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© MUI/F.Lechner

Die Hor­mone und ein Geburts­tag im Frühling

Gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Repro­duk­ti­ons­me­di­zin als Spe­zi­al­ge­biet der gleich­na­mi­gen Uni-Kli­nik in Inns­bruck und dazu ein Jubi­läum mit hoch­ka­rä­tig besetz­ter Veranstaltung.

Es gibt nur sehr wenige spe­zia­li­sierte Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken für Gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Repro­duk­ti­ons­me­di­zin und eine davon ist in Inns­bruck. 2003 gegrün­det, fei­erte sie Ende April bei der Tagung „Hor­mone im Früh­ling“ nach­träg­lich ihr 20-jäh­ri­ges Jubi­läum. Das Pro­gramm reicht von Sexu­al­auf­klä­rung über Kin­der­wunsch bei Krebs bis Osteo­po­rose und das spie­gelt das viel­fäl­tige Auf­ga­ben­feld der Kli­nik in der Ver­sor­gung der Patient:innen und in der Forschung.

Mitte April fand nun im Audi­max der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck die Tagung „Hor­mone im Früh­ling“ statt, wo es um die The­men Sexu­al­auf­klä­rung, Kin­der­wunsch, Fehl­ge­burt, Endo­me­triose oder Osteo­po­rose ging. Par­al­lel fei­ert die Kli­nik, die vor 20 Jah­ren als Spe­zi­al­kli­nik aus der Univ.-Klinik für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hilfe her­vor­ging ihr Jubi­läum mit Exper­ten aus Universitäts‑, Kli­nik- und Pfle­ge­ma­nage­ment. Che­fin und Direk­to­rin der Kli­nik ist Bet­tina Toth.

Depres­sio­nen bei Frauen mit hor­mo­nel­len Verhütungsmitteln
In den Vor­trä­gen wur­den auch aktu­elle Stu­dien the­ma­ti­siert, die sich etwa mit der „Pille“, Endo­me­triose, Trans­gen­der oder Frucht­bar­keit beschäf­ti­gen. Seit 2019 sind Phar­ma­un­ter­neh­men ver­pflich­tet, in den Gebrauchs­in­for­ma­tio­nen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man­che Frauen, die hor­mo­nelle Ver­hü­tungs­mit­tel ein­neh­men, von depres­si­ven Ver­stim­mun­gen und Depres­sio­nen berichten. 

Zuletzt unter­such­ten Inns­bru­cker For­sche­rIn­nen gemein­sam mit der Salz­bur­ger Paris-Lodron-Uni, ob die meist­be­nutz­ten hor­mo­nel­len Ver­hü­tungs­mit­tel wäh­rend der ers­ten Monate einen Ein­fluss auf Hirn­struk­tur und ‑funk­tion haben und wenn, ob sich die Effekte wie­der zurück­bil­den. Pro­ban­din­nen mit Pil­len­ein­nahme und eine Kon­troll­gruppe ohne lösen wäh­rend einer bild­ge­ben­den Unter­su­chung (fMRT) Auf­ga­ben. Den Teil­neh­me­rin­nen wird zudem Blut abge­nom­men. Die Tests wer­den mehr­fach jeweils mit Beginn der Regel­blu­tung durchgeführt.

Stu­dien zum Thema Fruchtbarkeitserhalt
Eine andere Stu­die (Anm. Fer­ti­tox) füh­ren der­zeit rund 70 Zen­tren in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz durch. Die für Öster­reich wird von Bet­tina Bött­cher von der Univ.-Klinik für Gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Repro­duk­ti­ons­me­di­zin gelei­tet. Ziel des Pro­jekts ist der Auf­bau einer Daten­bank mit Infor­ma­tio­nen über die Ent­wick­lung des Frucht­bar­keits­sta­tus und der Lebens­qua­li­tät von Patient:innen nach einer Chemo- oder Strah­len­the­ra­pie im Langzeitverlauf. 

„Wir schauen uns bei­spiels­weise an, wie sich das Sper­mio­gramm fünf und zehn Jahre nach einer Che­mo­the­ra­pie ent­wi­ckelt hat“, so die For­scher der Uni Kli­nik. Als nächs­tes kommt eine expe­ri­men­telle Stu­die, wo die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen von Umwelt­gif­ten auf die Frucht­bar­keit unter­sucht wird, etwa Schwer­me­talle, denen Men­schen in Indus­trie oder Trans­port­wirt­schaft aus­ge­setzt sind.

Öster­reich­weit ein­zi­ges inter­dis­zi­pli­nä­res Trans­gen­der Cen­ter in Innsbruck
Die Uni­ver­si­täts­kli­nik für Gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Repro­duk­ti­ons­me­di­zin ver­folgt einen endo­kri­no­lo­gi­schen Schwer­punkt, zu dem hor­mo­nelle Stö­run­gen wie eine zu früh ein­set­zende Peri­oden­blu­tung bei Kin­dern und Jugend­li­chen oder Wech­sel­be­schwer­den gehören. 

„Wir decken das kom­plette Leben ab“, sagt Katha­rina Feil. Sie hat sich auf die Betreu­ung von Trans­gen­der­per­so­nen spe­zia­li­siert und lei­tet das öster­reich­weit ein­zige inter­dis­zi­pli­näre Trans­gen­der Cen­ter in Inns­bruck. An der Kli­nik ist außer­dem die Lei­tung des Endo­me­triose-Zen­trums ange­sie­delt und sie ist Teil des Endokrinologie-Zentrums. 

Frucht­bar­keits­er­hal­tende Behand­lun­gen, Kryo­kon­ser­vie­rung und Reimplan­ta­tion von Eierstockgewebe
Zwei­ter Kli­nik­schwer­punkt ist alles rund um das Thema Kin­der­wunsch, von der ers­ten Abklä­rung bis zur künst­li­chen Befruch­tung. Ange­bo­ten wer­den auch frucht­bar­keits­er­hal­tende Behand­lun­gen, wie das Ein­frie­ren von Samen- oder Eizel­len vor einer Chemo- oder Strah­len­the­ra­pie. Auch die Kryo­kon­ser­vie­rung und Reimplan­ta­tion von Eier­stock­ge­webe ist in die­sem Rah­men möglich. 

Direk­to­rin Bet­tina Toth ist auf die­sem Gebiet eine aus­ge­wie­sene Exper­tin. Toth ver­half 2022 erst­mals in Öster­reich einer Pati­en­tin 15 Jahre nach deren Krebs­er­kran­kung zur natür­li­chen Geburt eines gesun­den Kin­des. Die Che­fin der Inns­bru­cker Uni­kli­nik für Gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Repro­duk­ti­ons­me­di­zin ist der­zeit auch Prä­si­den­tin der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Gynä­ko­lo­gie und Geburtshilfe. 

Autor: red/czaak
03.05.2024

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