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© Pexels.com/Isabella Mariana

Der war­nende Moni­tor unter der Haut

Ein klei­ner implan­tier­ba­rer Herz­mo­ni­tor sagt bedroh­li­che Kom­pli­ka­tio­nen nach Herz­in­fark­ten vor­aus. Med-Uni Inns­bruck lei­tet umfang­rei­che inter­na­tio­nale Stu­die, die nun Ver­bes­se­rung gegen­über her­kömm­li­cher Nach­sorge belegt.

Nach über­stan­de­nen Herz­in­fark­ten erlei­det eine große Anzahl von Pati­en­tIn­nen oft­mals grö­bere Kom­pli­ka­tio­nen, die ohne jeg­li­che Vor­war­nung auf­tre­ten kön­nen und mit­un­ter töd­lich sind. Da die Herz­leis­tung der meis­ten die­ser Pati­en­tIn­nen noch rela­tiv gut ist, kön­nen gewöhn­li­che Nach­sor­ge­un­ter­su­chun­gen Kom­pli­ka­tio­nen wie akute Herz­schwä­che, neu­er­li­che Infarkte, Rhyth­mus­stö­run­gen oder Schlag­an­fälle oft nicht recht­zei­tig erken­nen. Ein inno­va­ti­ves tele­me­di­zi­ni­sches Ver­fah­ren, wo ein win­zi­ger Herz­mo­ni­tor unter die Haut ein­ge­setzt wird, kann nun bei der früh­zei­ti­gen Vor­her­sage der­ar­ti­ger Kom­pli­ka­tio­nen helfen.

Die Vor­bo­ten schwe­rer kli­ni­scher Ereignisse
Im Jahr 2016 initi­ierte Axel Bauer, Direk­tor der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin III an der Medi­zi­ni­schen Uni­kli­nik in Inns­bruck, im For­schungs­ver­bund des Deut­schen Zen­trums für Herz­kreis­lauf­for­schung (DZHK) die neue Stu­die (Anm. SMART-MI-DZHK9) mit dem implan­tier­ba­ren Moni­tor. Inner­halb von 21 Mona­ten spürte die­ser bei 60 von 201 Pati­en­tIn­nen schwere, meist jedoch asym­pto­ma­ti­sche Rhyth­mus­ereig­nisse auf. In der Kon­troll­gruppe mit 199 Herz­in­farkt-Pati­en­tIn­nen ohne Tele­mo­ni­to­ring konn­ten im Rah­men der übli­chen Nach­sorge im sel­ben Zeit­raum ledig­lich zwölf der­ar­ti­ger Ereig­nisse ent­deckt wer­den (20 Prozent). 

“Der sehr emp­find­li­che Moni­tor detek­tiert gefähr­li­che, jedoch asym­pto­ma­ti­sche Rhyth­mus­ereig­nisse, die wie­derum Vor­bo­ten schwe­rer kli­ni­scher Ereig­nisse sind. Grö­bere Pro­bleme kön­nen somit weit­aus frü­he­rer erkannt und Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten bes­ser behan­delt wer­den“, sagt Axel Bauer. Der unter die Haut implan­tierte Herz­mo­ni­tor ist so klein wie ein Fin­ger­na­gel. Es han­delt sich um ein pas­si­ves Gerät, das die gefähr­li­chen Rhyth­mus­stö­run­gen auto­ma­tisch erkennt und tele­me­trisch an ein Zen­trum über­mit­telt. Die Infor­ma­tion des Her­zens kön­nen zudem kon­ti­nu­ier­lich über meh­rere Jahre auf­zeich­net werden. 

Renom­mier­tes Fach­jour­nal „Lan­cet Digi­tal Health“ publi­ziert Studie
An der viel­be­ach­te­ten Stu­die nah­men 32 Herz­zen­tren in Deutsch­land teil und die Uni­kli­nik für Innere Medi­zin III in Inns­bruck als ein­zi­ges öster­rei­chi­sches Zen­trum. Die Ergeb­nisse wur­den erst­mals im August die­ses Jah­res auf dem Kon­gress der Euro­päi­schen Gesell­schaft für Kar­dio­lo­gie prä­sen­tiert und aktu­ell nun auch vom renom­mier­ten Fach­jour­nal „Lan­cet Digi­tal Health“ publi­ziert. „Zukünf­tige Stu­dien müs­sen nun klä­ren, inwie­weit sich durch diese tele­me­di­zi­ni­sche Stra­te­gie auch lang­fris­tig die Pro­gnose der Pati­en­tIn­nen ver­bes­sern lässt“, so die Med-Uni Inns­bruck in einer Aussendung.

Axel Bauer ist seit 2019 Direk­tor der Inns­bru­cker Uni­ver­si­täts­kli­nik für Innere Medi­zin III (Kar­dio­lo­gie und Angio­lo­gie) an der Medi­zi­ni­schen Uni­kli­nik in Inns­bruck. Ein Schwer­punkt sei­ner For­schun­gen liegt in com­pu­ter­ba­sier­ten Ver­fah­ren in der Kar­dio­lo­gie sowie dem plötz­li­chen Herz­tod. Bevor der auch inter­na­tio­nal renom­mierte Herz­ex­perte an die Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät Inns­bruck beru­fen wurde, war Bauer ärzt­li­cher Lei­ter der Abtei­lung für Kar­dio­lo­gie des Innen­stadt­kli­ni­kums der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät München. 

Autor: red/mich/czaak
31.01.2022

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