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© pexels/andrea piacqudio

Die Mathe­ma­tik des Zufalls

Der öster­rei­chi­sche Wis­sen­schafts­fonds FWF prä­miert all­jähr­lich mit den START-Prei­sen her­aus­ra­gende wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten. Eine Aus­zeich­nung geht heuer an den Mathe­ma­ti­ker Máté Gerenc­ser von der TU Wien. 

Der START-Preis des Wis­sen­schafts­fonds FWF gilt als die wich­tigste Aus­zeich­nung für junge Wis­sen­schaft­ler in Öster­reich. Die Prä­mie­run­gen sind mit bis zu 1,2 Mil­lio­nen Euro dotiert und sol­len bereits in einer frü­hen Phase der For­schungs­kar­riere den Auf­bau einer eige­nen For­schungs­gruppe von inter­na­tio­na­lem Spit­zen­ni­veau ermög­li­chen. Bei den dies­jährigen START-Prei­sen erhält nun Máté Gerenc­sér vom Insti­tut für Ana­ly­sis und Sci­en­ti­fic Com­pu­ting der TU Wien eine Aus­zeich­nung. Gerenc­sér forscht an sto­chas­ti­schen par­ti­el­len Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen, ein For­schungs­ge­biet in einem rele­van­ten Kon­text auch mit der moder­nen Physik.

Die Beschrei­bung der Welt
Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen sind heute das wohl wich­tigste mathe­ma­ti­sche Werk­zeug für die Natur­wis­sen­schaf­ten. Es sind Glei­chun­gen, deren Lösung nicht bloß eine Zahl ist, son­dern übli­cher­weise eine Funk­tion. „Etwa die Form einer Welle, ein Tem­pe­ra­tur­ver­lauf, der von Ort und Zeit abhängt, oder Tur­bu­len­zen in Luft oder Was­ser“, erklärt Máté Gerenc­sér. Die heut­zu­tage bekann­ten Natur­ge­setze wer­den in Form von Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen beschrieben. 

Das gilt für die Newton’schen Bewe­gungs­ge­setze wie für die Glei­chun­gen der Elek­tro­dy­na­mik oder die Schrö­din­ger­glei­chung – eine par­ti­elle Dif­fe­ren­ti­al­glei­chung, die das Ver­hal­ten von Quan­ten­teil­chen beschreibt. Dabei han­delt es sich um deter­mi­nis­ti­sche Glei­chun­gen : Wenn man den Zustand eines phy­si­ka­li­schen Sys­tems zu einem bestimm­ten Zeit­punkt kennt, ist dadurch auch der Zustand zu einem ande­ren Zeit­punkt festgelegt. 

Der Fak­tor Zufall als Bestand­teil von Gleichungen
Die Glei­chun­gen, mit denen sich Máté Gerenc­sér beschäf­tigt, sind auf­wän­di­ger : „In unse­rer For­schungs­gruppe arbei­ten wir mit sto­chas­ti­schen Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen – also mit Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen, in denen auch ein gewis­ses Maß an Zufall ein­ge­baut ist, etwa eine bestimmte Art von Rau­schen“, skiz­ziert der TU-For­scher. Bei­spiels­weise kann man mit gewöhn­li­chen Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen aus­rech­nen, wie schnell ein hei­ßer Stab in einer küh­len Umge­bung abkühlt. Aber was ist, wenn es zusätz­lich eine zufäl­lig fluk­tu­ie­rende Wär­me­quelle gibt, die den Stab auf­heizt ? Mit der Schrö­din­ger­glei­chung kann man die Bewe­gung eines Elek­trons berech­nen. Aber was ist, wenn das Elek­tron dabei völ­lig zufäl­lig von ande­ren Teil­chen gestört wird ?

Die soge­nann­ten Renor­ma­li­sie­rungs­ver­fah­ren Um sol­che Zufäl­lig­kei­ten in der Welt der Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen berück­sich­ti­gen zu kön­nen, müs­sen kom­plett neue mathe­ma­ti­sche Werk­zeuge ent­wi­ckelt wer­den. So kann es etwa pas­sie­ren, dass bestimmte Terme die­ser Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen unend­lich groß wer­den, das ist dann die soge­nannte Sin­gu­la­ri­tät. In die­ser Situa­tion ver­sa­gen dann her­kömm­li­che mathe­ma­ti­sche Metho­den. Zur Ermitt­lung von zuver­läs­si­ge­ren Metho­den die­nen hier dann soge­nannte Renormalisierungsverfahren. 

„Auf die­sem Gebiet gab es zuletzt wich­tige Durch­brü­che“, sagt Máté Gerenc­sér vom Insti­tut für Ana­ly­sis und Sci­en­ti­fic Com­pu­ting der TU Wien. Via START-Preis sol­len nun diese The­men wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Máté Gerenc­sér stu­dierte Mathe­ma­tik an der Eöt­vös Loránd Uni in Buda­pest und dis­ser­tierte an der Uni Edin­burgh. Dann folg­ten Stu­di­en­auf­halte an der Uni of War­wick bei Fields-Medail­len-Gewin­ner Mar­tin Hai­rer und der Wech­sel nach Öster­reich an das IST Aus­tria. 2020 erhielt Gerenc­sér die Lauf­bahn­stelle an der TU Wien.

Autor: red/mich
30.06.2023

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