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Die neue Lust an der geho­be­nen Exotik

Die Rei­se­bran­che split­tet sich zuneh­mend in die Bil­lig­rei­se­sparte und Rei­sen für anspruchs­vol­lere Tra­vel­ler auf. Für Letz­tere ist das Ange­bot an klei­nen, aber fei­nen Hotels an Top-Desti­na­tio­nen, aber auch die Aus­wahl an Aben­teuer- und Kul­tur­rei­sen in exo­ti­sche Gebiete zuletzt immer zahl­rei­cher geworden.

Jesolo und Caorle sind Rei­se­ziele von ges­tern. Der Urlau­ber von heute will mehr von der Welt sehen, das zeigt allein die Fülle an Fern­rei­se­an­ge­bo­ten, auf die man in die­sem tou­ris­mus­schwa­chen Som­mer stößt. Eine Woche Kenia im Dreis­tern-Hotel ab 700 Euro, eine Woche Thai­land um 800 Euro, all inclu­sive : Wor­auf noch warten ?
Die Rei­se­indus­trie müht sich red­lich, ihre Bet­ten zu fül­len. Und für viele Leute, die sonst den Urlaub aus Kos­ten­grün­den eher im euro­päi­schen Umland ver­brin­gen, sind Kenia und Thai­land noch dazu ein schwe­rer Kul­tur­schock. „Ein paar kleine Schnit­zer muss man bei die­sen Prei­sen ein­fach hin­neh­men“, sagt ein Rei­sen­der im Tra­vel­b­log von Holi­day­check. „Ansons­ten muss man eben mehr bezah­len. Zudem sollte man sich vor­her even­tu­ell über das Land infor­mie­ren, in das man reist. Dann bekommt man kei­nen Kul­tur­schock und regt sich nicht über dre­ckige Fugen oder Schim­mel im Bad auf. Wer das nicht kann, muss ent­we­der viel zah­len oder sollte nur in Indus­trie­län­der reisen.“

Bil­lig, Aben­teuer oder Kultur
Bil­lig rei­sen heißt also auch duld­sam sein, jeden­falls ist es eine Mög­lich­keit für viele, ein­mal ganz weit weg zu kom­men. Für andere, die Rei­sen eher als Kul­tur­tä­tig­keit statt simple Erho­lung sehen, liegt die Sache natür­lich anders. Club­ho­tels, 500 Euro-Urlaube im Mas­sen­quar­tier, Ram­bazamba mit Matu­ran­ten­grup­pen, Sau­er­kraut auf Mal­lorca oder deut­sches Bier auf den Kana­ren kommt da eher nicht in Frage.
Für anspruchs­volle Rei­sende hat sich in den letz­ten Jah­ren ein breit gefä­cher­tes Pro­gramm an diver­sen Ange­bo­ten ent­wi­ckelt, das unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten eines kul­ti­vier­ten Urlaubs bie­tet. Zum einen ist dies das Auf­kom­men spe­zi­el­ler Hotel­an­ge­bote abseits des Mas­sen­tou­ris­mus, gemein­hin als Design- oder Bou­tique-Hotels bezeich­net. Diese bie­ten neben außer­ge­wöhn­li­cher Archi­tek­tur und Aus­stat­tung auch extra­va­gante Zusatz­leis­tun­gen wie zum Bei­spiel eine erle­sene Spa-Behand­lung, spe­zi­elle Aus­flüge, Well­ness, einen gut sor­tier­ten Wein­kel­ler und aller­lei andere Annehmlichkeiten.
Die größte Prä­senz in die­ser Tra­vel-Nische hat die deut­sche Life­style-Marke Design Hotels besetzt. Rei­sende kön­nen unter mehr als 160 Mit­glie­der­ho­tels aus­wäh­len. Die regio­na­len Schwer­punkte lie­gen der­zeit in Europa und Asien, doch auch in Marokko oder der Kari­bik wird man fün­dig. Design- oder Bou­tique-Hotels unter­schei­den sich von den gro­ßen Hotel­ket­ten durch per­sön­li­che­ren Ser­vice und Gestal­tung, da die Hotels meist von den Inha­bern geführt sind. Die ers­ten Bou­tique-Hotels gab es in den 1980er Jah­ren in New York, San Fran­cisco und London.

