
Die große Last der jungen Generation
In Deutschland fließen mehr als zwei Drittel aller Sozialausgaben in Pensionen und Gesundheit. Das Sozialbudget ist in den letzten dreißig Jahren um 60 Prozent gestiegen. Auch in Österreich steigen diese Kosten kontinuierlich.
Rund 70 Prozent des deutschen Sozialbudgets fließt in Renten- und Gesundheitsausgaben, so eine neue Studie des ifo Instituts zur Entwicklung des Sozialbudgets in Deutschland von 1992 bis 2024. „Der Sozialstaat wächst vor allem strukturell durch den demografischen Wandel. Das geschieht vor allem zu Lasten der jungen Generation“, sagt Lilly Fischer vom ifo-Institut.In Österreich betragen die Sozialausgaben (inkl. Arbeitslosengelder) für das Jahr 2024 laut Statistik Austria rund 33 Prozent des BIP und die Pensionsausgaben rund 16 Prozent, zusammen 49 Prozent.
Sozialbudgetquote steigt in Krisenjahren
Insgesamt ist das Sozialbudget in Deutschland seit 1992 preisbereinigt um knapp 60 (!) Prozent gestiegen und entspricht im Jahr 2024 rund 31 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Im Jahr 1992 entsprach das Sozialbudget noch 26 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Über 80 Prozent des Anstiegs bei den Sozialausgaben hängen mit den Funktionen Alter und Krankheit und damit der Alterung der Gesellschaft zusammen“, sagt Emilie Höslinger, Forscherin vom ifo-Institut.
In Krisenjahren stieg die Sozialbudgetquote aufgrund wirtschaftlicher Schocks, in denen der Sozialstaat als automatischer Stabilisator diente. Nach den Krisenjahren folgte jeweils eine Phase der Stabilisierung. Steuerfinanzierte Förder- und Fürsorgesysteme wie Arbeitslosenunterstützung, Familienleistungen, Wohngeld oder Hilfen für Menschen mit Behinderung machen in Deutschland heute etwa 20 Prozent des Budgets aus.
Arbeitslosigkeit hinter alters- und gesundheitsbezogenen Leistungen
Die realen Ausgaben wuchsen im Zeitverlauf um fast 130 Prozent. Innerhalb der Förder- und Fürsorgesysteme sind die Ausgaben für Kinder und Jugendliche am stärksten gestiegen – um mehr als 140 Prozent. Damit trugen sie lediglich rund 17 Prozent zum Zuwachs des gesamten Sozialbudgets bei. Der Bereich Arbeitslosigkeit war im gesamten Zeitverlauf ein relevanter Ausgabenblock, tritt jedoch gegenüber den alters- und gesundheitsbezogenen Leistungen zunehmend in den Hintergrund.
Die Studie stützt sich auf Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum deutschen Sozialbudget für den Zeitraum 1992 bis 2024. Das Sozialbudget umfasst dabei neben steuerfinanzierten Transfers und Versorgungsleistungen der Sozialversicherungen auch betriebliche Leistungen wie etwa Betriebsrenten und private Leistungen wie etwa die sogenannte Riester-Rente. (red/czaak)