer etwa ers­ten drei Lebens­jahre erin­nern. Da waren wir in einem ande­ren Bewusst­seins­zu­stand, hat­ten noch nicht die­ses Ich. Da ist dir noch egal, wer du bist ; du bist ein­fach nur, saugst alles auf, nimmst alles wahr, lachst, schreist, weinst. Und dann pas­siert etwas : Da schaut so eine Tante in den Kin­der­wa­gen hin­ein und sagt : „Ja, das ist ja der Franzi, na schau, da ist ja der Franzi“, und in dem Moment hast du einen Namen und wirst zum Franzi.

Und dann fan­gen die Pro­bleme an.
Das ist ja die Essenz des Bud­dhis­mus : kein Selbst, kein Pro­blem. Und die­ses „kein Selbst“ heißt ein­fach, nur mehr zu leben. Zwi­schen­durch pas­siert es uns allen, dass wir so Momente haben, wo wir plötz­lich wach sind und wirk­lich nur leben – wenn du nur mehr schaust und nur mehr wahr­nimmst. Nach einer lan­gen Auto­fahrt stehst du plötz­lich am Meer. Oder du gehst auf einen Berg. Oder du bist bei einem über­wäl­ti­gen­den Ereig­nis dabei – bei einer Geburt oder wenn jemand stirbt. Das sind so Momente, wo das ganze Den­ken weg­fällt ; du bist dann nur mehr wach, gegen­wär­tig und da.

Du unter­schei­dest also Den­ken und Bewusstsein ?
Ja, denn beim Den­ken läuft in unse­rem Kopf pau­sen­los eine Maschine, die immer mit uns redet. Wenn du aber in so einem Moment der Gegen­wär­tig­keit bist, dann bist du das, was du eigent­lich wirk­lich bist, näm­lich nicht die­ses Ich, son­dern etwas ande­res, was auch immer das sein mag. Wir wis­sen es nicht, aber da bist du ganz ein­fach, da spürst du dich. Und darum bege­ben sich viele Men­schen in Extrem­si­tua­tio­nen und machen zum Bei­spiel Extrem­sport. Wenn du Free­clim­bing betreibst, kannst du nur das machen und nichts ande­res mehr den­ken, da bist du voll dabei.

Wo hast du das erlebt ?
Ich habe das immer beim Moto­cross­fah­ren gehabt, das war für mich wie eine Medi­ta­tion. Denn wenn ich schnell fahre und ans Limit gehe, dann kann ich das nur, wenn ich mich voll dar­auf kon­zen­triere ; wenn ich an etwas ande­res denke, haut´s mich hin. Beim Rad­fah­ren oder Jog­gen denke ich an tau­send Dinge, die ich noch zu erle­di­gen habe. Wenn du aber etwas tust, was dich so for­dert, dass es deine gesamte Auf­merk­sam­keit auf diese Sache lenkt, dann geht das nur, wenn du voll dabei bist. Und ich denke, dass das ein Zustand ist, nach dem wir uns seh­nen, und ich glaube ver­stan­den zu haben, dass das der Zustand ist, den wir Men­schen vor vie­len, vie­len Gene­ra­tio­nen über lange Stre­cken des Tages gehabt haben.

Kann man dein „ICHEinleben“-Programm dann als eine Art zen-bud­dhis­ti­sche Medi­ta­tion bezeichnen ?
Warum müsst ihr immer allem einen Namen geben ? Ich kann über­haupt nicht benen­nen, was das ist. Mein Pro­blem wird nicht sein, was ich erzähle, son­dern was ich nicht erzähle. Das ist ja ein Thema, über das man stun­den­lang reden könnte. Meine Gabe ist, dass ich ein­fach weiß, wie man Sachen erzählt. Man kann eine Geschichte so erzäh­len, dass sie unin­ter­es­sant ist, aber ich stelle mich auf die Bühne und erzähle sie so, dass die Leute sie super fin­den. Es geht also nicht so sehr darum, was ich sage, son­dern wie ich es sage.

Diese Frage wirst du wahr­schein­lich gleich abweh­ren : Was aus dei­nem Reper­toire ist dein Lieblingsprogramm ?
Immer das, was ich gerade spiele ; das geht gar nicht anders.

Dann sage ich es von mei­ner Warte : Ich war sehr beein­druckt von der Büh­nen­ver­sion der „Vier­tel­li­ter­klasse“, das war ja gro­ßes Thea­ter – von der kom­ple­xen Geschichte an sich, den ver­schie­de­nen Rol­len, die du alle spielst, bis zu bestimm­ten for­ma­len Ein­la­gen : ein zwei­stün­di­ges, sehr kri­ti­sches Solo-Theaterstück.
Ja, da hab ich auch ganz was ande­res gemacht als vor­her. Da haben die Leute am Anfang auch ganz schön geschluckt. Aber das Komi­sche ist : Den Leu­ten geht es nicht um die Inhalte. Schau dir den poli­ti­schen Dis­kurs an, dort geht es auch nicht um die Inhalte, son­dern nur um das Drum­herum, um die Show. Bei den Ben­zin­brü­dern habe ich in Wirk­lich­keit von einem jun­gen Men­schen erzählt, der im Auto stirbt. Aber das ist den Leu­ten gar nicht auf­ge­fal­len. Die haben ein­fach nur über die Gags drum herum gelacht.

