
Die flüggen Österreicher
Immer mehr Arbeitnehmer wollen Job wechseln. Insbesondere Generation Z betroffen. Mehr Geld, negatives Arbeitsumfeld und bessere Work-Life-Balance als Hauptgründe sowie ein aktuell begrenzter Arbeitsmarkt im Fokus einer neuen Studie von Randstad. Ermittelt wurden auch die beliebtesten Arbeitgeber.
Arbeitsmärkte und unterschiedliche Zugänge und Sichtweisen bei Arbeitsbedingungen sind national wie international immer besonders relevante Themen. In Österreich naht oder besteht bei älteren Arbeitnehmern aus der Generation der sogenannten Babyboomer (geb. bis 1964) eine Pensionierungswelle und die nachrückenden Jungen suchen vermehrt nach beruflicher Neuorientierung. Fast 30 Prozent der Generation Z (geb. 1997 bis 2012) wollen im nächsten Halbjahr den Job wechseln. Bei den Babyboomern sind es vergleichsweise nur sieben (7) Prozent.
Die tatsächlichen Jobwechsel sind jedoch insgesamt zurückgegangen, nur 11 Prozent der Befragten haben in den letzten sechs Monaten eine neue Stelle gefunden. Das sind Ergebnisse aus der neuen Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research 2026“, für die der internationale Personaldienstleister Randstad kürzlich mehr als 4.356 österreichische Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren befragt hat. Diese repräsentative Arbeitsmarktstudie „Employer Brand Research“ wird jährlich in 34 Märkten weltweit durchgeführt.
Die generationenbedingten Unterschiede
Im Rahmen der Studie werden auch unterschiedliche Themen abgefragt und dazu gehören etwa die Einschätzung des aktuellen Arbeitgebers im Vergleich zum Idealbild oder Gründe für Jobwechsel. Dabei zeigt sich, dass die Wechselwilligkeit trotz der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt im letzten Jahr zugenommen hat : So plant etwa jeder Fünfte (19 Prozent) mittlerweile eine Neuorientierung im nächsten Halbjahr. Dieser Wert ist ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.
In der Generation Z (1997−2012), die es aktuell wohl am schwersten hat, überhaupt einen Job zu finden, suchen sogar drei von zehn Personen (exakt 29 Prozent) nach einer neuen Herausforderung. Bei den Babyboomern (Jahrgänge bis 1964) gaben dies nur sieben Prozent an. Gleichzeitig haben in den vergangenen sechs Monaten insgesamt nur 11 Prozent der Befragten wirklich den Job gewechselt und das bedeutet einen Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr.
Die Ambivalenz zwischen Absicht und Umsetzung
„Die Absicht, den Arbeitsplatz zu wechseln, ist in Österreich nach wie vor deutlich höher als das tatsächliche Wechselverhalten. Diese Schere ist im vergangenen Jahr noch weiter auseinandergegangen“, sagt Bjørn Toonen, Managing Director von Randstad Österreich. „Das deutet darauf hin, dass der wahrgenommene Mobilitätsdruck stärker ist als die tatsächliche Mobilität“, erläutert Bjørn Toonen. Der internationale Personaldienstleister Randstad Auch hat auch heuer wieder die aktuellen Gründe für Jobwechsel eruiert.
Der mit Abstand wichtigste Grund, warum Arbeitnehmer ihr Unternehmen verlassen (würden) ist eine zu geringe Vergütung (47 Prozent). Danach folgt ein negatives Arbeitsumfeld (37), mangelndes Interesse an der Tätigkeit (32) und Bedenken hinsichtlich der Work-Life-Balance (30 Prozent). Letztere ist vor allem für jüngere Mitarbeitende wichtig. Ein Drittel von ihnen würde für eine bessere Work-Life-Balance wechseln, verglichen mit rund einem Viertel der älteren Arbeitnehmer.
Arbeitsklima bei der Arbeitgeberwahl erstmals wichtiger als Gehalt
„Mit dem demographischen Wandel verändern sich auch die Erwartungen und Werte von Arbeitskräften. Die Bedeutung eines zu geringen Gehalts als Hauptgrund für einen Jobwechsel steigt mit dem Alter, von rund 44 bei der jüngeren auf rund 52 Prozent bei der älteren Generation“, sagt Toonen. „Insgesamt zeigt sich : Mitarbeiterbindung basiert auf einem Zusammenspiel aus attraktiver Vergütung und einer positiven Alltagserfahrung. Wer die täglichen Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vernachlässigt, riskiert trotz fairer Bezahlung den Verlust von Talenten“, so Toonen.
Geld spielt also bei der Entscheidung die mit Abstand wichtigste Rolle. Bei den Kriterien für einen neuen Job ist das Gehalt jedoch erstmals nicht auf Platz 1. Wichtiger ist den Österreichern mittlerweile ein angenehmes Arbeitsklima (68 Prozent), knapp vor der Vergütung und der Jobsicherheit. „Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist der am häufigsten erwartete Faktor im Profil des idealen Arbeitgebers, doch die aktuellen Arbeitgeber schneiden hier mit 57 Prozent wesentlich schlechter ab“, betont Toonen. „Das zeigt eine signifikante Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Die „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“ (56 Prozent) sowie „interessante Aufgaben“ (52 Prozent) sind weitere wichtige Kriterien.
Die attraktivsten Arbeitgeber des Landes und Randstad
In der Studie „Employer Brand Research“ von Randstad werden jedes Jahr auch die attraktivsten Arbeitgeber des Landes erfragt. Nachdem AVL List das Ranking über die letzten drei Jahre angeführt hatte, tauscht der Grazer Automobilzulieferer dieses Jahr die Plätze mit dem Linzer Kepler Universitätsklinikum, das nach dem dritten Platz im Vorjahr heuer erstmals gewinnt. Mit Siemens Energy auf Platz 2 und Siemens auf Platz 4 landet das Industrieunternehmen gleich zweimal im Spitzenfeld. Auf Platz 5 folgt Fronius, das erstmals in der Liste der Top-Arbeitgeber aufscheint. BMW Österreich (7. Platz) und VAMED (9. Platz) konnten sich im Vergleich zum letzten Jahr leicht verbessern. Takeda (6. Platz), der Flughafen Wien (8. Platz) und Infineon (10. Platz) schaffen dieses Jahr das Comeback in die Top Ten.
Randstad Österreich ist Teil der internationalen Randstad Gruppe, ein globaler Marktführer bei Personaldienstleistungen. Das Portfolio reicht von Zeitarbeit über Personalvermittlung bis hin zu spezifischen Professional Services und HR-Lösungen wie Recruitment Process Outsourcing oder eigenen Managed Services Programmen. Das niederländische Unternehmen ist in fünf Kontinenten und 39 Ländern tätig und erwirtschaftete im Jahr 2025 Angaben zufolge mit 38.480 Mitarbeitern einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Randstad wurde 1960 gegründet und ist an der Euronext Amsterdam gelistet. (red/czaak)