
Die Reise ins weiße Licht
Dank der modernen Notfallmedizin gibt es heute immer mehr Menschen, die nach einem kurzen Herzstillstand wiederbelebt werden. Nicht selten berichten sie danach, dass sie eine sogenannte Nahtoderfahrung gemacht haben. Dabei wird oft Ähnliches erlebt : eine außerkörperliche Erfahrung, ein Flug durch einen Tunnel mit einem hellen Licht an dessen Ende, eine Art Lebensrückschau, ein verändertes Gefühl für Raum und Zeit. Die Schulmedizin scheitert mit ihrem Versuch, diese Phänomene als Halluzinationen zu deuten, weil viele Betroffene während ihres Herzstillstands etwas erlebt haben, was weit von ihnen entfernt tatsächlich geschehen ist.
Raum, Zeit, Licht – das sind Begriffe, die auch in Albert Einsteins Relativitätstheorie eine wichtige Rolle spielen. Einstein erkannte vor über 100 Jahren, dass Raum und Zeit nur relativ sind. Wenn sich ein Objekt relativ zu einem Beobachter bewegt, erscheint es für diesen kürzer. Wenn sich eine Uhr relativ zu einem Beobachter
bewegt, läuft sie für diesen langsamer. Im Grenzfall einer Relativbewegung mit Lichtgeschwindigkeit schrumpfen alle räumlichen und zeitlichen Distanzen auf den Wert Null. Die Ewigkeit existiert also tatsächlich – im Licht ! Falls unsere Seele beim Sterben Lichtgeschwindigkeit erreicht, könnte sie mit Leichtigkeit riesige Entfernungen überwinden und ein ganzes Menschenleben auf den Bruchteil einer Sekunde komprimieren.
Doch damit nicht genug ; auch aus physikalischer Sicht kommt es bei einer Bewegung mit Fast-Lichtgeschwindigkeit zu einer Art Tunnelerlebnis. Der sogenannte Searchlight-Effekt besagt, dass bei derart hohen Geschwindigkeiten das Umgebungslicht gebündelt wie bei einem Scheinwerfer wahrgenommen wird. Es sieht aus wie bei einem Flug durch einen Tunnel mit einem hellen Licht am Ende. Aber der Clou kommt erst noch : Viele Nahtoderfahrene berichten, mit einem Affenzahn durch den Tunnel gerauscht zu sein. Ist es Zufall, dass auch der Searchlight-Effekt nur bei sehr hohen Geschwindigkeiten auftritt ? Ist es ein zweiter Zufall, dass am Ende dieses Tunnels Licht ist – also die Ewigkeit ? Und ist es ein dritter Zufall, dass Materielles niemals Lichtgeschwindigkeit erreichen kann ? Dass es sich folglich lohnen könnte, nach immateriellen Werten wie Liebe und Wissen zu streben ?
Das Jenseits ist ein gigantischer Speicher von aller Liebe und allem Wissen. Ein Leben nach dem Tod kann es nicht geben, weil Leben stets Entwicklung bedeutet, die in der Ewigkeit – einem Zustand der Vollkommenheit – nicht mehr möglich ist.
Markolf H. Niemz ist Direktor der Mannheim Biomedical Engineering Laboratories (Mabel) der Universität Heidelberg und der Hochschule Mannheim.