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Die Geburts­stunde der Zeitung

Eine Unter­su­chung von 16.000 hand­ge­schrie­be­nen Zei­tun­gen wirft ein neues Licht auf die Geschichte des moder­nen Nachrichtenwesens.

Im spä­te­ren 16. Jahr­hun­dert lie­ßen sich zwei Brü­der aus dem berühm­ten Kauf­manns­ge­schlecht der Fug­ger Nach­rich­ten aus aller Welt per Post nach Augs­burg sen­den. Bezahlte Infor­man­ten haben damals für wohl­ha­bende Abon­nen­ten Nach­rich­ten gesam­melt und hand­schrift­lich verfasst.
Die Brü­der Fug­ger haben diese Nach­rich­ten bin­den las­sen und jahr­gangs­weise gesam­melt. Diese Samm­lung, die seit dem 17. Jahr­hun­dert Teil der kai­ser­li­chen Biblio­thek in Wien ist, „doku­men­tiert zeit­lich genau das Vor­feld der Ent­ste­hung der gedruck­ten Zei­tung“, so Kat­rin Kel­ler. Bis­lang wird die Ent­ste­hung des peri­odi­schen Zei­tungs­we­sens in Europa mit dem Jahr 1605 ver­bun­den, als in Straß­burg die erste gedruckte Wochen­zei­tung erschien. Die­ses Geburts­da­tum der euro­päi­schen Presse sei jedoch zu dis­ku­tie­ren, sagt die His­to­ri­ke­rin des Insti­tuts für Öster­rei­chi­sche Geschichtsforschung.

Euro­pa­wei­tes Pressenetzwerk
Kat­rin Kel­ler erschloss gemein­sam mit Niko­laus Scho­bes­ber­ger und Paola Molino die Samm­lung in einem vom Wis­sen­schafts­fonds FWF geför­der­ten Pro­jekt. Sie ist nun auch digi­ta­li­siert wor­den und der inter­na­tio­na­len For­schung als Daten­bank zugäng­lich. Damit lässt sich zugleich ein beacht­li­ches Infor­ma­ti­ons­netz­werk bele­gen, das im spä­ten 16. Jahr­hun­dert exis­tierte. Gut sicht­bar wer­den so die gro­ßen Nach­rich­ten­zen­tren wie Rom, Vene­dig oder Augs­burg ; man­che Nach­rich­ten kamen aber auch aus Über­see, aus Indien, Nord­afrika und dem Nahen Osten.
Bis­lang wurde die Samm­lung zwar als bedeu­tend, meist aber als Aus­nahme oder Ein­zel­stück ver­stan­den. Das FWF-Pro­jekt konnte zei­gen, dass in ande­ren Archi­ven, etwa in Mar­burg, Dres­den oder Mün­chen, umfang­rei­che Bestände an von Hand geschrie­be­nen Nach­rich­ten bestehen, die auf die Anfänge des moder­nen Pres­se­we­sens weisen.
Die Zei­tung war vor­ran­gig ein Instru­ment poli­ti­scher Kom­mu­ni­ka­tion. Sie diente poli­ti­schen oder wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dungs­trä­gern mög­lichst umfas­sende Kennt­nis über ihre Gegen­wart zu erlan­gen : Zwei Drit­tel der Berichte ver­mit­tel­ten Infor­ma­tio­nen über mili­tä­ri­sche Ereig­nisse, wich­tige Ver­trags­ver­hand­lun­gen, fürst­li­che Hoch­zei­ten oder poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen. Aber auch Geschich­ten über Ent­de­ckungs­fahr­ten nach Über­see sind in den Fug­ger­zei­tun­gen zu finden. 

Autor: red/stem
24.11.2016

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