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Die kind­li­che Ver­ar­bei­tung von Traumata

Eine wis­sen­schaft­li­che Stu­die der Uni­ver­sity of East Anglia (UK) hat bei Kin­dern die Ver­ar­bei­tung post­trau­ma­ti­scher Stö­run­gen unter­sucht. Eine unter­schied­li­che Eigen­wahr­neh­mung der Sym­ptome kann große Aus­wir­kun­gen auf Krank­heits­ver­lauf und Behand­lung haben, so ein Bericht von PressetextAustria .

Die bri­ti­sche Uni­ver­sity of East Anglia hat mit 200 Kin­dern eine Stu­die zum Thema post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­run­gen durch­ge­führt. Ein Ergeb­nis zeigt, dass Kin­der eher an einer Post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­rung (PTBS) lei­den, wenn sie glau­ben, dass ihre Reak­tion dar­auf nicht “nor­mal” ist. 

Die meis­ten Her­an­wach­sen­den erho­len sich nach einer der­ar­ti­gen Erfah­rung gut. Man­che erkran­ken jedoch an einer PTBS, die Monate, Jahre oder sogar bis ins Erwach­se­nen­al­ter anhal­ten kann. Am Beginn ste­hen dabei zumeist Pro­bleme bei der Ver­ar­bei­tung der Erkran­kung und die Wahr­neh­mung der Sym­ptome als etwas, das ernst­haft falsch ist.

Auto­un­fälle, Über­fälle, Hun­de­at­ta­cken, medi­zi­ni­sche Notfälle
Sym­ptome einer PTBS kön­nen bei Kin­dern und Teen­agern eine gän­gige Reak­tion auf ein Trauma sein, so die Ana­lyse von For­schungs­lei­ter Richard Mei­ser-Sted­man. In den ers­ten Mona­ten werde daher keine ent­spre­chende Dia­gnose gestellt, da es sich um eine völ­lig nor­male Reak­tion handle. In der aktu­el­len Stu­die unter­such­ten die For­scher nun, warum man­che Kin­der in der Zeit nach einem Trauma erheb­li­che Sym­ptome eines trau­ma­ti­schen Stres­ses haben und andere nicht — sowie warum erho­len sich viele vom Trauma und warum haben andere blei­bende Probleme ?

An der Stu­die nah­men über 200 Kin­der im Alter zwi­schen acht und 17 Jah­ren teil, die nach einem trau­ma­ti­schen Ereig­nis in die Not­auf­nahme ein­ge­lie­fert wor­den waren. Zu den trau­ma­ti­schen Erleb­nis­sen gehö­ren Auto­un­fälle, Über­fälle, Angriffe von Hun­den oder andere medi­zi­ni­sche Not­fälle. Die Stu­die basierte auf per­sön­li­chen Gesprä­chen mit den Betrof­fe­nen und ihre Belas­tun­gen durch PTBS wur­den zwi­schen zwei und vier Wochen nach dem Trauma sowie erneut nach zwei Mona­ten beurteilt.

Meh­rere Gruppen
Die For­scher teil­ten die Reak­tio­nen der Kin­der in drei Grup­pen auf : eine “belast­bare” Gruppe, die keine kli­nisch signi­fi­kan­ten Stress­sym­ptome ent­wi­ckelte. In einer zwei­ten Gruppe jene, die anfangs Sym­ptome zeig­ten, die nach zwei Mona­ten wie­der ver­schwun­den waren und in der drit­ten Gruppe waren signi­fi­kante Sym­ptome zu bei­den Zeit­punk­ten fest­zu­stel­len. Zusätz­lich wurde unter­sucht, ob soziale Unter­stüt­zung und das Reden über das Trauma mit Freun­den oder der Fami­lie gegen anhal­tende Pro­bleme hal­fen. Fak­to­ren wie andere Stres­s­er­leb­nisse im Leben oder das Vor­han­den­sein anhal­ten­der Schmer­zen wur­den eben­falls berücksichtigt.

Laut Mei­ser-Sted­man waren PTBS-Sym­ptome zu Beginn ziem­lich weit ver­brei­tet. Diese Reak­tio­nen wer­den laut dem For­scher durch große Angst und Kon­fu­sion wäh­rend des Trau­mas aus­ge­löst. Der Groß­teil der Kin­der und Jugend­li­chen erholte sich jedoch ohne wei­tere Inter­ven­tion von die­ser Erfah­rung. Das Aus­maß der kör­per­li­chen Ver­let­zun­gen konnte eine PTBS nicht vor­her­sa­gen. Auch andere Stres­so­ren, das Aus­maß der sozia­len Unter­stüt­zung oder Selbst­vor­würfe spiel­ten dabei keine Rolle.

Viel Nach­denk­zeit ver­schlech­tert Erholung
Die jun­gen Men­schen, die sich nicht gut erhol­ten und zwei Monate nach ihrem Trauma in Rich­tung einer chro­ni­schen PTBS ten­dier­ten, dach­ten viel wahr­schein­li­cher und kon­ti­nu­ier­li­cher nega­tiv über ihr Trauma und ihre Reak­tio­nen. Die Sym­ptome wur­den dahin­ge­hend wahr­ge­nom­men, als wäre etwas mit ihnen ernst­haft und dau­er­haft nicht in Ord­nung. Sie ver­trau­ten ande­ren Men­schen weni­ger und gin­gen davon aus, dass sie damit nicht zurecht­kom­men könn­ten. In vie­len Fäl­len ver­schlech­terte ein Nach­den­ken oder das Reden mit Freun­den und Fami­lie ihren Zustand.

Jene, die sich nicht gut erhol­ten, waren Kin­der, die davon berich­te­ten, dass sie viel Zeit damit ver­brach­ten, das Trauma zu ver­ste­hen. Es scheint mög­lich zu sein, dass die Betrof­fe­nen in die­sem Pro­zess ste­cken­blei­ben und zu viel Zeit damit ver­brin­gen, sich dar­auf zu kon­zen­trie­ren, was und warum es gesche­hen ist. Die jun­gen Men­schen, die sich gut erhol­ten, waren durch ihre Reak­tio­nen weni­ger belas­tet und schie­nen ihnen auch weni­ger Auf­merk­sam­keit zu schen­ken. Die Ergeb­nisse der Stu­die wur­den im “Jour­nal of Child Psy­cho­logy and Psych­ia­try” publiziert. 

Autor: PressetextAustria/red/cc
09.05.2019

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