Klein, aber fein
Die Häu­ser sind einem bestimm­ten Thema oder Stil gewid­met und dem­entspre­chend ein­ge­rich­tet. Meis­tens sind sie eher klei­ner, aber in gro­ßen Städ­ten wie Lon­don, Bar­ce­lona, New York oder Paris kön­nen sie durch­aus auch mehr als hun­dert Zim­mer haben.
Fünf­sterne-Hotels mit spe­zi­el­lem Design und aus­ge­wähl­ter Loca­tion bie­tet auch die thai­län­di­sche Marke Anant­ara, für viele ein Inbe­griff für asia­ti­schen Luxus und guten Geschmack. Trend­set­ter unter den Design­ho­tels ist auch die Mor­gans Hotel Group, die mit abso­lu­ten In-Hotels in den USA (und auch den bei­den berühm­ten Häu­sern St Mar­tins Lane und San­der­son in Lon­don) punktet.
Doch Desi­gner­ho­tels und andere Geheim­tipps sind auch nicht jeder­manns Sache, und auf die Dauer belas­ten sie das Rei­se­sä­ckel doch erheb­lich. Und so wen­den sich man­che Tra­vel­ler eher den „design­ten“ Rei­sen zu, die sich an den Ansprü­chen moder­ner Aben­teu­rer ori­en­tie­ren. Wohin soll man also heute noch reisen ?
„Wir erken­nen im Rei­se­ver­hal­ten unse­rer Kun­den deut­lich den Trend zur maß­ge­schnei­der­ten bezie­hungs­weise Indi­vi­du­al­reise“, sagt Hel­mut Loi­zenbauer, Inha­ber eines der bes­ten Spe­zi­al­rei­se­bü­ros im deutsch­spra­chi­gen Raum. Das kleine Unter­neh­men aus Ober­österreich bie­tet in der Tat sehr außer­ge­wöhn­li­che Desti­na­tio­nen. Dar­un­ter fal­len etwa Rei­sen nach Nord­ko­rea, Kamt­schatka, Ost­grön­land, Papua-Neu­gui­nea, Tim­buktu oder die Ant­ark­tis. Alles mit kom­plet­tem Programm.

Außer­halb der Normen
„Wenn man sich ent­schließt, eine Reise zu machen, die außer­halb gän­gi­ger Nor­men liegt, sollte man auch bereit sein, hin und wie­der auf gewohnte Bequem­lich­kei­ten zu ver­zich­ten“, sagt Loi­zen­bauer. „Dafür wird man Land­schaf­ten von atem­be­rau­ben­der Schön­heit sehen, ver­ges­sene Kul­tur­denk­mä­ler besu­chen und durch die herz­li­che Gast­freund­schaft der dor­ti­gen Bewoh­ner viel­fach ent­schä­digt.“ Eine „per­sön­li­che, posi­tive Ein­stel­lung zum Gast­land und sei­nen Men­schen“ ver­bun­den mit „Tole­ranz und Nach­sicht“ seien jeden­falls not­wen­dig, um eine sol­che Reise zu einem blei­ben­den Erleb­nis wer­den zu lassen.
Unter den außer­ge­wöhn­li­chen Rei­sen, die Loi­zen­bauer im Pro­gramm hat, ist auch ein Auf­ent­halt auf der Insel Soco­tra, gele­gen vor der Küste des Jemen, eine Destina­tion, die einem ansons­ten gewiss nicht in den Sinn kommt. Oder eine sie­ben­tä­gige Schiffs­reise mit einem Schiffs­damp­fer von Kap­stadt auf die ent­le­gene Insel Tris­tan da Cunha, die als die abge­le­genste bewohnte Insel der Welt gilt.

No-go-areas
Und so gilt es noch vie­les zu ent­de­cken. Aller­dings birgt die heu­tige Welt auch eine Reihe von No-go-areas, die man von sei­nem tou­ris­ti­schen Radar ver­ban­nen sollte. Die gefähr­lichs­ten Län­der der Welt, für die alle­samt eine offi­zi­elle Rei­se­war­nung der UNO aus­ge­ru­fen wurde, wer­den der­zeit von Soma­lia getoppt. Abge­ra­ten wird von Rei­sen jeder Art dort­hin, auch von „beruf­lich notwendigen“.
Wei­tere Kri­sen­herde bil­den der Irak, Afgha­ni­stan und Paki­stan (zumin­dest bestimmte Gebiete in die­sen Län­dern). Nicht zu emp­feh­len sind ebenso Haiti, Sudan und die DR Kongo. Auch in Sim­babwe muss man sich der­zeit nicht unbe­dingt als Tou­rist auf­hal­ten. Und am bes­ten macht man um die Paläs­ti­nen­ser­ge­biete und den Liba­non einen Bogen. Von Urlaubs­rei­sen in den Jemen und den Iran wird im Moment eben­falls abge­ra­ten. Die gän­gigs­ten Pro­bleme : Ent­füh­run­gen, Über­fälle, Selbst­mord­at­ten­tate, Land­mi­nen, Aufstände.

Autor:
21.08.2009

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