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Die nächs­ten nöti­gen Einschränkungen

40 Pro­zent der Jugend­li­chen reden lie­ber mit KI anstatt mit Men­schen. 25 Pro­zent füh­ren mit Chat­bots freund­schaft­li­che oder gar lie­bes­ähn­li­che Bezie­hun­gen. Par­al­lel fürch­ten die Jugend­li­chen nega­tive Aus­wir­kun­gen auf ihr mensch­lich-sozia­les Leben, so wei­tere Ergeb­nisse der neuen KI-Stu­die von Saferinternet.

Men­schen und die Poli­tik dis­ku­tie­ren nötige Ein­schrän­kun­gen gegen die mehr­fach nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der soge­nann­ten Sozia­len Medien auf die soziale und phy­si­sche Gesund­heit von (nicht nur) jun­gen Men­schen. Par­al­lel schwappt mit dem regel­rech­ten KI-Tsu­nami aber schon die nächste gesell­schafts­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­rung über die Köpfe der Huma­no­iden hin­weg. Die betrof­fe­nen Jugend­li­chen for­dern hier nun aber von Beginn weg Unter­stüt­zung, Regeln und gege­be­nen­falls auch Ein­schrän­kun­gen, so Ergeb­nisse der KI-Stu­die von Safer­inter­net (eco­nomy berichtete).

Die Zah­len der ers­ten umfas­sen­den Stu­die zur KI-Nut­zung von jun­gen Men­schen sind deut­lich : 94 Pro­zent der 11- bis 17-Jäh­ri­gen nut­zen KI-Chat­bots. Die haupt­säch­li­che Nut­zung betrifft schu­li­sche Belange wie etwa Haus­auf­ga­ben (rund 75 Pro­zent) oder das Suchen und Zusam­men­fas­sen von Infor­ma­tio­nen (47 Pro­zent). Auf­fal­lend ist aber die zuneh­mende Bedeu­tung von KI in sozia­len und emo­tio­na­len Berei­chen, bis dato auch zwi­schen­mensch­lich genannt.

KI kann pro­fes­sio­nelle Bera­tung und Hilfe für junge Men­schen nicht ersetzen

40 Pro­zent der befrag­ten jun­gen Men­schen emp­fin­den es oft als hilf­rei­cher, eine KI zu fra­gen als einen Men­schen. Für 30 Pro­zent ist KI eine Art Freund:in, um Sor­gen oder Pro­bleme zu bespre­chen und die dann auch Trost spen­den kann. Rund 25 Pro­zent füh­ren freund­schaft­li­che Unter­hal­tun­gen, knapp 20 Pro­zent sogar roman­ti­sche Gesprä­che. Und über 25 Pro­zent glau­ben, dass sich Jugend­li­che tat­säch­lich in einen Chat­bot ver­lie­ben könnten.

Gene­rell ist mit fast 60 Pro­zent die Mehr­heit der Jugend­li­chen der Ansicht, dass KI-Chat­bots häu­fig gute Rat­schläge geben. Trotz­dem haben sich schon knapp 20 Pro­zent auf­grund einer KI-Ant­wort unwohl gefühlt, wobei männ­li­che Jugend­li­che (23 Pro­zent) dies deut­lich häu­fi­ger wahr­neh­men als weib­li­che (13 Pro­zent). Aus den Fokus­grup­pen geht her­vor, dass unan­ge­nehme Erfah­run­gen etwa dadurch ent­ste­hen, dass Rat­schläge zum Umgang mit Men­schen als mani­pu­la­tiv emp­fun­den wer­den oder Ant­wor­ten nega­tive Gefühle eher ver­stär­ken, statt zu entlasten.

Risi­ken wer­den von Jugend­li­chen unterschätzt

Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist es, wenn KI in sen­si­blen oder belas­ten­den Situa­tio­nen als Unter­stüt­zung genutzt wird. KI-Sys­teme kön­nen diese nicht in glei­chem Aus­maß bie­ten wie Men­schen : „Gerade bei per­sön­li­chen oder psy­chi­schen Pro­ble­men kann eine Bera­tung durch KI-Chat­bots zunächst als Über­brü­ckung die­nen, sie stößt aber schnell an ihre Gren­zen und kann eine qua­li­fi­zierte Bera­tung nicht erset­zen“, warnt Bir­git Satke von Rat auf Draht. „Wir beob­ach­ten außer­dem immer wie­der, dass Chat­bots Falsch­in­for­ma­tio­nen zu Bera­tungs­stel­len aus­ge­ben“, so Satke.

Grund­sätz­lich ist das Ver­trauen der Jugend­li­chen in KI groß : Mehr als die Hälfte ver­lässt sich dar­auf, dass ChatGPT & Co kor­rekte Infor­ma­tio­nen lie­fern. Vier von zehn Befrag­ten über­prü­fen sel­ten bzw. nie, ob die Ergeb­nisse tat­säch­lich stim­men. „Auch wenn die Ant­wor­ten oft plau­si­bel wir­ken und struk­tu­riert erschei­nen, darf man nicht ver­ges­sen, dass KI-Chat­bots keine Such­ma­schi­nen sind und fal­sche oder unvoll­stän­dige Infor­ma­tio­nen lie­fern kön­nen“, sagt Bar­bara Bucheg­ger, päd­ago­gi­sche Lei­te­rin von Saferinternet. 

