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Die drin­gende Not­wen­dig­keit für umfas­sende Reformen

EY hat über 600 mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men mit 30 bis 2.000 Mit­ar­bei­tern zum Thema Digi­ta­li­sie­rung befragt und dabei auch die ein­zel­nen Bun­des­län­der und Bran­chen sowie die Rah­men­be­din­gun­gen beleuchtet.

Digi­tale Tech­no­lo­gien haben bran­chen­über­grei­fend unter­schied­li­che Rele­vanz. Sie sind etwa für Geschäfts­mo­delle von Unter­neh­men mit Jah­res­um­sät­zen jen­seits der 30 Mil­lio­nen Grenze deut­lich wich­ti­ger als für Unter­neh­men mit weni­ger als zehn Mil­lio­nen Euro. Der Anteil der Unter­neh­men, die digi­ta­len Tech­no­lo­gien eine sehr große oder mit­tel­große Bedeu­tung bei­mes­sen, liegt bei grö­ße­ren Unter­neh­men mit fast sieb­zig Pro­zent deut­lich höher als bei Unter­neh­men mit Jah­res­um­sät­zen von weni­ger als zehn Mil­lio­nen Euro (59 Prozent). 

Bedeu­tung der Digi­ta­li­sie­rung steigt deutlich
Aber auch für Unter­neh­men, die zwi­schen zehn und 30 Mil­lio­nen Euro Jah­res­um­satz machen, sind digi­tale Tech­no­lo­gien nahezu gleich bedeut­sam : 66 Pro­zent wei­sen ihnen eine große oder mit­tel­große Bedeu­tung zu. Das sind einige Ergeb­nisse einer kürz­lich von EY ver­öf­fent­lich­ten umfas­sen­den Stu­die zur Bedeu­tung der Digi­ta­len Trans­for­ma­tion für Öster­reichs Unter­neh­men (eco­nomy beri­chete). „Ins­be­son­dere für kleine Betriebe ist es essen­zi­ell, neue Ent­wick­lun­gen im Tech­no­lo­gie­be­reich in die Geschäfts­mo­delle zu inte­grie­ren. Die digi­tale Trans­for­ma­tion macht kei­nen Halt und es gilt, den Anschluss an den Mit­be­werb nicht zu ver­lie­ren“, sagt Susanne Zach, Lei­te­rin AI & Data bei EY Österreich.

Die meis­ten Unter­neh­men – unab­hän­gig von der Umsatz­ka­te­go­rie – sind sich aber einig, dass dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt eine große Bedeu­tung zuzu­schrei­ben ist. 65 Pro­zent der hei­mi­schen Unter­neh­men sehen in der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft für das eigene Unter­neh­men eine Chance, wäh­rend ledig­lich sechs Pro­zent in die­ser Ent­wick­lung eine Bedro­hung sehen. Gegen­über Jah­res­be­ginn 2023 ist damit der Anteil der Befür­wor­ter deut­lich – um sechs Pro­zent­punkte – gestiegen. 

Unter­schiede bei der Chancen-Bewertung
Vor allem große Unter­neh­men sehen Chan­cen in der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung. Grö­ßere Betriebe mit Jah­res­um­sät­zen jen­seits der Drei­ßig-Mil­lio­nen-Marke bewer­ten die stei­gende Digi­ta­li­sie­rung im Durch­schnitt deut­lich häu­fi­ger als Chance als klei­nere Unter­neh­men (81 Pro­zent). Bei Unter­neh­men mit einem Umsatz zwi­schen zehn und 30 Mil­lio­nen Euro sinkt die Zustim­mung bereits, wäh­rend bei Betrie­ben mit weni­ger als zehn Mil­lio­nen Euro Umsatz die zuneh­mende Digi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft durch­schnitt­lich von 59 Pro­zent als Chance beur­teilt wird. Gleich­zei­tig ist bei letzt­ge­nann­ten Unter­neh­men der Anteil derer, die der zuneh­men­den Digi­ta­li­sie­rung indif­fe­rent gegen­über­ste­hen, mit 36 Pro­zent deut­lich höher als bei grö­ße­ren Unter­neh­men (14 Prozent).

