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© pexels/michael steinberg

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank sollte wei­ter handeln

Agenda Aus­tria Öko­no­men for­dern in neuer Stu­die wei­tere Stei­ge­run­gen beim Leit­zins. Sie ver­glei­chen aktu­elle Lage mit der letz­ten star­ken Infla­tion 1975 und beleuch­ten die Indi­ka­to­ren Kern­in­fla­tion und rea­len Leitzinssatz.

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) hat auf die gestie­ge­nen Infla­ti­ons­ra­ten „zu spät und zu zag­haft reagiert“. Der Leit­zins müsste nach aktu­el­lem Stand „schritt­weise auf sie­ben Pro­zent anstei­gen, um die gegen­wär­tige Teue­rungs­welle zu stop­pen“. Das ist Ergeb­nis und For­de­rung einer neuen Stu­die des als wirt­schafts­li­be­ral gel­ten­den Think-Tanks Agenda Aus­tria. Der Titel der Stu­die lau­tet „Infla­tion. Warum die EZB jetzt han­deln muss“ (siehe Link).

Tempo und Effi­zi­enz der Maß­nah­men rei­chen bei wei­tem nicht
Wei­tere Ein­schät­zun­gen der Agenda Aus­tria lau­ten, die Exper­ten der Euro­päi­schen Zen­tral­bank hät­ten das Unheil trotz ent­spre­chen­der Ent­wick­lun­gen „nicht kom­men sehen“. Bis in den Herbst 2021 hin­ein war die EZB-Sicht­weise, dass die hohe Infla­tion nur „ein kurz­fris­ti­ges Pro­blem sei, das sich von selbst wie­der auf­lö­sen werde“. Des­halb blie­ben die Wäh­rungs­hü­ter lange untä­tig und hoben erst Mitte 2022 den Leit­zins­satz erst­mals an. Danach folg­ten in rascher Folge wei­tere Kor­rek­tu­ren. „Das Tempo und die Effi­zi­enz der Maß­nah­men rei­chen jedoch bei wei­tem nicht“ so die zen­trale Aus­sage der Agenda Aus­tria-Öko­no­men Mar­cell Göt­tert und Ger­hard Reitschuler.

Beun­ru­hi­gend sei vor allem der Blick auf die Indi­ka­to­ren Kern­in­fla­tion und rea­ler Leit­zins­satz als in der brei­ten Öffent­lich­keit eher sel­ten beach­tete Para­me­ter. Der Abstand zwi­schen die­sen bei­den Varia­blen lag in Deutsch­land wäh­rend der letz­ten star­ken Infla­ti­ons­welle 1975 bei 8,5 Pro­zent­punk­ten. Aktu­ell beträgt die Dif­fe­renz im Euro­raum bereits elf Pro­zent­punkte. Damals reagierte die Zen­tral­bank mit mas­si­ven Ein­grif­fen. Jetzt bleibe die EZB dage­gen „zöger­lich und vor­sich­tig“, zumin­dest bisher. 

Die EZB hat eigent­lich nur eine Wahl
Aus Sicht der Öko­no­men von Agenda Aus­tria muss der Leit­zins so lange erhöht wer­den, bis er die Kern­in­fla­ti­ons­rate über­steigt und das wäre aktu­ell bei etwa sie­ben Pro­zent der Fall. Zudem gelte es, die Anlei­he­kauf­pro­gramme schritt­weise rück­zu­füh­ren, so eine wei­tere For­de­rung der Exper­ten. Der­zeit hält die EZB rund 30 Pro­zent aller Staats­an­lei­hen im Euro­raum. „Die zusätz­li­che Liqui­di­tät habe in der Krise gehol­fen, die Nach­frage zu stüt­zen“, sagt Mar­cell Göt­tert. „Doch das Geld ver­schwin­det nicht plötz­lich, nur weil es nicht mehr gebraucht wird und damit bleibt der Druck für höhere Infla­ti­ons­ra­ten bestehen“, betont Göttert. 

Im Dilemma zwi­schen Infla­ti­ons­be­kämp­fung und dro­hen­der Rezes­sion habe die EZB eigent­lich nur eine Wahl : Als wich­tigste Auf­gabe muss sie sich auf Maß­nah­men gegen die Teue­rung kon­zen­trie­ren. „Zur För­de­rung der Wirt­schaft und der pri­va­ten Haus­halte gibt es bereits aus­rei­chend Maß­nah­men der Poli­tik“, so die Agenda Aus­tria Öko­no­men. „Diese soll­ten künf­tig weni­ger nach dem Gieß­kan­nen­prin­zip pas­sie­ren, denn das för­dert die Infla­tion und kos­tet den Steu­er­zah­ler deut­lich mehr als not­wen­dig“, unter­strei­chen die Exper­ten der Agenda Austria. 

Autor: red/czaak
21.02.2023

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