„Das Recht auf Pri­vat­sphäre muss ein­dring­li­cher ver­mit­telt werden“

„Umso wich­ti­ger ist es, KI-Ergeb­nisse nicht unge­prüft zu über­neh­men und bereits vorab zu über­le­gen, ob eine Such­ma­schine oder ein Chat­bot für die Frage geeig­ne­ter ist“, betont Bucheg­ger. Sor­gen berei­tet der Mehr­heit (56 Pro­zent) der Jugend­li­chen auch, dass KI-Tools mög­li­cher­weise die Fähig­keit, selb­stän­dig über etwas nach­zu­den­ken, schwä­chen könn­ten. „Man wird irgend­wie faul, wenn man alles fra­gen kann“, so eine Jugend­li­che in den Fokusgruppen.

Besorg­nis­er­re­gend ist auch, dass 28 Pro­zent der Befrag­ten glau­ben, ihre Ein­ga­ben in KI-Chat­bots seien ver­trau­lich und könn­ten von nie­man­dem ein­ge­se­hen oder genutzt wer­den. Nahezu die Hälfte geht davon aus, dass andere Jugend­li­che per­sön­li­che Daten mit KI-Sys­te­men tei­len. Mehr als ein Vier­tel ver­traut KI-Chat­bots sogar intime Inhalte an. „Jugend­li­che gehen teil­weise unbe­dacht mit ihren per­sön­li­chen Daten um. Das Recht auf Pri­vat­sphäre und wel­che Aus­wahl­mög­lich­kei­ten es bei den unter­schied­li­chen Anwen­dun­gen gibt, muss ein­dring­li­cher ver­mit­telt wer­den“, plä­diert Ste­fan Eben­ber­ger, Gene­ral­se­kre­tär der ISPA für eine stär­kere Sen­si­bi­li­sie­rung Jugend­li­cher beim Thema Datenschutz.

Posi­tive Ein­stel­lung gegen­über KI überwiegt

Ins­ge­samt ste­hen Jugend­li­che Künst­li­cher Intel­li­genz über­wie­gend posi­tiv bezie­hungs­weise neu­tral gegen­über, sowohl mit Blick auf die Gesell­schaft als auch auf den per­sön­li­chen Nut­zen. Mehr als die Hälfte (55 Pro­zent) sieht KI vor allem als Chance für sich selbst. Als Gefahr bewer­ten sie sie­ben Pro­zent, teils Gefahr und teils Chance sind es 31 Pro­zent. Damit schät­zen sie KI für sich selbst posi­ti­ver ein als für die Gesell­schaft ins­ge­samt. 42 Pro­zent sehen sie als Chance, 15 Pro­zent als Gefahr und 35 Pro­zent sehen sie teils, teils als Gefahr oder Chance.

„Künst­li­che Intel­li­genz ist in der Gesell­schaft ange­kom­men und hat gro­ßes Poten­zial. Die Jugend­li­chen erken­nen die Bedeu­tung der künst­li­chen Intel­li­genz, wen­den sie an und legen so eine erste wich­tige Basis für ihre eigene Zukunft“, resü­miert Ste­fan Eben­ber­ger von der ISPA posi­tiv. Aber : „Wir müs­sen die jun­gen Men­schen früh­zei­tig unter­stüt­zen, damit sie einen reflek­tier­ten und ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit KI erler­nen“, unter­streicht Ebenberger.

Klare For­de­rung nach mehr Bil­dung im Umgang mit KI

Auch die Jugend­li­chen selbst wün­schen sich mehr Ori­en­tie­rung im Umgang mit Künst­li­cher Intel­li­genz. Das zeigt die Erhe­bung deut­lich, wo mehr als die Hälfte der Befrag­ten gerne bes­ser ver­ste­hen würde, wie KI eigent­lich arbei­tet. Tat­säch­lich hat knapp die Hälfte der Jugend­li­chen bis­lang noch nie die Funk­ti­ons­weise von KI-Sys­te­men alters­ge­recht erklärt bekom­men. Auch beim Thema Alters­gren­zen posi­tio­nie­ren sich die Jugend­li­chen ein­deu­tig : Mehr als die Hälfte spricht sich für eine Alters­be­schrän­kung bei der Nut­zung von KI-Chat­bots aus. Davon hal­ten fast 40 Pro­zent eine Alters­grenze von 14 Jah­ren für sinnvoll.

Was das Erler­nen von Kom­pe­ten­zen im Umgang mit KI betrifft, sehen Jugend­li­che vor allem das Bil­dungs­sys­tem in der Ver­ant­wor­tung. Zwei Drit­tel erwar­ten sich Unter­stüt­zung durch die Schule, ein Drit­tel von den Eltern. Die Ergeb­nisse machen deut­lich : Jugend­li­che wün­schen sich nicht nur Regeln, son­dern vor allem fun­dierte Bil­dung, um KI sicher und ver­ant­wor­tungs­voll nut­zen zu kön­nen. „Es braucht sichere KI-Chat­bots, die auf die Bedürf­nisse von Kin­dern zuge­schnit­ten sind, damit sie den Umgang mit die­sen in einem geschütz­ten Rah­men erler­nen kön­nen“, for­dert Bar­bara Bucheg­ger, päd­ago­gi­sche Lei­te­rin von Safer­inter­net und Mit­in­itia­to­rin der neuen Stu­die zur KI-Nut­zung von Jugend­li­chen. (red/​laucz, red/​cc)

Autor: red/laucz,red/cc
11.02.2026

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