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Der weite Weg zum Elektroauto

Toyota hat allen gezeigt, wie Hybrid-Autos auf dem Markt funk­tio­nie­ren. Nächs­ter logi­scher Schritt sind Plug-in-Fahr­zeuge, die bei Still­stand auf­ge­la­den wer­den. Dazu feh­len aller­dings (noch) die nöti­gen Tankstellen.

eco­nomy : Wie lange wird es noch dau­ern, bis Elek­tro-autos markt­fä­hige Seri­en­reife erlan­gen, sprich : eine wirk­li­che Alter­na­tive zum Ben­zin-Auto darstellen ?
Hubert Ber­ger : Grund­sätz­lich gehe ich davon aus, dass es in etwa sechs bis acht Jah­ren soge­nannte Plug-in-Hybride geben wird, deren Rei­fe­grad dann ein star­kes Markt­wachs­tum mit einem jähr­li­chen Zuwachs von 20 bis 30 Pro­zent brin­gen wird. Dabei han­delt es sich im Prin­zip um Elek­tro­au­tos, deren Bat­te­rien über Strom­tank­stel­len oder die eigene Haus­steck­dose gela­den wer­den. Für län­gere Fahr­stre­cken wer­den diese Fahr­zeuge aber immer noch kleine Ver­bren­nungs­mo­to­ren oder Brenn­stoff­zel­len ent­hal­ten, um die erfor­der­li­che elek­tri­sche Ener­gie bereitzustellen.

Was ist der heu­tige Stand der Technik ?
Wir befin­den uns zur­zeit in der brei­ten Ein­füh­rungs­phase von soge­nann­ten Micro-Hybrid- oder Mild-Hybrid-Antrie­ben. Damit kön­nen bei ver­gleich­bar gerin­gem Zusatz­auf­wand Treib­stoff­ein­spa­run­gen im Bereich von zehn Pro­zent erzielt wer­den, indem der Ver­bren­nungs­mo­tor bei Leer­lauf sofort abge­stellt und bei Bedarf mit­tels eines ent­spre­chend dimen­sio­nier­ten Star­ter­ge­ne­ra­tors sofort wie­der in Betrieb gesetzt wird. Voll­hy­bride wer­den zur­zeit von den Her­stel­lern mehr aus Pres­ti­ge­grün­den auf dem Markt plat­ziert. Ihre Pro­duk-tion ist auf­grund der Kom­ple­xi­tät sehr teuer und die Treib­stoff­er­spar­nis auf­grund begrenz­ter Spei­cher­mög­lich­keit der elek­tri­schen Ener­gie nicht dem Mehr­auf­wand ent­spre­chend. Ich sehe aber als Vor­teil, dass Her­stel­ler die Full-Hybrid-Tech­no­lo­gie beherr­schen und damit Erfah­rung sam­meln und auch jeder­zeit andere Vari­an­ten inklu­sive des rei­nen Elek­tro­fahr­zeugs auf den Markt brin­gen können.

Wo lie­gen noch die Engpässe ?
Gene­rel­ler Eng­pass ist in allen Vari­an­ten die Spei­che­rung der elek­tri­schen Ener­gie. Bei Bat­te­rien wur­den zwar in den letz­ten Jah­ren große Fort­schritte erzielt. Die ver­füg­bare Ener­gie­dichte liegt aber immer noch etwa um den Fak­tor 30 unter der in einem ver­gleich­ba­ren Volu­men an fos­si­lem Brenn­stoff ent­hal­te­nen Energie.

