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„Die glei­che Sinn­lich­keit wie Klimt und Schiele.“

(Video/​Text) Hand­werk­li­che Qua­li­tät und die Obses­sion für den weib­li­chen Akt eint das male­ri­sche Werk von Alfred Korn­ber­ger mit dem von Egon Schiele und Gus­tav Klimt. Anläss­lich der zu Ende gehen­den Werk­schau im Auk­ti­ons­haus Im Kin­sky sprach eco­nomy mit Franz Smola, Kura­tor und Her­aus­ge­ber des Korn­ber­ger-Werk­ver­zeich­nis­ses über die öster­rei­chi­sche Tra­di­tion der kör­per­be­ton­ten Kunst und über die Allein­stel­lungs­merk­male von Korn­ber­gers Werk im kunst­his­to­ri­schen Kontext.

Eco­nomy : Franz Smola, Kura­tor im Leo­pold Museum und Kunst­wis­sen­schaf­ter. Wofür steht der Künst­ler Alfred Korn­ber­ger inhalt­lich und handwerklich ?
Franz Smola : Der Künst­ler steht mei­ner Mei­nung nach für die große öster­rei­chi­sche Tra­di­tion der kör­per­be­ton­ten Dar­stel­lung. Der weib­li­che Kör­per steht in sei­nem Mit­tel­punkt und hier reiht er sich ein in eine Tra­di­tion, die schon Klimt und Egon Schiele begrün­det hat, die her­auf geht bis zum Wie­ner Aktionismus.
Bei Korn­ber­ger kommt noch das male­ri­sche Ele­ment dazu, Neo­ex­pres­sio­nis­mus, den wir bei den soge­nann­ten Neuen Wil­den in den 80er-Jah­ren sehen. Hier reiht er sich ein auch in eine Ten­denz, die zu der Zeit ganz füh­rend war, etwa diese star­ken Farben.

Stich­wort Klimt, Schiele : Auch der große Samm­ler Rudolf Leo­pold hat ihn immer wie­der mit Egon Schiele ver­gli­chen, Korn­ber­ger ist auch Bestand­teil der Samm­lung Leo­pold. Wo sehen Sie hier Gemein­sam­kei­ten oder etwa­ige Gegensätzlichkeiten ?
Korn­ber­ger hat mit Klimt und Schiele diese Obses­sion für den weib­li­chen Akt gemein­sam. Bei Klimt und Schiele wis­sen wir, dass für sie der weib­li­che Kör­per das Modell war. Sie haben vor allem in den Zeich­nun­gen immer wie­der Frau­en­akte dargestellt.
Und auch Korn­ber­ger reiht sich ein in diese Tra­di­tion. Er schafft, auch im Genre der Ölma­le­rei stän­dig den weib­li­chen Akt. Aber anders als Klimt und Schiele ist Korn­ber­ger natür­lich ein Ver­tre­ter des spä­ten 20. Jahrhunderts.
Das Grund­ele­ment, das Anlie­gen, dass Klimt und Schiele und auch Korn­ber­ger ver­bin­det ist die Ver­eh­rung für den Akt, die Sinn­lich­keit. Auch wenn Korn­ber­ger defor­mie­rend ist, wenn er ent­stel­lend ist, die Sinn­lich­keit durch die Form und Far­ben ist immer spürbar.

Korn­ber­ger hat neben dem weib­li­chen Akt auch andere Zyklen gemacht, Gegen­ständ­li­ches oder Insek­ten zum Beispiel…
… Korn­ber­ger hat nicht nur den weib­li­chen Akt als Motiv gewählt son­dern ver­sucht Gegen­sätze her­zu­stel­len und da ver­wen­det er oft ganz art­fremde, unge­wöhn­li­che Objekte wie etwa das Fahr­rad oder Insek­ten oder Spin­nen­dar­stel­lun­gen, die dann eine ganz neue Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­keit mit dem weib­li­chen Akt hervorrufen.
Oder er lässt den Akt in sich oder in diese Gegen­stände ver­wan­deln. Er schafft gleich­sam Hybride oder Meta­mor­pho­sen zwi­schen Insek­ten, Blu­men und Körpern.
In die­ser Weise ist das wirk­lich ein­zig­ar­tig und das gibt es auch in die­ser Zeit gene­rell nicht.

Blei­ben wir ganz kurz bei die­sen Zyklen. Ein beson­de­rer Zyklus ist der „Zeus“, maschi­nen­ar­tige Gebilde, in dem Fall der Kon­text Fahr­rad. Wie ist die­ser Zyklus kunst­his­to­risch einzuordnen ?
Auch die­ser Zyklus Zeus ist sehr unge­wöhn­lich. Ein weib­li­cher Akt, der mit dem Fahr­rad gleich­sam in Zwie­spra­che tritt und auch kör­per­lich eine ero­ti­sche Annä­he­rung mit dem Fahr­rad, das gibt es in der öster­rei­chi­schen Kunst­ge­schichte eigent­lich kaum.
Allein die Idee ist wirk­lich sehr eigen­stän­dig von Korn­ber­ger. Das hat er sich aus­ge­dacht, das ist in ihm gewach­sen. Über Jahr­zehnte lang gibt es die­sen Zeus-Zyklus, begin­nend von den 70er-Jah­ren über die 80er bis in die 90er-Jahre immer wie­der Zeus in Gestalt des Fahr­ra­des, einer Art Defor­mie­rung des Fahr­ra­des in Ver­bin­dung mit dem weib­li­chen Körper.
Das zieht sich über seine gan­zen Schaf­fens­jahre hinweg.

Autor: red/czaak
16.03.2017

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