Zum Inhalt
© pexels/pixabay

Die Ent­wick­lung der Start-Ups in Europa

Finan­zie­run­gen für Start-Ups in Europa bre­chen 2022 nach Rekord­start ein. In Summe über 8.400 Finan­zie­rungs­run­den mit rund 75 Mrd. Euro. Groß­bri­tan­nien wei­ter auf Platz eins vor Deutsch­land und Frank­reich, so die neue Ana­lyse von EY.

Die Rekord­jagd bei Euro­pas Start-Ups hat sich im zwei­ten Halb­jahr 2022 deut­lich abge­bremst. Nach­dem in der ers­ten Jah­res­hälfte mit über 46 Mil­li­ar­den Euro mehr Risi­ko­ka­pi­tal­in­ves­ti­tio­nen als je zuvor in Jung­un­ter­neh­men geflos­sen sind, gab es in der zwei­ten Jah­res­hälfte einen deut­li­chen Rück­gang um 39 Pro­zent auf etwas mehr als 28 Mil­li­ar­den Euro. Das ist der nied­rigste Wert seit 2020. Ins­ge­samt ist das Gesamt­vo­lu­men damit um 15 Pro­zent von 88 auf 75 Mil­li­ar­den Euro zurückgegangen.

Öster­reich fällt im euro­pa­wei­ten Ver­gleich von Rang 11 auf Rang 16
In Öster­reich folgte die Ent­wick­lung 2022 dem euro­päi­schen Trend. Der Gesamt­wert der Inves­ti­tio­nen sank im Ver­gleich zum bis­he­ri­gen Rekord­jahr 2021 um knapp 18 Pro­zent – aller­dings fiel das Minus im zwei­ten Halb­jahr mit 83 Pro­zent deut­lich höher aus. Mit rund einer Mil­li­arde Euro Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men fällt Öster­reich im euro­pa­wei­ten Ver­gleich von Rang 11 auf Rang 16 zurück (2021 mit 1,23 Mrd. Euro). Im Gegen­satz zu den Volu­mina gab es bei den Finan­zie­rungs­run­den keine Rück­gänge : Mit 8.409 gab es fast genau gleich viele wie 2021 mit 8.397 Run­den. In Öster­reich pas­sierte ein Anstieg um fast 14 Pro­zent von 130 auf 148 Runden.

Das durch­schnitt­lich pro Finan­zie­rungs­runde lukrierte Kapi­tal für ein euro­päi­sches Start-Up ging damit, nach einem erheb­li­chen Sprung im Vor­jahr, wie­der um rund ein Drit­tel auf 9,0 Mil­lio­nen Euro zurück. Das höchste Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men pro Finan­zie­rungs­runde erziel­ten Start-Ups aus Frank­reich mit rund 15,5 Mil­lio­nen Euro, gefolgt von Schwe­den (15) und Bel­gien (11 Mil­lio­nen Euro). Öster­reich ver­zeich­net einen Rück­gang von 8,3 Mil­lio­nen auf rund 7,0 Mil­lio­nen Euro. Das sind die Ergeb­nisse des Start-Up-Baro­me­ter Europa der Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY. Als Start-Ups wer­den dabei Unter­neh­men gewer­tet, die nicht älter als zehn Jahre sind.

Schwe­di­scher Bat­te­rie-Her­stel­ler North­volt sowie Logis­tik-Unter­neh­men Getir und Bolt plus GoStu­dent und TTTech Auto
Die drei größ­ten Start-Up-Finan­zie­run­gen des Jah­res gin­gen alle­samt an Unter­neh­men außer­halb der domi­nan­ten euro­päi­schen Märkte UK, Frank­reich und Deutsch­land. Der schwe­di­sche Bat­te­rie-Her­stel­ler North­volt erhielt 2022 mit rund einer Mil­li­arde Euro die größte Finanz­spritze. Auf Platz zwei folgt das tür­ki­sche Lie­fer-Scale-up Getir mit 720 Mil­lio­nen Euro, Rang drei geht an das Mobi­li­täts- und Lie­fer-Unter­neh­men Bolt aus Est­land mit 628 Mil­lio­nen Euro. Die größte Trans­ak­tion in Öster­reich war eine Finanz­spritze von 300 Mil­lio­nen Euro für das Edu­Tech-Unter­neh­men GoStu­dent, gefolgt von TTTech Auto mit rund 250 Mil­lio­nen Euro. 

Öster­reich hat sich aber­mals fast genau im euro­päi­schen Durch­schnitt ent­wi­ckelt. Der Gesamt­wert der Inves­ti­tio­nen sank um 18 Pro­zent von 1,23 auf rund eine Mil­li­arde Euro. Bei der Anzahl der Finan­zie­rungs­run­den gab es einen Anstieg um knapp 14 Pro­zent von 130 auf 148 Run­den. Damit gehört Öster­reich zu jenen neun der Top 15-Stand­orte, die 2022 mehr Finan­zie­rungs­run­den als im Vor­jahr ver­zeich­ne­ten. An sechs Stand­or­ten, dar­un­ter Deutsch­land als ein­zi­ger der Top-3-Stand­orte, gab es hin­ge­gen einen Rück­gang der Finanzierungsrunden.