Die „Vier­tel­li­ter­klasse“ hatte mit dem Alko­ho­lis­mus ja auch einen knall­har­ten Inhalt.
Ja, da haben die Leute auch gewar­tet, dass ich wie frü­her einen Schmäh mit ihnen mache, aber das pas­siert dann nicht. Das hat sie ziem­lich irri­tiert. Und das Thema Alko­hol war auch so, dass sich da fast nie­mand im Publi­kum aus­neh­men konnte. Diese vier Arten von Trin­kern, die ich dar­ge­stellt habe, sind ja nicht erfun­den, die gibt es medi­zi­nisch wirk­lich, das ist patho­lo­gisch. Aber für mich war das super, weil ich gerne Figu­ren spiele und in unter­schied­li­che Cha­rak­tere schlüpfe. Und das habe ich bei die­sem Pro­gramm gemacht.

Abschlie­ßend noch eine Frage : Wieso gibt es kein poli­ti­sches Kaba­rett in Österreich ?
Ers­tens inter­es­siere ich mich nicht fürs Kaba­rett, ich wollte immer Schau­spie­ler wer­den. Ich habe damals mit dem Alfred Dorfer eine Thea­ter­gruppe gegrün­det, und wir haben kleine Thea­ter­stü­cke gespielt. Auch Mut­ter­tag war ursprüng­lich ein Thea­ter­stück. Nur haben wir immer auf Klein­kunst­büh­nen gespielt und nicht auf grö­ße­ren Büh­nen, des­halb wur­den wir als Kaba­ret­tis­ten wahr­ge­nom­men. Aber ich fühle mich über­haupt nicht als Kaba­ret­tist. Und poli­ti­sches Kaba­rett, das hätte mich sowieso nicht inter­es­siert, weil mich die Poli­ti­ker nicht inter­es­sie­ren. Ich ver­stehe das nicht, warum man so was macht : weder warum jemand in die Poli­tik geht noch warum jemand über Poli­ti­ker redet.

Autor:
28.05.2010

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Zwi­schen vier und ein­tau­send­zwei­hun­dert­fünf­zig Euro kos­ten Bau­gründe in Nie­der­ös­ter­reich. Güns­tige Lagen befin­den sich im nörd­li­chen Wald­vier­tel. Hoch­prei­sige Gebiete sind Krems und Lan­gen­zers­dorf. Die höchs­ten Preise gibt es in Möd­ling, Klos­ter­neu­burg und Oberwaltersdorf.  Wie viel Häusl­bauer in Nie­der­ös­ter­reich aktu­ell für bau­taug­li­che Grund­stü­cke zah­len müs­sen hat neu­er­lich der Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schafts­pres­se­dienst ana­ly­siert. Auf Basis einer fun­dier­ten öster­reich­wei­ten Erhe­bung […]
Sanie­rungs­of­fen­sive der Bun­des­re­gie­rung wirkt. 31.600 Haus­halte stei­gen im ers­ten Quar­tal auf erneu­er­bare Wärme um. Ein Schritt in Rich­tung nach­hal­ti­ges Hei­zen sind etwa Wärmepumpen. Die Sanie­rungs­of­fen­sive des Bun­des wirkt : Vor dem Hin­ter­grund stei­gen­der Ener­gie­preise und geo­po­li­ti­scher Unsi­cher­hei­ten been­den immer mehr Haus­halte in Öster­reich ihre Abhän­gig­keit von Öl und Gas und set­zen mit dem soge­nann­ten „Kes­sel­tausch“ auf […]
2026 will in Deutsch­land jede/​r fünfte Selb­stän­dige trotz schwie­ri­ger wirt­schaft­li­cher und geo­po­li­ti­scher Lage mehr inves­tie­ren. Im Ver­gleich zum vier­ten Quar­tal 2025 hat sich der Wert nun wei­ter erhöht. Im Ver­gleich zur übri­gen Wirt­schaft liegt er zurück. 21 Pro­zent der Selb­stän­di­gen pla­nen, die­ses Jahr ihre Inves­ti­tio­nen zu erhö­hen. Das zeigt eine aktu­elle Umfrage des deut­schen ifo […]
Wie viel Bür­ger­meis­ter in Öster­reich ver­die­nen, hängt von vie­len Fak­to­ren ab. Der nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schafts­pres­se­dienst hat sich Daten vom Öster­rei­chi­schen Gemein­de­bund ange­se­hen und nun für Nie­der­ös­ter­reich eine aktu­elle Ana­lyse erstellt. Was Bür­ger­meis­te­rin­nen und Bür­ger­meis­ter in Öster­reich mone­tär ver­die­nen, hängt von unter­schied­li­chen Fak­to­ren ab. Ein zen­tra­ler Punkt sind etwa die Vor­ga­ben des jewei­li­gen Bun­des­lan­des. Ein ande­rer ist die […]
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