
Die Bahn wird zum Überflieger
Ein neues Forschungsprogramm soll der Bahnwirtschaft die sprichwörtlichen Flügel verleihen. Ein österreichisches Forscherkonsortium bekommt ein ordentliches Stück vom Kuchen.
Europaweit werden durchschnittlich mehr als 80 Prozent der Wege mit dem Pkw zurückgelegt, der Anteil der Bahn beläuft sich auf weniger als zehn Prozent. Für den Bahnverkehr bleibt im Bereich der europäischen Güter- und Personentransporte also noch viel zu tun.
In ihrem Transport White Paper von 2011 hat die Europäische Kommission ihre Ziele für die Bahn festgehalten : Das Streckennetz für Hochgeschwindigkeitszüge soll bis 2030 verdreifacht und die zentralen Flughäfen mit einem High-Speed-Bahnnetz verbunden werden. So soll die Bahn das wichtigste Fracht-Transportmittel in Europa werden und die Anzahl der Autos mit konventionell Antrieben halbiert werden.
Die Europäische Kommission hat gemeinsam mit der Bahnindustrie das 920 Millionen Euro schweres Forschungsprogramm Shift2Rail ins Leben gerufen, um die Bahnindustrie im Wettbewerb der Verkehrsträger einen großen Schritt voranzubringen. 21 Millionen Euro hat ein österreichisches Konsortium an Land gezogen, das vom Grazer Forschungszentrum Virtual Vehicle koordiniert wird.
Durch die europäische Bahn-Forschungs-Initiative sollen neue Technologien entwickelt und schneller in innovative Produkte für den Schienenverkehr integriert werden, erklärt Jost Bernasch, Geschäftsführer des Forschungszentrums Virtual Vehicle.
31 Forschungsmillionen
An dem Großprojekt, das die Europäische Kommission und die Bahnindustrie zu jeweils der Hälfte finanzieren, nehmen zahlreiche Akteure aus Österreich teil : Das Virtual Vehicle Austria Consortium plus (VVAC+) mit insgesamt 12 heimischen Unternehmen hat sich 21 Millionen Euro des Gesamtbudgets gesichert. Die ÖBB und Kapsch CarrierCom sind an zwei weiteren Shift2Rail-Konsortien beteiligt. Insgesamt werden 31 Forschungsmillionen in Österreich ausgeschüttet.
Zu den Partnern des VVAC+ gehören unter anderem die AVL List Gmbh, die voestalpine Schienen und voestalpine VAE Gmbh, die Wiener Linien, das Forschungszentrum AC2T in Wiener Neustadt und das Materials Center Leoben. Forschungsthemen sind beispielsweise die wartungsfreie Weiche oder leichtere Güterwagen, um die Nutzlast um bis zu zehn Prozent zu erhöhen. Verbesserte Gleisgeometrien, reduzierte Fahrgeräusche und weniger Vibrationen sollen den Komfort der Passagiere erhöhen.