Nicht nur bei der Umsatz­größe, son­dern auch quer durch die ein­zel­nen Sek­to­ren gibt es Unter­schiede bei der Chan­cen-Bewer­tung : Unter­neh­men aus dem Finanz­sek­tor (88 Pro­zent) und im Bereich Trans­port, Ver­kehr und Ener­gie (77) sowie Sozia­les, Wis­sen­schaft, Bil­dung und Kul­tur (72) sind beson­ders chan­cen­ori­en­tiert. Hei­mi­sche Unter­neh­men im Immo­bi­lien- und Bau­ge­werbe neh­men die digi­tale Trans­for­ma­tion hin­ge­gen kri­tisch bedroh­lich wahr (14). Wirft man einen Blick auf die Bun­des­län­der, so sehen vor allem Wie­ner, Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche und Salz­bur­ger Betriebe die Digi­ta­li­sie­rung als Chance. In der Stei­er­mark, in Kärn­ten und in Tirol emp­fin­den die Betriebe sie jedoch eher als Risiko. 

Bun­des­haupt­stadt Wien als Digi­ta­li­sie­rungs­hot­spot und schlechte Noten für Standortpolitik
Im Bun­des­län­der-Ran­king punk­ten Unter­neh­men mit Sitz in Wien : 38 Pro­zent der Unter­neh­men geben an, dass die Digi­ta­li­sie­rung bereits jetzt eine sehr große Rolle für das eigene Geschäfts­mo­dell spielt, für wei­tere 29 Pro­zent eine mit­tel­große. Dahin­ter fol­gen Betriebe in Salz­burg, Tirol oder Kärn­ten. Betrach­tet man die Zah­len aus den Vor­jah­ren, geht die Bedeu­tung digi­ta­ler Tech­no­lo­gien in den Bun­des­län­dern zurück. 

Die Rah­men­be­din­gun­gen für die Digi­ta­li­sie­rung bezo­gen auf den eige­nen Stand­ort sehen weni­ger als fünf­zig Pro­zent posi­tiv (41 Pro­zent). Das sind weni­ger als vor einem Jahr, als der Anteil bei 50 Pro­zent lag. 2022 bewer­te­ten diese noch 63 Pro­zent posi­tiv. Nur 14 Pro­zent der Unter­neh­men bewer­ten sie aktu­ell als aus­ge­zeich­net. Gleich­zei­tig ist der Anteil derer, die die Rah­men­be­din­gun­gen für die Digi­ta­li­sie­rung als schlecht bezeich­nen, auf einen neuen Höchst­wert von 13 Pro­zent gestiegen. 

Bewer­tung und Sicht­wei­sen der Bundesländer
Betrach­tet man die Bun­des­län­der dar­auf bezo­gen, sind Unter­neh­men in Vor­arl­berg am zufrie­dens­ten mit den Stand­ort­be­din­gun­gen für Digi­ta­li­sie­rung, gefolgt von Wien und Salz­burg. Am unzu­frie­dens­ten sind Unter­neh­men in der Stei­er­mark und Kärn­ten mit den Rah­men­be­din­gun­gen – sowohl Abläufe und Pro­duk­tion als auch Geschäfts­mo­dell betref­fend. Wirft man einen Blick auf die Bran­chen, zeigt sich der Finanz­sek­tor am zufrie­dens­ten mit den Stand­ort­be­din­gun­gen, gefolgt vom Tou­ris­mus und dem Sek­tor Immo­bi­lien und Bau­ge­werbe. Im Han­del, aber auch im Bereich Gesundheit/​Life Sci­ence, der im Vor­jahr noch am zufrie­dens­ten war, ist die Zufrie­den­heit am gerings­ten ausgeprägt. 

„In einer Zeit, in der digi­tale Trans­for­ma­tion eine Not­wen­dig­keit für den Wirt­schafts­stand­ort Öster­reich ist, zei­gen die Stu­di­en­ergeb­nisse deut­lich, dass wir vor erheb­li­chen Her­aus­for­de­run­gen ste­hen. Es ist alar­mie­rend, dass nur weni­ger als die Hälfte der Unter­neh­men die Rah­men­be­din­gun­gen für Digi­ta­li­sie­rung als posi­tiv bewer­tet“, so das Resü­mee von Susanne Zach von EY Öster­reich. „Dies unter­streicht die drin­gende Not­wen­dig­keit für umfas­sende Refor­men und eine pro­ak­tive Stand­ort­po­li­tik, um Öster­reichs Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu stärken.“ 

Autor: red/czaak
12.03.2024

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