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Die Brü­cke, die sich deh­nen kann

Damit Brü­cken sich ver­for­men kön­nen, braucht es nor­ma­ler­weise auf­wän­dige Dehn­fu­gen. Die TU Wien ent­wi­ckelte nun eine res­sour­cen­scho­nende Tech­nik ohne Fugen.

Fährt man in flot­tem Tempo über eine Brü­cke, dann rum­pelt es am Anfang und am Ende durch ein­ge­baute Dehn­fu­gen, die sich je nach Tem­pe­ra­tur aus­deh­nen oder zusam­men­zie­hen. Diese Fugen sind teuer und war­tungs­in­ten­siv. An der TU Wien wurde nun eine Brü­cken­va­ri­ante ohne diese Dehn­fu­gen ent­wi­ckelt und aktu­ell von der ASFI­NAG beim Bau der Satz­en­gra­ben­brü­cke an der Nord­au­to­bahn erst­mals ein­ge­setzt. Die dehn­fu­gen­lose Brü­cke hat ihren ers­ten Win­ter­ein­satz über­stan­den und die Mess­ergeb­nisse zei­gen, dass die neue Tech­nik pro­blem­los funktioniert.

Hohe Instand­hal­tungs­kos­ten und zusätz­li­che Nachteile
„Klei­nere Distan­zen über­brückt man gerne mit soge­nann­ten inte­gra­len Brü­cken, das sind mono­li­thi­sche Bau­werke, bei denen es keine getrenn­ten Teile gibt, die sich gegen­ein­an­der ver­schie­ben könn­ten“, erklärt Johann Kol­leg­ger vom Insti­tut für Trag­kon­struk­tio­nen der TU Wien. Bei län­ge­ren Brü­cken ist das nor­ma­ler­weise nicht mög­lich, denn der Beton kann sich abhän­gig von der Tem­pe­ra­tur aus­deh­nen oder zusam­men­zie­hen. Bei einer Brü­cke mit einer Länge von 100 Metern erge­ben sich schon einige Zen­ti­me­ter Län­gen­un­ter­schied zwi­schen Som­mer und Win­ter, rech­net Kol­leg­ger vor. Das ist zu viel, beson­ders im Win­ter, wenn sich der Beton zusam­men­zieht, kön­nen schwere Schä­den in der Asphalt­fahr­bahn ent­ste­hen. Im Som­mer ist die Gefahr gerin­ger, weil das Mate­rial bei höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren form­ba­rer wird.
Mit Dehn­fu­gen lässt sich das Pro­blem behe­ben : Die Brü­cke besteht dann aus meh­re­ren Tei­len, die sich in einem gewis­sen Aus­maß frei gegen­ein­an­der ver­schie­ben kön­nen. Diese Dehn­fu­gen sind jedoch ein typi­scher Schwach­punkt, sie brau­chen immer wie­der War­tung und sind die Ursa­che für etwa 20% der Instand­hal­tungs­kos­ten. „Da sind aller­dings die volks­wirt­schaft­li­chen Schä­den noch gar nicht mit­be­rück­sich­tigt, die durch Umlei­tun­gen, Staus und Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen anfal­len“, fügt Kol­leg­ger hinzu.

Die Per­len auf der Gummischnur
An der TU Wien ent­wick­lete man nun eine Alter­na­tive : Statt die Ver­for­mung in ein­zel­nen Fugen am Anfang und am Ende der Brü­cke auf­zu­neh­men, ver­teilt man die Ver­for­mung auf einen grö­ße­ren Bereich. 20 bis 30 Beton­ele­mente wer­den hin­ter­ein­an­der auf­ge­reiht und mit Sei­len aus einem spe­zi­el­len Glas­fa­ser-Werk­stoff mit­ein­an­der ver­bun­den. Die Kon­struk­tion ähnelt einer Kette von Per­len, die auf einem Gum­mi­band auf­ge­fä­delt sind : Wenn daran gezo­gen wird, erhöht sich der Abstand zwi­schen allen Per­len gleich­mä­ßig im sel­ben Aus­maß. Wenn sich die Brü­cke im Win­ter ver­kürzt, ent­ste­hen zwi­schen benach­bar­ten Beton­ele­men­ten kleine Spal­ten – aller­dings nur im Mil­li­me­ter­be­reich, sodass diese keine Gefahr für die Asphalt­fahr­bahn darstellen.
Der fugen­lose Fahr­bahn­über­gang wurde von der TU Wien mit Unter­stüt­zung durch ihre Abtei­lung „For­schungs- und Trans­fer­sup­port“ paten­tiert. Wich­tig war außer­dem, eine pas­sende Asphalt­mi­schung zu ent­wi­ckeln, mit der man die Beton­ele­mente bede­cken kann. Sie muss fle­xi­bel genug sein, um die mil­li­me­ter­klei­nen Bewe­gun­gen mit­zu­ma­chen, ohne dabei ris­sig zu wer­den. Diese Auf­gabe über­nahm wie­derum das Insti­tut für Ver­kehrs­wis­sen­schaf­ten der TU Wien.

Pilot­pro­jekt in Niederösterreich
Die Auto­bah­nen- und Schnell­stra­ßen-Finan­zie­rungs-AG ASFI­NAG war von Beginn an am Pro­jekt betei­ligt und war somit auch der erste Bau­trä­ger auf Basis der neuen Ent­wick­lung. Als Teil der Nord­au­to­bahn A5 zwi­schen Schrick und Poy­s­brunn im Nor­den Nie­der­ös­ter­reichs wurde die 112 Meter lange Satz­en­gra­ben­brü­cke errich­tet, nun­mehr die längste inte­grale Brü­cke Österreichs.
Im Rah­men die­ses ers­ten Pilot­pro­jekts wurde auch ein umfang­rei­ches Moni­to­ring­pro­gramm instal­liert und nach den ers­ten Win­ter­wo­chen eine Zwi­schen­bi­lanz gezo­gen : „Unsere theo­re­ti­schen Berech­nun­gen zur Auf­tei­lung der Ver­for­mun­gen auf die ein­zel­nen Beton­ele­mente konn­ten durch die Mes­sun­gen bestä­tigt wer­den“, so Michael Klei­ser, zustän­di­ger Experte für Brü­cken­bau bei der ASFI­NAG. „Das Team hofft, dass sich die neue Methode nicht nur in Öster­reich son­dern auch in ande­ren Staa­ten bald durch­setzt“, so die TU-Wien in einer Aussendung. 

Autor: red/cc
23.02.2018

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