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Die Gegen-Wirt­schafts-Poli­tik

Mit Schlauch­boo­ten gegen beton­köp­fige Poli­tik. Ob in Wirt­schaft oder Gesell­schaft. Allzu schnell wer­den aktive, enga­gierte und cou­ra­gierte Men­schen noch immer als „Geg­ner“ dif­fa­miert. Doch von ihrem Ein­satz pro­fi­tie­ren letzt­end­lich alle.

Oida, waren die mal cool. Glo­ba­li­sie­rungs­geg­ner : Sie waren DER Medi­en­hype zu Anfang des Jahr­tau­sends. Kein Schul­hof-Antifa kam umhin, über sie zu reden. Keine Buch­hand­lung konnte dar­auf ver­zich­ten, einen Bücher­tisch mit „No Logo“ und „Schwarz­buch Mar­ken­fir­men“, den Stan­dard­wer­ken der Bewe­gung, auf­zu­stel­len. „Bravo“ und „Kro­nen­zei­tung“ waren wahr­schein­lich die ein­zi­gen Medien, die es schaff­ten, nie­mals einen ein­zi­gen Arti­kel über die popu­lärste Gruppe der Bewe­gung abzu­dru­cken : Attac. Glo­ba­li­sie­rungs­kri­tik wurde zur Pop­kul­tur stilisiert. 

Wider­stand als Popkultur
Dem Kult, den man in Tei­len der Öffent­lich­keit mitt­ler­weile um die Bewe­gung betrieb, tat das kei­nen Abbruch. Eher im Gegen­teil : Die Hel­den­ga­le­rie der Bewe­gung hatte ihren eige­nen Benno Ohnes­org und Rudi Dutschke und wurde fortan eif­rig mit der legen­dä­ren 1968er-Bewe­gung ver­gli­chen. Und die Bil­der der Poli­zei­ge­walt ver­lie­hen den Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­kern eine quasi-revo­lu­tio­näre Aura. Ist es wirk­lich eine Liebe, die schnell ver­glüht ? Erst war Attac die Hoff­nung, dann der Lieb­lings­feind vie­ler Lin­ker. Attac ist in eine neue Phase gekom­men. Die Hek­tik der Anfangs­jahre ist einer kon­ti­nu­ier­li­chen the­ma­ti­schen Arbeit gewi­chen. Das soll aber nicht hei­ßen, dass nichts Spek­ta­ku­lä­res mehr passiert.
„Attac ist eine inter­na­tio­nale Bewe­gung, die sich für eine demo­kra­ti­sche und sozial gerechte Gestal­tung der glo­ba­len Wirt­schaft ein­setzt“, erklärt David Walch, der Pres­se­spre­cher der Sek­tion Öster­reich. Attac Öster­reich, das am 6. Novem­ber 2000 gegrün­det wurde und somit heuer 10 Jahre Jubi­läum fei­ern kann, ist ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein mit 4400 enga­gier­ten und cou­ra­gier­ten Mit­glie­dern, die bereit sind, für eine bes­sere Welt nicht nur einen Obu­lus zu leis­ten, ob als Standard‑, Förder‑, Top-För­der- oder Sozial-Mit­glied­schaft um 36, 70, 177 oder 14 Euro. 

Von der Rea­li­tät bestätigt
Dass das „Unter­neh­men“ die admi­nis­tra­ti­ven Kos­ten so nied­rig wie mög­lich zu hal­ten gezwun­gen ist, liegt auf der Hand. Neun Per­so­nen enga­gie­ren sich ehren­amt­lich im jähr­lich neu gewähl­ten Vor­stand, min­des­tens fünf davon müs­sen Frauen sein. Ledig­lich vier „Attac-isten“ sind haupt­amt­lich tätig, der seit 1. Sep­tem­ber 2010 tätige Geschäfts­füh­rer in Voll­zeit, zwei mit 30 Stun­den und eine 25-Stun­den-Kraft. Das ist zwar ein Lean Manage­ment, aber ent­schei­dend ist der Out­put. „Wir haben schon eini­ges erreicht“, bekennt Walch. Durch die Finanz­krise sei die Auto­ri­tät und Legi­ti­ma­tion noch­mals gewach­sen und man erkenne sehr gut, dass die jah­re­lan­gen For­de­run­gen von Attac nun auch von der offi­zi­el­len Poli­tik über­nom­men werden.

Enga­ge­ment mit Gütesiegel

50 Mit­ar­bei­ter von Green­peace Öster­reich koor­di­nie­ren die Akti­vi­tä­ten im gesam­ten CEE-Raum. Das Mit­ar­bei­ter­po­ten­zial umfasst dar­über hin­aus meh­rere hun­dert Frei­wil­lige, die sich tem­po­rär in Fuß­gän­ger­zo­nen oder ande­ren Spots ehren­amt­lich für die Orga­ni­sa­tion enga­gie­ren. „Green­peace ist welt­weit die ein­zige Orga­ni­sa­tion, die weder von der Wirt­schaft noch vom Staat noch von einem Ver­ein gespon­sert wird. Wir prü­fen selbst bei Pri­vat­spen­den, ob nicht eine Firma dahin­ter­steckt. Wir sind völ­lig unab­hän­gig und Trä­ger des Spen­den­gü­te­sie­gels“, erklärt Pres­se­spre­che­rin Mela­nie Beran nicht ohne Stolz. Das Spen­den­auf­kom­men von 141.000 Men­schen in Öster­reich betrug im ver­gan­ge­nen Jahr rund 8,6 Mio. Euro. Damit finan­ziert die Orga­ni­sa­tion nicht nur Kam­pa­gnen zu den The­men Meer, Klima, Wäl­der, Ener­gie, Gen­tech­nik oder aktu­ell Atom­re­nais­sance in Ita­lien (www.stopberlusconi.at) – kurz vor dem Inter­view besetzte Green­peace die ita­lie­ni­sche Bot­schaft in Wien –, son­dern über­nimmt auch einen Teil der Kos­ten für inter­na­tio­nale Aktio­nen, um bei­spiels­weise auch in den ärms­ten Län­dern der Erde Umwelt­aktionen durch­füh­ren zu kön­nen. Mit dem Schlag­wort „Geg­ner“ hat Beran keine Berüh­rungs­ängste : „Es gibt ganz ein­fach Dinge, gegen die man sein muss.“

Autor:
01.10.2010

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