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Die ambi­va­lente Betrach­tung der betrieb­li­chen Digitalisierung

Für acht­zig Pro­zent hei­mi­scher KMUs haben digi­tale Tech­no­lo­gien eine große Bedeu­tung. Pri­mär per­so­nell bedingt kann aber jedes zweite KMU vorab keine tech­no­lo­gi­schen Inno­va­tio­nen umset­zen, so eine aktu­elle Stu­die vom Bera­ter EY.

Die Bedeu­tung digi­ta­ler Tech­no­lo­gien für das Geschäfts­mo­dell mit­tel­stän­di­scher Unter­neh­men ist erneut gewach­sen : acht­zig Pro­zent der Betriebe wei­sen ihnen nun eine mit­tel­große oder sehr große Bedeu­tung zu (2021 : 77 Pro­zent). Knapp drei­ßig Pro­zent bewer­ten die Rolle der Digi­ta­li­sie­rung als sehr groß. Auf Platz Eins im Rele­vanz-Ran­king lie­gen Finanz­dienst­leis­ter (51 Pro­zent), gefolgt von Trans­port, Ver­kehr und Ener­gie (34). Schluss­licht ist der Immo­bi­lien-Sek­tor (Real-Estate) mit zehn Prozent.

Lösun­gen bevor­zugt für Ver­trieb, Mobi­lity, Cloud und Data
Die Corona-Pan­de­mie hatte in Öster­reich schon ab 2020 einen Digi­ta­li­sie­rung-Schub aus­ge­löst und die­ser geht unge­bro­chen wei­ter. Aktu­ell mei­nen drei von vier befrag­ten Mit­tel­ständ­lern, dass die Wich­tig­keit digi­ta­ler Tech­no­lo­gien noch wei­ter gestie­gen ist. Nur jedes 50. Unter­neh­men (zwei Pro­zent) stellt hin­ge­gen eine gesun­kene Bedeu­tung fest. Das sind einige der Ergeb­nisse einer Stu­die der Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY, für die Anga­ben zufolge über 600 mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men mit 30 bis 2.000 Mit­ar­bei­te­rIn­nen in Öster­reich befragt wurden.

Aktu­ell kom­men digi­tale Tech­no­lo­gien vor allem im direk­ten Kun­den­kon­takt zum Ein­satz (78 Pro­zent), gefolgt von mobi­len End­ge­rä­ten (52). Jeder sechste Mit­tel­ständ­ler will Cloud Com­pu­ting ein­set­zen, zwölf Pro­zent Data Ana­ly­tics und jedes zehnte Unter­neh­men Künst­li­che Intel­li­genz. Par­al­lel will aber fast jeder zweite Betrieb vorab keine zusätz­li­chen digi­ta­len Tech­no­lo­gien im eige­nen Betrieb umset­zen, bedingt durch feh­len­des Per­so­nal und finan­zi­ell. „Über alle Bran­chen haben 83 Pro­zent Pro­bleme, geeig­nete Fach­kräfte zu fin­den und das hat auch Aus­wir­kun­gen auf geplante Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jekte“, sagt Axel Preiss, Lei­ter der Unter­neh­mens­be­ra­tung bei EY Österreich.

Bun­des­haupt­stadt Wien als Digitalisierungshotspot 
Im Bun­des­län­der-Ran­king lie­gen Unter­neh­men mit Sitz in Wien vorne. Hier spielt für acht­zig Pro­zent die Digi­ta­li­sie­rung eine große Rolle für das eigene Geschäfts­mo­dell. Nahezu gleich auf fol­gen Betriebe in Ober­ös­ter­reich und danach Vor­arl­berg. Der Anteil der Unter­neh­men, der digi­ta­len Tech­no­lo­gien eine mit­tel­große oder sehr große Bedeu­tung bei­misst, liegt mitt­ler­weile bei grö­ße­ren Unter­neh­men nicht viel höher als bei klei­ne­ren Unter­neh­men. „KMUs haben erkannt, dass sie die Digi­ta­li­sie­rung nut­zen müs­sen, um nicht die Kon­kur­renz vor­bei­zie­hen zu las­sen“, so Gun­ther Rei­mo­ser, Coun­try Mana­ging Part­ner bei EY Österreich.

Unter­schiede in der Chan­cen­aus­wer­tung gibt es auch bei der bran­chen­spe­zi­fi­schen Betrach­tung : Unter­neh­men aus dem Gesund­heits­sek­tor (87 Pro­zent) und aus den Berei­chen Trans­port, Ver­kehr und Ener­gie sowie Tou­ris­mus (je 84) sind beson­ders chan­cen-ori­en­tiert. Wahr­neh­mun­gen in Form einer punk­tu­el­len Bedro­hung durch die digi­tale Trans­for­ma­tion gibt es im Han­del- und Kon­sum­gü­ter­be­reich, der Indus­trie (je 7) sowie dem Real-Estate-Sek­tor (8 Prozent). 

Nega­ti­vere Bewer­tung der stand­ort­po­li­ti­schen Rahmenbedingungen
Gefragt nach den stand­ort­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen in Öster­reich, bewer­ten diese 63 Pro­zent der mit­tel­stän­di­schen Betriebe als posi­tiv. Das sind deut­lich weni­ger als vor einem Jahr, als der Anteil bei 72 Pro­zent lag. Nur jedes zehnte Unter­neh­men (10 Pro­zent) bewer­tet sie als aus­ge­zeich­net, am zufrie­dens­ten ist der Trans­port­sek­tor. Fast jedes dritte KMU bezeich­net die Rah­men­be­din­gun­gen als mit­tel­mä­ßig, sechs Pro­zent geben eine schlechte Note ab. Vor allem die Leis­tungs­fä­hig­keit der digi­ta­len Infra­struk­tur mit dem Zugang zu hohen Band­brei­ten und Han­dy­emp­fang wird von fast drei Vier­tel (74 Pro­zent) posi­tiv bewertet. 

Die meis­ten guten Bewer­tun­gen stam­men aus Salz­burg (82), gefolgt von Tirol (81). Mit 67 Pro­zent belegt hier Kärn­ten den letz­ten Platz im Zufrie­den­heits-Ran­king. Mit den Koope­ra­ti­ons­part­nern vor Ort sind 67 Pro­zent zufrie­den, mit den gebo­te­nen För­der­mög­lich­kei­ten 68 Pro­zent. Auch hier ist Salz­burg auf Platz Eins und Kärn­ten das Schluss­licht. „Eine leis­tungs­starke Digi­tal-Infra­struk­tur ist für Unter­neh­men ein immer wich­ti­ge­rer Stand­ort­fak­tor, ein flä­chen­de­cken­der Aus­bau ent­spre­chend eine Inves­ti­tion in die Zukunft : Nur mit einer leis­tungs­fä­hi­gen digi­ta­len Infra­struk­tur kann es eine Chan­cen­gleich­heit in allen Regio­nen geben“, unter­streicht Axel Preiss von EY.

Autor: red/czaak
28.02.2022

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