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© TU Wien

Der rasende Computerchip

Die TU Wien ent­wi­ckelt für die Chip­tech­no­lo­gie ein neues Mate­rial aus Sili­zium und Ger­ma­nium. Das soll schnel­lere und ener­gie­ef­fi­zi­en­tere Com­pu­ter sowie neue Anwen­dun­gen bei Quan­ten­bau und Opto­elek­tro­nik ermöglichen.

Die heu­tige Chip­tech­no­lo­gie basiert größ­ten­teils auf Sili­zium. Nur in ganz bestimm­ten Bau­ele­men­ten wird auch eine geringe Menge an Ger­ma­nium bei­gemischt und die­ser Anteil soll sich nun erhö­hen. Der Ver­bin­dungs­halb­lei­ter Sili­zium-Ger­ma­nium hat näm­lich ent­schei­dende Vor­teile gegen­über der rei­nen Sili­zium-Tech­no­lo­gie und das betrifft ins­be­son­dere die Ener­gie­ef­fi­zi­enz und erreich­bare Taktfrequenzen.

Kris­tal­li­nes Alu­mi­nium mit Schicht­sys­tem aus Silizium-Germanium
Die größte Her­aus­for­de­rung dabei ist, auf tech­nisch zuver­läs­sige Weise Kon­takte zwi­schen Metall und Halb­lei­ter auf der Nano­skala her­zu­stel­len und das ist bei einem hohen Anteil an Ger­ma­nium deut­lich schwie­ri­ger als bei Sili­zium. Die TU Wien zeigt nun zusam­men mit For­schungs­teams aus Linz und Thun (Schweiz) Lösungs­mög­lich­kei­ten auf. 

Im Fokus ste­hen Kon­takte aus kris­tal­li­nem Alu­mi­nium mit extrem hoher Qua­li­tät und einem aus­ge­klü­gel­ten Sili­zium-Ger­ma­nium Schicht­sys­tem. Die­ses Zusam­men­spiel ermög­licht in Abhän­gig­keit des Ger­ma­ni­um­an­teils im Sili­zium, unter­schied­li­che Kon­tak­tei­gen­schaf­ten, spe­zi­ell für opto­elek­tro­ni­sche- und Quan­ten­bau­ele­mente, so die TU Wien.

Das Pro­blem mit dem Sauerstoff
„Jede Halb­lei­ter­schicht wird in kon­ven­tio­nel­len Ver­fah­ren auto­ma­tisch ver­un­rei­nigt, das lässt sich auf ato­ma­rer Ebene ein­fach nicht ver­hin­dern“, sagt Masiar Sistani vom Insti­tut für Fest­kör­per­elek­tro­nik der TU Wien. In ers­ter Linie sind es Sau­er­stoff­atome, die sich sehr rasch an der Ober­flä­che der Mate­ria­lien anla­gern und dann ent­steht eine Oxidschicht.

Weni­ger pro­ble­ma­tisch ist das bei Sili­zium, wo sich immer genau die glei­che Art von Oxid aus­bil­det. „Bei Ger­ma­nium ist es aber viel kom­pli­zier­ter, hier gibt es eine ganze Reihe unter­schied­li­cher Oxide“, erklärt Sistani. „Das bedeu­tet, dass unter­schied­li­che nano­elek­tro­ni­sche Bau­teile eine stark unter­schied­li­che Ober­flä­chen­zu­sam­men­set­zung auf­wei­sen und damit auch unter­schied­li­che elek­tro­ni­sche Eigen­schaf­ten haben kön­nen“, so Sistani.

Die nöti­gen Kenn­li­nien und der Ein­satz in der Halbleiterindustrie
Wird nun ein metal­li­scher Kon­takt mit die­sen Bau­tei­len ver­bun­den, dann ent­steht durch diese Unter­schiede ein Pro­blem und dass macht das Mate­rial für den Ein­satz in der Halb­lei­ter­indus­trie so kom­plex. „Die Repro­du­zier­bar­keit ist ein gro­ßes Pro­blem. Ver­wen­det man jedoch ger­ma­ni­um­rei­ches Sili­zium, hat der elek­tro­ni­sche Bau­teil wirk­lich die nöti­gen Kenn­li­nien“, erläu­tert Wal­ter Weber, Lei­ter des Insti­tuts für Fest­kör­per­elek­tro­nik der TU Wien. 

„Die Ladungs­trä­ger­kon­zen­tra­tion ist höher, spe­zi­ell posi­tive Ladungs­trä­ger kön­nen sich in die­sem Mate­rial viel effi­zi­en­ter bewe­gen als in Sili­zium“, ergänzt Lukas Wind, Dok­to­rand bei Wal­ter Weber. „Das Mate­rial würde daher viel höhere Takt­fre­quen­zen bei gestei­ger­ter Ener­gie­ef­fi­zi­enz erlau­ben als unsere heu­ti­gen Sili­zium-Chips“, so Wind.

Die „per­fekte“ Schnittstelle
„Unsere Expe­ri­mente zei­gen, dass diese Kon­takt­stel­len auf ver­läss­li­che und gut repro­du­zier­bare Weise her­ge­stellt wer­den kön­nen“, sagt Wal­ter Weber. „Die hier not­wen­di­gen tech­no­lo­gi­schen Sys­teme wer­den bereits heute in der Chip­in­dus­trie ein­ge­setzt. Es han­delt sich also nicht bloß um einen Labor­ver­such, son­dern um ein Ver­fah­ren, das man rela­tiv rasch in der Chip­in­dus­trie ein­set­zen könnte“, unter­streicht TU For­scher Weber.

Der ent­schei­dende Vor­teil des nun gezeig­ten Her­stel­lungs­ver­fah­rens ist, dass unab­hän­gig von der Sili­zium-Ger­ma­ni­um­zu­sam­men­set­zung hoch­qua­li­ta­tive Kon­takte her­ge­stellt wer­den kön­nen. „Wir sind davon über­zeugt, dass die vor­ge­stell­ten abrup­ten, robus­ten und zuver­läs­si­gen Metall-Halb­lei­ter Kon­takte für eine Viel­zahl neuer nano­elek­tro­ni­scher, opto­elek­tro­ni­scher und Quan­ten­bau­ele­men­ten hoch­in­ter­es­sant sind“, resü­miert Wal­ter Weber von der TU Wien.

Autor: red/mich/cc
25.11.2022

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