
Die automatische Verwaltung
Öffentliche Verwaltung und Institutionen mit massivem Aufholbedarf bei Thema Digitalisierung und Automation. Mehr als die Hälfte der Organisationen ohne Digitalstrategie. 14 Prozent mit vollständig implementierter IT-Strategie.
Digitalisierung und Automation sind in der öffentlichen Verwaltung zwei zentrale Themen, wenn es um Effizienz bei Arbeitsabläufen und Bürgerservices sowie Einsparungspotentiale geht. Experten aus unterschiedlichen Bereichen empfehlen und sehen umfassenden Handlungsbedarf, zuletzt etwa der Österreichische Fiskalrat in seiner Beurteilung bei nötigen Sparmaßnahmen im Kontext mit dem Budgetdefizit (economy berichtete).
Aktuell haben sich nun die Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer von EY den Digitalisierungsgrad in der Österreichischen Verwaltung genauer angesehen und auf Basis einer Befragung von 173 Organisationen aus dem Bereich Bund/Länder/Gemeinden sowie österreichische Unternehmen aus dem öffentlichen Sektor eine Studie (Anm. „Zukunft Verwaltung“) erstellt.
Nur fünf Prozent „vollständig digital“
92 Prozent der befragten Institutionen sind einmal in ihrer täglichen Arbeit mit IT-Systemen konfrontiert. Jede vierte Organisation sieht sich selbst als zumindest „eher digital“, fünf Prozent als „vollständig digital“. 14 Prozent geben an, eine vollständig implementierte Digitalstrategie zu haben, ein Viertel sieht die vorhandene Digitalstrategie nur wenig in die täglichen Arbeitsabläufe eingebettet. Über die Hälfte hat bislang keine Digitalstrategie realisiert.
„Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern die Basis für interne Effizienz. Dass bislang mehr als die Hälfte der Verwaltungsorganisationen keine feste Digitalstrategie verankert hat und ein weiteres Viertel Nachholbedarf bei der Einbettung sieht, zeigt, wo wir ansetzen müssen – nämlich bei bedarfsorientierter Modernisierung“, sagt Karim El-Siginy, Partner für den öffentlichen Sektor bei EY Österreich.
Automatisierung greift vor allem bei größeren Einrichtungen
In 29 Prozent der Organisationen sind ein Drittel der Prozesse bereits hochautomatisiert. Bei jeder achten Verwaltung (13 Prozent) laufen Prozesse bereits zu über 60 Prozent ohne manuelle Eingriffe. Vor allem dort, wo es mehr als 200 Mitarbeitende gibt, stehen die Zeichen stark auf Automatisierung.
„Österreichs Verwaltung ist auf dem Weg der Digitalisierung, aber noch nicht am Ziel. Entscheidend ist, Digitalisierung ganzheitlich zu denken – von der breit verankerten IT-Kompetenz über den gezielten Einsatz von Daten und KI bis hin zu nachhaltigen Sicherheitskonzepten“, so Wolfgang Pinkl von EY Österreich.
Cybersecurity zentrales Thema, KI zweitrangig
Einen wichtigen Stellenwert in der Verwaltung haben Maßnahmen zum Schutz von Netzwerken, Systemen und Daten. Mehr als die Hälfte schätzen den Reifegrad von Cybersecurity in ihrer Organisation als (sehr) hoch ein. Federführend sind dabei Städte und Gemeinden, wo 44 Prozent angeben, dass Cybersecurity zu einem hohen Ausmaß organisiert und überprüft ist. Im direkten Vergleich damit hinkt der Reifegrad der Kompetenzen rund um digitale Themen deutlich hinterher. Nur ein Viertel schätzt, dass der Wissensaufbau rund um IT, Daten und KI in der eigenen Verwaltungseinheit hoch ist.
Bund und Land finden sich am Ende der Skala und bewerten das angeeignete Wissen mit sechs Prozent sogar als sehr gering. „Neben ein paar Grundlagen, die für alle Verwaltungsstrukturen gelten, beispielsweise Datenschutz, gilt es individuelle Bedürfnisse und Anforderung an die jeweiligen IT-Strukturen zu etablieren und Prozesse so sinnvoll und budgetsparend wie möglich abzuwickeln“, so Maximilian Vallo von EY. (red/czaak)