Lon­don bleibt trotz Rück­gang Euro­pas Start-Up-Hauptstadt
„Nach­dem es im ers­ten Halb­jahr noch einen neuen Finan­zie­rungs­re­kord gab, ist der Markt im zwei­ten Halb­jahr deut­lich ruhi­ger gewor­den. Gerade bei der Wachs­tums­fi­nan­zie­rung, die in Öster­reich fast aus­schließ­lich durch inter­na­tio­nale Inves­to­ren­grup­pen getä­tigt wird, wird sich die bereits in der zwei­ten Jah­res­hälfte zu beob­ach­tende starke Zurück­hal­tung von Risi­ko­ka­pi­tal­ge­bern auch in den nächs­ten Mona­ten wei­ter nie­der­schla­gen“, sagt Flo­rian Haas, Head of Start-Up bei EY Österreich.

Wie in den Vor­jah­ren ver­ei­nigte die Lon­do­ner Start-Up-Szene 2022 trotz eines deut­li­chen Rück­gangs das mit Abstand höchste Finan­zie­rungs­vo­lu­men auf sich : Mit rund 16,8 Mil­li­ar­den Euro wurde dort mehr Risi­ko­ka­pi­tal inves­tiert als ganz Frank­reich oder in ganz Deutsch­land zusam­men. Aller­dings ver­zeich­nete Lon­don gegen­über 2021 mit einem Minus von 17 Pro­zent einen deut­li­chen Rück­gang an Inves­ti­ti­ons­zu­flüs­sen. In Ber­lin gab es ein Minus von 53 Pro­zent. Start-Ups mit Sitz in Wien brach­ten es auf ein Gesamt­fi­nan­zie­rungs­vo­lu­men von 814 Mil­lio­nen Euro, bedeu­tet Rang 14 im euro­päi­schen Städ­te­ran­king, ein Platz schlech­ter als 2021.

Autor: red/cc
17.04.2023

Weitere aktuelle Artikel

Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät galt lange als poli­ti­sches Schlag­wort. Inzwi­schen ist sie für Unter­neh­men ope­ra­tive Rea­li­tät. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Robin Schmeis­ser, Geschäfts­füh­rer von Faba­soft Contracts. Mit der rasant stei­gen­den Ver­brei­tung von künst­li­cher Intel­li­genz (KI), wach­sen­den Cloud-Abhän­gig­kei­ten und zuneh­men­dem regu­la­to­ri­schem Druck stellt sich eine unbe­queme Frage : Wie viel Kon­trolle haben Unter­neh­men noch über ihre Daten, Sys­teme und digi­ta­len […]
2024 wur­den in Öster­reich mehr Unter­neh­men gegrün­det. Fast 90 Pro­zent der Start-Ups kom­men aus den Berei­chen Dienst­leis­tung und Han­del und die über­wie­gende Mehr­heit sind Klein(st)unternehmen. Exakt 39.554 neue Betriebe wur­den laut Sta­tis­tik Aus­tria im Jahr 2024 in Öster­reich gegrün­det. Das ist eine Stei­ge­rung um rund fünf Pro­zent gegen­über 2023 als Vor­jahr. Für das Jahr 2025 lie­gen […]
US-Tech-Kon­zerne bauen Domi­nanz an den Welt­bör­sen wei­ter aus. KI-Boom treibt Bewer­tun­gen auf neue Rekorde. Nvi­dia, Alpha­bet und Apple aktu­ell als höchst­be­wer­tete Unter­neh­men. 36 Tech-Com­pa­nies unter Top 100. Kein euro­päi­sches Unter­neh­men unter den Top 10.  Die wert­volls­ten bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men der Welt haben ihren Markt­wert im ers­ten Halb­jahr 2026 erneut kräf­tig gestei­gert, und das, trotz geo­po­li­ti­scher Span­nun­gen, Kon­junk­tur­flaute […]
Land NÖ stärkt regio­nale Betriebe mit wei­te­ren Inves­ti­tio­nen. NÖBEG inves­tiert wei­tere 5 Mil­lio­nen Euro in kleine und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und sichert damit auch über 250 Arbeits­plätze. Gesam­tes aktu­el­les Invest­vo­lu­men in Höhe von 15 Mil­lio­nen Euro. Die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­re­gie­rung hat soeben stille Betei­li­gun­gen der NÖ Bürg­schaf­ten und Betei­li­gun­gen GmbH (NÖBEG) für sechs nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Unter­neh­men im Aus­maß von rund […]
Fis­kal­rat kri­ti­siert Bud­get­si­tua­tion. Kon­so­li­die­rungs­pfad klar ver­fehlt. Defi­zit bis 2030 wei­ter über drei Pro­zent­grenze des BIP. Keine Struk­tur­re­for­men. Ergeb­nis­lose Reform­part­ner­schaft mit Län­dern und Gemein­den. Keine Kri­sen­re­si­li­enz und wachs­tums­ori­en­tierte Maßnahmen. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung in Per­son von Finanz­mi­nis­ter Mar­kus Mar­ter­bauer hat kürz­lich ihr Dop­pel­bud­get für die Jahre 2027 und 2028 ver­öf­fent­licht. Nun hat der öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat seine ent­spre­chende […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram