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Die Grau­sam­kei­ten des Führens

Nic­colò Machia­velli, der Ver­fech­ter der zyni­schen Macht­aus­übung, fin­det immer noch Ein­gang in die Manage­ment-Lite­ra­tur. Sein phi­lo­so­phi­scher Kon­ter­part, Baron de Mon­tes­quieu, zeigt, wie es auch anders gehen kann.

Es gab eine Zeit, da brüs­te­ten sich Geschäfts­füh­rer und sons­tige Manage­ment­per­sön­lich­kei­ten in öster­rei­chi­schen Unter­neh­men gerne in ihrer Machia­velli-Posi­tion : Die Machtaus­übung ohne Rück­sicht auf Ver­luste, die Hin­nahme von Kol­la­te­ral­schä­den in Sinne des Aus­räu­mens von Kar­rie­re­geg­nern und die Zemen­tie­rung der eige­nen Rolle.
Dass damit heut­zu­tage kein Unter­neh­men zu füh­ren ist, kam ihnen nicht in den Sinn. Fak­to­ren wie soziale Intel­li­genz, Team­work und Moti­va­tion sind weit­aus zeit­ge­mä­ßer als der Stand­punkt des alten Machia­velli, wie ein Fürst über seine Lohn­ab­hän­gi­gen zu regieren.
Kein Wun­der, dass der Begriff des Machia­vel­lis­mus daher oft als abwer­tende Beschrei­bung eines poli­ti­schen oder sozia­len Ver­hal­tens gebraucht wird, das raf­fi­niert, aber ohne ethi­sche Ein­flüsse von Moral und Sitt­lich­keit die eigene Macht und das eigene Wohl als Ziel sieht.
Die simple Auf­fas­sung Machia­vel­lis war es ja, dass alle ande­ren Men­schen als undank­bar gegen­über ihren „Wohl­tä­tern“ ein­ge­schätzt wur­den und nur ein gewis­ses „Ehr­ge­fühl“ sie davon abhielte, ihrem Wohl­tä­ter zu scha­den. Dass dies im moder­nen Manage­ment­um­feld gelinde gesagt eine kin­di­sche Posi­tion ist, ergibt sich dar­aus fast schon von selbst.
Eines der Kern­prin­zi­pien im machia­vel­lis­ti­schen Manage­ment ist die Über­be­wer­tung von Loya­li­tät. Abwer­tend inter­pre­tiert : Je mehr Jasa­ger der Mana­ger um sich sam­melt, desto mehr fühlt er sich in sei­ner Rolle bestätigt.
„Die, wel­che ganz zu dir hal­ten und nicht hab­gie­rig sind, musst du ehren und lie­ben“, schreibt Machia­velli bei­spiels­weise im „Der Fürst“, sei­nem kon­tro­ver­si­el­len Buch über die Kunst des Führens.
Doch wer will heute nur als Spei­chel­le­cker sei­nes Dienst­ge­bers ange­se­hen wer­den ? Das Prin­zip stammt, mit Ver­laub, aus dem 16. Jahr­hun­dert. Im Grunde han­delte es sich um die Ein­kehr des Zynis­mus in die Füh­rungs­rolle, ein Prin­zip, das meis­tens zu Kon­flik­ten und weni­ger zu Lösun­gen führt.

Alter­na­tive Strategien
Es gibt bei­leibe andere Über­le­bens­stra­te­gien im wett­be­werb­li­chen Umfeld. Letz­ten Endes sind Machia­vel­lis­ten schwa­che Cha­rak­tere, denen die Umstände ihrer Posi­tion erst gestat­ten, Macht auszu­üben, weil es ihnen an Per­sön­lich­keit man­gelt. Sobald sie ihren Pos­ten ver­lie­ren, ver­schwin­den sie in der Versenkung.
Ganz anders die Prin­zi­pien des Baron de Mon­tes­quieu, der beschrieb, wie sich der Ehr­geiz, die Ruhm­sucht und die Gier ein­zel­ner Men­schen in einem poli­ti­schen und wohl auch in einem wirt­schaft­li­chen Sys­tem so umlei­ten lie­ßen, dass sie sich zum Wohle der Gesamt­heit auswirken.
Nach Mon­tes­quieus Prin­zi­pien besteht Manage­ment vor allem aus Team­ar­beit und ist nicht geprägt durch die Füh­rung eines Ein­zel­nen. Dass dies einem Manage­ment alten Schla­ges sauer auf­stößt, ist klar. Denn die Bewäl­ti­gung von Team­ar­beit ist eine weit krea­ti­vere und grö­ßere Auf­gabe als die auto­ri­ta­tive Füh­rung, und die Resul­tate sind in den meis­ten Fäl­len erheb­lich besser.
Ver­tre­ter des Machia­vel­lis­mus müs­sen sich auch damit aus­ein­an­der­set­zen, dass die­ses Prin­zip nicht zu sel­ten in die Nähe zum Faschis­mus gerückt wurde, wenn­gleich es dabei wahr­schein­lich über Gebühr ver­ein­nahmt wurde.
Jeden­falls ist die Auf­fas­sung, dass Erfolg nur mit Gift und Dolch, Lüge und Ver­bre­chen erreicht wer­den kann, heute bereits etwas überholt.
Obwohl : Umge­legt auf die heu­tige Poli­tik fin­det sich Machia­vel­lis­mus in sei­ner gan­zen Man­nig­fal­tig­keit wie­der, ver­fei­nert viel­leicht noch durch die neu­ro­lin­gu­is­ti­sche Pro­gram­mie­rung der Fremd­schuld-Zuwei­sung, die von Gras­ser und Kon­sor­ten so gerne gebraucht wird. Dass dadurch letz­ten Endes nur Rechts­bruch aus­ge­löst wird, erle­ben wir ja derzeit.
In der Poli­tik sei alles erlaubt, dekre­tiert Machia­velli. Es gebe kein Gut und kein Böse – nur taug­li­che und untaug­li­che Mit­tel. Ver­werf­lich sei nur der Man­gel an Ent­schluss­kraft – „dass die Men­schen weder ver­ste­hen, in Ehren böse noch mit Voll­kom­men­heit gut zu sein“. Das Recht zur Grau­sam­keit hänge „nur davon ab, ob die Grau­sam­kei­ten gut oder schlecht ange­wandt sind“. Und vom rich­ti­gen Timing : „Gewalt­ta­ten muss man alle auf ein­mal bege­hen, damit sie weni­ger emp­fun­den wer­den und dadurch weni­ger erbit­tern“, rät er. Ein Rat­schlag, der nur zu Ver­bit­te­rung füh­ren kann.

Autor:
01.10.2010

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