Was ist der Stand der Ent­wick­lung in der Spei­cher­tech­nik, Stich­wort Lithium-Ionen-Batterien ?
Auf die Lithium-Ionen-Tech­no­lo­gie wer­den große Hoff­nun­gen gesetzt. Mit­tels neuar-tiger nano­struk­tu­rier­ter Anoden­ma­te­ria­lien gelingt es zumin­dest in ein­zel­nen For­schungs­la­bors bereits, eine Ver­zehn­fa­chung gegen­über bis­he­ri­gen Ener­gie­dich­ten zu demons­trie­ren. Wenn dabei bis zu einer Seri­en­reife auch noch viele Rand­pro­bleme zu lösen sein wer­den, ist das zumin­dest ein Beweis dafür, dass die Lösung des Spei­cher­pro­blems grund­sätz­lich mög­lich sein müsste. Bat­te­rien mit zehn­fa­cher Ener­gie­dichte wür­den dank des hohen Wir­kungs­gra­des von Elek­tro­an­trie­ben Reich­wei­ten wie heu­tige Die­sel­fahr­zeuge ermög­li­chen – und das bei einem Pri­mär­ener­gie­ein­satz ent­spre­chend zwei Liter Ben­zin auf 100 Kilometern.

Wel­che Elek­tro­au­to­kon­zepte erwei­sen sich schon heute als recht brauchbar ?
Grund­sätz­lich ste­hen bereits heute Elek­tro­au­tos für Reich­wei­ten von 60 bis 100 Kilo­me­ter zur Ver­fü­gung, die für den Stadt­ver­kehr völ­lig aus­rei­chen. Gene­rell ist zu sagen, dass hin­sicht­lich des Stadt­ver­kehrs eher die feh­lende Infra­struk­tur, also die Strom­tank­stel­len, das Pro­blem dar­stel­len – und nicht so sehr die begrenz­ten Energiespeicher.

Wird es über kurz oder lang echte Elek­tro­au­tos geben, oder wird die Hybrid-Ver­sion Benzin/​Elektro das Maß der Dinge sein ?
Das reine Elek­tro­auto wird mei­ner Ansicht nach auf­grund der ein­ge­schränk­ten Reich­weite lei­der noch geraume Zeit auf sich war­ten las­sen, was die breite Markt­ein­füh­rung betrifft. Um hier keine Zeit zu ver­säu­men, wird es ganz wich­tig sein – neben der Wei­ter­ent­wick­lung der Bat­te­rien – die ent­spre­chen­den Infra­struk­tu­ren auf­zu­bauen. Als Bei­spiel sei nur ange­führt, dass wir dann Zig­tau­sende Strom­tank­stel­len benö­ti­gen wer­den, um die Bat­te­rien sozu­sa­gen an allen Ecken auf­la­den zu kön­nen, weil durch die Ver­mei­dung von Tief­ent­la­dung die Lebens­dauer von Bat­te­rien wesent­lich erhöht wer­den kann. Um einen ent­spre­chen­den Kom­fort zu bie­ten, müs­sen sol­che Strom­tank­stel­len sehr intel­li­gent und voll­stän­dig auto­ma­ti­siert aus­ge­führt sein.

Mit wel­cher Inten­si­tät wird Ihres Wis­sens die For­schung vor­an­ge­trie­ben ? Gibt es dafür aus­rei­chend Bud­get und Zeit ?
Dank des Wett­be­werbs­drucks, den ins­be­son­dere Toyota mit dem fast uner­war­te­ten Erfolg sei­ner Hybrid-Tech­no­lo­gie erzeugt hat, wird welt­weit nun­mehr sehr viel in die alter­na­tive Antriebs­tech­no­lo­gie inves­tiert. Im Ver­gleich zum For­schungs- und Ent­wick­lungs­auf­wand für die Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­bren­nungs­mo­tors erscheint mir das aber noch immer sehr wenig. Es ist schon zu ver­mu­ten, dass hier ein krampf­haf­tes Fest­hal­ten am Ver­bren­nungs­mo­tor aus Tra­di­tion längste Zeit mit im Spiel war.

Zur Per­son

Hubert Ber­ger ist Fach­hoch­schul­pro­fes­sor im Stu­di­en­gang für Elek­tro­nik und Tech­no­lo­gie­ma­nage­ment an der Fach­hoch­schule Joan­neum in Kap­fen­berg und lei­tet dort das Trans­fer­zen­trum für Indus­tri­elle Elektronik.
Foto : H. Berger

Autor:
01.11.2008

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