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© Pexels.com/Eva Elijas

Die Klein­heit ver­än­dert alles

Ein­zelne Atome als Kata­ly­sa­to­ren. Seit Jah­ren lau­fen Ver­su­che, Metall­par­ti­kel in Kata­ly­sa­to­ren immer klei­ner zu machen. For­schun­gen der TU-Wien zei­gen nun über­ra­schende Effekte, wenn man bei der kleinst­mög­li­chen Größe ankommt.

Metalle wie Gold oder Pla­tin wer­den oft als Kata­ly­sa­to­ren ein­ge­setzt. So dient Pla­tin etwa in Fahr­zeug­ka­ta­ly­sa­to­ren dazu, gif­ti­ges Koh­len­mon­oxid in ungif­ti­ges Koh­len­di­oxid umzu­wan­deln. Auf­grund der hohen Kos­ten sol­cher Edel­me­talle ver­sucht man, sie in Form immer klei­ne­rer Par­ti­kel zu nut­zen. Der logi­sche End­punkt die­ser Ent­wick­lung sind Ein­zel­atom-Kata­ly­sa­to­ren : Das Metall liegt dann nicht mehr in Form von Par­ti­keln vor, son­dern in Form ein­zel­ner Atome, die auf einer Ober­flä­che fest­ge­hal­ten werden. 

Doch ein­zelne Atome kön­nen nicht mehr mit Regeln beschrie­ben, die von grö­ße­ren Metall­stü­cken her bekannt sind. Die Gesetze bei sol­chen Ein­zel­atom-Kata­ly­sa­to­ren müs­sen daher völ­lig neu erforscht wer­den und das gelang nun an der TU-Wien. Eine der wesent­li­chen Erkennt­nisse dabei : Wer­den ein­zelne Atome ver­wen­det, sind manch­mal auch viel kos­ten­güns­ti­gere Mate­ria­lien effek­ti­ver. Diese Ergeb­nisse wur­den nun auch im inter­na­tio­nal renom­mier­ten Fach­jour­nal „Sci­ence“ publiziert.

Das Zusam­men­spiel der Atome
„Warum man­che Edel­me­talle gute Kata­ly­sa­to­ren sind, wurde schon in den 1970er-Jah­ren erforscht“, sagt Gareth Par­kin­son vom Insti­tut für Ange­wandte Phy­sik der TU Wien. „Etwa vom Che­mi­ker Ger­hard Ertl, der dafür 2007 mit dem Nobel­preis aus­ge­zeich­net wurde.“ In einem Stück Metall lässt sich jedoch nicht jedes Elek­tron einem bestimm­ten Atom zuord­nen, die Elek­tro­nen­zu­stände erge­ben sich durch das Zusam­men­spiel vie­ler Atome. Und die Ener­gie der Elek­tro­nen wird nicht bloß von den Eigen­schaf­ten eines Metall­atoms fest­ge­legt, son­dern vom Metall­stück insgesamt.

Zudem spie­len für che­mi­sche Pro­zesse nur die äuße­ren Atome des Metalls eine Rolle – die Atome im Inne­ren des Metall­stücks kom­men mit der Umge­bung nie­mals in Kon­takt. Soll nun Mate­rial gespart wer­den, so emp­fiehlt sich die Ver­wen­dung win­zi­ger Metall­par­ti­kel anstatt gro­ßer Metall­klum­pen. Hie befin­det sich ein gro­ßer Anteil der Atome an der Ober­flä­che, die sich sodann auch an der Kata­lyse betei­li­gen kön­nen. Aus Sicht der TU-Wien war nun nahe­lie­gend, das Metall in Form ein­zel­ner Atome zu ver­wen­den, damit jedes ein­zelne Metall­atom che­misch aktiv sein kann. Und tat­säch­lich las­sen sich auf diese Weise große Erfolge erzielen.

Fal­sches Modell, rich­tige Lösung
„Das Ver­wir­rende daran ist nur : Bei ein­zel­nen Ato­men sind die Modelle eigent­lich gar nicht mehr anwend­bar, mit denen man bis­her erklärt hatte, warum diese Edel­me­talle so gute Kata­ly­sa­to­ren sind“, so Par­kin­son. „Ein­zel­atome kön­nen sich keine Elek­tro­nen tei­len, die Elek­tro­nen­bän­der, deren Ener­gie man für den Schlüs­sel zur Erklä­rung der Kata­lyse gehal­ten hatte, gibt es in die­sem Fall ein­fach nicht.“

Gareth Par­kin­son und sein Team unter­suchte daher in den letz­ten Jah­ren, wel­che ato­ma­ren Mecha­nis­men hin­ter die­ser Ein­zel­atom-Kata­lyse ste­cken. „Es ist zwar bemer­kens­wert, dass die Metalle, die wir als gute Kata­ly­sa­to­ren ken­nen, auch in Form ein­zel­ner Atome gute Kata­ly­sa­to­ren sind, aber bei nähe­rer Betrach­tung zeigt sich : Das ist kein Zufall“, so der TU-Experte. „Es sind näm­lich in bei­den Fäl­len die­sel­ben Elek­tro­nen, die soge­nann­ten d‑Elektronen, die dafür ver­ant­wort­lich sind.“

Maß­ge­schnei­derte Eigen­schaf­ten durch pas­sende Oberflächen
In der Ein­zel­atom-Kata­lyse erge­ben sich zudem völ­lig neue Mög­lich­kei­ten, die man bei der Ver­wen­dung gewöhn­li­cher Metall­par­ti­kel nicht hat : „Je nach­dem, auf wel­chem Unter­grund wir die Metall­atome plat­zie­ren und wel­che ato­ma­ren Bin­dun­gen sie dabei ein­ge­hen, kön­nen wir die Reak­ti­vi­tät der Atome ver­än­dern“, erklärt Par­kin­son. Und das bedeu­tet in man­chen Fäl­len, dass beson­ders teure Metalle wie etwa Pla­tin nicht mehr not­wen­di­ger­weise die beste Wahl sind. „Wir haben etwa große Erfolge mit ein­zel­nen Nickel-Ato­men erzielt. Wenn man die ato­ma­ren Mecha­nis­men der Ein­zel­atom-Kata­lyse ver­steht, hat man plötz­lich viel mehr Spiel­raum bei den che­mi­schen Pro­zes­sen“, erläu­tert Parkinson. 

An der TU-Wien wur­den acht unter­schied­li­che Modelle auf diese Weise exakt ana­ly­siert und die Ergeb­nisse pas­sen per­fekt zu theo­re­ti­schen Model­len, die wie­derum mit Cesare Fran­chini von der Uni Wien ent­wi­ckelt wur­den. „Kata­ly­sa­to­ren sind in vie­len Berei­chen sehr wich­tig, gerade bei wich­ti­gen che­mi­schen Reak­tio­nen für unsere Umwelt“, betont Par­kin­son. Ent­schei­dend ist die lokale Umge­bung der Atome und die rich­tige Aus­wahl – dann kön­nen bes­sere Kata­ly­sa­to­ren ent­wi­ckelt und gleich­zei­tig Res­sour­cen und Kos­ten gespart werden. 

Autor: red/mich
22.01.2021

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