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© Pexels/ Michaela St

Die Umwand­lung von Steuerfreibeträgen

Deut­sches ifo Insti­tut und Zen­trum für neue Sozi­al­po­li­tik beleuch­ten Umwand­lung von Steu­er­frei­be­trä­gen zu Gut­schrif­ten und dar­aus resul­tie­rende Effekte auf Ent­las­tungs­wir­kung und Beschäftigung. 

Wenn in Deutsch­land der Grund­frei­be­trag in der Ein­kom­men­steuer kom­plett umge­stellt würde auf eine Steu­er­gut­schrift, dann wür­den die unte­ren Ein­kom­mens­grup­pen stär­ker davon pro­fi­tie­ren, die Beschäf­ti­gung würde aber sin­ken. Das hat eine Modell­rech­nung des ifo Insti­tuts erge­ben, die im Auf­trag des Zen­trums für neue Sozi­al­po­li­tik (ZSP) erstellt wurde. 

Erhö­hun­gen der Frei­be­träge im aktu­el­len Sys­tem ent­las­ten Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men weniger
„Frei­be­träge min­dern für alle das Ein­kom­men, das ver­steu­ert wer­den muss. Das führt zu grö­ße­ren abso­lu­ten Steu­er­vor­teile in höhe­ren Ein­kom­mens­grup­pen, weil dort die Grenz­steu­er­sätze höher sind“, erklärt Andreas Peichl, Lei­ter des ifo Zen­trums für Makro­öko­no­mik und Befra­gun­gen. „Die Gut­schrif­ten dage­gen sind direkte Abzüge von der Steu­er­zah­lung“, so der Öko­nom weiter.

Und : „Diese Gut­schrif­ten könn­ten auch auf untere Grup­pen aus­ge­wei­tet wer­den, die bis­lang nichts von Frei­be­trä­gen haben, weil sie keine Ein­kom­men­steuer zah­len. Aller­dings wären die Beschäf­ti­gungs­ef­fekte stark nega­tiv“, betont Peichl. „Unsere Stu­die belegt, wie Erhö­hun­gen der Frei­be­träge im aktu­el­len Sys­tem Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men weni­ger ent­las­ten“, ergänzt Man­sour Aalam, Direk­tor des ZSP. 

Voll­stän­dige Umstel­lung auf Gut­schrif­ten wie in den USA schwierig
„Die in der Stu­die model­lierte Ver­knüp­fung von Steuer- und Trans­fer­sys­tem kann eine Grund­lage bie­ten, mit expe­ri­men­tel­len Ideen über das drän­gende Pro­blem der Nicht­in­an­spruch­nahme nach­zu­den­ken“, erläu­tert Aalam vom ZSP. „Eine voll­stän­dige Umstel­lung auf Gut­schrif­ten wie in den USA ist im kom­ple­xen deut­schen Sys­tem nicht ein­fach, da viele Dinge inein­an­der­grei­fen“, ergänzt Maxi­mi­lian Blö­mer vom ZSP und Co-Autor der aktu­el­len Studie. 

In Deutsch­land beträgt der Frei­be­trag der­zeit rund 11.000 Euro. Die­ser wird im Modell auf null gesetzt und statt­des­sen eine Steu­er­gut­schrift aus­ge­zahlt. So würde eine jähr­li­che Gut­schrift von 1.527 Euro dem Staat Mehr­ein­nah­men von 84,4 Mil­li­ar­den Euro brin­gen, eine von 4.581 Euro hin­ge­gen Min­der­ein­nah­men von 107,2 Mil­li­ar­den. Neu­tral wäre die kom­plette Umstel­lung auf Gut­schrift bei 2.820 Euro. 

Bei bestimm­ten Effek­ten pro­fi­tiert Mit­tel­schicht am stärksten
„Eine auf­kom­mens­neu­trale Umstel­lung auf Gut­schrif­ten würde aber dazu füh­ren, dass deut­lich weni­ger Men­schen arbei­te­ten, etwa im Umfang von 550.000 Voll­zeit­stel­len. Oben­drein wür­den 400.000 Per­so­nen den Arbeits­markt ver­las­sen“, skiz­zie­ren die ZSP-Exper­ten. Der Grund­frei­be­trag sorgt im Schnitt für eine Ent­las­tung von mehr als 4.000 Euro jähr­lich (etwa 9,6 Pro­zent des ver­füg­ba­ren Ein­kom­mens) je Haus­halt. Die abso­lute Ent­las­tung steigt kon­ti­nu­ier­lich mit dem zu ver­steu­ern­den Einkommen. 

Rela­tiv gese­hen pro­fi­tiert die Mit­tel­schicht bei Effek­ten von mehr als zehn Pro­zent auf das ver­füg­bare Ein­kom­men am stärks­ten vom Grund­frei­be­trag. Die abso­lute Ent­las­tung von Paar-Haus­hal­ten ist im Ver­gleich zu jener der Haus­halte mit nur einem Erwach­se­nen mehr als dop­pelt so hoch. Die Stu­die unter­sucht auch die Wech­sel­wir­kun­gen auf Mini­jobs, Sozi­al­leis­tun­gen, und das Ehegatten-Splitting. 

Autor: red/czaak
21.06.2024

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